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Nervus ilioinguinalis

Der Nervus ilioinguinalis (Darmbein-Leisten-Nerv) ist ein Ast des Lendengeflechts aus L1. [B] Er zieht unterhalb des N. iliohypogastricus nach außen, durchbricht die Bauchwand nahe dem vorderen Beckenkamm, läuft im Leistenkanal neben dem Samenstrang oder dem runden Mutterband und versorgt die Haut der Leiste, der Wurzel von Penis oder Schamhügel, des vorderen Hodensacks oder der großen Schamlippe und der oberen Innenseite des Oberschenkels. [B]

Im Leistenkanal liegt er im Operationsfeld der offenen Leistenbruch-Operation. [B] In einer Multicenterstudie mit 973 Operationen stieg das Risiko chronischer Leistenschmerzen mit der Zahl der Nerven, die nicht erkannt oder durchtrennt wurden. [B]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv entsprang in einer Sezierreihe an 200 Nerven bei 65 % aus L1 allein; übrige Ursprünge waren Th12 und L1, L1 und L2 sowie L2 und L3. [B]
  • Er läuft im Leistenkanal und ist bei der offenen Leistenbruch-Operation gefährdet. [B]
  • Chronischer Leistenschmerz trat in einer Multicenterstudie bei 9,7 % nach 6 Monaten und bei 4,1 % nach einem Jahr auf; das Risiko stieg mit der Zahl nicht erkannter oder durchtrennter Nerven. [B]
  • Die Leitlinie empfiehlt, die Nerven zu erkennen; eine geplante vorbeugende Durchtrennung wird nicht empfohlen, weil sie Gefühlsverlust erhöht, ohne den Schmerz zu senken. [B]
  • Einen Reflex, der diesen Nerv allein prüft, gibt es nicht. [B]

Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 13. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Fasern ausL1; seltener Th12 und L1, L1 und L2 oder L2 und L3[B]
AbgangLendengeflecht, am Außenrand des M. psoas major unterhalb des N. iliohypogastricus[B]
Faserartbewegend und empfindend[B]
Muskelnuntere Anteile des inneren schrägen und des queren Bauchmuskels[B]
HautLeiste, Wurzel von Penis oder Schamhügel, vorderer Hodensack oder große Schamlippe, obere Innenseite des Oberschenkels[B]
Wichtigste AbgrenzungenLeistenschmerz nach Bruchoperation, Schmerz nach Unterbauchschnitt, N. genitofemoralis, Leistenschmerz ohne Operation (Kapitel 9 bis 13)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus ilioinguinalis. Reihenfolge: von der Herkunft zum klinischen Bild.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Klaassen et al. 2011. Die Abgrenzungen sind aus den Kapiteln 9 bis 13 abgeleitet.

2. Verlauf in Kürze

  1. Am M. psoas major: Austritt am Außenrand des Muskels unterhalb des N. iliohypogastricus, oft über eine Strecke mit ihm vereint. [B]
  2. An der hinteren Bauchwand: Er läuft über den M. quadratus lumborum und den M. iliacus nach außen. [B]
  3. Nahe dem vorderen Beckenkamm: Er durchbricht den queren und den inneren schrägen Bauchmuskel. [B]
  4. Im Leistenkanal: Er läuft neben dem Samenstrang oder dem runden Mutterband nach innen. [B]
  5. Am äußeren Leistenring: Er tritt aus und verzweigt sich in der Haut. [B]

In einer Sezierreihe an 200 Nerven trat er im Mittel 2,8 cm innen und 4 cm unterhalb des vorderen oberen Darmbeinstachels in die Bauchwand ein und endete 3 cm neben der Mittellinie. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Klaassen et al. 2011.

3. Versorgungsgebiet

GebietÜber welchen AstKennzeichen
Unterer innerer schräger und querer BauchmuskelMuskeläste[B]
Haut der Leiste und des SchamhügelsHautäste am äußeren Leistenring[B]
Wurzel des Penis und vorderer Hodensack, oder große Schamlippevordere Skrotal- oder Labialäste[B]
Obere Innenseite des OberschenkelsHautäste[B]
Tabelle 2: Versorgungsgebiet. Reihenfolge von proximal nach distal.

Das Hautgebiet überlappt mit dem Genitalast des N. genitofemoralis und dem N. iliohypogastricus. [B] Fehlt der N. ilioinguinalis, kann der N. genitofemoralis sein Gebiet übernehmen. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

OrtAnlassKennzeichen
Hintere BauchwandNierenoperation, Eingriffe hinter dem Bauchfell[I]
Nahe dem vorderen BeckenkammEinstichstellen der Bauchspiegelung, Knochenentnahme am Beckenkamm[I]
Leistenkanaloffene Leistenbruch-Operation, Netz, Naht oder Narbe[B]
UnterbauchPfannenstiel-Schnitt[B]
Tabelle 3: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge von proximal nach distal.

4.1 Häufigkeiten

ArbeitUmfangBefund
Alfieri et al. 2006973 offene Netzoperationen an 11 italienischen KlinikenLeistenschmerz nach 6 Monaten bei 9,7 %, nach einem Jahr bei 4,1 %; Risiko steigend mit der Zahl nicht erkannter oder durchtrennter Nerven
Loos et al. 2008690 Frauen nach Pfannenstiel-SchnittEinklemmung von N. iliohypogastricus oder N. ilioinguinalis bei 17 von 32 untersuchten Frauen mit mittlerem bis starkem Schmerz
HerniaSurge Group 2018internationale Leitliniechronischer Leistenschmerz nach Bruchoperation bei 10 bis 12 %, stark beeinträchtigend bei 0,5 bis 6 %
Tabelle 4: Häufigkeiten. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].

Herkunft: Alfieri et al. 2006; Loos et al. 2008 (Obstet Gynecol); HerniaSurge Group 2018.

5. Beschwerdebild

ZeichenBeschreibungKennzeichen
Brennender oder stechender Leistenschmerzoft mit Ausstrahlung in Hodensack oder Schamlippe und obere Innenseite des Oberschenkels; verstärkt beim Gehen, Strecken der Hüfte oder Pressen[B]
Taubheit oder Überempfindlichkeitin Leiste, Schamhügel und oberer Innenseite des Oberschenkels[B]
Schwäche der unteren Bauchwandselten bemerkbar[I]
Tabelle 5: Zeichen einer Schädigung. Reihenfolge: Schmerz, Gefühl, Kraft.

Herkunft: HerniaSurge Group 2018; Standring, Gray’s Anatomy.

6. Untersuchung

  • Gefühl in Leiste, Schamhügel, Hodensack oder Schamlippe und oberer Innenseite des Oberschenkels: im Seitenvergleich. [I]
  • Druckschmerz nahe dem vorderen oberen Darmbeinstachel oder am äußeren Leistenring: spricht für eine Einklemmung. [I]
  • Leistenbruch und Hüftgelenk prüfen: Vorwölbung beim Husten, Schmerz bei Drehung der Hüfte. [I]
  • Kremasterreflex: prüft den N. genitofemoralis, nicht diesen Nerv. [B]

Herkunft: Bähr und Frotscher, Duus; übrige Punkte aus der Anatomie abgeleitet.

7. Apparative Diagnostik

Ultraschallgeführte Betäubungen einzelner Nerven werden zur Zuordnung des Schmerzes eingesetzt; die Leitlinie bewertet ihren Nutzen als schwach belegt. [B] Bildgebung dient vor allem dem Ausschluss eines erneuten Bruchs oder eines Problems mit dem Netz. [I]

Herkunft: HerniaSurge Group 2018.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Achtung: Bruch, Hoden und Organe zuerst ausschließen

Eine schmerzhafte, nicht zurückschiebbare Vorwölbung in der Leiste kann ein eingeklemmter Bruch sein; plötzlicher starker Hodenschmerz kann eine Hodendrehung sein. [I] Beides gehört ohne Aufschub ärztlich abgeklärt, ebenso Leistenschmerz mit Fieber oder Blut im Urin.

  1. Leistenschmerz nach einer Leistenbruch-Operation? Das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Schmerz nach einem Querschnitt oberhalb des Schambeins? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Schmerz in Hodensack oder Schamlippe? Das führt zu Kapitel 11. [I]
  4. Leistenschmerz ohne Operation? Das führt zu Kapitel 12. [I]

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: HerniaSurge Group 2018. Die Leitfragen sind aus den Kapiteln 3 bis 7 abgeleitet.

9. Differenzialdiagnostik: Leistenschmerz nach Bruchoperation

NervHautgebietHinweisKennzeichen
N. iliohypogastricusHaut oberhalb von Leiste und Schambein; seitlicher Ast über dem BeckenkammSchmerz oberhalb des Leistenbands[B]
N. ilioinguinalisLeiste, Wurzel von Penis oder Schamlippe, vorderer Hodensack, obere Innenseite des OberschenkelsSchmerz entlang des Leistenkanals[B]
N. genitofemoralisHodensack oder große Schamlippe (Genitalast); Haut unterhalb des Leistenbands (Oberschenkelast)Schmerz in Hodensack oder Schamlippe, Kremasterreflex[B]
Tabelle 6: Die drei Leistennerven und ihre Hautgebiete. Reihenfolge von oben nach unten.

Die Hautgebiete der drei Nerven überlappen, und ihre Äste sind häufig verbunden. [B] Eine sichere Zuordnung des Schmerzes zu einem einzelnen Nerv gelingt deshalb klinisch oft nicht. [I] Die Leitlinie empfiehlt deshalb bei der Operation, alle drei Nerven zu erkennen. [B]

In der Multicenterstudie stieg das Risiko chronischer Leistenschmerzen mit der Zahl der Nerven, die nicht erkannt oder durchtrennt wurden. [B] Risikofaktoren nach der Leitlinie sind jüngeres Alter, weibliches Geschlecht, starker Schmerz vor und früh nach der Operation, ein Rezidiv und die offene Operation. [B]

Herkunft: Alfieri et al. 2006; HerniaSurge Group 2018; Standring, Gray’s Anatomy.

10. Differenzialdiagnostik: Schmerz nach Unterbauchschnitt

Nach Pfannenstiel-Schnitten berichtete ein Drittel von 690 Frauen nach zwei Jahren über Schmerz an der Narbe; bei 17 von 32 untersuchten Frauen mit mittlerem bis starkem Schmerz lag eine Einklemmung des N. ilioinguinalis oder des N. iliohypogastricus vor. [B] Schmerz, der vom Narbenende in Schamhügel und Schamlippe ausstrahlt, passt eher zum N. ilioinguinalis, Schmerz oberhalb der Narbe eher zum N. iliohypogastricus. [I]

Herkunft: Loos et al. 2008 (Obstet Gynecol).

11. Differenzialdiagnostik: Schmerz in Hodensack oder Schamlippe

UrsacheHinweisKennzeichen
N. ilioinguinalisvorderer Hodensack oder vordere große Schamlippe, dazu Leiste und obere Innenseite des Oberschenkels[B]
Genitalast des N. genitofemoralisHodensack oder große Schamlippe; Kremasterreflex kann fehlen[B]
N. pudendushinterer Hodensack oder hintere Schamlippe, Damm; Schmerz im Sitzen[B]
Hoden und HarnleiterHodenschwellung, Harnleiterkolik mit Ausstrahlung[I]
Tabelle 7: Schmerz in Hodensack oder Schamlippe. Reihenfolge: erst die Nerven von vorn nach hinten, dann die Organe.

Die Nerven teilen sich den Hodensack und die Schamlippen in einen vorderen und einen hinteren Anteil; der hintere gehört zum N. pudendus. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

12. Differenzialdiagnostik: Leistenschmerz ohne Operation

  • Leistenbruch: Vorwölbung beim Husten oder Pressen. [I]
  • Hüftgelenk: Leistenschmerz bei Drehung und Beugung der Hüfte. [I]
  • Ansatz der Adduktoren und Schambein: Schmerz bei Anspannung der Oberschenkel-Innenseite, oft bei Sportlern. [I]
  • Einklemmung vorderer Hautäste von Th11 und Th12: umschriebener Punkt am Rand des geraden Bauchmuskels; siehe Nervus thoracicus Th11. [B]
  • Wurzel L1: gürtelförmiger Schmerz vom Rücken zur Leiste. [I]

Herkunft: Scheltinga und Roumen 2018; übrige Punkte aus der Anatomie abgeleitet.

13. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht

  • Kremasterreflex einseitig ausgefallen: spricht eher für den N. genitofemoralis. [B]
  • Schmerz am hinteren Hodensack oder am Damm im Sitzen: spricht für den N. pudendus. [B]
  • Taubheit an der Außenseite des Oberschenkels: spricht für den N. cutaneus femoris lateralis. [B]
  • Schwäche der Hüftbeugung oder Kniestreckung: spricht für Wurzeln L2 bis L4 oder N. femoralis. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

Teil D · Verlauf und Behandlung

14. Verlauf und Aussichten

Leistenschmerz nach Bruchoperation nahm in der Multicenterstudie von 9,7 % nach 6 Monaten auf 4,1 % nach einem Jahr ab. [B] Auch nach der Leitlinie nimmt er mit der Zeit ab. [B]

Herkunft: Alfieri et al. 2006; HerniaSurge Group 2018.

15. Beschriebene Behandlungswege

Beschrieben sind zur Vorbeugung das Erkennen der Nerven bei der offenen Operation und die gezielte Entfernung eines verletzten oder im Weg liegenden Nervs; eine geplante vorbeugende Durchtrennung wird nicht empfohlen. [B] Bei anhaltendem Schmerz nennen die Leitlinien die Behandlung in einem fachübergreifenden Team, Medikamente und Betäubungen über mindestens drei Monate und bei Versagen in ausgewählten Fällen die Entfernung aller drei Leistennerven; vor einer Nervenoperation soll mindestens ein Jahr vergehen. [B] Diese Seite gibt keine Therapieempfehlung.

Herkunft: HerniaSurge Group 2018; Alfieri et al. 2011.

16. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ohne Aufschub ärztlich abgeklärt

  • Schmerzhafte, nicht zurückschiebbare Vorwölbung in der Leiste. [I]
  • Plötzlicher starker Hodenschmerz. [I]
  • Schwäche oder Gefühlsstörung an beiden Beinen, Störung von Blase oder Darm: Hinweis auf ein Kaudasyndrom. [B]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017.

17. Häufige Fragen

Warum schmerzt meine Leiste noch Monate nach der Bruchoperation?

Häufig ist ein Leistennerv beteiligt, verletzt oder durch Netz oder Narbe eingeengt; in einer großen Studie hatten 9,7 % nach 6 Monaten und 4,1 % nach einem Jahr Schmerzen. [B]

Sollte der Nerv bei der Operation vorsorglich durchtrennt werden?

Die Leitlinie empfiehlt das nicht, weil die Durchtrennung den Gefühlsverlust erhöht, ohne den Schmerz zu senken. [B]

Herkunft: Alfieri et al. 2006; HerniaSurge Group 2018.

Teil E · Anatomische Einzelheiten

18. Ursprung und Stellung

Der N. ilioinguinalis ist der zweite Ast des Lendengeflechts; sein Ursprung wechselt stärker, als das Lehrbuch mit „L1“ angibt (Kapitel 20). [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Klaassen et al. 2011.

19. Der Leistenkanal

Der Nerv liegt im Leistenkanal vor dem Samenstrang oder dem runden Mutterband, unter der Sehnenplatte des äußeren schrägen Bauchmuskels. [B] Genau diese Schicht wird bei der offenen Netzoperation eröffnet, und das Netz liegt unmittelbar daneben. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; HerniaSurge Group 2018.

20. Abweichungen vom Regelbau

UrsprungSeitenAnteil
L1 allein130 von 20065 %
Th12 und L128 von 20014 %
L1 und L222 von 20011 %
L2 und L320 von 20010 %
Tabelle 8: Ursprung des N. ilioinguinalis in einer Sezierreihe an 200 Nerven. Reihenfolge nach der Häufigkeit. Alle Angaben belegt [B].

Der Nerv kann fehlen; dann übernimmt der N. genitofemoralis sein Hautgebiet. [B] Häufig ist er über eine Strecke mit dem N. iliohypogastricus vereint. [B]

Herkunft: Klaassen et al. 2011; Standring, Gray’s Anatomy.

21. Was dieser Nerv nicht führt

  • Keine Fasern für den M. cremaster. Er gehört zum Genitalast des N. genitofemoralis. [B]
  • Keine Fasern für den hinteren Hodensack oder die hintere Schamlippe. Sie gehören zum N. pudendus. [B]
  • Keinen eigenen Reflex. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

22. Reflexzonenmodelle

Die drei folgenden Modelle wurden zwischen 1893 und 1953 veröffentlicht. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.

ModellGrundgedanke und VoraussetzungBezug zu diesem NervKennzeichen
Head-Zonenüberempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleitenkeine Zone; der Nerv führt keine viszeralen Afferenzen [I][H]
Mackenzie-Zonentastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur vorauskeine Zone; dieselbe Voraussetzung fehlt [I][H]
Bindegewebszonen nach Dickeveränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug vorausnicht begründbar, weil der Organbezug fehlt [I][H]
Tabelle 9: Geschichtliche Reflexzonenmodelle und ihr Bezug zu diesem Nerv. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

Der Nerv führt empfindende Fasern aus Haut, Muskeln und Gelenken, aber keine aus inneren Organen; die Organfasern erreichen das Segment über den Grenzstrang und die hinteren Wurzeln, nicht über diesen Nerv. [B] Damit fehlt ihm selbst die Voraussetzung der Modelle. [I]

22.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern

L1 gehört noch zum Nucleus intermediolateralis von Th1 bis etwa L2. [B] Die vorgeschalteten sympathischen Fasern verlassen das Segment über den weißen Verbindungsast zum Grenzstrang; der N. ilioinguinalis selbst führt nur nachgeschaltete Fasern für Gefäße und Schweißdrüsen seines Hautgebiets. [B]

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb 1909 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik; Standring, Gray’s Anatomy.

Teil F · Anhang

23. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
Chronischer Leistenschmerz nach Operationstörender, mindestens mittelstarker Schmerz, der Alltagstätigkeiten beeinträchtigt und mindestens drei Monate besteht
KaudasyndromDruck auf die Nervenwurzeln unterhalb des Rückenmarks mit Störung von Blase, Darm und Beinen
KremasterreflexAnheben des Hodens beim Bestreichen der Oberschenkel-Innenseite; Segmentreflex L1/L2
Leistenkanalschräger Durchtritt durch die untere Bauchwand für Samenstrang oder rundes Mutterband
Nucleus intermediolateralisZellsäule der vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen von Th1 bis etwa L2
Pfannenstiel-Schnittquerer Hautschnitt oberhalb des Schambeins
Vorderer oberer Darmbeinstacheltastbarer Knochenvorsprung vorn am Beckenkamm
Tabelle 10: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

24. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Herkunftszeilen, die nur Standardwerke nennen, geben den Lehrbuchstand wieder. Die Fundstellen in diesen Werken sind noch nicht mit Seitenzahl geprüft; das steht unter „Offene Punkte“ in Kapitel 25.4.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

25. Grundlage und Quellen

25.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

25.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1Alfieri S, Rotondi F, Di Giorgio A, Fumagalli U, Salzano A, Di Miceli D, Ridolfini MP, Sgagari A, Doglietto G; Groin Pain Trial Group. Influence of preservation versus division of ilioinguinal, iliohypogastric, and genital nerves during open mesh herniorrhaphy: prospective multicentric study of chronic pain. Ann Surg 2006;243(4):553–558vorausschauende Multicenterstudie, 973 OperationenLeitquelle Häufigkeit
2Loos MJ, Scheltinga MR, Mulders LG, Roumen RM. The Pfannenstiel incision as a source of chronic pain. Obstet Gynecol 2008;111(4):839–846Befragung von 866 Frauen, 690 Antworten, Untersuchung bei mittlerem bis starkem SchmerzLeitquelle Kapitel 9
3Alfieri S, Amid PK, Campanelli G, et al. International guidelines for prevention and management of post-operative chronic pain following inguinal hernia surgery. Hernia 2011;15(3):239–249Konsensleitlinie
4Klaassen Z, Marshall E, Tubbs RS, Louis RG Jr, Wartmann CT, Loukas M. Anatomy of the ilioinguinal and iliohypogastric nerves with observations of their spinal nerve contributions. Clin Anat 2011;24(4):454–461Sezierreihe, 100 Leichen, 200 NervenLeitquelle Anatomie
5Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, 2017. AWMF nvl-007Leitlinielaut Register abgelaufen; nur für die Warnhinweise
6HerniaSurge Group. International guidelines for groin hernia management. Hernia 2018;22(1):1–165internationale LeitlinieLeitquelle Leistenschmerz
7Scheltinga MR, Roumen RM. Anterior cutaneous nerve entrapment syndrome (ACNES). Hernia 2018;22(3):507–516Übersichtsarbeit
8Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
9Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
10Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; Teil II Brain 1894;17:339–480; Teil III Brain 1896;19:153–276geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
11Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw and Sons; 1909geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
12Dicke E. Meine Bindegewebsmassage. Stuttgart: Hippokrates; 1953geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
Tabelle 11: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

25.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen.

25.4 Offene Punkte

  • Die Aussagen, die auf den Standardwerken beruhen, sind noch nicht mit Auflage und Seitenzahl geprüft.
  • Keine Fundstelle ist unvollständig; offen bleiben nur die Standardwerke.
  • Die Seite enthält keine Abbildung.

Grenzen der Literatur (Stand der Recherche: 21. September 2026). Studien, die Leistenschmerz einem einzelnen Nerv sicher zuordnen, fehlen; die Multicenterstudie wertete die drei Leistennerven gemeinsam aus.

25.5 Neue Seite

Diese Seite ist neu angelegt; eine Vorfassung gibt es nicht. Sie ergänzt die Reihe der Lendennerven.

25.6 Änderungsvermerk

Geändert: Seite neu geschrieben nach den gemeinsamen Bausteinen der Nervenseiten. Warum: Ergänzung des Lendengeflechts. Ersetzt: keine Fassung.

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V 1.0 · Stand: 21. September 2026 · Quellen geprüft am 21. September 2026