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Nervus cutaneus femoris lateralis

Der Nervus cutaneus femoris lateralis (seitlicher Hautnerv des Oberschenkels) ist ein rein empfindender Ast des Lendengeflechts aus L2 und L3. [B] Er zieht über den M. iliacus zum vorderen Beckenkamm, verlässt das Becken meist unter dem Leistenband nahe dem vorderen oberen Darmbeinstachel und versorgt die Haut an der Vorder- und Außenseite des Oberschenkels. [B]

Seine Einklemmung am Leistenband heißt Meralgia paraesthetica: Brennen, Kribbeln und Taubheit an der Außenseite des Oberschenkels, ohne Schwäche und ohne Reflexausfall. [B] Sie ist häufig: In einer bevölkerungsbezogenen Studie erkrankten 32,6 von 100 000 Menschen pro Jahr, bei Zuckerkrankheit 247, also rund siebenmal so viele. [B]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv ist rein empfindend; eine Schädigung verursacht Gefühlsstörungen an der Außenseite des Oberschenkels, aber keine Schwäche und keinen Reflexausfall. [B]
  • Die Meralgia paraesthetica trat in den USA bei 32,6 und in niederländischen Hausarztpraxen bei 43 von 100 000 Menschen pro Jahr neu auf. [B]
  • Bei Zuckerkrankheit war sie rund siebenmal häufiger; Betroffene hatten häufiger Übergewicht, und viele erkrankten erst später an Zuckerkrankheit. [B]
  • Der Nerv verlässt das Becken meist 1,9 cm innen vom vorderen oberen Darmbeinstachel; eine Metaanalyse empfiehlt bei Operationen mindestens 3 cm Abstand. [B]
  • Wichtigste Abgrenzung ist die Wurzel L2 oder L3 mit Schwäche oder Reflexausfall. [I]

Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 13. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Fasern ausL2 und L3[B]
AbgangLendengeflecht, am Außenrand des M. psoas major[B]
Faserartrein empfindend[B]
Muskelnkeine[B]
HautVorder- und Außenseite des Oberschenkels bis oberhalb des Knies[B]
Reflexkeiner[B]
Wichtigste AbgrenzungenWurzel L2 und L3, N. femoralis, Hautäste von Th12 und L1, Schmerz an Hüfte und großem Rollhügel (Kapitel 9 bis 13)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus cutaneus femoris lateralis. Reihenfolge: von der Herkunft zum klinischen Bild.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus. Die Abgrenzungen sind aus den Kapiteln 9 bis 13 abgeleitet.

2. Verlauf in Kürze

  1. Am M. psoas major: Austritt am Außenrand des Muskels. [B]
  2. Über den M. iliacus: Er läuft schräg nach außen zum vorderen oberen Darmbeinstachel. [B]
  3. Am Leistenband: Er verlässt das Becken meist unter dem Leistenband innen vom Darmbeinstachel; hier liegt die typische Engstelle. [B]
  4. Am Oberschenkel: Er teilt sich in einen vorderen und einen hinteren Ast und durchbricht die Oberschenkelfaszie. [B]

Nach einer Metaanalyse über 1 720 Nerven verließ er das Becken am häufigsten innen vom M. sartorius als einzelner Ast, im Mittel 1,9 cm innen vom vorderen oberen Darmbeinstachel. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Tomaszewski et al. 2016.

3. Versorgungsgebiet

GebietÜber welchen AstKennzeichen
Haut an der Vorderseite des Oberschenkels, außenvorderer Ast[B]
Haut an der Außenseite des Oberschenkels bis oberhalb des Knieshinterer Ast[B]
Tabelle 2: Versorgungsgebiet. Reihenfolge von proximal nach distal.

Der Nerv versorgt keinen Muskel und hat keinen Reflex. [B] Eine Schwäche oder ein Reflexausfall spricht deshalb gegen einen alleinigen Schaden dieses Nervs. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

OrtAnlassKennzeichen
Hinter dem Bauchfell und am M. iliacusEingriffe hinter dem Bauchfell, Blutung am M. iliacus[I]
Am vorderen oberen Darmbeinstachel und LeistenbandEinklemmung (Meralgia paraesthetica), Druck durch Gürtel oder enge Kleidung, Knochenentnahme am Beckenkamm, vorderer Zugang zum Hüftgelenk, Leistenbruch-Operation, Bauchlagerung bei Wirbelsäulenoperationen[B]
Am OberschenkelSchnitte und Verletzungen an der Vorder- und Außenseite[I]
Tabelle 3: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge von proximal nach distal.

4.1 Häufigkeiten

ArbeitUmfangBefund
van Slobbe et al. 2004173 375 Personenjahre in niederländischen Hausarztpraxen, 1990 bis 19984,3 Neuerkrankungen je 10 000 Personenjahre; häufiger bei Karpaltunnelsyndrom (Chancenverhältnis 7,7; 1,9–31,1) und in der Schwangerschaft (12,0; 1,2–118,0)
Parisi et al. 2011Olmsted County, USA, 1990 bis 1999; 262 Betroffene32,6 je 100 000 Personenjahre; bei Zuckerkrankheit 247, rund siebenfach; Zuckerkrankheit bei 28 % der Betroffenen gegen 17 % der Vergleichsgruppe mit gleichem Körpergewicht; höchste Rate zwischen 55 und 64 Jahren
Tabelle 4: Häufigkeiten. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].

Herkunft: van Slobbe et al. 2004; Parisi et al. 2011.

5. Beschwerdebild

ZeichenBeschreibungKennzeichen
Brennen, Kribbeln, Taubheitan der Vorder- und Außenseite des Oberschenkels[B]
Verstärkungbeim Stehen, Gehen oder Strecken der Hüfte; Besserung im Sitzen[I]
Keine Schwäche, kein Reflexausfallweil der Nerv rein empfindend ist[B]
Tabelle 5: Zeichen einer Schädigung. Reihenfolge: Schmerz, Gefühl, Kraft.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

6. Untersuchung

  • Gefühl an der Vorder- und Außenseite des Oberschenkels: im Seitenvergleich; die Grenze liegt nicht auf der Innenseite. [I]
  • Druck innen vom vorderen oberen Darmbeinstachel: Schmerz oder Kribbeln an der Engstelle. [I]
  • Kraft der Hüftbeugung und Kniestreckung, Patellarsehnenreflex: müssen regelrecht sein. [B]
  • Rücken und Wurzeln: Schmerz vom Rücken ins Bein spricht eher für L2 oder L3. [I]

Herkunft: Bähr und Frotscher, Duus.

7. Apparative Diagnostik

Die Nervenleitung dieses Nervs ist technisch schwierig und gelingt nicht bei allen Gesunden; ein seitengleicher Befund schließt die Einklemmung nicht aus. [I] Der Ultraschall zeigt den Nerv am Darmbeinstachel und erlaubt eine gezielte Betäubung zur Bestätigung. [I] Bei Schwäche oder Reflexausfall ist die Bildgebung der Lendenwirbelsäule angezeigt. [I]

Herkunft: aus der Lage und Faserart des Nervs abgeleitet.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Achtung: Wurzel und Becken zuerst ausschließen

Kommt zur Gefühlsstörung am Oberschenkel eine Schwäche von Hüftbeugung oder Kniestreckung oder ein Reflexausfall hinzu, liegt nicht nur dieser Nerv vor. [B] Eine rasch zunehmende Gefühlsstörung mit Bauch- oder Flankenschmerz kann auf eine Blutung oder Raumforderung im Becken weisen und gehört ohne Aufschub ärztlich abgeklärt. [I]

  1. Brennen oder Taubheit an der Außenseite des Oberschenkels? Das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Beschwerden nach einer Operation oder in Bauchlage? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Zuckerkrankheit, Übergewicht oder Schwangerschaft? Das führt zu Kapitel 11. [I]
  4. Schmerz an der Hüfte oder am großen Rollhügel? Das führt zu Kapitel 12. [I]

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: Bähr und Frotscher, Duus. Die Leitfragen sind aus den Kapiteln 3 bis 7 abgeleitet.

9. Differenzialdiagnostik: Brennen oder Taubheit an der Außenseite des Oberschenkels

UrsacheUnterscheidendes MerkmalKennzeichen
N. cutaneus femoris lateralisnur Gefühlsstörung Vorder- und Außenseite, keine Schwäche, kein Reflexausfall[B]
Wurzel L2 oder L3Rückenschmerz mit Ausstrahlung, Schwäche der Hüftbeugung oder Kniestreckung, abgeschwächter Patellarsehnenreflex[I]
N. femoralisVorder- und Innenseite, Schwäche der Kniestreckung, Patellarsehnenreflex abgeschwächt[B]
Seitliche Äste von Th12 und L1Haut über dem Beckenkamm und oberhalb davon, nicht am Oberschenkel[B]
Diabetische Radikuloplexusneuropathiestarker Schmerz, dann Schwäche des Oberschenkels, Gewichtsverlust[B]
Tabelle 6: Gefühlsstörung an der Außenseite des Oberschenkels. Reihenfolge: erst dieser Nerv, dann von proximal nach distal.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus; Dyck et al. 1999 zur Radikuloplexusneuropathie.

10. Differenzialdiagnostik: Beschwerden nach Operation oder in Bauchlage

Der Nerv liegt am vorderen oberen Darmbeinstachel im Weg von Knochenentnahmen, vorderen Zugängen zum Hüftgelenk und Leistenbruch-Operationen; die Metaanalyse empfiehlt, bei Operationen mindestens 3 cm Abstand vom Darmbeinstachel zu halten. [B] Nach Wirbelsäulenoperationen in Bauchlage kann Druck auf das Becken den Nerv schädigen. [I]

Herkunft: Tomaszewski et al. 2016.

11. Differenzialdiagnostik: Zuckerkrankheit, Übergewicht oder Schwangerschaft

In der bevölkerungsbezogenen Studie war die Erkrankung bei Zuckerkrankheit rund siebenmal häufiger, und Betroffene hatten ein höheres Körpergewicht; bei vielen trat die Zuckerkrankheit erst nach der Meralgia paraesthetica auf. [B] In der Hausarztstudie war sie mit Schwangerschaft und Karpaltunnelsyndrom verbunden. [B] Eine Meralgia paraesthetica kann deshalb Anlass sein, nach Zuckerkrankheit zu suchen. [I]

Herkunft: Parisi et al. 2011; van Slobbe et al. 2004.

12. Differenzialdiagnostik: Schmerz an Hüfte oder großem Rollhügel

  • Schmerz am großen Rollhügel: Druckschmerz außen an der Hüfte, Schmerz beim Liegen auf der Seite; keine Gefühlsstörung. [I]
  • Hüftgelenk: Leistenschmerz bei Drehung und Beugung. [I]
  • Oberer Gesäßnerv: Schwäche der Abspreizer mit Absinken des Beckens; siehe Nervus gluteus superior. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

13. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht

  • Schwäche der Hüftbeugung oder Kniestreckung: spricht für N. femoralis oder Wurzeln L2 bis L4. [B]
  • Abgeschwächter Patellarsehnenreflex: spricht für N. femoralis oder Wurzel L4. [B]
  • Gefühlsstörung an der Innenseite des Oberschenkels: spricht für N. femoralis oder N. obturatorius. [B]
  • Rückenschmerz mit Ausstrahlung und Verschlechterung beim Husten: spricht für eine Wurzel. [I]

Herkunft: Bähr und Frotscher, Duus.

Teil D · Verlauf und Behandlung

14. Verlauf und Aussichten

Die Meralgia paraesthetica verläuft oft gutartig; Kribbeln und Brennen können sich zurückbilden, während eine Taubheit bestehen bleiben kann. [I] Nach Einspritzungen war in der Metaanalyse bei 81 % ein weiterer Eingriff nötig, was für einen häufig anhaltenden Verlauf spricht. [I]

Herkunft: Lu et al. 2021; eine eigene Verlaufsstudie ohne Behandlung ist nicht eingesehen.

15. Beschriebene Behandlungswege

Beschrieben sind das Meiden von Druck durch Gürtel oder enge Kleidung, Gewichtsabnahme, Einspritzungen an der Engstelle und bei Versagen operative Verfahren. [I] Eine Metaanalyse über 25 Arbeiten mit 670 Patienten fand vollständige Schmerzfreiheit nach Durchtrennung des Nervs bei 85 %, nach Lösung (Neurolyse) bei 63 % und nach Einspritzung bei 22 %; erneute Eingriffe waren nach Einspritzung bei 81 %, nach Lösung bei 12 % und nach Durchtrennung bei 0 % nötig, Komplikationen bei allen dreien 0 bis 5 %. [B] Die Durchtrennung hinterlässt eine bleibende Taubheit an der Außenseite des Oberschenkels; in einer kleinen Reihe störte sie die meisten Operierten nicht. [B]

Widerspruch: Ist die Durchtrennung überlegen?

Die Metaanalyse beruht auf kleinen, nicht randomisierten Arbeiten. [B] Eine rückblickende Reihe von 2026 fand nach Lösung eine Schmerzminderung bei 85,3 % und keinen Vorteil der Durchtrennung; sie sieht die Lösung als ersten operativen Schritt. [B] Ein randomisierter Vergleich liegt dieser Fassung nicht vor. [I]

Diese Seite gibt keine Therapieempfehlung.

Herkunft: Lu et al. 2021; de Ruiter et al. 2012; rückblickende Reihe zur Operation der Meralgia paraesthetica, 2026.

16. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ohne Aufschub ärztlich abgeklärt

  • Schwäche eines Beins oder Reflexausfall. [I]
  • Rasch zunehmende Gefühlsstörung mit Bauch- oder Flankenschmerz. [I]
  • Schwäche oder Gefühlsstörung an beiden Beinen, Störung von Blase oder Darm: Hinweis auf ein Kaudasyndrom. [B]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017.

17. Häufige Fragen

Ist die Meralgia paraesthetica gefährlich?

Der Nerv ist rein empfindend; eine Einklemmung verursacht Gefühlsstörungen, aber keine Lähmung. [B] Wichtig ist, eine Wurzelschädigung oder einen Prozess im Becken nicht zu übersehen. [I]

Hat die Erkrankung mit Zuckerkrankheit zu tun?

Ja; bei Zuckerkrankheit trat sie in einer großen Studie rund siebenmal häufiger auf. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Parisi et al. 2011.

Teil E · Anatomische Einzelheiten

18. Ursprung und Stellung

Der N. cutaneus femoris lateralis entspringt aus L2 und L3 und ist ein reiner Hautnerv des Lendengeflechts. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

19. Die Engstelle am vorderen oberen Darmbeinstachel

An der Engstelle zieht der Nerv unter oder durch das Leistenband und biegt dabei scharf von der Beckenseite auf den Oberschenkel ab. [B] Die Metaanalyse fand außer dem häufigsten Muster Verläufe durch den Darmbeinstachel selbst, durch den M. sartorius und durch das Leistenband sowie Austritte außen vom Darmbeinstachel. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Tomaszewski et al. 2016.

20. Abweichungen vom Regelbau

Der Austrittspunkt schwankt stark: Selbst beim häufigsten Muster liegt er im Mittel 1,9 cm innen vom Darmbeinstachel, und andere Muster liegen außen davon oder im Knochen. [B] Deshalb empfiehlt die Metaanalyse mindestens 3 cm Abstand bei Operationen. [B]

Herkunft: Tomaszewski et al. 2016.

21. Was dieser Nerv nicht führt

  • Keine Fasern für Muskeln. [B]
  • Keinen Reflex. [B]
  • Keine Fasern für die Innenseite des Oberschenkels. Sie gehören zu N. femoralis und N. obturatorius. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

22. Reflexzonenmodelle

Die drei folgenden Modelle wurden zwischen 1893 und 1953 veröffentlicht. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.

ModellGrundgedanke und VoraussetzungBezug zu diesem NervKennzeichen
Head-Zonenüberempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleitenkeine Zone; der Nerv führt keine viszeralen Afferenzen [I][H]
Mackenzie-Zonentastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur vorauskeine Zone; dieselbe Voraussetzung fehlt [I][H]
Bindegewebszonen nach Dickeveränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug vorausnicht begründbar, weil der Organbezug fehlt [I][H]
Tabelle 7: Geschichtliche Reflexzonenmodelle und ihr Bezug zu diesem Nerv. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

Der Nerv führt empfindende Fasern aus Haut, Muskeln und Gelenken, aber keine aus inneren Organen; die Organfasern erreichen das Segment über den Grenzstrang und die hinteren Wurzeln, nicht über diesen Nerv. [B] Damit fehlt ihm selbst die Voraussetzung der Modelle. [I]

22.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern

L2 ist das unterste Segment des Nucleus intermediolateralis von Th1 bis etwa L2. [B] Der N. cutaneus femoris lateralis selbst führt nur nachgeschaltete sympathische Fasern für Gefäße und Schweißdrüsen der Oberschenkelhaut. [B]

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb 1909 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik; Standring, Gray’s Anatomy.

Teil F · Anhang

23. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
KaudasyndromDruck auf die Nervenwurzeln unterhalb des Rückenmarks mit Störung von Blase, Darm und Beinen
M. sartoriusSchneidermuskel; langer schmaler Muskel vom Darmbeinstachel zur Innenseite des Knies
Meralgia paraestheticaEinklemmung des N. cutaneus femoris lateralis mit Brennen und Taubheit an der Außenseite des Oberschenkels
Nucleus intermediolateralisZellsäule der vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen von Th1 bis etwa L2
PersonenjahrBeobachtungszeit eines Menschen über ein Jahr; Grundlage für Neuerkrankungsraten
Radikuloplexusneuropathiegleichzeitige Schädigung von Nervenwurzeln und Nervengeflecht durch Entzündung kleiner Gefäße
Vorderer oberer Darmbeinstacheltastbarer Knochenvorsprung vorn am Beckenkamm
Tabelle 8: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

24. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Herkunftszeilen, die nur Standardwerke nennen, geben den Lehrbuchstand wieder. Die Fundstellen in diesen Werken sind noch nicht mit Seitenzahl geprüft; das steht unter „Offene Punkte“ in Kapitel 25.4.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

25. Grundlage und Quellen

25.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

25.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1Dyck PJB, Norell JE, Dyck PJ. Microvasculitis and ischemia in diabetic lumbosacral radiculoplexus neuropathy. Neurology 1999;53:2113–2121vorausschauende Reihe, 33 Patienten
2van Slobbe AM, Bohnen AM, Bernsen RMD, Koes BW, Bierma-Zeinstra SMA. Incidence rates and determinants in meralgia paresthetica in general practice. J Neurol 2004;251(3):294–297Kohorte mit 173 375 Personenjahren in der Hausarztpraxis, eingebettete Fall-Kontroll-Studie
3Parisi TJ, Mandrekar J, Dyck PJB, Klein CJ. Meralgia paresthetica: relation to obesity, advanced age, and diabetes mellitus. Neurology 2011;77(16):1538–1542bevölkerungsbezogene Studie, 262 Betroffene, 524 VergleichspersonenLeitquelle Häufigkeit
4de Ruiter GCW, Wurzer JAL, Kloet A. Decision making in the surgical treatment of meralgia paresthetica: neurolysis versus neurectomy. Acta Neurochir (Wien) 2012;154(10):1765–1772Reihe, 18 Operierte
5Tomaszewski KA, Popieluszko P, Henry BM, Roy J, Sanna B, Kijek MR, Walocha JA. The surgical anatomy of the lateral femoral cutaneous nerve in the inguinal region: a meta-analysis. Hernia 2016;20(5):649–657Metaanalyse, 24 Studien, 1 720 NervenLeitquelle Anatomie
6Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, 2017. AWMF nvl-007Leitlinielaut Register abgelaufen; nur für die Warnhinweise
7Lu VM, et al. Meralgia paresthetica treated by injection, decompression, and neurectomy: a systematic review and meta-analysis of pain and operative outcomes. J Neurosurg 2021;135(3):912–922Metaanalyse, 25 Arbeiten, 670 PatientenLeitquelle Behandlung; Mitautoren nicht eingesehen
8Outcome after surgery for meralgia paresthetica – a retrospective cohort study. 2026rückblickende ReiheFundstelle unvollständig: Autoren und Zeitschrift nicht eingesehen
9Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
10Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
11Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; Teil II Brain 1894;17:339–480; Teil III Brain 1896;19:153–276geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
12Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw and Sons; 1909geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
13Dicke E. Meine Bindegewebsmassage. Stuttgart: Hippokrates; 1953geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
Tabelle 9: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

25.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen. Eine Übersicht in BJA Education 2025 gibt die Häufigkeit nach van Slobbe mit 4,3 je 100 000 an; die Originalarbeit nennt 4,3 je 10 000 Personenjahre. Diese Seite folgt der Originalarbeit.

25.4 Offene Punkte

  • Die Aussagen, die auf den Standardwerken beruhen, sind noch nicht mit Auflage und Seitenzahl geprüft.
  • Eine Fundstelle ist unvollständig (Nr. 8).
  • Die Seite enthält keine Abbildung.

Grenzen der Literatur (Stand der Recherche: 21. September 2026). Studien zur Güte der klinischen Zeichen sind für diese Fassung nicht eingesehen; zur Operation gibt es keinen randomisierten Vergleich. Die Häufigkeit unterscheidet sich zwischen den beiden Studien, vermutlich wegen verschiedener Erfassung in Hausarztpraxis und Bevölkerungsregister.

25.5 Neue Seite

Diese Seite ist neu angelegt; eine Vorfassung gibt es nicht. Sie ergänzt die Reihe der Lendennerven.

25.6 Änderungsvermerk

Geändert: Seite neu geschrieben nach den gemeinsamen Bausteinen der Nervenseiten. Warum: Ergänzung des Lendengeflechts. Ersetzt: keine Fassung.

V 1.1 – geändert: Behandlungskapitel mit Metaanalyse belegt, Widerspruch zur Überlegenheit der Durchtrennung ergänzt, drei Quellen hinzugefügt. Warum: Optimierung der Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.0.

Weiterlesen

V 1.1 · Stand: 21. September 2026 · Quellen geprüft am 21. September 2026