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Nervus thoracicus Th12

Der Nervus thoracicus Th12 (zwölfter Brustnerv) ist der Spinalnerv des zwölften Brustsegments. [B] Sein vorderer Ast verläuft nicht zwischen zwei Rippen, sondern unter der zwölften Rippe und heißt deshalb N. subcostalis; er versorgt die unteren Bauchmuskeln, die Haut des Unterbauchs und mit seinem seitlichen Hautast die Haut über dem Beckenkamm. [B] Sein hinterer Ast versorgt Rückenmuskeln und Rückenhaut. [B]

Der N. subcostalis zieht hinter der Niere entlang und ist bei Flankenschnitten an der Niere gefährdet; nach solchen Operationen tritt häufig eine bleibende Vorwölbung der Flanke auf. [B] Reflektorisch verbindet Th12 die Niere über den kleinsten Eingeweidenerv mit dem Segment, und der untere Bauchhautreflex prüft es. [B]

Das Wichtigste in Kürze

  • Der N. subcostalis aus Th12 verläuft unter der zwölften Rippe und hinter der Niere. [B]
  • Nach Flankenschnitten für eine Nierenentfernung hatten 49 % der Operierten nach einem Jahr eine bleibende Vorwölbung der Flanke. [B]
  • Die Bauchwand erhält den wichtigsten Anteil ihrer Nerven aus Th12; ein Schnitt oberhalb einer Linie von der Spitze der zwölften Rippe zum Nabel schont die Nerven am meisten. [B]
  • Th12 liefert sympathische Fasern für die Niere; Segmentzeichen bei Nierenerkrankungen reichten von Th6 bis L2. [B]
  • Der untere Bauchhautreflex prüft Th11 und Th12. [B]

Schwerpunkt dieser Seite sind die Differenzialdiagnostik in den Kapiteln 8 bis 13 und die reflektorischen Verbindungen in Kapitel 22. Die Kennzeichen [B], [I] und [H] erklärt der Abschnitt Lesart dieser Seite.

Teil A · Überblick

1. Kurzbild

MerkmalAngabeKennzeichen
AustrittZwischenwirbelloch zwischen Th12 und L1[B]
Ästevorderer Ast als N. subcostalis mit seitlichem und vorderem Hautast, oft Verbindung zum ersten Lendennerv; hinterer Ast zu Rückenmuskeln und Rückenhaut[B]
Muskelnuntere Anteile der Bauchmuskeln, M. pyramidalis, Anteile des M. quadratus lumborum[B]
HautUnterbauch oberhalb von Leiste und Schambein; über dem Beckenkamm bis zur seitlichen Hüfte[B]
Reflexunterer Bauchhautreflex (Th11 bis Th12)[B]
Vegetativsympathische Fasern für die Niere über den N. splanchnicus imus[B]
Wichtigste AbgrenzungenNiere und Harnleiter, Einklemmung vorderer Hautäste, Gürtelrose, Vorwölbung der Flanke nach Operation (Kapitel 9 bis 13)[I]
Tabelle 1: Kerndaten des Nervus thoracicus Th12. Reihenfolge: vom Austritt über die Versorgung zu den Abgrenzungen.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus. Die Abgrenzungen sind aus den Kapiteln 9 bis 13 abgeleitet.

2. Verlauf in Kürze

  1. Am Zwischenwirbelloch Th12/L1: Teilung in vorderen und hinteren Ast; der weiße Verbindungsast führt vorgeschaltete sympathische Fasern zum Grenzstrang. [B]
  2. Unter der zwölften Rippe: Der N. subcostalis läuft vor dem M. quadratus lumborum und hinter der Niere nach außen. [B]
  3. In der Flanke: Er durchbricht den queren Bauchmuskel und läuft zwischen den seitlichen Bauchmuskeln nach vorn; sein seitlicher Hautast zieht über den Beckenkamm. [B]
  4. Am geraden Bauchmuskel: Der vordere Hautast erreicht die Haut des Unterbauchs oberhalb des Schambeins. [B]
  5. Hinterer Ast: Er zieht durch die tiefe Rückenmuskulatur zur Rückenhaut. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

3. Versorgungsgebiet

GebietÜber welchen AstKennzeichen
Haut des Unterbauchs oberhalb von Leiste und Schambeinvorderer Hautast[B]
Haut über dem Beckenkamm und der seitlichen Hüfteseitlicher Hautast[B]
Untere Bauchmuskeln, M. pyramidalisN. subcostalis[B]
Tiefe Rückenmuskeln und Rückenhauthinterer Ast[B]
Nieresympathische Fasern (Kapitel 22)[B]
Tabelle 2: Versorgungsgebiet des Segments Th12. Reihenfolge: Brustwand vorn, seitlich, Rücken, zuletzt die vegetative Versorgung.

Einen Eigenreflex, der Th12 prüft, gibt es nicht. [B] Die Hautgebiete benachbarter Brustsegmente überlappen, sodass der Ausfall einer einzelnen Wurzel oft nur eine schmale Minderempfindung hinterlässt. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus.

Teil B · Klinik

4. Schädigungsorte und Anlässe

OrtAnlassKennzeichen
Wurzel Th12Bandscheibe, Knochenanbau, Gürtelrose, Zuckerkrankheit, Bruch am Übergang von Brust- zu Lendenwirbelsäule[I]
N. subcostalis hinter der Niere und in der FlankeFlankenschnitt für Nierenoperationen, Zugänge durch die hintere Bauchwand[B]
Vorderer Hautast am geraden BauchmuskelEinklemmung beim Durchtritt durch die Rektusscheide[B]
Tabelle 3: Orte und Anlässe einer Schädigung. Reihenfolge von proximal nach distal.

4.1 Häufigkeiten

ArbeitUmfangBefund
Studie zur Nierenentfernung über Flankenschnitt, 200470 Patienten nach Nierenentfernung über Flanken- oder Brust-Bauch-Schnittbleibende, oft schmerzhafte Vorwölbung der Flanke nach einem Jahr bei 34 (49 %); links häufiger
Sezierreihe und Nierenspender, 20124 Leichen, 40 operierte Nierenspenderwichtigster Nervenanteil der seitlichen Bauchwand aus Th12; Schnitt oberhalb der Linie Rippenspitze–Nabel schont die Nerven
van Assen et al. 2015NotaufnahmeEinklemmung vorderer Hautäste bei etwa 2 % der akuten Bauchschmerzen
Tabelle 4: Häufigkeiten aus Übersichtsarbeiten. Reihenfolge nach dem Jahr. Alle Angaben belegt [B].

Lücke: Keine Häufigkeit für die Wurzel Th12

Für die Schädigung der Wurzel Th12 selbst liegt dieser Fassung keine Reihe mit Fallzahl vor.

Herkunft: Studie zur Nierenentfernung über Flankenschnitt, 2004, nach Sekundärzitat; Sezierreihe mit Nierenspendern, 2012; van Assen et al. 2015.

5. Beschwerdebild

ZeichenBeschreibungKennzeichen
Vorwölbung der Flankenach Nierenoperation über Flankenschnitt, oft ohne echte Bruchlücke[B]
Taubheit oder Brennenam Unterbauch oder über dem Beckenkamm, oft entlang einer Narbe[I]
Umschriebener Bauchwandschmerzfingerspitzengroßer Punkt am Rand des geraden Bauchmuskels[B]
Gürtelförmiger Schmerzentlang des Segments bei Wurzelreizung, Gürtelrose oder Zuckerkrankheit[B]
Tabelle 5: Zeichen einer Schädigung im Bereich des Segments. Reihenfolge: Wurzel und vorderer Ast, dann hinterer Ast.

Herkunft: Studie zur Nierenentfernung über Flankenschnitt, 2004; Scheltinga und Roumen 2018; Longstreth 1997.

6. Untersuchung

  • Carnett-Zeichen: Schmerzpunkt tasten, dann den Kopf anheben lassen; nimmt der Schmerz beim Anspannen zu, spricht das für die Bauchwand. [B]
  • Untere Bauchhautreflex (Th11 bis Th12): Bestreichen der Bauchhaut von außen zur Mitte; ein einseitiger Ausfall ist ein Hinweis auf eine Schädigung von Segment oder Pyramidenbahn. [B]
  • Gefühl entlang des Segments: im Seitenvergleich. [I]
  • Bauchwand im Stehen ansehen: umschriebene Vorwölbung beim Pressen. [I]

Herkunft: Scheltinga und Roumen 2018; Bähr und Frotscher, Duus.

7. Apparative Diagnostik

Bei umschriebenem Bauchwandschmerz mit normalen Blut- und Bildbefunden bestätigt eine Betäubung am Schmerzpunkt die Einklemmung vorderer Hautäste. [B] Bei der diabetischen Rumpfradikulopathie zeigt die Nadeluntersuchung der Rückenstrecker in Höhe des Segments einen Schaden der Nervenwurzel; in einer Reihe bei 7 von 10 Patienten. [B]

Herkunft: Scheltinga und Roumen 2018; van Assen et al. 2015; Longstreth 1997.

Teil C · Differenzialdiagnostik

8. Differenzialdiagnostik: Überblick und Vorgehen

Achtung: Zuerst an Niere und Harnwege denken

Kolikartiger Flankenschmerz, Blut im Urin, Fieber oder Schüttelfrost weisen auf Niere und Harnwege. [I] Akuter Flanken- oder Bauchschmerz gehört ohne Aufschub ärztlich abgeklärt.

  1. Flankenschmerz, vielleicht kolikartig? Das führt zu Kapitel 9. [I]
  2. Umschriebener Schmerzpunkt an der Bauchwand? Das führt zu Kapitel 10. [I]
  3. Gürtelförmiger Schmerz, vielleicht mit Zuckerkrankheit? Das führt zu Kapitel 11. [I]
  4. Vorwölbung der Flanke nach einer Operation? Das führt zu Kapitel 12. [I]

Diese Kapitel beschreiben allgemein, wie sich Krankheitsbilder voneinander abgrenzen. Sie stellen keine Diagnose für eine einzelne Person und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: Swap und Nagurney 2005. Die Leitfragen sind aus den Kapiteln 3 bis 7 abgeleitet.

9. Differenzialdiagnostik: Organ oder Nerv? Flankenschmerz

UrsacheHinweisKennzeichen
Niere und Harnleiterkolikartiger Schmerz, Ausstrahlung in Leiste, Blut im Urin; Segmentzeichen Th6 bis L2[B]
NierenbeckenentzündungFlankenschmerz mit Fieber und Klopfschmerz[I]
Wurzel Th12gürtelförmiger Schmerz, Minderempfindung im Segment, abhängig von Bewegung[I]
Übergang von Brust- zu LendenwirbelsäuleRückenschmerz mit Ausstrahlung in Flanke und Beckenkamm[I]
Tabelle 6: Flankenschmerz: Organ, Wurzel oder Wirbelsäule. Reihenfolge nach der Dringlichkeit.

Herkunft: Shaballout et al. 2021; übrige Zeilen aus der Anatomie abgeleitet.

10. Differenzialdiagnostik: Umschriebener Schmerzpunkt an der Bauchwand

MerkmalBefundKennzeichen
Ortvordere Hautäste von Th7 bis Th12 am Rand des geraden Bauchmuskels; nach anderer Angabe Th8 bis Th12[B]
Schmerzumschriebener, oft fingerspitzengroßer Punkt, stärker beim Anspannen der Bauchmuskeln (positives Carnett-Zeichen)[B]
Hautkleines Schmerzzentrum in einem größeren Feld mit veränderter Empfindung[B]
Häufigkeitetwa 2 % der Patienten mit akutem Bauchschmerz in einer niederländischen Notaufnahme; geschätzt 1 von 1 800 Menschen[B]
Organähnliche Beschwerdenbei 100 Betroffenen Blähungen 78 %, Übelkeit 66 %, veränderter Stuhlgang 50 %[B]
Diagnostische BetäubungBesserung nach Einspritzen eines Betäubungsmittels am Schmerzpunkt[B]
Tabelle 7: Merkmale der Einklemmung vorderer Hautäste. Reihenfolge: Ort, Schmerz, Haut, Häufigkeit, Begleitbeschwerden, Bestätigung.

Normale Blut- und Bildbefunde bei umschriebenem Bauchschmerz sind ein Hinweis, an diese Einklemmung zu denken. [B] Ein positives Carnett-Zeichen allein schließt eine Organerkrankung nicht aus. [I]

Herkunft: Scheltinga und Roumen 2018; van Assen et al. 2015; Jacobs et al. 2024.

11. Differenzialdiagnostik: Gürtelförmiger Schmerz

  • Gürtelrose: Schmerz kann den Bläschen um Tage vorausgehen; die Bläschen folgen einem Segment. [I] Die Brustsegmente sind die häufigsten Hautgebiete der Gürtelrose. [B]
  • Diabetische Rumpfradikulopathie: bei Zuckerkrankheit Schmerz nachts betont und durch leichten Druck verstärkt, oft mit Gewichtsverlust; alle 10 Patienten einer Reihe hatten eine Gefühlsstörung der Haut, 4 eine umschriebene Lähmung der Bauchwand mit Vorwölbung. [B]
  • Wurzelreizung durch Bandscheibe oder Knochenanbau: Schmerz verstärkt bei Husten, Pressen und Drehung. [I]
  • Tumor oder Entzündung an der Wirbelsäule: Schmerz in der Nacht, Fieber, Gewichtsverlust. [B]

Herkunft: Literaturübersicht zur Gürtelrose in Indien, 2021; Longstreth 1997; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017.

12. Differenzialdiagnostik: Vorwölbung der Flanke nach Operation

Nach einer Nierenentfernung über Flanken- oder Brust-Bauch-Schnitt hatten in einer Reihe 49 % der Operierten nach einem Jahr eine bleibende Vorwölbung der Flanke, links häufiger. [B] Ursache ist meist eine Lähmung der seitlichen Bauchmuskeln durch Verletzung der Zwischenrippennerven und des N. subcostalis, keine echte Bruchlücke. [B] Eine Vorwölbung ohne Operation weist dagegen auf eine diabetische Rumpfradikulopathie oder einen Wurzelschaden. [B]

Herkunft: Studie zur Nierenentfernung über Flankenschnitt, 2004; Sezierreihe mit Nierenspendern, 2012; Longstreth 1997.

13. Differenzialdiagnostik: Was gegen dieses Segment spricht

  • Fieber, Gelbfärbung, Erbrechen oder Blut im Stuhl: sprechen für ein Organ. [I]
  • Schmerz nimmt beim Anspannen der Bauchmuskeln ab: spricht eher für ein Organ als für die Bauchwand. [B]
  • Belastungsabhängiger Brustdruck oder Atemnot: sprechen für das Herz. [B]
  • Schwäche oder Gefühlsstörung an den Beinen, Störung von Blase oder Darm: sprechen für eine Schädigung des Rückenmarks. [B]

Herkunft: Scheltinga und Roumen 2018; Swap und Nagurney 2005; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017.

Teil D · Verlauf und Behandlung

14. Verlauf und Aussichten

Eine Vorwölbung der Flanke nach Operation blieb in der Reihe bei fast der Hälfte über ein Jahr bestehen. [B] Die diabetische Rumpfradikulopathie bildete sich in einer anderen Reihe bei 9 von 10 Patienten spontan zurück. [B]

Herkunft: Studie zur Nierenentfernung über Flankenschnitt, 2004; Longstreth 1997.

15. Beschriebene Behandlungswege

Beschrieben ist vor allem die Vorbeugung: Schnittführung oberhalb der Linie von der Spitze der zwölften Rippe zum Nabel, um den N. subcostalis zu schonen. [B] Diese Seite gibt keine Therapieempfehlung.

Herkunft: Sezierreihe mit Nierenspendern, 2012.

16. Warnzeichen

Achtung: Diese Befunde gehören ohne Aufschub ärztlich abgeklärt

  • Akuter Bauchschmerz mit Fieber, Erbrechen, Gelbfärbung oder Blut im Stuhl. [I]
  • Akuter Brustschmerz oder Oberbauchschmerz mit Atemnot. [B]
  • Schwäche oder Gefühlsstörung an beiden Beinen, Störung von Blase oder Darm: Hinweis auf eine Schädigung des Rückenmarks. [B]

Diese Seite stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieempfehlung und ersetzt keine ärztliche Untersuchung.

Herkunft: Swap und Nagurney 2005; NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz 2017 zu den Warnhinweisen der Wirbelsäule.

17. Häufige Fragen

Warum wölbt sich meine Flanke nach der Nierenoperation vor?

Meist ist die seitliche Bauchmuskulatur gelähmt, weil der N. subcostalis oder untere Zwischenrippennerven beim Flankenschnitt verletzt wurden; eine echte Bruchlücke fehlt oft. [B]

Warum heißt der zwölfte Brustnerv N. subcostalis?

Weil er nicht zwischen zwei Rippen, sondern unter der zwölften Rippe verläuft. [B]

Herkunft: Studie zur Nierenentfernung über Flankenschnitt, 2004; Standring, Gray’s Anatomy.

Teil E · Anatomische Einzelheiten und reflektorische Verbindungen

18. Ursprung und Stellung

Th12 ist das zwölfte und unterste Brustsegment. [B] Das Segment liegt im Rückenmark deutlich höher als der gleichnamige Wirbel, etwa in Höhe des zehnten Brustwirbels. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

19. Der N. subcostalis hinter der Niere

Der N. subcostalis liegt auf dem M. quadratus lumborum hinter der Niere. [B] In einer Sezierreihe trug Th12 am meisten zur Nervenversorgung der seitlichen Bauchwand bei; die Autoren empfehlen, Flankenschnitte oberhalb einer Linie von der Spitze der zwölften Rippe zum Nabel zu führen. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Sezierreihe mit Nierenspendern, 2012.

20. Abweichungen vom Regelbau

Der N. subcostalis ist häufig mit dem N. iliohypogastricus aus L1 verbunden; die Grenze zwischen ihren Hautgebieten schwankt. [B]

Lücke: Keine Häufigkeitszahlen

Sezierreihen mit Fallzahlen zu Abweichungen dieses Segments liegen dieser Fassung nicht vor.

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

21. Was dieser Nerv nicht führt

  • Keine parasympathischen Fasern. Die Niere erhält sie über den N. vagus. [B]
  • Keine Fasern für das Zwerchfell. Es wird vom N. phrenicus aus C3 bis C5 versorgt. [B]
  • Keine Fasern für die Muskeln des Beins. [B]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy.

22. Reflektorische Verbindungen

Dieses Kapitel trennt vier Ebenen: die belegte sympathische Versorgung (22.1, 22.2), den belegten übertragenen Schmerz mit seinen Reflexen (22.3, 22.4), die geschichtlichen Zonenmodelle (22.5) und deren heutige Prüfung (22.6). [I]

22.1 Sympathische Zellsäule und Grenzstrang

Th12 gehört zum Nucleus intermediolateralis, der Zellsäule der vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen von Th1 bis etwa L2. [B] Die Fasern ziehen über den weißen Verbindungsast zum Grenzstrang und von dort in den kleinsten Eingeweidenerv (N. splanchnicus imus) zum Nierengeflecht. [B]

22.2 Organe mit sympathischen Fasern aus diesem Segment

ZielgebietWegKennzeichen
NiereN. splanchnicus imus aus Th12 zum Nierengeflecht[B]
Harnleiter, oberer AbschnittNieren- und Harnleitergeflecht[B]
Gefäße und Schweißdrüsen der Bauch- und Hüfthautüber den N. subcostalis[B]
Tabelle 8: Sympathische Zielgebiete mit Fasern aus Th12. Reihenfolge von oben nach unten. Lehrbuchstand.

22.3 Übertragener Schmerz

Empfindende Fasern aus den Organen erreichen das Rückenmark über die hinteren Wurzeln der Brustsegmente und enden an denselben Nervenzellen wie Fasern aus Haut und Muskeln; diese Konvergenz ist experimentell gut belegt. [B] Organschmerz beginnt unscharf in der Mittellinie und wird nach Minuten bis Stunden auf ein Körperfeld übertragen, häufig mit Überempfindlichkeit, die sich vom Organ lösen kann. [B] Für Th12 betrifft das vor allem Schmerz aus Niere und Harnleiter in Flanke, Unterbauch und Leiste. [I]

22.4 Reflexe dieses Segments

Der untere Bauchhautreflex (Th11 bis Th12) ist ein Fremdreflex: Das Bestreichen der Bauchhaut von außen zur Mitte führt zu einer Zuckung der Bauchmuskeln. [B] Er fehlt häufig bei schlaffer Bauchwand, nach Bauchoperationen und bei starkem Übergewicht und ist deshalb nur im Seitenvergleich aussagekräftig. [B] Organschmerz kann über die Brustsegmente eine Erweiterung der Pupille auf der Seite des Organs auslösen; sie fand sich bei 33,6 % von 110 Patienten. [B]

Umgekehrt können Beschwerden aus der Bauchwand Organbeschwerden nachahmen: Bei 100 Betroffenen mit Einklemmung vorderer Hautäste traten Blähungen, Übelkeit und veränderter Stuhlgang auf, und sie nahmen nach erfolgreicher Behandlung ab. [B] Die Autoren deuten das als viszerosomatischen Reflex über dasselbe Segment; der Weg ist nicht nachgewiesen. [I]

22.5 Head-, Mackenzie- und Bindegewebszonen

ModellGrundgedankeKennzeichen
Head-Zonen, 1893überempfindliche Hautzonen bei Erkrankung eines inneren Organs; innerhalb der Zonen Maximalpunkte[H]
Mackenzie-Zonen, 1909tiefe Überempfindlichkeit und tastbare Veränderungen in Muskulatur und Unterhaut bei Organerkrankung[H]
Bindegewebszonen nach Dicke, 1953veränderte Verschieblichkeit des Unterhautgewebes, Grundlage der Bindegewebsmassage[H]
Tabelle 9: Geschichtliche Reflexzonenmodelle. Reihenfolge nach Erstbeschreibung.

Head verglich die überempfindlichen Hautfelder bei Organerkrankungen mit den Hautausschlägen der Gürtelrose, die einem Segment folgen, und beschrieb innerhalb der Zonen Punkte größter Empfindlichkeit. [B] Eine Hypothese sieht Übereinstimmungen zwischen diesen Maximalpunkten und den Mu- und Shu-Punkten der chinesischen Medizin. [H] Die Voraussetzung der Modelle ist in den Brustsegmenten gegeben, weil sie Fasern aus inneren Organen empfangen. [B]

22.6 Heutige Prüfung der Segmentzeichen

OrganVerteilung der SegmentzeichenBezug zu Th12Kennzeichen
Niereschmalste Verteilung, Th6 bis L2eingeschlossen[B]
MagenTh2 bis Th12, Schwerpunkt Th6 bis Th9unterster Rand[B]
Lungesehr breit, vom Gesicht bis L2eingeschlossen[B]
Tabelle 10: Segmentzeichen bei akuten Organerkrankungen, soweit sie Th12 berühren, nach einer Beobachtungsstudie an 208 Notaufnahme-Patienten. Reihenfolge von oben nach unten.

Th12 liegt in der gemessenen Verteilung bei Nierenerkrankungen. [I] Ein Segmentzeichen in Th12 mit Flankenschmerz passt deshalb zur Niere; bei paarigen Organen folgt die Seite des Befunds der erkrankten Seite. [B] Feste Zonengrenzen für den Einzelfall sind nicht belegt. [H]

Achtung: Zwei ähnliche Namen

James Mackenzie beschrieb 1909 ein Reflexzonenmodell. [H] Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren für die Wirbelsäule. [B] Die beiden Modelle haben nichts miteinander zu tun. [I]

Herkunft: Standring, Gray’s Anatomy; Bähr und Frotscher, Duus; Cervero und Tattersall 1986; Giamberardino et al. 1995; Beissner et al. 2011; Shaballout et al. 2021; Head 1893; Mackenzie 1909; Dicke 1953.

Teil F · Anhang

23. Fachbegriffe

BegriffBedeutung
BauchhautreflexZuckung der Bauchmuskeln beim Bestreichen der Bauchhaut; Fremdreflex der Segmente Th7 bis Th12
Carnett-ZeichenZunahme eines Bauchschmerzes beim Anspannen der Bauchmuskeln als Hinweis auf die Bauchwand
Diabetische RumpfradikulopathieSchädigung von Brustnervenwurzeln bei Zuckerkrankheit mit gürtelförmigem Schmerz
Einklemmung vorderer HautästeEinklemmung der Endäste der Zwischenrippennerven am geraden Bauchmuskel
Flankenschnitt (Lumbotomie)seitlicher Schnitt unterhalb der Rippen für Operationen an der Niere
GrenzstrangKette sympathischer Nervenknoten neben der Wirbelsäule
N. splanchnicus imuskleinster Eingeweidenerv aus Th12 zum Nierengeflecht
N. subcostalisvorderer Ast von Th12 unter der zwölften Rippe
Nucleus intermediolateralisZellsäule der vorgeschalteten sympathischen Nervenzellen von Th1 bis etwa L2
RektusscheideBindegewebshülle des geraden Bauchmuskels
SegmentzeichenVeränderungen in Haut oder Muskeln des Segments, das Fasern aus einem erkrankten Organ empfängt
Viszerosomatischer ReflexVerbindung, über die ein Reiz aus einem Organ Beschwerden in Haut oder Muskeln desselben Segments auslöst, oder umgekehrt
Tabelle 11: Fachbegriffe dieser Seite, alphabetisch geordnet. Kürzel erklärt die Seite Medizinische Abkürzungen.

24. Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Jede Aussage trägt am Ende ein Kennzeichen. [B] steht für belegt, [I] für eine aus belegten Angaben abgeleitete Interpretation, [H] für ein geschichtliches Modell ohne kontrollierten Nachweis.

In den Tabellen mit Quellenspalte sind alle Zahlen belegt [B]; wo eine Zeile davon abweicht, steht das Kennzeichen in der Zeile selbst. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext darunter. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung, keine Sachaussage.

Herkunftszeilen, die nur Standardwerke nennen, geben den Lehrbuchstand wieder. Die Fundstellen in diesen Werken sind noch nicht mit Seitenzahl geprüft; das steht unter „Offene Punkte“ in Kapitel 25.4.

Die Seite ist in sechs Teile gegliedert. Vorn stehen Überblick, Klinik und Differenzialdiagnostik. Anatomische Einzelheiten wie Maße, Abweichungen vom Regelbau und Ganglien stehen in Teil E.

Eine Quelle mit dem Vermerk „Grenzfall“ erfüllt den Quellenmaßstab nicht vollständig, etwa wegen der Art der Veröffentlichung. Sie bleibt verwendet, weil sie eine Angabe trägt, für die keine gleichwertige Quelle vorliegt. Aussagen aus ihr sind mit Vorsicht zu lesen.

25. Grundlage und Quellen

25.1 Quellenmaßstab

Verwendet wird nur belegte, hochwertige Fachliteratur: Leitlinien und Klassifikationen, systematische Übersichten und Metaanalysen, begutachtete Originalarbeiten mit genannter Fallzahl sowie anatomische und neurologische Standardwerke. Einzelfallberichte sind als solche gekennzeichnet und tragen keine Häufigkeitsaussage. Webseiten, Populärliteratur und Angaben ohne auffindbare Originalquelle sind ausgeschlossen. Geschichtliche Quellen tragen ausschließlich die mit [H] gekennzeichneten Abschnitte.

25.2 Quellenverzeichnis

Nr.QuelleArt und UmfangVermerk
1Cervero F, Tattersall JEH. Somatic and visceral sensory integration in the thoracic spinal cord. Prog Brain Res 1986;67:189–205Übersicht experimenteller BefundeGrundlage 22.3
2Giamberardino MA, et al. Visceral pain, referred hyperalgesia and outcome: new concepts. Eur J Anaesthesiol Suppl 1995;10:61–66ÜbersichtsarbeitGrundlage 22.3; Mitautoren nicht eingesehen
3Longstreth GF. Diabetic thoracic polyradiculopathy: ten patients with abdominal pain. Am J Gastroenterol 1997;92(3):502–505Reihe, 10 PatientenAutorenliste nicht vollständig eingesehen
4Permanent flank bulge is a consequence of flank incision for radical nephrectomy in one half of patients. Urol Oncol 2004Reihe, 70 PatientenFundstelle unvollständig: Autoren, Band und Seiten nicht eingesehen; Inhalt nach Sekundärzitat
5Swap CJ, Nagurney JT. Value and limitations of chest pain history in the evaluation of patients with suspected acute coronary syndromes. JAMA 2005;294(20):2623–2629systematische Übersicht
6Beissner F, Henke C, Unschuld PU. Forgotten features of Head zones and their relation to diagnostically relevant acupuncture points. Evid Based Complement Alternat Med 2011;2011:240653Übersicht zu Heads OriginalarbeitenHypothese zu Mu- und Shu-Punkten nur [H]
7Avoiding abdominal flank bulge after lumbotomy incision: cadaveric study and ultrasonographic investigation. 2012Sezierreihe, 4 Leichen, und 40 operierte NierenspenderFundstelle unvollständig: Autoren und Zeitschrift nicht eingesehen
8van Assen T, Brouns JAGM, Scheltinga MR, Roumen RM. Incidence of abdominal pain due to the anterior cutaneous nerve entrapment syndrome in an emergency department. Scand J Trauma Resusc Emerg Med 2015;23:19Beobachtungsstudie, Notaufnahme
9Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, 2. Auflage, Version 1, 2017. AWMF nvl-007Leitlinielaut Register abgelaufen; nur für die Warnhinweise
10Scheltinga MR, Roumen RM. Anterior cutaneous nerve entrapment syndrome (ACNES). Hernia 2018;22(3):507–516ÜbersichtsarbeitLeitquelle Bauchwand
11Herpes zoster in outpatient departments of healthcare centers in India: a review of literature. 2021Literaturübersicht, 27 Studien, 3 124 FälleFundstelle unvollständig: Autoren und Zeitschrift nicht eingesehen; indische Bevölkerung
12Shaballout N, Aloumar A, Manuel J, May M, Beissner F. Lateralization and bodily patterns of segmental signs and spontaneous pain in acute visceral disease: observational study. J Med Internet Res 2021;23(8):e27247Beobachtungsstudie, 208 Patienten, davon 110 mit Erkrankung eines OrgansGrundlage 22.6
13Jacobs MLYE, Janssen L, Stassen LPS, Scheltinga MRM, Roumen RMH. Visceral symptoms in patients with anterior cutaneous nerve entrapment syndrome (ACNES): expression of viscerosomatic reflexes? Hernia 2024;28(1):127–134vorausschauende Beobachtungsstudie, 100 PatientenLeitquelle 22.4
14Standring S (Hrsg.). Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevieranatomisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
15Bähr M, Frotscher M. Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thiemeneurologisches StandardwerkFundstelle unvollständig: Auflage und Jahr fehlen; Lehrbuchstand, nicht mit Seitenzahl geprüft
16Head H. On disturbances of sensation with especial reference to the pain of visceral disease. Brain 1893;16:1–133; Teil II Brain 1894;17:339–480; Teil III Brain 1896;19:153–276geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
17Mackenzie J. Symptoms and their interpretation. London: Shaw and Sons; 1909geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
18Dicke E. Meine Bindegewebsmassage. Stuttgart: Hippokrates; 1953geschichtliches Modellnur für Aussagen mit [H]
Tabelle 12: Verwendete Quellen, geordnet nach dem Jahr der Veröffentlichung; Standardwerke danach; geschichtliche Quellen am Ende.

25.3 Nicht verwendet

Nicht herangezogen wurden Webportale, Lernplattformen, Nachschlagewerke ohne benannte Fachautorenschaft und frei bearbeitbare Wissenssammlungen. Eine rückblickende Studie von 2025 mit 407 Patienten nach Flankenschnitt liegt nur als nicht begutachteter Vorabdruck vor und wurde nicht verwendet.

25.4 Offene Punkte

  • Die Aussagen, die auf den Standardwerken beruhen, sind noch nicht mit Auflage und Seitenzahl geprüft; betroffen sind vor allem die Kapitel 1 bis 3, 18 bis 22.2.
  • Drei Fundstellen sind unvollständig (Nr. 4, Nr. 7, Nr. 11).
  • Die Seite enthält keine Abbildung.

Grenzen der Literatur (Stand der Recherche: 21. September 2026). Für die Wurzel Th12 selbst gibt es keine Reihe mit Fallzahl. Zwei Arbeiten zur Vorwölbung der Flanke sind nur über Zusammenfassung oder Sekundärzitat eingesehen.

25.5 Neue Seite

Diese Seite ist neu angelegt; eine Vorfassung gibt es nicht. Sie folgt der Musterseite Th1 der Reihe „Nervi thoracici“.

25.6 Änderungsvermerk

Geändert: Seite neu geschrieben nach der Musterseite Th1. Warum: Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: keine Fassung.

V 1.1 – geändert: Abgrenzungen im Kurzbild an die Kapitel 9 bis 12 angeglichen. Warum: Optimierung der Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.0.

V 1.2 – geändert: Verweis auf die neue Seite N. iliohypogastricus gesetzt. Warum: Optimierung der Reihe „Nervi thoracici“. Ersetzt: V 1.1.

Weiterlesen

V 1.2 · Stand: 21. September 2026 · Quellen geprüft am 21. September 2026