Der Nervus cutaneus antebrachii medialis (innerer Hautnerv des Unterarms) ist ein rein empfindender Ast des inneren Faserbündels des Plexus brachialis mit Fasern aus C8 und Th1. [B] Er versorgt die Haut an der Innenseite des Unterarms, vorn und hinten, bis zum Handgelenk. [B]
Er liegt in der Ellenbeuge dicht bei der Vena basilica und am inneren Oberarmknorren dicht beim N. ulnaris. [B] Beides macht ihn bei Blutentnahmen und bei Eingriffen am Ellenbogen verletzlich. [B]
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nerv versorgt die Haut der Unterarminnenseite bis zum Handgelenk; Muskeln versorgt er nicht. [B]
- Das Leitzeichen ist Taubheit oder brennender Schmerz an der Unterarminnenseite ohne jede Schwäche. [I]
- Bei Eingriffen am Kubitaltunnel ist die Verletzung seines hinteren Astes eine bekannte Ursache anhaltender Beschwerden. [B]
- In einer Sezierreihe an 128 Ellenbeugen kreuzte er in 21,1 % oberflächlich über die mittlere Ellenbeugenvene. [B]
- Wichtigste Abgrenzungen: N. ulnaris, Wurzel C8 und Th1, unteres Armgeflecht, N. cutaneus brachii medialis, Nervenschaden nach Blutentnahme. [I]
Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 12. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.
Inhalt
Überblick
Klinik
Differenzialdiagnostik
Verlauf und Behandlung
Anatomische Einzelheiten
- 16. Ursprung und Verlauf im Einzelnen
- 17. Äste, Maße und Abstände
- 18. Was dieser Nerv nicht führt
- 19. Reflexzonenmodelle
Anhang
Teil A · Überblick
1. Kurzbild
| Merkmal | Angabe | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Fasern aus | C8 und Th1 | [B] |
| Abgang | Plexus brachialis, Ast des Fasciculus medialis | [B] |
| Faserart | rein empfindend; nachgeschaltete sympathische Fasern für Schweißdrüsen und Gefäße | [B] |
| Zielgebiet | Haut der Unterarminnenseite, vorderer und hinterer Ast, bis zum Handgelenk | [B] |
| Leitzeichen einer Schädigung | Taubheit oder brennender Schmerz an der Unterarminnenseite, keine Schwäche | [I] |
| Wichtigste Abgrenzungen | N. ulnaris, Wurzel C8 und Th1, unteres Armgeflecht, N. cutaneus brachii medialis (Kapitel 9 bis 11) | [I] |
Die zugehörigen Segmentseiten sind Segment C8 und Segment Th1.
Herkunft: anatomische Standardwerke; Race und Saldana 1991; Damwan et al. 2014.
2. Verlauf in Kürze
- Achselhöhle: Der Nerv verlässt das innere Faserbündel und zieht neben der Armvene nach unten. [B]
- Oberarm: Er begleitet die Vena basilica und durchbohrt etwa in der Mitte des Oberarms die tiefe Faszie. [B]
- Ellenbeuge: Er teilt sich in einen vorderen und einen hinteren Ast; der vordere zieht vor dem inneren Oberarmknorren, der hintere hinter ihm entlang. [B]
- Unterarm: Beide Äste versorgen die Haut der Innenseite bis zum Handgelenk. [B]
Zahl der Äste und Abstände zu den Nachbarstrukturen stehen in Kapitel 17.
Herkunft: anatomische Standardwerke; Damwan et al. 2014; Manoukov et al. 2020.
3. Das Hautgebiet
Das Gebiet umfasst die Innenseite des Unterarms von der Ellenbeuge bis zum Handgelenk, vorn und hinten. [B] Nach oben grenzt es an das Gebiet des N. cutaneus brachii medialis, nach außen an das des N. cutaneus antebrachii lateralis, nach unten an die Hautäste des N. ulnaris. [B]
Die Grenzen überlappen; zwischen benachbarten Hautnerven bestehen Verbindungen. [B] Ein Ausfall fällt deshalb meist kleiner aus als die Lehrbuchkarte erwarten lässt. [I]
Muskeln versorgt der Nerv nicht. Jede Schwäche spricht gegen ihn. [I]
Herkunft: anatomische Standardwerke; Race und Saldana 1991.
Teil B · Klinik
4. Schädigungsorte und Anlässe
| Ort oder Anlass | Mechanismus | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Eingriff am Kubitaltunnel, etwa Verlagerung des N. ulnaris | Durchtrennung oder Vernarbung des hinteren Astes | [B] |
| Blutentnahme und Venenverweilkanüle in der Ellenbeuge | unmittelbare Nadelverletzung eines oberflächlichen Astes | [B] |
| Entnahme der Vena basilica, Anlage eines Dialysezugangs | Nähe zur Vene | [B] |
| Spiegelung des Ellenbogens | Zugangsweg am inneren Oberarmknorren | [B] |
| Entnahme als Spendernerv | geplante Durchtrennung, etwa zur Wiederherstellung des N. facialis | [B] |
Der hintere Ast verlief in einer Sezierreihe an 20 Gliedmaßen bei allen bis auf eine oberhalb und hinter dem inneren Oberarmknorren, also genau im Zugangsweg der Kubitaltunnelchirurgie. [B]
Herkunft: Dellon und MacKinnon 1985; Horowitz 1994 und 2000; Manoukov et al. 2020.
5. Beschwerdebild
- Taubheit oder vermindertes Empfinden an der Unterarminnenseite [B]
- brennender Schmerz und Berührungsempfindlichkeit, besonders nach einer Nadelverletzung [B]
- einschießender Schmerz beim Beklopfen der Narbe oder der Einstichstelle, ein Tinel-Zeichen [B]
- anhaltende Beschwerden nach einem Eingriff am Kubitaltunnel, auch wenn der N. ulnaris entlastet wurde [B]
- keine Schwäche, kein Reflexausfall [I]
Herkunft: Dellon und MacKinnon 1985; Horowitz 1994.
6. Untersuchung
- Berührung und Schmerz an der Unterarminnenseite im Seitenvergleich prüfen und die Grenze des Feldes aufzeichnen. [I]
- Die Einstichstelle oder die Narbe am inneren Oberarmknorren beklopfen; ein Tinel-Zeichen weist auf den geschädigten Ast. [B]
- Kraft und Reflexe prüfen: Sie sind bei alleiniger Schädigung unauffällig. [I]
- Das Gebiet des N. ulnaris an der Hand prüfen, um eine Schädigung dort auszuschließen. [I]
Herkunft: Dellon und MacKinnon 1985; anatomische Standardwerke.
7. Apparative Diagnostik
Die Nervenleitmessung des Nervs ist möglich und wird im Seitenvergleich beurteilt. [I] Sie trennt eine Schädigung des Nervs von einer Wurzelschädigung, weil die Antwort bei einem Schaden vor dem Spinalganglion erhalten bleibt. [B]
Der Ultraschall stellt den Nerv am Ellenbogen dar. Eine Untersuchung an 44 Armen fand im Mittel 2,18 Äste, mit eigenen Abständen zu Vena basilica und N. ulnaris. [B]
Herkunft: Ultraschallstudie an 44 Armen; neurologische Standardwerke.
Teil C · Differenzialdiagnostik
8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nerv ist rein empfindend; jede Schwäche spricht gegen ihn. [I]
- Das Feld endet am Handgelenk; greift die Störung auf Hand oder Finger über, ist ein anderer Nerv beteiligt. [I]
- Nach einem Eingriff am Kubitaltunnel ist er die häufigste Erklärung für fortbestehende Beschwerden ohne neue Schwäche. [B]
- Nach einer Blutentnahme spricht brennender Schmerz mit Berührungsempfindlichkeit für eine Nadelverletzung eines Hautastes. [B]
- Eine erhaltene Nervenantwort bei deutlicher Taubheit spricht für eine Schädigung an der Wurzel. [B]
Die Ordnung dieser Kapitel folgt drei Leitfragen. [I]
- Wie weit reicht die Gefühlsstörung? Das führt zu Kapitel 9. [I]
- Ging ein Eingriff am Ellenbogen voraus? Das führt zu Kapitel 10. [I]
- Begann es nach einer Nadel in der Ellenbeuge? Das führt zu Kapitel 11. [I]
Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.
Herkunft: Dellon und MacKinnon 1985; Horowitz 1994 und 2000; anatomische Standardwerke.
9. Differenzialdiagnostik: Gefühlsstörung an der Arminnenseite
| Befund | Wahrscheinlicher Ursprung | Abgrenzendes Zeichen |
|---|---|---|
| Unterarminnenseite bis zum Handgelenk | dieser Nerv | Feld endet am Handgelenk, keine Schwäche [I] |
| Oberarminnenseite und Achselnähe | N. cutaneus brachii medialis | Feld liegt oberhalb des Ellenbogens [B] |
| Kleinfinger und ellenseitige Handkante | N. ulnaris | Feld liegt an der Hand, oft mit Schwäche der Handbinnenmuskeln [B] |
| Unterarminnenseite und Hand, dazu Schwäche | unteres Armgeflecht oder Wurzel C8 und Th1 | Ausfall reicht über ein Hautfeld hinaus [B] |
| Unterarmaußenseite | N. cutaneus antebrachii lateralis | Feld liegt auf der Daumenseite [B] |
Ein Horner-Syndrom neben der Gefühlsstörung spricht für eine Schädigung an Wurzel Th1 oder am unteren Armgeflecht, nie für diesen Nerv. [B]
Herkunft: anatomische Standardwerke; neurologische Standardwerke.
10. Differenzialdiagnostik: Beschwerden nach einem Eingriff am Ellenbogen
Nach einer Entlastung oder Verlagerung des N. ulnaris können Beschwerden bestehen bleiben. Beschrieben ist als Ursache die Verletzung des hinteren Astes dieses Nervs. [B]
Dafür sprechen ein schmerzhaftes Tinel-Zeichen über der Narbe, ein taubes Feld hinter dem inneren Oberarmknorren und das Fehlen neuer Schwäche. [I] Gegen diese Erklärung spricht eine neue oder zunehmende Schwäche der Handbinnenmuskeln; dann ist der N. ulnaris selbst zu prüfen. [I]
Die Sezierreihe von 2020 erklärt die Häufigkeit: Der hintere Ast kreuzt den Zugangsweg fast immer. [B]
Herkunft: Dellon und MacKinnon 1985; Manoukov et al. 2020.
11. Differenzialdiagnostik: Beschwerden nach einer Nadel in der Ellenbeuge
Brennender Schmerz mit Berührungsempfindlichkeit nach einer Blutentnahme ist als Nervenverletzung beschrieben. [B] In einer Sezierreihe an 14 Präparaten lagen bei 6 größere Hautnervenäste oberflächlich über den Venen; eine technisch einwandfreie Punktion kann den Nerv deshalb treffen. [B]
Die Lage schwankt stark: In 128 Ellenbeugen kreuzte dieser Nerv in 21,1 % über die mittlere Ellenbeugenvene und lag in 28,9 % unter ihr. [B]
Die Abgrenzung betrifft den N. cutaneus antebrachii lateralis, der außen an der Bizepssehne liegt, sowie den Einstich selbst als örtliche Gewebereizung ohne Nervenbezug. [I]
Herkunft: Horowitz 1994 und 2000 (14 Präparate); Mikuni et al. 2013 (128 Ellenbeugen).
12. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht
Die folgenden Befunde sprechen gegen eine Schädigung dieses Nervs und weisen auf eine andere Ursache.
- Jede Muskelschwäche oder ein Reflexausfall: Der Nerv ist rein empfindend. [B]
- Taubheit an Kleinfinger oder Handkante: spricht für den N. ulnaris. [B]
- Taubheit oberhalb des Ellenbogens an der Innenseite: spricht für den N. cutaneus brachii medialis. [B]
- Taubheit an der Unterarmaußenseite: spricht für den N. cutaneus antebrachii lateralis aus dem N. musculocutaneus. [B]
- Hängendes Oberlid und enge Pupille: spricht für Wurzel Th1 oder unteres Armgeflecht. [B]
Herkunft: die in den Kapiteln 9 bis 11 genannten Quellen.
Teil D · Verlauf und Behandlung
13. Verlauf und beschriebene Behandlungswege
Beschrieben sind abwartendes Vorgehen mit Schutz der Stelle, Behandlung des Schmerzes und, bei schmerzhaftem Neurom, die operative Versorgung des Astes. [B] Zahlen zum Verlauf nach Nadelverletzung liegen dieser Fassung nicht vor. [I]
Der Nerv wird zudem als Spendernerv für Nerventransplantate verwendet; die Entnahme hinterlässt ein taubes Feld an der Unterarminnenseite. [B] Diese Seite gibt keine Behandlungsempfehlung. [I]
Herkunft: Dellon und MacKinnon 1985; Horowitz 2000; anatomische Standardwerke.
14. Warnzeichen
Achtung: Diese Befunde gehören ärztlich abgeklärt
Die folgenden Punkte sprechen gegen eine harmlose örtliche Ursache. Sie sind keine Diagnose und keine Handlungsanweisung, sondern ein Hinweis auf Abklärungsbedarf.
- Neue Schwäche an Hand oder Fingern zusammen mit der Gefühlsstörung. [I]
- Hängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung einer Gesichtshälfte. [B]
- Brennender, ausstrahlender Schmerz nach einer Nadel, der über Tage zunimmt. [B]
- Gefühlsstörung, die sich über mehrere Hautfelder ausbreitet. [I]
- Tastbare, wachsende Schwellung im Verlauf des Nervs. [I]
Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
15. Häufige Fragen
Kann dieser Nerv eine Lähmung verursachen?
Nein. Er führt keine bewegenden Fasern. [B]
Warum ist nach einer Operation am Ellenbogen die Haut taub, obwohl der Ellennerv entlastet wurde?
Weil der hintere Ast dieses Nervs den Zugangsweg kreuzt und dabei verletzt werden kann. [B]
Warum tut eine Blutentnahme manchmal noch Wochen später weh?
Ein Hautast kann von der Nadel getroffen werden; er liegt bei einem Teil der Menschen oberflächlich über den Venen. [B]
Wie unterscheidet man ihn vom Ellennerv?
Am Ort: Dieser Nerv versorgt die Unterarminnenseite, der Ellennerv Kleinfinger und Handkante und dazu Muskeln. [B]
Kann der Nerv für ein Transplantat entnommen werden?
Ja, das ist beschrieben; danach bleibt ein taubes Feld an der Unterarminnenseite. [B]
Teil E · Anatomische Einzelheiten
16. Ursprung und Verlauf im Einzelnen
Der Nerv entspringt dem Fasciculus medialis, der aus dem unteren Primärstrang mit den Wurzeln C8 und Th1 hervorgeht. [B] Er ist der kräftigere der beiden inneren Hautnerven des Arms. [B]
Am Oberarm begleitet er die Vena basilica und durchbohrt mit ihr die tiefe Faszie. [B] Damit liegt er von der Mitte des Oberarms an unmittelbar unter der Haut. [B]
Herkunft: anatomische Standardwerke; Race und Saldana 1991.
17. Äste, Maße und Abstände
In einer Sezierreihe an 96 Gliedmaßen durchbohrten bis zu 5 Äste die tiefe Faszie; bis zu 4 erreichten die Verbindungslinie zwischen den Oberarmknorren. [B] In über 80 % der Fälle waren es 2 oder 3 Äste. [B]
Die Abstände zu den Nachbarstrukturen schwanken erheblich. Fehlte ein Ast an der Messlinie, lag der Abstand zum inneren Oberarmknorren und zur Armarterie im Mittel bei etwa 1,5 cm, zur Vena basilica bei 0,7 cm. [B]
Im Ultraschall an 44 Armen teilte sich der Nerv in im Mittel 2,18 Äste. [B] Alle drei Reihen stimmen darin überein, dass die Zahl der Äste und ihre Lage von Mensch zu Mensch verschieden sind. [I] Eine feste Sicherheitszone lässt sich daraus nicht ableiten. [I]
Herkunft: Damwan et al. 2014 (96 Gliedmaßen); Manoukov et al. 2020 (20 Gliedmaßen); Ultraschallstudie an 44 Armen.
18. Was dieser Nerv nicht führt
Der Nerv versorgt keine Muskeln, keine Gelenke und keine Organe. [B] Ein Sklerotom gehört zum Segment, nicht zu einem einzelnen Hautast. [I]
Er führt nachgeschaltete sympathische Fasern für Schweißdrüsen und Gefäße seines Hautgebiets. [B] Vorgeschaltete Fasern führt er nicht (Abschnitt 19.1). [I]
Herkunft: anatomische und neuroanatomische Standardwerke.
19. Reflexzonenmodelle
Die drei folgenden Modelle stammen aus der Zeit um 1900 und aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.
| Modell | Grundgedanke und Voraussetzung | Bezug zu C8 und Th1 | Kennzeichen |
|---|---|---|---|
| Head-Zonen | überempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleiten | nicht belegt; das Modell ordnet dem Arm keine eigene Organzone über diesen Nerv zu [I] | [H] |
| Mackenzie-Zonen | tastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur voraus | für diesen Nerv nicht belegt [I] | [H] |
| Bindegewebszonen nach Dicke | veränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug voraus | keine kontrollierte Zuordnung zu diesem Nerv bekannt [I] | [H] |
19.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern
Die vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer schmalen Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks. Sie reicht vom Segment Th1 bis etwa L2. [B]
Ihre Fasern verlassen das Rückenmark mit den Vorderwurzeln dieser Segmente und treten über die weißen Verbindungsäste (Rami communicantes albi) in den Grenzstrang ein. [B] Nach der Umschaltung dort kehren nachgeschaltete Fasern über die grauen Verbindungsäste (Rami communicantes grisei) in die Spinalnerven zurück und erreichen mit ihnen Schweißdrüsen, Gefäßmuskulatur und Haarbalgmuskeln ihres Gebiets. [B]
Für Kopf und Hals steigen die Fasern aus den oberen Brustsegmenten im Grenzstrang auf und schalten im Ganglion cervicale superius um. [B] Oberhalb von Th1 gibt es keine eigene Zellsäule. [B]
Von den Segmenten dieses Nervs erreicht nur Th1 diese Zellsäule; C8 besitzt keine. [I] Vorgeschaltete Fasern führt der Nerv nicht; die nachgeschalteten Fasern in seinen Ästen stammen aus dem Grenzstrang. [B]
Für die Untersuchung folgen daraus zwei Punkte. Ein Schaden am Nervenstamm nimmt im eigenen Hautgebiet meist auch die Schweißbildung, weil die nachgeschalteten Fasern im Stamm mitlaufen. [I] Ein Schaden an der Wurzel innerhalb des Wirbelkanals lässt die Schweißbildung dagegen meist unberührt, weil die grauen Verbindungsäste erst danach hinzutreten. [I]
Eine Schädigung der Wurzel Th1 oder des unteren Armgeflechts kann ein Horner-Syndrom erzeugen: hängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung der Gesichtshälfte. [B] Eine Schädigung dieses Nervs selbst erzeugt es nicht, weil sein Faserweg hinter der Umschaltung liegt. [I]
Herkunft: neuroanatomische Standardwerke, darunter Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik, sowie Standring, Gray’s Anatomy.
Achtung: Zwei ähnliche Namen
James Mackenzie beschrieb um 1900 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]
Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; neuroanatomische Standardwerke.
Teil F · Anhang
20. Fachbegriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Epicondylus medialis | innerer Oberarmknorren |
| Fasciculus medialis | inneres Faserbündel des Armgeflechts aus C8 und Th1 |
| Horner-Syndrom | hängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung einer Gesichtshälfte bei Störung der sympathischen Bahn |
| Kubitaltunnel | Kanal hinter dem inneren Oberarmknorren, durch den der N. ulnaris zieht |
| Neurom | knotige Wucherung am Ende eines durchtrennten Nervs |
| Nucleus intermediolateralis | Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks von Th1 bis etwa L2; Ursprung der vorgeschalteten sympathischen Fasern |
| Ramus communicans griseus | grauer Verbindungsast; führt nachgeschaltete Fasern vom Grenzstrang zurück in den Spinalnerv |
| Tinel-Zeichen | einschießende Missempfindung beim Beklopfen eines Nervs |
| Vena basilica | innere Oberarmvene, Begleitvene dieses Nervs |
21. Lesart dieser Seite
Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.
In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.
Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.
Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.
22. Grundlage und Quellen
22.1 Quellenmaßstab
Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.
22.2 Quellenverzeichnis
| Nr. | Quelle | Art und Umfang | Vermerk |
|---|---|---|---|
| 1 | Dellon AL, MacKinnon SE. Injury to the medial antebrachial cutaneous nerve during cubital tunnel surgery. J Hand Surg Br 1985;10(1):33–36 | klinische Beobachtungsreihe | |
| 2 | Race CM, Saldana MJ. Anatomic course of the medial cutaneous nerves of the arm. J Hand Surg Am 1991;16:48–52 | Sezierstudie | |
| 3 | Horowitz SH. Peripheral nerve injury and causalgia secondary to routine venipuncture. Neurology 1994;44(5):962–964 | Fallreihe | |
| 4 | Horowitz SH. Venipuncture-induced causalgia: anatomic relations of upper extremity superficial veins and nerves, and clinical considerations. Transfusion 2000;40(9):1036–1040 | Sezierstudie mit klinischem Bezug, 14 Präparate | |
| 5 | Mikuni Y, Chiba S, Tonosaki Y. Topographical anatomy of superficial veins, cutaneous nerves, and arteries at venipuncture sites in the cubital fossa. Anat Sci Int 2013;88(1):46–57 | Sezierstudie, 128 Ellenbeugen | |
| 6 | Damwan A, Agthong S, Amarase C, Yotnuengnit P, Huanmanop T, Chentanez V. Medial antebrachial cutaneous nerve: anatomical relationship with the medial epicondyle, basilic vein and brachial artery. Int J Morphol 2014;32(2):481–487 | Sezierstudie, 96 Gliedmaßen von 48 Körperspendern | |
| 7 | Manoukov Y, Herisson O, Sali E, Sautet A, Masquelet AC, Cambon-Binder A. Anatomy of the posterior branch of the medial antebrachial cutaneous nerve: a cadaveric study. Rev Chir Orthop Traumatol 2020;106(4):418–422 | Sezierstudie, 20 Gliedmaßen von 13 Körperspendern | |
| 8 | Ultraschallstudie zur Darstellung des Nervs am Ellenbogen, 44 Arme | Ultraschallstudie | Fundstelle unvollständig: Autoren, Zeitschrift, Jahr, Band und Seiten fehlen |
| 9 | Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. Elsevier | anatomisches Standardwerk | Fundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen |
| 10 | Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thieme | neurologisches Standardwerk | Fundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen |
| 11 | Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893 bis 1900 | geschichtliches Modell | nur für Aussagen mit [H] |
| 12 | Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw & Sons; 1909 (2. Auflage 1912) | geschichtliches Modell | nur für Aussagen mit [H] |
| 13 | Dicke E. Meine Bindegewebsmassage | geschichtliches Modell | nur für Aussagen mit [H]; Erscheinungsjahr offen |
22.3 Nicht verwendet
Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen.
22.4 Offene Punkte
- Die Fundstelle der Ultraschallstudie an 44 Armen ist unvollständig und in Schritt 6 zu ergänzen.
- Zahlen zum Verlauf nach Nadelverletzung und nach Verletzung bei Eingriffen am Kubitaltunnel fehlen; die vorliegenden Arbeiten beschreiben die Anatomie und einzelne Verläufe.
- Die Arbeiten von Dellon und MacKinnon 1985, Race und Saldana 1991 sowie Horowitz 1994 und 2000 sind über Verweise erfasst und nicht im Volltext eingesehen.
- Eine gültige deutschsprachige Leitlinie zu diesem Nerv wurde nicht gesucht; die Registerabfrage steht aus.
22.5 Änderungsvermerk
Geändert: Seite neu angelegt, nach den gemeinsamen Bausteinen der Halsnervenseiten. Warum: Der Nerv schließt die Hautkarte der Arminnenseite und ist die Abgrenzung bei Beschwerden nach Eingriffen am Ellenbogen und nach Blutentnahmen. Ersetzt: keine Fassung.
Weiterlesen
- Segment C8 – Ursprungssegment
- Segment Th1 – Ursprungssegment
- Nervus ulnaris – Abgrenzung an Hand und Handkante
- Nervus medianus – Nachbar am inneren Faserbündel
- Nervus cutaneus antebrachii posterior – Nachbarfeld an der Unterarmstreckseite
- Nervus cutaneus brachii posterior – Nachbarfeld an der Oberarmrückseite
- Nervus musculocutaneus – Nachbarfeld an der Unterarmaußenseite
Alle Halsnerven nach Austrittshöhe
V 1.0 · Quellen geprüft am 15. September 2026