Der Nervus cutaneus femoris posterior (hinterer Oberschenkelhautnerv) ist ein Ast des Kreuzgeflechts mit Fasern aus S1, S2 und S3. [B] Er verlässt das Becken unterhalb des M. piriformis, zieht unter dem M. gluteus maximus zum Oberschenkel und läuft unter der Oberschenkelfaszie bis zur Kniekehle. [B]
Er ist ein reiner Hautnerv mit einem ausgedehnten Gebiet: Rückseite von Oberschenkel und Kniekehle, unteres Gesäß, die Haut über dem Sitzbeinhöcker, die seitliche Aftergegend und Hodensack oder große Schamlippen. [B] Deshalb ist er eine wichtige Abgrenzung zum Nervus pudendus: Schmerz im Sitzen am Sitzbein kann von seinen Ästen ausgehen. [B]
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nerv führt nur Empfindung; er versorgt keinen Muskel und trägt keinen Reflex. [B]
- Seine Äste zum unteren Gesäß und zum Damm können eingeklemmt werden; die Arbeitsgruppe aus Nantes beschreibt dies als eigenes Krankheitsbild neben der Pudendusneuralgie. [B]
- Der Dammast entsprang in einer Sezierreihe in 55 % direkt aus dem Nerv, in 30 % aus einem unteren Gesäßast und fehlte in 15 %. [B]
- Schwäche, ein Reflexausfall oder Beschwerden unterhalb der Wadenmitte sprechen gegen diesen Nerv. [I]
- Wichtigste Abgrenzungen: Wurzeln S1 und S2, N. ischiadicus, N. pudendus und der Sehnenansatz der Kniebeuger am Sitzbein. [I]
Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 13. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.
Inhalt
Überblick
Klinik
Differenzialdiagnostik
Verlauf und Behandlung
Anatomische Einzelheiten
- 18. Ursprung und Stellung im Kreuzgeflecht
- 19. Die Äste am Sitzbeinhöcker
- 20. Abweichungen vom Regelbau
- 21. Was dieser Nerv nicht führt
- 22. Reflexzonenmodelle
Anhang
Teil A · Überblick
1. Kurzbild
| Merkmal | Angabe | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Fasern aus | S1, S2 und S3 | [B] |
| Abgang | Plexus sacralis; Austritt durch das Foramen infrapiriforme | [B] |
| Faserart | rein empfindend, dazu nachgeschaltete sympathische Fasern; kein Muskel, kein Reflex | [B] |
| Zielgebiet | Haut der Oberschenkel-Rückseite, der Kniekehle und der oberen Wade; über die Nn. clunium inferiores das untere Gesäß; über Rr. perineales seitliche Aftergegend, Damm, Hodensack oder große Schamlippen | [B] |
| Leitzeichen einer Schädigung | Taubheit oder Brennen an der Oberschenkel-Rückseite; bei Einklemmung der Äste Schmerz im Sitzen am Sitzbein und an der Gesäßfalte; Kraft und Reflexe regelrecht | [I] |
| Wichtigste Abgrenzungen | Wurzeln S1 und S2, N. ischiadicus, N. pudendus, Sehnenansatz der Kniebeuger (Kapitel 9 bis 13) | [I] |
Die zugehörigen Segmentseiten sind Segment S1, Segment S2 und Segment S3.
Herkunft: anatomische Standardwerke (Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus); Ploteau et al. 2017 und Tubbs et al. 2009 zu den Ästen. Leitzeichen und Abgrenzungen sind aus den Kapiteln 3, 5 und 9 bis 13 abgeleitet.
2. Verlauf in Kürze
Der Nerv tritt mit dem N. ischiadicus unterhalb des M. piriformis aus dem Becken und liegt dort innen und hinten vom Ischiasnerv. [B] Er zieht unter dem M. gluteus maximus nach unten, gibt am Unterrand des Muskels und am Sitzbeinhöcker seine Gesäß- und Dammäste ab und läuft dann unter der Oberschenkelfaszie zur Kniekehle. [B]
- Im Becken: Er entsteht aus Fasern von S1, S2 und S3, die sowohl aus vorderen als auch aus hinteren Teilungsästen stammen. [B]
- Im Foramen infrapiriforme: Er tritt zusammen mit N. ischiadicus, N. gluteus inferior und N. pudendus aus. [B]
- In der Gesäßregion: Er liegt unter dem M. gluteus maximus; seine Nn. clunium inferiores wenden sich um dessen Unterrand nach oben. [B]
- Am Sitzbeinhöcker: Hier entspringen die Rr. perineales, die nach innen zum Damm ziehen. [B]
- Am Oberschenkel: Er läuft unter der Fascia lata über dem langen Kopf des M. biceps femoris zur Kniekehle, durchbricht dort die Faszie und begleitet die V. saphena parva bis etwa zur Wadenmitte. [B]
Engstellen liegen am Unterrand des M. piriformis und am Sitzbeinhöcker, wo die Äste dicht an Knochen und Sehnen vorbeiziehen (Kapitel 19). [B]
Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Ploteau et al. 2017.
3. Versorgungsgebiet
3.1 Die Hautäste
| Ast | Hautgebiet | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Nn. clunium inferiores | unteres und seitliches Gesäß, Gesäßfalte, Haut über dem Sitzbeinhöcker | [B] |
| Rr. perineales | seitliche Aftergegend, Damm, Hodensack oder große Schamlippen, oberer innerer Oberschenkel | [B] |
| Äste am Oberschenkel | Rückseite des Oberschenkels | [B] |
| Endäste | Kniekehle und obere Wade bis etwa zur Mitte | [B] |
Der Dammast ist nicht beständig: In einer Sezierreihe an 40 Körperseiten entsprang er in 55 % direkt aus dem Nerv, in 30 % aus einem unteren Gesäßast und fehlte in 15 %. [B] Er gab zwei bis drei Äste zum inneren Oberschenkel ab, die bis zu Hodensack oder großen Schamlippen reichten, und durchbohrte in keinem Fall das Lig. sacrotuberale. [B]
Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Ploteau et al. 2017; Tubbs et al. 2009.
3.2 Was nicht zu diesem Nerv gehört
- Kein Muskel und kein Reflex. Schwäche oder ein Reflexausfall haben daher immer eine andere Ursache. [B]
- Nicht das innere untere Gesäß. Es gehört zum N. perforans cutaneus und zu den Nn. clunium medii. [B]
- Nicht die Außenseite des Oberschenkels. Sie gehört zum N. cutaneus femoris lateralis. [B]
- Nicht der Unterschenkel unterhalb der Wadenmitte und nicht der Fuß. Sie gehören zu N. suralis, N. peroneus und N. tibialis. [B]
- Nicht die Mitte des Damms um den After. Sie gehört zum N. pudendus. [B]
Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.
Teil B · Klinik
4. Schädigungsorte und Anlässe
| Ort | Anlass | Mechanismus | Kennzeichen |
|---|---|---|---|
| Unterrand des M. piriformis und tiefe Gesäßregion | Einklemmung | Druck durch Muskel oder Bindegewebe | [B] |
| Gesäß | Injektion in das Gesäß | unmittelbare Verletzung | [B] |
| Gesäß und Sitzbeinhöcker | langes Sitzen, Druck von außen | Druck gegen Knochen | [B] |
| Sitzbeinhöcker | Einklemmung der Gesäß- und Dammäste | Druck am Knochen und am Sehnenansatz der Kniebeuger | [B] |
| Wurzeln und Geflecht | Raumforderung, Verletzung des Beckens | Druck oder Zug | [I] |
Lücke: Keine Häufigkeiten
Zu diesem Nerv liegen Einzelberichte und eine kleine Operationsbeschreibung vor, aber keine Reihe mit Fallzahl zu Ursachen oder Häufigkeit.
Herkunft: Arnoldussen und Korten 1980 zum Druckschaden; Kim et al. 2009 zur Injektion; Ploteau et al. 2017 und Darnis et al. 2008 zur Einklemmung. Die Zeile zu Wurzeln und Geflecht ist aus dem Ursprung abgeleitet.
5. Beschwerdebild
| Zeichen | Beschreibung | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Taubheit, Kribbeln oder Brennen | an der Rückseite von Oberschenkel und Kniekehle | [B] |
| Schmerz im Sitzen | am Sitzbeinhöcker und an der Gesäßfalte, bei Einklemmung der Gesäßäste | [B] |
| Schmerz an Damm oder Genitale | seitlich, bei Beteiligung der Dammäste | [B] |
| Keine Schwäche, kein Reflexausfall | Der Nerv versorgt keinen Muskel. | [B] |
Welches Bild entsteht, hängt vom Ort ab. [I] Ein Schaden am Stamm im Gesäß erfasst das ganze Gebiet; eine Einklemmung am Sitzbeinhöcker betrifft vor allem Gesäßfalte und Damm und ähnelt dann der Pudendusneuralgie. [B]
Herkunft: Arnoldussen und Korten 1980; Chutkow 1988; Kim et al. 2009; Ploteau et al. 2017.
6. Untersuchung
- Gefühl im Hautgebiet: Oberschenkel-Rückseite, Kniekehle, Gesäßfalte und seitlicher Damm; Außenseite des Oberschenkels und Fuß zum Vergleich. [I]
- Kraft: Kniebeugung, Hüftstreckung und Fußsenkung müssen regelrecht sein; eine Schwäche weist auf N. ischiadicus, N. gluteus inferior oder die Wurzeln. [I]
- Achillessehnenreflex: Er bleibt erhalten; ein Ausfall weist auf die Wurzel S1. [I]
- Druck am Sitzbeinhöcker: Ein Druckschmerz dort passt zur Einklemmung der Gesäß- und Dammäste, aber auch zu einem Schaden am Sehnenansatz der Kniebeuger. [I]
- Diagnostische Betäubung: Eine Betäubung am Außen- und Unterrand des Sitzbeins, die bessert, während eine Betäubung des N. pudendus nicht hilft, trennt beide Nerven. [B]
Lücke: Keine Kriterien und keine Gütezahlen
Anders als beim N. pudendus gibt es für diesen Nerv keine geprüften Diagnosekriterien und für keine Prüfung eine Trefferquote.
Herkunft: Darnis et al. 2008 und Ploteau et al. 2017 zur Betäubung; Standring, Gray’s Anatomy, zur Zuordnung der Muskeln.
7. Apparative Diagnostik
7.1 Nervenleitung
Die empfindende Nervenleitung lässt sich messen, aber nicht bei allen Gesunden: In einer Normwertstudie an 120 Beinen gelang die Ableitung bei 81,6 % der Beine und 86,7 % der Personen. [B] Ein fehlendes Signal auf einer Seite ist daher nur im Seitenvergleich aussagekräftig. [I] Die Normwerte lagen bei einer Anfangslatenz von 2,04 ± 0,21 ms, einer Leitgeschwindigkeit von 59,45 ± 6,36 m/s und einer Amplitude von 6,16 ± 2,29 µV, ohne Unterschied zwischen rechts und links. [B]
7.2 Bildgebung
Die Kernspintomographie des Beckens und der Gesäßregion dient dem Ausschluss von Raumforderungen am Geflecht und in der tiefen Gesäßregion. [I] Eine Prüfung ihrer Treffsicherheit für diesen Nerv liegt nicht vor. [I]
Herkunft: Saba 2022.
Teil C · Differenzialdiagnostik
8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nerv erzeugt nur Gefühlsstörungen und Schmerz. Jede Schwäche und jeder Reflexausfall weist auf eine andere Ursache. [I]
- Die wichtigste Abgrenzung ist der N. pudendus: Beide erzeugen Schmerz im Sitzen, aber an verschiedenen Orten. [B]
- Die gezielte Betäubung trennt beide Nerven. [B]
- Eine Gefühlsstörung an der Oberschenkel-Rückseite kann auch von der Wurzel S2 kommen; eine Störung am Fuß gehört nicht zu diesem Nerv. [I]
Die Ordnung dieser Kapitel folgt nicht der Häufigkeit, sondern Leitfragen. [I]
- Ist die Oberschenkel-Rückseite taub? Das führt zu Kapitel 9. [I]
- Schmerzt das Sitzen am Sitzbein, an der Gesäßfalte oder am Damm? Das führt zu Kapitel 10. [I]
- Ging eine Injektion, langer Druck oder eine Operation voraus? Das führt zu Kapitel 11. [I]
- Bestehen Beschwerden nach einer Pudendus-Operation fort? Das führt zu Kapitel 12. [I]
| Leitbefund | Kapitel | Erste Abklärung |
|---|---|---|
| Plötzliche Störung von Blase oder Darm, Taubheit im Reithosengebiet oder Schwäche beider Beine | 16 | Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom; Abklärung ohne Aufschub [B] |
| Taubheit an der Oberschenkel-Rückseite mit Schwäche oder Reflexausfall | 9 | Elektrodiagnostik, Bildgebung von Lendenwirbelsäule und Becken [I] |
| Schmerz im Sitzen am Sitzbein ohne Schwäche | 10 | Ort genau bestimmen, gezielte Betäubung [B] |
| Beschwerden nach Injektion in das Gesäß | 11 | Befund festhalten, Kraft der Beinmuskeln prüfen [I] |
Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.
Herkunft: Ploteau et al. 2017; Darnis et al. 2008; Labat et al. 2008; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017. Die Leitfragen sind aus den Kapiteln 3 bis 7 abgeleitet.
9. Differenzialdiagnostik: Taubheit an der Oberschenkel-Rückseite
| Ursache | Kraft | Achillessehnenreflex | Unterscheidendes Merkmal |
|---|---|---|---|
| N. cutaneus femoris posterior | regelrecht | erhalten | Gefühlsstörung auf das Hautgebiet begrenzt, oft mit Gesäßfalte und seitlichem Damm [I] |
| Wurzel S2 | meist regelrecht | meist erhalten | Rückenschmerz; Gefühlsstörung auch am Damm beidseits der Mitte [I] |
| Wurzel S1 | Fußsenkung schwach | abgeschwächt | Gefühlsstörung reicht bis zu Fußaußenrand und Ferse [B] |
| N. ischiadicus | Kniebeugung oder Fuß schwach | oft abgeschwächt | Gefühlsstörung an Unterschenkel und Fuß, nicht am Oberschenkel [B] |
| Lumbosakrales Geflecht | mehrere Muskeln schwach | oft abgeschwächt | mehrere Nerven betroffen, oft mit Gesäßmuskeln [I] |
Der Befund, der alles ordnet, ist die Kraft. [I] Dieser Nerv versorgt keinen Muskel; ist irgendetwas schwach, liegt der Schaden an Wurzel, Geflecht oder N. ischiadicus. [B] Umgekehrt spricht eine Gefühlsstörung an der Oberschenkel-Rückseite gegen einen reinen Schaden des N. ischiadicus, weil dieser Nerv dort kein Hautgebiet hat. [B]
Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy, zu Hautgebieten und Muskeln; Suri et al. 2011 zur Wurzel S1. Die Zeilen zur Wurzel S2 und zum Geflecht sind aus der Faserzuordnung abgeleitet.
10. Differenzialdiagnostik: Schmerz im Sitzen am Sitzbein und Damm
| Ursache | Schmerzort | Unterscheidendes Merkmal | Kennzeichen |
|---|---|---|---|
| Einklemmung der Gesäß- und Dammäste dieses Nervs | Sitzbeinhöcker, Gesäßfalte, seitlicher Damm, seitliches Genitale | Betäubung am Außen- und Unterrand des Sitzbeins bessert, Betäubung des N. pudendus nicht | [B] |
| Einklemmung des N. pudendus | vom After bis zu Penis oder Klitoris, mittig | Nantes-Kriterien erfüllt; Betäubung des N. pudendus bessert | [B] |
| N. perforans cutaneus | inneres unteres Gesäß | Lage innen am Lig. sacrotuberale | [I] |
| Sehnenansatz der Kniebeuger | Sitzbeinhöcker | Schmerz bei Dehnung und Anspannung der Kniebeuger, beim Laufen und Bergaufgehen | [I] |
| Symptomatische Tarlov-Zyste | Kreuzbein, Damm, Rückseite des Beins | Zyste im Kernspin, meist an S2; nur etwa jede sechste Zyste passt zu Beschwerden | [B] |
Der Ort trennt die Nerven: Die Äste dieses Nervs betreffen Sitzbein, Gesäßfalte und die Seite des Damms, der N. pudendus die Mitte vom After bis zum Genitale. [B] Weil sich die Gebiete berühren und der Dammast unbeständig verläuft, bleibt die gezielte Betäubung das trennende Zeichen. [B]
Herkunft: Darnis et al. 2008; Ploteau et al. 2017; Labat et al. 2008; Tubbs et al. 2009; Klepinowski et al. 2021. Die Zeilen zum N. perforans cutaneus und zum Sehnenansatz sind aus der Anatomie abgeleitet.
11. Differenzialdiagnostik: Nach Injektion, Druck oder Operation
| Anlass | Befund | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Injektion in das Gesäß | isolierte Schädigung dieses Nervs; Einzelbericht | [B] |
| Druck von außen | Druckschaden des Nervs; Einzelbericht | [B] |
| Operationen am Sehnenansatz der Kniebeuger | Nerv und Äste liegen dicht am Operationsweg; Zug, Druck oder Durchtrennung von Ästen sind möglich | [B] |
Nach einer Injektion in das Gesäß ist immer auch der N. ischiadicus zu prüfen, der am selben Ort liegt. [I] Eine Schwäche von Kniebeugung oder Fuß weist auf ihn und nicht auf diesen Nerv. [I]
Herkunft: Kim et al. 2009; Arnoldussen und Korten 1980; Remy et al. 2022.
12. Differenzialdiagnostik: Anhaltende Beschwerden nach Pudendus-Operation
Aus diesen Fällen stammt das Krankheitsbild: Weil die Pudendus-Operation bei einem Teil der Patienten nicht half, suchte die Arbeitsgruppe in Nantes nach benachbarten Nerven und beschrieb die Einklemmung der unteren Gesäßäste als eigene Ursache von Dammschmerz. [B] In der randomisierten Studie zur Pudendus-Operation waren nach 12 Monaten 71,4 % gebessert; der Rest blieb ohne ausreichende Besserung. [B]
| Befund | Bedeutung | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Schmerz vor allem an Sitzbein und Gesäßfalte, weniger in der Mitte des Damms | spricht für die Äste dieses Nervs | [B] |
| Dammast aus einem unteren Gesäßast statt aus dem Stamm (30 % in einer Sezierreihe) | Die Beschwerden können über einen Ast laufen, der bei der Operation nicht erreicht wurde. | [B] |
| Zusätzlicher Ast um den Unterrand des M. gluteus maximus (41 % in einer weiteren Sezierreihe) | ein weiterer möglicher Ort einer Einklemmung, der bei Operationen an Pudendus, Ischiadicus oder unteren Gesäßästen übersehen werden kann | [B] |
Daraus folgt eine Reihenfolge: bei anhaltendem Sitzschmerz nach Pudendus-Operation das Hautgebiet dieses Nervs genau prüfen und die Betäubung am Sitzbein einsetzen, bevor ein zweiter Eingriff am N. pudendus erwogen wird. [I]
Herkunft: Ploteau et al. 2017; Robert et al. 2005; Tubbs et al. 2009; Jennette et al. 2022.
13. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht
Die folgenden Befunde sprechen gegen eine Schädigung allein dieses Nervs und weisen auf eine andere Ursache.
- Jede Schwäche eines Muskels: spricht für N. ischiadicus, Gesäßnerven, Geflecht oder Wurzeln. [B]
- Abgeschwächter Achillessehnenreflex: spricht für die Wurzel S1 oder den N. ischiadicus. [I]
- Gefühlsstörung am Unterschenkel unterhalb der Wadenmitte oder am Fuß: spricht für N. ischiadicus, N. suralis oder die Wurzeln L5 und S1. [B]
- Schmerz mittig vom After bis zum Genitale, der auf eine Betäubung des N. pudendus anspricht: spricht für den N. pudendus. [B]
- Plötzliche Störung von Blase oder Darm, beidseitige Taubheit im Reithosengebiet: spricht für ein Kaudasyndrom. [B]
- Schmerz am Sitzbeinhöcker bei Anspannung und Dehnung der Kniebeuger ohne Gefühlsstörung: spricht für den Sehnenansatz. [I]
Achtung: Was nicht dagegen spricht
Eine erfolglose Pudendus-Operation spricht nicht gegen einen Nervenschmerz am Damm; sie ist gerade der Anlass, an diesen Nerv zu denken. [B] Auch eine fehlende Nervenleitung auf beiden Seiten spricht nicht gegen ihn, weil sie bei 18,4 % der gesunden Beine, also fast jedem fünften, nicht ableitbar war. [B]
Herkunft: die in den Kapiteln 9 bis 12 genannten Quellen; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017; Saba 2022.
Teil D · Verlauf und Behandlung
14. Verlauf und Aussichten
Zum Verlauf nach Druckschaden oder Injektion liegen nur Einzelberichte vor. [B] Für die operative Befreiung gibt es eine kleine Reihe mit einjähriger Nachbeobachtung: 15 Patienten mit Schmerz im Gebiet von N. pudendus oder unteren Gesäßästen, alle mit erfüllten Nantes-Kriterien. [B] Der mittlere stärkste Schmerz sank auf einer Skala von 0 bis 10 von 9 auf 5; 73 % berichteten ein gutes und 40 % ein sehr gutes Ansprechen; Komplikationen traten nicht auf. [B] Die Reihe trennt nicht zwischen beiden Nerven und hat keine Vergleichsgruppe. [I]
Lücke: Kein Verlauf mit Fallzahl
Für Druckschäden gibt es keine Verlaufsreihe. Für die Einklemmung der Gesäß- und Dammäste allein, getrennt vom N. pudendus, ebenfalls nicht.
Herkunft: Arnoldussen und Korten 1980; Chutkow 1988; Kim et al. 2009; Jottard et al. 2020.
15. Beschriebene Behandlungswege
Dieser Abschnitt gibt wieder, was im Schrifttum berichtet wird. Er ist keine Empfehlung und keine Behandlungsanweisung.
- Gezielte Betäubung am Sitzbein: Sie dient vor allem der Unterscheidung vom N. pudendus. [B]
- Operative Befreiung über einen Zugang durch den M. gluteus maximus: Die Arbeitsgruppe aus Nantes beschreibt die Freilegung bis unter den M. piriformis, um Einklemmungen dieses Nervs und des N. ischiadicus zu finden. [B]
- Endoskopischer Zugang durch das Gesäß: Er ist für die gemeinsame Befreiung von N. pudendus und unteren Gesäßästen beschrieben; Ergebnisse nach einem Jahr stehen in Kapitel 14. [B]
- Allgemeine Versorgung von Nervenverletzungen: Sie regelt die S3-Leitlinie AWMF 005-010, Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028. [B]
Grenze dieser Seite
Keine Arbeit vergleicht Behandlungswege in zufällig zugeteilten Gruppen. Die Ergebniszahlen der offenen Operation aus Nantes sind für diese Fassung nicht eingesehen und werden nicht wiedergegeben.
Herkunft: Darnis et al. 2008; Ploteau et al. 2017; Jottard et al. 2020; AWMF-Register 005-010.
16. Warnzeichen
Achtung: Diese Befunde gehören ärztlich abgeklärt
Die folgenden Punkte sprechen gegen eine harmlose, sich selbst begrenzende Ursache. Sie sind keine Diagnose und keine Handlungsanweisung, sondern ein Hinweis auf Abklärungsbedarf.
- Plötzliche Störung von Blase oder Darm, beidseitige Taubheit im Reithosengebiet oder Schwäche beider Beine: Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom. [B]
- Schwäche eines Beinmuskels: Sie gehört nicht zu diesem Nerv und verlangt die Suche nach der Ursache an Ischiasnerv, Geflecht oder Wurzeln. [I]
- Langsam zunehmende Beschwerden ohne Anlass, Schmerz in der Nacht oder ungewollter Gewichtsverlust. [I]
- Tastbare Schwellung in der Gesäßregion. [I]
Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
Herkunft: NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017; die übrigen Punkte sind aus den Kapiteln 3 und 9 abgeleitet.
17. Häufige Fragen
Meine Oberschenkel-Rückseite ist taub. Ist das der Ischiasnerv?
Eher nicht. Der Ischiasnerv hat an der Oberschenkel-Rückseite kein Hautgebiet; diese Haut gehört zu diesem Nerv. [B] Bestehen zusätzlich Schwäche oder ein Reflexausfall, ist eine andere Ursache wahrscheinlicher. [I] Näheres in Kapitel 9.
Ich habe Schmerzen im Sitzen am Sitzbein. Ist das der N. pudendus?
Nicht unbedingt. Schmerz an Sitzbein und Gesäßfalte kann von den Ästen dieses Nervs kommen; der N. pudendus betrifft eher die Mitte vom After bis zum Genitale. [B] Eine gezielte Betäubung trennt beide. [B] Näheres in Kapitel 10.
Die Pudendus-Operation hat mir nicht geholfen. Woran kann das liegen?
Eine Möglichkeit ist dieser Nerv: Aus solchen Fällen wurde die Einklemmung seiner Gesäß- und Dammäste als eigenes Krankheitsbild beschrieben. [B] Näheres in Kapitel 12.
Kann der Nerv eine Schwäche verursachen?
Nein. Er führt nur Empfindung. [B]
Meine Nervenleitung war nicht messbar. Ist der Nerv geschädigt?
Nicht zwingend. In einer Normwertstudie war die Messung bei 18,4 % der gesunden Beine nicht möglich. [B] Aussagekräftig ist vor allem ein Unterschied zwischen beiden Seiten. [I]
Herkunft: die in den Kapiteln 3 bis 15 genannten Quellen.
Teil E · Anatomische Einzelheiten
18. Ursprung und Stellung im Kreuzgeflecht
Der deutsche Name lautet hinterer Oberschenkelhautnerv. [B] Er entsteht aus Fasern von S1, S2 und S3, die sowohl aus vorderen als auch aus hinteren Teilungsästen stammen. [B] Damit steht er an der Grenze zwischen den Gebieten der vorderen und der hinteren Äste des Kreuzgeflechts. [B]
| Nerv | Segmente | Zielgebiet |
|---|---|---|
| N. gluteus superior | L4, L5, S1 | M. gluteus medius, M. gluteus minimus, M. tensor fasciae latae |
| N. ischiadicus | L4 bis S3 | Rückseite des Oberschenkels, Unterschenkel und Fuß |
| N. gluteus inferior | L5, S1, S2 | M. gluteus maximus |
| N. cutaneus femoris posterior | S1 bis S3 | Haut an unterem Gesäß, Sitzbeinhöcker, seitlichem Damm, äußerem Genitale, Oberschenkel-Rückseite, Kniekehle und oberer Wade |
| N. pudendus | S2 bis S4 | äußere Schließmuskeln, Dammmuskeln; Haut von After, Damm und äußerem Genitale |
Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.
19. Die Äste am Sitzbeinhöcker
| Reihe | Umfang | Befund |
|---|---|---|
| Tubbs et al. 2009 | 20 Leichen, 40 Körperseiten | Dammast direkt aus dem Nerv in 55 %, aus einem unteren Gesäßast in 30 %, fehlend in 15 %; Verlauf im Mittel 4 cm unterhalb des Ansatzes des Lig. sacrotuberale am Sitzbeinhöcker; kein Durchtritt durch das Band; zwei bis drei Äste zum inneren Oberschenkel bis zu Hodensack oder großen Schamlippen |
| Ploteau et al. 2017 | Präparate und Operationsbeschreibung | Der Nerv liegt innen und hinten vom N. ischiadicus; die Dammäste gehen in Höhe des Unterendes des Sitzbeinhöckers ab. |
| Sezierreihe 2022 | 17 Leichen | zusätzlicher, bisher nicht beschriebener Ast um den Unterrand des M. gluteus maximus bei 41 % |
Die Äste ziehen dicht an Sitzbeinhöcker und Sehnenansatz der Kniebeuger vorbei. [B] Das erklärt, warum Sitzen den Schmerz auslöst und warum ein Schaden am Sehnenansatz die wichtigste nicht nervale Abgrenzung ist. [I]
Herkunft: Tubbs et al. 2009; Ploteau et al. 2017; Jennette et al. 2022.
20. Abweichungen vom Regelbau
- Dammast: Er entspringt nicht immer aus dem Stamm, sondern in 30 % aus einem unteren Gesäßast, und fehlt in 15 %. [B]
- Zusätzlicher Gesäßast: In einer Sezierreihe fand sich bei 41 % ein weiterer Ast um den Unterrand des M. gluteus maximus. [B]
- Länge der Endäste: Sie reichen unterschiedlich weit nach unten, meist bis etwa zur Wadenmitte. [B]
Diese Abweichungen erklären, warum sich Schmerzgebiete am Damm nicht immer eindeutig einem Nerv zuordnen lassen und warum Operationen einzelne Äste verfehlen können (Kapitel 12). [I]
Herkunft: Tubbs et al. 2009; Jennette et al. 2022; Standring, Gray’s Anatomy.
21. Was dieser Nerv nicht führt
- Keine bewegenden Fasern. Er versorgt keinen Muskel und trägt keinen Reflex. [B]
- Keine eigenen Ganglien. Die Zellkörper seiner Fasern liegen in den Spinalganglien S1 bis S3. [B]
- Keine Fasern für Blase, Mastdarm oder Sexualfunktion. Diese laufen über die Beckeneingeweidenerven und den N. pudendus. [B]
- Kein eigenes Dermatom und kein Sklerotom. Sein Hautgebiet ist ein Nervengebiet; Dermatom und Sklerotom gehören zu den Segmenten S1 bis S3. [I]
Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.
22. Reflexzonenmodelle
Die drei folgenden Modelle wurden zwischen 1893 und 1953 veröffentlicht. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.
| Modell | Grundgedanke und Voraussetzung | Bezug zu diesem Nerv | Kennzeichen |
|---|---|---|---|
| Head-Zonen | überempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleiten | keine Zone; der Nerv führt keine viszeralen Afferenzen [I] | [H] |
| Mackenzie-Zonen | tastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur voraus | keine Zone; dieselbe Voraussetzung fehlt [I] | [H] |
| Bindegewebszonen nach Dicke | veränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug voraus | nicht begründbar, weil der Organbezug fehlt [I] | [H] |
Für diesen Nerv gibt es keine Vorfassung; die Einordnung folgt den übrigen Seiten der Reihe. Das entfällt: Der Nerv führt empfindende Fasern aus Haut, Muskeln und Gelenken, aber keine aus inneren Organen. [B] Damit fehlt die Voraussetzung der Modelle. [I]
22.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern
Die vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer schmalen Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks von Th1 bis etwa L2. [B] Keine der Wurzeln dieses Nervs liegt in diesem Bereich; S1 bis S3 führen keine vorgeschalteten sympathischen Fasern. [B]
Die sympathischen Fasern für seine Haut werden im Grenzstrang umgeschaltet und erreichen die Spinalnerven über die grauen Verbindungsäste (Rami communicantes grisei). [B] Die parasympathischen Fasern aus S2 und S3 laufen als Beckeneingeweidenerven zu den Beckenorganen und nicht in diesem Nerv. [B] Eine Wirkung auf innere Organe hat er daher nicht. [I]
Achtung: Zwei ähnliche Namen
James Mackenzie beschrieb 1909 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]
Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik; Standring, Gray’s Anatomy.
Teil F · Anhang
23. Fachbegriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| AWMF | Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Herausgeberin der deutschen Leitlinien |
| Beckeneingeweidenerven | parasympathische Nerven aus S2 bis S4 zu Blase, Mastdarm und Genitalorganen |
| Dermatom | Hautgebiet einer einzelnen Rückenmarkswurzel |
| Fascia lata | derbe Bindegewebshülle des Oberschenkels |
| Foramen infrapiriforme | unterer Durchtritt im großen Sitzbeinloch, unterhalb des M. piriformis |
| Grenzstrang | Kette vegetativer Nervenknoten neben der Wirbelsäule |
| Kaudasyndrom | Druck auf die Nervenwurzeln unterhalb des Rückenmarks mit Störung von Blase, Darm und Beinen |
| Nantes-Kriterien | Diagnosekriterien für das Einklemmungssyndrom des N. pudendus |
| Nn. clunium inferiores | untere Gesäßäste dieses Nervs |
| Nucleus intermediolateralis | Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks von Th1 bis etwa L2 |
| Reithosengebiet | Haut an Damm, Gesäßinnenseite und Oberschenkel-Innenseite |
| Rr. perineales | Dammäste dieses Nervs zu seitlicher Aftergegend, Damm und äußerem Genitale |
| Sehnenansatz der Kniebeuger | gemeinsamer Ursprung der Kniebeuger am Sitzbeinhöcker |
| Sklerotom | Knochen- und Bandgebiet eines Rückenmarkssegments |
| Tarlov-Zyste | flüssigkeitsgefüllte Aussackung an einer Nervenwurzel des Kreuzbeins |
| Untere Clunealneuralgie | Schmerz durch Einklemmung der unteren Gesäßäste dieses Nervs |
24. Lesart dieser Seite
Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.
In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.
Herkunftszeilen, die nur Standardwerke nennen, geben den Lehrbuchstand wieder. Die Fundstellen in diesen Werken sind noch nicht mit Seitenzahl geprüft; das steht unter „Offene Punkte“ in Kapitel 25.4.
Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.
Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.
25. Grundlage und Quellen
25.1 Quellenmaßstab
Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.
25.2 Quellenverzeichnis
| Nr. | Quelle | Art und Umfang | Vermerk |
|---|---|---|---|
| 1 | Arnoldussen WJ, Korten JJ. Pressure neuropathy of the posterior femoral cutaneous nerve. Clin Neurol Neurosurg 1980;82(1):57–60 | Einzelbericht | trägt keine Häufigkeitsaussage |
| 2 | Chutkow JG. Posterior femoral cutaneous neuralgia. Muscle Nerve 1988;11(11):1146–1148 | Einzelbericht | trägt keine Häufigkeitsaussage |
| 3 | Robert R, Labat JJ, Bensignor M, et al. Decompression and transposition of the pudendal nerve in pudendal neuralgia: a randomized controlled trial and long-term evaluation. Eur Urol 2005;47(3):403–408 | randomisierte Studie, 32 Patienten | |
| 4 | Darnis B, Robert R, Labat JJ, et al. Perineal pain and inferior cluneal nerves: anatomy and surgery. Surg Radiol Anat 2008;30(3):177–183 | Anatomie und Operationsreihe | |
| 5 | Labat JJ, Riant T, Robert R, Amarenco G, Lefaucheur JP, Rigaud J. Diagnostic criteria for pudendal neuralgia by pudendal nerve entrapment (Nantes criteria). Neurourol Urodyn 2008;27(4):306–310 | Diagnosekriterien | |
| 6 | Kim JE, Kang JH, Choi JC, Lee JS, Kang SY. Isolated posterior femoral cutaneous neuropathy following intragluteal injection. Muscle Nerve 2009;40(5):864–866 | Einzelbericht | trägt keine Häufigkeitsaussage |
| 7 | Tubbs RS, Miller J, Loukas M, Shoja MM, Shokouhi G, Cohen-Gadol AA. Surgical and anatomical landmarks for the perineal branch of the posterior femoral cutaneous nerve: implications in perineal pain syndromes. J Neurosurg 2009;111(2):332–335 | Sezierreihe, 40 Körperseiten | Leitquelle Anatomie |
| 8 | Suri P, Rainville J, Katz JN, et al. The accuracy of the physical examination for the diagnosis of midlumbar and low lumbar nerve root impingement. Spine 2011;36(1):63–73 | Querschnittsstudie | |
| 9 | Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, 2017. AWMF nvl-007 | Leitlinie | laut Register abgelaufen; nur für die Warnhinweise |
| 10 | Ploteau S, Salaud C, Hamel A, Robert R. Entrapment of the posterior femoral cutaneous nerve and its inferior cluneal branches: anatomical basis of surgery for inferior cluneal neuralgia. Surg Radiol Anat 2017;39(8):859–863 | Anatomie und Operationsbeschreibung | Leitquelle Klinik |
| 11 | Jottard K, Bruyninx L, Bonnet P, De Wachter S. Endoscopic trans gluteal minimal-invasive approach for nerve liberation (ENTRAMI technique) in case of pudendal and/or cluneal neuralgia by entrapment: one-year follow-up. Neurourol Urodyn 2020;39(7):2003–2007 | Operationsreihe, 15 Patienten | keine Vergleichsgruppe |
| 12 | Klepinowski T, Orbik W, Sagan L. Global incidence of spinal perineural Tarlov’s cysts and their morphological characteristics: a meta-analysis of 13,266 subjects. Surg Radiol Anat 2021;43(6):855–863 | Metaanalyse | |
| 13 | Remy LF, Imbergamo C, Parks BG, Gould HP, Dreese JC. The posterior femoral cutaneous nerve and branches are in proximity to the surgical approach during proximal hamstring repair. Arthrosc Sports Med Rehabil 2022;4(3):e1161–e1165 | Sezierreihe | |
| 14 | Saba EKA. Posterior femoral cutaneous nerve sensory conduction study in a sample of apparently healthy Egyptian volunteers. Egypt J Neurol Psychiatr Neurosurg 2022;58(1):162 | Normwertstudie, 60 Gesunde, 120 Beine | |
| 15 | Jennette MR, Bailey D, Patel N, Rizk E. Unidentified branches of the posterior femoral cutaneous nerve and persistent neuropathy. Cureus 2022;14(9):e29447 | Sezierreihe, 17 Leichen | kleine Reihe in einer Zeitschrift mit vereinfachter Begutachtung |
| 16 | AWMF. S3-Leitlinie 005-010: Versorgung peripherer Nervenverletzungen. Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028 | Leitlinie | am Register geprüft am 21.09.2026 |
| 17 | Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevier | anatomisches Standardwerk | Fundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft |
| 18 | Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thieme | neurologisches Standardwerk | Fundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft |
| 19 | Mumenthaler M, Stöhr M, Müller-Vahl H. Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome. Thieme | neurologisches Standardwerk | Fundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft |
| 20 | Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; Teil II Brain 1894;17:339–480; Teil III Brain 1896;19:153–276 | geschichtliches Modell | nur für Aussagen mit [H] |
| 21 | Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw and Sons; 1909 | geschichtliches Modell | nur für Aussagen mit [H] |
| 22 | Dicke E. Meine Bindegewebsmassage. Stuttgart: Hippokrates; 1953 | geschichtliches Modell | nur für Aussagen mit [H] |
25.3 Nicht verwendet
Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen; sie dienten nur zur Auffindung der Originalarbeiten. Eine Hypothese zur Gefäßursache der Schädigung dieses Nervs beim Piriformis-Syndrom (Med Hypotheses 2020) entfällt, weil sie keine Befunde enthält.
25.4 Offene Punkte
- Die Aussagen, die auf den drei Standardwerken beruhen, geben den Lehrbuchstand wieder und sind noch nicht mit Auflage und Seitenzahl geprüft. Betroffen sind vor allem die Kapitel 2, 3, 18, 21 und 22.1.
- Keine Fundstelle ist unvollständig; offen bleiben nur die Standardwerke.
- Die Seite enthält keine Abbildung.
Grenzen der Literatur (Stand der Recherche: 21. September 2026). Diese Punkte sind gesucht und nicht auffindbar; sie sind kein Arbeitsrückstand dieser Seite. Zu Häufigkeit, Verlauf und Behandlungsergebnissen gibt es keine Reihen mit Fallzahl. Diagnosekriterien und Trefferquoten der Prüfungen fehlen.
25.5 Neue Seite
Diese Seite ist neu angelegt; eine Vorfassung gibt es nicht. Gegenüber der Arbeitsvorlage der Reihe wurde das Hautgebiet erweitert: Der Nerv versorgt nicht nur Oberschenkel-Rückseite und Kniekehle, sondern auch unteres Gesäß, Sitzbeinhöcker, seitliche Aftergegend, Damm, äußeres Genitale und obere Wade.
25.6 Änderungsvermerk
Geändert: Seite neu geschrieben nach den gemeinsamen Bausteinen der Nervenseiten, mit Differenzialdiagnostik als Schwerpunkt, Kennzeichen je Aussage und Quellenverzeichnis. Warum: Erweiterung der Reihe um die sakralen Nerven. Ersetzt: keine Fassung.
Optimierung vor V 1.0 – geändert: Normwerte der Nervenleitung, Ergebnisse der endoskopischen Operationsreihe und die Nähe zum Operationsweg am Sehnenansatz ergänzt; zwei Fundstellen vervollständigt. Warum: offene Punkte aus V 0.5. Ersetzt: Teilentwürfe V 0.3 bis V 0.5.
V 1.1 – geändert: Leiste vereinheitlicht; Fundstelle Jennette et al. 2022 vervollständigt. Warum: Optimierung der Reihe „Nervi sacrales“. Ersetzt: V 1.0.
V 1.2 – geändert: Leiste auf alle 18 Seiten des Lenden- und Kreuzgeflechts erweitert. Warum: Abschluss der Reihen „Lumbale Nerven“ und „Nervi sacrales“. Ersetzt: V 1.1.
V 1.3 – geändert: Leiste um die Übersicht der Brustnerven ergänzt. Warum: Verbindung zur Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.2.
V 1.4 – geändert: Leiste um N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis, N. genitofemoralis und N. cutaneus femoris lateralis ergänzt. Warum: Ergänzung des Lendengeflechts. Ersetzt: V 1.3.
V 1.5 – geändert: Verweise auf die neuen Seiten der Leistennerven und des N. cutaneus femoris lateralis gesetzt. Warum: Optimierung der Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.4.
Weiterlesen
- Nervus pudendus – wichtigste Abgrenzung bei Schmerz im Sitzen
- Nervus ischiadicus – Nachbarnerv; Abgrenzung über Kraft und Hautgebiet
- Nervus gluteus inferior – tritt durch dasselbe Foramen aus
- Segment S2 – Hauptsegment dieses Nervs
Alle Nerven des Lenden- und Kreuzgeflechts nach Austrittshöhe
ab Th12
ab L1
ab L2
ab L4
ab L5
ab S1
- Nervi sacrales – Übersicht
- Nervus cutaneus femoris posterior
- Nervi clunium medii
- Nervus piriformis
ab S2
ab S4
Nachbarreihe
V 1.5 · Stand: 21. September 2026 · Quellen geprüft am 21. September 2026