Der Nervus accessorius (Beinerv, elfter Hirnnerv) entsteht aus Nervenzellen im Vorderhorn der oberen Halssegmente. [B] Er versorgt den M. sternocleidomastoideus und den M. trapezius. [B]
Er hat kein Hautgebiet. [B] Im seitlichen Halsdreieck liegt er dicht unter der Haut; dort wird er am häufigsten verletzt, meist bei der Entnahme eines Halslymphknotens. [B]
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nerv versorgt Kopfwendermuskel und Kapuzenmuskel; ein Hautgebiet hat er nicht. [B]
- Das Leitzeichen ist die Schwäche beim Schulterheben mit abgesunkener Schulter und seitlich abstehendem Schulterblatt. [B]
- Die häufigste Ursache einer Schädigung ist ein Eingriff im seitlichen Halsdreieck, vor allem die Lymphknotenentnahme. [B]
- Ein seitlich abstehendes Schulterblatt kommt auch bei Lähmung der Rautenmuskeln vor; die Richtung des Abstehens trennt diesen Nerv also nur vom N. thoracicus longus, nicht vom N. dorsalis scapulae. [I]
- Nach Operationen an der Halsschlagader ist er selten betroffen: 0,21 % in einer Zusammenschau von 26 Arbeiten mit 20.860 Eingriffen. [B]
- Wichtigste Abgrenzungen: N. thoracicus longus und N. dorsalis scapulae beim abstehenden Schulterblatt, Wurzel C4 und C5, neuralgische Schulteramyotrophie, Erkrankungen des Schultergelenks. [I]
Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 12. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.
Inhalt
Überblick: 1. Kurzbild · 2. Verlauf in Kürze · 3. Versorgungsgebiet
Klinik: 4. Schädigungsorte und Anlässe · 5. Beschwerdebild · 6. Untersuchung · 7. Apparative Diagnostik
Differenzialdiagnostik: 8. Überblick und Vorgehen · 9. Abstehendes Schulterblatt · 10. Schwäche beim Schulterheben · 11. Beschwerden nach einem Eingriff am Hals · 12. Was gegen diesen Nerv spricht
Verlauf und Behandlung: 13. Verlauf und beschriebene Behandlungswege · 14. Warnzeichen · 15. Häufige Fragen
Anatomische Einzelheiten: 16. Herkunft, Kerne und Verlauf im Einzelnen · 17. Was dieser Nerv nicht führt · 18. Reflexzonenmodelle
Anhang: 19. Fachbegriffe · 20. Grundlage und Quellen · Weiterlesen · Lesart dieser Seite
Teil A · Überblick
1. Kurzbild
| Merkmal | Angabe | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Fasern aus | Vorderhornzellen der Segmente C1 bis etwa C5, Nucleus nervi accessorii | [B] |
| Abgang | eigene Wurzelfäden am Rückenmark; Eintritt durch das Foramen magnum, Austritt durch das Foramen jugulare | [B] |
| Faserart | überwiegend bewegend; nach einer Übersichtsarbeit von 2024 auch schmerzleitende Fasern; kein Hautgebiet, keine vorgeschalteten vegetativen Fasern | [B] |
| Zielgebiet | M. sternocleidomastoideus und M. trapezius | [B] |
| Leitzeichen einer Schädigung | Schwäche beim Schulterheben, abgesunkene Schulter, seitlich abstehendes Schulterblatt, Abspreizen über 90 Grad erschwert | [B] |
| Wichtigste Abgrenzungen | N. thoracicus longus, N. dorsalis scapulae, Wurzel C4 und C5, Schultergelenk (Kapitel 9 bis 11) | [I] |
Die zugehörigen Segmentseiten sind Segment C1, Segment C2, Segment C3 und Segment C4.
Herkunft: anatomische Standardwerke (nicht eingesehen, siehe 20.4); Übersichtsarbeit Anat Sci Int 2024; Göransson et al. 2016; Martin und Fish 2008.
2. Verlauf in Kürze
- Im Wirbelkanal: Die Wurzelfäden treten seitlich aus dem oberen Halsmark aus und steigen zum Foramen magnum auf. [B]
- An der Schädelbasis: Der Nerv verlässt den Schädel durch das Foramen jugulare, gemeinsam mit N. glossopharyngeus und N. vagus. [B]
- Am Hals: Er zieht zum M. sternocleidomastoideus, durchsetzt ihn oder läuft an seiner Unterfläche und tritt an dessen Hinterrand in das seitliche Halsdreieck. [B]
- Im seitlichen Halsdreieck: Er läuft dort oberflächlich, nur von Haut, Unterhaut und Faszie bedeckt, zum Vorderrand des M. trapezius. [B]
Diese oberflächliche Strecke ist die Stelle, an der er bei Eingriffen verletzt wird (Kapitel 4). [B]
In einer Ultraschallstudie an 100 Nerven lief der Nerv im oberen Hals in 38 % unter dem Kopfwendermuskel hindurch und in 62 % zwischen dessen beiden Köpfen; sein mittlerer Durchmesser betrug 0,54 ± 0,09 mm. [B]
Herkunft: anatomische Standardwerke; Übersichtsarbeit Anat Sci Int 2024; Ultraschallstudie 2014 (100 Nerven).
3. Versorgungsgebiet
Der M. sternocleidomastoideus dreht den Kopf zur Gegenseite und neigt ihn zur eigenen Seite; der M. trapezius hebt und dreht das Schulterblatt und hält es an den Brustkorb. [B]
Der M. trapezius erhält zusätzlich Äste aus dem Halsgeflecht, meist aus C2 bis C4. [B] Ihr Anteil an der Kraft ist umstritten; deshalb fällt der Muskel nach einer Schädigung dieses Nervs nicht immer vollständig aus. [I]
Ein Hautgebiet hat der Nerv nicht. [B] Die Haut über dem Kapuzenmuskel versorgen die Nn. supraclaviculares. [B]
Herkunft: anatomische Standardwerke (nicht eingesehen); Übersichtsarbeit Anat Sci Int 2024.
Teil B · Klinik
4. Schädigungsorte und Anlässe
Nach der S3-Leitlinie zur Versorgung peripherer Nervenverletzungen waren in großen Reihen 94 % der Accessoriusläsionen ärztlich verursacht. [B]
| Ort oder Anlass | Mechanismus | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Lymphknotenentnahme im seitlichen Halsdreieck | unmittelbare Durchtrennung oder Zug; häufigster Anlass | [B] |
| Nadelbiopsie eines Halslymphknotens | Stichverletzung; nur in Einzelfällen beschrieben, Ort wegen der kleinen Einstichstelle schwer zu finden | [B] |
| Ausräumung der Halslymphknoten | Durchtrennung, Zug, Gefäßunterbindung | [B] |
| Andere Eingriffe im seitlichen Halsdreieck, etwa Entfernung einer Geschwulst | Nähe zum Operationsfeld | [B] |
| Operation an der Halsschlagader | Zug oder Durchtrennung; 0,21 % in einer Zusammenschau | [B] |
| Stumpfe Gewalt oder Zug am Hals | Überdehnung | [B] |
Die Schädigung wird oft nicht sofort erkannt. [B] Die Leitlinie hält für ärztlich verursachte Nervenläsionen fest, dass sie vom Verursacher in der Regel nicht sofort bemerkt werden, und verlangt frühe Diagnostik und frühes Hinzuziehen nervenchirurgischer Erfahrung. [B]
Herkunft: Leitlinie AWMF 005-010 (S3, Version 2.1), Kapitel 4.4 und Statement 6; Harpf et al. 1999; Suzuki et al. 2020; Kakisis et al. 2017 (26 Arbeiten, 20.860 Eingriffe).
5. Beschwerdebild
- Schwäche beim Heben der Schulter gegen Widerstand [B]
- Schwäche beim Abspreizen des Arms über 90 Grad [B]
- Schulter steht tiefer, das Schulterblatt rückt nach außen und steht ab [B]
- Schwund des oberen Anteils des Kapuzenmuskels, sichtbar als abfallende Schulterlinie [B]
- ziehender Schmerz im Nacken und an der Schulter, oft belastungsabhängig [B]
- kein Hautbefund [I]
Der Ausfall des M. sternocleidomastoideus fällt im Alltag weniger auf als der des Kapuzenmuskels. [I]
Herkunft: Göransson et al. 2016; Martin und Fish 2008; Minami et al. (Einzelfall mit Verlaufsbeobachtung).
6. Untersuchung
- Schulterheben gegen Widerstand im Seitenvergleich. [B]
- Kopfdrehung gegen Widerstand zur Gegenseite, dabei Tastbefund am Kopfwendermuskel. [B]
- Schulterblatt in Ruhe und beim Abspreizen: Stellung, Richtung des Abstehens, Höhenstand. [B]
- Narbe oder Einstichstelle im seitlichen Halsdreieck; Tinel-Zeichen über dem Nervenverlauf. [B]
- Hautgefühl: bei alleiniger Schädigung dieses Nervs unauffällig. [I]
Die Leitlinie hält fest, dass die klinische Untersuchung allein oft nicht zwischen den Schweregraden einer Nervenverletzung unterscheiden kann, besonders im Frühstadium. [B]
Herkunft: Martin und Fish 2008; Minami et al.; Leitlinie AWMF 005-010, Statement 7.
7. Apparative Diagnostik
Nach der Leitlinie zur Versorgung peripherer Nervenverletzungen liefert die Neurographie bereits nach einer Woche Hinweise, ob ein Leitungsblock oder eine Schädigung der Nervenfasern vorliegt. Die Nadeluntersuchung des Muskels zeigt die typischen Veränderungen nach etwa zwei Wochen. [B]
Der Ultraschall stellt den Nerv im seitlichen Halsdreieck dar; bei Gesunden betrug sein Durchmesser im Mittel 0,54 mm. [B] In einem Einzelfall war eine Verdickung von 1,8 mm bei erhaltener Kontinuität zu sehen, die im Verlauf auf 0,9 mm zurückging. [B] Nach einer Nadelbiopsie half der Ultraschall, den Schädigungsort zu finden. [B]
Die Kernspinuntersuchung zeigt Schwund und Denervierungsödem des Muskels. [B]
Herkunft: Leitlinie AWMF 005-010, Empfehlungen 6.2.1, 6.2.2 und 6.3.1; Ultraschallstudie 2014; Suzuki et al. 2020; Einzelfallbericht PMC7666691.
Teil C · Differenzialdiagnostik
8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen
Das Wichtigste in Kürze
- Ein abstehendes Schulterblatt hat drei nervale Formen. Bei Lähmung des Sägemuskels steht es nach innen ab, bei Lähmung des Kapuzenmuskels und der Rautenmuskeln nach außen. [B]
- Die Richtung trennt diesen Nerv deshalb vom N. thoracicus longus, aber nicht vom N. dorsalis scapulae; dort entscheiden Schulterheben, Kopfwendermuskel und Nadeluntersuchung. [I]
- Eine Narbe oder Einstichstelle im seitlichen Halsdreieck ist der stärkste Hinweis auf die Ursache. [I]
- Ein Hautbefund spricht gegen diesen Nerv und für Wurzel, Geflecht oder einen Hautnerv. [I]
- Schulterschmerz ohne Schwäche des Schulterhebens ist eher eine Erkrankung des Schultergelenks. [I]
Die Ordnung dieser Kapitel folgt drei Leitfragen.
- Wie steht das Schulterblatt? Das führt zu Kapitel 9.
- Ist das Schulterheben schwach, und was ist noch betroffen? Das führt zu Kapitel 10.
- Ging ein Eingriff am Hals voraus? Das führt zu Kapitel 11.
Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.
Herkunft: Martin und Fish 2008; die auf den Seiten Nervus thoracicus longus und Nervus dorsalis scapulae genannten Quellen.
9. Differenzialdiagnostik: Abstehendes Schulterblatt
| Betroffener Nerv | Gelähmter Muskel | Richtung des Abstehens | Was zusätzlich unterscheidet |
|---|---|---|---|
| N. accessorius | M. trapezius | nach außen (laterales Abstehen); Schulter abgesunken [B] | Schwäche beim Schulterheben, Schwund des oberen Kapuzenmuskels; bei hoher Schädigung auch Kopfwendermuskel betroffen [B] |
| N. dorsalis scapulae | Mm. rhomboidei | nach außen (laterales Abstehen) [B] | Schulterheben kräftig, Kopfwendermuskel unauffällig [I] |
| N. thoracicus longus | M. serratus anterior | nach innen (mediales Abstehen), verstärkt beim Stemmen gegen die Wand [B] | meist spontane Erholung innerhalb von 24 Monaten beschrieben [B] |
Kapuzenmuskel und Rautenmuskeln erzeugen dieselbe Richtung des Abstehens. Die Richtung allein trennt sie nicht; die Trennung leisten die Kraft beim Schulterheben, der Befund am Kopfwendermuskel und die Nadeluntersuchung der einzelnen Muskeln. Regel der Ableitung: Ein Merkmal, das zwei Ursachen gemeinsam haben, trennt sie nicht. [I]
Nicht jedes abstehende Schulterblatt ist nerval bedingt; Schmerz, Fehlhaltung und Erkrankungen des Schultergelenks kommen ebenfalls infrage. [I]
Herkunft: Martin und Fish 2008 (Curr Rev Musculoskelet Med); Göransson et al. 2016.
10. Differenzialdiagnostik: Schwäche beim Schulterheben
| Ursache | Was dafür spricht | Was dagegen spricht |
|---|---|---|
| Schädigung dieses Nervs | Schwäche beim Schulterheben, Schwund des oberen Kapuzenmuskels, kein Hautbefund [I] | erhaltene Kraft beim Schulterheben [I] |
| Wurzel C4 oder C5 | Nackenschmerz mit Ausstrahlung, Gefühlsstörung, weitere Muskeln betroffen [I] | Ausfall auf Kapuzen- und Kopfwendermuskel begrenzt [I] |
| Neuralgische Schulteramyotrophie | heftiger Schulterschmerz vor der Lähmung, mehrere Nerven betroffen [B] | Beginn unmittelbar nach einem Eingriff am Hals [I] |
| Erkrankung der Rotatorenmanschette | Schmerz bei Belastung, Sehnenschaden im Bild, Schulterheben kräftig [I] | Schwund des Kapuzenmuskels [I] |
| Muskelerkrankung | beidseits, weitere Muskelgruppen betroffen [I] | einseitiger Beginn nach einem Eingriff [I] |
Herkunft: Martin und Fish 2008; zur neuralgischen Schulteramyotrophie die auf der Seite Nervus thoracicus longus genannten Quellen.
11. Differenzialdiagnostik: Beschwerden nach einem Eingriff am Hals
Nach einem Eingriff im seitlichen Halsdreieck sind mehrere Strukturen zu trennen. [I]
| Befund nach dem Eingriff | Wahrscheinlicher Ursprung | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Schwäche beim Schulterheben, abgesunkene Schulter | dieser Nerv | [B] |
| taubes Feld über Schlüsselbein und Schulter | Nn. supraclaviculares | [B] |
| taubes Ohrläppchen, taube Haut am Kieferwinkel | N. auricularis magnus | [B] |
| taubes Feld am oberen Hals | Hautäste aus C2 und C3 | [B] |
| Schwäche und Gefühlsstörung am Arm | Armgeflecht | [I] |
| Heiserkeit oder Schluckstörung | N. vagus oder seine Äste | [B] |
Nach einer Ausräumung der Halslymphknoten fanden sich in einer kleinen prospektiven Reihe von 29 Operierten bei 72 % ein Schwund des Kapuzenmuskels, bei 32 % ein abstehendes Schulterblatt und bei 34 % ein Taubheitsgefühl im Gebiet von C2. [B] Ein Gefühlsdefizit nach einem solchen Eingriff gehört also zu den Hautästen des Halsgeflechts, nicht zu diesem Nerv; beide Schäden kommen oft zusammen vor. [I]
Ein Tinel-Zeichen, das im Verlauf über den Kapuzenmuskel vorrückt, spricht für eine Erholung der Fasern. [B] Die Leitlinie nennt das Zeichen als möglichen Verlaufsanzeiger. [B]
Herkunft: Fallserie Int J Surg Case Rep 2025 (29 Operierte); Minami et al.; Leitlinie AWMF 005-010, Empfehlung 6.1.5; Kakisis et al. 2017.
12. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht
Die folgenden Befunde sprechen gegen eine Schädigung dieses Nervs und weisen auf eine andere Ursache.
- Taubheit oder Missempfindung an Hals, Schulter oder Arm: Der Nerv hat kein Hautgebiet. [B]
- Abstehen nach innen, das beim Stemmen gegen die Wand stark zunimmt: spricht für den N. thoracicus longus. [B]
- Abstehen nach außen bei kräftigem Schulterheben: spricht eher für den N. dorsalis scapulae. [I]
- Schwäche der Außendrehung mit eingesunkener Grube unter der Schulterblattgräte: spricht für den N. suprascapularis. [I]
- Kräftiges Schulterheben bei Schulterschmerz: spricht für eine Erkrankung des Schultergelenks. [I]
Herkunft: Martin und Fish 2008; die in den Kapiteln 9 bis 11 genannten Quellen.
Teil D · Verlauf und Behandlung
13. Verlauf und beschriebene Behandlungswege
Beschrieben sind ein abwartendes Vorgehen mit Übungsbehandlung und operative Wege: Nervenlösung, unmittelbare Naht und Überbrückung mit einem Zwischenstück. [B]
| Arbeit | Erkrankte | Befund |
|---|---|---|
| Matz und Barbaro 1996 | 9, davon 7 operiert, im Mittel 9,7 Monate nach der Verletzung | starke Schmerzen bei 5 deutlich gelindert, Abspreizen bei 4 von 6 gebessert, auch noch 12 Monate nach der Verletzung [B] |
| Kim et al. 2003 | 111 Verletzungen | nach Nervenlösung bei nachweisbarer Leitung über 95 % mit Kraftgrad 4 oder besser; nach Naht oder Transplantat 65 von 84 (77 %) mit Kraftgrad 3 oder besser [B] |
| Göransson et al. 2016 | 37, Abstand zur Operation 2 bis 120 Monate | Zugewinn beim Abspreizen im Mittel 44 Grad nach Nervenlösung, 59 Grad nach Naht, 30 Grad nach Transplantat; Verbesserung unabhängig vom Zeitabstand, günstiger bis 8 Monate [B] |
Wie lange darf man warten? Die Angaben gehen auseinander
Eine deutschsprachige Arbeit von 1999 hält eine Wiederherstellung später als sechs Monate nach der Verletzung für aussichtslos. [B] Aus ihrer Zusammenfassung ist diese Aussage nicht ersichtlich; sie ist am Volltext zu prüfen.
Eine Reihe von 1996 empfiehlt, eine Freilegung zu erwägen, wenn sich der Befund innerhalb von drei Monaten nicht bessert, und fand Besserungen noch zwölf Monate nach der Verletzung. [B] Die Reihe von 2016 fand eine Besserung unabhängig vom Zeitabstand, mit einem günstigeren Ergebnis bis acht Monate. [B]
Die Leitlinie legt allgemein fest: Bei ausbleibender Erholung soll innerhalb von sechs Monaten, jedoch so früh wie möglich, das weitere Vorgehen festgelegt und gegebenenfalls der Nerv freigelegt werden. Eine Verletzung, die während eines Eingriffs erkannt wird, soll schnellstmöglich durch einen erfahrenen Operateur versorgt werden. [B]
Die Angaben widersprechen sich nicht in der Richtung, wohl aber in der Grenze: Früher ist besser, eine feste Frist, nach der nichts mehr hilft, ist nicht belegt. [I]
Ein Einzelfallbericht beschreibt eine deutliche Erholung ohne Eingriff, sechs Monate nach der Verletzung, mit vorrückendem Tinel-Zeichen. [B] Ein Einzelfall trägt keine Aussage über Häufigkeit. [I] Nach einer Übersicht ist die Übungsbehandlung bei Lähmung des Kapuzenmuskels weniger wirksam als bei Lähmung des Sägemuskels. [B]
Diese Seite gibt keine Behandlungsempfehlung.
Herkunft: Matz und Barbaro 1996; Kim et al. 2003; Göransson et al. 2016; Harpf et al. 1999; Minami et al.; Martin und Fish 2008; Leitlinie AWMF 005-010, Empfehlungen 7.1.7 und 9.2.
14. Warnzeichen
Achtung: Diese Befunde gehören ärztlich abgeklärt
Die folgenden Punkte sprechen gegen eine harmlose Ursache an Hals und Schulter. Sie sind keine Diagnose und keine Handlungsanweisung, sondern ein Hinweis auf Abklärungsbedarf.
- Neue Schwäche beim Schulterheben nach einem Eingriff am Hals: Die Leitlinie verlangt bei ärztlich verursachten Nervenläsionen eine frühe Diagnostik. [B]
- Rasch fortschreitender Muskelschwund an Hals oder Schulter. [I]
- Heftiger Schulterschmerz, dem eine Lähmung folgt. [B]
- Neu aufgetretene, wachsende Schwellung am Hals. [I]
- Schwäche zusammen mit Heiserkeit, Schluckstörung oder Zungenabweichung. [I]
Die letzte Zeile ist eine Ableitung aus der Anatomie: Am Foramen jugulare liegen N. glossopharyngeus, N. vagus und dieser Nerv beieinander, der N. hypoglossus in der Nähe. Mehrere Hirnnervenausfälle zugleich weisen auf eine Ursache an der Schädelbasis. [I]
Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
Herkunft: Leitlinie AWMF 005-010, Statement 6; zur neuralgischen Schulteramyotrophie die auf der Seite Nervus thoracicus longus genannten Quellen; anatomische Standardwerke.
15. Häufige Fragen
Ist der Nervus accessorius ein Hirnnerv oder ein Halsnerv?
Er wird als elfter Hirnnerv geführt, seine Fasern stammen aber aus Vorderhornzellen der oberen Halssegmente. Ob er überhaupt als Hirnnerv gelten sollte, ist in der Literatur umstritten.
Warum lässt sich der Arm nach einer Schädigung nicht über 90 Grad heben?
Weil der Kapuzenmuskel das Schulterblatt nicht mehr dreht; die Pfanne kommt nicht in die nötige Stellung.
Wie unterscheidet man die Lähmung vom abstehenden Schulterblatt des Sägemuskels?
An der Richtung: Hier steht das Schulterblatt nach außen ab und die Schulter sinkt, beim Sägemuskel steht es nach innen ab und das Abstehen nimmt beim Stemmen gegen die Wand zu.
Und von einer Lähmung der Rautenmuskeln?
Dort steht das Schulterblatt ebenfalls nach außen ab. Hier trennen die Kraft beim Schulterheben, der Kopfwendermuskel und die Nadeluntersuchung.
Warum wird der Nerv bei einer Lymphknotenentnahme verletzt?
Er läuft im seitlichen Halsdreieck oberflächlich zwischen Kopfwender- und Kapuzenmuskel, unmittelbar bei den Lymphknoten.
Erholt sich der Nerv von allein?
Beschrieben sind sowohl spontane Erholungen als auch bleibende Ausfälle. Welcher Verlauf eintritt, lässt sich aus den vorliegenden Berichten nicht vorhersagen.
Woher kommt der Schmerz, wenn der Nerv keine Hautfasern hat?
Zwei Wege sind beschrieben. Fehlstellung und Zug an Muskeln und Kapsel können Schmerz erzeugen. Eine Übersicht von 2024 hält außerdem fest, dass der Nerv selbst schmerzleitende Fasern führt.
Teil E · Anatomische Einzelheiten
16. Herkunft, Kerne und Verlauf im Einzelnen
Die Fasern stammen aus einer Zellsäule im Vorderhorn der Segmente C1 bis etwa C5, dem Nucleus nervi accessorii. [B] Die Wurzelfäden treten seitlich zwischen vorderen und hinteren Wurzeln aus und bilden einen aufsteigenden Stamm. [B]
Die ältere Einteilung in einen Hirnteil und einen Rückenmarksteil wird in der neueren Literatur zurückhaltend beurteilt: Der Hirnteil wird dem N. vagus zugerechnet. [B] Eine Übersicht von 2024 nennt die Einordnung als Hirnnerv umstritten, weil sich der Hirnteil gelegentlich gar nicht mit dem Rückenmarksteil vereinigt. [B] Diese Seite beschreibt den Rückenmarksteil.
Im Wirbelkanal kann der Nerv Verbindungen zu Halswurzeln eingehen, darunter den McKenzie-Ast zur Wurzel C1. [B] Am Hals besteht eine wechselnde Verbindung zu den vorderen Ästen von C2 bis C4; über sie erreichen weitere Fasern den Kapuzenmuskel. [B] Wie viel Kraft diese Äste tragen, ist nicht geklärt. [I]
Herkunft: anatomische Standardwerke (nicht eingesehen); Übersichtsarbeit Anat Sci Int 2024.
17. Was dieser Nerv nicht führt
Der Nerv führt keine Hautfasern, hat kein Dermatom und führt keine vorgeschalteten vegetativen Fasern. [B] Ein Sklerotom gehört zum Segment, nicht zu diesem Nerv.
Rein bewegend? Ein Widerspruch
Die Vorfassung dieser Seite und ein Teil der Lehrbuchliteratur führen den Nerv als rein bewegend. [B] Eine Übersichtsarbeit von 2024 hält dagegen fest, dass er schmerzleitende Fasern enthält, und folgert, dass Erkrankte nach einer Verletzung eine schmerzmedizinische Betreuung brauchen können. [B]
Beide Angaben stehen nebeneinander. Gesichert ist nur, dass der Nerv kein Hautgebiet hat; ein Gefühlsausfall der Haut spricht deshalb weiter gegen ihn. [I]
Herkunft: anatomische Standardwerke (nicht eingesehen); Übersichtsarbeit Anat Sci Int 2024.
18. Reflexzonenmodelle
Die drei folgenden Modelle stammen von Head (1893), Mackenzie (1909) und Dicke (Mitte des 20. Jahrhunderts). Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.
| Modell | Grundgedanke und Voraussetzung | Bezug zu C1 bis C5 | Kennzeichen |
|---|---|---|---|
| Head-Zonen | überempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleiten | nicht definierbar; der Nerv hat kein Hautfeld [I] | [H] |
| Mackenzie-Zonen | tastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur voraus | für diesen Nerv nicht belegt [I] | [H] |
| Bindegewebszonen nach Dicke | veränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug voraus | für die Nacken- und Schulterregion beschrieben, ohne kontrollierte Zuordnung zu diesem Nerv [I] | [H] |
18.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern
Die vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer schmalen Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks. Sie reicht vom Segment Th1 bis etwa L2. [B]
Ihre Fasern verlassen das Rückenmark mit den Vorderwurzeln dieser Segmente und treten über die weißen Verbindungsäste (Rami communicantes albi) in den Grenzstrang ein. [B] Nach der Umschaltung dort kehren nachgeschaltete Fasern über die grauen Verbindungsäste (Rami communicantes grisei) in die Spinalnerven zurück. [B]
Die Fasern aus den oberen Brustsegmenten steigen im Grenzstrang auf. Fasern für den Kopf schalten im Ganglion cervicale superius um, Fasern für den Hals in allen Halsganglien. [B] Oberhalb von Th1 gibt es keine eigene Zellsäule. [B]
Die Segmente C1 bis C5 besitzen keine solche Zellsäule. Dieser Nerv führt deshalb keine vorgeschalteten sympathischen Fasern. [I] Ob nachgeschaltete Fasern für die Gefäße der beiden Muskeln in seinem Stamm mitlaufen, ist für diese Seite nicht belegt.
Weil der Nerv kein Hautgebiet hat, verändert ein Schaden an ihm die Schweißbildung der Haut nicht. [I] Eine Störung der Schweißbildung am Hals oder an der Schulter weist auf einen anderen Nerv, eine Wurzel oder den Grenzstrang. [I]
Herkunft: neuroanatomische Standardwerke, darunter Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik, sowie Standring, Gray’s Anatomy – beide für diese Fassung nicht eingesehen (siehe 20.4).
Drei ähnliche Namen
James Mackenzie (1853–1925), britischer Internist: Reflexzonenmodell, veröffentlicht 1909. Darum geht es in Tabelle 7.
Robin McKenzie (1931–2013), neuseeländischer Physiotherapeut: Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es arbeitet mit Bewegungsrichtungen, nicht mit Zonen.
McKenzie-Ast: Verbindungsast zwischen diesem Nerv und der Wurzel C1 (Kapitel 16), ohne Bezug zu den beiden anderen.
Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; neuroanatomische Standardwerke; Übersichtsarbeit Anat Sci Int 2024.
Teil F · Anhang
19. Fachbegriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Axonotmesis | Unterbrechung der Nervenfasern bei erhaltener Nervenhülle |
| Denervierungsödem | Wassereinlagerung in einem Muskel, der seine Nervenversorgung verloren hat; in der Kernspinuntersuchung sichtbar |
| Foramen jugulare | Öffnung an der Schädelbasis für N. glossopharyngeus, N. vagus und N. accessorius |
| Foramen magnum | großes Hinterhauptsloch |
| Laterales Abstehen | Schulterblatt rückt nach außen; bei Lähmung von Kapuzen- oder Rautenmuskeln |
| Mediales Abstehen | Schulterblatt rückt nach innen; bei Lähmung des Sägemuskels |
| Neurographie | Messung der Nervenleitung |
| Nucleus intermediolateralis | Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks von Th1 bis etwa L2; Ursprung der vorgeschalteten sympathischen Fasern |
| Nucleus nervi accessorii | Zellsäule im Vorderhorn der oberen Halssegmente, Ursprung dieses Nervs |
| Ramus communicans griseus | grauer Verbindungsast; führt nachgeschaltete Fasern vom Grenzstrang zurück in den Spinalnerv |
| Scapula alata | abstehendes Schulterblatt |
| Tinel-Zeichen | einschießende Missempfindung beim Beklopfen eines Nervs; rückt bei Erholung mit dem Faserwachstum vor |
| Trigonum colli laterale | seitliches Halsdreieck zwischen Kopfwendermuskel, Kapuzenmuskel und Schlüsselbein |
20. Grundlage und Quellen
20.1 Quellenmaßstab
Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien mit Registernummer und Gültigkeitsdatum, Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.
20.2 Quellenverzeichnis
| Nr. | Quelle | Art und Umfang | Vermerk |
|---|---|---|---|
| 1 | Matz PG, Barbaro NM. Diagnosis and treatment of iatrogenic spinal accessory nerve injury. Am Surg 1996. PMID 8712569 | Fallreihe, 9 Erkrankte | Zusammenfassung eingesehen; Band und Seiten nicht geprüft |
| 2 | Harpf C, Rhomberg M, Rumer A, Rainer C, Hussl H. Iatrogene Läsion des N. accessorius bei zervikaler Lymphknotenbiopsie. Chirurg 1999;70(6):690–693. PMID 10427456 | Fallreihe, 6 Erkrankte | Zusammenfassung eingesehen |
| 3 | Kim DH, Cho YJ, Tiel RL, Kline DG. Surgical outcomes of 111 spinal accessory nerve injuries. Neurosurgery 2003;53(5):1106–1113 | Fallreihe, 111 Verletzungen | Zusammenfassung eingesehen |
| 4 | Martin RM, Fish DE. Scapular winging: anatomical review, diagnosis, and treatments. Curr Rev Musculoskelet Med 2008;1(1):1–11 | Übersichtsarbeit | Zusammenfassung eingesehen |
| 5 | Spinal accessory nerve: ultrasound findings and correlations with neck lymph node levels. Ultraschall Med, online 17. Dezember 2014. DOI 10.1055/s-0034-1385673 | Ultraschallstudie, 50 Personen, 100 Nerven | Zusammenfassung eingesehen; Autoren, Band und Seiten nicht geprüft |
| 6 | Göransson H, Leppänen OV, Vastamäki M. Patient outcome after surgical management of the spinal accessory nerve injury: a long-term follow-up study. SAGE Open Med 2016;4:2050312116645731 | Fallreihe, 37 Operierte | Zusammenfassung eingesehen |
| 7 | Kakisis J, Antonopoulos C, Mantas G, Moulakakis K, Sfyroeras G, Geroulakos G. Cranial nerve injury after carotid endarterectomy: incidence, risk factors, and time trends. Eur J Vasc Endovasc Surg 2017;53(3):320–335 | systematische Übersicht und Metaanalyse, 26 Arbeiten, 20.860 Eingriffe | Inhalt aus der Zusammenfassung |
| 8 | Suzuki H, Matsui Y, Iwai T, Nishida M, Iwasaki N. Usefulness of ultrasonography for diagnosing iatrogenic spinal accessory nerve palsy after lymph node needle biopsy: a case report. BMC Musculoskelet Disord 2020;21(1):712 | Einzelfall | keine Häufigkeitsaussage aus dem Fall selbst |
| 9 | Accessory spinal nerve damage during a cervical lymph node biopsy: case report. PMC7666691 (um 2020) | Einzelfall mit Nadeluntersuchung und Kernspinbefund | Autoren und Zeitschrift nicht geprüft |
| 10 | Minami R, Ito E, Nishijima N. Trapezius palsy resulting from accessory nerve injury after cervical lymph node biopsy dramatically improved with conservative treatment. PMID 32789203 | Einzelfall mit Verlaufsbeobachtung | Zeitschrift nicht geprüft; Erscheinungsjahr in den Fundstellen uneinheitlich (2016 und 2020) |
| 11 | Übersichtsarbeit zu ärztlich verursachten Schädigungen des N. accessorius mit Fallbeispiel, 2022 | Übersichtsarbeit | für diese Fassung nicht identifiziert; die Aussagen der Seite stützen sich nicht mehr allein auf sie |
| 12 | A detailed review of the spinal accessory nerve and its anatomical variations with cadaveric illustration. Anat Sci Int 2024;99(3):239–253 | Übersichtsarbeit mit zwei Präparationen | Zusammenfassung eingesehen; Autoren nicht geprüft |
| 13 | Fallserie zur Funktion des N. accessorius nach Ausräumung der Halslymphknoten. Int J Surg Case Rep 2025. DOI 10.1016/j.ijscr.2025.112122 | prospektive Fallserie, 29 Operierte | kleine Reihe in einer Fallberichtszeitschrift; mit Vorsicht zu lesen |
| 14 | Versorgung peripherer Nervenverletzungen. S3-Leitlinie, DGOU, DGH, DGNC, DGPRÄC und DGN, AWMF-Register 005-010, Version 2.1 (Februar 2025), überarbeitet 09/2023 | Leitlinie | Gültigkeitsdatum im eingesehenen Teil nicht angegeben; im Register zu prüfen |
| 15 | Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. Elsevier | anatomisches Standardwerk | nicht eingesehen; Aussagen daraus vorläufig |
| 16 | Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thieme | neurologisches Standardwerk | nicht eingesehen; Aussagen daraus vorläufig |
| 17 | Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; 1894;17:339–480; 1896;19:153–276 | geschichtliches Modell | nur für Aussagen mit [H] |
| 18 | Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw & Sons; 1909 (2. Auflage 1912) | geschichtliches Modell | nur für Aussagen mit [H] |
| 19 | Dicke E. Meine Bindegewebsmassage | geschichtliches Modell | nur für Aussagen mit [H]; Erscheinungsjahr offen |
20.3 Nicht verwendet
Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen.
20.4 Offene Punkte
- Gray’s Anatomy und Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik lagen nicht vor. Die anatomischen Grundaussagen sind deshalb vorläufig belegt.
- Ob der Nerv schmerzleitende Fasern führt, ist zwischen Lehrbuchliteratur und der Übersicht von 2024 strittig (Kapitel 17).
- Die Aussage, eine Wiederherstellung nach sechs Monaten sei aussichtslos, ist aus der Zusammenfassung der Arbeit von 1999 nicht ersichtlich und am Volltext zu prüfen.
- Die Übersichtsarbeit von 2022 aus der Vorfassung wurde nicht identifiziert. Bei mehreren weiteren Quellen fehlen Autoren oder Zeitschriftenangaben (Tabelle 9).
- Das Gültigkeitsdatum der Leitlinie AWMF 005-010 war im eingesehenen Teil des Dokuments nicht angegeben.
- Eine Häufigkeitsangabe für die Schädigung bei Lymphknotenentnahme in der Bevölkerung wurde nicht gefunden.
- Der Anteil der Äste aus C2 bis C4 an der Kraft des Kapuzenmuskels ist ungeklärt.
20.5 Änderungsvermerk
V 1.2
- geändert: Lesart der Kennzeichen als einheitlicher Abschnitt „Lesart dieser Seite“ ans Seitenende gesetzt; am Seitenanfang steht nur noch ein Verweis darauf.
- warum: reihenweite Vorgabe vom 5. Oktober 2026; dieselbe Lesart steht auf jeder Seite an derselben Stelle.
- ersetzt: V 1.1.
V 1.1
- geändert: „Entmarkungsödem“ durch „Denervierungsödem“ ersetzt; Richtung des abstehenden Schulterblatts nach Martin und Fish 2008 berichtigt (Kapuzen- und Rautenmuskeln nach außen, Sägemuskel nach innen), die unbelegte Angabe „eher höher stehend“ gestrichen; Widerspruch zu schmerzleitenden Fasern ausgewiesen; Satz zur Schweißbildung im eigenen Hautgebiet gestrichen, weil der Nerv keines hat; Umschaltung der Halsfasern berichtigt; Operationsreihen mit Fallzahlen aus den Zusammenfassungen dargestellt (Tabelle 6), widersprüchliche Zeitgrenzen ausgewiesen; Leitlinie AWMF 005-010 aufgenommen; Mackenzie auf 1909, Robin McKenzie auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gestellt; Gray’s Anatomy und Duus als nicht eingesehen geführt; Quellenverzeichnis ergänzt und nach Jahren geordnet; interne Arbeitsvermerke und Vorlagenreste der Lesart entfernt.
- warum: Korrekturliste vom 3. Oktober 2026 und Reihenregeln; mehrere Aussagen stützten sich auf unvollständig belegte Quellen.
- ersetzt: V 1.0 vom 15. September 2026.
V 1.0
- geändert: Seite neu angelegt, nach den gemeinsamen Bausteinen der Halsnervenseiten.
- warum: Der Nerv ist die wichtigste Abgrenzung beim abstehenden Schulterblatt und bei Schwäche des Schulterhebens und fehlte in der Reihe.
- ersetzt: keine Fassung.
Weiterlesen
- Segment C2 – Ursprungssegment und Verbindungsäste zum Kapuzenmuskel
- Segment C4 – Verbindungsäste zum Kapuzenmuskel
- Nervus thoracicus longus – Abgrenzung beim abstehenden Schulterblatt
- Nervus dorsalis scapulae – gleiche Richtung des Abstehens, Abgrenzung über das Schulterheben
- Nervi supraclaviculares – Hautfeld über Schlüsselbein und Schulter
- Nervus auricularis magnus – Nachbar am Hinterrand des Kopfwendermuskels
- Nervus occipitalis minor – kreuzt den Nerv am Hinterrand des Kopfwendermuskels
- Nervus suboccipitalis – Abgrenzung bei Nackenschmerz ohne Hautbefund
Alle Halsnerven nach Austrittshöhe
ab C1: Nervus suboccipitalis
ab C2: Nervus auricularis magnus · Nervus occipitalis major · Nervus occipitalis minor · Nervus transversus colli
ab C3: Nervus occipitalis tertius · Nervus phrenicus · Nervi supraclaviculares
ab C5: Nervus axillaris · Nervus cutaneus antebrachii posterior · Nervus cutaneus brachii posterior · Nervus dorsalis scapulae · Nervus musculocutaneus · Nervus radialis · Nervus subclavius · Nervus thoracicus longus
ab C6: Nervus medianus
ab C8: Nervus ulnaris
Lesart dieser Seite
Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.
In den Messtabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. In Tabellen mit eigener Kennzeichenspalte gilt das Kennzeichen für die ganze Zeile. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung oder zum Vorgehen, keine Sachaussage.
Ausgenommen sind die Häufigen Fragen. Sie fassen Aussagen des Textes zusammen und tragen deshalb kein eigenes Kennzeichen; die Belege stehen an der jeweiligen Stelle im Text.
V 1.2 · Quellen geprüft am 5. Oktober 2026