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Nervus cutaneus brachii medialis

Der Nervus cutaneus brachii medialis (innerer Hautnerv des Oberarms) ist ein rein empfindender Ast des inneren Faserbündels des Plexus brachialis mit Fasern aus C8 und Th1. [B] Er versorgt die Haut an der Innenseite des Oberarms und in der Achselgegend. [B]

Er ist der kleinste der Hautnerven des Arms und tauscht in der Achsel regelmäßig Fasern mit dem N. intercostobrachialis aus. [B] Deshalb ist sein Gebiet von Mensch zu Mensch verschieden groß. [I]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv versorgt die Haut der Oberarminnenseite und einen Teil der Achselgegend; Muskeln versorgt er nicht. [B]
  • Das Leitzeichen ist ein taubes Feld an der Oberarminnenseite ohne Schwäche. [I]
  • Er verbindet sich regelmäßig mit dem N. intercostobrachialis aus Th2; die Grenze beider Felder schwankt. [B]
  • Die häufigsten Anlässe sind Eingriffe in der Achsel und an der Oberarminnenseite. [B]
  • Wichtigste Abgrenzungen: N. intercostobrachialis, N. cutaneus antebrachii medialis, N. ulnaris, Wurzel Th1 und Th2, unteres Armgeflecht. [I]

Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 12. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Fasern ausC8 und Th1[B]
AbgangPlexus brachialis, Ast des Fasciculus medialis[B]
Faserartrein empfindend; nachgeschaltete sympathische Fasern für Schweißdrüsen und Gefäße[B]
ZielgebietHaut der Oberarminnenseite und der Achselgegend[B]
Leitzeichen einer Schädigungtaubes oder überempfindliches Feld an der Oberarminnenseite, keine Schwäche[I]
Wichtigste AbgrenzungenN. intercostobrachialis, N. cutaneus antebrachii medialis, Wurzel Th1 und Th2, unteres Armgeflecht (Kapitel 9 bis 11)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus cutaneus brachii medialis. Reihenfolge: von der Herkunft zum klinischen Bild. Verbindungen und Varianten stehen in Kapitel 17.

Die zugehörigen Segmentseiten sind Segment C8 und Segment Th1; der Nachbar stammt aus Segment Th2.

Herkunft: anatomische Standardwerke; Race und Saldana 1991.

2. Verlauf in Kürze

  1. Achselhöhle: Der Nerv verlässt das innere Faserbündel und zieht an der Innenseite des Oberarms nach unten. [B]
  2. Faseraustausch: In der Achsel verbindet er sich mit dem N. intercostobrachialis. [B]
  3. Durchtritt: Etwa in der Mitte des Oberarms durchbohrt er die tiefe Faszie und wird oberflächlich. [B]
  4. Endstrecke: Er versorgt die Haut der Oberarminnenseite bis in die Nähe des inneren Oberarmknorrens. [B]

Herkunft: anatomische Standardwerke; Race und Saldana 1991.

3. Das Hautgebiet

Das Gebiet liegt an der Innenseite des Oberarms und reicht in die Achselgegend. [B] Nach unten grenzt es an das Gebiet des N. cutaneus antebrachii medialis, nach hinten an das des N. cutaneus brachii posterior, nach außen an das Feld des N. axillaris. [B]

Weil sich der Nerv mit dem N. intercostobrachialis verbindet, sind die Felder beider Nerven unterschiedlich groß; die Grenze ist keine Linie. [B] Ein Ausfall fällt deshalb häufig kleiner aus als erwartet. [I]

Muskeln versorgt der Nerv nicht; jede Schwäche spricht gegen ihn. [I]

Herkunft: anatomische Standardwerke; Loukas et al. 2006; Henry et al. 2017.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

Ort oder AnlassMechanismusKennzeichen
Ausräumung der Achsellymphknoten und BrustentfernungDurchtrennung oder Zug in der Achsel[B]
Straffung der OberarmhautDurchtrennung oberflächlicher Äste an der Innenseite[B]
Zugang zum Oberarm, Osteosynthese, GefäßeingriffNähe zum Operationsfeld[B]
Druck in der Achsel, etwa durch Gehstützen oder Lagerunganhaltender Druck auf die Hautäste[B]
Tabelle 2: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge nach der Häufigkeit, mit der sie in der Literatur genannt werden.

Bei Eingriffen in der Achsel ist zahlenmäßig der N. intercostobrachialis der am häufigsten betroffene Nerv; dieser Nerv wird dabei mitbetroffen. [B]

Herkunft: O’Rourke et al. 1999; Loukas et al. 2006; anatomische Standardwerke.

5. Beschwerdebild

  • taubes oder vermindert empfindendes Feld an der Oberarminnenseite [B]
  • Missempfindungen und Berührungsempfindlichkeit im selben Feld [B]
  • Schmerz an einer Narbe in der Achsel oder an der Oberarminnenseite [B]
  • keine Schwäche, kein Reflexausfall [I]

Das Bild ist meist Teil einer größeren Gefühlsstörung nach einem Eingriff in der Achsel und selten für sich allein beschrieben. [I]

Herkunft: O’Rourke et al. 1999; anatomische Standardwerke.

6. Untersuchung

  • Berührung und Schmerz an der Oberarminnenseite und in der Achsel im Seitenvergleich prüfen und das Feld aufzeichnen. [I]
  • Die Brustwand mitprüfen: Ist sie betroffen, spricht das für den N. intercostobrachialis. [I]
  • Narben in der Achsel beklopfen; ein Tinel-Zeichen weist auf den geschädigten Ast. [B]
  • Kraft und Reflexe prüfen; sie sind bei alleiniger Schädigung unauffällig. [I]

Herkunft: anatomische Standardwerke.

7. Apparative Diagnostik

Eine eigene Normwertreihe zur Nervenleitung dieses Nervs liegt dieser Fassung nicht vor. [I] Beurteilt wird im Seitenvergleich. [I]

Im Ultraschall sind die Hautnerven der Achsel darstellbar; beschrieben ist unter anderem ein Verbindungsast zwischen N. intercostobrachialis und diesem Nerv. [B]

Herkunft: Ultraschallübersicht, zitiert auf der Seite Nervus cutaneus brachii posterior.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv ist rein empfindend; jede Schwäche spricht gegen ihn. [I]
  • Ist die seitliche Brustwand mitbetroffen, spricht das für den N. intercostobrachialis. [I]
  • Reicht die Störung unter den Ellenbogen, ist der N. cutaneus antebrachii medialis beteiligt. [I]
  • Schwäche der Handbinnenmuskeln oder ein Horner-Syndrom sprechen für Wurzel Th1 oder unteres Armgeflecht. [B]
  • Die Grenzen der Felder schwanken, weil sich die Nerven in der Achsel verbinden. [B]

Die Ordnung dieser Kapitel folgt drei Leitfragen. [I]

  1. Wo genau liegt das taube Feld? Das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Ging ein Eingriff in der Achsel voraus? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Kommt Schwäche hinzu? Das führt zu Kapitel 11. [I]

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: Loukas et al. 2006; Henry et al. 2017; anatomische Standardwerke.

9. Differenzialdiagnostik: Gefühlsstörung an Oberarminnenseite und Achsel

BefundWahrscheinlicher UrsprungAbgrenzendes Zeichen
Oberarminnenseite, Achselgegenddieser NervBrustwand frei, keine Schwäche [I]
Achsel, obere Innenseite und seitliche BrustwandN. intercostobrachialisBrustwand mitbetroffen [B]
Unterarminnenseite bis zum HandgelenkN. cutaneus antebrachii medialisFeld liegt unterhalb des Ellenbogens [B]
Rückseite des OberarmsN. cutaneus brachii posteriorFeld liegt hinten, nicht innen [B]
Außenseite über dem DeltamuskelN. axillarisFeld liegt außen, oft mit Schwäche beim Abspreizen [B]
Tabelle 3: Gefühlsstörungen an Oberarm und Achsel und ihre Zuordnung. Reihenfolge: erst dieser Nerv, dann die Nachbarn von innen nach außen.

Weil sich dieser Nerv und der N. intercostobrachialis Fasern teilen, ist die Grenze ihrer Felder verschieblich. [B] Ein Ausfall lässt sich deshalb nicht immer eindeutig einem der beiden zuordnen. [I]

Herkunft: Loukas et al. 2006; Henry et al. 2017; anatomische Standardwerke.

10. Differenzialdiagnostik: Beschwerden nach einem Eingriff in der Achsel

Nach Ausräumung der Achsellymphknoten und nach Brustentfernung sind Gefühlsstörungen an Achsel und Oberarminnenseite häufig. [B] Zahlenmäßig steht dabei der N. intercostobrachialis im Vordergrund; dieser Nerv wird mitbetroffen, wenn seine Äste im Operationsgebiet liegen. [I]

Für die Zuordnung hilft die Brustwand: Sie gehört zum N. intercostobrachialis, nicht zu diesem Nerv. [B] Ein Schmerz, der in die Achsel einschießt und sich beim Beklopfen auslösen lässt, spricht für einen durchtrennten Hautast. [I]

Herkunft: O’Rourke et al. 1999; Loukas et al. 2006; die auf der Seite Nervus cutaneus brachii posterior genannte Kohortenstudie zu Beschwerden nach Brustkrebsbehandlung.

11. Differenzialdiagnostik: Gefühlsstörung mit Schwäche

Kommt zur Gefühlsstörung eine Schwäche hinzu, ist ein Hautnerv als alleinige Ursache ausgeschlossen. [I]

Für Wurzel Th1 oder das untere Armgeflecht sprechen: Schwäche und Schwund der Handbinnenmuskeln, Gefühlsstörung an der Handkante und ein Horner-Syndrom. [B] Für eine Schädigung des N. ulnaris spricht eine Gefühlsstörung an Kleinfinger und Handkante mit Schwäche der Handbinnenmuskeln. [B]

Beide Bilder betreffen dasselbe Segment, aber andere Bahnen; die Prüfung der Kraft trennt sie vom Hautnerv. [I]

Herkunft: neurologische Standardwerke; die auf der Seite Nervus ulnaris genannten Quellen.

12. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht

Die folgenden Befunde sprechen gegen eine Schädigung dieses Nervs und weisen auf eine andere Ursache.

  • Jede Muskelschwäche oder ein Reflexausfall: Der Nerv ist rein empfindend. [B]
  • Taubheit an der seitlichen Brustwand: spricht für den N. intercostobrachialis. [B]
  • Taubheit unterhalb des Ellenbogens: spricht für den N. cutaneus antebrachii medialis. [B]
  • Taubheit an der Oberarmrückseite: spricht für den N. cutaneus brachii posterior. [B]
  • Hängendes Oberlid und enge Pupille: spricht für Wurzel Th1 oder unteres Armgeflecht. [B]

Herkunft: die in den Kapiteln 9 bis 11 genannten Quellen.

Teil D · Verlauf und Behandlung

13. Verlauf und beschriebene Behandlungswege

Beschrieben sind abwartendes Vorgehen, Schmerzbehandlung und, bei schmerzhaftem Neurom, die operative Versorgung. [B] Eigene Zahlen zum Verlauf nach Schädigung dieses Nervs liegen dieser Fassung nicht vor. [I]

Für Beschwerden nach Eingriffen in der Achsel stützen sich die Angaben auf Arbeiten zum N. intercostobrachialis. [I] Diese Seite gibt keine Behandlungsempfehlung. [I]

Herkunft: O’Rourke et al. 1999; anatomische Standardwerke.

14. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ärztlich abgeklärt

Die folgenden Punkte sprechen gegen eine harmlose örtliche Ursache. Sie sind keine Diagnose und keine Handlungsanweisung, sondern ein Hinweis auf Abklärungsbedarf.

  • Neue Schwäche an Hand oder Fingern zusammen mit der Gefühlsstörung. [I]
  • Hängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung einer Gesichtshälfte. [B]
  • Zunehmender Schmerz und Schwellung des Arms nach einem Eingriff in der Achsel. [I]
  • Tastbare, wachsende Schwellung in der Achsel. [I]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

15. Häufige Fragen

Warum ist das Feld dieses Nervs bei jedem Menschen anders groß?

Weil er sich in der Achsel mit dem N. intercostobrachialis verbindet und beide Nerven Fasern austauschen. [B]

Wie grenze ich ihn vom N. intercostobrachialis ab?

An der Brustwand: Ist sie mitbetroffen, spricht das für den N. intercostobrachialis. [B]

Kann dieser Nerv eine Schwäche verursachen?

Nein, er ist rein empfindend. [B]

Warum bleibt nach einer Achseloperation die Innenseite des Oberarms taub?

Die Hautäste dieser Gegend verlaufen durch das Operationsgebiet und werden dabei durchtrennt oder gedehnt. [B]

Teil E · Anatomische Einzelheiten

16. Ursprung und Verlauf im Einzelnen

Der Nerv entspringt dem Fasciculus medialis, der aus dem unteren Primärstrang mit C8 und Th1 hervorgeht. [B] Er ist der kleinste Hautnerv des Arms. [B]

In der Achsel liegt er innen neben der Armvene. Nach dem Faseraustausch mit dem N. intercostobrachialis zieht er an der Oberarminnenseite abwärts und durchbohrt die tiefe Faszie. [B]

Herkunft: anatomische Standardwerke; Race und Saldana 1991.

17. Verbindungen und Varianten

Die Verbindung zum N. intercostobrachialis ist die Regel, nicht die Ausnahme. [B] Eine Metaanalyse aus 16 Studien fand den N. intercostobrachialis in 98,4 % der Achselhöhlen; in 90,6 % stammte er allein aus Th2. [B] Verbindungen zu den Hautnerven des Arms sind in derselben Zusammenschau beschrieben. [B]

Die Sezierreihe an 200 Achselhöhlen beschreibt mehrere Verlaufsformen; ihre Begriffe weichen zwischen den Arbeiten ab. [B] Diese Unschärfe ist der Grund, warum Feldgrenzen in Lehrbüchern verschieden gezeichnet werden. [I]

Ein vollständiges Fehlen dieses Nervs mit Ersatz durch den N. intercostobrachialis ist beschrieben. [B]

Herkunft: Henry et al. 2017 (16 Studien); Loukas et al. 2006 (200 Achselhöhlen); O’Rourke et al. 1999 (28 Achselhöhlen).

18. Was dieser Nerv nicht führt

Der Nerv versorgt keine Muskeln, keine Gelenke und keine Organe. [B] Ein Sklerotom gehört zum Segment, nicht zu einem einzelnen Hautast. [I]

Er führt nachgeschaltete sympathische Fasern für Schweißdrüsen und Gefäße seines Hautgebiets, keine vorgeschalteten (Abschnitt 19.1). [B]

Herkunft: anatomische und neuroanatomische Standardwerke.

19. Reflexzonenmodelle

Die drei folgenden Modelle stammen aus der Zeit um 1900 und aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.

ModellGrundgedanke und VoraussetzungBezug zu C8 und Th1Kennzeichen
Head-Zonenüberempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleitennicht belegt; eine Organzone ist für dieses Hautfeld nicht beschrieben [I][H]
Mackenzie-Zonentastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur vorausfür diesen Nerv nicht belegt [I][H]
Bindegewebszonen nach Dickeveränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug vorauskeine kontrollierte Zuordnung zu diesem Nerv bekannt [I][H]
Tabelle 4: Geschichtliche Reflexzonenmodelle und ihr Bezug zu diesem Nerv. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

19.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern

Die vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer schmalen Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks. Sie reicht vom Segment Th1 bis etwa L2. [B]

Ihre Fasern verlassen das Rückenmark mit den Vorderwurzeln dieser Segmente und treten über die weißen Verbindungsäste (Rami communicantes albi) in den Grenzstrang ein. [B] Nach der Umschaltung dort kehren nachgeschaltete Fasern über die grauen Verbindungsäste (Rami communicantes grisei) in die Spinalnerven zurück und erreichen mit ihnen Schweißdrüsen, Gefäßmuskulatur und Haarbalgmuskeln ihres Gebiets. [B]

Für Kopf und Hals steigen die Fasern aus den oberen Brustsegmenten im Grenzstrang auf und schalten im Ganglion cervicale superius um. [B] Oberhalb von Th1 gibt es keine eigene Zellsäule. [B]

Von den Segmenten dieses Nervs erreicht nur Th1 diese Zellsäule; C8 besitzt keine. [I] Vorgeschaltete Fasern führt der Nerv nicht; die nachgeschalteten Fasern in seinen Ästen stammen aus dem Grenzstrang. [B]

Für die Untersuchung folgen daraus zwei Punkte. Ein Schaden am Nervenstamm nimmt im eigenen Hautgebiet meist auch die Schweißbildung, weil die nachgeschalteten Fasern im Stamm mitlaufen. [I] Ein Schaden an der Wurzel innerhalb des Wirbelkanals lässt die Schweißbildung dagegen meist unberührt, weil die grauen Verbindungsäste erst danach hinzutreten. [I]

Eine Schädigung der Wurzel Th1 oder des unteren Armgeflechts kann ein Horner-Syndrom erzeugen: hängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung der Gesichtshälfte. [B] Eine Schädigung dieses Nervs selbst erzeugt es nicht, weil sein Faserweg hinter der Umschaltung liegt. [I]

Herkunft: neuroanatomische Standardwerke, darunter Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik, sowie Standring, Gray’s Anatomy.

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb um 1900 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; neuroanatomische Standardwerke.

Teil F · Anhang

20. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
Fasciculus medialisinneres Faserbündel des Armgeflechts aus C8 und Th1
Horner-Syndromhängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung einer Gesichtshälfte bei Störung der sympathischen Bahn
Nucleus intermediolateralisZellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks von Th1 bis etwa L2; Ursprung der vorgeschalteten sympathischen Fasern
Ramus communicans griseusgrauer Verbindungsast; führt nachgeschaltete Fasern vom Grenzstrang zurück in den Spinalnerv
Sezierreiheanatomische Untersuchung an einer genannten Zahl von Körperspendern
Tinel-Zeicheneinschießende Missempfindung beim Beklopfen eines Nervs
Tabelle 5: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

21. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

22. Grundlage und Quellen

22.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

22.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1Race CM, Saldana MJ. Anatomic course of the medial cutaneous nerves of the arm. J Hand Surg Am 1991;16:48–52Sezierstudie
2O’Rourke MGE, Tang TS, Allison SI, Wood W. The anatomy of the extrathoracic intercostobrachial nerve. Aust N Z J Surg 1999;69(12):860–864Sezierreihe, 28 Achselhöhlen
3Loukas M, Hullett J, Louis RG Jr, Holdman S, Holdman D. The gross anatomy of the extrathoracic course of the intercostobrachial nerve. Clin Anat 2006;19(2):106–111Sezierreihe, 200 Achselhöhlen
4Henry BM, Graves MJ, Pękala JR et al. Origin, branching, and communications of the intercostobrachial nerve: a meta-analysis. Cureus 2017Metaanalyse, 16 StudienGrenzfall: Zeitschrift mit vermutlich schwacher Begutachtung (Einschätzung, Allgemeinwissen des Modells); Fundstelle unvollständig: Band und Seiten fehlen
5Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen
6Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen
7Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893 bis 1900geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
8Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw & Sons; 1909 (2. Auflage 1912)geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
9Dicke E. Meine Bindegewebsmassagegeschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]; Erscheinungsjahr offen
Tabelle 6: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

22.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen.

22.4 Offene Punkte

  • Eigene Zahlen zu Häufigkeit und Verlauf einer Schädigung dieses Nervs liegen nicht vor; die Angaben stützen sich auf Arbeiten zum N. intercostobrachialis.
  • Die Fundstelle der Metaanalyse von 2017 ist unvollständig; zudem trägt sie den Vermerk „Grenzfall“.
  • Die Arbeit von Race und Saldana 1991 ist über Verweise erfasst und nicht im Volltext eingesehen.
  • Eine Normwertreihe zur Nervenleitung dieses Nervs fehlt.

22.5 Änderungsvermerk

Geändert: Seite neu angelegt, nach den gemeinsamen Bausteinen der Halsnervenseiten. Warum: Der Nerv schließt die Hautkarte von Achsel und Oberarminnenseite. Ersetzt: keine Fassung.

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V 1.0 · Quellen geprüft am 15. September 2026