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Nervus genitofemoralis

Der Nervus genitofemoralis (Genital-Oberschenkel-Nerv) ist ein Ast des Lendengeflechts aus L1 und L2. [B] Er durchbohrt den M. psoas major, läuft auf dessen Vorderfläche nach unten und teilt sich in einen Genitalast, der durch den Leistenkanal zum M. cremaster und zur Haut von Hodensack oder großer Schamlippe zieht, und einen Oberschenkelast für die Haut unterhalb der Leistenbeuge. [B]

Er ist der einzige Nerv dieser Gruppe mit einem eigenen Reflex: Der Kremasterreflex hebt den Hoden beim Bestreichen der Oberschenkel-Innenseite an und prüft L1 und L2. [B] Seine Segmente liegen zudem in der gemessenen Verteilung der Segmentzeichen bei Nierenerkrankungen (Th6 bis L2), sodass Schmerz aus Niere und Harnleiter in sein Gebiet übertragen werden kann. [B]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv entspringt aus L1 und L2 und durchbohrt den M. psoas major. [B]
  • Der Genitalast versorgt den M. cremaster und die Haut von Hodensack oder großer Schamlippe, der Oberschenkelast die Haut unterhalb der Leistenbeuge. [B]
  • In einer Sezierreihe dominierte der N. genitofemoralis bei 43,7 % der Körperhälften das Gebiet von Hodensack oder Schamlippe und vorderer Innenseite des Oberschenkels; der N. ilioinguinalis trug dort nichts bei. [B]
  • Der Kremasterreflex prüft L1 und L2. [B]
  • Schmerz aus Niere und Harnleiter kann in Leiste und Hodensack übertragen werden; Segmentzeichen bei Nierenerkrankungen reichten von Th6 bis L2. [B]

Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 13. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Fasern ausL1 und L2[B]
AbgangLendengeflecht; Durchtritt durch den M. psoas major[B]
Faserartbewegend (M. cremaster) und empfindend[B]
ÄsteGenitalast durch den Leistenkanal; Oberschenkelast unter dem Leistenband[B]
HautHodensack oder große Schamlippe; Haut unterhalb der Leistenbeuge über dem Oberschenkeldreieck[B]
ReflexKremasterreflex (L1 bis L2)[B]
Wichtigste AbgrenzungenLeistenschmerz nach Bruchoperation, N. ilioinguinalis, Harnleiter und Hoden, N. cutaneus femoris lateralis (Kapitel 9 bis 13)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus genitofemoralis. Reihenfolge: von der Herkunft zum klinischen Bild.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus; Rab et al. 2001.

2. Verlauf in Kürze

  1. Durch den M. psoas major: Der Nerv entsteht in der Tiefe des Muskels und tritt auf dessen Vorderfläche aus. [B]
  2. Auf dem M. psoas major: Er läuft hinter dem Bauchfell nach unten, gekreuzt vom Harnleiter. [B]
  3. Oberhalb des Leistenbands: Teilung in Genitalast und Oberschenkelast. [B]
  4. Genitalast: Er tritt durch den inneren Leistenring in den Leistenkanal, versorgt den M. cremaster und die Haut von Hodensack oder großer Schamlippe. [B]
  5. Oberschenkelast: Er zieht neben der Oberschenkelarterie unter dem Leistenband hindurch zur Haut. [B]

Die Nähe zum Harnleiter auf dem M. psoas major erklärt, warum Harnleitersteine und Eingriffe hinter dem Bauchfell diesen Nerv reizen können. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

3. Versorgungsgebiet

GebietÜber welchen AstKennzeichen
M. cremasterGenitalast[B]
Haut von Hodensack oder großer SchamlippeGenitalast[B]
Haut unterhalb der Leistenbeuge über dem OberschenkeldreieckOberschenkelast[B]
Tabelle 2: Versorgungsgebiet. Reihenfolge von proximal nach distal.

Das Hautgebiet überlappt stark mit dem N. ilioinguinalis; welcher der beiden dominiert, wechselt von Mensch zu Mensch (Kapitel 20). [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Rab et al. 2001.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

OrtAnlassKennzeichen
M. psoas major und hintere BauchwandEingriffe hinter dem Bauchfell, Blutung in den Psoas, Harnleitersteine in der Nachbarschaft[I]
Leistenkanaloffene Leistenbruch-Operation, Netz[B]
Unter dem LeistenbandLeistenpunktion und Katheter über die Oberschenkelgefäße[I]
Tabelle 3: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge von proximal nach distal.

4.1 Häufigkeiten

ArbeitUmfangBefund
Rab et al. 200164 Körperhälften von 32 LeichenDominanz des N. genitofemoralis in Hodensack oder Schamlippe und vorderer Oberschenkel-Innenseite bei 43,7 %; beidseits gleiches Muster nur bei 40,6 %
Alfieri et al. 2006973 offene NetzoperationenLeistenschmerz bei 9,7 % nach 6 Monaten, bei 4,1 % nach einem Jahr; Risiko steigend mit der Zahl nicht erkannter oder durchtrennter Nerven, den Genitalast eingeschlossen
HerniaSurge Group 2018internationale Leitliniechronischer Leistenschmerz nach Bruchoperation bei 10 bis 12 %
Tabelle 4: Häufigkeiten. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].

Herkunft: Rab et al. 2001; Alfieri et al. 2006; HerniaSurge Group 2018.

5. Beschwerdebild

ZeichenBeschreibungKennzeichen
Brennender Schmerz in Leiste, Hodensack oder Schamlippeoft verstärkt beim Gehen, Strecken der Hüfte oder Sitzen[I]
Taubheit unterhalb der LeistenbeugeGebiet des Oberschenkelasts[B]
Fehlender Kremasterreflex auf einer SeiteHinweis auf einen Schaden des Genitalasts oder von L1 und L2[B]
Tabelle 5: Zeichen einer Schädigung. Reihenfolge: Schmerz, Gefühl, Kraft.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

6. Untersuchung

  • Kremasterreflex im Seitenvergleich: Bestreichen der Oberschenkel-Innenseite; der Hoden derselben Seite hebt sich. [B]
  • Gefühl in Hodensack oder Schamlippe und unterhalb der Leistenbeuge: im Seitenvergleich. [I]
  • Hoden tasten: Schwellung oder Druckschmerz weist auf den Hoden selbst. [I]
  • Harnleiterstein erfragen: kolikartiger Flankenschmerz, Blut im Urin. [I]

Herkunft: Bähr und Frotscher, Duus; übrige Punkte aus der Anatomie abgeleitet.

7. Apparative Diagnostik

Ultraschallgeführte Betäubungen einzelner Nerven werden zur Zuordnung eingesetzt; die Leitlinie bewertet ihren Nutzen als schwach belegt. [B] Der Oberschenkelast und der Genitalast sind mit Betäubung schwer getrennt zu erfassen, weil der Genitalast tief im Leistenkanal liegt. [I]

Herkunft: HerniaSurge Group 2018.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Achtung: Hoden, Bruch und Harnwege zuerst ausschließen

Plötzlicher starker Hodenschmerz kann eine Hodendrehung sein; ein fehlender Kremasterreflex ist dabei ein Warnhinweis. [I] Eine schmerzhafte, nicht zurückschiebbare Vorwölbung in der Leiste kann ein eingeklemmter Bruch sein. [I] Beides gehört ohne Aufschub ärztlich abgeklärt, ebenso Flankenschmerz mit Fieber oder Blut im Urin.

  1. Leistenschmerz nach einer Leistenbruch-Operation? Das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Schmerz in Hodensack oder Schamlippe? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Schmerz mit Flankenschmerz oder Blut im Urin? Das führt zu Kapitel 11. [I]
  4. Taubheit unterhalb der Leistenbeuge oder am Oberschenkel? Das führt zu Kapitel 12. [I]

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: HerniaSurge Group 2018. Die Leitfragen sind aus den Kapiteln 3 bis 7 abgeleitet.

9. Differenzialdiagnostik: Leistenschmerz nach Bruchoperation

NervHautgebietHinweisKennzeichen
N. iliohypogastricusHaut oberhalb von Leiste und Schambein; seitlicher Ast über dem BeckenkammSchmerz oberhalb des Leistenbands[B]
N. ilioinguinalisLeiste, Wurzel von Penis oder Schamlippe, vorderer Hodensack, obere Innenseite des OberschenkelsSchmerz entlang des Leistenkanals[B]
N. genitofemoralisHodensack oder große Schamlippe (Genitalast); Haut unterhalb des Leistenbands (Oberschenkelast)Schmerz in Hodensack oder Schamlippe, Kremasterreflex[B]
Tabelle 6: Die drei Leistennerven und ihre Hautgebiete. Reihenfolge von oben nach unten.

Die Hautgebiete der drei Nerven überlappen, und ihre Äste sind häufig verbunden. [B] Eine sichere Zuordnung des Schmerzes zu einem einzelnen Nerv gelingt deshalb klinisch oft nicht. [I] Die Leitlinie empfiehlt deshalb bei der Operation, alle drei Nerven zu erkennen. [B]

Der Genitalast liegt im Leistenkanal am Samenstrang und kann bei der offenen Netzoperation verletzt oder eingeengt werden. [B] Die Leitlinien empfehlen, alle drei Leistennerven zu erkennen; bei anhaltendem Schmerz nennen sie in ausgewählten Fällen die Entfernung aller drei. [B]

Herkunft: Alfieri et al. 2006 und 2011; HerniaSurge Group 2018.

10. Differenzialdiagnostik: Schmerz in Hodensack oder Schamlippe

UrsacheHinweisKennzeichen
Genitalast des N. genitofemoralisHodensack oder große Schamlippe, Kremasterreflex kann fehlen[B]
N. ilioinguinalisvorderer Hodensack oder vordere Schamlippe, dazu Leiste und obere Innenseite des Oberschenkels[B]
N. pudendushinterer Hodensack oder hintere Schamlippe, Damm; Schmerz im Sitzen[B]
Hoden und NebenhodenSchwellung, Druckschmerz, bei Hodendrehung plötzlicher Beginn[I]
Tabelle 7: Schmerz in Hodensack oder Schamlippe. Reihenfolge: erst die Nerven von vorn nach hinten, dann das Organ.

Welcher Nerv das Gebiet dominiert, wechselt: In der Sezierreihe trug der N. ilioinguinalis bei 43,7 % der Körperhälften nichts zur Haut von Hodensack oder Schamlippe bei. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Rab et al. 2001.

11. Differenzialdiagnostik: Übertragener Schmerz aus Niere und Harnleiter

Schmerz aus Harnleiter und Niere wird häufig in Leiste, Hodensack oder Schamlippe übertragen. [I] In einer Beobachtungsstudie reichten die Segmentzeichen bei Nierenerkrankungen von Th6 bis L2 und schlossen damit die Segmente dieses Nervs ein. [B] Kolikartiger Verlauf, Flankenschmerz und Blut im Urin sprechen für den Harnleiter, eine streifenförmige Taubheit ohne Kolik eher für den Nerv. [I]

Herkunft: Shaballout et al. 2021.

12. Differenzialdiagnostik: Taubheit unterhalb der Leistenbeuge oder am Oberschenkel

  • Oberschenkelast des N. genitofemoralis: kleines Feld unterhalb der Leistenbeuge über dem Oberschenkeldreieck. [B]
  • N. cutaneus femoris lateralis: Außenseite des Oberschenkels; siehe Nervus cutaneus femoris lateralis. [B]
  • N. femoralis: Vorder- und Innenseite des Oberschenkels, dazu Schwäche der Kniestreckung; siehe Nervus femoralis. [B]
  • N. obturatorius: Innenseite des Oberschenkels, dazu Schwäche der Adduktoren; siehe Nervus obturatorius. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

13. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht

  • Schmerz am hinteren Hodensack oder am Damm im Sitzen: spricht für den N. pudendus. [B]
  • Schwäche der Kniestreckung oder Hüftbeugung: spricht für N. femoralis oder Wurzeln L2 bis L4. [B]
  • Kolikartiger Flankenschmerz mit Blut im Urin: spricht für den Harnleiter. [I]
  • Hodenschwellung mit Druckschmerz: spricht für den Hoden selbst. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

Teil D · Verlauf und Behandlung

14. Verlauf und Aussichten

Leistenschmerz nach Bruchoperation nahm in der Multicenterstudie von 9,7 % nach 6 Monaten auf 4,1 % nach einem Jahr ab; die Studie wertete die drei Leistennerven gemeinsam aus. [B]

Herkunft: Alfieri et al. 2006.

15. Beschriebene Behandlungswege

Beschrieben sind das Erkennen der Nerven bei der Operation und bei anhaltendem Schmerz nach Bruchoperation in ausgewählten Fällen die Entfernung aller drei Leistennerven, frühestens nach einem Jahr. [B] Diese Seite gibt keine Therapieempfehlung.

Herkunft: HerniaSurge Group 2018; Alfieri et al. 2011.

16. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ohne Aufschub ärztlich abgeklärt

  • Plötzlicher starker Hodenschmerz, besonders mit fehlendem Kremasterreflex. [I]
  • Schmerzhafte, nicht zurückschiebbare Vorwölbung in der Leiste. [I]
  • Flankenschmerz mit Fieber oder Blut im Urin. [I]
  • Schwäche oder Gefühlsstörung an beiden Beinen, Störung von Blase oder Darm: Hinweis auf ein Kaudasyndrom. [B]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017.

17. Häufige Fragen

Was ist der Kremasterreflex?

Beim Bestreichen der Innenseite des Oberschenkels hebt sich der Hoden derselben Seite; der Reflex läuft über den N. genitofemoralis und die Segmente L1 und L2. [B]

Kann ein Nierenstein wie ein Leistennerv schmerzen?

Ja; Harnleiterschmerz wird häufig in Leiste und Hodensack übertragen, weil er über dieselben Segmente läuft. [I] Kolikartiger Verlauf und Blut im Urin sprechen für den Stein. [I]

Herkunft: Bähr und Frotscher, Duus; Shaballout et al. 2021.

Teil E · Anatomische Einzelheiten

18. Ursprung und Stellung

Der N. genitofemoralis entspringt aus L1 und L2 und ist der einzige Ast des Lendengeflechts, der den M. psoas major durchbohrt. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

19. Genitalast und Leistenkanal

Der Genitalast tritt durch den inneren Leistenring und liegt im Leistenkanal hinter oder am Samenstrang, tiefer als der N. ilioinguinalis. [B] Er ist deshalb bei der offenen Operation schwerer zu sehen als der N. ilioinguinalis. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

20. Abweichungen vom Regelbau

MusterBeschreibungAnteil
Typ ADominanz des N. genitofemoralis in Hodensack oder Schamlippe und vorderer Oberschenkel-Innenseite; kein Beitrag des N. ilioinguinalis43,7 %
Typ BDominanz des N. ilioinguinalisin der Zusammenfassung nicht angegeben
Typ CN. ilioinguinalis teilt einen Ast mit dem N. iliohypogastricus20,3 %
Typ DHautäste aus beiden Nerven; N. ilioinguinalis auch für Schamhügel und vordere Wurzel von Penis oder Schamlippe7,8 %
Tabelle 8: Muster der Hautversorgung in der Leistenregion in einer Sezierreihe an 64 Körperhälften. Reihenfolge wie in der Quelle. Alle Angaben belegt [B].

Aus den drei angegebenen Anteilen ergibt sich für Typ B rechnerisch 28,2 %; die Quelle nennt diesen Wert in der Zusammenfassung nicht. [I] Nur bei 40,6 % der Leichen war das Muster auf beiden Seiten gleich. [B]

Herkunft: Rab et al. 2001.

21. Was dieser Nerv nicht führt

  • Keine Fasern für den hinteren Hodensack oder die hintere Schamlippe. Sie gehören zum N. pudendus. [B]
  • Keine Fasern für die Hüftbeuger oder die Kniestrecker. [B]
  • Keine parasympathischen Fasern. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

22. Reflexzonenmodelle

Die drei folgenden Modelle wurden zwischen 1893 und 1953 veröffentlicht. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.

ModellGrundgedanke und VoraussetzungBezug zu diesem NervKennzeichen
Head-Zonenüberempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleitenkeine Zone; der Nerv führt keine viszeralen Afferenzen [I][H]
Mackenzie-Zonentastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur vorauskeine Zone; dieselbe Voraussetzung fehlt [I][H]
Bindegewebszonen nach Dickeveränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug vorausnicht begründbar, weil der Organbezug fehlt [I][H]
Tabelle 9: Geschichtliche Reflexzonenmodelle und ihr Bezug zu diesem Nerv. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

Der Nerv führt empfindende Fasern aus Haut, Muskeln und Gelenken, aber keine aus inneren Organen; die Organfasern erreichen das Segment über den Grenzstrang und die hinteren Wurzeln, nicht über diesen Nerv. [B] Damit fehlt ihm selbst die Voraussetzung der Modelle. [I]

22.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern

L1 und L2 gehören noch zum Nucleus intermediolateralis von Th1 bis etwa L2. [B] Der N. genitofemoralis selbst führt nur nachgeschaltete sympathische Fasern für Gefäße und Schweißdrüsen seines Hautgebiets. [B]

22.2 Kremasterreflex und übertragener Schmerz

Der Kremasterreflex ist ein Fremdreflex der Segmente L1 und L2: Der Reiz läuft über Hautfasern der Oberschenkel-Innenseite ein, die Antwort über den Genitalast zum M. cremaster. [B] Ein einseitiger Ausfall weist auf einen Schaden von Genitalast, Wurzeln L1 und L2 oder Rückenmark. [B] Über dieselben Segmente wird Schmerz aus Niere und Harnleiter in Leiste und Hodensack übertragen; die gemessenen Segmentzeichen bei Nierenerkrankungen reichten bis L2. [B]

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb 1909 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik; Standring, Gray’s Anatomy; Shaballout et al. 2021 zu den Segmentzeichen bei Nierenerkrankungen.

Teil F · Anhang

23. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
Chronischer Leistenschmerz nach Operationstörender, mindestens mittelstarker Schmerz, der Alltagstätigkeiten beeinträchtigt und mindestens drei Monate besteht
KaudasyndromDruck auf die Nervenwurzeln unterhalb des Rückenmarks mit Störung von Blase, Darm und Beinen
KremasterreflexAnheben des Hodens beim Bestreichen der Oberschenkel-Innenseite; Fremdreflex L1/L2
M. cremasterHodenheber; Muskelfasern am Samenstrang
Nucleus intermediolateralisZellsäule der vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen von Th1 bis etwa L2
OberschenkeldreieckDreieck unterhalb des Leistenbands mit Oberschenkelarterie, -vene und N. femoralis
SegmentzeichenVeränderungen in Haut oder Muskeln des Segments, das Fasern aus einem erkrankten Organ empfängt
Tabelle 10: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

24. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Herkunftszeilen, die nur Standardwerke nennen, geben den Lehrbuchstand wieder. Die Fundstellen in diesen Werken sind noch nicht mit Seitenzahl geprüft; das steht unter „Offene Punkte“ in Kapitel 25.4.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

25. Grundlage und Quellen

25.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

25.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1Rab M, Ebmer J, Dellon AL. Anatomic variability of the ilioinguinal and genitofemoral nerve: implications for the treatment of groin pain. Plast Reconstr Surg 2001;108(6):1618–1623Sezierreihe, 64 Körperhälften von 32 LeichenLeitquelle Anatomie
2Alfieri S, Rotondi F, Di Giorgio A, Fumagalli U, Salzano A, Di Miceli D, Ridolfini MP, Sgagari A, Doglietto G; Groin Pain Trial Group. Influence of preservation versus division of ilioinguinal, iliohypogastric, and genital nerves during open mesh herniorrhaphy: prospective multicentric study of chronic pain. Ann Surg 2006;243(4):553–558vorausschauende Multicenterstudie, 973 Operationen
3Alfieri S, Amid PK, Campanelli G, et al. International guidelines for prevention and management of post-operative chronic pain following inguinal hernia surgery. Hernia 2011;15(3):239–249Konsensleitlinie
4Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, 2017. AWMF nvl-007Leitlinielaut Register abgelaufen; nur für die Warnhinweise
5HerniaSurge Group. International guidelines for groin hernia management. Hernia 2018;22(1):1–165internationale LeitlinieLeitquelle Leistenschmerz
6Shaballout N, Aloumar A, Manuel J, May M, Beissner F. Lateralization and bodily patterns of segmental signs and spontaneous pain in acute visceral disease: observational study. J Med Internet Res 2021;23(8):e27247Beobachtungsstudie, 208 Patienten, davon 110 mit Erkrankung eines OrgansGrundlage 22.6
7Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
8Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
9Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; Teil II Brain 1894;17:339–480; Teil III Brain 1896;19:153–276geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
10Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw and Sons; 1909geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
11Dicke E. Meine Bindegewebsmassage. Stuttgart: Hippokrates; 1953geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
Tabelle 11: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

25.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen.

25.4 Offene Punkte

  • Die Aussagen, die auf den Standardwerken beruhen, sind noch nicht mit Auflage und Seitenzahl geprüft.
  • Keine Fundstelle ist unvollständig; offen bleiben nur die Standardwerke.
  • Die Seite enthält keine Abbildung.

Grenzen der Literatur (Stand der Recherche: 21. September 2026). Studien, die Leistenschmerz dem N. genitofemoralis allein zuordnen, fehlen. Die Sezierreihe nennt in der Zusammenfassung nicht alle Anteile.

25.5 Neue Seite

Diese Seite ist neu angelegt; eine Vorfassung gibt es nicht. Sie ergänzt die Reihe der Lendennerven.

25.6 Änderungsvermerk

Geändert: Seite neu geschrieben nach den gemeinsamen Bausteinen der Nervenseiten. Warum: Ergänzung des Lendengeflechts. Ersetzt: keine Fassung.

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V 1.0 · Stand: 21. September 2026 · Quellen geprüft am 21. September 2026