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Nervus perforans cutaneus

Der Nervus perforans cutaneus (durchbohrender Hautnerv) ist ein kleiner Hautnerv des Kreuzgeflechts mit Fasern aus S2 und S3. [B] Er durchbohrt das Lig. sacrotuberale und versorgt die Haut am inneren unteren Gesäß. [B]

Er ist nicht bei allen Menschen angelegt: In einer Sezierreihe fand er sich nur in einem Viertel der untersuchten Geflechte; fehlte er, übernahmen andere Äste sein Hautgebiet. [B] Klinisch wichtig ist er wegen seiner Nähe zum Nervus pudendus und zum Lig. sacrospinale, an dem gynäkologische Operationen ansetzen. [B]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Nerv führt nur Empfindung für ein kleines Hautfeld am inneren unteren Gesäß. [B]
  • Als einziger Hautnerv der Gesäßregion durchbohrt er das Lig. sacrotuberale. [B]
  • Er ist unbeständig; das Hautgebiet bleibt gleich, der versorgende Nerv wechselt. [I]
  • Äste mit seinem Verlauf gelten als wahrscheinlichere Ursache von Gesäßschmerz nach Befestigung der Scheide am Lig. sacrospinale als der N. gluteus inferior. [B]
  • Eine Fallreihe mit diesem Nerv als gesicherter Schmerzursache gibt es nicht; die klinischen Aussagen dieser Seite sind überwiegend abgeleitet. [I]

Schwerpunkt dieser Seite ist die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 13. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
Fasern ausS2 und S3; in einer Sezierreihe Äste mit gleichem Verlauf aus S3 und S4[B]
AbgangKreuzgeflecht, meist eigenständig, seltener aus dem N. pudendus[B]
Faserartrein empfindend; kein Muskel, kein Reflex[B]
ZielgebietHaut am inneren unteren Gesäß über dem Unterrand des M. gluteus maximus[B]
Leitzeichen einer SchädigungSchmerz oder Taubheit in einem kleinen Feld am inneren unteren Gesäß, oft im Sitzen[I]
Wichtigste AbgrenzungenN. pudendus, untere Nn. clunium, Nn. clunium medii, Steißbeinschmerz (Kapitel 9 bis 13)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus perforans cutaneus. Reihenfolge: von der Herkunft zum klinischen Bild. Varianten stehen in Kapitel 20.

Die zugehörigen Segmentseiten sind Segment S2 und Segment S3.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Shafarenko et al. 2023; Florian-Rodriguez et al. 2016. Leitzeichen und Abgrenzungen sind aus dem Hautgebiet abgeleitet.

2. Verlauf in Kürze

Der Nerv verlässt das Kreuzgeflecht im kleinen Becken, zieht zum Lig. sacrotuberale, durchbohrt es und erreicht am Unterrand des M. gluteus maximus die Haut. [B] Anders als die übrigen Äste des Geflechts tritt er also nicht durch das große Sitzbeinloch aus. [B]

  1. Im Becken: Ursprung aus S2 und S3, meist eigenständig. [B]
  2. Am Lig. sacrotuberale: Er durchbohrt das Band und bildet dabei einen Spalt in dessen Fasern. [B]
  3. In der Gesäßregion: Er windet sich um den Unterrand des M. gluteus maximus oder durchbohrt ihn und erreicht die Haut am inneren unteren Gesäß. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Shafarenko et al. 2023; Florian-Rodriguez et al. 2016.

3. Versorgungsgebiet

Der Nerv versorgt die Haut am inneren unteren Gesäß über dem Unterrand des M. gluteus maximus, nahe der Gesäßfalte. [B] Er versorgt keinen Muskel und trägt keinen Reflex. [B]

  • Außen daneben: die unteren Nn. clunium des N. cutaneus femoris posterior. [B]
  • Darüber: die Nn. clunium medii über dem Kreuzbein. [B]
  • Innen daneben: die Haut um den After aus dem N. pudendus. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

OrtAnlassKennzeichen
Lig. sacrotuberaleDurchtritt durch das Band als mögliche Engstelle; die Autoren sehen Hinweise auf eine Rolle bei Dammschmerz[B]
Nähe des Lig. sacrospinaleBefestigung der Scheide am Band bei Senkung; die dort verlaufenden Äste aus S3 und S4 gelten als wahrscheinliche Ursache von Gesäßschmerz nach der Operation[B]
Unteres GesäßDruck beim Sitzen, Sturz auf das Gesäß[I]
Tabelle 2: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge: von proximal nach distal.

Lücke: Keine klinischen Reihen

Zu Häufigkeit und Ursachen einer Schädigung dieses Nervs gibt es keine Fallreihe. Die Anlässe beruhen auf anatomischen Arbeiten mit klinischer Folgerung.

Herkunft: Shafarenko et al. 2023; Florian-Rodriguez et al. 2016. Die Zeile zu Druck und Sturz ist aus der Lage abgeleitet.

5. Beschwerdebild

Zu erwarten sind Schmerz, Brennen oder Taubheit in einem kleinen Feld am inneren unteren Gesäß, oft im Sitzen verstärkt. [I] Schwäche und Reflexausfälle gehören nicht dazu, weil der Nerv keinen Muskel versorgt. [B] Eine beschriebene Beschwerdereihe gibt es nicht. [I]

Herkunft: aus dem Hautgebiet abgeleitet; Standring, Gray’s Anatomy, zur fehlenden Muskelversorgung.

6. Untersuchung

  • Gefühl im Hautfeld: inneres unteres Gesäß im Seitenvergleich; Haut um den After und Oberschenkel-Rückseite zur Abgrenzung. [I]
  • Druckschmerz: innen am Unterrand des Gesäßmuskels über dem Lig. sacrotuberale. [I]
  • Kraft und Reflexe: müssen regelrecht sein; ein Befund weist auf andere Nerven oder die Wurzeln. [I]
  • Blase und Darm erfragen: Eine plötzliche Störung ist ein Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom. [B]

Herkunft: NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017; die übrigen Punkte sind aus der Anatomie abgeleitet.

7. Apparative Diagnostik

Eine Messung der Nervenleitung ist für diesen Nerv nicht beschrieben. [I] Die Kernspintomographie des Beckens dient dem Ausschluss anderer Ursachen, etwa von Tarlov-Zysten an S2 und S3, die bei 4,18 % der Menschen vorkommen. [B]

Herkunft: Klepinowski et al. 2021.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Die Abgrenzung stützt sich fast nur auf den Ort: Das Hautfeld dieses Nervs grenzt an die Gebiete von N. pudendus, unteren Nn. clunium und Nn. clunium medii. [I] Ein messbarer Befund, der den Nerv belegt, existiert nicht. [I]

  1. Sitzen Schmerz oder Taubheit am inneren unteren Gesäß? Das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Begann der Schmerz nach einer Operation am Lig. sacrospinale? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Ging Druck, ein Sturz oder eine Injektion voraus? Das führt zu Kapitel 11. [I]

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: aus den Kapiteln 3 bis 7 abgeleitet.

9. Differenzialdiagnostik: Schmerz und Taubheit am inneren unteren Gesäß

UrsacheOrtUnterscheidendes MerkmalKennzeichen
N. perforans cutaneuskleines Feld am inneren unteren Gesäßkeine Beschwerden am After oder am Genitale[I]
N. pudendusvom After bis zu Penis oder KlitorisNantes-Kriterien erfüllt; Betäubung des N. pudendus bessert[B]
Untere Nn. cluniumSitzbeinhöcker, Gesäßfalte, seitlicher DammBetäubung am Außen- und Unterrand des Sitzbeins bessert[B]
Nn. clunium mediiHaut über dem Kreuzbein und dem inneren oberen GesäßOrt höher, über dem Kreuzbein[I]
Steißbeinschmerzam SteißbeinDruckschmerz am Steißbein; eine Einklemmung dieses Nervs am Lig. sacrotuberale wird als übersehene Mitursache chronischer Steißbeinschmerzen diskutiert[B]
Tabelle 3: Schmerz und Taubheit am inneren unteren Gesäß. Reihenfolge: erst dieser Nerv, dann die Nachbarnerven von innen nach außen und oben, zuletzt der Knochen.

Herkunft: Labat et al. 2008; Darnis et al. 2008; Öncü Alptekin et al. 2026; Standring, Gray’s Anatomy, zu den Hautgebieten.

10. Differenzialdiagnostik: Gesäßschmerz nach Operation am Lig. sacrospinale

In einer Sezierreihe an 14 Leichen durchbohrten in 85 % der Präparate ein bis drei Äste aus S3 und S4 das Lig. sacrotuberale oder zogen vor ihm entlang und traten durch den unteren M. gluteus maximus; ihr Verlauf entspricht dem des N. perforans cutaneus. [B] Den N. gluteus inferior fanden die Autoren im Mittel 31,5 mm vom Mittelpunkt des Lig. sacrospinale entfernt; eine Schädigung dieses Nervs halten sie als Ursache des Gesäßschmerzes für unwahrscheinlich. [B]

Die engste Beziehung zum Mittelpunkt des Bandes hatte die Wurzel S3, im Mittel 3 mm entfernt. [B] Ein Schmerz nach der Operation kann deshalb auch von S3 selbst ausgehen; dann reicht er meist über das kleine Hautfeld hinaus. [I]

Herkunft: Florian-Rodriguez et al. 2016.

11. Differenzialdiagnostik: Nach Druck, Sturz oder Injektion

Nach Druck oder einem Sturz auf das Gesäß ist an diesen Nerv zu denken, wenn nur das kleine Feld am inneren unteren Gesäß betroffen ist. [I] Reicht die Störung bis zur Oberschenkel-Rückseite, weist das auf den N. cutaneus femoris posterior; bestehen Schwäche oder Reflexausfall, auf N. ischiadicus oder Wurzeln. [I]

Herkunft: aus den Hautgebieten abgeleitet.

12. Differenzialdiagnostik: Varianten und Ersatzäste

Widerspruch: Wie häufig ist der Nerv?

Die Lehrbücher führen ihn als regelhaften Ast aus S2 und S3. [B] Eine kleine Sezierreihe fand ihn in 25 % der Geflechte; eine andere fand Äste mit seinem Verlauf in 85 % der Präparate, jedoch aus S3 und S4. [B] Die Arbeiten verwenden verschiedene Abgrenzungen und kleine Fallzahlen. [I] Beständig ist das Hautgebiet, nicht der versorgende Nerv. [I]

Fehlte der Nerv, übernahmen untere innere Gesäßäste sein Gebiet. [B] Für die Differenzialdiagnostik folgt daraus: Ein Schmerz im typischen Feld spricht für einen Hautast an dieser Stelle, belegt aber nicht, welcher es ist. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Shafarenko et al. 2023; Florian-Rodriguez et al. 2016.

13. Differenzialdiagnostik: Was gegen diesen Nerv spricht

  • Schmerz mittig vom After bis zum Genitale: spricht für den N. pudendus. [B]
  • Gefühlsstörung an der Oberschenkel-Rückseite: spricht für den N. cutaneus femoris posterior. [B]
  • Jede Schwäche oder ein Reflexausfall: spricht für andere Nerven oder die Wurzeln. [B]
  • Plötzliche Störung von Blase oder Darm, beidseitige Taubheit im Reithosengebiet: spricht für ein Kaudasyndrom. [B]
  • Schmerz ausschließlich am Steißbein: spricht zunächst für einen Steißbeinschmerz; eine Beteiligung dieses Nervs wird diskutiert, ist aber nicht gesichert. [B]

Herkunft: die in den Kapiteln 9 bis 12 genannten Quellen; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017.

Teil D · Verlauf und Behandlung

14. Verlauf und Aussichten

Lücke: Kein Verlauf beschrieben

Zum Verlauf einer Schädigung dieses Nervs liegt keine Arbeit vor.

15. Beschriebene Behandlungswege

Eine randomisierte, doppelt verblindete Studie mit 32 Frauen mit chronischem Steißbeinschmerz untersuchte ultraschallgesteuerte Einspritzungen in das Gebiet dieses Nervs und in das Lig. sacrotuberale gegen Kochsalzlösung. [B] Die Autoren werten die Behandlung als sicher und wirksam und sehen darin den ersten randomisierten Beleg für eine Rolle dieses Nervs; die Studie ist klein und schloss nur Frauen ein. [B] Die allgemeine Versorgung von Nervenverletzungen regelt die S3-Leitlinie AWMF 005-010, Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028. [B] Diese Seite gibt keine Therapieempfehlung.

Herkunft: Öncü Alptekin et al. 2026; AWMF-Register 005-010.

16. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ärztlich abgeklärt

  • Plötzliche Störung von Blase oder Darm, beidseitige Taubheit im Reithosengebiet oder Schwäche beider Beine: Warnhinweis auf ein Kaudasyndrom. [B]
  • Schmerz nach einer Beckenoperation, der sich über Wochen nicht bessert. [I]
  • Schwellung, Rötung oder Fieber in der Gesäßregion. [I]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017; die übrigen Punkte sind abgeleitet.

17. Häufige Fragen

Hat jeder Mensch diesen Nerv?

Nein. In einer Sezierreihe fand er sich nur in einem Viertel der Geflechte; sein Hautgebiet wurde sonst von anderen Ästen versorgt. [B]

Kann eine Senkungsoperation diesen Nerv schädigen?

Möglich. Äste mit seinem Verlauf liegen nahe am Lig. sacrospinale und gelten als wahrscheinliche Ursache von Gesäßschmerz nach der Befestigung der Scheide an diesem Band. [B]

Ist mein Schmerz im Sitzen dann eine Pudendusneuralgie?

Nicht unbedingt. Die Pudendusneuralgie betrifft die Mitte vom After bis zum Genitale; ein Schmerz nur am inneren unteren Gesäß passt eher zu einem Hautast. [I] Näheres in Kapitel 9.

Herkunft: die in den Kapiteln 3 bis 12 genannten Quellen.

Teil E · Anatomische Einzelheiten

18. Ursprung und Stellung im Kreuzgeflecht

Der Nerv entsteht aus S2 und S3, nach einer Sezierreihe meist aus dem hinteren Bereich des Geflechts. [B] Entspringt er dort, kreuzt er den N. pudendus nicht, sondern zieht zwischen N. pudendus und N. rectalis inferior zum Band. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Shafarenko et al. 2023.

19. Der Durchtritt durch das Lig. sacrotuberale

Der Nerv durchbohrt das Lig. sacrotuberale und bildet dabei einen Spalt in dessen Fasern. [B] Der Dammast des N. cutaneus femoris posterior tut das nie; in einer Sezierreihe an 40 Körperseiten durchbohrte er das Band in keinem Fall. [B] Der Durchtritt durch das Band ist damit das anatomische Unterscheidungsmerkmal beider Nerven. [I]

Herkunft: Shafarenko et al. 2023; Tubbs et al. 2009.

20. Die Verlaufstypen

TypBefundKennzeichen
Eigenständiger Ursprung aus dem Geflechtzwei Drittel der gefundenen Nerven[B]
Ursprung aus dem N. pudendusein Drittel der gefundenen Nerven[B]
Kein N. perforans cutaneusHautgebiet von unteren inneren Gesäßästen versorgt[B]
Tabelle 4: Verlaufstypen nach einer Sezierreihe an 12 Geflechten, in der der Nerv dreimal gefunden wurde. Reihenfolge nach der Häufigkeit. Die Autoren beschreiben aus Literatur und eigenem Befund drei Typen, von denen zwei beobachtet wurden.

Herkunft: Shafarenko et al. 2023.

21. Was dieser Nerv nicht führt

  • Keine bewegenden Fasern und keinen Reflex. [B]
  • Keine eigenen Ganglien. Die Zellkörper seiner Fasern liegen in den Spinalganglien S2 und S3. [B]
  • Keine Fasern für Blase, Mastdarm oder Sexualfunktion. Diese laufen über die Beckeneingeweidenerven und den N. pudendus. [B]
  • Kein eigenes Dermatom. Sein Hautfeld ist ein Nervengebiet innerhalb der Dermatome S2 und S3. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

22. Reflexzonenmodelle

Die drei folgenden Modelle wurden zwischen 1893 und 1953 veröffentlicht. Sie ordnen Haut- oder Gewebezonen inneren Organen über gemeinsame Rückenmarkssegmente zu. [H] Ein kontrollierter Nachweis ihrer Zonengrenzen liegt nicht vor. [H] Sie stehen hier zur Einordnung, nicht als Grundlage der Differenzialdiagnostik.

ModellGrundgedanke und VoraussetzungBezug zu diesem NervKennzeichen
Head-Zonenüberempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; setzt viszerale Afferenzen voraus, die auf Hautsegmente überleitenkeine Zone; der Nerv führt keine viszeralen Afferenzen [I][H]
Mackenzie-Zonentastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung; setzt viszerale Afferenzen mit Projektion in die Muskulatur vorauskeine Zone; dieselbe Voraussetzung fehlt [I][H]
Bindegewebszonen nach Dickeveränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage; setzt einen Organbezug vorausnicht begründbar, weil der Organbezug fehlt [I][H]
Tabelle 5: Geschichtliche Reflexzonenmodelle und ihr Bezug zu diesem Nerv. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

Für diesen Nerv gibt es keine Vorfassung; die Einordnung folgt den übrigen Seiten der Reihe. Das entfällt: Der Nerv führt empfindende Fasern aus Haut, Muskeln und Gelenken, aber keine aus inneren Organen. [B] Damit fehlt die Voraussetzung der Modelle. [I]

22.1 Der Nucleus intermediolateralis und die vegetativen Fasern

Die vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen liegen im Nucleus intermediolateralis von Th1 bis etwa L2; S2 und S3 gehören nicht dazu. [B] Der Nerv führt nur nachgeschaltete sympathische Fasern zur Haut, die über die grauen Verbindungsäste aus dem Grenzstrang kommen. [B] Die parasympathischen Fasern aus S2 und S3 laufen als Beckeneingeweidenerven zu den Beckenorganen. [B]

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb 1909 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Head, Mackenzie und Dicke als geschichtliche Quellen; Bähr und Frotscher, Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik; Standring, Gray’s Anatomy.

Teil F · Anhang

23. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
AWMFArbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Herausgeberin der deutschen Leitlinien
Befestigung am Lig. sacrospinalegynäkologische Operation, bei der die Scheide bei einer Senkung an diesem Band befestigt wird
Beckeneingeweidenervenparasympathische Nerven aus S2 bis S4 zu Blase, Mastdarm und Genitalorganen
DermatomHautgebiet einer einzelnen Rückenmarkswurzel
GrenzstrangKette vegetativer Nervenknoten neben der Wirbelsäule
KaudasyndromDruck auf die Nervenwurzeln unterhalb des Rückenmarks mit Störung von Blase, Darm und Beinen
Lig. sacrotuberalekräftiges Band vom Kreuzbein zum Sitzbeinhöcker
Nantes-KriterienDiagnosekriterien für das Einklemmungssyndrom des N. pudendus
Nucleus intermediolateralisZellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks von Th1 bis etwa L2
ReithosengebietHaut an Damm, Gesäßinnenseite und Oberschenkel-Innenseite
Steißbeinschmerz (Kokzygodynie)Schmerz am Steißbein, meist im Sitzen
Tarlov-Zysteflüssigkeitsgefüllte Aussackung an einer Nervenwurzel des Kreuzbeins
Tabelle 6: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

24. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Herkunftszeilen, die nur Standardwerke nennen, geben den Lehrbuchstand wieder. Die Fundstellen in diesen Werken sind noch nicht mit Seitenzahl geprüft; das steht unter „Offene Punkte“ in Kapitel 25.4.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

25. Grundlage und Quellen

25.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

25.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1Darnis B, Robert R, Labat JJ, et al. Perineal pain and inferior cluneal nerves: anatomy and surgery. Surg Radiol Anat 2008;30(3):177–183Anatomie und Operationsreihe
2Labat JJ, Riant T, Robert R, Amarenco G, Lefaucheur JP, Rigaud J. Diagnostic criteria for pudendal neuralgia by pudendal nerve entrapment (Nantes criteria). Neurourol Urodyn 2008;27(4):306–310Diagnosekriterien
3Tubbs RS, Miller J, Loukas M, Shoja MM, Shokouhi G, Cohen-Gadol AA. Surgical and anatomical landmarks for the perineal branch of the posterior femoral cutaneous nerve. J Neurosurg 2009;111(2):332–335Sezierreihe, 40 Körperseiten
4Florian-Rodriguez ME, Hare A, Chin K, Phelan JN, Ripperda CM, Corton MM. Inferior gluteal and other nerves associated with sacrospinous ligament: a cadaver study. Am J Obstet Gynecol 2016;215(5):646.e1–646.e6Sezierreihe, 14 LeichenLeitquelle Klinik
5Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, 2017. AWMF nvl-007Leitlinielaut Register abgelaufen; nur für die Warnhinweise
6Klepinowski T, Orbik W, Sagan L. Global incidence of spinal perineural Tarlov’s cysts and their morphological characteristics: a meta-analysis of 13,266 subjects. Surg Radiol Anat 2021;43(6):855–863Metaanalyse
7Shafarenko K, Walocha JA, Tubbs RS, Jankowska K, Mazurek A. Anatomical description of the perforating cutaneous nerve. Folia Morphol 2023;82(1):88–95Sezierreihe, 6 Leichen, 12 GeflechteLeitquelle Anatomie
8AWMF. S3-Leitlinie 005-010: Versorgung peripherer Nervenverletzungen. Stand 30.09.2023, gültig bis 29.09.2028Leitlinieam Register geprüft am 21.09.2026
9Öncü Alptekin J, İş EE, Örnek Nİ, Cavallino S, Akçacıoğlu M, Türkoğlu R. Ultrasound-guided 5% dextrose neural prolotherapy injection for perforating cutaneous nerve entrapment in chronic coccydynia: a randomized placebo-controlled double-blind trial. Ir J Med Sci 2026randomisierte Studie, 32 Patientinnenonline vor Druck, Band und Seiten noch nicht vergeben; Ergebniszahlen nicht wiedergegeben
10Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
11Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
12Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; Teil II Brain 1894;17:339–480; Teil III Brain 1896;19:153–276geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
13Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw and Sons; 1909geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
14Dicke E. Meine Bindegewebsmassage. Stuttgart: Hippokrates; 1953geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
Tabelle 7: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

25.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen; sie dienten nur zur Auffindung der Originalarbeiten.

25.4 Offene Punkte

  • Die Aussagen, die auf den Standardwerken beruhen, sind noch nicht mit Auflage und Seitenzahl geprüft. Betroffen sind vor allem die Kapitel 1 bis 3, 21 und 22.1.
  • Keine Fundstelle ist unvollständig; offen bleiben nur die Standardwerke.
  • Die Seite enthält keine Abbildung.

Grenzen der Literatur (Stand der Recherche: 21. September 2026). Zu Klinik und Verlauf dieses Nervs gibt es keine Fallreihe; zur Behandlung eine kleine randomisierte Studie beim Steißbeinschmerz. Die anatomischen Arbeiten haben kleine Fallzahlen und kommen zu unterschiedlichen Häufigkeiten.

25.5 Neue Seite

Diese Seite ist neu angelegt; eine Vorfassung gibt es nicht. Der Nerv fehlte in der Arbeitsvorlage der Reihe und wurde dort ergänzt.

25.6 Änderungsvermerk

Geändert: Seite neu geschrieben nach den gemeinsamen Bausteinen der Nervenseiten. Warum: Erweiterung der Reihe um die sakralen Nerven. Ersetzt: keine Fassung.

Optimierung vor V 1.0 – geändert: Fundstelle Shafarenko vervollständigt; randomisierte Studie zum Steißbeinschmerz aufgenommen und die Abgrenzung zum Steißbein angepasst. Warum: offene Punkte aus V 0.5. Ersetzt: V 0.5.

V 1.1 – geändert: Leiste vereinheitlicht; Fundstelle Öncü Alptekin 2026 vervollständigt. Warum: Optimierung der Reihe „Nervi sacrales“. Ersetzt: V 1.0.

V 1.2 – geändert: Leiste auf alle 18 Seiten des Lenden- und Kreuzgeflechts erweitert. Warum: Abschluss der Reihen „Lumbale Nerven“ und „Nervi sacrales“. Ersetzt: V 1.1.

V 1.3 – geändert: Leiste um die Übersicht der Brustnerven ergänzt. Warum: Verbindung zur Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.2.

V 1.4 – geändert: Leiste um N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis, N. genitofemoralis und N. cutaneus femoris lateralis ergänzt. Warum: Ergänzung des Lendengeflechts. Ersetzt: V 1.3.

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V 1.4 · Stand: 21. September 2026 · Quellen geprüft am 21. September 2026