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Nervus ischiadicus

Der Nervus ischiadicus (Ischiasnerv) ist der dickste Nerv des Körpers. Er führt Fasern aus L4 bis S3 und verlässt das Becken meist unterhalb des M. piriformis. [B] In einer gemeinsamen Hülle laufen zwei getrennte Anteile, die sich später zu N. tibialis und N. peroneus communis trennen. [B]

Er versorgt die Kniebeuger, den hinteren Teil des M. adductor magnus und über seine Endäste alle Muskeln unterhalb des Knies; dazu die Haut von Unterschenkel und Fuß außer der Innenseite. [B] Ein Schaden trifft oft vor allem den Peroneusanteil und ähnelt dann einer Peroneuslähmung am Knie; diese Abgrenzung ist ein Schwerpunkt der Seite. [B]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv versorgt die Kniebeuger und über N. tibialis und N. peroneus communis alle Muskeln von Unterschenkel und Fuß; die Haut der Oberschenkel-Rückseite gehört nicht dazu. [B]
  • In einer EMG-Reihe von 100 Patienten war der Peroneusanteil bei 64 % stärker betroffen; bei 12 % war der Tibialisanteil in allen Messungen normal. [B]
  • Häufige Anlässe sind Hüftprothese, äußerer Druck, Hüftbruch und Injektionen in das Gesäß. [B]
  • Störungen von Blase und Darm sind kein Zeichen dieses Nervs, sondern ein Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom. [I]
  • Wichtigste Abgrenzungen: Wurzeln L5 und S1, N. peroneus communis am Wadenbeinköpfchen, Geflecht und tiefes Gesäßsyndrom. [I]

Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 13. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Fasern ausL4, L5, S1, S2 und S3[B]
AbgangPlexus sacralis; Tibialisanteil aus den vorderen, Peroneusanteil aus den hinteren Teilungsästen; Austritt meist durch das Foramen infrapiriforme[B]
Faserartgemischt[B]
ZielgebietKniebeuger und hinterer Teil des M. adductor magnus; über N. tibialis und N. peroneus communis alle Muskeln von Unterschenkel und Fuß; Haut von Unterschenkel und Fuß außer der Innenseite[B]
Leitzeichen einer Schädigungoft führende Fußheberschwäche, Schwäche von Fußsenkung und Kniebeugung, abgeschwächter Achillessehnenreflex, Gefühlsstörung an Unterschenkel und Fuß[I]
Wichtigste AbgrenzungenWurzeln L5 und S1, N. peroneus communis am Wadenbeinköpfchen, Geflecht, tiefes Gesäßsyndrom (Kapitel 9 bis 13)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus ischiadicus. Reihenfolge: von der Herkunft zum klinischen Bild. Maße, Teilungshöhe und Abweichungen vom Regelbau stehen in den Kapiteln 19 und 20.

Die zugehörigen Segmentseiten sind L4, L5, S1, S2 und S3.

Herkunft: anatomische und neurologische Standardwerke (Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus; Mumenthaler, Stöhr und Müller-Vahl); Tomaszewski et al. 2016 zum Austritt. Leitzeichen und Abgrenzungen sind aus den Kapiteln 3, 5 und 9 bis 13 abgeleitet.

2. Verlauf in Kürze

Der Nerv verlässt das Becken durch das große Sitzbeinloch, zieht zwischen Sitzbeinhöcker und großem Rollhügel in den Oberschenkel und läuft an dessen Rückseite bis zur Kniekehle. [B] Dort trennen sich seine beiden Anteile in N. tibialis und N. peroneus communis; die Höhe der Trennung wechselt. [B]

  1. Im Becken: Er entsteht aus dem Kreuzgeflecht; die Fasern aus L4 und L5 erreichen es über den Truncus lumbosacralis. [B]
  2. Im Foramen infrapiriforme: Er tritt meist als ein Stamm unterhalb des M. piriformis aus; bei einem Teil der Menschen durchbohrt ein Anteil den Muskel (Kapitel 20). [B]
  3. In der Gesäßregion: Er liegt unter dem M. gluteus maximus auf den kleinen Außendrehern der Hüfte, zwischen Sitzbeinhöcker und großem Rollhügel. [B]
  4. Am Oberschenkel: Er läuft unter dem langen Kopf des M. biceps femoris auf dem M. adductor magnus und gibt die Äste zu den Kniebeugern ab. [B]
  5. Oberhalb der Kniekehle: Die beiden Anteile trennen sich meist hier (Kapitel 19). [B]

Die Gesäßregion ist die wichtigste Engstelle: Dort liegen Injektionsort, Hüftgelenk und die Druckstelle beim Liegen dicht am Nerv (Kapitel 4). [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Tomaszewski et al. 2016.

3. Versorgungsgebiet

3.1 Die versorgten Muskeln

MuskelAnteilAufgabeKennzeichen
M. biceps femoris, langer KopfTibialisanteilKniebeugung, Hüftstreckung, Außendrehung des Unterschenkels[B]
M. semitendinosusTibialisanteilKniebeugung, Hüftstreckung, Innendrehung des Unterschenkels[B]
M. semimembranosusTibialisanteilKniebeugung, Hüftstreckung, Innendrehung des Unterschenkels[B]
M. adductor magnus, hinterer TeilTibialisanteilHüftstreckung, Anziehen[B]
M. biceps femoris, kurzer KopfPeroneusanteilKniebeugung, Außendrehung des Unterschenkels[B]
Muskeln von Unterschenkel und Fußüber N. tibialis und N. peroneus communisFußsenkung, Zehenbeugung und Fußinnenwendung (N. tibialis); Fußhebung, Zehenhebung und Fußaußenwendung (N. peroneus)[B]
Tabelle 2: Muskeln des Nervus ischiadicus. Reihenfolge: erst Tibialis-, dann Peroneusanteil am Oberschenkel, zuletzt die Endäste.

Ein Kennmuskel ist ein Muskel, dessen Ausfall auf einen bestimmten Nerv oder ein bestimmtes Segment weist. Für die Höhendiagnose ist der kurze Kopf des M. biceps femoris der wichtigste: Er ist der einzige Muskel des Peroneusanteils oberhalb des Knies. [B] Ist er betroffen, liegt ein Peroneusschaden oberhalb des Wadenbeinköpfchens, also am N. ischiadicus oder höher. [I] Über den Tibialisanteil läuft der Achillessehnenreflex (S1). [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

3.2 Hautgebiet

  • Über den N. peroneus communis: Außenseite des Unterschenkels, Fußrücken und die Haut zwischen erster und zweiter Zehe. [B]
  • Über den N. tibialis: Fußsohle; über den N. suralis Außenrand von Unterschenkel und Fuß. [B]
  • Nicht zu diesem Nerv gehören die Haut der Oberschenkel-Rückseite (N. cutaneus femoris posterior) und die Innenseite des Unterschenkels (N. saphenus). [B]

Ein Gefühlsausfall an der Rückseite des Oberschenkels spricht deshalb für einen Schaden oberhalb des Nervs, am Geflecht oder am N. cutaneus femoris posterior im Gesäß. [I] Eine ausgesparte Innenseite des Unterschenkels passt dagegen zum N. ischiadicus. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

OrtAnlassMechanismusKennzeichen
Wurzeln und Geflechtlumbosakrale RadikuloplexusneuropathieEntzündung kleiner Gefäße des Nervs[B]
GesäßregionInjektion in das Gesäßunmittelbare Verletzung[B]
GesäßregionHüftprothese, besonders über den hinteren ZugangZug, Druck durch Wundhaken, Beinverlängerung[B]
GesäßregionHüftbruch oder HüftausrenkungZug, Druck durch Knochenfragmente[B]
Gesäßregionlanges Liegen, Bewusstlosigkeitäußerer Druck[B]
Zwischen Sitzbeinhöcker und Ansatz des M. gluteus maximusLagerung bei HüftprotheseDruck durch die Sehne des M. gluteus maximus; in zwei Fällen im Kernspin gezeigt[B]
OberschenkelOberschenkelbruch, Schuss- und Schnittverletzungunmittelbare Verletzung[B]
Ganzer VerlaufInfarkt des NervsVerschluss versorgender Gefäße[B]
Tabelle 3: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge: von proximal nach distal.

Eine Einengung durch den M. piriformis ist als Piriformis-Syndrom beschrieben, bleibt aber umstritten; sie steht deshalb nicht in der Tabelle, sondern in der Differenzialdiagnostik (Kapitel 10). [B] Die Nervenversorgung des Muskels beschreibt die Seite Nervus piriformis.

4.1 Häufigkeiten

ReiheUmfangBefund
Yuen et al. 199473 von 92 zugewiesenen Patienten, EMG-gesichertHüftprothese 21,9 %, äußerer Druck 13,7 %, Infarkt des Nervs 9,6 %, Schussverletzung 9,6 %, Hüftbruch oder -ausrenkung 9,6 %, Oberschenkelbruch 4,1 %, Prellung 4,1 %, unklar 16,4 %
Kim et al. 2004353 operierte Schäden, 175 in Höhe des Gesäßesam Gesäß: Injektion 64, Hüftbruch oder -ausrenkung 26, Prellung 22, Druck 19, Schussverletzung 17, Hüftprothese 15, Schnittverletzung 12
Farrell et al. 200527 004 Hüftprothesenmotorische Lähmung bei 0,17 %; 30 Lähmungen des Peroneusanteils, 14 des ganzen N. ischiadicus; Risikofaktoren Hüftdysplasie, Arthrose nach Unfall, hinterer Zugang, Beinverlängerung, zementfreier Schaft
Hurd et al. 2006Hüftprothesen, Vergleich mit und ohne Einkerbung der Gluteus-maximus-Sehnemehr als die Hälfte der Lähmungen nach Hüftprothese ungeklärt; mit Einkerbung keine, ohne drei Lähmungen
Seward et al. 202610 604 Hüftprothesen, Fall-Kontroll-Studiemotorische Lähmung bei 0,4 %; Peroneusanteil 68 %, ganzer Nerv 18 %; Beinverlängerung im Median 10 mm gegenüber 3 mm; bei Erkrankung der Lendenwirbelsäule 21-fach höhere Chance
Tabelle 4: Ursachen und Häufigkeiten in fünf Arbeiten. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].

Widerspruch: Wie oft schädigt eine Hüftprothese den Nerv?

Farrell fand 0,17 %, Seward 0,4 %. [B] Die ältere Arbeit wertete ein Komplikationsregister aus, die neuere suchte gezielt in den Akten und prüfte Schwäche und EMG nach. [B] Die gezieltere Suche findet mehr Fälle. [I] Beide Werte bleiben stehen.

Herkunft: Yuen et al. 1994; Kim et al. 2004; Farrell et al. 2005; Hurd et al. 2006; Seward et al. 2026; Dyck et al. 1999 und 2001; Hopayian et al. 2010.

5. Beschwerdebild

ZeichenBeschreibungKennzeichen
Fußheberschwächeoft führendes Zeichen; der Peroneusanteil war in einer EMG-Reihe bei 64 % stärker betroffen[B]
Schwäche von Fußsenkung und Zehenbeugungbei Beteiligung des Tibialisanteils[B]
Schwäche der Kniebeugungbei Schaden oberhalb der Äste zu den Kniebeugern[B]
GefühlsstörungAußenseite des Unterschenkels, Fußrücken, Fußaußenrand und Sohle; Innenseite des Unterschenkels ausgespart[B]
Abgeschwächter Achillessehnenreflexbei Beteiligung des Tibialisanteils[B]
Tabelle 5: Zeichen einer Schädigung des Nervus ischiadicus. Reihenfolge: erst Muskeln von distal nach proximal, dann Gefühl und Reflex.

Weil der Peroneusanteil oft stärker betroffen ist, kann das Bild einer Peroneuslähmung am Knie gleichen. [B] Der Unterschied liegt in Befunden oberhalb des Knies und im Tibialisanteil (Kapitel 9). [I]

Herkunft: Yuen et al. 1995; Standring, Gray’s Anatomy; Mumenthaler, Stöhr und Müller-Vahl.

6. Untersuchung

  • Fuß- und Großzehenhebung: prüft den Peroneusanteil. [I]
  • Fußinnenwendung: Der M. tibialis posterior gehört zum Tibialisanteil. Ist er bei einer Fußheberschwäche mitbetroffen, liegt der Schaden oberhalb des Wadenbeinköpfchens oder an der Wurzel L5. [I]
  • Fußsenkung und Zehenbeugung: prüfen den Tibialisanteil. [I]
  • Abspreizen der Hüfte: Die Abspreizer gehören zum N. gluteus superior und damit nicht zu diesem Nerv; eine Schwäche weist auf die Wurzel L5, für die sie ein Likelihood-Verhältnis von 11 erreichte. [B]
  • Hüftstreckung gegen Widerstand: Der M. gluteus maximus gehört zum N. gluteus inferior; eine Schwäche weist auf Geflecht oder Wurzeln. [I]
  • Achillessehnenreflex: Für eine Einengung der unteren Lendenwurzeln (L5 oder S1) erreichte er ein Likelihood-Verhältnis von 7,1 (95 %-KI 0,96–53). [B] Der Vertrauensbereich schließt 1 ein; der Wert ist unsicher. [I]
  • Gefühl: an Fußrücken, Außenrand und Sohle; die Innenseite des Unterschenkels und die Rückseite des Oberschenkels zum Vergleich. [I]
  • Blase und Darm erfragen: Eine plötzliche Störung ist kein Zeichen dieses Nervs, sondern ein Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom. [B]

Lücke: Keine Gütezahlen für den Nerv

Die Zahlen von Suri gelten für Wurzeleinengungen im Kernspin. Für die Trennung von Ischiadicus-, Peroneus- und Wurzelschaden liegen keine klinischen Trefferquoten vor.

Herkunft: Suri et al. 2011; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017; Standring, Gray’s Anatomy, zur Zuordnung der Muskeln und Hautfelder.

7. Apparative Diagnostik

7.1 Elektrodiagnostik

In der Reihe von Yuen hatten 93 % einen deutlichen Faseruntergang, 7 % überwiegend Zeichen einer Entmarkung. [B] Die Nadeluntersuchung des M. tibialis anterior war bei 92 % auffällig, die Antwort des kurzen Zehenstreckers bei 80 % vermindert oder erloschen. [B]

Weil der Tibialisanteil bei 12 % ganz normal war, reicht die Prüfung der Fußheber nicht aus. [B] Die Höhe klärt erst die Nadeluntersuchung des kurzen Kopfes des M. biceps femoris; Gesäßmuskeln und Rückenstrecker trennen Nerv, Geflecht und Wurzel. [I]

7.2 Bildgebung

Bei ungeklärter Lähmung nach Hüftprothese zeigte die Kernspintomographie in zwei Fällen den Schadensort zwischen Sitzbeinhöcker und Ansatz des M. gluteus maximus. [B] Bei Verdacht auf eine Raumforderung am Nerv klärt die Schnittbildgebung den Verlauf vom Becken bis zur Kniekehle. [I]

Lücke: Keine Normwerte für den Stamm

Die Metaanalyse der Ultraschall-Normwerte an den Beinnerven enthält den N. ischiadicus selbst nicht, nur seine Endäste. [B] Für den N. peroneus communis nennt sie am Wadenbeinköpfchen 8,4 mm² und in der Kniekehle 7,9 mm², für den N. tibialis in der Kniekehle 25,9 mm², dort mit erheblicher Uneinheitlichkeit der Studien. [B] Für den Stamm bleibt der Seitenvergleich. [I]

Herkunft: Yuen et al. 1995; Hurd et al. 2006; Fisse et al. 2021.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Fußheberschwäche hat vier Hauptorte: Wurzel L5, Geflecht, N. ischiadicus und N. peroneus am Wadenbeinköpfchen. [I]
  • Weil der Peroneusanteil oft allein betroffen ist, kann ein Ischiadicus-Schaden wie eine Peroneuslähmung am Knie aussehen; den Unterschied zeigen Fußinnenwendung, Achillessehnenreflex und der kurze Kopf des M. biceps femoris im EMG. [I]
  • Zwischen Nerv und Wurzel trennen die Gesäßmuskeln und die Rückenstrecker: Sie gehören nicht zum N. ischiadicus. [I]
  • Das Piriformis-Syndrom ist umstritten; für seine Zeichen liegen keine Trefferquoten vor. [B]

Die Ordnung dieser Kapitel folgt nicht der Häufigkeit, sondern Leitfragen. [I]

  1. Ist der Fuß schwach beim Heben? Das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Zieht Schmerz vom Gesäß ins Bein? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Ging eine Hüftoperation, eine Injektion oder eine lange Lagerung voraus? Das führt zu Kapitel 11. [I]
  4. Betreffen Schwäche und Taubheit den ganzen Fuß? Das führt zu Kapitel 12. [I]
LeitbefundKapitelErste Abklärung
Plötzliche Störung von Blase oder Darm, Taubheit im Reithosengebiet oder Schwäche beider Beine16Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom; Abklärung ohne Aufschub [B]
Beinlähmung nach Hüftoperation11Befund sofort festhalten, Beinlänge und Lagerung prüfen, Elektrodiagnostik nach zwei bis drei Wochen [I]
Heftiger Schmerz, Gewichtsverlust, dann Schwäche an mehreren Abschnitten9Elektrodiagnostik beider Beine, Suche nach einem Diabetes [I]
Fußheberschwäche mit Rückenschmerz und Ausstrahlung9Elektrodiagnostik mit Rückenstreckern, Bildgebung der Lendenwirbelsäule [I]
Gesäßschmerz, im Sitzen verstärkt, ohne Ausfälle10Ausschluss einer Wurzelursache vor der Annahme eines Piriformis-Syndroms [I]
Tabelle 6: Leitbefunde und wohin sie führen. Reihenfolge nach der Dringlichkeit der Abklärung, nicht nach der Häufigkeit.

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: Yuen et al. 1995; Hopayian und Danielyan 2018; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017; Dyck et al. 2001; Standring, Gray’s Anatomy. Die Leitfragen sind aus den Kapiteln 3 bis 7 abgeleitet.

9. Differenzialdiagnostik: Fußheberschwäche

Ausgangspunkt ist ein Befund: Fuß und Zehen lassen sich nicht oder nur schwach heben. Fünf Orte sind zu trennen.

OrtFußinnenwendungAbspreizen der HüfteAchillessehnenreflexUnterscheidendes Merkmal
N. peroneus am Wadenbeinköpfchenkräftigkräftignormalkurzer Kopf des M. biceps femoris im EMG normal; Leitungsverzögerung am Wadenbeinköpfchen [I]
N. ischiadicus, Peroneusanteilkräftig oder leicht schwachkräftignormal oder abgeschwächtkurzer Kopf des M. biceps femoris im EMG auffällig [I]
N. ischiadicus, beide AnteileschwachkräftigabgeschwächtSchwäche auch von Fußsenkung und Zehenbeugung; Gesäßmuskeln und Rückenstrecker unauffällig [I]
Wurzel L5oft schwachoft schwachmeist normalRückenschmerz mit Ausstrahlung; Abspreizerschwäche mit einem Likelihood-Verhältnis von 11 [B]
Lumbosakrales Geflechtschwachoft schwachoft abgeschwächtBeteiligung mehrerer Nerven, Rückenstrecker unauffällig; Schmerz vor der Schwäche bei der Radikuloplexusneuropathie [B]
Tabelle 7: Fünf Orte einer Fußheberschwäche. Reihenfolge: von distal nach proximal.

Die Tabelle beruht auf einer Regel: Ein Muskel verrät die Höhe, wenn er oberhalb des vermuteten Schadensorts versorgt wird. [I] Für den N. peroneus am Knie ist das der kurze Kopf des M. biceps femoris, für den N. ischiadicus der M. gluteus medius und der M. gluteus maximus, für die Wurzel die Rückenstrecker. [I]

Wie nötig die Elektrodiagnostik ist, zeigt die Reihe von Yuen: Bei 12 % der Ischiadicus-Schäden war der Tibialisanteil in allen Messungen normal, das Bild also rein peroneal. [B] Für die Wurzel L5 erreichte die Verbindung aus abgeschwächtem Achillessehnenreflex und schwacher Abspreizung ein Likelihood-Verhältnis von 5,5 (95 %-KI 2,0–15). [B] Klinisch allein ließ sich die Wurzel L5 in einer anderen Studie dennoch kaum abgrenzen; die zusammenfassende Beurteilung erreichte nur ein Likelihood-Verhältnis von 1,74. [B]

Lücke: Die Tabelle ordnet, sie entscheidet nicht

Außer der Zahl zur Abspreizerschwäche liegen für keine Zeile Trefferquoten vor. Eine zentrale Ursache, etwa ein Schaden im Gehirn, ist nicht aufgeführt; sie zeigt meist gesteigerte Reflexe. [I]

Herkunft: Yuen et al. 1995; Suri et al. 2011; Iversen et al. 2013; Dyck et al. 1999 und 2001; Standring, Gray’s Anatomy, zur Muskelzuordnung.

10. Differenzialdiagnostik: Schmerz vom Gesäß ins Bein

Der Begriff „Ischias“ beschreibt einen Schmerzverlauf, keine Ursache. [I] Der häufigste Ursprung ist die Nervenwurzel, nicht der N. ischiadicus selbst. [I]

UrsacheKennzeichenAbgrenzung
Wurzel L5 oder S1Rückenschmerz mit Ausstrahlung bis in den Fuß; Achillessehnenreflex bei unteren Lendenwurzeln mit einem Likelihood-Verhältnis von 7,1, dessen Vertrauensbereich jedoch 1 einschließt [B]Bildgebung der Lendenwirbelsäule, Rückenstrecker im EMG [I]
Piriformis-SyndromGesäßschmerz, Verstärkung im Sitzen, äußerer Druckschmerz nahe dem Ischiadicus-Einschnitt, Schmerz bei Anspannung des M. piriformis mit eingeschränktem Beinheben [B]Ausschlussdiagnose; Treffsicherheit der Zeichen unbekannt [B]
Schädigung des N. ischiadicusSchmerz mit Schwäche und Gefühlsausfall im Nervengebiet; Anlass wie Injektion, Operation oder Bruch [B]EMG mit Gesäßmuskeln und Rückenstreckern [I]
Lumbosakrale Radikuloplexusneuropathieheftiger Schmerz, Gewichtsverlust, Ausbreitung auf die Gegenseite [B]Beteiligung mehrerer Nerven [I]
Tabelle 8: Schmerz vom Gesäß ins Bein. Reihenfolge: erst die häufigste Ursache, dann die umstrittene, dann Nerv und Geflecht.

Widerspruch: Gibt es das Piriformis-Syndrom?

Das Syndrom ist seit über 70 Jahren beschrieben und bleibt umstritten; die Literatur besteht vor allem aus Fallserien und Übersichten. [B] Eine Aktualisierung von 2018 fasst es in vier Zeichen zusammen, hält aber fest, dass sich die Treffsicherheit dieser Zeichen aus den bisherigen Studien nicht bestimmen lässt. [B]

Auch die Anatomie erklärt es nicht: Abweichungen im Verhältnis von Nerv und M. piriformis fanden sich an 6 062 Leichen bei 16,9 % und in Operationsreihen wegen Piriformis-Syndrom bei 16,2 %; der Unterschied war nicht bedeutsam. [B]

Daraus folgt eine Reihenfolge: erst Wurzel und Nerv mit Bildgebung und EMG ausschließen, dann an eine Einengung in der Gesäßregion denken. [I]

Herkunft: Suri et al. 2011; Hopayian et al. 2010; Hopayian und Danielyan 2018; Smoll 2010; Kim et al. 2004; Dyck et al. 2001.

11. Differenzialdiagnostik: Nach Hüftoperation, Injektion oder langer Lagerung

AnlassBefundKennzeichen
HüftprotheseLähmung bei 0,17 bis 0,4 %; überwiegend Peroneusanteil; Risiko höher bei Hüftdysplasie, hinterem Zugang und Beinverlängerung; bei Erkrankung der Lendenwirbelsäule 21-fach höhere Chance[B]
Lagerung bei HüftprotheseDruck zwischen Sitzbeinhöcker und Ansatz des M. gluteus maximus; mehr als die Hälfte der Lähmungen sonst ungeklärt[B]
Injektion in das Gesäßhäufigste Ursache operierter Schäden in Höhe des Gesäßes[B]
Lange Lagerung, Bewusstlosigkeitäußerer Druck; 13,7 % einer EMG-Reihe[B]
Tabelle 9: Schädigung nach Hüftoperation, Injektion oder Lagerung. Reihenfolge nach dem Umfang der Belege.

Eine Fußheberschwäche nach Hüftprothese kann aus drei Quellen kommen: dem N. ischiadicus, einer vorbestehenden Wurzelschädigung und einem Druckschaden des N. peroneus am Knie bei der Lagerung. [I] Die 21-fach höhere Chance bei Erkrankung der Lendenwirbelsäule weist auf eine vorgeschädigte Wurzel als Mitursache hin. [I] Das EMG mit kurzem Bizepskopf und Rückenstreckern trennt die drei Quellen. [I]

Herkunft: Farrell et al. 2005; Seward et al. 2026; Hurd et al. 2006; Kim et al. 2004; Yuen et al. 1994.

12. Differenzialdiagnostik: Schwäche und Taubheit am Fuß

UrsacheVerteilungUnterscheidendes MerkmalKennzeichen
N. ischiadicuseinseitig; Fußrücken, Außenrand und Sohle, Innenseite des Unterschenkels ausgespartKniebeuger im EMG oft mitbetroffen[I]
N. tibialisSohle, Fußsenkung und ZehenbeugungFußhebung kräftig[I]
N. peroneus communisAußenseite des Unterschenkels, Fußrücken, FußhebungFußsenkung und Fußinnenwendung kräftig[I]
Wurzel S1Fußaußenrand, Ferse, FußsenkungAchillessehnenreflex abgeschwächt, Rückenschmerz[B]
Polyneuropathiebeidseits, strumpfförmigAchillessehnenreflex beidseits abgeschwächt, kein Nervengebiet[I]
Tabelle 10: Schwäche und Taubheit am Fuß. Reihenfolge: erst dieser Nerv, dann seine Endäste, dann Wurzel und Polyneuropathie.

Der wichtigste Hinweis ist die Seitenverteilung: Ein Nervenschaden ist einseitig und folgt einem Nervengebiet, eine Polyneuropathie ist beidseitig und strumpfförmig. [I] Eine beidseitige Ischiadicus-Schädigung kommt nach langer Lagerung vor, ist aber selten. [I]

Herkunft: Suri et al. 2011 zur Wurzel S1; Standring, Gray’s Anatomy, zu Muskeln und Hautgebieten; die übrigen Zeilen sind aus der Zuordnung von Muskeln und Hautgebieten abgeleitet.

13. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht

Die folgenden Befunde sprechen gegen eine Schädigung allein dieses Nervs und weisen auf eine andere Ursache.

  • Störung von Blase oder Darm, Taubheit im Reithosengebiet: spricht für ein Kaudasyndrom. [B]
  • Schwäche beim Abspreizen oder Strecken der Hüfte: spricht für Wurzel, Geflecht oder Gesäßnerven. [I]
  • Gefühlsausfall an der Rückseite des Oberschenkels: spricht für den N. cutaneus femoris posterior, das Geflecht oder die Wurzel S2. [I]
  • Gefühlsausfall an der Innenseite des Unterschenkels: spricht für den N. saphenus oder die Wurzel L4. [I]
  • Auffällige Rückenstrecker im EMG: spricht für eine Wurzelschädigung. [I]
  • Beidseitige, strumpfförmige Gefühlsstörung: spricht für eine Polyneuropathie. [I]
  • Ausbreitung auf weitere Abschnitte oder die Gegenseite, dazu Gewichtsverlust: spricht für die Radikuloplexusneuropathie. [B]

Achtung: Was nicht dagegen spricht

Ein Bild wie bei einer Peroneuslähmung am Knie schließt den N. ischiadicus nicht aus. In der Reihe von Yuen war der Peroneusanteil bei 64 % stärker betroffen und der Tibialisanteil bei 12 % ganz normal. [B]

Herkunft: die in den Kapiteln 9 bis 12 genannten Quellen; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017; Yuen et al. 1995.

Teil D · Verlauf und Behandlung

14. Verlauf und Aussichten

ReiheUmfangBefund zum Verlauf
Yuen et al. 199473 Patienten mit akutem oder subakutem Beginn, Überlebenszeitanalysemindestens mäßige Erholung bei 30 % nach einem Jahr, 50 % nach zwei und 75 % nach drei Jahren
Kim et al. 2004353 operierte Schäden in Höhe von Gesäß und OberschenkelErholung mindestens auf Kraftgrad 3 durchweg besser im Tibialis- als im Peroneusanteil und besser am Oberschenkel als am Gesäß (Tabelle 12)
Farrell et al. 200547 Lähmungen nach Hüftprothesevon 28 nachbeobachteten vollständigen Lähmungen erholten sich 10 (36 %) ganz, im Mittel nach 21,1 Monaten; von 18 unvollständigen 7 ganz
Seward et al. 202640 Lähmungen nach Hüftprothesevollständige Erholung der Kraft nur bei 20 %, im Mittel nach 28 Wochen
Tabelle 11: Verlauf in vier Arbeiten. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].
Verfahren und HöheTibialisanteilPeroneusanteil
Neurolyse, Gesäß87 %71 %
Neurolyse, Oberschenkel96 %79 %
Naht, Gesäß73 %30 %
Naht, Oberschenkel93 %69 %
Transplantat, Gesäß62 %24 %
Transplantat, Oberschenkel80 %45 %
Tabelle 12: Anteil mit Erholung mindestens auf Kraftgrad 3 nach Operation, getrennt nach Anteil, Verfahren und Höhe (Kim et al. 2004). Reihenfolge: von der schonendsten zur aufwendigsten Operation, jeweils Gesäß vor Oberschenkel. Alle Angaben belegt [B].

Die Erholung ist langsam und oft unvollständig; sie zieht sich über Jahre. [B] Der Peroneusanteil erholt sich in jeder Gruppe schlechter als der Tibialisanteil; eine Fußheberschwäche ist deshalb der Ausfall, der am häufigsten bleibt. [I] Das unterscheidet den N. ischiadicus von den kürzeren Nerven der Leiste, deren Schäden in den Reihen meist innerhalb von Monaten zurückgingen. [I] Ein Grund ist die lange Strecke, die nachwachsende Fasern vom Gesäß bis zum Fuß zurücklegen müssen. [I]

Widerspruch und Lücke

Eine systematische Übersicht von 13 Arbeiten mit 2 627 Eingriffen kommt zu einem ungünstigeren Urteil: Die Ergebnisse nach operativer Versorgung seien schlecht, und die Arbeiten verwendeten keine einheitlichen Ergebnismaße. [B] Der Unterschied zu Kim liegt damit auch an der Messung; beide Aussagen bleiben stehen. [I] Eine systematische Übersicht zu Injektionsschäden konnte nicht eingesehen werden; Aussagen zum Verlauf nach Injektion entfallen.

Herkunft: Yuen et al. 1994; Kim et al. 2004; Farrell et al. 2005; Seward et al. 2026; Turkman et al. 2023.

15. Beschriebene Behandlungswege

Dieser Abschnitt gibt wieder, was im Schrifttum berichtet wird. Er ist keine Empfehlung und keine Behandlungsanweisung.

  • Operative Versorgung: Die größte chirurgische Reihe umfasst 353 Schäden, 175 in Höhe des Gesäßes und 178 am Oberschenkel; über das Vorgehen entschied die Messung von Nervenaktionspotenzialen während der Operation: bei erhaltener Leitung Neurolyse, sonst Naht oder Transplantat. [B] Die Ergebnisse stehen in Tabelle 12.
  • Übersicht über die Verfahren: Eine systematische Übersicht von 13 Arbeiten mit 2 627 Eingriffen zählte 1 192 Neurolysen, 953 Transplantate und 482 Nähte. [B] 81,5 % der Schäden lagen am Oberschenkel, häufigster Mechanismus war die Schussverletzung (22,6 %). [B] Transplantate unter 4 cm Länge schnitten besser ab. [B]
  • Vorbeugung bei Hüftprothesen: In einer Arbeit trat keine Lähmung auf, wenn die Sehne des M. gluteus maximus eingekerbt wurde, gegenüber drei Lähmungen ohne Einkerbung. [B]
  • Allgemeine Versorgung von Nervenverletzungen: Sie regelt die S3-Leitlinie AWMF 005-010, Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028. Eine Leitlinie eigens zu diesem Nerv gibt es nicht. [B]

Grenze dieser Seite

Keine Arbeit vergleicht Behandlungswege in zufällig zugeteilten Gruppen. Die Behandlung von Bandscheibenvorfall und Piriformis-Syndrom ist nicht Gegenstand dieser Seite.

Herkunft: Kim et al. 2004; Hurd et al. 2006; Turkman et al. 2023; AWMF-Register 005-010.

16. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ärztlich abgeklärt

Die folgenden Punkte sprechen gegen eine harmlose, sich selbst begrenzende Ursache. Sie sind keine Diagnose und keine Handlungsanweisung, sondern ein Hinweis auf Abklärungsbedarf.

  • Plötzliche Störung von Blase oder Darm, etwa ein Harnverhalt, oder Taubheit im Reithosengebiet: gilt als Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom. [B] Ebenso eine Schwäche beider Beine. [I]
  • Neue Beinlähmung nach einer Hüftoperation. [I]
  • Heftiger Schmerz mit Gewichtsverlust, dem Schwäche folgt oder der auf die Gegenseite übergreift. [B]
  • Langsam zunehmende Schwäche oder Schmerz im Nervengebiet ohne erkennbaren Anlass: Eine Raumforderung am Nerv ist dann auszuschließen. [I]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017; Dyck et al. 2001; die übrigen Punkte sind aus den Kapiteln 4 und 11 abgeleitet.

17. Häufige Fragen

Ist „Ischias“ ein Schaden des Ischiasnervs?

Meist nicht. „Ischias“ beschreibt einen Schmerz vom Gesäß ins Bein; häufigster Ursprung ist die Nervenwurzel an der Wirbelsäule. [I] Näheres in Kapitel 10.

Mein Fuß hängt. Ist das der N. ischiadicus oder der N. peroneus am Knie?

Das lässt sich klinisch oft nicht sicher sagen, weil der Ischiadicus-Schaden bevorzugt seinen Peroneusanteil trifft. [B] Entscheidend ist das EMG des kurzen Kopfs des M. biceps femoris oberhalb des Knies. [I] Näheres in Kapitel 9.

Kann eine Spritze ins Gesäß den Nerv schädigen?

Ja. In der größten chirurgischen Reihe war die Injektion die häufigste Ursache der operierten Schäden in Höhe des Gesäßes. [B]

Wie oft wird der Nerv bei einer Hüftprothese geschädigt?

Zwei große Reihen fanden 0,17 % und 0,4 %, meist am Peroneusanteil. [B] Nur ein Teil der Betroffenen erholte sich vollständig. [B]

Gibt es das Piriformis-Syndrom?

Es ist beschrieben, bleibt aber umstritten; für seine Zeichen liegt keine Treffsicherheit vor. [B] Es wird erst angenommen, wenn Wurzel und Nerv als Ursache ausgeschlossen sind. [I]

Kann ein Schaden am Ischiasnerv die Blase beeinträchtigen?

Nein. Die Nerven für Blase und Mastdarm laufen nicht im N. ischiadicus. [B] Eine plötzliche Blasenstörung mit Rücken- oder Beinschmerz ist ein Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom. [B]

Herkunft: die in den Kapiteln 3 bis 14 genannten Quellen; Standring, Gray’s Anatomy, zu den Beckennerven.

Teil E · Anatomische Einzelheiten

18. Ursprung, zwei Anteile, Stellung im Kreuzgeflecht

Der deutsche Name lautet Ischiasnerv oder Hüftnerv. [B] Er entsteht aus den vorderen Ästen von L4 bis S3. [B] Sein Tibialisanteil stammt aus den vorderen Teilungsästen dieser Wurzeln, sein Peroneusanteil aus den hinteren Teilungsästen von L4 bis S2. [B] Beide Anteile laufen von Anfang an getrennt in einer gemeinsamen Hülle. [B]

NervSegmenteZielgebiet
N. gluteus superiorL4, L5, S1M. gluteus medius, M. gluteus minimus, M. tensor fasciae latae
N. ischiadicusL4 bis S3Rückseite des Oberschenkels, Unterschenkel und Fuß
N. gluteus inferiorL5, S1, S2M. gluteus maximus
N. cutaneus femoris posteriorS1 bis S3Haut an unterem Gesäß, seitlichem Damm, äußerem Genitale und Oberschenkel-Rückseite bis zur Kniekehle
N. pudendusS2 bis S4äußere Schließmuskeln, Dammmuskeln; Haut von Damm und Genitale
Tabelle 13: Hauptäste des Kreuzgeflechts. Reihenfolge nach der Höhe des obersten Segments, bei gleicher Höhe nach dem Abgang von oben nach unten. Alle Angaben belegt [B].

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

19. Foramen infrapiriforme und Teilungshöhe

ReiheUmfangBefund
Smoll 2010Metaanalyse, 18 Studien, 6 062 Leichenabweichendes Verhältnis von Nerv und M. piriformis bei 16,9 % (95 %-KI 16,0–17,9); in Operationsreihen wegen Piriformis-Syndrom 16,2 %
Tomaszewski et al. 2016MetaanalyseAustritt als ein Stamm unterhalb des M. piriformis bei 85,2 %; Teilung im Becken mit Durchtritt des Peroneusanteils durch den Muskel bei 9,8 %; Breite am Unterrand des M. piriformis 15,55 mm; Teilung im Mittel 65,43 mm oberhalb der Kniekehle
Tabelle 14: Austritt und Teilungshöhe des Nervus ischiadicus in zwei Metaanalysen. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].

Beide Metaanalysen kommen auf eine Abweichung vom Regelbau bei etwa jedem sechsten bis siebten Menschen. [B] Zur Teilungshöhe außerhalb des Beckens fand Tomaszewski keine einheitlichen Daten, weil die Studien verschiedene Bezugspunkte verwenden. [B]

Herkunft: Smoll 2010; Tomaszewski et al. 2016.

20. Abweichungen vom Regelbau

  • Durchtritt durch den M. piriformis: Häufigste Abweichung ist ein Peroneusanteil, der den Muskel durchbohrt, während der Tibialisanteil darunter austritt. [B]
  • Hohe Teilung: Die beiden Anteile können sich schon im Becken oder in der Gesäßregion trennen. [B]

Eine hohe Teilung erklärt, warum ein Schaden in der Gesäßregion nur einen Anteil treffen kann. [I] Dass die Abweichung am M. piriformis ein Piriformis-Syndrom verursacht, stützt die Metaanalyse nicht: Sie war in Operationsreihen nicht häufiger als an Leichen. [B]

Herkunft: Tomaszewski et al. 2016; Smoll 2010.

21. Was dieser Nerv nicht führt

  • Keine eigenen Ganglien. Das Geflecht hat keine Ganglien; die Zellkörper der empfindenden Fasern liegen in den Spinalganglien L4 bis S3. [B]
  • Keine Fasern für Blase und Mastdarm. Sie laufen über die Beckeneingeweidenerven aus S2 bis S4 und über den N. pudendus. [B] Die Vorfassung dieser Seite ordnete Harnverhalt und Darmstörung dem N. ischiadicus zu; das ist falsch. [I]
  • Kein Hautfeld an der Rückseite des Oberschenkels. Es gehört zum N. cutaneus femoris posterior. [B]
  • Kein eigenes Dermatom und kein Sklerotom. Dermatom und Sklerotom gehören zu den Segmenten L4 bis S3. [I]
  • Keine Versorgung der Gesäßmuskeln. Sie gehören zu N. gluteus superior und N. gluteus inferior. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

22. Reflexzonenmodelle

Die drei folgenden Modelle wurden zwischen 1893 und 1953 veröffentlicht. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.

ModellGrundgedanke und VoraussetzungBezug zu diesem NervKennzeichen
Head-Zonenüberempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleitenkeine Zone; der Nerv führt keine viszeralen Afferenzen [I][H]
Mackenzie-Zonentastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur vorauskeine Zone; dieselbe Voraussetzung fehlt [I][H]
Bindegewebszonen nach Dickeveränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug vorausnicht begründbar, weil der Organbezug fehlt [I][H]
Tabelle 15: Geschichtliche Reflexzonenmodelle und ihr Bezug zu diesem Nerv. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

Die Vorfassung dieser Seite führte Bindegewebs-, Head- und Mackenzie-Zonen des N. ischiadicus als Tatsache und verband sie mit Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose. Das entfällt: Der Nerv führt empfindende Fasern aus Haut, Muskeln und Gelenken, aber keine aus inneren Organen. [B] Damit fehlt die Voraussetzung der Modelle. [I]

22.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern

Die vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer schmalen Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks. Sie reicht vom Segment Th1 bis etwa L2. [B]

Keine der Wurzeln dieses Nervs liegt in diesem Bereich; L4 bis S3 führen keine vorgeschalteten sympathischen Fasern. [B] Die sympathischen Fasern für das Bein stammen aus den unteren Brust- und oberen Lendensegmenten, werden im Grenzstrang umgeschaltet und erreichen den Nerv über die grauen Verbindungsäste (Rami communicantes grisei). [B]

Die parasympathischen Fasern der Segmente S2 bis S4 verlassen die Spinalnerven als Beckeneingeweidenerven und ziehen zu Blase, Mastdarm und Genitalorganen. [B] Sie laufen nicht im N. ischiadicus. [B] Der Nerv führt daher nur nachgeschaltete sympathische Fasern zu Gefäßen und Schweißdrüsen seines Gebiets; eine Wirkung auf innere Organe hat er nicht. [I]

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb 1909 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik; Standring, Gray’s Anatomy.

Teil F · Anhang

23. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
AchillessehnenreflexFußsenkung nach Schlag auf die Achillessehne; Segment S1
AWMFArbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Herausgeberin der deutschen Leitlinien
AusschlussdiagnoseDiagnose, die erst gestellt wird, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind
Beckeneingeweidenerven (Nn. splanchnici pelvici)parasympathische Nerven aus S2 bis S4 zu Blase, Mastdarm und Genitalorganen
DermatomHautgebiet einer einzelnen Rückenmarkswurzel
ElektrodiagnostikNadeluntersuchung der Muskeln und Messung der Nervenleitung
EntmarkungSchaden an der Markscheide bei erhaltenem Nervenfortsatz; heilt meist rascher als ein Faseruntergang
Foramen infrapiriformeunterer Durchtritt im großen Sitzbeinloch, unterhalb des M. piriformis
FußheberschwächeSchwäche beim Anheben von Fuß und Zehen; führt zum Steppergang
GrenzstrangKette vegetativer Nervenknoten neben der Wirbelsäule
Infarkt des NervsUntergang von Nervenfasern durch Verschluss der versorgenden Gefäße
KraftgradEinteilung der Muskelkraft von 0 (keine Anspannung) bis 5 (normale Kraft); Grad 3 bedeutet Bewegung gegen die Schwerkraft
KaudasyndromDruck auf die Nervenwurzeln unterhalb des Rückenmarks mit Störung von Blase, Darm und Beinen
KennmuskelMuskel, dessen Ausfall auf einen bestimmten Nerv oder ein bestimmtes Segment weist
Likelihood-VerhältnisFaktor, um den ein positiver Befund die Wahrscheinlichkeit einer Diagnose erhöht; ab 5 gilt der Anstieg als deutlich
Nervenaktionspotenzialwährend der Operation abgeleitete Antwort eines Nervs; zeigt, ob Fasern eine Schadstelle überbrücken
Neurolyseoperative Lösung eines Nervs aus Narbengewebe
Nucleus intermediolateralisZellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks von Th1 bis etwa L2; Ursprung der vorgeschalteten sympathischen Fasern
Peroneusanteil und Tibialisanteildie beiden Faserbündel des N. ischiadicus, die in einer Hülle laufen und sich zu N. peroneus communis und N. tibialis trennen
Piriformis-Syndromumstrittene Einengung des N. ischiadicus durch den M. piriformis
PolyneuropathieErkrankung vieler Nerven zugleich, meist beidseits und an den Füßen beginnend
Radikuloplexusneuropathiegleichzeitige Schädigung von Nervenwurzeln und Nervengeflecht durch Entzündung kleiner Gefäße
ReithosengebietHautgebiet an Damm, Gesäßinnenseite und Oberschenkel-Innenseite; ein Ausfall dort weist auf ein Kaudasyndrom
SklerotomKnochen- und Bandgebiet eines Rückenmarkssegments
SteppergangGangbild bei Fußheberschwäche mit hohem Anheben des Knies
Truncus lumbosacralisNervenstrang aus L4 und L5, der das Lendengeflecht mit dem Kreuzgeflecht verbindet
Tabelle 16: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

24. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Herkunftszeilen, die nur Standardwerke nennen, geben den Lehrbuchstand wieder. Die Fundstellen in diesen Werken sind noch nicht mit Seitenzahl geprüft; das steht unter „Offene Punkte“ in Kapitel 25.4.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

25. Grundlage und Quellen

25.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

25.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1Yuen EC, Olney RK, So YT. Sciatic neuropathy: clinical and prognostic features in 73 patients. Neurology 1994;44(9):1669–1674Reihe, 73 von 92 ZuweisungenLeitquelle Klinik
2Yuen EC, So YT, Olney RK. The electrophysiologic features of sciatic neuropathy in 100 patients. Muscle Nerve 1995;18(4):414–420EMG-Reihe, 100 PatientenLeitquelle Differenzialdiagnostik
3Dyck PJB, Norell JE, Dyck PJ. Microvasculitis and ischemia in diabetic lumbosacral radiculoplexus neuropathy. Neurology 1999;53:2113–2121vorausschauende Reihe, 33 Patienten
4Dyck PJB, Norell JE, Dyck PJ. Non-diabetic lumbosacral radiculoplexus neuropathy: natural history, outcome and comparison with the diabetic variety. Brain 2001;124(6):1197–1207Vergleichsreihe, 57 und 33 Patienten
5Kim DH, Murovic JA, Tiel R, Kline DG. Management and outcomes in 353 surgically treated sciatic nerve lesions. J Neurosurg 2004;101(1):8–17chirurgische Reihe, 353 SchädenErgebnisse aus der Zusammenfassung
6Farrell CM, Springer BD, Haidukewych GJ, Morrey BF. Motor nerve palsy following primary total hip arthroplasty. J Bone Joint Surg Am 2005;87(12):2619–2625Kohorte, 27 004 Hüftprothesen
7Hurd JL, Potter HG, Dua V, Ranawat CS. Sciatic nerve palsy after primary total hip arthroplasty: a new perspective. J Arthroplasty 2006;21(6):796–802Fallbericht mit Vergleichsgruppenkleine Fallzahl
8Hopayian K, Song F, Riera R, Sambandan S. The clinical features of the piriformis syndrome: a systematic review. Eur Spine J 2010;19(12):2095–2109systematische Übersicht, 55 Studien
9Smoll NR. Variations of the piriformis and sciatic nerve with clinical consequence: a review. Clin Anat 2010;23(1):8–17Metaanalyse, 18 Studien, 6 062 Leichen
10Suri P, Rainville J, Katz JN, Jouve C, Hartigan C, Limke J, Pena E, Li L, Swaim B, Hunter DJ. The accuracy of the physical examination for the diagnosis of midlumbar and low lumbar nerve root impingement. Spine 2011;36(1):63–73Querschnittsstudie, Kernspin als Vergleichsmaßstab
11Iversen T, Solberg TK, Romner B, Wilsgaard T, Nygaard Ø, Waterloo K, Brox JI, Ingebrigtsen T. Accuracy of physical examination for chronic lumbar radiculopathy. BMC Musculoskelet Disord 2013;14:206Diagnosestudie, 116 Patienten
12Tomaszewski KA, Graves MJ, Henry BM, Popieluszko P, Roy J, Pękala PA, Hsieh WC, Vikse J, Walocha JA. Surgical anatomy of the sciatic nerve: a meta-analysis. J Orthop Res 2016;34(10):1820–1827MetaanalyseLeitquelle Anatomie
13Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, 2017. AWMF nvl-007Leitlinielaut Register abgelaufen; nur für die Warnhinweise
14Hopayian K, Danielyan A. Four symptoms define the piriformis syndrome: an updated systematic review of its clinical features. Eur J Orthop Surg Traumatol 2018;28(2):155–164systematische Übersicht
15Fisse AL, Katsanos AH, Gold R, Krogias C, Pitarokoili K. Cross-sectional area reference values for peripheral nerve ultrasound in adults: a systematic review and meta-analysis – Part II: Lower extremity nerves. Eur J Neurol 2021;28(7):2313–2318Metaanalyse, 16 Studien, 1 001 Gesundeenthält den Stamm des N. ischiadicus nicht
16Turkman A, Thanaraaj V, Soleimani-Nouri P, Harb E, Thakkar M. Outcomes of sciatic nerve injury repairs: a systematic review. Eplasty 2023;23:e42systematische Übersicht, 13 Arbeiten, 2 627 Eingriffe
17AWMF. S3-Leitlinie 005-010: Versorgung peripherer Nervenverletzungen. Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028Leitlinieam Register geprüft am 21.09.2026
18Seward MW, Brown TS, Larson DR, Spinner RJ, Trousdale RT, Berry DJ, Abdel MP. Motor nerve palsy after primary total hip arthroplasty: a case-control analysis with radiographic review. J Arthroplasty 2026;41(5):1543–1547Fall-Kontroll-Studie, 10 604 Hüftprothesen
19Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
20Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
21Mumenthaler M, Stöhr M, Müller-Vahl H. Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
22Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; Teil II Brain 1894;17:339–480; Teil III Brain 1896;19:153–276geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
23Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw and Sons; 1909geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
24Dicke E. Meine Bindegewebsmassage. Stuttgart: Hippokrates; 1953geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
Tabelle 17: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

25.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen; sie dienten nur zur Auffindung der Originalarbeiten. Eine Metaanalyse zu Varianten von Nerv und M. piriformis in einer Zeitschrift mit Grenzfall-Status entfällt, weil Smoll 2010 und Tomaszewski et al. 2016 dieselben Aussagen tragen. Eine Metaanalyse zur Teilungshöhe von 2026 entfällt aus demselben Grund. Eine systematische Übersicht zu Injektionsschäden (Mishra und Stringer 2010) konnte nicht eingesehen werden.

25.4 Offene Punkte

  • Die Aussagen, die auf den drei Standardwerken beruhen, geben den Lehrbuchstand wieder und sind noch nicht mit Auflage und Seitenzahl geprüft. Betroffen sind vor allem die Kapitel 2, 3, 18, 21 und 22.1.
  • Die Seite enthält keine Abbildung.

Grenzen der Literatur (Stand der Recherche: 21. September 2026). Diese Punkte sind gesucht und nicht auffindbar; sie sind kein Arbeitsrückstand dieser Seite. Für die Zeichen des Piriformis-Syndroms liegt keine Treffsicherheit vor. Für die Orte einer Fußheberschwäche gibt es außer der Abspreizerschwäche keine Trefferquoten. Für den Stamm des N. ischiadicus liegen keine metaanalytischen Ultraschall-Normwerte vor.

25.5 Korrekturen gegenüber der Vorfassung

GeändertWarumErsetzt
Seite nach den gemeinsamen Bausteinen in 25 Kapitel und sechs Teile gegliederteinheitlicher Aufbau der Nervenseiten; Klinik und Differenzialdiagnostik stehen vornGliederung in zehn Abschnitte
Hautgebiet berichtigt: Unterschenkel und Fuß außer der Innenseitedie Oberschenkel-Rückseite gehört zum N. cutaneus femoris posterior„seitliche und hintere Hautareale des Beins“
Hüftstreckung durch die Kniebeuger und hinterer Teil des M. adductor magnus ergänztunvollständigAbschnitt „Funktion“
Aussage, der Plexus „koordiniere, schütze und stabilisiere“, gestrichenohne BelegAbschnitt „Segmentale Zuordnung“
Zwei Anteile in einer Hülle, wechselnde Teilungshöhedie Vorfassung nannte nur eine Teilung in der KniekehleAbschnitt „Präziser Verlauf“
„Bandscheibenvorfälle in L4 bis S3“ berichtigtdas Kreuzbein ist verknöchert; Lendenbandscheiben treffen die Wurzeln L4 bis S1Abschnitt „Symptome“
Piriformis-Syndrom als umstrittene Ausschlussdiagnose eingeordnetdie Vorfassung führte es als feste Engstelle durch „Verspannung“Abschnitt „Symptome“
Kurzer Kopf des M. biceps femoris als Höhenzeichen ergänzt; Hyper- und Hypotonus gestrichenwichtigstes Trennzeichen zum N. peroneus; Tonusaussagen ohne BelegAbschnitt „Kennmuskel“
„Ganglien des Plexus sacralis“ mit Harnverhalt und Darmstörung gestrichenfalsch und klinisch gefährlich: Das Geflecht hat keine Ganglien; Blase und Darm sind Warnzeichen eines KaudasyndromsAbschnitt „Ganglien“
Aussagen zu Blasenkontrolle und Inkontinenz gestrichendie Fasern für Blase und Mastdarm laufen nicht in diesem NervAbschnitt „Organe (Enterotome)“
Knochen als „Sklerotome des N. ischiadicus“ gestrichendas Sklerotom gehört zum SegmentAbschnitt „Sklerotome“
Dermatomzuordnung berichtigtAußenseite des Unterschenkels und Fußrücken gehören zu L5, Fußaußenrand und Ferse zu S1; das Nervengebiet ist kein DermatomAbschnitt „Dermatome“
Bindegewebs-, Head- und Mackenzie-Zonen als geschichtliche Modelle [H] eingeordnet; Verwechslung mit dem McKenzie-Verfahren und Schreibweise „MacKenzie“ berichtigtohne Beleg; zwei verschiedene Modelle vermengtAbschnitte „Bindegewebszonen“, „Head-Zonen“, „MacKenzie-Zonen“
Differenzialdiagnostik neu in den Kapiteln 8 bis 13Schwerpunkt der Reihe„Zusammenfassung der Differenzialdiagnosen“
Kennzeichen an jeder Aussage, Quellenverzeichnis und Lesart ergänztQuellenmaßstab der Reiheneu
Tabelle 18: Korrekturen gegenüber der Vorfassung. Reihenfolge nach der Seitenfolge.

25.6 Änderungsvermerk

Geändert: Seite nach den gemeinsamen Bausteinen der Nervenseiten neu geschrieben, mit Differenzialdiagnostik als Schwerpunkt, Kennzeichen je Aussage und Quellenverzeichnis. Warum: Vereinheitlichung mit den Hals- und Lendennervenseiten; die Vorfassung enthielt sachliche Fehler, darunter eine klinisch gefährliche Zuordnung von Blasen- und Darmstörungen, und keine Quellen. Ersetzt: Fassung der Seite vom Abruf am 21. September 2026.

Optimierung vor V 1.0 – geändert: Operationsergebnisse nach Anteil und Höhe ergänzt; Widerspruch zur systematischen Übersicht aufgenommen; Ultraschall-Normwerte der Endäste ergänzt und Lücke für den Stamm belegt. Warum: offene Punkte aus V 0.5. Ersetzt: Teilentwürfe V 0.3 bis V 0.5.

V 1.1 – geändert: Seitenadresse auf „nervus-ischiadicus“ umgestellt; Verweise der übrigen Lendennervenseiten angepasst. Warum: sprechende Adresse. Ersetzt: V 1.0.

V 1.2 – geändert: Vertrauensbereich des Achillessehnenreflexes ergänzt und als unsicher gekennzeichnet; Testverbindung für die Wurzel L5 aufgenommen; Befunde der systematischen Übersicht zur operativen Versorgung ergänzt; zwei Fundstellen vervollständigt. Warum: Optimierungsdurchläufe. Ersetzt: V 1.1.

V 1.3 – geändert: Leiste auf alle 18 Seiten des Lenden- und Kreuzgeflechts erweitert. Warum: Abschluss der Reihen „Lumbale Nerven“ und „Nervi sacrales“. Ersetzt: V 1.2.

V 1.4 – geändert: Zeile N. pudendus im Kreuzgeflecht berichtigt; Verweis auf die Seite Nervus piriformis; Hautgebiet des N. cutaneus femoris posterior in der Geflechttabelle vervollständigt. Warum: Optimierung beider Reihen. Ersetzt: V 1.3.

V 1.5 – geändert: Leiste um die Übersicht der Brustnerven ergänzt. Warum: Verbindung zur Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.4.

V 1.6 – geändert: Leiste um N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis, N. genitofemoralis und N. cutaneus femoris lateralis ergänzt. Warum: Ergänzung des Lendengeflechts. Ersetzt: V 1.5.

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V 1.6 · Stand: 21. September 2026 · Quellen geprüft am 21. September 2026