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Nervus dorsalis scapulae

Der Nervus dorsalis scapulae ist der erste Ast der fünften Halsnervenwurzel. Er ist rein motorisch und versorgt die beiden Rautenmuskeln, häufig auch den Schulterblattheber. [B] Seine Hauptengstelle liegt im mittleren Treppenmuskel des Halses. [B] Leitsymptom einer Schädigung ist Schmerz am inneren Rand des Schulterblatts. [B]

Diese Seite ist ein Fachtext. Wie Kennzeichen, Tabellen und Absätze zu lesen sind, steht am Seitenende unter Lesart dieser Seite.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv ist der erste Ast der Wurzel C5 und rein motorisch; ein Hautgebiet hat er nicht.
  • Leitzeichen ist Schmerz am inneren Schulterblattrand; das Abstehen des Schulterblatts ist oft nur angedeutet.
  • Bei Lähmung der Rautenmuskeln rückt das Schulterblatt nach außen – wie bei Lähmung des Kapuzenmuskels. Die Richtung allein trennt diesen Nerv deshalb nicht vom N. accessorius.
  • Schmerz zwischen den Schulterblättern hat auch ernste Ursachen außerhalb dieses Nervs, etwa an der Hauptschlagader oder an der Lungenspitze.
  • Kapitel 12 ordnet die Abgrenzung nach dem Leitbefund.

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Lateinischer NameNervus dorsalis scapulae[B]
Deutscher NameSchulterblattnerv, Rautenmuskelnerv[B]
GeflechtPlexus brachialis, Ast der Wurzel[B]
SegmenteC5, Anteile aus C4 und C6 möglich[B]
Stellungerster Ast der Wurzel C5[B]
Fasernmotorisch; keine Hautäste, keine vegetativen Fasern[B]
Durchmesser3,7 mm[B]
Sichere ZielmuskelnM. rhomboideus minor, M. rhomboideus major[B]
Variabler ZielmuskelM. levator scapulae[B]
KennmuskelM. rhomboideus major[I]
HauptengstelleM. scalenus medius[B]
LeitsymptomSchmerz am medialen Schulterblattrand[B]
Ausfallzeichenseitliches Abstehen des Schulterblatts, oft nur angedeutet[B]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus dorsalis scapulae. Reihenfolge: von der Herkunft über den Verlauf zur Ausbreitung und zum klinischen Bild.

Ein Kennmuskel ist ein Muskel, dessen Ausfall auf einen bestimmten Nerv oder ein bestimmtes Segment weist. Hier eignet sich allein der große Rautenmuskel, weil der Schulterblattheber zusätzlich aus C3 und C4 versorgt wird (Kapitel 5). [I]

Die zugehörige Segmentseite ist Segment C5. Anteile aus der darüberliegenden Wurzel beschreibt Segment C4.

Herkunft: Afshar et al. 2026 (systematische Übersichtsarbeit); Jack et al. 2020 für den Durchmesser; Nguyen et al. 2016 für die Zielmuskeln; Martin und Fish 2008 für die Richtung des Abstehens.

2. Ursprung und Wurzelanteile

Der Nerv entspringt dem vorderen Ast des fünften Halsspinalnervs, noch vor der Bildung des oberen Primärstrangs. [B] Er ist damit kein Ast eines Faszikels, sondern ein Wurzelast. [B]

Eine Sezierstudie an 18 Präparaten fand ihn in allen Fällen als ersten Ast der Wurzel C5. Bei 12 von 18 Präparaten (67 %) zweigte er bereits innerhalb des Zwischenwirbellochs ab. [B] Diese Lage erklärt, warum eine Läsion des Nervs und eine Wurzelläsion C5 im Nadelbefund nahe beieinander liegen können. [I]

StudieSeitenBefund zur Herkunft
Tubbs et al. 20052095 % aus C5, 5 % aus C5 und C6; zitiert nach Nguyen et al. 2016
Nguyen et al. 201623rund 70 % allein aus C5, übrige mit C4-Anteil
Jack et al. 202018erster Ast aus C5 in allen Fällen, 67 % intraforaminal
Çelikgün et al. 202326drei Herkunftstypen unterschieden
Tabelle 2: Wurzelherkunft in Sezierstudien. Reihenfolge nach dem Jahr der Veröffentlichung.

Die Zahlen decken sich nicht. Sie beruhen auf kleinen Stichproben, verschiedenen Bevölkerungen und verschiedenen Zählweisen. Eine gemittelte Zahl wird hier nicht gebildet, weil die Studien nicht dasselbe messen. [I]

2.1 Verbindung zum Nervus thoracicus longus

Ein gemeinsamer Ursprungsstamm oder ein Verbindungsast zum Nervus thoracicus longus ist mehrfach beschrieben. [B] Eine Schädigung nahe am Ursprung kann deshalb beide Nerven zugleich treffen. [I]

Lücke: Wie häufig die Verbindung ist, bleibt offen

Williams und Smith fanden die Verbindung an 3 von 74 Nerven, Ballesteros und Ramirez an 17 von 56. [B] Das ist eine Spanne von 4 bis 30 %. [I] Beide Zahlen sind nach der Wiedergabe bei Çelikgün et al. 2023 aufgenommen. Eine belastbare Häufigkeit liegt nicht vor.

Herkunft: Jack et al. 2020; Nguyen et al. 2016; Tubbs et al. 2005 nach der Wiedergabe bei Nguyen et al. 2016; Çelikgün et al. 2023; Afshar et al. 2026.

3. Verlauf und Lagebeziehungen

Der Nerv entsteht im hinteren Halsdreieck, tief zur Fascia prevertebralis, dem vorderen Blatt der tiefen Halsfaszie. [B]

  1. Abgang aus dem vorderen Ast von C5, meist noch im oder dicht am Zwischenwirbelloch. [B]
  2. Durchtritt durch den M. scalenus medius, den mittleren Treppenmuskel. Der Durchtrittspunkt liegt im Mittel 3 cm hinter dem Ursprung. [B]
  3. Weiterer Verlauf nach hinten und unten, zwischen M. scalenus posterior einerseits und M. serratus posterior superior sowie M. levator scapulae andererseits. [B]
  4. Verlauf an der Vorderfläche der Mm. rhomboidei entlang des medialen Schulterblattrands, begleitet von der A. dorsalis scapulae oder vom tiefen Ast der A. transversa colli. [B]

Tubbs et al. fanden den Nerv in allen 20 Präparaten mit der A. dorsalis scapulae verflochten. [B] Wer den Nerv freilegt, legt damit immer auch die Arterie frei. [I]

3.1 Wie regelhaft ist der Durchtritt?

StudieSeitendurch M. scalenus mediusdavordahinter
Tubbs et al. 200520100 %0 %0 %
Nguyen et al. 20162374 %13 %13 %
Tetsu et al. 201814067,9 %32,1 %0 %
Tabelle 3: Lagebeziehung zu den Treppenmuskeln. Anteile bezogen auf die untersuchten Seiten der jeweiligen Studie, nicht auf eine Gesamtbevölkerung.

Die japanische Stichprobe ist mit 140 Seiten die größte. Sie fand den vorderen Verlauf auf 45 von 140 Seiten und keinen einzigen hinteren Verlauf. [B] Ob dahinter eine Bevölkerungsdifferenz oder die Präparationsweise steht, ist offen. [I]

Williams und Smith untersuchten 90 Armgeflechte und fanden an 74 Nerven bei 60,8 % eine anatomische Einklemmung durch einen Treppenmuskel. [B] Die Einklemmung ist damit kein seltener Sonderfall, sondern der häufigere Befund. [I]

Für die Praxis folgt daraus: Der Durchtritt durch den mittleren Treppenmuskel ist der Regelfall, nicht die Regel ohne Ausnahme. Ein vor dem Muskel verlaufender Nerv liegt der interskalenären Blockade näher. [I]

Herkunft: Tubbs et al. 2005; Nguyen et al. 2016; Tetsu et al. 2018; Williams und Smith 2020; Afshar et al. 2026.

4. Maße und Abstände

Alle Werte in Millimetern. Angegeben ist der Mittelwert, daneben die Streuung, soweit die Quelle sie nennt. SE ist der Standardfehler des Mittelwerts, SD die Standardabweichung.

Gemessene StreckeWertStreuungQuelle
Durchmesser des Nervs3,7SE 0,3Jack et al. 2020
Durchmesser der Wurzel C56,2SE 0,5Jack et al. 2020
Abgang bis Spinalganglion C512,4SE 1,9Jack et al. 2020
Abgang bis Durarand19,6SE 1,8Jack et al. 2020
Abgang bis Ursprung der Wurzel C523,3SE 2,2Jack et al. 2020
Strecke im Treppenmuskel14,9SD 5,5Çelikgün et al. 2023
Abstand zum medialen Schulterblattrand15,010 bis 32Tubbs et al. 2005; Spanne zitiert nach Çelikgün et al. 2025
Abstand zum N. accessorius am Vorderrand des M. trapezius25,0nicht berichtetTubbs et al. 2005
Abstand am Oberrand des M. rhomboideus minor16,1SD 5,3Pinto et al. 2019
Abstand am Oberrand des M. rhomboideus minor4,5SD 9,9Çelikgün et al. 2025
Kleinster gemessener Abstand zum Knochenrand7,0EinzelwertPinto et al. 2019
Tabelle 4: Messwerte aus Sezierstudien. Einheit: Millimeter. Die beiden Zeilen zum Oberrand des kleinen Rautenmuskels messen dieselbe Strecke und kommen zu verschiedenen Werten.

Zwei Studien widersprechen einander

Pinto et al. fanden an 22 Schultern keinen einzigen Fall, in dem der Nerv den medialen Schulterblattrand überquerte. [B] Çelikgün et al. fanden an 26 Seiten mehrere solche Fälle. [B] Seitlich des Knochenrands verlief der Nerv dort auf 7 Seiten am Oberrand des kleinen Rautenmuskels und auf 3 Seiten im Muskelinneren. [B] Auf 2 weiteren Seiten lag er in Höhe der Schulterblattgräte, auf 1 Seite an der Lücke zwischen beiden Rautenmuskeln. [B]

Der Widerspruch wird nicht geglättet. Beide Studien sind klein. Die weitergehende Aussage ist die von Çelikgün et al., weil ein einzelner beobachteter Fall die Regel bricht, ein Nichtbeobachten sie aber nicht bestätigt. [I]

Herkunft: Jack et al. 2020; Çelikgün et al. 2023; Çelikgün et al. 2025; Tubbs et al. 2005; Pinto et al. 2019.

5. Versorgte Muskeln und ihre Aufgaben

MuskelVersorgungAufgabe am Schulterblatt
M. levator scapulae (Schulterblattheber)N. dorsalis scapulae variabel; zusätzlich Rr. musculares aus C3 und C4 [B]hebt das Schulterblatt, dreht die Gelenkpfanne nach unten, neigt bei festgestelltem Schulterblatt die Halswirbelsäule zur Seite [B]
M. rhomboideus minor (kleiner Rautenmuskel)N. dorsalis scapulae, regelhaft [B]zieht das Schulterblatt nach innen und oben, dreht die Gelenkpfanne nach unten, hält den Knochen am Brustkorb [B]
M. rhomboideus major (großer Rautenmuskel)N. dorsalis scapulae, regelhaft [B]gleiche Zugrichtung, größerer Hebel am unteren Schulterblattwinkel [B]
Tabelle 5: Zielmuskeln, Versorgung und Aufgabe. Reihenfolge von oben nach unten entlang des medialen Schulterblattrands.

5.1 Die Versorgung des Schulterblatthebers ist geteilt

Der Schulterblattheber hängt nicht allein an diesem Nerv. Eine Sezierstudie an 37 Halspräparaten fand Äste aus dem Plexus cervicalis, dem Halsgeflecht, die aus C3 und C4 zum Muskel ziehen. [B] Es waren im Mittel 1,92 Äste, mit einer Spanne von 1 bis 4. [B] Die Seiten Segment C3 und Segment C4 führen diese Äste.

Daraus folgt ein Befund, der oft übersehen wird: Fällt der N. dorsalis scapulae aus, muss der Schulterblattheber nicht mitausfallen. [I] Für die Nadelmyografie ist deshalb der große Rautenmuskel der aussagekräftigere Muskel. [B]

5.2 Ein offener Widerspruch in der Literatur

Welche Muskeln der Nerv tatsächlich versorgt, beantworten die Studien unterschiedlich.

StudieSeitenBefund zur Muskelversorgung
Tetsu et al. 2018140alle drei Muskeln auf allen Seiten versorgt
Frank et al. 199735Schulterblattheber nur an 11 Präparaten über diesen Nerv versorgt, also 31 Prozent
Nguyen et al. 20162348 % allein den Schulterblattheber, 52 % Heber und Rautenmuskeln
Tubbs et al. 200520alle drei Muskeln auf allen Seiten versorgt; zitiert nach Çelikgün et al. 2025
Afshar et al. 2026ÜbersichtRautenmuskeln regelhaft, Schulterblattheber variabel
Tabelle 6: Befunde zur Muskelversorgung im Vergleich. Reihenfolge nach der Zahl der untersuchten Seiten, absteigend.

Eine Auflösung ist mit diesen Daten nicht möglich. Die Studien arbeiten mit verschiedener Präparationstiefe und zählen verschieden. [I] Für die Praxis bleibt die vorsichtige Lesart: Auf die Rautenmuskeln ist Verlass, auf den Schulterblattheber nicht. [I]

Die beiden Fallzahlen bei Frank et al. widersprechen einander nicht. Die Arbeit untersuchte 20 Leichen im Alter von 63 bis 95 Jahren, davon 17 beidseits und 3 nur rechts, zusammen 37 Halshälften. [B] Die Auswertung zum Halsgeflecht stützt sich auf alle 37 Hälften, die Auswertung zu diesem Nerv auf 35. [B] Die Zahl 11 von 35 entspricht 31 Prozent. [I]

Die Aufwärtsdrehung des Schulterblatts beim Armheben leisten M. trapezius und M. serratus anterior. [B] Die Rautenmuskeln drehen die Gelenkpfanne nach unten; beim Armheben wirken sie als Gegenspieler und als Stabilisatoren, nicht als Antreiber. [I]

Herkunft: Frank et al. 1997; Nguyen et al. 2016; Tetsu et al. 2018; Afshar et al. 2026. Die Angabe zu Tubbs et al. 2005 nach der Wiedergabe bei Çelikgün et al. 2025.

6. Was dieser Nerv nicht führt

Vier Zuschreibungen, die in älteren Darstellungen häufig auftauchen, halten der Prüfung nicht stand.

FaserartVorhanden?Folge für die Deutung
Hautsensible Fasernnein [B]Es gibt kein Hautgebiet dieses Nervs. Ein Taubheitsgefühl spricht gegen eine isolierte Läsion. [I]
Präganglionäre sympathische Fasernnein [B]Der sympathische Ursprung beginnt erst bei Th1. [B] Vegetative Wirkungen sind über diesen Nerv nicht erklärbar. [I]
Viszerale Afferenzennein [B]Ohne Eingeweideafferenzen fehlt die Voraussetzung für Head- und Mackenzie-Zonen (Kapitel 14). [I]
Propriozeptive Fasern aus den Muskelspindelnja [I]Rein motorisch heißt ohne Hautäste, nicht ohne jede Rückmeldung. [I]
Tabelle 7: Ausgeschlossene und vorhandene Faseranteile. Reihenfolge: erst die ausgeschlossenen, dann die vorhandene.

Der Sympathikus beginnt bei Segment Th1. Diese Feststellung gilt in der gesamten Reihe dieser Seiten. [B]

Eigene vegetative Ganglien führt der Nerv nicht. [I] Ein Ganglion ist eine Ansammlung von Nervenzellkörpern außerhalb des Rückenmarks. Die Zellkörper der propriozeptiven Fasern dieses Nervs liegen im Spinalganglion von C5, nicht in einem eigenen Ganglion im Verlauf. [I]

Weil der Nerv kein Hautgebiet hat, verändert ein Schaden an ihm die Schweißbildung der Haut nicht. Eine Störung der Schweißbildung zwischen den Schulterblättern weist auf einen anderen Nerv, eine Wurzel oder den Grenzstrang. [I]

6.1 Warum ein motorischer Nerv trotzdem weh tut

Die Nervenscheide besitzt eine eigene Innervation, die Nervi nervorum. Sie reagiert auf Zug und kann nozizeptive, also schmerzleitende Signale erzeugen. [B] Schmerz bei einem rein motorischen Nerv ist deshalb kein Widerspruch, sondern der Regelfall bei Einengung. [B]

Die drei belegten Mechanismen stehen in Kapitel 8. Sie erklären auch Missempfindungen, ohne dass der Nerv eigene Hautfasern führen müsste. [I]

Herkunft: Afshar et al. 2026; Muir 2017; Sultan und Younis El-Tantawi 2013.

7. Engstellen und Ursachen

Ort oder AnlassMechanismusKennzeichen der Beschreibung
M. scalenus mediusEinengung im Muskeldurchtritthäufigste Stelle [B]
Hypertrophie des M. scalenus mediusZunahme der Muskelmassebei Kraftsport beschrieben [B]
Verlängerter Querfortsatz C7knöcherne EngeEinzelfallberichte [B]
Proximaler medialer Schulterblattranddynamische Einengung bei Armhebung über 90 Gradlastabhängig, in Ruhe frei [B]
Überkopfarbeit und Überkopfsportwiederholter ZugMaler, Elektriker, Volleyball, Basketball [B]
SchulterluxationZugschädigung beim Traumaauch gemeinsam mit dem N. thoracicus longus [B]
Interskalenäre PlexusblockadeNadel- oder Injektionsschadeniatrogen, mehrfach berichtet [B]
Triggerpunktinjektion in den M. rhomboideus majordirekte Nadelverletzungiatrogen, Einzelfall [B]
Neck dissection und BestrahlungNarbenzug, Fibroseiatrogen [B]
Schlecht angepasstes RumpfkorsettDauerdruck von außenbei Skoliosebehandlung berichtet [B]
Tabelle 8: Beschriebene Schädigungsorte und Mechanismen. Reihenfolge dem Verlauf des Nervs folgend von körpernah nach körperfern, danach die äußeren Anlässe.

7.1 Wie oft die Nadel den Nerv trifft

Der hintere Zugang zur interskalenären Blockade führt die Nadel durch den M. scalenus medius, also durch die Hauptengstelle. Eine Untersuchung an 70 Blockaden zählte mit, welchen Nerv die Nadel dabei erreichte. [B]

Kontakt der NadelFälleAnteil
N. dorsalis scapulae4462,9 %
N. thoracicus longus1521,4 %
beide Nerven1014,3 %
keiner der beiden2130,0 %
Tabelle 9: Nervenkontakt bei 70 ultraschallgeführten interskalenären Blockaden. Die Anteile summieren sich über 100 %, weil Fälle mit Kontakt zu beiden Nerven in drei Zeilen erscheinen.

Die mittlere Reizstromstärke unmittelbar vor dem Verschwinden der Muskelzuckung lag bei 0,44 mA für diesen Nerv und bei 0,50 mA für den N. thoracicus longus. [B]

Herkunft: Afshar et al. 2026; Kim et al. 2016; Saporito 2013; Lee und Chang 2018; Debeer et al. 2007; Murugesan et al. 2021; Jerosch et al. 1990.

8. Beschwerdebild

Führendes Zeichen ist Schmerz am medialen Schulterblattrand. [B] Hinzu kommen Bewegungseinschränkung bei Armhebung nach vorn und zur Seite sowie eine gestörte Schulterblattbewegung. [B]

8.1 Drei beschriebene Schmerzmechanismen

  1. Nervenstammschmerz über die Nervi nervorum. Da der Nerv überwiegend aus C5 stammt, kann der Schmerz über andere C5-Äste in den unteren Hals, die Schulter und den Oberarm ausstrahlen. [B]
  2. Myofaszialer Schmerz durch Einengung zwischen straffen Muskelsträngen der Rautenmuskeln. [B]
  3. Zug an den Hautästen der thorakalen Rami dorsales bei abstehendem Schulterblatt. Dieser Mechanismus erklärt Missempfindungen, Juckreiz und einen verminderten Spitz-Stumpf-Sinn zwischen den Schulterblättern, wie sie bei der Notalgia paraesthetica beschrieben sind. [B]

8.2 Wie häufig ist der Nerv beteiligt?

Eine Untersuchung an 55 aufeinanderfolgenden Patienten mit einseitigem Schmerz zwischen den Schulterblättern verglich klinischen und elektrophysiologischen Befund gegen 30 Gesunde. [B]

BefundZahlAnteil
Elektrophysiologischer Befund vereinbar mit einer Läsion2952,7 %
Abstehendes Schulterblatt916,4 %
Untersuchte Patienten55100 %
Tabelle 10: Befunde bei 55 Patienten mit einseitigem Interskapularschmerz.

Lücke: Keine Häufigkeitsangabe für die Bevölkerung

Die 52,7 % stammen aus einer einzigen Einrichtung und aus einer vorausgewählten Gruppe mit bestehenden Beschwerden. [B] Eine Zahl für die Allgemeinbevölkerung wurde nicht gefunden.

Herkunft: Afshar et al. 2026; Sultan und Younis El-Tantawi 2013; Muir 2017.

9. Scapula alata: die drei Formen

Scapula alata heißt das vom Brustkorb abstehende Schulterblatt. Drei Nerven kommen in Frage. [B] Eine Übersicht ordnet sie nach der Richtung, in die das Schulterblatt rückt: Bei Lähmung des Sägemuskels rückt es nach innen (mediales Abstehen), bei Lähmung des Kapuzenmuskels und der Rautenmuskeln nach außen (laterales Abstehen). [B]

Betroffener NervGelähmter MuskelRichtung des AbstehensWas zusätzlich unterscheidet
N. accessorius (XI)M. trapeziusnach außen; Schulter abgesunken [B]Schwäche beim Schulterheben, Schwund des oberen Kapuzenmuskels [B]
N. dorsalis scapulaeMm. rhomboideinach außen; innerer Rand steht vor allem unten ab, unterer Winkel dreht nach außen [B]Schulterheben kräftig; Abstehen gering, deutlicher beim langsamen Absenken des Arms aus voller Vorhebung [B]
N. thoracicus longusM. serratus anteriornach innen; deutlich, verstärkt beim Stemmen gegen die Wand [B]meist spontane Erholung innerhalb von 24 Monaten beschrieben [B]
Tabelle 11: Abgrenzung der drei Formen. Reihenfolge nach Höhe des Nervenaustritts: Hirnnerv XI, dann C5, dann C5 bis C7.

Kapuzenmuskel und Rautenmuskeln erzeugen dieselbe Richtung. Die Richtung allein trennt diese beiden nicht; die Trennung leisten die Kraft beim Schulterheben, der Befund am Kapuzenmuskel und die Nadeluntersuchung des großen Rautenmuskels. Regel der Ableitung: Ein Merkmal, das zwei Ursachen gemeinsam haben, trennt sie nicht. [I]

Korrektur zur Vorfassung: Höhenstand des Schulterblatts

Die Vorfassung gab für die Rautenmuskellähmung an, das Schulterblatt sei „nicht abgesunken, eher höher stehend“. Eine Quelle, die diesen Höhenstand belegt, wurde nicht gefunden; die eingesehenen Übersichten beschreiben nur die Richtung des Abstehens. Die Angabe ist gestrichen.

Das Abstehen bei Rautenmuskellähmung ist unauffällig

Es fällt geringer aus als bei Lähmung des vorderen Sägemuskels oder des Kapuzenmuskels und wird bei flüchtiger Untersuchung leicht übersehen. [B] Es tritt deutlicher hervor, wenn der Arm aus voller Vorhebung langsam abgesenkt wird. [B]

Die Fehlstellung kann in das Bild der SICK-Skapula münden: Fehlstellung, vorspringender unterer Innenrand, Schmerz am Rabenschnabelfortsatz, gestörter Bewegungsablauf. [B]

9.1 Was eine Fallserie zeigt

De Los Reyes et al. beschrieben vier Fälle einer alleinigen Rautenmuskellähmung neben einer anatomischen Untersuchung. Das mittlere Alter lag bei 40 Jahren (Spanne 33 bis 51). Das Abstehen betraf in allen vier Fällen die dominante Seite. Zwei der vier arbeiteten körperlich schwer. [B]

Vier Fälle tragen keine Aussage über Häufigkeit oder Ursache. Sie zeigen, dass die alleinige Rautenmuskellähmung vorkommt und beschrieben ist. [I]

Die Abgrenzung zum N. thoracicus longus ist auch deshalb wichtig, weil beide Nerven einen gemeinsamen Ursprungsstamm haben können und gemeinsam verletzt werden können. [B]

Herkunft: Martin und Fish 2008; Afshar et al. 2026; de Los Reyes et al. 2022; Didesch und Tang 2019; Akgun et al. 2008; Argyriou et al. 2015.

10. Untersuchung

Die Rautenmuskeln liegen unter dem Kapuzenmuskel. Sie sind deshalb weder gut sichtbar noch gut tastbar. [B] Die Prüfung stützt sich auf Stellung, Kraft und Bewegungsablauf. [I]

SchrittDurchführungAuffälliger Befund
Stellung im StandSchulterblätter von hinten im Seitenvergleich betrachteninnerer Rand steht ab, unterer Winkel nach außen gedreht [B]
AbsenkprobeArm voll nach vorn heben, dann langsam absenken lassendas Abstehen tritt beim Absenken hervor [B]
Kraftprüfung 1Hände in die Hüften, Ellbogen gegen Widerstand nach hinten drücken lassenKraftminderung auf der betroffenen Seite [B]
Kraftprüfung 2Schulterblätter gegen Widerstand zur Wirbelsäule ziehen lassenKraftminderung, Ausweichbewegung über den Kapuzenmuskel [B]
Schulterheben gegen WiderstandSeitenvergleichkräftig; eine Schwäche weist auf den N. accessorius [I]
Scapular assistance testSchulterblatt von außen gegen den Brustkorb halten, dann Arm heben lassenBeweglichkeit nimmt zu, Beschwerden nehmen ab [B]
Tastbefundmedialen Schulterblattrand und Muskelbauch abtastenDruckschmerz, straffe Stränge, schmerzhafte Punkte [B]
Tabelle 12: Untersuchungsschritte. Reihenfolge von der Betrachtung über die Kraftprüfung zum Tastbefund.

Ein Sensibilitätsausfall gehört nicht zum Bild einer isolierten Läsion dieses Nervs (Kapitel 6). Findet er sich, sind die Wurzel C5 und das Armgeflecht zu prüfen. [I]

Herkunft: Afshar et al. 2026; Didesch und Tang 2019; de Los Reyes et al. 2022; Martin und Fish 2008.

11. Apparative Diagnostik

VerfahrenWas es zeigtGrenze
Nervenleitgeschwindigkeitverlängerte Latenz, verminderte Amplitude im Seitenvergleich [B]stark untersucherabhängig [B]
ElektromyografieDenervierungszeichen im M. rhomboideus major, dem wichtigsten Zielmuskel [B]technisch anspruchsvoll, Normwerte je Einrichtung verschieden [B]
Hochauflösende Sonografieverdickter oder unscharf begrenzter Nerv, Fibrose [B]Seitenvergleich nötig, kleine Fallzahlen [B]
MagnetresonanztomografieDenervierungszeichen und Verfettung der Rautenmuskeln, Stellungsasymmetrie [B]Verfettung ist ein Spätzeichen [B]
Tabelle 13: Verfahren, Aussage und Grenze. Reihenfolge: erst die elektrophysiologischen, dann die bildgebenden Verfahren.

Ein Normalbefund in der Leitungsmessung bei gleichzeitig auffälligem Nadelbefund in den Rautenmuskeln spricht für eine umschriebene Beteiligung dieses Nervs. [B]

Der Seitenvergleich trägt die Aussage. Werte innerhalb des Normbereichs schließen eine Schädigung nicht aus, wenn die Seiten deutlich auseinanderliegen. [B]

11.1 Ein Zahlenbeispiel aus einem Einzelfall

MessgrößeGesunde SeiteBetroffene Seite
Amplitude in mV5,21,6
Latenz in ms4,96,8
Tabelle 14: Messwerte eines berichteten Falls nach Nadelverletzung des Nervs. Einzelfall, kein Normwert.

Vorsicht bei zwei häufig zitierten Zahlen

Für die Magnetresonanztomografie werden vielfach eine Empfindlichkeit von 84 % und ein Wert von 100 % genannt, der als Trefferquote wiedergegeben wird und vermutlich die Spezifität meint. Diese Zahlen gehen auf einen einzelnen Fallbericht zurück. [B] Als geprüfte Güte eines Verfahrens dürfen sie nicht gelesen werden. [B]

Spezifität und Treffsicherheit sind verschiedene Maße. [B] Die Spezifität gibt an, welcher Anteil der Gesunden einen unauffälligen Befund erhält; die Treffsicherheit fasst die richtigen Befunde bei Kranken und Gesunden zusammen. [B] Selbst wenn die Werte gälten, spräche eine Spezifität von 100 % nur für den auffälligen Befund: Er käme bei Gesunden nicht vor. [I] Über die Aussagekraft einer unauffälligen MRT entscheidet die Empfindlichkeit; bei 84 % bliebe etwa jeder sechste Betroffene unerkannt. [I] Eine unauffällige MRT schließt eine Schädigung dieses Nervs deshalb nicht aus. [I]

Die Übersichtsarbeit von 2026 hält fest: Die Schädigung dieses Nervs bleibt eine klinische Beurteilung. Bildgebung und Elektrophysiologie stützen sie, sie beweisen sie nicht. [B]

Herkunft: Afshar et al. 2026; Lee und Chang 2018; Akgun et al. 2008; Sultan und Younis El-Tantawi 2013; Altman und Bland 1994 für die Begriffe Empfindlichkeit und Spezifität.

12. Differenzialdiagnostik

Das Beschwerdebild überschneidet sich mit häufigeren und mit ernsten Erkrankungen. Die Abgrenzung ordnet sich nach dem Leitbefund. [I]

Dieses Kapitel gibt wieder, was die Fachliteratur zur Abgrenzung beschreibt. Es stellt keine Diagnose und gibt keine Behandlungsempfehlung.

12.1 Übersicht: der Leitbefund entscheidet

LeitbefundFührt zuErste Abklärung
Plötzlicher, heftiger Schmerz zwischen den Schulterblättern oder in Brust und RückenAbschnitt 12.4sofortige ärztliche Abklärung der Hauptschlagader [B]
Zunehmender Schmerz an Schulter und innerem Schulterblattrand, dazu hängendes Oberlid, enge Pupille oder Schwäche der HandmuskelnAbschnitt 12.4Bildgebung der Lungenspitze [B]
Heftiger Schulterschmerz, dem eine Schwäche folgtAbschnitt 12.2neurologische Untersuchung, Elektrodiagnostik [B]
Nacken-Arm-Schmerz mit Gefühlsstörung oder Schwäche der SchulterabspreizungAbschnitt 12.2neurologische Untersuchung, Bildgebung der Halswirbelsäule [I]
Abstehendes SchulterblattKapitel 9Richtung des Abstehens, Schulterheben, Nadeluntersuchung [B]
Schmerz am inneren Schulterblattrand ohne Ausfall, mit tastbaren SträngenAbschnitt 12.3Tastbefund, Seitenvergleich in der Elektrophysiologie [B]
Juckreiz und Missempfindung in einem umschriebenen Feld zwischen den SchulterblätternAbschnitt 12.3Betrachtung der Haut, Prüfung des Hautgefühls [B]
Tabelle 15: Leitbefunde und wohin sie führen. Reihenfolge nach der Dringlichkeit der Abklärung, nicht nach der Häufigkeit.

12.2 Nerven, Wurzel und Armgeflecht

AbzugrenzenSpricht dafürSpricht dagegenWomit prüfbar
N. accessoriusseitliches Abstehen mit abgesunkener Schulter, Schwäche beim Schulterheben, oft Narbe im seitlichen Halsdreieck [B]kräftiges Schulterheben [I]Nadeluntersuchung von Kapuzen- und Rautenmuskeln [I]
N. thoracicus longusAbstehen nach innen, beim Stemmen gegen die Wand verstärkt [B]Abstehen nach außen [B]Stemmen gegen die Wand, Nadeluntersuchung des Sägemuskels [B]
N. suprascapularisSchwäche der Außendrehung, Schwund unter der Schulterblattgräte [I]erhaltene Außendrehung [I]Kraftprüfung, Nadeluntersuchung [I]
Wurzel C5Nacken-Arm-Schmerz, Gefühlsstörung an der Schulter, Schwäche der Abspreizung im Gebiet des N. axillaris [I]reiner Schmerz am Schulterblattrand ohne Gefühlsstörung [I]neurologische Untersuchung, Bildgebung, Nadeluntersuchung mehrerer C5-Muskeln [I]
Neuralgische Schulteramyotrophieanfangs heftiger Dauerschmerz von im Mittel etwa vier Wochen, danach Schwäche; meist obere und mittlere Anteile des Armgeflechts mit N. thoracicus longus oder N. suprascapularis (71,1 %); Gefühlsstörung bei 78,4 % [B]Beschwerden ohne vorausgehende Schmerzphase und ohne Schwäche [I]neurologische Untersuchung, Elektrodiagnostik [B]
Thoracic-outlet-SyndromBeschwerden am Arm bei Armhebung, Einengung am oberen Brustkorbausgang [B]Beschwerden ohne Armbeteiligung [I]neurologische und gefäßbezogene Untersuchung [I]
Tabelle 16: Nervenbedingte Abgrenzung. Reihenfolge: Nachbarnerven nach Austrittshöhe, dann Wurzel und Geflecht.

Eine Verwechslung in die andere Richtung ist ebenso möglich: Eine Wurzelläsion C5 erfasst diesen Nerv mit, weil er ihr erster Ast ist. [I] Ein zusätzlicher Sensibilitätsausfall oder eine Schwäche der Schulterabspreizung spricht dann für die Wurzel. [I]

Bei der neuralgischen Schulteramyotrophie bestanden nach drei Jahren oder mehr bei etwa zwei Dritteln der Nachuntersuchten noch Schmerz und Schwäche. [B]

12.3 Muskeln, Gelenke und Haut

AbzugrenzenSpricht dafürSpricht dagegenWomit prüfbar
Myofasziales Schmerzsyndrom, Levator-scapulae- oder Rhomboideus-Schmerzsyndromtastbare Stränge und schmerzhafte Punkte, kein Ausfall [B]auffälliger Nadelbefund im großen Rautenmuskel [I]Tastbefund, Elektrophysiologie im Seitenvergleich [I]
Schnappendes Schulterblatt, Schleimbeutelentzündung am SchulterblattReiben oder Schnappen bei Schulterblattbewegung [B]kein Geräusch, kein Schnappen [I]Bewegungsprüfung, Bildgebung [I]
Subakromiales Impingement, Sehnenschaden der SchulterSchmerz bei Armhebung im mittleren Bogen, Befund an der Rotatorenmanschette [B]Schmerz allein am inneren Schulterblattrand [I]Schulteruntersuchung, Bildgebung [B]
Notalgia paraestheticaJuckreiz und Missempfindung in einem umschriebenen Feld zwischen den Schulterblättern [B]keine Hauterscheinung, kein Juckreiz [I]Betrachtung der Haut, Prüfung des Hautgefühls [B]
Fibromyalgie, komplexes regionales Schmerzsyndromausgedehnte Schmerzen über mehrere Regionen [B]auf den Schulterblattrand begrenzter Schmerz [I]klinische Kriterien [I]
Tabelle 17: Abgrenzung gegen Ursachen in Muskeln, Schulter und Haut.

Für das subakromiale Impingement gibt es eine deutsche Leitlinie: die S2e-Leitlinie Subakromiales Impingement, AWMF-Register 187-060, vormals 033-056, Version 1.0 vom 11.10.2021, gültig bis 19.11.2026. [B] Sie behandelt die Schulterenge, nicht diesen Nerv. Eine Nachfolgefassung wurde bei der Prüfung am 5. Oktober 2026 nicht gefunden.

12.4 Ernste Ursachen außerhalb des Bewegungsapparats

AbzugrenzenSpricht dafürWomit prüfbarKennzeichen
Akute Aortendissektionplötzlich einsetzender, heftiger Schmerz in Brust oder Rücken; im Internationalen Register mit 464 Erkrankten Rückenschmerz bei 53,2 %, bei Typ B bei 64 %sofortige Bildgebung der Hauptschlagader[B]
Tumor der Lungenspitze (Pancoast-Tumor)Schulterschmerz als häufigstes Erstzeichen, anfangs an der Schulter und am inneren Schulterblattrand; später Horner-Syndrom und Schwund der kleinen HandmuskelnBildgebung der Lungenspitze[B]
Tabelle 18: Ursachen, die Schmerz zwischen den Schulterblättern oder an der Schulter erzeugen und vor jeder Zuordnung zu diesem Nerv auszuschließen sind.

Beide Ursachen erzeugen Schmerz im Feld dieses Nervs, ohne dass ein Muskelausfall bestehen muss. Regel der Ableitung: Fehlt ein Ausfall, schließt das nur die Lähmung aus, nicht die Ursache. [I]

Vorrang vor jeder anderen Zuordnung

Ein plötzlicher, heftiger Schmerz zwischen den Schulterblättern wird ärztlich abgeklärt, bevor eine Ursache an Nerv, Muskel oder Gelenk angenommen wird.

12.5 Benannte Lücken dieses Kapitels

  • Wie oft Schmerz am inneren Schulterblattrand von diesem Nerv stammt, ist nur für eine vorausgewählte Gruppe untersucht (Tabelle 10).
  • Zur Trennschärfe der klinischen Merkmale zwischen Rautenmuskel- und Kapuzenmuskellähmung wurde keine Untersuchung gefunden.
  • Eine Leitlinie zur Abgrenzung des Schmerzes zwischen den Schulterblättern wurde nicht gefunden.

Herkunft Kapitel 12: Afshar et al. 2026; Patetta et al. 2021; Muir 2017; Martin und Fish 2008; van Alfen und van Engelen 2006; Hagan et al. 2000 (Internationales Register der Aortendissektion); Arcasoy und Jett 1997; AWMF 187-060.

13. Beschriebene Behandlungswege

Dieses Kapitel gibt wieder, was in der Fachliteratur beschrieben und mit welcher Belastbarkeit es belegt ist. Eine Behandlungsempfehlung wird nicht gegeben und ist aus diesem Text nicht ableitbar. Die Entscheidung über eine Behandlung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Die Übersichtsarbeit von 2026 stuft die gesamte Studienlage als niedrig ein. Es gibt keine randomisierte kontrollierte Studie und keinen hochwertigen Vergleich. [B]

VorgehenStudienlageEinschränkung
Belastungsanpassung und Übungsbehandlungin Übersichtsarbeiten als erstes Vorgehen beschrieben [B]keine Vergleichsstudie [B]
Bildgesteuerte Injektion und HydrodissektionFallberichte und kleine Serien [B]kurzfristige Wirkung, Dauer unklar [B]
Offene Nervenbefreiung21 aufeinanderfolgende Patienten, ein Operateur [B]kein Vergleichsarm, rückblickende Erhebung [B]
Ablösung des mittleren Treppenmuskels36 Patienten, Besserung bei 19 [B]Ergebnis nicht standardisiert erhoben [B]
Arthroskopische Nervenbefreiungreine Technikbeschreibung [B]keine Ergebnisdaten; erreicht nur die körperferne Stelle, nicht die Engstelle im mittleren Treppenmuskel [B]
Tabelle 19: Beschriebene Vorgehensweisen und ihre Belegstärke. Reihenfolge von nichtoperativ nach operativ.

Die Übersichtsarbeit hält zur arthroskopischen Technik ausdrücklich fest: Sie ist technisch anspruchsvoll, sie liefert keine Ergebnisgruppe, und sie lässt die körpernahen Einengungsstellen wie den M. scalenus medius unbehandelt. [B] Die Technikbeschreibung nennt als Voraussetzung Schmerz am medialen Schulterblattrand vom oberen Innenwinkel bis zum unteren Ende des großen Rautenmuskels, keine andere örtliche Schmerzursache und eine erfolglose nichtoperative Behandlung. [B]

13.1 Die belastbarste Ergebnisreihe

MessgrößeVorherNach 6 Monaten
Schmerzskala 0 bis 100, Mittelwert54,026,8
Patienten mit Verbesserung um mindestens 20 Punkte–15 von 21
Tabelle 20: Ergebnisse nach offener Nervenbefreiung bei 21 Patienten.

Der Unterschied war statistisch bedeutsam. Der einzige gefundene Vorhersagewert war die Dauer der Beschwerden: je länger sie bestanden, desto schlechter das Ergebnis. [B] Die Reihe stammt von einem einzigen Operateur und hatte keine Vergleichsgruppe. [B]

Leitlinienstand

Eine Leitlinie zu diesem Nerv gibt es nicht. Die einschlägige deutsche Leitlinie ist die S3-Leitlinie „Versorgung peripherer Nervenverletzungen“, AWMF-Register 005-010, Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028. [B] Sie deckt die Schädigungsarten aus Kapitel 7 ab, darunter Druck, Dehnung und iatrogene Läsionen, behandelt diesen Nerv aber nicht eigens. [B]

Herkunft: Afshar et al. 2026; Ottestad und Wilson 2022; Chen et al. 1995; Lohre et al. 2025; Sharma und Botchu 2021; Murugesan et al. 2021; AWMF 005-010.

14. Reflexzonenmodelle

Ältere Darstellungen ordnen diesem Nerv Bindegewebszonen, Head-Zonen und Mackenzie-Zonen zu. Diese Modelle stehen hier vollständig, aber gekennzeichnet: Keines beruht auf einer kontrollierten Untersuchung. [H]

ModellUrheber, JahrVoraussetzung des ModellsTrifft hier zu?
Head-ZonenHenry Head, 1893 bis 1896viszerale Afferenzen, die auf Hautsegmente überleiten [H]nein, der Nerv führt keine [I]
Mackenzie-ZonenJames Mackenzie, 1909viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur [H]nein, gleiche fehlende Voraussetzung [I]
BindegewebszonenElisabeth Dicke, ab 1929reflektorische Veränderung der Unterhaut über einem Organbezug [H]nicht begründbar, weil der Organbezug fehlt [I]
Tabelle 21: Drei Modelle und ihre Anwendbarkeit auf diesen Nerv. Reihenfolge nach dem Jahr der Erstbeschreibung.

Was bleibt: Schmerz zwischen den Schulterblättern bei Fehlstellung des Schulterblatts ist über Zug an den Hautästen der thorakalen Rami dorsales erklärbar. [B] Dieser Weg ist beschrieben und braucht kein Zonenmodell. [I]

Zwei ähnliche Namen, zwei verschiedene Personen

James Mackenzie (1853–1925), britischer Internist, veröffentlichte die nach ihm benannten Reflexzonen 1909. Robin McKenzie (1931–2013), neuseeländischer Physiotherapeut, entwickelte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. Die beiden haben nichts miteinander zu tun; die Verwechslung ist verbreitet.

Herkunft: Head, Brain 1893–1896; Mackenzie, Symptoms and their Interpretation, 1909; Dicke ab 1929, jeweils als geschichtliche Quelle geführt. Die Einordnung nach Afshar et al. 2026.

15. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ärztlich abgeklärt

Die folgenden Punkte sprechen gegen eine einfache Einengung dieses Nervs. Sie sind keine Diagnose und keine Handlungsanweisung, sondern ein Hinweis auf Abklärungsbedarf.

  • Plötzlicher, heftiger Schmerz zwischen den Schulterblättern oder in Brust und Rücken: Leitzeichen einer akuten Aortendissektion. [B]
  • Zunehmender Schulter- und Schulterblattschmerz mit hängendem Oberlid, enger Pupille oder Schwund der kleinen Handmuskeln: Hinweis auf einen Prozess an der Lungenspitze. [B]
  • Starker, nächtlicher Schulterschmerz, dem eine Lähmung folgt: Dieser Ablauf ist für die neuralgische Schulteramyotrophie beschrieben. [B]
  • Gefühlsstörung im Arm oder Ausfall der Schulterabspreizung: spricht für Wurzel oder Geflecht statt für diesen Nerv. [I]
  • Beschwerden nach Halsoperation oder Bestrahlung wegen einer Krebserkrankung. [B]
  • Zunehmende Lähmung nach einem Schultertrauma oder einer Ausrenkung. [B]
  • Beschwerden nach einer Nervenblockade oder einer Injektion in die Muskulatur zwischen den Schulterblättern. [B]
  • Beidseitiges Auftreten ohne erkennbaren äußeren Anlass. [I]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: Hagan et al. 2000; Arcasoy und Jett 1997; van Alfen und van Engelen 2006; Afshar et al. 2026; Murugesan et al. 2021; Jerosch et al. 1990; Lee und Chang 2018.

16. Häufige Fragen

Warum tut ein rein motorischer Nerv weh?

Die Hülle des Nervs hat eine eigene Innervation, die Nervi nervorum. Sie reagiert auf Zug und erzeugt Schmerzsignale. Hinzu kommen Schmerzen aus der verspannten Muskulatur und Zug an den Hautästen der Brustwirbelsäule bei abstehendem Schulterblatt.

Wo liegt die häufigste Engstelle?

Im M. scalenus medius, dem mittleren Treppenmuskel des Halses. Der Nerv durchbohrt ihn in der Mehrzahl der Fälle: in 67,9 % von 140 untersuchten Seiten der größten Sezierstudie.

Wie unterscheidet sich das abstehende Schulterblatt von der Serratusparese?

Bei Lähmung der Rautenmuskeln rückt das Schulterblatt nach außen; vor allem der untere Abschnitt des inneren Rands steht ab, der untere Winkel dreht nach außen. Bei Lähmung des vorderen Sägemuskels rückt es nach innen, und das Abstehen nimmt beim Stemmen gegen die Wand deutlich zu. Die Rautenmuskelform ist die unauffälligere von beiden.

Und vom abstehenden Schulterblatt bei Lähmung des Kapuzenmuskels?

Dort rückt das Schulterblatt ebenfalls nach außen, und die Schulter sinkt. Hier trennen die Kraft beim Schulterheben und die Nadeluntersuchung, nicht die Richtung.

Welcher Muskel wird für die Nadelmyografie gewählt?

Der M. rhomboideus major gilt als der wichtigste Untersuchungsmuskel. Der M. levator scapulae ist weniger geeignet, weil er zusätzlich aus C3 und C4 versorgt wird und bei einem Ausfall dieses Nervs unauffällig bleiben kann.

Kann ein unauffälliger Messwert eine Schädigung ausschließen?

Nein. Die Aussage trägt der Seitenvergleich. Liegen beide Seiten im Normbereich, unterscheiden sich aber deutlich voneinander, kann eine Schädigung vorliegen.

Ist die Beteiligung dieses Nervs bei Schmerz zwischen den Schulterblättern häufig?

In einer Untersuchung an 55 vorausgewählten Patienten fand sich bei 52,7 % ein passender elektrophysiologischer Befund. Diese Zahl gilt für diese Gruppe, nicht für die Bevölkerung.

Welche ernsten Ursachen hat Schmerz zwischen den Schulterblättern?

Ein plötzlicher, heftiger Schmerz kann von einem Einriss der Hauptschlagader stammen; im Internationalen Register hatte gut die Hälfte der Erkrankten Rückenschmerz. Ein zunehmender Schmerz an Schulter und Schulterblattrand kann von einem Tumor an der Lungenspitze ausgehen. Beides gehört sofort beziehungsweise zeitnah ärztlich abgeklärt.

Hat der Nerv ein Hautgebiet?

Nein. Er besitzt keine Hautäste und damit kein Dermatom. Ein Taubheitsgefühl spricht gegen eine isolierte Läsion dieses Nervs.

Gibt es einen Bezug zu inneren Organen?

Nein. Der Nerv führt weder vegetative Fasern noch Eingeweideafferenzen. Der sympathische Ursprung beginnt erst bei Th1.

Warum ist der Nerv bei Blockaden am Hals von Belang?

Beim hinteren Zugang zur interskalenären Blockade führt die Nadel durch den M. scalenus medius. In einer Reihe von 70 Blockaden erreichte sie diesen Nerv in 62,9 % der Fälle. Schädigungen nach Blockade sind mehrfach berichtet.

Wie nah liegt der Nerv am Schulterblattrand?

Im Mittel rund 15 Millimeter innen davon, mit einer Spanne von 10 bis 32 Millimetern. Der kleinste gemessene Einzelwert betrug 7 Millimeter. Beim Dreifach-Sehnentransfer ist der Oberrand des kleinen Rautenmuskels die kritische Stelle.

Was ist über den Nutzen einer Operation bekannt?

Bei 21 aufeinanderfolgenden Patienten sank der Schmerzwert nach Nervenbefreiung von 54,0 auf 26,8 nach sechs Monaten. 15 von 21 hatten ein gutes Ergebnis. Es gab keine Vergleichsgruppe, und die Studienlage insgesamt ist niedrig.

17. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
AmplitudeHöhe des abgeleiteten Muskelsignals
AortendissektionEinriss der inneren Wandschicht der Hauptschlagader
AWMFArbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Herausgeberin der deutschen Leitlinien
Bindegewebszonetastbare Veränderung der Unterhaut, der im Modell von Elisabeth Dicke eine Organbedeutung zugeschrieben wird
DenervierungVerlust der Nervenversorgung eines Muskels
DermatomHautgebiet einer einzelnen Rückenmarkswurzel
ElektromyografieAbleitung der Muskelaktivität über eine Nadel
Fascia prevertebralisvor der Wirbelsäule liegendes Blatt der tiefen Halsfaszie
Head-ZoneHautgebiet, dem im Modell von Henry Head ein Organ zugeordnet ist
Horner-Syndromhängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung im Gesicht derselben Seite bei Störung der sympathischen Bahn
HydrodissektionAblösen eines Nervs vom Nachbargewebe durch eingespritzte Flüssigkeit
KennmuskelMuskel, dessen Ausfall auf einen bestimmten Nerv oder ein bestimmtes Segment weist
Laterales AbstehenSchulterblatt rückt nach außen; bei Lähmung von Kapuzen- oder Rautenmuskeln
LatenzZeit zwischen Reiz und Muskelantwort
Mackenzie-ZoneMuskelgebiet eines Segments, dem im Modell von James Mackenzie eine Organbedeutung zugeschrieben wird
Mediales AbstehenSchulterblatt rückt nach innen; bei Lähmung des Sägemuskels
NervenleitgeschwindigkeitMessung von Latenz und Amplitude entlang eines Nervs
Nervi nervorumeigene Nervenversorgung der Nervenhülle
Neuralgische Schulteramyotrophieplötzlich einsetzende Erkrankung mit Schulterschmerz und nachfolgender Lähmung
Neurolyseoperatives Freilegen eines Nervs aus einengendem Gewebe
Notalgia paraestheticaMissempfindung und Juckreiz zwischen den Schulterblättern
Nozizeptivschmerzleitend
Pancoast-TumorTumor an der Lungenspitze, der in Armgeflecht und Grenzstrang einwachsen kann
Plexus brachialisArmgeflecht
Plexus cervicalisHalsgeflecht
PropriozeptionRückmeldung über Stellung und Spannung aus dem Bewegungsapparat
RadikulopathieSchädigung einer Nervenwurzel
Ramus ventralisvorderer Ast eines Spinalnervs
Rami dorsaleshintere Äste der Spinalnerven
Scapula alatavom Brustkorb abstehendes Schulterblatt
SDStandardabweichung, Maß für die Streuung der Messwerte
SEStandardfehler des Mittelwerts
SICK-SkapulaZusammenspiel aus Fehlstellung, vorspringendem inneren Rand, Schmerz am Rabenschnabelfortsatz und gestörtem Bewegungsablauf
SklerotomKnochen- und Bandgebiet eines Segments
Thoracic-outlet-SyndromSammelbegriff für Einengungen am oberen Brustkorbausgang
Viszerale AfferenzNervenfaser, die Empfindung aus inneren Organen weiterleitet
Tabelle 22: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet.

18. Grundlage und Quellen

18.1 Quellenordnung

Für diese Seite wurde ausschließlich belegte Fachliteratur verwendet: begutachtete Zeitschriftenaufsätze und das AWMF-Leitlinienregister.

  • Leitquelle: die systematische Übersichtsarbeit von Afshar und Mitarbeitern (2026), weil sie Anatomie, Ursachen, Beschwerdebild, Diagnostik und Behandlung dieses Nervs zusammenführt und die Belegstärke je Aussage bewertet.
  • Prüfquellen: die Sezier- und Messstudien selbst, soweit ihre Zahlen unmittelbar vorlagen.
  • Ergänzungsquellen: Arbeiten zur Leitungsanästhesie, zum Sehnentransfer, zur Scapula alata und zur Abgrenzung, für Randbereiche und Einordnung, nie für die Grundaussage.
  • Geschichtliche Quellen: Head, Mackenzie und Dicke, ausschließlich mit Kennzeichen [H].

18.2 Belegstufen

KennzeichenBedeutungPrüfbarkeit
[B]belegt durch eine benannte QuelleQuelle in 18.3 auffindbar
[I]Interpretation aus einer im Text genannten RegelAbleitung im Satz nachvollziehbar
[H]geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweisnicht prüfbar, wird nur benannt
Tabelle 23: Bedeutung der Kennzeichen. Sie stehen am Ende der Aussage, nicht am Anfang, und nie fett gesetzt.

18.3 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt
1Afshar A, Tabrizi A, Shariyate MJ. Dorsal scapular nerve entrapment: a systematic review. JSES Rev Rep Tech 2026;6(4):100807. DOI 10.1016/j.xrrt.2026.100807systematische Übersichtsarbeit
2Jack AS, Shah V, Jacques LG. Foraminal origin of the dorsal scapular nerve: an anatomical study. World Neurosurg 2020;144:e341–e346. PMID 32858224Sezierstudie, 18 Präparate
3Tubbs RS, Tyler-Kabara EC, Aikens AC, et al. Surgical anatomy of the dorsal scapular nerve. J Neurosurg 2005;102:910–911. PMID 15926718Sezierstudie, 20 Seiten
4Nguyen VH, Liu HH, Rosales A, Reeves R. A cadaveric investigation of the dorsal scapular nerve. Anat Res Int 2016;2016:4106981. PMID 27597900Sezierstudie, 23 Nerven
5Tetsu S, Terayama H, Qu N, et al. Anatomical variants of dorsal scapular nerve in relation to the middle scalene muscle in Japanese population. Medicine (Baltimore) 2018;97(47):e13349. PMID 30461656Sezierstudie, 140 Seiten
6Williams AA, Smith HF. Anatomical entrapment of the dorsal scapular and long thoracic nerves, secondary to brachial plexus piercing variation. Anat Sci Int 2020;95:67–75Sezierstudie, 90 Armgeflechte
7Çelikgün B, Gayretli Ö, Gürses İA, Coşkun O, Öztürk A, Kale A. Topographic and morphometric anatomy of the proximal part of the dorsal scapular nerve. Clin Anat 2023;36:1127–1137. PMID 37452523Sezierstudie, 26 Seiten
8Çelikgün B, Gayretli Ö, Gürses İA, Öztürk A, Kale A. Surgical anatomy of the distal part of the dorsal scapular nerve with a focus on the triple-tendon transfer. Brain Behav 2025;15:e70694. PMID 40641379Sezierstudie, 26 Seiten
9Pinto MC, Johnson JL, Patel HA, et al. The surgical anatomy of the dorsal scapular nerve: a triple-tendon transfer perspective. J Shoulder Elbow Surg 2019;28:137–142. PMID 30318275Sezierstudie, 22 Schultern
10Frank DK, Wenk E, Stern JC, Gottlieb RD, Moscatello AL. A cadaveric study of the motor nerves to the levator scapulae muscle. Otolaryngol Head Neck Surg 1997;117:671–680Sezierstudie, 37 Halspräparate
11Sultan HE, Younis El-Tantawi GA. Role of dorsal scapular nerve entrapment in unilateral interscapular pain. Arch Phys Med Rehabil 2013;94:1118–1125. PMID 23220342klinische Vergleichsstudie, 55 Patienten
12de Los Reyes AM, Bacle G, Chaves C, et al. Scapular winging due to rhomboid muscle paralysis: clinical assessment of 4 cases and anatomic study of the dorsal scapular nerve. J Shoulder Elbow Surg 2022;31:2595–2601. PMID 35718255Fallserie und Sezierstudie
13Didesch JT, Tang P. Anatomy, etiology, and management of scapular winging. J Hand Surg Am 2019;44:321–330. PMID 30292717Übersichtsarbeit
14Ottestad E, Wilson TJ. Assessment of outcomes in consecutive patients undergoing dorsal scapular nerve decompression. J Neurosurg 2022;138:1411–1418. PMID 36087331Ergebnisreihe, 21 Patienten
15Chen D, Gu Y, Lao J, Chen L. Dorsal scapular nerve compression. Atypical thoracic outlet syndrome. Chin Med J (Engl) 1995;108:582–585. PMID 7587488Operationsreihe, 36 Patienten
16Lohre R, Ahmed AF, Elhassan B. Arthroscopic dorsal scapular nerve decompression for painful scapulothoracic abnormal motion: technique and indications. Arthrosc Tech 2025;14(4):103357. PMID 40452968Technikbeschreibung
17Kim YD, Yu JY, Shim J, Heo HJ, Kim H. Risk of encountering dorsal scapular and long thoracic nerves during ultrasound-guided interscalene brachial plexus block with nerve stimulator. Korean J Pain 2016;29:179–184. PMID 27413483klinische Reihe, 70 Blockaden
18Saporito A. Dorsal scapular nerve injury: a complication of ultrasound-guided interscalene block. Br J Anaesth 2013;111:840–841. PMID 24108729Einzelfall
19Lee DG, Chang MC. Dorsal scapular nerve injury after trigger point injection into the rhomboid major muscle: a case report. J Back Musculoskelet Rehabil 2018;31:211–214. PMID 28854498Einzelfall
20Akgun K, Aktas I, Terzi Y. Winged scapula caused by a dorsal scapular nerve lesion: a case report. Arch Phys Med Rehabil 2008;89:2017–2020. PMID 18929031Einzelfall
21Argyriou AA, Karanasios P, Makridou A, Makris N. Dorsal scapular neuropathy causing rhomboids palsy and scapular winging. J Back Musculoskelet Rehabil 2015;28:883–885. PMID 25547236Einzelfall
22Debeer P, Van Den Eede E, Moens P. Scapular winging: an unusual complication of bracing in idiopathic scoliosis. Clin Orthop Relat Res 2007;461:258–261. PMID 17806153Einzelfall
23Jerosch J, Castro WH, Geske B. Damage of the long thoracic and dorsal scapular nerve after traumatic shoulder dislocation. Acta Orthop Belg 1990;56:625–627. PMID 2075821Einzelfall
24Murugesan A, Raghuraman MS, Chilukuri S, Raja T. Hydro-dissection of dorsal scapular nerve for neuropathy post radical neck dissection and radiation. Indian J Palliat Care 2021;27:577–579. PMID 34898955Einzelfall
25Sharma GK, Botchu R. Dorsal scapular nerve entrapment neuropathy managed by ultrasound-guided hydrodissection. J Ultrason 2021;21:74–76. PMID 33791120Einzelfall
26Muir B. Dorsal scapular nerve neuropathy: a narrative review of the literature. J Can Chiropr Assoc 2017;61:128–144. PMID 28928496erzählende Übersichtsarbeit
27Patetta MJ, Naami E, Sullivan BM, Gonzalez MH. Nerve compression syndromes of the shoulder. J Hand Surg Am 2021;46:320–326. PMID 33341295Übersichtsarbeit
28AWMF 005-010 S3-Leitlinie Versorgung peripherer Nervenverletzungen. Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028Leitlinie
29AWMF 187-060 S2e-Leitlinie Subakromiales Impingement, vormals 033-056. Version 1.0 vom 11.10.2021, gültig bis 19.11.2026Leitlinie
30Ballesteros LE, Ramirez LM. Variations of the origin of collateral branches emerging from the posterior aspect of the brachial plexus. J Brachial Plex Peripher Nerve Inj 2007;2:14. DOI 10.1186/1749-7221-2-14Sezierstudie, 56 Nerven; Zahlen nach Zweitwiedergabe
31Martin RM, Fish DE. Scapular winging: anatomical review, diagnosis, and treatments. Curr Rev Musculoskelet Med 2008;1(1):1–11Übersichtsarbeit
32van Alfen N, van Engelen BGM. The clinical spectrum of neuralgic amyotrophy in 246 cases. Brain 2006;129(Pt 2):438–450. DOI 10.1093/brain/awh722Fallreihe, 246 Erkrankte
33Hagan PG, Nienaber CA, Isselbacher EM, et al. The International Registry of Acute Aortic Dissection (IRAD): new insights into an old disease. JAMA 2000;283(7):897–903. DOI 10.1001/jama.283.7.897Registerauswertung, 464 Erkrankte
34Arcasoy SM, Jett JR. Superior pulmonary sulcus tumors and Pancoast’s syndrome. N Engl J Med 1997;337:1370–1376Übersichtsarbeit
35Altman DG, Bland JM. Diagnostic tests 1: Sensitivity and specificity. BMJ 1994;308(6943):1552.methodische Übersicht
Tabelle 24: Verwendete Quellen. Nr. 1 bis 30 in der Reihenfolge der Vorfassung, Nr. 31 bis 34 in dieser Fassung ergänzt.

Geschichtliche Quellen, ausschließlich für die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte: Head H, Brain 1893;16:1–133, 1894;17:339–480, 1896;19:153–276; Mackenzie J, Symptoms and their Interpretation, London 1909; Dicke E, ab 1929.

Quelle Nr. 30 ist mit vollständiger Fundstelle geführt, ihre Zahlen sind aber nach der Wiedergabe bei Çelikgün et al. 2023 aufgenommen. Im Text steht das an der betreffenden Stelle.

18.4 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen. Sie führen zu diesem Nerv teils dieselben Zahlen, aber ohne prüfbare Herkunft.

18.5 Offene Punkte

  • Die anatomischen Standardwerke wurden nicht eingesehen. Aussagen, die allein auf Lehrbuchwissen beruhen, gelten deshalb als vorläufig belegt.
  • Von Tubbs et al. 2005 bleiben zwei Angaben in Zweitwiedergabe: die Verteilung der Wurzelherkunft und die Aussage, alle drei Muskeln seien auf allen Seiten versorgt gewesen. Beide stehen nicht in der Zusammenfassung der Arbeit.
  • Die Zahlen von Çelikgün et al. 2025, von Williams und Smith 2020 und von Ballesteros und Ramirez 2007 stammen aus Zusammenfassungen oder Zweitwiedergabe, nicht aus dem Volltext.
  • Die Aufteilung der Durchbohrung auf hinteren und vorderen Treppenmuskel bei Williams und Smith 2020 wurde nur in Zweitwiedergabe ohne klare Bezugsgröße gefunden und deshalb nicht aufgenommen.
  • Für die Häufigkeit der Läsion in der Allgemeinbevölkerung liegt keine Zahl vor. Alle Häufigkeiten stammen aus vorausgewählten Gruppen. [B]
  • Die Widersprüche zur Wurzelherkunft (Tabelle 2), zur Lage am Schulterblattrand (Tabelle 4) und zur Muskelversorgung (Tabelle 6) sind ungelöst und bleiben als Widerspruch stehen.
  • Zur Wirksamkeit der beschriebenen Behandlungswege gibt es keine randomisierte kontrollierte Studie. [B]
  • Die Leitlinie AWMF 187-060 läuft am 19.11.2026 ab; eine Nachfolgefassung war am 5. Oktober 2026 nicht auffindbar.
  • Der Höhenstand des Schulterblatts bei Rautenmuskellähmung ist in den eingesehenen Quellen nicht beschrieben.

18.6 Änderungsvermerk

V 1.3

  • geändert: Im Kasten „Vorsicht bei zwei häufig zitierten Zahlen“ Spezifität und Treffsicherheit unterschieden; ergänzt, dass über eine unauffällige MRT die Empfindlichkeit entscheidet; Quelle Altman und Bland 1994 aufgenommen (Nr. 35).
  • warum: Hinweis vom 8. Oktober 2026: An der Unterscheidung hängt die Aussagekraft einer unauffälligen MRT.
  • ersetzt: V 1.2.

V 1.2

  • geändert: Anteile beim Nadelkontakt nachgerechnet (44 von 70 = 62,9 %, 21 von 70 = 30,0 %); MRT-Wert von 100 % als vermutliche Spezifität gekennzeichnet; Zeitangabe zur neuralgischen Schulteramyotrophie auf das Belegte gekürzt.
  • warum: Abgleich mit der vollständigen Korrekturliste vom 3. Oktober 2026; diese Punkte waren in der Vorfassung noch nicht umgesetzt.
  • ersetzt: V 1.1.

V 1.1

  • geändert: Lesart der Kennzeichen als einheitlicher Abschnitt „Lesart dieser Seite“ ans Seitenende gesetzt; am Seitenanfang steht nur noch ein Verweis darauf.
  • warum: reihenweite Vorgabe vom 5. Oktober 2026; dieselbe Lesart steht auf jeder Seite an derselben Stelle.
  • ersetzt: V 1.0.

V 1.0

  • geändert: Richtung des abstehenden Schulterblatts nach Martin und Fish 2008 berichtigt (Rautenmuskeln und Kapuzenmuskel nach außen, Sägemuskel nach innen), die unbelegte Angabe „eher höher stehend“ gestrichen; Kapitel 12 Differenzialdiagnostik von einer Aufzählung zu Leitbefundtabelle und drei Abgrenzungstabellen umgebaut, mit Aortendissektion, Pancoast-Tumor und neuralgischer Schulteramyotrophie mit Zahlen; zwei Warnzeichen und eine Frage ergänzt; Reihenfolge in Tabelle 5 an die eigene Unterschrift angepasst; Satz zur Schweißbildung ergänzt; Mackenzie auf 1909, Robin McKenzie auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, Head auf 1893 bis 1896 gestellt; interne Prüfvermerke entfernt; als Fließtext gesetzte Kastentitel als Kästen gestaltet; Sätze über das Vorgehen der Seite ohne Kennzeichen; vier Quellen ergänzt, Tabellen neu durchgezählt.
  • warum: Korrekturliste vom 3. Oktober 2026 und Reihenregeln; die Differenzialdiagnostik nannte Verwechslungen ohne Merkmale und ließ die gefährlichen Ursachen des Schmerzes zwischen den Schulterblättern aus. Strukturänderung, daher erste Stelle.
  • ersetzt: V 0.5 vom 13. September 2026.
GeändertWarumErsetzt
Gliederung von zehn auf achtzehn Kapitel erweitert, Kennzeichen an jeder Aussage, Quellenverzeichnis mit 30 Einträgen ergänztDie ursprüngliche Seite nennt keine Quelle und trennt Nervengebiet, Sklerotom und Zonenmodelle nichtSeitenfassung vom Abruf am 12.09.2026
Verlauf berichtigt: Durchtritt durch den M. scalenus medius statt hinter ihm; Lage an der Vorderfläche der Rautenmuskeln statt zwischen ihnenDer Durchtritt ist der Regelfall in allen Sezierstudien; der Nerv teilt die Rautenmuskeln nichtAbschnitt 1 der ursprünglichen Seite
Ursprung als vorderer Ast des Spinalnervs C5 beschrieben, Anteile aus C4 und C6 ergänztDie Formulierung „entspringt dem Rückenmarkssegment C5“ verwechselt Segment und WurzelastAbschnitt 1 der ursprünglichen Seite
Widerspruch zur Sensibilität aufgelöst: keine Hautäste, Schmerz über Nervi nervorum, myofasziale Quellen und Zug an thorakalen HautästenDie ursprüngliche Seite schloss sensible Fasern aus und nannte zugleich MissempfindungenAbschnitte 1 und 7 der ursprünglichen Seite
Geteilte Versorgung des M. levator scapulae aufgenommen, Kennmuskel benanntÄste aus C3 und C4 treten hinzu; der große Rautenmuskel ist deshalb der aussagekräftigere UntersuchungsmuskelAbschnitt 2 der ursprünglichen Seite
Zuordnung zum Sklerotom C5 gestrichenFür diese Zuordnung nennt die ursprüngliche Seite keine QuelleAbschnitt 5 der ursprünglichen Seite
Zonenmodelle auf den belegten Kern zurückgeführtDie Modelle setzen viszerale Afferenzen voraus, und der Nerv führt keineAbschnitte 8 und 10 der ursprünglichen Seite
Drehrichtung der Rautenmuskeln berichtigtSie drehen die Gelenkpfanne nach unten; die Aufwärtsdrehung leisten Kapuzen- und vorderer SägemuskelAbschnitt 2 der ursprünglichen Seite
Kapitel zu Engstellen, Scapula alata, apparativer Diagnostik, Differenzialdiagnosen und Behandlungswegen neuDer klinische Schwerpunkt dieses Nervs liegt in Einengung und Rautenmuskellähmung; beides fehlte vollständigin der ursprünglichen Seite nicht enthalten
Tabelle 25: Änderungen der Fassungen bis V 0.5 gegenüber der ursprünglichen Seite.

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Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Messtabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. In Tabellen mit eigener Kennzeichenspalte gilt das Kennzeichen für die ganze Zeile. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung oder zum Vorgehen, keine Sachaussage.

Ausgenommen sind die Kurzfassung am Seitenanfang und die Häufigen Fragen. Sie fassen Aussagen des Textes zusammen und tragen deshalb kein eigenes Kennzeichen; die Belege stehen an der jeweiligen Stelle im Text.

V 1.3 · Quellen geprüft am 8. Oktober 2026