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Nervus iliohypogastricus

Der Nervus iliohypogastricus (Darmbein-Unterbauch-Nerv) ist der oberste Ast des Lendengeflechts. [B] Er führt Fasern aus L1, häufig mit Anteil aus Th12, zieht hinter der Niere und über dem M. quadratus lumborum nach außen und versorgt die unteren Bauchmuskeln, die Haut oberhalb von Leiste und Schambein und mit seinem seitlichen Ast die Haut über dem Beckenkamm. [B]

Klinisch ist er vor allem bei Unterbauch- und Leistenschnitten gefährdet: Nach einem Querschnitt oberhalb des Schambeins hatte in einer großen Befragung ein Drittel der Frauen chronischen Schmerz, und bei mehr als der Hälfte der untersuchten Frauen mit mittlerem bis starkem Schmerz lag eine Nerveneinklemmung vor. [B] Er schließt nach unten an den N. subcostalis aus Th12 an.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv entspringt überwiegend aus L1 und Th12; sein Ursprung wechselt stark. [B]
  • Nach einem Pfannenstiel-Schnitt hatte ein Drittel von 690 Frauen chronischen Schmerz an der Narbe; bei 17 von 32 untersuchten Frauen mit mittlerem bis starkem Schmerz lag eine Nerveneinklemmung vor. [B]
  • Chronischer Leistenschmerz nach Leistenbruch-Operation tritt bei 10 bis 12 % auf; die Leitlinie empfiehlt, alle drei Leistennerven zu erkennen. [B]
  • Der seitliche Ast versorgt die Haut über dem Beckenkamm; Schmerz dort ist gegen den N. subcostalis und die oberen Gesäßnerven abzugrenzen. [B]
  • Einen Reflex, der diesen Nerv allein prüft, gibt es nicht. [B]

Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 13. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Fasern ausL1, häufig mit Th12; in einer Sezierreihe auch Th11 bis Th12[B]
Abgangoberster Ast des Lendengeflechts, am Außenrand des M. psoas major[B]
Faserartbewegend und empfindend[B]
Muskelnuntere Anteile des inneren schrägen und des queren Bauchmuskels[B]
Hautoberhalb von Leiste und Schambein; seitlicher Ast über dem Beckenkamm[B]
Wichtigste AbgrenzungenSchmerz nach Unterbauchschnitt, Leistenschmerz nach Bruchoperation, Einklemmung vorderer Hautäste, N. subcostalis (Kapitel 9 bis 13)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus iliohypogastricus. Reihenfolge: von der Herkunft zum klinischen Bild.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Klaassen et al. 2011. Die Abgrenzungen sind aus den Kapiteln 9 bis 13 abgeleitet.

2. Verlauf in Kürze

  1. Am M. psoas major: Austritt am Außenrand des Muskels, oft gemeinsam mit dem N. ilioinguinalis. [B]
  2. Hinter der Niere: Er läuft über den M. quadratus lumborum nach außen unten. [B]
  3. Oberhalb des Beckenkamms: Er durchbricht den queren Bauchmuskel und gibt den seitlichen Hautast über den Beckenkamm ab. [B]
  4. Zwischen den Bauchmuskeln: Er zieht zwischen innerem schrägem und querem Bauchmuskel nach vorn. [B]
  5. Oberhalb der Leiste: Der vordere Hautast durchbricht die Sehnenplatte des äußeren schrägen Bauchmuskels oberhalb des äußeren Leistenrings. [B]

In einer Sezierreihe an 200 Nerven trat er im Mittel 2,8 cm innen und 1,4 cm unterhalb des vorderen oberen Darmbeinstachels in die Bauchwand ein und endete 4 cm neben der Mittellinie. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Klaassen et al. 2011.

3. Versorgungsgebiet

GebietÜber welchen AstKennzeichen
Unterer innerer schräger und querer BauchmuskelMuskeläste[B]
Haut über dem Beckenkamm und der seitlichen Hüfteseitlicher Hautast[B]
Haut oberhalb von Leiste und Schambeinvorderer Hautast[B]
Tabelle 2: Versorgungsgebiet. Reihenfolge von proximal nach distal.

Die Hautgebiete überlappen mit denen des N. subcostalis und des N. ilioinguinalis. [B] Einen Reflex, der diesen Nerv allein prüft, gibt es nicht. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

OrtAnlassKennzeichen
Hinter der NiereNierenoperation, Flankenschnitt[I]
Oberhalb des BeckenkammsZugang zum Beckenkamm, Knochenentnahme[I]
UnterbauchQuerschnitt oberhalb des Schambeins (Pfannenstiel), Leistenbruch-Operation, Einstichstellen bei Bauchspiegelung[B]
Tabelle 3: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge von proximal nach distal.

4.1 Häufigkeiten

ArbeitUmfangBefund
Loos et al. 2008690 Frauen nach Pfannenstiel-Schnitt, Nachbeobachtung 2 Jahrechronischer Schmerz an der Narbe bei 223 (etwa ein Drittel); mittlerer bis starker Schmerz bei 7 %; Einschränkung im Alltag bei 8,9 %; Nerveneinklemmung bei 17 von 32 untersuchten Frauen mit mittlerem bis starkem Schmerz
HerniaSurge Group 2018internationale Leitliniechronischer Leistenschmerz nach Bruchoperation bei 10 bis 12 %, stark beeinträchtigend bei 0,5 bis 6 %
Tabelle 4: Häufigkeiten. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].

Herkunft: Loos et al. 2008 (Obstet Gynecol); HerniaSurge Group 2018.

5. Beschwerdebild

ZeichenBeschreibungKennzeichen
Brennender oder stechender Schmerzam Ende einer Unterbauchnarbe oder oberhalb der Leiste, oft beim Gehen oder Strecken verstärkt[B]
Taubheitoberhalb von Leiste und Schambein oder über dem Beckenkamm[B]
Schwäche der unteren Bauchwandselten bemerkbar[I]
Tabelle 5: Zeichen einer Schädigung. Reihenfolge: Schmerz, Gefühl, Kraft.

Herkunft: Loos et al. 2008 (Obstet Gynecol); Standring, Gray’s Anatomy.

6. Untersuchung

  • Schmerzpunkt am Narbenende tasten: ein umschriebener Punkt mit ausstrahlendem Schmerz spricht für eine Nerveneinklemmung. [B]
  • Gefühl oberhalb von Leiste und Schambein und über dem Beckenkamm: im Seitenvergleich. [I]
  • Carnett-Zeichen: Zunahme beim Anspannen der Bauchmuskeln spricht für die Bauchwand. [B]
  • Leistenbruch ausschließen: Vorwölbung beim Husten oder Pressen. [I]

Herkunft: Loos et al. 2008 (Obstet Gynecol); Scheltinga und Roumen 2018.

7. Apparative Diagnostik

Eine örtliche Betäubung am Schmerzpunkt kann die Nerveneinklemmung bestätigen. [B] Ultraschallgeführte Betäubungen einzelner Nerven werden zur Zuordnung eingesetzt; die Leitlinie bewertet ihren Nutzen als schwach belegt. [B]

Herkunft: Loos et al. 2008 (Ann Surg); HerniaSurge Group 2018.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Achtung: Organe und Bruch zuerst ausschließen

Schmerz im Unterbauch und oberhalb der Leiste kann von Blinddarm, Harnleiter, Eierstock oder einem eingeklemmten Bruch stammen. [I] Akuter Schmerz mit Fieber, Erbrechen, einer schmerzhaften nicht zurückschiebbaren Vorwölbung oder Blut im Urin gehört ohne Aufschub ärztlich abgeklärt.

  1. Schmerz nach einem Querschnitt oberhalb des Schambeins? Das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Leistenschmerz nach einer Leistenbruch-Operation? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Schmerz oberhalb der Leiste ohne Operation? Das führt zu Kapitel 11. [I]
  4. Schmerz oder Taubheit über dem Beckenkamm? Das führt zu Kapitel 12. [I]

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: HerniaSurge Group 2018. Die Leitfragen sind aus den Kapiteln 3 bis 7 abgeleitet.

9. Differenzialdiagnostik: Schmerz nach Unterbauchschnitt

Nach Pfannenstiel-Schnitten für Kaiserschnitt oder Gebärmutterentfernung berichtete ein Drittel von 690 Frauen nach zwei Jahren über Schmerz an der Narbe; Vorhersagefaktoren waren Taubheit, wiederholte Operation über denselben Schnitt und Notkaiserschnitt. [B] Bei 17 von 32 untersuchten Frauen mit mittlerem bis starkem Schmerz lag eine Einklemmung des N. iliohypogastricus oder des N. ilioinguinalis vor. [B]

Abzugrenzen sind ein Narbenbruch, eine Endometriose in der Narbe und Schmerz aus den Beckenorganen. [I]

Herkunft: Loos et al. 2008 (Obstet Gynecol).

10. Differenzialdiagnostik: Leistenschmerz nach Bruchoperation

NervHautgebietHinweisKennzeichen
N. iliohypogastricusHaut oberhalb von Leiste und Schambein; seitlicher Ast über dem BeckenkammSchmerz oberhalb des Leistenbands[B]
N. ilioinguinalisLeiste, Wurzel von Penis oder Schamlippe, vorderer Hodensack, obere Innenseite des OberschenkelsSchmerz entlang des Leistenkanals[B]
N. genitofemoralisHodensack oder große Schamlippe (Genitalast); Haut unterhalb des Leistenbands (Oberschenkelast)Schmerz in Hodensack oder Schamlippe, Kremasterreflex[B]
Tabelle 6: Die drei Leistennerven und ihre Hautgebiete. Reihenfolge von oben nach unten.

Die Hautgebiete der drei Nerven überlappen, und ihre Äste sind häufig verbunden. [B] Eine sichere Zuordnung des Schmerzes zu einem einzelnen Nerv gelingt deshalb klinisch oft nicht. [I] Die Leitlinie empfiehlt deshalb bei der Operation, alle drei Nerven zu erkennen. [B]

Herkunft: HerniaSurge Group 2018; Alfieri et al. 2011; Standring, Gray’s Anatomy.

11. Differenzialdiagnostik: Schmerz oberhalb der Leiste ohne Operation

  • Einklemmung vorderer Hautäste von Th10 bis Th12: umschriebener Punkt am Rand des geraden Bauchmuskels, Carnett-Zeichen positiv; siehe Nervus thoracicus Th11. [B]
  • Wurzel L1 oder Th12: gürtelförmiger Schmerz vom Rücken nach vorn. [I]
  • Niere und Harnleiter: kolikartiger Flankenschmerz mit Ausstrahlung in die Leiste. [I]
  • Leistenbruch: Vorwölbung beim Husten oder Pressen. [I]

Herkunft: Scheltinga und Roumen 2018.

12. Differenzialdiagnostik: Schmerz oder Taubheit über dem Beckenkamm

  • Seitlicher Ast des N. iliohypogastricus: Haut über dem vorderen Beckenkamm. [B]
  • Seitlicher Ast des N. subcostalis: Haut etwas weiter vorn und oben; siehe Nervus thoracicus Th12. [B]
  • Obere Gesäßnerven (Nn. clunium superiores): Haut über dem hinteren Beckenkamm und dem oberen Gesäß, aus den hinteren Ästen von L1 bis L3. [B]
  • N. cutaneus femoris lateralis: Haut an der Außenseite des Oberschenkels, unterhalb des Beckenkamms. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

13. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht

  • Schmerz in Hodensack oder Schamlippe: spricht eher für N. ilioinguinalis oder N. genitofemoralis. [B]
  • Taubheit an der Außenseite des Oberschenkels: spricht für den N. cutaneus femoris lateralis. [B]
  • Schwäche der Hüftbeugung oder Kniestreckung: spricht für Wurzeln L2 bis L4 oder N. femoralis. [I]
  • Fieber, Erbrechen oder Blut im Urin: spricht für ein Organ. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

Teil D · Verlauf und Behandlung

14. Verlauf und Aussichten

Nach Pfannenstiel-Schnitt blieb der Schmerz in der Befragung bei einem Drittel über zwei Jahre bestehen. [B] Chronischer Leistenschmerz nach Bruchoperation nimmt nach der Leitlinie mit der Zeit ab. [B]

Herkunft: Loos et al. 2008 (Obstet Gynecol); HerniaSurge Group 2018.

15. Beschriebene Behandlungswege

Beschrieben sind ein gestuftes Vorgehen mit Einspritzungen am Schmerzpunkt und bei Versagen die Entfernung des betroffenen Nervenabschnitts. [B] Die Leitlinien raten, vor einer Nervenoperation nach Bruchoperation mindestens ein Jahr abzuwarten, und empfehlen keine geplante vorbeugende Durchtrennung. [B] Diese Seite gibt keine Therapieempfehlung.

Herkunft: Loos et al. 2008 (Ann Surg); Alfieri et al. 2011; HerniaSurge Group 2018.

16. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ohne Aufschub ärztlich abgeklärt

  • Schmerzhafte, nicht zurückschiebbare Vorwölbung in der Leiste. [I]
  • Unterbauchschmerz mit Fieber, Erbrechen oder Blut im Urin. [I]
  • Schwäche oder Gefühlsstörung an beiden Beinen, Störung von Blase oder Darm: Hinweis auf ein Kaudasyndrom. [B]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017.

17. Häufige Fragen

Kann eine Kaiserschnittnarbe noch Jahre später schmerzen?

Ja. In einer Befragung hatte ein Drittel der Frauen zwei Jahre nach einem Pfannenstiel-Schnitt Schmerz an der Narbe; bei mittlerem bis starkem Schmerz lag oft eine Nerveneinklemmung vor. [B]

Welcher Nerv ist nach einer Leistenbruch-Operation betroffen?

Das lässt sich oft nicht sicher sagen, weil sich die Gebiete der drei Leistennerven überlappen. [I]

Herkunft: Loos et al. 2008 (Obstet Gynecol); HerniaSurge Group 2018.

Teil E · Anatomische Einzelheiten

18. Ursprung und Stellung

Der N. iliohypogastricus ist der oberste Ast des Lendengeflechts und entspringt am häufigsten aus L1 mit Anteil aus Th12. [B] Er ist oft über eine Strecke mit dem N. ilioinguinalis vereint. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Klaassen et al. 2011.

19. Der Eintritt in die Bauchwand

Der Nerv tritt im Mittel 2,8 cm innen und 1,4 cm unterhalb des vorderen oberen Darmbeinstachels in die Bauchwand ein; der N. ilioinguinalis tritt 2,8 cm innen und 4 cm unterhalb ein. [B] In dieser Gegend liegen Einstichstellen der Bauchspiegelung und die Enden von Unterbauchschnitten. [I]

Herkunft: Klaassen et al. 2011.

20. Abweichungen vom Regelbau

UrsprungSeitenAnteil
Th12 allein14 von 2007 %
Th12 und L128 von 20014 %
L1 allein20 von 20010 %
Th11 und Th1212 von 2006 %
Tabelle 7: Ursprung des N. iliohypogastricus in einer Sezierreihe an 200 Nerven. Reihenfolge wie in der Quelle. Die übrigen Anteile gibt die Zusammenfassung nicht an. Alle Angaben belegt [B].

Die Zusammenfassung der Sezierreihe nennt nur 74 der 200 Nerven einzeln; die Herkunft der übrigen ist dort nicht angegeben. [B] Der Ursprung wechselt damit stärker, als das Lehrbuch mit „L1“ nahelegt. [I]

Herkunft: Klaassen et al. 2011; Standring, Gray’s Anatomy.

21. Was dieser Nerv nicht führt

  • Keine Fasern für Hoden oder Schamlippe. Sie gehören zu N. ilioinguinalis und N. genitofemoralis. [B]
  • Keine Fasern für die Hüftbeuger. [B]
  • Keinen eigenen Reflex. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

22. Reflexzonenmodelle

Die drei folgenden Modelle wurden zwischen 1893 und 1953 veröffentlicht. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.

ModellGrundgedanke und VoraussetzungBezug zu diesem NervKennzeichen
Head-Zonenüberempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleitenkeine Zone; der Nerv führt keine viszeralen Afferenzen [I][H]
Mackenzie-Zonentastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur vorauskeine Zone; dieselbe Voraussetzung fehlt [I][H]
Bindegewebszonen nach Dickeveränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug vorausnicht begründbar, weil der Organbezug fehlt [I][H]
Tabelle 8: Geschichtliche Reflexzonenmodelle und ihr Bezug zu diesem Nerv. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

Der Nerv führt empfindende Fasern aus Haut, Muskeln und Gelenken, aber keine aus inneren Organen; die Organfasern erreichen das Segment über den Grenzstrang und die hinteren Wurzeln, nicht über diesen Nerv. [B] Damit fehlt ihm selbst die Voraussetzung der Modelle. [I]

22.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern

L1 gehört noch zum Nucleus intermediolateralis von Th1 bis etwa L2. [B] Die vorgeschalteten sympathischen Fasern verlassen das Segment über den weißen Verbindungsast zum Grenzstrang; der N. iliohypogastricus selbst führt nur nachgeschaltete Fasern für Gefäße und Schweißdrüsen seines Hautgebiets. [B]

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb 1909 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik; Standring, Gray’s Anatomy.

Teil F · Anhang

23. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
Carnett-ZeichenZunahme eines Bauchschmerzes beim Anspannen der Bauchmuskeln als Hinweis auf die Bauchwand
Chronischer Leistenschmerz nach Operationstörender, mindestens mittelstarker Schmerz, der Alltagstätigkeiten beeinträchtigt und mindestens drei Monate besteht
KaudasyndromDruck auf die Nervenwurzeln unterhalb des Rückenmarks mit Störung von Blase, Darm und Beinen
Nucleus intermediolateralisZellsäule der vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen von Th1 bis etwa L2
Pfannenstiel-Schnittquerer Hautschnitt oberhalb des Schambeins, etwa für Kaiserschnitt
Vorderer oberer Darmbeinstacheltastbarer Knochenvorsprung vorn am Beckenkamm
Tabelle 9: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

24. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Herkunftszeilen, die nur Standardwerke nennen, geben den Lehrbuchstand wieder. Die Fundstellen in diesen Werken sind noch nicht mit Seitenzahl geprüft; das steht unter „Offene Punkte“ in Kapitel 25.4.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

25. Grundlage und Quellen

25.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

25.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1Loos MJ, Scheltinga MR, Mulders LG, Roumen RM. The Pfannenstiel incision as a source of chronic pain. Obstet Gynecol 2008;111(4):839–846Befragung von 866 Frauen, 690 Antworten, Untersuchung bei mittlerem bis starkem SchmerzLeitquelle Kapitel 9
2Loos MJA, Scheltinga MRM, Roumen RMH. Surgical management of inguinal neuralgia after a low transverse Pfannenstiel incision. Ann Surg 2008;248(5):880–885Behandlungsreihe
3Alfieri S, Amid PK, Campanelli G, et al. International guidelines for prevention and management of post-operative chronic pain following inguinal hernia surgery. Hernia 2011;15(3):239–249Konsensleitlinie
4Klaassen Z, Marshall E, Tubbs RS, Louis RG Jr, Wartmann CT, Loukas M. Anatomy of the ilioinguinal and iliohypogastric nerves with observations of their spinal nerve contributions. Clin Anat 2011;24(4):454–461Sezierreihe, 100 Leichen, 200 NervenLeitquelle Anatomie
5Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, 2017. AWMF nvl-007Leitlinielaut Register abgelaufen; nur für die Warnhinweise
6HerniaSurge Group. International guidelines for groin hernia management. Hernia 2018;22(1):1–165internationale LeitlinieLeitquelle Leistenschmerz
7Scheltinga MR, Roumen RM. Anterior cutaneous nerve entrapment syndrome (ACNES). Hernia 2018;22(3):507–516Übersichtsarbeit
8Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
9Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
10Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; Teil II Brain 1894;17:339–480; Teil III Brain 1896;19:153–276geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
11Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw and Sons; 1909geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
12Dicke E. Meine Bindegewebsmassage. Stuttgart: Hippokrates; 1953geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
Tabelle 10: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

25.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen.

25.4 Offene Punkte

  • Die Aussagen, die auf den Standardwerken beruhen, sind noch nicht mit Auflage und Seitenzahl geprüft.
  • Keine Fundstelle ist unvollständig; offen bleiben nur die Standardwerke.
  • Die Seite enthält keine Abbildung.

Grenzen der Literatur (Stand der Recherche: 21. September 2026). Studien, die Schmerz einem einzelnen Leistennerv sicher zuordnen, fehlen. Die Ursprungszahlen stammen aus einer Zusammenfassung, die nur einen Teil der Nerven einzeln nennt.

25.5 Neue Seite

Diese Seite ist neu angelegt; eine Vorfassung gibt es nicht. Sie ergänzt die Reihe der Lendennerven.

25.6 Änderungsvermerk

Geändert: Seite neu geschrieben nach den gemeinsamen Bausteinen der Nervenseiten. Warum: Ergänzung des Lendengeflechts. Ersetzt: keine Fassung.

V 1.1 – geändert: Fundstelle Alfieri et al. 2011 an die übrigen Leistennervenseiten angeglichen. Warum: Optimierung der Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.0.

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V 1.1 · Stand: 21. September 2026 · Quellen geprüft am 21. September 2026