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Nervus obturatorius

Der Nervus obturatorius ist ein Ast des Lendengeflechts mit Fasern aus L2, L3 und L4. [B] Er verlässt das Becken durch den Canalis obturatorius und versorgt die Anzieher des Oberschenkels, den M. gracilis und den M. obturatorius externus. [B]

Sein Ausfall schwächt das Anziehen des Beins. [B] Zum Arzt führt aber meist der Schmerz an Leiste und Oberschenkel-Innenseite; die Schwäche wird oft erst im EMG sichtbar, und ein Gefühlsausfall fehlt häufig. [B]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv versorgt die Anzieher des Oberschenkels, den M. gracilis und den M. obturatorius externus, dazu Äste zu Hüft- und Kniegelenk. [B]
  • Leitsymptom ist der Schmerz an Leiste und Oberschenkel-Innenseite; in einer EMG-Reihe von 22 Patienten fiel eine Schwäche vor dem EMG nur bei sechs auf. [B]
  • Ein eigenes Hautfeld fehlte bei 57 % der Untersuchten; verlässlich prüft man den Nerv über die Kraft der Anzieher. [B]
  • Bei großen gynäkologischen Beckeneingriffen war er in einer Reihe von 1 210 Operationen der am häufigsten geschädigte Nerv. [B]
  • Wichtigste Abgrenzungen: Wurzeln L2 bis L4, lumbosakrale Radikuloplexusneuropathie, N. femoralis, Hüftgelenk, Hernia obturatoria und Leistenschmerz des Sportlers. [I]

Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 13. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Fasern ausL2, L3 und L4[B]
AbgangPlexus lumbalis, aus den vorderen Teilungsästen; Austritt am Innenrand des M. psoas major[B]
Faserartgemischt: bewegend für die Anzieher, empfindend für ein wechselndes kleines Hautfeld und für Hüft- und Kniegelenk[B]
ZielgebietM. obturatorius externus, Mm. adductores longus, brevis und magnus (Adduktorenanteil), M. gracilis, unbeständig M. pectineus; Haut an der Innenseite des Oberschenkels oder am oberen Rand der Kniekehle, oft keine[B]
Leitzeichen einer SchädigungSchmerz an Leiste und Oberschenkel-Innenseite, Schwäche beim Anziehen des Beins[I]
Wichtigste AbgrenzungenWurzeln L2 bis L4, lumbosakrale Radikuloplexusneuropathie, N. femoralis, Hüftgelenk, Hernia obturatoria (Kapitel 9 bis 13)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus obturatorius. Reihenfolge: von der Herkunft zum klinischen Bild. Teilungsort, Maße und Abweichungen vom Regelbau stehen in den Kapiteln 19 und 20.

Die zugehörigen Segmentseiten sind Segment L2, Segment L3 und Segment L4.

Herkunft: anatomische und neurologische Standardwerke (Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus; Mumenthaler, Stöhr und Müller-Vahl); Bouaziz et al. 2002 zum Hautfeld. Leitzeichen und Abgrenzungen sind aus den Kapiteln 3, 5 und 9 bis 13 abgeleitet.

2. Verlauf in Kürze

Der Nerv entsteht im M. psoas major, zieht an der Seitenwand des kleinen Beckens nach vorn unten und verlässt das Becken durch den Canalis obturatorius. [B] Am Oberschenkel teilt er sich in einen vorderen und einen hinteren Ast, die zwischen den Schichten der Anzieher laufen. [B]

  1. Im großen Becken: Er tritt am Innenrand des M. psoas major aus, und zieht hinter den Beckengefäßen in das kleine Becken. [B]
  2. An der Beckenseitenwand: Er läuft entlang der Seitenwand zum Canalis obturatorius, in enger Nachbarschaft zu den Lymphknoten der Beckenwand. [B]
  3. Im Canalis obturatorius: Er zieht mit A. und V. obturatoria durch den Kanal am oberen Rand des Foramen obturatum und gibt Äste zum M. obturatorius externus und zum Hüftgelenk ab. [B]
  4. Am Oberschenkel: Der vordere Ast läuft vor dem M. adductor brevis, hinter M. pectineus und M. adductor longus; der hintere Ast läuft hinter dem M. adductor brevis zum M. adductor magnus. [B] Wo sich der Nerv teilt, wechselt von Mensch zu Mensch (Kapitel 19). [B]

Drei Engstellen erklären die meisten Schäden: die Beckenseitenwand bei Eingriffen, der Canalis obturatorius bei der Hernie und die Faszie über dem M. adductor brevis beim Sportler (Kapitel 4). [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Anagnostopoulou et al. 2009 zum wechselnden Teilungsort; Bradshaw et al. 1997 zur Faszie über dem M. adductor brevis.

3. Versorgungsgebiet

3.1 Die versorgten Muskeln

MuskelAstAufgabeKennzeichen
M. obturatorius externusStamm oder hinterer AstAußendrehung im Hüftgelenk[B]
M. pectineusunbeständig vorderer Ast oder N. obturatorius accessorius; Hauptnerv ist der N. femoralisAnziehen und Beugen im Hüftgelenk[B]
M. adductor longusvorderer AstAnziehen[B]
M. adductor brevisvorderer und hinterer AstAnziehen[B]
M. gracilisvorderer AstAnziehen, Beugen im Kniegelenk[B]
M. adductor magnus, Adduktorenanteilhinterer Ast; der ischiokrurale Anteil gehört zum N. tibialisAnziehen[B]
Tabelle 2: Muskeln des Nervus obturatorius. Reihenfolge: von proximal nach distal, nach der Abgangshöhe des Astes.

Ein Kennmuskel ist ein Muskel, dessen Ausfall auf einen bestimmten Nerv oder ein bestimmtes Segment weist. Für diesen Nerv sind es die Anzieher des Oberschenkels. [I] Ein Teil der Anziehkraft kommt aber aus anderen Nerven: über den M. pectineus aus dem N. femoralis und über den hinteren Teil des M. adductor magnus aus dem N. tibialis. [B] Ein vollständiger Ausfall des N. obturatorius schwächt das Anziehen deshalb stark, hebt es aber nicht auf. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Benes et al. 2024 zum N. obturatorius accessorius.

3.2 Hautast und Gelenkäste

Die Lehrbücher beschreiben einen Hautast aus dem vorderen Ast für ein Feld an der unteren Innenseite des Oberschenkels. [B] Die Wirklichkeit ist unbeständiger. Bouaziz und Mitarbeiter blockierten den Nerv gezielt bei 30 Patienten: Bei 57 % entstand kein Hautausfall, bei 23 % ein Feld am oberen Rand der Kniekehle, bei 20 % ein Feld an der Innenseite des Oberschenkels. [B] Eine Sezierreihe an 25 Präparaten fand den Hautast nur in 24 %; in 20 % versorgte der vordere Ast die Haut im mittleren Drittel der Oberschenkel-Innenseite, allein oder über Verbindungen zum N. femoralis. [B] Solche Verbindungen fanden sich in 12 %. [B]

Der Nerv gibt Äste zum Hüftgelenk ab, meist aus dem Stamm, und über den hinteren Ast zum Kniegelenk. [B] Nach einer systematischen Übersicht gehören N. obturatorius, N. femoralis und N. gluteus superior zu den Nerven, die den schmerzempfindlichsten Bereich der Hüftkapsel versorgen. [B] Daraus erklärt sich, dass Schmerz aus dem Hüftgelenk an der Innenseite des Knies empfunden werden kann. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Laumonerie et al. 2021 zu den Gelenkästen; Bouaziz et al. 2002; Fuchssteiner et al. 2026.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

OrtAnlassMechanismusKennzeichen
Wurzeln und Geflechtlumbosakrale RadikuloplexusneuropathieEntzündung kleiner Gefäße des Nervs[B]
Beckenseitenwandgroße gynäkologische und urologische Eingriffe, besonders mit Entfernung der Beckenlymphknotenunmittelbare Verletzung, Dehnung, Einschluss in eine Naht, Druck durch Wundhaken[B]
BeckenRaumforderungen und andere Ursachen aus dem KörperinnerenDruck auf der langen Strecke im und außerhalb des Beckens[B]
Canalis obturatoriusHernia obturatoria, fast nur bei älteren, schlanken FrauenDruck durch den Bruchinhalt im Kanal[B]
Oberschenkel, Faszie über dem M. adductor brevisLeistenschmerz beim SportlerEinklemmung durch eine derbe Faszie[B]
Tabelle 3: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge: von proximal nach distal.

4.1 Häufigkeiten

ReiheUmfangBefund
Cardosi et al. 20021 210 große gynäkologische Beckeneingriffe23 Neuropathien (1,9 %); N. obturatorius am häufigsten betroffen (9), vor N. ilioinguinalis und iliohypogastricus (5), N. genitofemoralis (4) und N. femoralis (3)
Sorenson et al. 2002EMG-Labor der Mayo Clinic, 1975 bis 199922 im EMG belegte Obturatorius-Neuropathien in 25 Jahren; 17 unmittelbar nach einem klar bestimmbaren Ereignis
Bohrer et al. 2009616 Patientinnen, vorausschauend untersucht14 Nervenschäden bei 11 Patientinnen (1,8 %); kein Schaden des N. obturatorius
Trapasso et al. 20191 584 gynäkologische Tumorpatientinnen in fünf Jahren3 Verletzungen des N. obturatorius während der Operation (0,19 %); alle in derselben Sitzung genäht, vollständige Rückbildung innerhalb von drei Monaten
Schizas et al. 2021systematische Übersicht, 146 PatientenHernia obturatoria: 0,07 bis 1 % aller Hernien
Tabelle 4: Häufigkeit und Anlässe in fünf Arbeiten. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].

Widerspruch: Wie oft trifft ein Beckeneingriff diesen Nerv?

Cardosi fand den N. obturatorius als häufigsten geschädigten Nerv, Bohrer keinen einzigen Fall. [B] Die Reihen erfassen verschiedene Eingriffe: Die eine stammt aus der gynäkologischen Tumorchirurgie mit ausgedehnter Präparation an der Beckenwand, die andere umfasst überwiegend geplante Eingriffe an gut- und bösartigen Befunden. [I] Beide Befunde bleiben stehen; das Risiko hängt von der Nähe des Eingriffs zur Beckenseitenwand ab. [I]

Weil der Nerv eine lange Strecke im und außerhalb des Beckens hat, kommen viele Ursachen aus dem Körperinneren in Frage; eine Übersicht von 2025 ordnet sie nach der Ursache und leitet daraus einen Abklärungsweg ab. [B] Eine Reihe mit Fallzahl zur Schädigung bei Hüftprothesen liegt nicht vor. [I]

Herkunft: Cardosi et al. 2002; Sorenson et al. 2002; Bohrer et al. 2009; Trapasso et al. 2019; Schizas et al. 2021; Bradshaw et al. 1997; Scharfetter et al. 2025; Dyck et al. 1999 und 2001 zur Radikuloplexusneuropathie.

5. Beschwerdebild

ZeichenHäufigkeit oder AusprägungKennzeichen
Schmerz an Oberschenkel-Innenseite oder Leiste16 von 22, häufigstes Symptom[B]
Schwäche der Anzieher, vor dem EMG erkannt6 von 22[B]
Gefühlsverlust, vom Patienten angegeben6 von 22[B]
Belastungsschmerz beim Sportlerbeginnt am Ursprung der Anzieher und zieht an der Innenseite nach unten[B]
Schmerz bei Hernia obturatoria (Howship-Romberg-Zeichen)56,2 % in einer Übersicht, 12,5 % in einer Klinikreihe[B]
Tabelle 5: Zeichen einer Schädigung des Nervus obturatorius. Reihenfolge: erst die EMG-Reihe von Sorenson et al. 2002 (22 Patienten), dann die Sonderformen.

Der Schmerz steht im Vordergrund, die Schwäche wird leicht übersehen. [I] Das passt zur Anatomie: Andere Nerven übernehmen einen Teil des Anziehens, und ein Hautfeld fehlt oft (Kapitel 3). [I] Bei der Hernia obturatoria stehen meist Zeichen des Darmverschlusses im Vordergrund, nicht der Nervenschmerz. [B]

Herkunft: Sorenson et al. 2002; Bradshaw et al. 1997; Schizas et al. 2021; Li et al. 2021.

6. Untersuchung

  • Anziehen des Oberschenkels: gegen Widerstand und im Seitenvergleich, im Sitzen oder Liegen; dort gelingt die Prüfung zuverlässig. [B] Nach der Blockadestudie von Bouaziz ist die Kraft der Anzieher das einzige verlässliche Maß für die Funktion dieses Nervs. [B]
  • Kniestreckung und Hüftbeugung: Sie gehören zum N. femoralis. Eine Schwäche dort spricht gegen eine alleinige Schädigung des N. obturatorius. [I]
  • Fußhebung: Der M. tibialis anterior gehört zu L4, aber nicht zu diesem Nerv. Eine Schwäche weist auf die Wurzel. [I]
  • Adduktorenreflex: im Seitenvergleich; seine Segmente sind L2 bis L4. [B]
  • Gefühl: an der Innenseite des Oberschenkels und am oberen Rand der Kniekehle. Ein normaler Befund spricht nicht gegen diesen Nerv, weil das Hautfeld oft fehlt. [I]
  • Beim Sportler: nach Belastung untersuchen, nicht nur in Ruhe. [B]

Lücke: Keine Gütezahlen

Für keine dieser Prüfungen liegen Trefferquoten bei Schädigung des N. obturatorius vor. Das Howship-Romberg-Zeichen ist ein Zeichen der Hernie, keine Prüfung des Nervs; seine Häufigkeit schwankt zwischen den Quellen stark (Kapitel 5).

Herkunft: DGN-Leitlinie 030/058, 2018, abgelaufen am 10.01.2023, zur Prüfung der Anzieher; Bouaziz et al. 2002; Bradshaw et al. 1997; Bähr und Frotscher, Duus, zum Adduktorenreflex; Standring, Gray’s Anatomy, zur Zuordnung der Muskeln.

7. Apparative Diagnostik

7.1 Elektrodiagnostik

Die Nadeluntersuchung der Anzieher belegt den Schaden; bei Sportlern mit Einklemmung zeigte sie eine Denervierung der Anzieher. [B] Zur Abgrenzung gehören Quadrizeps, Hüftbeuger, M. tibialis anterior und die Rückenstrecker neben der Wirbelsäule dazu. [I]

Wie wichtig diese Abgrenzung ist, zeigt die Mayo-Reihe: Von 38 Patienten mit Verdacht auf eine Obturatorius-Neuropathie hatten 15 nach dem EMG einen Schaden an anderer Stelle, an Wurzel, Geflecht oder N. femoralis. [B] Der klinische Verdacht allein trägt die Diagnose also nicht. [I]

7.2 Ultraschall

Bei 20 Freiwilligen war der gemeinsame Stamm nur in 25 % der Seiten darstellbar, der vordere Ast in 85 % und der hintere in 87,5 %. [B] Die Autoren nennen den Nerv und seine Äste die flachsten bisher im Ultraschall beschriebenen peripheren Nerven. [B] Normwerte der Querschnittsfläche liegen nicht vor. [I]

7.3 Schnittbildgebung

Für die Hernia obturatoria ist die Computertomographie das Verfahren der Wahl; eine Übersicht mit 876 Patienten nennt eine Treffsicherheit vor der Operation von 93,2 %. [B] In der Übersicht von 2021 war ihr Einsatz mit einer geringeren Sterblichkeit um die Operation verbunden. [B] Bei Verdacht auf eine Raumforderung im Becken klärt die Schnittbildgebung den Verlauf des Nervs von der Wurzel bis zum Kanal. [I]

Herkunft: Sorenson et al. 2002; Bradshaw et al. 1997; Soong et al. 2007; Schizas et al. 2021; Bademkıran 2026.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Das Wichtigste in Kürze

  • In der größten EMG-Reihe lag bei 15 von 38 Verdachtsfällen der Schaden an anderer Stelle: an Wurzel, Geflecht oder N. femoralis. [B]
  • Schmerz ohne erkennbare Schwäche und ohne Hautausfall schließt diesen Nerv nicht aus; entscheidend ist die Kraft der Anzieher und das EMG. [I]
  • Die Trennzeichen liegen außerhalb des Nervengebiets: Kniestreckung und Hüftbeugung für N. femoralis und obere Wurzeln, Fußhebung für L4, im EMG die Rückenstrecker. [I]
  • Die gefährlichste Verwechslung ist die Hernia obturatoria: Sie betrifft vor allem ältere, schlanke Frauen und zeigt sich meist als Darmverschluss. [B]

Die Ordnung dieser Kapitel folgt nicht der Häufigkeit, sondern Leitfragen. [I]

  1. Ist das Anziehen schwach? Dann entscheiden Kniestreckung, Hüftbeugung und Fußhebung über die Höhe der Schädigung; das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Steht Schmerz an der Oberschenkel-Innenseite oder am Knie im Vordergrund? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Ist es ein Sportler mit belastungsabhängigem Leistenschmerz? Das führt zu Kapitel 11. [I]
  4. Ging ein Eingriff im Becken voraus? Das führt zu Kapitel 12. [I]
LeitbefundKapitelErste Abklärung
Ältere, schlanke Frau mit Bauchschmerz, Erbrechen oder Stuhlverhalt und Schmerz an der Oberschenkel-Innenseite10Computertomographie des Beckens ohne Aufschub [I]
Schmerz und Schwäche beim Anziehen unmittelbar nach einem Eingriff an der Beckenwand12Befund sofort festhalten; bei Verdacht auf Durchtrennung frühe operative Klärung [I]
Heftiger Schmerz an Hüfte und Oberschenkel, Gewichtsverlust, danach Schwäche9Elektrodiagnostik beider Beine, Suche nach einem Diabetes [I]
Schwaches Anziehen zusammen mit schwacher Kniestreckung, Hüftbeugung oder Fußhebung9Elektrodiagnostik mit Rückenstreckern, Bildgebung der Lendenwirbelsäule [I]
Sportler mit Leistenschmerz nach Belastung11Untersuchung nach Belastung, Elektrodiagnostik der Anzieher [I]
Tabelle 6: Leitbefunde und wohin sie führen. Reihenfolge nach der Dringlichkeit der Abklärung, nicht nach der Häufigkeit.

Die Hernia obturatoria steht oben, weil eine späte Diagnose den Darm gefährdet: In einer Übersicht mit 876 Patienten war eine Darmresektion bei 31,6 % nötig, und sie ging mit einer Sterblichkeit nach 30 Tagen von 19,6 % statt 3,9 % einher; die Zahlen sind beschreibend zusammengestellt, nicht statistisch gepoolt. [B] Häufig ist die Hernie nicht; sie macht 0,07 bis 1 % aller Hernien aus. [B]

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: Sorenson et al. 2002; Bouaziz et al. 2002; Schizas et al. 2021 und Bademkıran 2026 zur Hernie; Dyck et al. 2001 und Ng et al. 2019 zur Radikuloplexusneuropathie. Die Leitfragen sind aus den Kapiteln 3 bis 7 abgeleitet.

9. Differenzialdiagnostik: Schwaches Anziehen

Ausgangspunkt ist ein Befund: Das Anziehen des Oberschenkels ist gegen Widerstand schwächer als auf der Gegenseite. Sechs Ursachen sind zu trennen.

UrsacheHüftbeugungKniestreckungFußhebungUnterscheidendes Merkmal
N. obturatoriuskräftigkräftigkräftigSchmerz an Leiste und Innenseite; im EMG nur die Anzieher betroffen [I]
Wurzel L2 oder L3oft schwachoft schwachkräftigRückenschmerz mit Ausstrahlung nach vorn; Dehnungstest und Kniesehnenreflex auffällig [B]
Wurzel L4kräftigkräftig oder leicht schwachschwachSchwäche des M. tibialis anterior, der nicht zu diesem Nerv gehört [I]
Lumbosakrale Radikuloplexusneuropathieschwachoft schwachim Verlauf oft schwachSchmerz vor der Schwäche, Gewichtsverlust, Ausbreitung auf die Gegenseite [B]
Adduktorenbedingter LeistenschmerzkräftigkräftigkräftigDruckschmerz an den Anziehern und Schmerz beim Anziehen gegen Widerstand [B]; Kraft durch Schmerz gehemmt, EMG unauffällig [I]
Hüftgelenkschmerzhaft gehemmtkräftigkräftigLeistenschmerz bei Belastung und Drehung, eingeschränkte Beweglichkeit, keine Nervenzeichen [I]
Tabelle 7: Sechs Ursachen eines schwachen Anziehens. Reihenfolge: erst dieser Nerv, dann Wurzeln und Geflecht, zuletzt Sehne und Gelenk.

Diese Tabelle spiegelt die Femoralis-Seite. Dort trennten die Anzieher den Nerv von der Wurzel; hier trennen Kniestreckung und Hüftbeugung. [I] Beide Nerven haben dieselben Wurzeln L2 bis L4, aber verschiedene Muskeln: Ein Wurzel- oder Geflechtschaden trifft beide Gruppen, ein Nervenschaden nur eine. [I]

Die Mayo-Reihe zeigt, wie oft diese Trennung nötig ist: 15 von 38 Verdachtsfällen hatten nach dem EMG einen Schaden an Wurzel, Geflecht oder N. femoralis. [B]

Lücke: Die Tabelle ordnet, sie entscheidet nicht

Für keine Zeile liegt eine Trefferquote im Vergleich zu den übrigen vor. Die Zeile zum Hüftgelenk ist aus der Faserlage abgeleitet: Das Gelenk führt keine Nervenfasern zu den Anziehern.

Herkunft: Sorenson et al. 2002; Suri et al. 2011 zu den Wurzelzeichen; Dyck et al. 1999 und 2001 zur Radikuloplexusneuropathie; Weir et al. 2015 zum adduktorenbedingten Leistenschmerz; Standring, Gray’s Anatomy, zur Muskelzuordnung.

10. Differenzialdiagnostik: Schmerz an Oberschenkel-Innenseite und Knie

UrsacheSchmerzortBegleitzeichenKennzeichen
N. obturatoriusLeiste und Innenseite des Oberschenkels, selten oberer Rand der KniekehleSchwäche der Anzieher, oft erst im EMG; Hautausfall oft fehlend[B]
Hernia obturatoriaInnenseite des Oberschenkels bis zum Knie, verstärkt bei Streckung, Anziehen oder Innendrehung der HüfteZeichen des Darmverschlusses; meist ältere, schlanke Frauen[B]
Wurzel L3Innenseite des KniesRückenschmerz; Kniestreckung und Anziehen oft schwach[B]
HüftgelenkLeiste, Ausstrahlung zum KnieSchmerz bei Belastung und Drehung, eingeschränkte Beweglichkeit[I]
N. saphenus, R. infrapatellarisInnenseite von Knie und Unterschenkelkeine Schwäche; Anlass oft ein Eingriff am Knie[B]
Tabelle 8: Schmerz an Oberschenkel-Innenseite und Knie. Reihenfolge: erst dieser Nerv und die Hernie, dann Wurzel, Gelenk und Hautnerv.

Das Howship-Romberg-Zeichen beschreibt den ausstrahlenden Schmerz an der Oberschenkel-Innenseite bei Streckung, Anziehen oder Innendrehung der Hüfte. [B] Es ist ein Zeichen der Hernie, das über den Druck auf den Nerv im Kanal entsteht. [I] Seine Häufigkeit schwankt zwischen 12,5 % in einer Klinikreihe und 56,2 % in einer Übersicht aus Fallberichten. [B] Ein fehlendes Zeichen schließt die Hernie deshalb nicht aus; die Computertomographie tut es mit einer Treffsicherheit von 93,2 %. [B]

Schmerz am Knie ohne Befund am Knie weist auf die Hüfte oder die Nerven, die Hüfte und Knie zugleich versorgen. [I] Der N. obturatorius gehört dazu: Er gibt Äste zu beiden Gelenken ab (Kapitel 3.2). [B]

Herkunft: Sorenson et al. 2002; Bouaziz et al. 2002; Schizas et al. 2021; Li et al. 2021; Bademkıran 2026; Xiao et al. 2026 zur Definition des Zeichens; Suri et al. 2011; Standring, Gray’s Anatomy; zum N. saphenus siehe die Seite Nervus femoralis.

11. Differenzialdiagnostik: Leistenschmerz beim Sportler

Die internationale Doha-Vereinbarung ordnet Leistenschmerz bei Sportlern in vier klinisch definierte Einheiten. [B] Die Einklemmung des N. obturatorius ist keine davon; sie steht deshalb als eigene Zeile. [I]

EinheitKennzeichenAbgrenzung zum Nerv
Einklemmung des N. obturatoriusbelastungsabhängiger Schmerz, beginnt am Ursprung der Anzieher und zieht an der Innenseite nach unten; im EMG Denervierung der Anzieher [B]–
Adduktorenbedingter LeistenschmerzDruckschmerz an den Anziehern und Schmerz beim Anziehen gegen Widerstand [B]EMG unauffällig; Schmerz örtlich, ohne Ausstrahlung nach unten [I]
Iliopsoasbedingter LeistenschmerzDruckschmerz am M. iliopsoas; wahrscheinlicher bei Schmerz bei Hüftbeugung gegen Widerstand oder beim Dehnen der Hüftbeuger [B]Anziehen schmerzfrei [I]
Leistenkanalbedingter LeistenschmerzSchmerz und Druckschmerz am Leistenkanal ohne tastbare Hernie; wahrscheinlicher bei Verstärkung durch Anspannen der Bauchmuskeln, Husten oder Pressen [B]Schmerz oberhalb des Leistenbands [I]
Schambeinbedingter Leistenschmerzörtlicher Druckschmerz an der Schambeinfuge und dem angrenzenden Knochen [B]keine Nervenzeichen [I]
Tabelle 9: Leistenschmerz beim Sportler. Reihenfolge: erst dieser Nerv, dann die vier Einheiten der Doha-Vereinbarung in ihrer eigenen Reihenfolge.

Bradshaw und Mitarbeiter betonen, Sportler nach Belastung und nicht nur in Ruhe zu untersuchen. [B] Nach ihrer Beschreibung stützen die Nadeluntersuchung und eine Blockade des Nervs mit örtlicher Betäubung die Diagnose. [B] Adduktorenbedingter Leistenschmerz und Einklemmung des Nervs zeigen denselben Ort; das EMG trennt sie. [I]

Herkunft: Weir et al. 2015 (Doha-Vereinbarung); Bradshaw et al. 1997.

12. Differenzialdiagnostik: Nach einem Eingriff im Becken

ReiheEingriffeBefundKennzeichen
Cardosi et al. 20021 210 große gynäkologische TumoroperationenMechanismen: unmittelbare Verletzung, Dehnung, Einschluss in eine Naht, Wundhaken. 73 % erholten sich vollständig; anhaltende Beschwerden nur bei nicht versorgter Durchtrennung oder Schaden am Geflecht.[B]
Sorenson et al. 2002gemischte Anlässe, EMG-belegt17 von 22 Schäden traten unmittelbar nach einem klar bestimmbaren Ereignis auf; akute Schäden verliefen unter abwartender Behandlung gut, unabhängig von Ursache und Schwere.[B]
Bohrer et al. 2009616 überwiegend geplante gynäkologische Eingriffekein Obturatorius-Schaden; von allen Nervenschäden bildeten sich 91 % vollständig zurück, im Median nach 31,5 Tagen.[B]
Trapasso et al. 20191 584 gynäkologische Tumoroperationen3 Verletzungen während der Operation (0,19 %), zweimal durch Ultraschallinstrumente, einmal durch eine elektrische Schere; alle in derselben Sitzung genäht, vollständige Rückbildung innerhalb von drei Monaten.[B]
Tabelle 10: Nervenschäden nach Eingriffen im Becken in vier Reihen. Reihenfolge nach dem Jahr.

Nach einem Eingriff an der Beckenwand kommen mehrere Nerven in Frage. In der Reihe von Cardosi waren neben dem N. obturatorius auch N. ilioinguinalis, N. iliohypogastricus, N. genitofemoralis, N. femoralis und das Lendengeflecht betroffen. [B] Eine Schwäche der Kniestreckung weist auf den N. femoralis, ein Hautausfall in der Leiste ohne Schwäche auf die Hautnerven der Leiste. [I]

Wird eine Durchtrennung während der Operation erkannt, beschreiben eine Reihe mit drei Fällen und mehrere Einzelberichte die Naht in derselben Sitzung, jeweils mit vollständiger Rückbildung. [B] Weil anhaltende Beschwerden bei Cardosi nur nach nicht versorgter Durchtrennung blieben, ist die frühe Klärung entscheidend. [I]

Herkunft: Cardosi et al. 2002; Sorenson et al. 2002; Bohrer et al. 2009; Trapasso et al. 2019; Rothmund et al. 2011 als Einzelbericht zur Naht.

13. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht

Die folgenden Befunde sprechen gegen eine Schädigung allein dieses Nervs und weisen auf eine andere Ursache.

  • Schwäche der Kniestreckung: spricht für den N. femoralis oder die Wurzeln L3 und L4. [I]
  • Schwäche der Hüftbeugung: spricht für die Wurzeln L2 und L3 oder das Geflecht. [I]
  • Schwäche der Fußhebung: spricht für die Wurzel L4 oder den N. ischiadicus. [I]
  • Auffällige Rückenstrecker im EMG: spricht für eine Wurzelschädigung. [I]
  • Ausbreitung auf weitere Abschnitte oder die Gegenseite, dazu Gewichtsverlust: spricht für die Radikuloplexusneuropathie. [B]
  • Druckschmerz an den Anziehern mit Schmerz beim Anziehen gegen Widerstand und unauffälligem EMG: spricht für einen adduktorenbedingten Leistenschmerz. [I]
  • Taubheit an der Außenseite des Oberschenkels: spricht für den N. cutaneus femoris lateralis. [B]

Achtung: Was nicht dagegen spricht

Ein fehlender Hautausfall spricht nicht gegen diesen Nerv; bei 57 % der gezielt blockierten Patienten gab es kein Hautfeld. [B] Auch eine im Alltag unauffällige Kraft schließt ihn nicht aus; in der Mayo-Reihe fiel die Schwäche vor dem EMG nur bei sechs von 22 auf. [B]

Herkunft: die in den Kapiteln 9 bis 12 genannten Quellen; Bouaziz et al. 2002; Sorenson et al. 2002.

Teil D · Verlauf und Behandlung

14. Verlauf und Aussichten

ReiheUmfangBefund zum Verlauf
Bradshaw et al. 199732 Sportler mit EinklemmungNach operativer Lösung des Nervs kehrten die Sportler innerhalb weniger Wochen in den Wettkampf zurück.
Cardosi et al. 200223 Neuropathien nach 1 210 Beckeneingriffen, davon 9 am N. obturatorius73 % vollständige Erholung; anhaltende Beschwerden nur bei nicht versorgter Durchtrennung oder Schaden am Geflecht
Sorenson et al. 200222 EMG-belegte Neuropathien, 19 nachbeobachtet über 4 bis 42 Monateakute Schäden unter abwartender Behandlung gut, unabhängig von Ursache und Schwere
Bohrer et al. 200914 Nervenschäden nach 616 gynäkologischen Eingriffen, keiner am N. obturatorius91 % vollständige Rückbildung, im Median nach 31,5 Tagen
Kitagawa et al. 20096 operierte Patientenalle gebessert: weniger Schmerz, Rückbildung der Taubheit oder mehr Kraft beim Anziehen
Trapasso et al. 20193 während der Operation genähte Durchtrennungenvollständige Rückbildung innerhalb von drei Monaten
Tabelle 11: Verlauf in sechs Arbeiten. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].

Alle Reihen beschreiben einen überwiegend günstigen Verlauf. [B] Ungünstig verliefen nur Schäden, bei denen eine Durchtrennung nicht versorgt wurde oder das Geflecht mitbetroffen war. [B] Daraus folgt, dass die frühe Unterscheidung zwischen Druck- oder Zugschaden und Durchtrennung die Aussicht bestimmt. [I]

Lücke: Kleine Reihen

Die größte Verlaufsreihe umfasst 19 nachbeobachtete Patienten. Zum Verlauf einer Einklemmung ohne Operation und zur Schädigung bei Hüftprothesen liegt keine Reihe mit Fallzahl vor.

Herkunft: Bradshaw et al. 1997; Cardosi et al. 2002; Sorenson et al. 2002; Bohrer et al. 2009; Kitagawa et al. 2009; Trapasso et al. 2019.

15. Beschriebene Behandlungswege

Dieser Abschnitt gibt wieder, was im Schrifttum berichtet wird. Er ist keine Empfehlung und keine Behandlungsanweisung.

  • Abwarten und Übungsbehandlung: Akute Schäden verliefen in der Mayo-Reihe unter abwartender Behandlung gut. [B] Nach Beckeneingriffen erhielten alle Patientinnen mit Schwäche Physiotherapie. [B]
  • Naht bei Durchtrennung: Wird die Durchtrennung während der Operation erkannt, ist die Naht in derselben Sitzung in einer kleinen Reihe und in Einzelberichten beschrieben, jeweils mit vollständiger Rückbildung. [B]
  • Operative Freilegung: Sechs Patienten mit Schädigung nach Eingriffen oder Verletzungen wurden freigelegt und entlastet oder genäht; alle gaben eine Besserung an. [B] Vorher sind nach den Autoren eine genaue Untersuchung und ein EMG nötig. [B]
  • Lösung beim Sportler: Bei der Einklemmung durch die Faszie beschreiben Bradshaw und Mitarbeiter die operative Lösung als endgültige Behandlung; konservative Maßnahmen sollen vorher erwogen werden. [B]
  • Hernia obturatoria: Die Operation gilt als zwingend. [B] In der Übersicht von 2021 war der laparoskopische Weg mit weniger Komplikationen, geringerer Sterblichkeit und kürzerem Krankenhausaufenthalt verbunden, ein Netz mit weniger Komplikationen. [B] In der Klinikreihe von Li lag die Sterblichkeit nach 30 Tagen bei 5,5 % mit und 46,1 % ohne Operation. [B]
  • Allgemeine Versorgung von Nervenverletzungen: Sie regelt die S3-Leitlinie AWMF 005-010, Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028. Eine Leitlinie eigens zu diesem Nerv gibt es nicht. [B]

Grenze dieser Seite

Keine der Reihen vergleicht Behandlungswege miteinander. Die Zahlen zur Hernie stammen aus nicht zufällig zugeteilten Gruppen; wer nicht operiert wurde, war oft zu krank für eine Operation. Die Behandlung der Radikuloplexusneuropathie ist nicht Gegenstand dieser Seite.

Herkunft: Sorenson et al. 2002; Cardosi et al. 2002; Trapasso et al. 2019; Rothmund et al. 2011; Kitagawa et al. 2009; Bradshaw et al. 1997; Schizas et al. 2021; Li et al. 2021; AWMF-Register 005-010.

16. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ärztlich abgeklärt

Die folgenden Punkte sprechen gegen eine harmlose, sich selbst begrenzende Ursache. Sie sind keine Diagnose und keine Handlungsanweisung, sondern ein Hinweis auf Abklärungsbedarf.

  • Bauchschmerz, Erbrechen oder Stuhlverhalt zusammen mit Schmerz an der Oberschenkel-Innenseite, besonders bei älteren, schlanken Frauen: Bei der Hernia obturatoria erhöht eine späte Diagnose das Risiko einer Darmresektion und die Sterblichkeit. [B]
  • Schwäche beim Anziehen unmittelbar nach einem Eingriff an der Beckenwand: Anhaltende Beschwerden blieben nur nach nicht versorgter Durchtrennung. [B]
  • Heftiger Schmerz an Hüfte und Oberschenkel mit Gewichtsverlust, dem Schwäche folgt oder der auf die Gegenseite übergreift. [B]
  • Plötzliche Störung von Blase oder Darm, etwa ein Harnverhalt: gilt als Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom. [B] Ebenso eine Schwäche beider Beine. [I]
  • Zunehmender Schmerz an Leiste und Innenseite ohne erkennbaren Anlass: Die lange Strecke des Nervs im Becken lässt Raumforderungen als Ursache zu. [I]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: Bademkıran 2026; Li et al. 2021; Cardosi et al. 2002; Dyck et al. 2001; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017 zum Kaudasyndrom; Scharfetter et al. 2025.

17. Häufige Fragen

Ich habe Schmerzen an der Innenseite des Oberschenkels, aber kein Taubheitsgefühl. Kann es trotzdem dieser Nerv sein?

Ja. In einer Studie mit gezielter Blockade des Nervs entstand bei 57 % kein Hautausfall. [B] Verlässlich prüft man den Nerv über die Kraft der Anzieher. [B]

Warum kann ich das Bein noch anziehen?

Weil ein Teil der Anziehkraft aus anderen Nerven kommt: über den M. pectineus aus dem N. femoralis und über den hinteren Teil des M. adductor magnus aus dem N. tibialis. [B] Ein Ausfall schwächt das Anziehen deshalb, hebt es aber nicht auf. [I]

Wie unterscheidet man den Nervenschaden von einem Bandscheibenvorfall?

Über Muskeln außerhalb des Nervengebiets: Bei einer Wurzelschädigung sind oft auch Kniestreckung, Hüftbeugung oder Fußhebung schwach, bei einer Schädigung des N. obturatorius nicht. [I] In der größten EMG-Reihe lag bei 15 von 38 Verdachtsfällen der Schaden an anderer Stelle. [B] Näheres in Kapitel 9.

Kann eine Operation im Becken den Nerv schädigen?

Ja, vor allem bei großen Tumoroperationen mit Entfernung der Lymphknoten an der Beckenwand. In einer Reihe von 1 210 gynäkologischen Eingriffen war er der am häufigsten geschädigte Nerv, insgesamt aber selten: neun Fälle. [B] Die meisten erholten sich vollständig. [B]

Ich treibe Sport und habe nach Belastung Leistenschmerzen. Ist das der Nerv?

Selten. Häufiger sind Beschwerden an Sehnenansätzen, Leistenkanal oder Schambein. [I] Für den Nerv spricht ein Schmerz, der vom Ursprung der Anzieher an der Innenseite nach unten zieht, und eine Denervierung der Anzieher im EMG. [B] Näheres in Kapitel 11.

Was ist das Howship-Romberg-Zeichen?

Ein ausstrahlender Schmerz an der Oberschenkel-Innenseite bei Streckung, Anziehen oder Innendrehung der Hüfte, als Zeichen der Hernia obturatoria. [B] Es fehlt bei vielen Betroffenen; seine Häufigkeit liegt je nach Quelle zwischen 12,5 und 56,2 %. [B]

Herkunft: die in den Kapiteln 3 bis 14 genannten Quellen.

Teil E · Anatomische Einzelheiten

18. Ursprung und Stellung im Lendengeflecht

Der deutsche Name lautet Hüftlochnerv, nach dem Foramen obturatum. [B] Er entsteht aus den vorderen Teilungsästen der vorderen Äste von L2, L3 und L4. [B] Die hinteren Teilungsäste derselben Wurzeln bilden den N. femoralis. [B] Das Lendengeflecht reicht von L1 bis L4, meist mit einem Anteil aus Th12. [B]

NervSegmenteZielgebiet
N. iliohypogastricusTh12, L1untere Bauchwand, Haut über Hüfte und Schambein
N. ilioinguinalisL1untere Bauchwand, Haut an Leiste und äußerem Genitale
N. genitofemoralisL1, L2M. cremaster, Haut an Genitale und unter der Leistenbeuge
N. cutaneus femoris lateralisL2, L3Haut an der Außenseite des Oberschenkels
N. femoralisL2, L3, L4Hüftbeuger, Kniestrecker, Haut vorn und innen am Bein
N. obturatoriusL2, L3, L4Anzieher, M. gracilis, M. obturatorius externus; wechselndes kleines Hautfeld
Tabelle 12: Die Äste des Lendengeflechts. Reihenfolge nach der Höhe des obersten Segments, bei gleicher Höhe nach Name. Alle Angaben belegt [B].

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

19. Canalis obturatorius und Teilung im Einzelnen

19.1 Der Canalis obturatorius

Das Foramen obturatum ist bis auf eine Lücke am oberen Rand von der Membrana obturatoria verschlossen. [B] Diese Lücke bildet mit der Rinne am Schambein den Canalis obturatorius, durch den Nerv, A. und V. obturatoria das Becken verlassen. [B] Durch denselben Kanal tritt die Hernia obturatoria aus; sie drückt dort auf den Nerv. [I]

19.2 Wo sich der Nerv teilt

ReiheUmfangim Beckenim Kanal oder Foramenam Oberschenkel
Anagnostopoulou et al. 200984 Leichen23,2 %51,8 %25,0 %
Iwanaga et al. 202014 Seiten14,3 %64,3 %21,4 %
Tabelle 13: Teilungsort des Nervus obturatorius in zwei Sezierreihen. Reihenfolge nach dem Jahr. Anteile der untersuchten Seiten. Alle Angaben belegt [B].

Beide Reihen finden die Teilung am häufigsten im Kanal oder Foramen. [B] Sie unterscheiden sich im Anteil der Teilung im Becken; die zweite Reihe umfasst nur 14 Seiten. [B] Bei Iwanaga lag die Teilung im Becken im Mittel 15,8 mm und die im Foramen 14,0 mm vom Foramen entfernt; der Stamm maß im Mittel 3,74 mm, der vordere Ast 2,64 mm und der hintere 2,28 mm. [B]

Für die Klinik folgt daraus: Ein Schaden im Becken kann den Stamm oder schon beide Äste treffen, ein Schaden am Oberschenkel oft nur einen Ast. [I] Das erklärt Ausfallbilder, bei denen nur ein Teil der Anzieher betroffen ist. [I]

19.3 Lage im Ultraschall

Bei 20 Freiwilligen lagen die Äste im Mittel 2,1 cm unterhalb und 2,1 cm seitlich des Tuberculum pubicum. [B] Der gemeinsame Stamm lag im Mittel 25,9 mm unter der Haut, der vordere Ast 15,5 mm und der hintere 29,3 mm. [B] Alle drei sind flach: Ihre Dicke betrug nur etwa ein Drittel bis ein Fünftel ihrer Breite. [B]

Lücke: Keine Normwerte

Normwerte der Querschnittsfläche liegen für diesen Nerv nicht vor. Die Messungen oben beschreiben Lage und Form, nicht die Grenze zwischen gesund und krank.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Anagnostopoulou et al. 2009; Iwanaga et al. 2020; Soong et al. 2007.

20. Abweichungen vom Regelbau

  • Zusätzlicher N. obturatorius (N. obturatorius accessorius): in 9,2 % von 260 präparierten Lendenregionen. [B] Er kann den M. pectineus und das Hüftgelenk mitversorgen. [B]
  • Hautast: in einer Sezierreihe nur in 24 % vorhanden, Verbindungen zum N. femoralis in 12 %; bei gezielter Blockade fehlte ein Hautfeld bei 57 %. [B]
  • Teilungsort: im Becken, im Kanal oder am Oberschenkel (Kapitel 19.2). [B]
  • Varianten des Lendengeflechts insgesamt: An 34 Geflechten wichen die einzelnen Nerven in 8,8 bis 47,1 % vom Regelbau ab. [B]

Ein zusätzlicher N. obturatorius kann erklären, warum nach einer Schädigung oder Blockade des Hauptnervs ein Rest an Kraft oder Schmerz bleibt. [I]

Herkunft: Benes et al. 2024; Standring, Gray’s Anatomy; Fuchssteiner et al. 2026; Bouaziz et al. 2002; Anloague und Huijbregts 2009.

21. Was dieser Nerv nicht führt

  • Keine eigenen Ganglien. Die Zellkörper seiner empfindenden Fasern liegen in den Spinalganglien L2 bis L4. [B]
  • Keine vorgeschalteten vegetativen Fasern und keine Fasern aus inneren Organen. Näheres in Abschnitt 22.1. [B] Eine Wirkung auf Blase oder Beckenboden ist nicht belegt. [I]
  • Kein eigenes Dermatom und kein Sklerotom. Sein Hautfeld ist ein Nervengebiet; Dermatom und Sklerotom gehören zu den Segmenten L2 bis L4. [I]
  • Keine Versorgung des M. obturatorius internus. Er gehört trotz des Namens zum Kreuzgeflecht (siehe Nervus obturatorius internus). [B]
  • Keine Versorgung von Hüftbeugern und Kniestreckern. Sie gehören zum N. femoralis und zu direkten Ästen des Lendengeflechts. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

22. Reflexzonenmodelle

Die drei folgenden Modelle wurden zwischen 1893 und 1953 veröffentlicht. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.

ModellGrundgedanke und VoraussetzungBezug zu diesem NervKennzeichen
Head-Zonenüberempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleitenkeine Zone; der Nerv führt keine viszeralen Afferenzen [I][H]
Mackenzie-Zonentastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur vorauskeine Zone; dieselbe Voraussetzung fehlt [I][H]
Bindegewebszonen nach Dickeveränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug vorausnicht begründbar, weil der Organbezug fehlt [I][H]
Tabelle 14: Geschichtliche Reflexzonenmodelle und ihr Bezug zu diesem Nerv. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

Die Vorfassung dieser Seite führte Mackenzie-Zonen und Bindegewebszonen des N. obturatorius als Tatsache. Das entfällt: Der Nerv führt empfindende Fasern aus Haut, Muskeln und Gelenken, aber keine aus inneren Organen. [B] Damit fehlt die Voraussetzung der Modelle. [I]

22.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern

Die vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer schmalen Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks. Sie reicht vom Segment Th1 bis etwa L2. [B]

Ihre Fasern verlassen das Rückenmark mit den Vorderwurzeln dieser Segmente und treten über die weißen Verbindungsäste (Rami communicantes albi) in den Grenzstrang ein. [B] Nach der Umschaltung kehren nachgeschaltete Fasern über die grauen Verbindungsäste (Rami communicantes grisei) in die Spinalnerven zurück und erreichen mit ihnen Schweißdrüsen, Gefäßmuskulatur und Haarbalgmuskeln ihres Gebiets. [B]

Für diesen Nerv gilt dasselbe wie für den N. femoralis: Die Wurzel L2 liegt noch im Bereich der Zellsäule, L3 und L4 nicht. [B] Die vorgeschalteten Fasern aus L2 verlassen den Spinalnerv über den weißen Verbindungsast, bevor das Lendengeflecht entsteht. [B] Der N. obturatorius führt deshalb nur nachgeschaltete Fasern aus dem Lendenteil des Grenzstrangs. [I]

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb 1909 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik; Standring, Gray’s Anatomy.

Teil F · Anhang

23. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
AdduktorenreflexAnziehen des Oberschenkels nach Schlag auf die Sehnen der Anzieher; Segmente L2 bis L4
Anzieher (Adduktoren)Muskelgruppe an der Innenseite des Oberschenkels, die das Bein zur Mitte führt
AWMFArbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Herausgeberin der deutschen Leitlinien
Canalis obturatoriuskurzer Kanal am oberen Rand des Foramen obturatum für Nerv und Gefäße
DenervierungVerlust der Nervenversorgung eines Muskels, im EMG an Spontanaktivität erkennbar
DermatomHautgebiet einer einzelnen Rückenmarkswurzel
Doha-Vereinbarunginternationale Einigung von 2014 auf Begriffe und Definitionen für Leistenschmerz bei Sportlern
ElektrodiagnostikNadeluntersuchung der Muskeln und Messung der Nervenleitung
FaszieBindegewebshülle um Muskeln; kann einen durchtretenden Nerv einklemmen
Foramen obturatumgroße Öffnung im Hüftbein zwischen Scham- und Sitzbein, bis auf den Kanal von einer Membran verschlossen
GrenzstrangKette vegetativer Nervenknoten neben der Wirbelsäule
Hernia obturatoriaBruch durch den Canalis obturatorius, fast nur bei älteren, schlanken Frauen
Howship-Romberg-Zeichenausstrahlender Schmerz an der Oberschenkel-Innenseite bei Streckung, Anziehen oder Innendrehung der Hüfte; Zeichen der Hernia obturatoria
Hüftlochnervdeutscher Name des N. obturatorius
KaudasyndromDruck auf die Nervenwurzeln unterhalb des Rückenmarks mit Störung von Blase, Darm und Beinen
KennmuskelMuskel, dessen Ausfall auf einen bestimmten Nerv oder ein bestimmtes Segment weist
Neurolyseoperative Lösung eines Nervs aus Narben- oder Bindegewebe
Nucleus intermediolateralisZellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks von Th1 bis etwa L2; Ursprung der vorgeschalteten sympathischen Fasern
Radikuloplexusneuropathiegleichzeitige Schädigung von Nervenwurzeln und Nervengeflecht durch Entzündung kleiner Gefäße
Ramus communicans griseusgrauer Verbindungsast; führt nachgeschaltete Fasern vom Grenzstrang zurück in den Spinalnerv
Schambeinfuge (Symphyse)knorpelige Verbindung der beiden Schambeine vorn im Becken
SklerotomKnochen- und Bandgebiet eines Rückenmarkssegments
Tuberculum pubicumtastbarer Höcker am Schambein, Orientierungspunkt im Ultraschall
Tabelle 15: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

24. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Herkunftszeilen, die nur Standardwerke nennen, geben den Lehrbuchstand wieder. Die Fundstellen in diesen Werken sind noch nicht mit Seitenzahl geprüft; das steht unter „Offene Punkte“ in Kapitel 25.4.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

25. Grundlage und Quellen

25.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

25.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1Bradshaw C, McCrory P, Bell S, Brukner P. Obturator nerve entrapment. A cause of groin pain in athletes. Am J Sports Med 1997;25(3):402–408Reihe, 32 Sportler
2Dyck PJB, Norell JE, Dyck PJ. Microvasculitis and ischemia in diabetic lumbosacral radiculoplexus neuropathy. Neurology 1999;53:2113–2121vorausschauende Reihe, 33 Patienten
3Dyck PJB, Norell JE, Dyck PJ. Non-diabetic lumbosacral radiculoplexus neuropathy: natural history, outcome and comparison with the diabetic variety. Brain 2001;124(6):1197–1207Vergleichsreihe, 57 und 33 Patienten
4Bouaziz H, Vial F, Jochum D, Macalou D, Heck M, Meuret P, Braun M, Laxenaire MC. An evaluation of the cutaneous distribution after obturator nerve block. Anesth Analg 2002;94(2):445–449vorausschauend, 30 Patienten
5Cardosi RJ, Cox CS, Hoffman MS. Postoperative neuropathies after major pelvic surgery. Obstet Gynecol 2002;100(2):240–244Kohorte, 1 210 Eingriffe
6Sorenson EJ, Chen JJ, Daube JR. Obturator neuropathy: causes and outcome. Muscle Nerve 2002;25(4):605–607EMG-Reihe, 22 von 38 VerdachtsfällenLeitquelle Klinik
7Soong J, Schafhalter-Zoppoth I, Gray AT. Sonographic imaging of the obturator nerve for regional block. Reg Anesth Pain Med 2007;32(2):146–151Ultraschall, 20 Freiwillige
8Anagnostopoulou S, Kostopanagiotou G, Paraskeuopoulos T, Chantzi C, Lolis E, Saranteas T. Anatomic variations of the obturator nerve in the inguinal region. Reg Anesth Pain Med 2009;34(1):33–39Sezierreihe, 84 LeichenLeitquelle Anatomie
9Anloague PA, Huijbregts P. Anatomical variations of the lumbar plexus. J Man Manip Ther 2009;17(4):e107–e114Sezierreihe, 34 Geflechte
10Bohrer JC, Walters MD, Park A, Polston D, Barber MD. Pelvic nerve injury following gynecologic surgery: a prospective cohort study. Am J Obstet Gynecol 2009;201(5):531vorausschauend, 616 Patientinnen
11Kitagawa R, Kim D, Reid N, Kline D. Surgical management of obturator nerve lesions. Neurosurgery 2009;65(4 Suppl):A24–A28chirurgische Reihe, 6 Patientenkleine Reihe
12Rothmund R, Huebner M, Kraemer B, Liske B, Wallwiener D, Taran FA. Laparoscopic transection and immediate repair of obturator nerve during pelvic lymphadenectomy. J Minim Invasive Gynecol 2011;18(6):807–808Einzelfallberichtträgt keine Häufigkeitsaussage
13Suri P, Rainville J, Katz JN, et al. The accuracy of the physical examination for the diagnosis of midlumbar and low lumbar nerve root impingement. Spine 2011;36(1):63–73Querschnittsstudie
14Weir A, Brukner P, Delahunt E, et al. Doha agreement meeting on terminology and definitions in groin pain in athletes. Br J Sports Med 2015;49(12):768–774internationale Konsensvereinbarung, 24 Fachleute
15Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, 2017. AWMF nvl-007Leitlinielaut Register abgelaufen; nur für die Warnhinweise in Kapitel 16
16Glocker F et al. Lumbale Radikulopathie. S2k-Leitlinie der DGN, AWMF 030/058, Stand 11.01.2018Leitlinieabgelaufen am 10.01.2023; nur für die Untersuchung
17Ng PS, Dyck PJ, Laughlin RS, Thapa P, Pinto MV, Dyck PJB. Lumbosacral radiculoplexus neuropathy: incidence and the association with diabetes mellitus. Neurology 2019;92(11):e1188–e1194bevölkerungsbezogen
18Trapasso S, Visconti F, Di Cello A, Rocca ML, Gallucci A, Zullo F, Venturella R. Obturator nerve injury during gynecological surgery: our experience. Eur J Gynaecol Oncol 2019;40(4):667–670Klinikreihe, 1 584 Patientinnen
19Iwanaga J, Ishak B, Yilmaz E, von Glinski A, Gielecki J, Dumont AS, Tubbs RS. Anatomic study of the bifurcation of the obturator nerve. World Neurosurg 2020;140:e23–e26Sezierreihe, 14 Seitenkleine Reihe
20Li Z, Gu C, Wei M, Yuan X, Wang Z. Diagnosis and treatment of obturator hernia: retrospective analysis of 86 clinical cases at a single institution. BMC Surg 2021;21(1):124Klinikreihe, 86 Patienten
21Laumonerie P, Dalmas Y, Tibbo ME, Robert S, Durant T, Caste T, Vialla T, Tiercelin J, Gracia G, Chaynes P. Sensory innervation of the hip joint and referred pain: a systematic review of the literature. Pain Med 2021;22(5):1149–1157systematische Übersicht, 21 Arbeiten
22Schizas D, Apostolou K, Hasemaki N, Kanavidis P, Tsapralis D, Garmpis N, Damaskos C, Alexandrou A, Filippou D, Kontzoglou K. Obturator hernias: a systematic review of the literature. Hernia 2021;25(1):193–204systematische Übersicht, 74 Arbeiten, 146 Patientenüberwiegend Fallberichte
23AWMF. S3-Leitlinie 005-010: Versorgung peripherer Nervenverletzungen. Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028Leitlinieam Register geprüft am 21.09.2026
24Benes M, Zido M, Machac P, Kaiser R, Khadanovich A, Nemcova S, Kunc V, Kachlik D. Variations of the extrapsoas course of the lumbar plexus. Acta Neurochir 2024;166(1):319Sezierreihe, 260 Lendenregionen
25Scharfetter S, Wimmer F, Russe E, Schwaiger K, Pumberger P, Weitgasser L, Schaffler G, Wechselberger G. Endogenous causes of obturator nerve entrapment: literature review and proposal of a treatment algorithm. J Clin Med 2025;14(6):2068systematische Literaturübersichtnur die Zusammenfassung eingesehen
26Xiao R, Qiu W, Yang Z. Obturator hernia: a comprehensive review of epidemiology, pathophysiology, diagnosis, and management. Asian J Surg 2026. doi:10.1016/j.asjsur.2026.04.131Übersichtsarbeitvorab online; Band und Seiten noch nicht vergeben
27Fuchssteiner C, Stigger T, Gruber GM, Brugger PC. The cutaneous branch of the obturator nerve: common finding or a rarity worthy of note. Clin Anat 2026. doi:10.1002/ca.70081Sezierreihe, 25 Präparatevorab online; Band und Seiten noch nicht vergeben
28Bademkıran E. Obturator hernia in adults: a systematic review of CT diagnosis and surgical management. Hernia 2026;30:215systematische Übersicht, 22 Studien, 876 Patientenbeschreibende Zusammenstellung, keine gepoolten Schätzwerte
29Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
30Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
31Mumenthaler M, Stöhr M, Müller-Vahl H. Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
32Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; Teil II Brain 1894;17:339–480; Teil III Brain 1896;19:153–276geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
33Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw and Sons; 1909geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
34Dicke E. Meine Bindegewebsmassage. Stuttgart: Hippokrates; 1953geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
Tabelle 16: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

25.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen; sie dienten nur zur Auffindung der Originalarbeiten. Eine Sezierreihe mit 50 Beinen in einer erst nach der Veröffentlichung begutachteten Zeitschrift entfällt, weil Anagnostopoulou et al. 2009 und Iwanaga et al. 2020 die Aussage zum Teilungsort tragen. Eine in Einzelfallberichten wiederholte Häufigkeit von 0,2 bis 5,7 % für Verletzungen bei Lymphknotenentfernung entfällt, weil keine Primärquelle mit Fallzahl auffindbar war.

25.4 Offene Punkte

  • Die Aussagen, die auf den drei Standardwerken beruhen, geben den Lehrbuchstand wieder und sind noch nicht mit Auflage und Seitenzahl geprüft. Betroffen sind vor allem die Kapitel 2, 3, 18, 19.1, 21 und 22.1.
  • Die Seite enthält keine Abbildung.

Grenzen der Literatur (Stand der Recherche: 21. September 2026). Diese Punkte sind gesucht und nicht auffindbar; sie sind kein Arbeitsrückstand dieser Seite. Für die Querschnittsfläche des N. obturatorius gibt es keine Normwerte. Für die Unterscheidungsmerkmale in Kapitel 9 bis 13 liegen keine Trefferquoten im direkten Vergleich der Ursachen vor. Zur Schädigung bei Hüftprothesen, bei Entbindungen und zum Verlauf einer Einklemmung ohne Operation gibt es keine Reihe mit Fallzahl.

25.5 Korrekturen gegenüber der Vorfassung

GeändertWarumErsetzt
Seite nach den gemeinsamen Bausteinen in 25 Kapitel und sechs Teile gegliederteinheitlicher Aufbau der Nervenseiten; Klinik und Differenzialdiagnostik stehen vornGliederung in zehn Abschnitte
Deutscher Name „Hüftlochnerv“„Oberschenkelnerv“ ist der N. femoralisAbschnitt 1
Durchtritt durch den Canalis obturatorius; Lage des vorderen Asts genau beschrieben; Teilungsort als wechselnd belegtdie Vorfassung nannte den Durchtritt durch das verschlossene Foramen und eine ungenaue Lage„Präziser Verlauf des Nervens“
Hautfeld als unbeständig belegt (fehlend bei 57 %)die Vorfassung beschrieb ein festes HautgebietAbschnitte 1 und 7
M. pectineus ergänzt; Doppelversorgung des M. adductor magnus beschriebenMuskelliste war unvollständigAbschnitte 2 und 3
Aussagen zu Flexion und Außenrotation des M. adductor longus, zu Hyper- und Hypotonus und zu „längerem Sitzen“ als Ursache gestrichenohne BelegAbschnitte 1 bis 3
Howship-Romberg-Zeichen der Hernia obturatoria zugeordnet, Häufigkeit belegtdie Vorfassung führte es als Zeichen der „peripheren Kompression“Abschnitt 1
Aussage zur Wirkung auf Blase und Beckenboden gestrichenohne Beleg; der Nerv führt keine OrganfasernAbschnitt 6
Ganglien, Sklerotom und Dermatom in Kapitel 21 zusammengeführt; Spinalganglien L2 bis L4 ergänztDermatom und Sklerotom gehören zum Segment, nicht zum NervAbschnitte 4, 5 und 7
Bindegewebs-, Head- und Mackenzie-Zonen als geschichtliche Modelle [H] eingeordnet; Schreibweise „MacKenzie“ berichtigtdie Vorfassung führte sie teils als TatsacheAbschnitte 8 bis 10
Differenzialdiagnostik neu in den Kapiteln 8 bis 13Schwerpunkt der Reiheneu
Kennzeichen an jeder Aussage, Quellenverzeichnis und Lesart ergänztQuellenmaßstab der Reiheneu
Tabelle 17: Korrekturen gegenüber der Vorfassung. Reihenfolge nach der Seitenfolge.

25.6 Änderungsvermerk

Geändert: Seite nach den gemeinsamen Bausteinen der Nervenseiten neu geschrieben, mit Differenzialdiagnostik als Schwerpunkt, Kennzeichen je Aussage und Quellenverzeichnis. Warum: Vereinheitlichung mit den Halsnervenseiten und der Seite zum N. femoralis; die Vorfassung enthielt sachliche Fehler und keine Quellen. Ersetzt: Fassung der Seite vom Abruf am 21. September 2026.

V 1.1 – geändert: Verweis auf den Nervus ischiadicus auf die neue Seitenadresse umgestellt. Warum: sprechende Adresse statt „174-2“. Ersetzt: V 1.0.

V 1.2 – geändert: Gelenkäste zur Hüftkapsel mit einer systematischen Übersicht belegt. Warum: einheitliche Quellenlage der Lendennervenseiten. Ersetzt: V 1.1.

V 1.3 – geändert: Leiste auf alle 18 Seiten des Lenden- und Kreuzgeflechts erweitert. Warum: Abschluss der Reihen „Lumbale Nerven“ und „Nervi sacrales“. Ersetzt: V 1.2.

V 1.4 – geändert: Verweis auf die Seite Nervus obturatorius internus. Warum: Optimierung beider Reihen. Ersetzt: V 1.3.

V 1.5 – geändert: Leiste um die Übersicht der Brustnerven ergänzt. Warum: Verbindung zur Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.4.

V 1.6 – geändert: Leiste um N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis, N. genitofemoralis und N. cutaneus femoris lateralis ergänzt. Warum: Ergänzung des Lendengeflechts. Ersetzt: V 1.5.

V 1.7 – geändert: Verweise auf die neuen Seiten der Leistennerven und des N. cutaneus femoris lateralis gesetzt. Warum: Optimierung der Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.6.

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V 1.7 · Stand: 21. September 2026 · Quellen geprüft am 21. September 2026