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Nervus intercostobrachialis

Der Nervus intercostobrachialis (Zwischenrippen-Arm-Nerv) ist der seitliche Hautast des zweiten Zwischenrippennervs, also ein Ast aus Th2. [B] Er zieht durch die Achsel zur Haut der Achselhöhle, der oberen Innenseite des Oberarms und der seitlichen Brustwand. [B]

Er gehört nicht zum Armgeflecht, ist aber der wichtigste Nachbar seiner Hautnerven. [B] Bei Eingriffen in der Achsel ist er der am häufigsten verletzte Nerv. [B]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv versorgt Achselhöhle, obere Oberarminnenseite und seitliche Brustwand; Muskeln versorgt er nicht. [B]
  • Das Leitzeichen ist ein taubes oder schmerzhaftes Feld, das Arm und Brustwand zugleich betrifft. [I]
  • In einer Metaanalyse aus 16 Studien war er in 98,4 % der Achselhöhlen vorhanden, in 90,6 % allein aus Th2. [B]
  • Nach Brustkrebsbehandlung berichteten in einer Studie an 3253 Frauen 47 % anhaltenden Schmerz und 58 % eine Gefühlsstörung. [B]
  • Wichtigste Abgrenzungen: N. cutaneus brachii medialis und posterior, Wurzel Th1 und Th2, unteres Armgeflecht, Druckschädigung in der Achsel. [I]

Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 12. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Fasern ausTh2; Anteile aus Th1 und Th3 kommen vor[B]
Abgangseitlicher Hautast des zweiten Zwischenrippennervs; kein Ast des Plexus brachialis[B]
Faserartrein empfindend; nachgeschaltete sympathische Fasern für Schweißdrüsen und Gefäße[B]
ZielgebietAchselhöhle, obere Innen- und Rückseite des Oberarms, seitliche Brustwand[B]
Leitzeichen einer Schädigungtaubes oder schmerzhaftes Feld, das Arm und Brustwand zugleich betrifft[I]
Wichtigste AbgrenzungenN. cutaneus brachii medialis und posterior, Wurzel Th1 und Th2, unteres Armgeflecht (Kapitel 9 bis 11)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus intercostobrachialis. Reihenfolge: von der Herkunft zum klinischen Bild. Verlaufsformen und Verbindungen stehen in Kapitel 17.

Die zugehörigen Segmentseiten sind Segment Th2 und, für Anteile, Segment Th1.

Herkunft: Henry et al. 2017; Loukas et al. 2006; anatomische Standardwerke.

2. Verlauf in Kürze

  1. Brustwand: Der Nerv verlässt den zweiten Zwischenrippenraum als seitlicher Hautast und durchbohrt die Muskulatur der Brustwand. [B]
  2. Achsel: Er quert die Achselhöhle in wechselnder Höhe, meist in Nähe der unteren Lymphknotengruppen. [B]
  3. Faseraustausch: Er verbindet sich regelmäßig mit den Hautnerven des Arms, vor allem mit dem N. cutaneus brachii medialis. [B]
  4. Endstrecke: Er versorgt die Haut der oberen Oberarminnenseite und reicht bei einem Teil der Menschen auf die Rückseite. [B]

Herkunft: Loukas et al. 2006; O’Rourke et al. 1999; Henry et al. 2017.

3. Das Hautgebiet

Das Gebiet umfasst die Achselhöhle, die obere Innenseite des Oberarms und die angrenzende seitliche Brustwand. [B] Diese Verbindung von Arm und Brustwand ist das wichtigste Merkmal: Kein Hautnerv des Armgeflechts erreicht die Brustwand. [I]

Nach unten grenzt das Feld an das des N. cutaneus brachii medialis, nach hinten an das des N. cutaneus brachii posterior. [B] Die Grenzen schwanken, weil sich die Nerven in der Achsel verbinden. [B]

Muskeln versorgt der Nerv nicht; jede Schwäche spricht gegen ihn. [I]

Herkunft: Loukas et al. 2006; Henry et al. 2017; anatomische Standardwerke.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

Ort oder AnlassMechanismusKennzeichen
Ausräumung der AchsellymphknotenDurchtrennung beim Freilegen der Lymphknoten[B]
Brustentfernung mit AchseleingriffDurchtrennung oder Zug[B]
Wächterlymphknotenentnahmegeringeres, aber beschriebenes Risiko[I]
Druck in der Achsel, etwa durch Lagerung oder Gehstützenanhaltender Druck auf den Nerv[B]
Zugang zur Achsel bei Gefäß- und NervenoperationenNähe zum Operationsfeld[I]
Tabelle 2: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge nach der Häufigkeit, mit der sie in der Literatur genannt werden.

Eine Kurzmitteilung beschreibt eine Schädigung durch Druck in der Achsel ohne Operation. [B] Sie ist ein Einzelbefund und trägt keine Häufigkeitsaussage. [I]

Herkunft: O’Rourke et al. 1999; Henry et al. 2017; Magalhaes et al. 2009.

5. Beschwerdebild

Beschrieben sind Taubheit, Missempfindungen und anhaltender Schmerz in Achsel, oberer Oberarminnenseite und seitlicher Brustwand. [B]

In einer Studie an 3253 Frauen nach Brustkrebsbehandlung gaben 47 % anhaltenden Schmerz an, 13 % einen starken Schmerz; 58 % berichteten eine Gefühlsstörung. [B] Diese Zahlen betreffen die Behandlung insgesamt, nicht einen einzelnen Nerv. [B] Welcher Anteil auf diesen Nerv entfällt, ist daraus nicht abzulesen. [I]

Eine Schwäche gehört nicht zum Bild. [I]

Herkunft: Gärtner et al. 2009 (3253 Frauen); O’Rourke et al. 1999.

6. Untersuchung

  • Das taube Feld an Achsel, Oberarm und Brustwand aufzeichnen und mit der Gegenseite vergleichen. [I]
  • Die seitliche Brustwand eigens prüfen; sie trennt diesen Nerv von den Hautnerven des Arms. [I]
  • Narben in der Achsel beklopfen; ein Tinel-Zeichen weist auf einen durchtrennten Ast. [B]
  • Kraft und Reflexe prüfen; sie sind bei alleiniger Schädigung unauffällig. [I]

Herkunft: O’Rourke et al. 1999; anatomische Standardwerke.

7. Apparative Diagnostik

Im Ultraschall ist der Nerv über dem breiten Rückenmuskel darstellbar; beschrieben ist auch ein Verbindungsast zum N. cutaneus brachii medialis. [B]

Eine Normwertreihe zur Nervenleitung dieses Nervs liegt dieser Fassung nicht vor; beurteilt wird im Seitenvergleich. [I]

Herkunft: Ultraschallübersicht 2018.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ist die seitliche Brustwand mitbetroffen, spricht das für diesen Nerv und gegen die Hautnerven des Armgeflechts. [I]
  • Der Nerv ist rein empfindend; jede Schwäche spricht gegen ihn. [I]
  • Nach Eingriffen in der Achsel ist er zahlenmäßig die häufigste Erklärung. [B]
  • Schwäche der Handbinnenmuskeln oder ein Horner-Syndrom sprechen für Wurzel Th1 oder unteres Armgeflecht. [B]
  • Die Feldgrenzen schwanken, weil der Nerv sich mit den Hautnerven des Arms verbindet. [B]

Die Ordnung dieser Kapitel folgt drei Leitfragen. [I]

  1. Ist die Brustwand mitbetroffen? Das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Ging ein Eingriff in der Achsel voraus? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Kommt Schwäche hinzu? Das führt zu Kapitel 11. [I]

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: Henry et al. 2017; Loukas et al. 2006; Gärtner et al. 2009.

9. Differenzialdiagnostik: Gefühlsstörung an Achsel, Oberarm und Brustwand

BefundWahrscheinlicher UrsprungAbgrenzendes Zeichen
Achsel, obere Oberarminnenseite und seitliche Brustwanddieser NervBrustwand mitbetroffen [B]
Oberarminnenseite ohne BrustwandN. cutaneus brachii medialisBrustwand frei [B]
Rückseite des OberarmsN. cutaneus brachii posteriorFeld liegt hinten [B]
Brustwand unterhalb der dritten Rippeweitere ZwischenrippennervenFeld liegt tiefer an der Brustwand [I]
Feld mit Schwäche von Hand oder FingernWurzel Th1 oder unteres ArmgeflechtAusfall reicht über die Haut hinaus [B]
Tabelle 3: Gefühlsstörungen an Achsel, Oberarm und Brustwand. Reihenfolge: erst dieser Nerv, dann die Nachbarn, zuletzt Wurzel und Geflecht.

Wegen der Faserverbindungen kann ein Ausfall dieses Nervs auf die Rückseite des Oberarms übergreifen und umgekehrt. [B]

Herkunft: Henry et al. 2017; Loukas et al. 2006; anatomische Standardwerke.

10. Differenzialdiagnostik: Beschwerden nach einem Eingriff in der Achsel

Nach Ausräumung der Achsellymphknoten sind Gefühlsstörung und anhaltender Schmerz in diesem Gebiet häufig. [B] Die Studie an 3253 Frauen nennt für die Behandlung insgesamt 47 % anhaltenden Schmerz und 58 % Gefühlsstörungen. [B]

Für die Zuordnung zu diesem Nerv spricht ein Feld, das Achsel, Oberarminnenseite und seitliche Brustwand umfasst, ohne Schwäche. [I] Gegen ihn sprechen Schwäche, Schwellung des Arms oder ein Befund außerhalb dieses Feldes. [I]

Ob der Erhalt des Nervs bei der Operation die späteren Beschwerden verringert, ist in dieser Fassung nicht belegt; die vorliegenden Arbeiten beschreiben vor allem Anatomie und Häufigkeit. [I]

Herkunft: Gärtner et al. 2009; Henry et al. 2017; O’Rourke et al. 1999.

11. Differenzialdiagnostik: Gefühlsstörung mit Schwäche

Kommt Schwäche hinzu, scheidet ein Hautnerv als alleinige Ursache aus. [I]

Für das untere Armgeflecht oder die Wurzel Th1 sprechen Schwäche und Schwund der Handbinnenmuskeln, Gefühlsstörung an der Handkante und ein Horner-Syndrom. [B] Bei einer Krebserkrankung in der Vorgeschichte gehört ein Tumorbefall des Geflechts in die Überlegung; das ist ärztlich abzuklären. [I]

Herkunft: neurologische Standardwerke; die auf der Seite Nervus ulnaris genannten Quellen.

12. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht

Die folgenden Befunde sprechen gegen eine Schädigung dieses Nervs und weisen auf eine andere Ursache.

  • Jede Muskelschwäche oder ein Reflexausfall: Der Nerv ist rein empfindend. [B]
  • Gefühlsstörung, die die Brustwand ausspart: spricht für die Hautnerven des Armgeflechts. [I]
  • Gefühlsstörung unterhalb des Ellenbogens: spricht für den N. cutaneus antebrachii medialis. [B]
  • Hängendes Oberlid und enge Pupille: spricht für Wurzel Th1 oder unteres Armgeflecht. [B]
  • Armschwellung mit gestauten Venen: spricht für eine Abflussstörung, nicht für diesen Nerv. [I]

Herkunft: die in den Kapiteln 9 bis 11 genannten Quellen.

Teil D · Verlauf und Behandlung

13. Verlauf und beschriebene Behandlungswege

Beschrieben sind abwartendes Vorgehen, Schmerzbehandlung und die Versorgung eines schmerzhaften Neuroms. [B] Für die Druckschädigung in der Achsel ist in einer Kurzmitteilung eine Rückbildung nach Wegfall des Drucks berichtet. [B]

Zahlen zum Verlauf nach Durchtrennung bei Achseleingriffen liegen dieser Fassung nicht vor. [I] Diese Seite gibt keine Behandlungsempfehlung. [I]

Herkunft: Magalhaes et al. 2009; O’Rourke et al. 1999.

14. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ärztlich abgeklärt

Die folgenden Punkte sprechen gegen eine harmlose örtliche Ursache. Sie sind keine Diagnose und keine Handlungsanweisung, sondern ein Hinweis auf Abklärungsbedarf.

  • Neue Schwäche an Hand oder Fingern zusammen mit der Gefühlsstörung. [I]
  • Hängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung einer Gesichtshälfte. [B]
  • Zunehmender Schmerz in Achsel oder Brustwand bei bekannter Krebserkrankung. [I]
  • Neue, wachsende Schwellung in der Achsel oder an der Brustwand. [I]
  • Zunehmende Armschwellung nach einem Achseleingriff. [I]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

15. Häufige Fragen

Gehört dieser Nerv zum Armgeflecht?

Nein. Er ist der seitliche Hautast des zweiten Zwischenrippennervs und stammt aus Th2. [B]

Warum ist nach einer Achseloperation die Innenseite des Oberarms taub?

Weil der Nerv die Achsel quert und dabei durchtrennt oder gedehnt wird; er ist der am häufigsten betroffene Nerv dieser Eingriffe. [B]

Wie erkennt man ihn an der Verteilung?

Er ist der einzige Hautnerv, der Arm und seitliche Brustwand zugleich versorgt. [I]

Kann er ohne Operation geschädigt werden?

Beschrieben ist eine Schädigung durch Druck in der Achsel. [B] Es handelt sich um einen Einzelbefund. [I]

Fehlt der Nerv manchmal?

In einer Metaanalyse war er in 98,4 % der Achselhöhlen vorhanden, fehlte also selten. [B]

Teil E · Anatomische Einzelheiten

16. Ursprung und Verlauf im Einzelnen

Der Nerv entspringt dem zweiten Zwischenrippennerv als seitlicher Hautast. [B] In der Metaanalyse stammte er in 90,6 % allein aus Th2; Anteile aus Th1 und Th3 sind beschrieben. [B]

Er durchbohrt die Brustwandmuskulatur, quert die Achselhöhle und erreicht den Oberarm. [B] Die Höhe seines Verlaufs in der Achsel schwankt; deshalb liegt er bei Eingriffen unterschiedlich nahe an den Lymphknoten. [B]

Herkunft: Henry et al. 2017 (16 Studien, 1567 Achselhöhlen); Loukas et al. 2006 (200 Achselhöhlen).

17. Verlaufsformen und Verbindungen

Die Sezierreihe an 200 Achselhöhlen teilt den Verlauf in mehrere Formen ein; die häufigste, 45 %, gibt einen Ast zu den Hautnerven des Oberarms ab. [B] Die Begriffe der Arbeiten weichen voneinander ab; die Zuordnung eines Astes ist deshalb nicht immer vergleichbar. [I]

In der Reihe an 28 Achselhöhlen bestand bei allen Präparaten eine Verbindung zu einem Hautnerv des Arms. [B] Die zusammengefasste Verbindungsrate der Metaanalyse liegt niedriger, weil sie andere Arbeiten einschließt. [B]

Aus diesen Unterschieden folgt: Die Feldgrenzen sind individuell, und eine Lehrbuchkarte gibt nur den häufigsten Fall wieder. [I]

Herkunft: Loukas et al. 2006; O’Rourke et al. 1999; Henry et al. 2017.

18. Was dieser Nerv nicht führt

Der Nerv versorgt keine Muskeln und keine Organe. [B] Er führt nachgeschaltete sympathische Fasern für Schweißdrüsen und Gefäße seines Hautgebiets. [B]

Weil sein Segment Th2 dem vegetativen Ursprung benachbart ist, wird sein Gebiet in älteren Zonenmodellen gelegentlich mit Organen in Verbindung gebracht; belegt ist das nicht (Kapitel 19). [I]

Herkunft: anatomische und neuroanatomische Standardwerke.

19. Reflexzonenmodelle

Die drei folgenden Modelle stammen aus der Zeit um 1900 und aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.

ModellGrundgedanke und VoraussetzungBezug zu Th2Kennzeichen
Head-Zonenüberempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleitenfür die obere Brustwand beschrieben; eine kontrollierte Zuordnung zu diesem Nerv fehlt [I][H]
Mackenzie-Zonentastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur vorausfür diesen Nerv nicht belegt [I][H]
Bindegewebszonen nach Dickeveränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug vorausfür die Brustwand beschrieben, ohne kontrollierte Zuordnung zu diesem Nerv [I][H]
Tabelle 4: Geschichtliche Reflexzonenmodelle und ihr Bezug zu diesem Nerv. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

19.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern

Die vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer schmalen Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks. Sie reicht vom Segment Th1 bis etwa L2. [B]

Ihre Fasern verlassen das Rückenmark mit den Vorderwurzeln dieser Segmente und treten über die weißen Verbindungsäste (Rami communicantes albi) in den Grenzstrang ein. [B] Nach der Umschaltung dort kehren nachgeschaltete Fasern über die grauen Verbindungsäste (Rami communicantes grisei) in die Spinalnerven zurück und erreichen mit ihnen Schweißdrüsen, Gefäßmuskulatur und Haarbalgmuskeln ihres Gebiets. [B]

Für Kopf und Hals steigen die Fasern aus den oberen Brustsegmenten im Grenzstrang auf und schalten im Ganglion cervicale superius um. [B] Oberhalb von Th1 gibt es keine eigene Zellsäule. [B]

Das Segment Th2 liegt im Bereich der Zellsäule, und der zugehörige Zwischenrippennerv führt vorgeschaltete Fasern über den weißen Verbindungsast zum Grenzstrang. [B] Der Hautast selbst führt nur nachgeschaltete Fasern. [B] Eine Organzone lässt sich daraus nicht ableiten; die Zonenmodelle bleiben unbelegt. [I]

Für die Untersuchung folgen daraus zwei Punkte. Ein Schaden am Nervenstamm nimmt im eigenen Hautgebiet meist auch die Schweißbildung, weil die nachgeschalteten Fasern im Stamm mitlaufen. [I] Ein Schaden an der Wurzel innerhalb des Wirbelkanals lässt die Schweißbildung dagegen meist unberührt, weil die grauen Verbindungsäste erst danach hinzutreten. [I]

Eine Schädigung der Wurzel Th1 oder des unteren Armgeflechts kann ein Horner-Syndrom erzeugen: hängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung der Gesichtshälfte. [B] Eine Schädigung dieses Nervs selbst erzeugt es nicht, weil sein Faserweg hinter der Umschaltung liegt. [I]

Herkunft: neuroanatomische Standardwerke, darunter Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik, sowie Standring, Gray’s Anatomy.

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb um 1900 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; neuroanatomische Standardwerke.

Teil F · Anhang

20. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
Horner-Syndromhängendes Oberlid, enge Pupille und verminderte Schweißbildung einer Gesichtshälfte bei Störung der sympathischen Bahn
Nervus intercostalisZwischenrippennerv, vorderer Ast eines Brustsegments
Nucleus intermediolateralisZellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks von Th1 bis etwa L2; Ursprung der vorgeschalteten sympathischen Fasern
Ramus communicans albusweißer Verbindungsast; führt vorgeschaltete Fasern von der Vorderwurzel zum Grenzstrang
Ramus cutaneus lateralisseitlicher Hautast eines Zwischenrippennervs
Wächterlymphknotenerster Lymphknoten im Abflussgebiet eines Tumors
Tabelle 5: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

21. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

22. Grundlage und Quellen

22.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

22.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1O’Rourke MGE, Tang TS, Allison SI, Wood W. The anatomy of the extrathoracic intercostobrachial nerve. Aust N Z J Surg 1999;69(12):860–864Sezierreihe, 28 Achselhöhlen
2Loukas M, Hullett J, Louis RG Jr, Holdman S, Holdman D. The gross anatomy of the extrathoracic course of the intercostobrachial nerve. Clin Anat 2006;19(2):106–111Sezierreihe, 200 Achselhöhlen
3Magalhaes JE, Januario AM, Lins OG. Intercostobrachial neuropathy due to axillary compression. Muscle Nerve 2009;39:411–412Kurzmitteilungüber eine Übersichtsarbeit zitiert, nicht im Volltext eingesehen
4Gärtner R, Jensen MB, Nielsen J, Ewertz M, Kroman N, Kehlet H. Prevalence of and factors associated with persistent pain following breast cancer surgery. JAMA 2009;302(18):1985–1992Querschnittstudie, 3253 FrauenFundstelle nach Allgemeinwissen ergänzt, gegen den Volltext zu prüfen
5Henry BM, Graves MJ, Pękala JR et al. Origin, branching, and communications of the intercostobrachial nerve: a meta-analysis with implications for mastectomy and axillary lymph node dissection in breast cancer. Cureus 2017Metaanalyse, 16 Studien, 1567 AchselhöhlenGrenzfall: Zeitschrift mit vermutlich schwacher Begutachtung (Einschätzung, Allgemeinwissen des Modells); Fundstelle unvollständig: Band und Seiten fehlen
6Ultraschallübersicht zu den Hautnerven von Achsel und Oberarm, 2018ÜbersichtsarbeitFundstelle unvollständig: Autoren, Zeitschrift, Band und Seiten fehlen
7Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen
8Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen
9Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893 bis 1900geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
10Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw & Sons; 1909 (2. Auflage 1912)geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
11Dicke E. Meine Bindegewebsmassagegeschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]; Erscheinungsjahr offen
Tabelle 6: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

22.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen.

22.4 Offene Punkte

  • Die Zahlen zu Schmerz und Gefühlsstörung nach Brustkrebsbehandlung betreffen die Behandlung insgesamt; der Anteil dieses Nervs ist daraus nicht ableitbar.
  • Die Fundstelle von Gärtner et al. 2009 ist aus Allgemeinwissen ergänzt und gegen den Volltext zu prüfen.
  • Die Metaanalyse von 2017 trägt den Vermerk „Grenzfall“; ihre Fundstelle ist unvollständig.
  • Die Begriffe der Sezierreihen weichen voneinander ab; die Verbindungsraten sind deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.
  • Eine Normwertreihe zur Nervenleitung dieses Nervs fehlt.

22.5 Änderungsvermerk

Geändert: Seite neu angelegt, nach den gemeinsamen Bausteinen der Halsnervenseiten. Warum: Der Nerv ist der wichtigste Nachbar der Hautnerven des Arms und bei Eingriffen in der Achsel der am häufigsten verletzte. Ersetzt: keine Fassung.

V 1.1 – Geändert: Leiste „Alle Halsnerven nach Austrittshöhe“ auf alle 28 Seiten der Reihe erweitert. Warum: Die elf neuen Seiten fehlten in der Leiste; die Adressen sind festgelegt. Ersetzt: Fassung 1.0 vom 15. September 2026.

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V 1.1 · Quellen geprüft am 15. September 2026