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Segment – C5

Das Segment C5 versorgt die Schulter. Sein Kennmuskel ist der Deltamuskel, sein Hautgebiet liegt über der Außenseite von Schulter und Oberarm. Wer den Arm zur Seite hebt, nutzt dieses Segment. Eine Besonderheit wird häufig übersehen: C5 beteiligt sich am Zwerchfellnerv. Deshalb kann eine Reizung unter dem Zwerchfell als Schulterschmerz ankommen — ohne dass an der Schulter etwas beschädigt wäre. Die zweite Besonderheit ist eine Zählregel: Die Wurzel C5 verlässt den Wirbelkanal oberhalb des fünften Halswirbels. Betroffen ist bei einem Bandscheibenvorfall daher die Etage C4/C5, nicht C5/C6.

Diese Seite ist ein Fachtext. Wie Kennzeichen, Tabellen und Absätze zu lesen sind, steht am Seitenende unter Lesart dieser Seite.

Inhalt

Auf einen Blick

  • Austritt: Die Wurzel C5 verlässt den Kanal durch das Zwischenwirbelloch zwischen C4 und C5. Ein Bandscheibenvorfall dieser Etage trifft die Wurzel C5. [B]
  • Kennmuskel: M. deltoideus in der deutschsprachigen Neurologie. [B] Der internationale Standard ISNCSCI prüft C5 dagegen an den Ellenbogenbeugern. [B] Der Bizeps gilt als Kennmuskel von C5 und C6 gemeinsam. [B]
  • Reflex: Bizepssehnenreflex — er prüft C5 und C6 zusammen, nicht C5 allein. [B]
  • Dermatom: Außenseite von Schulter und Oberarm. [B] Die kleine eigenständige Zone über dem Deltamuskel gehört zugleich zum N. axillaris (Abschnitt 5.1). [I]
  • Zwerchfell: C5 gibt Fasern an den N. phrenicus (C3–C5) ab. Das erklärt Schulterschmerz bei Reizung unter dem Zwerchfell. [B]
  • Kein Sympathikus-Ursprung: Sympathische Fasern entspringen erst ab Th1. C5 steuert keine inneren Organe. [B]
  • Häufigkeit: Unter den zervikalen Radikulopathien überwiegen C6 und C7. C5 ist deutlich seltener betroffen. [B]

Kapitel 01

Anatomie des Segments C5

1.1 Was „Segment C5“ genau bezeichnet

Der Begriff wird in zwei Bedeutungen benutzt. Beide sind gebräuchlich, meinen aber Verschiedenes.

  • Nervensegment C5: das Rückenmarksegment mit der zugehörigen Nervenwurzel und allem, was diese Wurzel versorgt — Muskeln, Haut, Gelenke, Knochenhaut. Diese Bedeutung ist gemeint, wenn von Kennmuskel, Dermatom oder Sklerotom die Rede ist. [B]
  • Bewegungssegment: zwei benachbarte Wirbel mit Bandscheibe, Bändern und den beiden kleinen Wirbelgelenken. Ein Bewegungssegment trägt immer zwei Namen, etwa C4/C5. [B]

Die Zählregel der Halswirbelsäule. An der Halswirbelsäule tritt jede Wurzel über dem gleichnamigen Wirbel aus. Die Wurzel C5 verlässt den Kanal also durch das Loch zwischen dem vierten und fünften Halswirbel. Erst unterhalb von C7 kehrt sich die Zählung um, weil dort acht Halsnerven auf sieben Halswirbel treffen. [B]

Folge für die Praxis: Eine seitliche Vorwölbung der Bandscheibe C4/C5 reizt die Wurzel C5. Ein Vorfall bei C5/C6 betrifft dagegen die Wurzel C6. Die häufig zu lesende Zuordnung „Bandscheibe C5/C6 gleich Segment C5“ ist falsch. [B]

1.2 Knöcherner Aufbau und Gelenke

Der fünfte Halswirbel ist ein typischer Halswirbel. Er ist klein, trägt wenig Last und ist auf Beweglichkeit gebaut. Vier Strukturen bestimmen sein Verhalten. [B]

StrukturLageBedeutung
Wirbelkörper mit UncusfortsätzenSeitliche Aufkantungen der DeckplatteBilden die Unkovertebralgelenke (Luschka-Gelenke). Sie führen die Bewegung seitlich und begrenzen das Ausweichen der Bandscheibe zur Seite. [B]
WirbelgelenkeHinten, Gelenkflächen etwa 45° zur Waagerechten geneigtErlauben viel Drehung und Seitneigung. Sie sind selbst schmerzempfindlich und eine belegte Quelle von Nackenschmerz. [B]
Foramen intervertebraleZwischen C4 und C5, seitlichDurchtrittsstelle der Wurzel C5. Vorn begrenzt vom Unkovertebralgelenk, hinten vom Wirbelgelenk. Beide können durch Anbauten einengen. [B]
Foramen transversariumIm QuerfortsatzKanal für die A. vertebralis. Sie zieht hier durch, ohne das Segment zu versorgen. [B]
Das Zwischenwirbelloch der Halswirbelsäule ist ein kurzer Kanal mit knöcherner Vorder- und Hinterwand. Eine Einengung entsteht daher häufiger durch knöcherne Anbauten als durch Bandscheibengewebe allein. [I]

1.3 Bandscheibe und Bänder

Die Bandscheiben C4/C5 und C5/C6 sind vorn höher als hinten. Diese Keilform erzeugt die nach vorn gerichtete Krümmung des Halses. Der Faserring ist an der Halswirbelsäule hinten dünner und vorn kräftiger als an der Lendenwirbelsäule. Austritte von Bandscheibengewebe gehen deshalb bevorzugt nach hinten seitlich — dorthin, wo die Wurzel liegt. [B]

Gesichert wird das Segment vom vorderen und hinteren Längsband, von den gelben Bändern zwischen den Wirbelbögen und von den Bändern zwischen Dorn- und Querfortsätzen. [B] Mit zunehmendem Alter verliert die Bandscheibe Wasser und Höhe. Die Folge ist eine Umverteilung der Last auf Unkovertebral- und Wirbelgelenke. Knöcherne Anbauten sind die Antwort des Körpers darauf. [I] Sie sind ab dem mittleren Lebensalter regelhaft und für sich genommen kein Krankheitswert. [B]

1.4 Bewegungsumfänge

Die Angaben schwanken je nach Messverfahren und Alter. Die Rangfolge der Etagen ist jedoch stabil. [I]

BewegungEtage C4/C5Einordnung
Beugen und Streckenetwa 15–20° gesamtZusammen mit C5/C6 die beweglichste Region der Halswirbelsäule [I]
Seitneigenetwa 8–11° je SeiteMittlerer Bereich [I]
Drehenetwa 6–8° je SeiteDie Hauptdrehung liegt weiter oben, zwischen Atlas und Axis [I]
Die mittlere und untere Halswirbelsäule bewegt sich gekoppelt: Seitneigung und Drehung treten wegen der schrägen Gelenkflächen immer gemeinsam auf. [B]

Degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule finden sich in Bildgebungsstudien am häufigsten bei C5/C6, gefolgt von C6/C7. [B] Dass die beweglichsten Etagen früher verschleißen, ist eine naheliegende Erklärung, aber nicht bewiesen. [I]

1.5 Zuviel und zuwenig Beweglichkeit

Zuviel Beweglichkeit

Die passive Sicherung reicht nicht aus. Die Muskulatur übernimmt Haltearbeit und ermüdet. [I]

  • Beschwerden nehmen im Tagesverlauf und bei langem Halten zu [I]
  • Bedürfnis, den Nacken „einzurenken“; kurze Erleichterung, rasche Wiederkehr [I]
  • Dauerspannung von Schulterblattheber und Kapuzenmuskel [I]
  • Häufig nach Beschleunigungsverletzung, bei allgemeiner Bandweichheit oder in benachbarten Etagen nach Versteifungsoperation [I]

Zuwenig Beweglichkeit

Die Etage bewegt sich zu wenig. Nachbaretagen gleichen aus und werden überlastet. [I]

  • Endgradig hartes Bewegungsende beim Drehen und Seitneigen [I]
  • Schmerz eher dumpf, auf Nacken und Schulterblattregion begrenzt [I]
  • Morgensteife, die sich mit Bewegung bessert [I]
  • Häufig bei fortgeschrittener Degeneration und nach längerer Schonhaltung [I]

Einordnung: Die Beurteilung der Beweglichkeit einer einzelnen Etage durch Tasten ist zwischen Untersuchern nur mäßig zuverlässig. [B] Der Befund ist ein Baustein, kein Beweis. [I]

Kapitel 02

Nervenversorgung des Segments C5

2.1 Wurzel, Ganglion und Aufteilung

Aus dem Rückenmark treten zwei Wurzeln aus. Die vordere führt Bewegungsbefehle, die hintere Empfindungen. In der hinteren Wurzel liegt das Spinalganglion — die Sammlung der Zellkörper aller empfindenden Nervenzellen dieses Segments. Es liegt im Zwischenwirbelloch zwischen C4 und C5. [B]

Kurz hinter dem Ganglion vereinigen sich beide Wurzeln zum Spinalnerv und teilen sich sofort wieder in zwei sehr ungleiche Äste. [B]

AstZielKlinische Bedeutung
Ramus dorsalis (hinterer Ast)Tiefe Nackenmuskeln, Wirbelgelenke C4/C5 und C5/C6, Haut über dem NackenQuelle örtlichen Nackenschmerzes. Schmerz aus dem Wirbelgelenk strahlt in Schulterblatt und Schulter aus, ohne Gefühlsstörung oder Kraftverlust. [B]
Ramus ventralis (vorderer Ast)Tritt in den Plexus brachialis einTrägt alle Fasern für Schulter- und Armmuskeln sowie für das Hautgebiet an der Außenseite des Arms. [B]
Ein Wirbelgelenk wird jeweils von zwei benachbarten Segmenten versorgt. [B] Deshalb lässt sich ein Gelenkschmerz klinisch nie exakt einer einzelnen Etage zuordnen. [I]

2.2 Der obere Truncus des Armgeflechts

Der vordere Ast von C5 verbindet sich mit dem von C6 zum Truncus superior, dem oberen Hauptstrang des Armgeflechts. Diese Verbindungsstelle liegt oberhalb des Schlüsselbeins. Die Reizstelle über ihr heißt in der Neurologie Erb-Punkt; dort wird das Armgeflecht für die Messung der Nervenleitung gereizt. [B] Manche anatomische Lehrbücher verwenden denselben Namen für das Punctum nervosum am Hinterrand des Kopfwenders; die beiden Stellen sind nicht identisch (siehe Segment C3). [I]

Eine Schädigung des oberen Strangs — etwa durch gewaltsame Vergrößerung des Abstands zwischen Kopf und Schulter — führt zur oberen Plexuslähmung (Erb-Lähmung). Der Arm hängt innengedreht und gestreckt am Körper. Diese Verletzung betrifft C5 und C6 gemeinsam und ist von einer reinen Wurzelreizung zu unterscheiden. [B]

2.3 Nerven mit Anteilen aus C5

Kein peripherer Nerv stammt allein aus C5. Jeder führt Fasern aus mehreren Wurzeln. Das ist der Grund, warum eine einzelne Wurzelschädigung selten einen Muskel vollständig lähmt. [B]

NervWurzelnMuskelnHaut
N. dorsalis scapulaeC4–C5M. levator scapulae, Mm. rhomboideikeine [B]
N. suprascapularisC5–C6, gelegentlich C4M. supraspinatus, M. infraspinatusin der Regel keine Hautäste, selten ein Hautast zur Schulteraußenseite; Gelenkäste zu Schulter- und Schultereckgelenk [B]
N. subclaviusC5–C6M. subclaviuskeine [B]
N. axillarisC5–C6M. deltoideus, M. teres minorAußenseite der Schulter (N. cutaneus brachii lateralis superior) [B]
N. musculocutaneusC5–C7M. biceps brachii, M. brachialis, M. coracobrachialisAußenseite des Unterarms (N. cutaneus antebrachii lateralis) [B]
Nn. subscapularesC5–C6M. subscapularis, M. teres majorkeine [B]
N. thoracicus longusC5–C7M. serratus anteriorkeine [B]
N. phrenicusC3–C5ZwerchfellZwerchfellfell, Herzbeutel, Teile des Rippenfells [B]
Korrektur gegenüber verbreiteten Darstellungen: Der N. suprascapularis führt in der Regel keine Hautfasern. [B] In Leichenstudien fand sich ein Hautast zur Schulteraußenseite bei etwa 5 bis 15 % der untersuchten Arme. [B] Ein Gefühlsverlust an der Schulterhaut spricht daher meist, aber nicht sicher gegen eine Einengung dieses Nervs. [I]

2.4 Der Zwerchfellnerv — der übersehene Ast

Der N. phrenicus entsteht aus C3, C4 und C5, mit dem Hauptanteil aus C4. Er zieht vor dem vorderen Treppenmuskel durch den Hals und den Brustkorb hinab zum Zwerchfell. Er ist der einzige Nerv des Segments C5 mit einem Bezug zu inneren Organen. [B]

Warum das klinisch zählt: Der Nerv führt auch empfindende Fasern aus dem Zwerchfellfell, dem Herzbeutel und Teilen des Rippenfells. Eine Reizung dieser Häute wird nicht am Ort empfunden, sondern im Hautgebiet derselben Segmente — an der Schulterhöhe. Bekannte Auslöser sind eine Gallenblasenentzündung, ein Bluterguss oder Abszess unter dem Zwerchfell, eine Herzbeutelentzündung. [B] Als weiterer Auslöser gilt das eingeblasene Gas nach einer Bauchspiegelung. [I]

Unterscheidungsmerkmal: Dieser Schmerz sitzt auf der Schulterkuppe, ändert sich mit der Atmung und nicht mit der Armbewegung. Er lässt sich durch Druck auf die Schulter nicht auslösen. [I]

2.5 Engstellen entlang des Verlaufs

OrtBetroffene StrukturLeitmerkmale
Zwischenwirbelloch C4/C5Wurzel C5Nacken-Schulter-Schmerz, Schwäche beim seitlichen Armheben, Gefühlsstörung an der Schulteraußenseite, Bizepssehnenreflex abgeschwächt [B]
SkalenuslückeOberer Truncus, seltenDie echte nervale Enge im Schultergürtel betrifft fast immer den unteren Strang (C8/Th1) mit Beschwerden an der Kleinfingerseite. Eine Beteiligung von C5 ist die Ausnahme. [B]
Incisura scapulaeN. suprascapularis unter dem oberen QuerbandTiefer Schulterschmerz, Schwäche der Außendrehung, keine Gefühlsstörung. Häufig bei Überkopfsport. [B]
Spinoglenoidale EngeN. suprascapularis, hinterer AbschnittIsolierter Schwund des M. infraspinatus, oft schmerzarm. Typisch bei Ganglien im Bereich der Gelenklippe. [B]
Laterale AchsellückeN. axillarisSchwäche des Deltamuskels, Gefühlsstörung über der Schulterkappe. Verstärkung bei Abspreizen und Außendrehung. [B]
Ellenbeuge, seitlich der BizepssehneN. cutaneus antebrachii lateralis, Endast des N. musculocutaneusBrennen an der Außenseite des Unterarms nach kräftiger Streckung des Ellenbogens. Keine Kraftminderung. [B]
Korrektur gegenüber verbreiteten Darstellungen: Das Pronator-teres-Syndrom betrifft den N. medianus und hat mit dem Segment C5 nichts zu tun. Die distale Engstelle des N. musculocutaneus liegt seitlich der Bizepssehne. [B]

Kapitel 03

Muskeln des Segments C5

3.1 Kennmuskel und Reflex

Ein Kennmuskel ist der Muskel, dessen Schwäche am ehesten auf eine bestimmte Wurzel hinweist. Für C5 ist das der M. deltoideus, geprüft beim Abspreizen des Arms gegen Widerstand. [B]

Der internationale Standard zur Einstufung von Rückenmarksschädigungen (ISNCSCI) setzt anders an: Er prüft C5 an den Ellenbogenbeugern, also an M. biceps brachii und M. brachialis. [B] Beide Zuordnungen stehen nebeneinander. Die deutschsprachige Neurologie trennt mit dem Deltamuskel C5 schärfer von C6; der Standard wählt eine Bewegung, die sich auch bei Querschnittgelähmten einheitlich prüfen lässt. [I]

Der M. biceps brachii wird häufig ebenfalls genannt. Er erhält seine Fasern aus C5 und C6 und trennt die beiden Wurzeln daher nicht. Dasselbe gilt für den Bizepssehnenreflex: Er ist bei einer Schädigung von C5 oder von C6 abgeschwächt. Der Radiusperiostreflex weist stärker auf C6 hin, der Trizepssehnenreflex auf C7. [B]

3.2 Muskeln mit Anteilen aus C5

MuskelWurzelnAufgabeZeichen bei Schwäche
M. deltoideusC5–C6Abspreizen ab etwa 15°; vorderer Teil beugt, hinterer strecktArm lässt sich nicht über die Waagerechte halten; Schulterkappe wirkt abgeflacht [I]
M. supraspinatusC5–C6Einleitung des Abspreizens, Zentrierung des OberarmkopfsStartschwäche der Bewegung; Ausweichen über Schulterhochziehen [I]
M. infraspinatusC5–C6AußendrehungDeutlicher Kraftverlust bei der Außendrehung am angelegten Arm [B]
M. teres minorC5–C6Außendrehung, ZentrierungSelten isoliert erkennbar [B]
M. subscapularisC5–C6InnendrehungKraftverlust beim Wegdrücken der Hand vom Rücken [B]
M. biceps brachiiC5–C6Beugen des Ellenbogens, Auswärtsdrehen des UnterarmsSchwäche beim Tragen und Ziehen; Reflex abgeschwächt [B]
M. brachialisC5–C6Hauptbeuger des EllenbogensBeugekraft vermindert, unabhängig von der Handstellung [B]
M. brachioradialisC5–C6Beugen in MittelstellungTritt beim Beugen gegen Widerstand nicht hervor [B]
Mm. rhomboideiC4–C5Ziehen das Schulterblatt zur WirbelsäuleInnenrand des Schulterblatts steht ab [B]
M. levator scapulaeC3–C5Hebt das Schulterblatt, dreht die Gelenkpfanne nach untenHäufiger überspannt als geschwächt; typischer Druckschmerz am oberen Schulterblattwinkel [I]
M. serratus anteriorC5–C7Hält das Schulterblatt am Brustkorb, dreht die Pfanne nach obenAbstehendes Schulterblatt beim Druck gegen die Wand [B]
Fast alle Muskeln der Schulter erhalten Fasern aus C5 und C6. [B] Eine reine C5-Schwäche ist deshalb meist unvollständig und betrifft vor allem Abspreizen und Außendrehen. [I]

3.3 Zu geringe und zu hohe Spannung

Zu geringe Spannung

  • Der Arm wird beim Heben über Schulterhochziehen und Rumpfneigung ausgeglichen [I]
  • Der Oberarmkopf wandert bei Belastung nach oben; das Gleiten unter dem Schulterdach wird enger [I]
  • Bei längerem Bestehen sichtbarer Schwund der Schulterkappe oder der Grube unter der Schulterblattgräte [B]
  • Ein rasch fortschreitender Schwund ist immer abklärungsbedürftig [I]

Zu hohe Spannung

  • Dauerhaft angehobene Schulter, besonders bei Bildschirmarbeit ohne Armauflage [I]
  • Druckschmerzhafte Verhärtungen im Schulterblattheber und im Kapuzenmuskel [I]
  • Endgradig eingeschränkte Kopfdrehung zur Gegenseite [I]
  • Beschwerden ohne Gefühlsstörung und ohne Reflexausfall — das spricht gegen eine Wurzelbeteiligung [I]

3.4 Tiefe Nackenmuskulatur

Der hintere Ast von C5 versorgt die tiefen, kurzen Muskeln unmittelbar an der Wirbelsäule — vor allem M. multifidus, M. semispinalis cervicis und Anteile des M. splenius cervicis. Sie bewegen wenig und stabilisieren viel. Ihre Aufgabe ist die Feinabstimmung zwischen den Etagen. [B]

Bei anhaltendem Nackenschmerz ist eine Veränderung dieser Muskeln gut dokumentiert: Sie verlieren an Querschnitt und werden im Bild fettig durchsetzt. Die Ansteuerung verschiebt sich zu den großen, oberflächlichen Muskeln. Diese Beobachtung ist beschrieben, ihre Rolle als Ursache oder als Folge des Schmerzes ist nicht abschließend geklärt. [B]

3.5 Triggerpunkte und ihre Aussagekraft

Für die Muskeln dieser Region sind Übertragungsmuster beschrieben. Sie stammen aus der klinischen Beobachtung, nicht aus dem Nervenverlauf. Drei Muster sind für die Abgrenzung nützlich. [B]

  • M. deltoideus: örtlicher Schmerz über der Schulterkappe, kaum Ausstrahlung nach unten. Er ahmt eine Wurzelreizung nicht überzeugend nach. [H]
  • M. levator scapulae: Schmerz am oberen Schulterblattwinkel mit Ausstrahlung zum Hals. Häufigste Ursache eines steifen, schmerzhaften Nackens ohne neurologischen Befund. [H]
  • M. infraspinatus: tiefer Schmerz vorn in der Schulter und an der Außenseite des Oberarms. Er wird regelmäßig mit einer C5-Reizung verwechselt. [H]

Einordnung: Die Übertragungsmuster sind als Beobachtung wertvoll. [I] Das Auffinden eines Triggerpunkts durch Tasten ist zwischen Untersuchern jedoch nur eingeschränkt übereinstimmend. [B] Ein solcher Befund ersetzt die neurologische Prüfung nicht. [I]

Kapitel 04

Vegetative und viszerale Bezüge

4.1 Kein eigener Sympathikus-Ursprung

Die Zellkörper des Sympathikus liegen im Seitenhorn des Rückenmarks zwischen Th1 und etwa L2. Im Halsmark gibt es sie nicht. Das Segment C5 besitzt daher keine eigenen sympathischen Fasern. [B]

Die Halsganglien des Sympathikus werden von unten versorgt: Die Fasern steigen aus dem oberen Brustmark im Grenzstrang aufwärts. Sie liegen dem Halsbereich nur benachbart. Aussagen der Art „das Segment C5 versorgt Organ X vegetativ“ haben in der Anatomie keine Grundlage. [B]

4.2 Der eine belegte Organbezug

Es gibt genau eine gut belegte Verbindung zwischen diesem Segment und dem Bauch- und Brustraum: den Zwerchfellnerv aus C3–C5. Über ihn erklärt sich der übertragene Schulterschmerz. [B]

AusgangspunktWahrgenommen alsBegleitzeichen
Reizung unter dem rechten Zwerchfell (Gallenblase, Leberkapsel, Abszess)Schmerz auf der rechten SchulterkuppeÜbelkeit, Druckschmerz im rechten Oberbauch, Fieber [B]
Reizung unter dem linken Zwerchfell (Milzriss, Blut im Bauchraum)Schmerz auf der linken SchulterkuppeKreislaufzeichen, Bauchdeckenspannung — Notfall [B]
HerzbeutelentzündungSchmerz hinter dem Brustbein mit Ausstrahlung zur SchulterkuppeBesserung beim Vorbeugen, Verstärkung beim Liegen und Einatmen [B]
Gas nach BauchspiegelungBeidseitiger SchulterschmerzZeitlicher Zusammenhang mit dem Eingriff, klingt von selbst ab [I]
Der Schmerz sitzt bei allen genannten Ursachen oben auf der Schulter und wird von der Atmung beeinflusst — nicht von der Armbewegung. Genau daran ist er von einem Schulter- oder Halsproblem zu unterscheiden. [I]

Der ausstrahlende Schmerz in den linken Arm beim Herzinfarkt läuft nicht über C5. Er wird über Empfindungsfasern vermittelt, die mit den sympathischen Nerven zu den Segmenten Th1 bis Th5 ziehen. [B] Typischerweise ist die Innenseite des Arms betroffen, nicht die Außenseite. [I] Ein akutes Koronarsyndrom kann sich aber auch mit Schulter- oder Halsschmerz und ohne Brustschmerz zeigen. [B]

4.3 Was nicht belegt ist

  • Steuerung von Augen oder Ohren durch C5. Es besteht keine anatomische Verbindung. [B] Sehstörungen oder Ohrdruck gehören abgeklärt und nicht dem Segment zugeordnet. [I]
  • Herz, Lunge und Speiseröhre als „Projektionsorgane von C5“. Diese Organe senden ihre Schmerzmeldungen über die Brustsegmente. Eine Ausnahme bilden allein die vom Zwerchfellnerv versorgten Häute. [B]
  • Schwindel als typisches Zeichen von C5. Die Meldung der Kopfstellung stammt aus den obersten Halssegmenten. Der Bezug ist dort belegt, hier nicht. [B]

Kapitel 05

Dermatom, Sklerotom und Reflexzonen

Dieser Abschnitt wird häufig unsauber dargestellt. Die Aussagen der ganzen Seite sind nach ihrer Belegdichte gekennzeichnet; die Legende gilt für alle Kapitel.

Beobachtung — anatomisch gesichert. [B]
Interpretation — klinisch plausibel, teilweise belegt. [I]
Hypothese — Modellannahme ohne belastbaren Nachweis. [H]

5.1 Dermatom — das Hautgebiet

Das Hautgebiet von C5 zieht von der Schulterhöhe über die Außenseite des Oberarms bis etwa zur Höhe des Ellenbogens. Es verläuft als schmales Band an der Außenseite, nicht rund um den Arm. [B]

Die gängigen Dermatomkarten weichen erheblich voneinander ab. Eine systematische Auswertung der Originalarbeiten kam zu dem Schluss, dass viele verbreitete Karten unzureichend belegt sind. Zwei Punkte sind praktisch wichtig. [B]

  • Große Überlappung. Benachbarte Wurzeln versorgen dieselbe Hautfläche mit. Ein vollständiger Gefühlsverlust nach Ausfall einer einzelnen Wurzel ist deshalb die Ausnahme. [B]
  • Eigenständige Zone. Häufig genannt wird ein handtellergroßes Feld über dem unteren Ansatz des Deltamuskels. Es wird vom N. axillaris versorgt. [B] Als Prüfstelle für C5 ist es nicht eindeutig, weil eine Schädigung des N. axillaris dieselbe Gefühlsstörung erzeugt. [I] Der internationale Standard ISNCSCI prüft C5 an der Außenseite der Ellenbeuge, knapp oberhalb der Beugefalte. [B]

5.2 Sklerotom — Knochen, Kapsel und Knochenhaut

Das Sklerotom umfasst die tiefen Gewebe, die aus demselben Segment stammen. Für C5 sind das im Wesentlichen das Schlüsselbein, die Schulterblattgräte mit der Schulterhöhe, die Kapsel des Schultergelenks und der obere Abschnitt des Oberarmknochens mit den beiden Höckern. [H]

Schmerz aus diesen Geweben fühlt sich anders an als Nervenschmerz: tief, dumpf, schlecht abgrenzbar, ohne Kribbeln und ohne Gefühlsstörung. Er folgt keiner scharfen Linie. Diese Unterscheidung trägt in der Untersuchung mehr als jede Zonenkarte. [I]

5.3 Myotom — die Muskelgruppe

Das Myotom von C5 ist das Abspreizen und Außendrehen im Schultergelenk, ergänzt um das Beugen des Ellenbogens. [B] Geprüft wird mit gleichmäßig gehaltenem Widerstand über einige Sekunden. Ein Nachgeben nach anfänglichem Halten ist aussagekräftiger als ein einmaliger kurzer Test. [I]

5.4 Reflexzonenmodelle im Vergleich

ModellGrundgedankeBezug zu C5Einordnung
Head-ZonenHautfelder, die bei Organreizung überempfindlich werdenNur über den Zwerchfellnerv: Schulterkuppe bei Reizung unter dem ZwerchfellDer Zwerchfellbezug ist belegt. Die klassischen Zonenkarten betreffen überwiegend Brust- und Bauchsegmente. [I]
BindegewebszonenTastbare Einziehungen und Verquellungen der Unterhaut über bestimmten SegmentenSeitlicher Hals, SchultergürtelHistorisches Beobachtungsmodell aus der Bindegewebsmassage. Die Zuordnung zu einem einzelnen Segment ist nicht überprüft. [H]
Mackenzie-ZonenMuskelbereiche, die bei Organerkrankung reflektorisch anspannen — benannt nach James MackenzieSchultergürtelmuskulaturHistorisches Modell aus der inneren Medizin des frühen 20. Jahrhunderts. [H]
McKenzie-MethodeEinteilung nach der Schmerzantwort auf wiederholte Bewegungen — benannt nach Robin McKenzieKein Zonenmodell. Ein Verfahren der Untersuchung und Übungsauswahl.Untersucht und in Leitlinien vertreten. [I]
Wichtige Richtigstellung: „McKenzie-Zonen“ als Bezeichnung für Organprojektionen beruht auf einer Verwechslung zweier Namen. Gemeint sind die Mackenzie-Zonen. Die McKenzie-Methode hat mit Organprojektionen nichts zu tun. [B]

Die drei erstgenannten Modelle stammen aus sorgfältiger Beobachtung am Krankenbett. Sie sind als Denkhilfe brauchbar. Als Beleg für eine Organerkrankung taugen sie nicht. Ein auffälliger Tastbefund ersetzt keine Abklärung. [I]

5.5 Erklärungswege über das Rückenmark

Dieser Abschnitt ordnet ein, auf welchem Weg ein Organreiz Haut, Unterhaut und Muskeln verändern kann. Belegt ist nur ein Teil davon.

Reize aus einem Organ können im Rückenmark sympathische Ursprungszellen erregen. Diese Zellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer Zellsäule im Seitenhorn, und nur in den Segmenten Th1 bis etwa L2. Das Segment C5 besitzt in der Regel keine. Die sympathischen Fasern für seine Haut stammen aus Brustsegmenten und erreichen den Spinalnerv über den Grenzstrang. [B]

Dass sich Unterhaut und Muskeln im Übertragungsgebiet eines Organs messbar verändern, ist beim Menschen gezeigt. Bei Gallensteinen mit Koliken war die Unterhaut im Übertragungsgebiet dicker und der Muskel dünner als auf der Gegenseite. Ohne Koliken fanden sich diese Unterschiede nicht. [B]

Die Autoren dieser Untersuchung vermuten, dass Überempfindlichkeit und Gewebeveränderung auf verschiedenen Wegen entstehen. [I]

Auf welchem Weg die Veränderungen entstehen, ist beim Menschen nicht geklärt. Tierversuche nennen drei Kandidaten: gegabelte Empfindungsfasern, Verschaltungen zwischen Empfindungsfasern im Rückenmark und den sympathischen Reflex über das Seitenhorn. [B]

Gegabelte Empfindungsfaser. Bei Ratten sind Schmerzfasern nachgewiesen, die sich teilen und mit einem Ast die Haut, mit dem anderen ein Organ versorgen. Bei Entzündungen von Dickdarm, Blase oder Magen trat in der Haut Flüssigkeit aus. Im Dickdarmmodell reagierten diese Fasern verstärkt auf Hautreize. [B]

Hinterwurzelreflex. Hier läuft eine Erregung vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser. An deren Ende setzt sie Botenstoffe frei, die eine vom Nerv ausgelöste Schwellung und Rötung hervorrufen, eine neurogene Entzündung. Im Tierversuch erklärt dieser Reflex einen erheblichen Teil der Gelenkschwellung bei Arthritis und der Hautrötung nach Einspritzen von Capsaicin. [B]

Dass einer dieser beiden Wege die Zonen bei Organleiden erzeugt, ist nicht gezeigt. Beide setzen kein Seitenhorn voraus und kämen deshalb auch für C5 in Frage. [I]

Konvergenz im Hinterhorn. Fast alle Schaltzellen im Hinterhorn, die Eingänge aus den Eingeweiden erhalten, bekommen zugleich Eingänge aus Haut oder Muskeln. Eine Zellgruppe, die nur Eingeweidesignale verarbeitet, ist nicht nachgewiesen. Dieses Zusammenlaufen gilt seit Langem als Grundlage dafür, dass Organschmerz an der Körperoberfläche gespürt wird. [B]

Die Konvergenz erklärt die Überempfindlichkeit einer Zone, für sich allein aber keine tastbare Gewebeveränderung. Welcher der genannten Wege beim Menschen überwiegt, ist offen. [I]

Die Bindegewebsmassage erklärt ihre Zonen mit einer Reflexwirkung über das vegetative Nervensystem, also mit dem Weg über das Seitenhorn. Nachgewiesen ist diese Erklärung nicht, und ob die Tastbefunde nach Dicke den gemessenen Veränderungen entsprechen, ist offen. Für eine Zone im Bereich von C5 könnte der Weg über das Seitenhorn ohnehin nur über andere Segmente führen. [I]

Skelettmuskeln werden ausschließlich über die motorischen Vorderhornzellen erregt. Das vegetative Nervensystem, zu dem das Seitenhorn gehört, steuert Eingeweide, Gefäße und Drüsen, aber nicht die Skelettmuskeln. [B]

Ein zweites Modell führt Verspannungen der Körperwand bei Organreiz auf Reflexe über diese Vorderhornzellen zurück. Die Körperwand umfasst Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ. Tierversuche stützen das Modell; beim Menschen ist es nicht gesichert. [I]

Ob der Sympathikus die Muskelspannung beim Menschen unmittelbar verändert, ist ungeklärt. Im Tierversuch veränderte ein Sympathikusreiz die Empfindlichkeit der Muskelspindeln, der Längenfühler im Muskel. Beim Menschen blieb die Spindelentladung in einer Untersuchung unverändert; in einer anderen war der Dehnungsreflex verstärkt. Die Befunde widersprechen sich. [I]

Alle genannten Wege beschreiben die Richtung vom Organ zur Körperwand. Dass eine Behandlung von Haut oder Muskeln über diese Wege ein Organ beeinflusst, ist damit nicht belegt. [H]

Kapitel 06

Beschwerdebilder mit Bezug zu C5 und ihre Abgrenzung

6.1 Beschwerdebilder

BeschwerdebildLeitmerkmalAbzugrenzen von
Radikulopathie C5Nacken-Schulter-Schmerz mit Ausstrahlung zur Außenseite des Oberarms; Schwäche beim Abspreizen; Bizepssehnenreflex abgeschwächt; Verstärkung durch Nackenstreckung und Drehung zur betroffenen SeiteSchultererkrankung ohne Nackenbezug; hier ändert sich der Schmerz mit der Armbewegung, nicht mit der Kopfstellung [B]
Neuralgische SchulteramyotrophieSehr heftiger Schulterschmerz über Tage, danach rasch einsetzende Lähmung mit Muskelschwund; Schmerz lässt nach, während die Schwäche zunimmtRadikulopathie. Der zeitliche Ablauf ist das entscheidende Merkmal. Gehört zügig neurologisch abgeklärt. [B]
Erkrankung der RotatorenmanschetteSchmerzhafter Bogen beim Abspreizen, nächtlicher Schmerz beim Liegen auf der Schulter, Druckschmerz unter dem Schulterdach; Kraftminderung bei Außendrehung [B]Radikulopathie C5. Hier fehlen Gefühlsstörung und Reflexabschwächung. [I]
Schultersteife (adhäsive Kapsulitis)Zunehmende Schmerzen und Bewegungsverlust; die passive Außendrehung ist deutlich eingeschränkt [B]Radikulopathie C5 und Rotatorenmanschette — bei beiden bleibt die passive Beweglichkeit weitgehend erhalten [I]
Einengung des N. suprascapularisTiefer hinterer Schulterschmerz, Schwäche der Außendrehung, keine GefühlsstörungC5-Radikulopathie und Sehnenriss [B]
Einengung des N. axillarisSchwäche des Deltamuskels mit Gefühlsstörung über der Schulterkappe, ohne NackenschmerzC5-Radikulopathie. Bei ihr betrifft die Schwäche meist auch die Außendreher. [B]
Obere PlexuslähmungAusfall von C5 und C6 gemeinsam; Arm hängt innengedreht und gestrecktIsolierte Wurzelschädigung. Meist nach Unfall oder Geburt. [B]
Zervikale MyelopathieUngeschicklichkeit der Hände, unsicherer Gang, gesteigerte Reflexe an den Beinen, BlasenstörungWurzelreizung. Ein Notfall auf Zeit — gehört umgehend abgeklärt. [B]
C5-Parese nach HalswirbelsäulenoperationSchwäche des Deltamuskels, die Tage bis Wochen nach einer Entlastungsoperation neu auftrittNeuer Bandscheibenvorfall. Das Phänomen ist gut dokumentiert und bildet sich häufig zurück. [B]
Polymyalgia rheumaticaAb etwa 50 Jahren; beidseitiger Schulter- und Nackenschmerz mit Morgensteife über 45 Minuten; erhöhte Entzündungswerte im Blut [B]Radikulopathie (einseitig, mit neurologischem Befund), Schultererkrankung
Akutes KoronarsyndromDruck oder Schmerz in Brust, Hals, Kiefer, Schulter oder Arm, oft mit Luftnot, Übelkeit oder Schweiß; kann ohne Brustschmerz auftreten [B]Schulter- und Nackenschmerz — Notfall, siehe Kapitel 09
Faustregel für die erste Zuordnung: Ändert sich der Schmerz mit der Kopfstellung, spricht das für den Hals. Ändert er sich mit der Armbewegung, spricht das für die Schulter. Beides kann nebeneinander bestehen. [I]

6.2 Wo liegt der Ausfall? Wurzel, Geflecht oder Nerv

Die Tabelle leitet aus den Faseranteilen in Abschnitt 2.3 ab, welches Muster zu welchem Ort passt. Sie ist eine Interpretation nach dieser Regel: Fällt eine Wurzel aus, sind alle Muskeln mit ihrem Anteil betroffen; fällt ein Nerv aus, nur seine eigenen. [I]

BefundWurzel C5Truncus superior (C5 und C6)N. axillarisN. suprascapularis
Abspreizen (Deltamuskel)schwachschwachschwachStartschwäche
Außendrehen (Infraspinatus)schwachschwachmeist erhaltenschwach
Ellenbogenbeugen (Bizeps, Brachioradialis)oft leicht schwachdeutlich schwacherhaltenerhalten
Bizepssehnenreflexabgeschwächt möglichabgeschwächterhaltenerhalten
Gefühl Schulterkappevermindert möglichvermindertvermindertmeist erhalten
Gefühl Außenseite Unterarmerhaltenvermindert möglicherhaltenerhalten
Nackenschmerz, Spurling-Testhäufigseltenneinnein
Denervierung der Nackenmuskeln in der Nadelmessungmöglichfehltfehltfehlt
Die Nackenmuskeln werden über den hinteren Ast versorgt, der vor dem Armgeflecht abzweigt. Deshalb trennt ihre Messung die Wurzel von allen weiter außen gelegenen Orten. Grundlage: Mumenthaler/Stöhr/Müller-Vahl; Preston/Shapiro [B].

Neuralgische Schulteramyotrophie. Sie folgt keinem dieser Muster sicher. Typisch ist ein fleckiger Ausfall über mehrere Nerven, häufig mit Beteiligung des N. thoracicus longus. Der Beginn mit heftigstem Schmerz ist das Leitmerkmal. [B]

Kapitel 07

Untersuchung

7.1 Sehen und Tasten

  • Schulterkontur von hinten und von der Seite: Eine abgeflachte Schulterkappe oder eine eingesunkene Grube unter der Schulterblattgräte weist auf Muskelschwund hin. [I]
  • Stand des Schulterblatts: Ein abstehender Innenrand deutet auf eine Beteiligung der Halte- und Drehmuskeln. [I]
  • Tasten am oberen Schulterblattwinkel und seitlich der Halswirbelsäule: Seitenunterschiede sind aussagekräftiger als der Einzelbefund. [I]

7.2 Die drei neurologischen Grundprüfungen

  • Kraft: Abspreizen des Arms gegen Widerstand, im Seitenvergleich und über mehrere Sekunden gehalten. Ergänzend die Außendrehung am angelegten Arm. [B]
  • Reflex: Bizepssehnenreflex im Seitenvergleich. Er prüft C5 gemeinsam mit C6. [B]
  • Gefühl: Berührung und Spitz-stumpf-Unterscheidung über dem unteren Ansatz des Deltamuskels, verglichen mit der Gegenseite. [I] Nach dem internationalen Standard zusätzlich an der Außenseite der Ellenbeuge. [B]
  • Passive Beweglichkeit der Schulter: Ist die passive Außendrehung deutlich eingeschränkt, spricht das für eine Schultersteife und gegen eine Wurzel. [B]

7.3 Untersuchte Testkombination

Für die zervikale Radikulopathie liegt eine geprüfte Kombination aus vier Untersuchungsschritten vor. Sie wurde gegen die elektrophysiologische Messung als Bezugsgröße abgesichert. [B]

SchrittDurchführungPositiv, wenn
Spurling-TestKopf zur betroffenen Seite geneigt und gedreht, leichter Druck von obenDie vertrauten Armbeschwerden werden ausgelöst [B]
TraktionVorsichtiger Zug am Kopf nach obenDie Armbeschwerden lassen nach [B]
Nervenspannungstest der oberen ExtremitätAbfolge aus Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenkstellung, die den Nerv unter Spannung setztVertraute Beschwerden treten auf und ändern sich mit der Nackenstellung [B]
KopfdrehungAktive Drehung zur betroffenen Seite messenWeniger als 60° erreichbar [B]
Sind alle vier Schritte auffällig, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Wurzelbeteiligung erheblich; die Vertrauensbereiche der Originalarbeit sind allerdings breit. Der Spannungstest eignet sich vor allem zum Ausschluss: Ist er unauffällig, ist eine Radikulopathie unwahrscheinlich. [B]

Ein zusätzlicher Hinweis kommt aus der Anamnese: Wer den Arm zur Erleichterung über den Kopf legt, entlastet damit die Nervenwurzel. Dieses Zeichen spricht für einen Ursprung am Hals. [B]

7.4 Bildgebung — mit Zurückhaltung

Degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule finden sich auch bei beschwerdefreien Menschen häufig, und ihr Anteil steigt mit dem Lebensalter. [B] Ein Befund im Bild beweist daher noch keine Ursache. Aussagekräftig wird er erst, wenn die Höhe des Befunds zur Untersuchung passt. Bei fortschreitender Lähmung, bei Zeichen einer Rückenmarksbeteiligung und bei Verdacht auf Entzündung oder Tumor gilt das nicht — dort ist die Bildgebung dringlich. [I]

7.5 Elektrophysiologie

Bleibt offen, ob Wurzel, Geflecht oder Nerv betroffen ist, klärt die elektrophysiologische Untersuchung den Ort sicherer als jeder Handgriff. Das Muster der Denervierung folgt Tabelle 6.2. [B]

Kapitel 08

Behandlungsansätze

Die folgende Übersicht gibt die Studien- und Leitlinienlage wieder. Sie ist keine Empfehlung für den Einzelfall.

Beschrieben und untersucht

  • Aufklärung über den meist günstigen Verlauf: Ein großer Teil der zervikalen Wurzelreizungen bessert sich innerhalb von Wochen bis Monaten [B]
  • Übungstherapie mit Kräftigung der tiefen Halsbeuger und der Schulterblattmuskeln, über Wochen aufgebaut [B]
  • Mobilisation und Traktion in Verbindung mit Übungen; für die Kombination liegen die besseren Daten vor als für Einzelmaßnahmen [B]
  • Schmerzlindernde Medikamente zur Überbrückung, ärztlich verordnet [I]
  • Anpassung von Arbeitsplatz und Armauflage zur Entlastung des Schultergürtels [I]

Umstritten oder unbelegt

  • Ruhigstellung mit Halskrause über längere Zeit. In einer randomisierten Studie linderte eine halbharte Halskrause mit Ruhe über drei bis sechs Wochen die Beschwerden in der Frühphase schneller als Abwarten. [B] Für eine längere Ruhigstellung fehlen Belege. [I]
  • Behandlung eines Bildbefunds statt der vorliegenden Beschwerden [I]
  • Die Vorstellung, ein einzelner Handgriff könne ein Segment dauerhaft „richten“ [I]
  • Zuordnung innerer Erkrankungen zum Segment C5 anhand von Zonenkarten [I]
  • Vergleichende Aussagen darüber, welches Verfahren allen anderen überlegen sei; die Datenlage gibt das nicht her [I]

Kapitel 09

Warnzeichen — wann Behandlung unterbleibt

Sofortige ärztliche Abklärung, keine manuelle Behandlung:

  • Zunehmende Lähmung oder rasch fortschreitender Muskelschwund am Arm [I]
  • Ungeschicklichkeit beider Hände, unsicherer Gang, Blasen- oder Mastdarmstörung — Zeichen einer Rückenmarksbeteiligung [B]
  • Schulterschmerz, der von der Atmung abhängt und nicht von der Armbewegung, besonders mit Bauchschmerz, Übelkeit, Fieber oder Kreislaufzeichen [B]
  • Druck oder Schmerz in Brust, Hals, Kiefer oder Schulter mit Luftnot, Übelkeit oder Schweiß — Notruf 112 [B]
  • Plötzlicher, ungewohnt heftiger Nacken- oder Kopfschmerz [I]
  • Heftigster Schulterschmerz über Tage, dem eine Lähmung folgt [B]
  • Fieber mit Nackensteife; nächtlicher Ruheschmerz mit Gewichtsverlust [I]
  • Nach Unfall: Nackenschmerz mit dem Gefühl, den Kopf halten zu müssen [I]

Erhöhte Vorsicht ist geboten bei: rheumatoider Arthritis, Osteoporose, Tumorerkrankung in der Vorgeschichte, bekannter Einengung des Wirbelkanals, Gerinnungshemmung, Zustand nach Halswirbelsäulentrauma oder -operation sowie bei Bindegewebserkrankungen mit weichen Bändern. [I]

Kapitel 10

Häufige Fragen

Welcher Bandscheibenvorfall betrifft die Wurzel C5?

Der Vorfall der Etage C4/C5. An der Halswirbelsäule tritt jede Wurzel über dem gleichnamigen Wirbel aus. Ein Vorfall bei C5/C6 reizt dagegen die Wurzel C6 mit Beschwerden am Daumen und abgeschwächtem Radiusperiostreflex. [B]

Kommt der Schmerz aus dem Hals oder aus der Schulter?

Ein einfacher Anhaltspunkt: Ändert sich der Schmerz mit der Kopfstellung, deutet das auf den Hals. Ändert er sich mit der Armbewegung und ist nachts beim Liegen auf der Seite am stärksten, deutet das auf die Schulter. Kribbeln, Taubheit und Kraftverlust sprechen für eine Nervenbeteiligung. Beides kann gleichzeitig vorliegen; das ist bei längerem Verlauf sogar häufig. [I]

Der Deltamuskel ist schwach — Wurzel oder Achselnerv?

Prüfen lassen sich drei Dinge. Ist auch die Außendrehung schwach, spricht das für die Wurzel, weil der N. axillaris die Außendreher nur teilweise versorgt. Ist der Bizepssehnenreflex abgeschwächt, spricht das ebenfalls für die Wurzel. Fehlt Nackenschmerz und ging eine Schulterverrenkung voraus, spricht das für den Nerv. Siehe Tabelle 6.2. [I]

Kann das Segment C5 innere Organe beeinflussen?

Nicht steuernd. C5 hat keine sympathischen Fasern und keine Bewegungsnerven zu inneren Organen. Es besteht eine Verbindung in umgekehrter Richtung: Über den Zwerchfellnerv aus C3–C5 wird eine Reizung unter dem Zwerchfell als Schulterschmerz wahrgenommen. Das Organ meldet sich also im Segment, nicht umgekehrt. [B]

Was sind „McKenzie-Zonen“?

Der Begriff beruht auf einer Namensverwechslung. Gemeint sind die Mackenzie-Zonen nach James Mackenzie — reflektorisch angespannte Muskelbereiche bei Organerkrankungen, ein historisches Beobachtungsmodell. Die McKenzie-Methode nach Robin McKenzie ist etwas völlig anderes: ein Untersuchungs- und Übungsverfahren, das die Schmerzantwort auf wiederholte Bewegungen auswertet. Sie kennt keine Organzonen. [B]

Bedeutet Taubheit über der Schulter immer eine Wurzelschädigung?

Nein. Das Feld über dem Deltamuskel wird vom N. axillaris versorgt. Eine Schädigung dieses Nervs — etwa nach Schulterverrenkung, nach Bruch am Oberarmkopf oder durch Druck in der Achsellücke — erzeugt dieselbe Gefühlsstörung ohne jede Beteiligung der Halswirbelsäule. Nackenschmerz und ein abgeschwächter Bizepssehnenreflex sprechen für die Wurzel. [B]

Warum betrifft eine C5-Schwäche selten den ganzen Arm?

Weil jeder Muskel Fasern aus mehreren Wurzeln erhält. Fällt C5 aus, übernehmen die Anteile aus C6 einen Teil der Arbeit. Deshalb zeigt sich meist eine unvollständige Schwäche beim Abspreizen und Außendrehen und keine vollständige Lähmung. [B] Eine ausgeprägte Lähmung spricht eher für eine Schädigung des Armgeflechts oder eines peripheren Nervs. [I]

Kapitel 11

Grundlage und Quellen

Verwendet wurden ausschließlich Standardwerke der Anatomie und Neurologie, Fachgesellschaftsleitlinien und begutachtete Originalarbeiten. Wo Angaben je nach Auflage schwanken, gilt die jeweils aktuelle Ausgabe.

11.1 Anatomie und Nervenverlauf

  • Schünke M, Schulte E, Schumacher U: Prometheus. LernAtlas der Anatomie — Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. Thieme, Stuttgart.
  • Netter FH: Atlas der Anatomie. Elsevier, München.
  • Mumenthaler M, Stöhr M, Müller-Vahl H: Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome. Thieme, Stuttgart.
  • Bogduk N, Mercer S: Biomechanics of the cervical spine. I. Normal kinematics. Clinical Biomechanics 2000;15(9):633–648.

11.2 Klinik, Untersuchung, Leitlinien

  • Pohl M et al.: S2k-Leitlinie Zervikale Radikulopathie. Deutsche Gesellschaft für Neurologie, AWMF-Registernummer 030/082, Stand 2017, verlängert bis 5. November 2022. Hinweis: Die Gültigkeit ist abgelaufen; eine Neufassung wurde im Register nicht gefunden. Die Aussagen zur Diagnostik gelten weiterhin als fachlicher Bezugspunkt.
  • Wainner RS, Fritz JM, Irrgang JJ, Boninger ML, Delitto A, Allison S: Reliability and diagnostic accuracy of the clinical examination and patient self-report measures for cervical radiculopathy. Spine 2003;28(1):52–62.
  • Lee MWL, McPhee RW, Stringer MD: An evidence-based approach to human dermatomes. Clinical Anatomy 2008;21(5):363–373.
  • van Alfen N, van Engelen BGM: The clinical spectrum of neuralgic amyotrophy in 246 cases. Brain 2006;129(2):438–450.
  • Preston DC, Shapiro BE: Electromyography and Neuromuscular Disorders. Clinical–Electrophysiologic Correlations. Elsevier. — Grundlage der Nadelmessung in Tabelle 6.2 und Abschnitt 7.5.

11.3 Modelle mit historischem Rang

Die folgenden Werke begründen die Zonenmodelle. Sie werden als Beobachtungsmodelle geführt, nicht als Beleg.

  • Hansen K, Schliack H: Segmentale Innervation. Ihre Bedeutung für Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 1962.
  • Mackenzie J: Symptoms and their Interpretation. London: Shaw & Sons 1909. Deutsche Ausgabe: Krankheitszeichen und ihre Auslegung, übersetzt von E. Müller, Würzburg: Kabitzsch 1911.
  • Simons DG, Travell JG, Simons LS; Donnelly JM (Hrsg.): Travell & Simons’ Myofascial Pain and Dysfunction. The Trigger Point Manual. Wolters Kluwer.

Nicht verwendet wurden populäre Ratgeberliteratur, Anbieterseiten mit Behandlungsangeboten und Darstellungen, die einzelnen Wirbelsegmenten feste Organe oder Charaktereigenschaften zuordnen. Für solche Zuordnungen fehlt eine anatomische Grundlage.

11.4 Quellen und Änderungsvermerk zu Abschnitt 5.5

Quellen zu Abschnitt 5.5

  • Jänig W: Spinal cord integration of visceral sensory systems and sympathetic nervous system reflexes. Prog Brain Res 1986;67:255–277. — Grundlage des Reflexwegs von den Eingeweidefasern zu den sympathischen Ursprungszellen.
  • Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aussage, dass das vegetative Nervensystem alle Körperteile außer der Skelettmuskulatur steuert.
  • Stifani N: Motor neurons and the generation of spinal motor neuron diversity. Front Cell Neurosci 2014;8:293. — Grundlage der Aufgabenteilung zwischen motorischen Vorderhornzellen (Skelettmuskel) und vegetativen Ursprungszellen (glatte Muskulatur, Drüsen).
  • Giamberardino MA, Affaitati G, Lerza R, Lapenna D, Costantini R, Vecchiet L: Relationship between pain symptoms and referred sensory and trophic changes in patients with gallbladder pathology. Pain 2005;114:239–249. — Messung von Unterhaut- und Muskeldicke im Übertragungsgebiet beim Menschen.
  • Wesselmann U, Lai J: Mechanisms of referred visceral pain: uterine inflammation in the adult virgin rat results in neurogenic plasma extravasation in the skin. Pain 1997;73:309–317. — Tierbefund zu Hautveränderungen im Übertragungsgebiet und den drei möglichen Entstehungswegen.
  • Fang Y, Han S, Li X, Xie Y, Zhu B, Gao X, Ma C: Cutaneous hypersensitivity as an indicator of visceral inflammation via C-nociceptor axon bifurcation. Neurosci Bull 2021;37:45–54. — Tierbefund zu gegabelten Schmerzfasern zwischen Organ und Haut sowie zur Konvergenz im Hinterhorn.
  • Willis WD Jr: Dorsal root potentials and dorsal root reflexes: a double-edged sword. Exp Brain Res 1999;124:395–421. — Übersicht zum Hinterwurzelreflex und zur neurogenen Entzündung.
  • Holey LA, Dixon J: Connective tissue manipulation: a review of theory and clinical evidence. J Bodyw Mov Ther 2014;18(1):112–118. — Grundlage der Einordnung der Bindegewebsmassage als Erklärungsmodell.
  • Giamberardino MA: Referred muscle pain/hyperalgesia and central sensitisation. J Rehabil Med 2003;Suppl 41:85–88. — Grundlage des Modells der Reflexe zur Muskulatur.
  • Roatta S, Windhorst U, Ljubisavljevic M, Johansson H, Passatore M: Sympathetic modulation of muscle spindle afferent sensitivity to stretch in rabbit jaw closing muscles. J Physiol 2002;540:237–248. — Tierbefund zur Muskelspindel.
  • Macefield VG, Sverrisdottir YB, Wallin BG: Resting discharge of human muscle spindles is not modulated by increases in sympathetic drive. J Physiol 2003;551:1005–1011. — Befund am Menschen ohne Spindelveränderung.
  • Hjortskov N, Skotte J, Hye-Knudsen C, Fallentin N: Sympathetic outflow enhances the stretch reflex response in the relaxed soleus muscle in humans. J Appl Physiol 2005;98:1366–1370. — Befund am Menschen mit verstärktem Dehnungsreflex.

Offene Lücken

  • Welche Ursprungssegmente die Haut von Arm und Bein sympathisch versorgen, geben Fachwerke unterschiedlich an. Die Seite nennt deshalb keinen Zahlenbereich. Gray’s Anatomy stand für diese Bearbeitung nicht zur Verfügung. Die Seite bleibt deshalb bei der zahlenfreien Angabe, bis das Werk eingesehen ist.
  • Von Fang et al. 2021 und Willis 1999 wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen.
  • Eine Untersuchung, die beim Menschen den Entstehungsweg der Veränderungen im Übertragungsgebiet klärt, wurde nicht gefunden. Ebenso wurde keine Untersuchung gefunden, die Tastbefunde nach Dicke mit gemessenen Gewebedicken vergleicht.

Fachbegriffe

  • Hinterhorn — Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen.
  • Nucleus intermediolateralis — Zellsäule im Seitenhorn mit den sympathischen Ursprungszellen, Th1 bis etwa L2.
  • Gegabelte Empfindungsfaser — Nervenfaser, die mit zwei Ästen Organ und Haut zugleich versorgt.
  • Hinterwurzelreflex — Erregung, die vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser zur Haut läuft.
  • Neurogene Entzündung — Schwellung und Rötung durch Botenstoffe aus Nervenenden.
  • Konvergenz — Zusammenlaufen von Fasern aus Organ und Körperoberfläche auf dieselbe Schaltzelle.
  • Vorderhornzellen — Nervenzellen im Vorderhorn, die die Skelettmuskeln erregen.
  • Körperwand — Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ.
  • Muskelspindel — Fühler im Muskel, der die Muskellänge misst.
  • Dehnungsreflex — Muskelzuckung auf plötzliche Dehnung, etwa beim Sehnenklopfen.
  • ISNCSCI — internationaler Standard zur Einstufung von Rückenmarksschädigungen; legt Kennmuskeln und Kennpunkte fest.
  • Kennpunkt — festgelegter Hautpunkt, an dem das Gefühl eines Segments geprüft wird.
  • Randomisierte Studie — Untersuchung, in der der Zufall entscheidet, wer welche Behandlung erhält.
  • Schultersteife — schmerzhafte Schrumpfung der Gelenkkapsel mit Verlust der passiven Beweglichkeit.
  • Denervierung — Zeichen eines Muskels, der seine Nervenversorgung verloren hat, in der Nadelmessung sichtbar.
  • Akutes Koronarsyndrom — akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels, etwa ein Herzinfarkt.
  • Polymyalgia rheumatica — entzündliche Erkrankung älterer Menschen mit Schmerz und Steife an Schultern und Becken.

11.5 Quellen, Lücken und Korrekturen zur Kennzeichnung

Mit Fassung V 0.4 trägt jede Aussage der Kapitel 01 bis 10 ein Kennzeichen. Das Kennzeichen steht am Ende des Absatzes, Listenpunkts oder der Tabellenzeile. Wo ein Absatz Aussagen verschiedener Art enthält, steht es hinter jedem Satz.

Zuordnung der bereits genannten Werke

  • Anatomie, Nervenverläufe, Wurzelzuordnung der Muskeln, Engstellen und Erb-Lähmung (Kapitel 01 bis 03, Abschnitt 2.5, Kapitel 06): Schünke/Prometheus und Mumenthaler/Stöhr/Müller-Vahl aus Abschnitt 11.1.
  • Bewegungsumfänge und gekoppelte Bewegung (Abschnitt 1.4): Bogduk/Mercer 2000 aus Abschnitt 11.1.
  • Dermatom und Überlappung (Abschnitt 5.1): Lee et al. 2008 aus Abschnitt 11.2.
  • Testkombination (Abschnitt 7.3) und Leitzeichen der Radikulopathie: Wainner et al. 2003 aus Abschnitt 11.2.
  • Neuralgische Schulteramyotrophie (Kapitel 06 und 09): van Alfen und van Engelen 2006 aus Abschnitt 11.2.
  • Sympathische Ursprungszellen und Eingeweidefasern (Kapitel 04): Jänig 1986 aus Abschnitt 11.4.
  • Übertragungsmuster der Triggerpunkte und Zonenmodelle (Abschnitte 3.5 und 5.4): Werke mit historischem Rang aus Abschnitt 11.3; deshalb [H].

Neu herangezogene Werke

  • Kirshblum SC, Burns SP, Biering-Sorensen F et al.: International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury (revised 2011). J Spinal Cord Med 2011;34(6):535–546. — Kennmuskel C5 (Ellenbogenbeuger) und Kennpunkt C5 (Außenseite der Ellenbeuge); Abschnitte 3.1, 5.1, 7.2 und „Auf einen Blick“.
  • Mercer S, Bogduk N: The ligaments and annulus fibrosus of human adult cervical intervertebral discs. Spine 1999;24(7):619–626. — Aufbau des Faserrings; Abschnitt 1.3.
  • Dwyer A, Aprill C, Bogduk N: Cervical zygapophyseal joint pain patterns. I: A study in normal volunteers. Spine 1990;15(6):453–457. — Wirbelgelenk als Schmerzquelle und Ausstrahlung zu Schulterblatt und Schulter; Abschnitte 1.2 und 2.1.
  • Nakashima H, Yukawa Y, Suda K, Yamagata M, Ueta T, Kato F: Abnormal findings on magnetic resonance images of the cervical spines in 1211 asymptomatic subjects. Spine 2015;40(6):392–398. — Häufigkeit und Höhenverteilung degenerativer Befunde bei Beschwerdefreien; Abschnitte 1.3, 1.4 und 7.4.
  • Radhakrishnan K, Litchy WJ, O’Fallon WM, Kurland LT: Epidemiology of cervical radiculopathy. A population-based study from Rochester, Minnesota, 1976 through 1990. Brain 1994;117(2):325–335. — Häufigkeit der betroffenen Wurzeln und günstiger Verlauf; „Auf einen Blick“ und Kapitel 08.
  • Seffinger MA, Najm WI, Mishra SI et al.: Reliability of spinal palpation for diagnosis of back and neck pain: a systematic review of the literature. Spine 2004;29(19):E413–E425. — Zuverlässigkeit der Tastbefunde an einzelnen Etagen; Abschnitt 1.5.
  • Ajmani ML: The cutaneous branch of the human suprascapular nerve. J Anat 1994;185(2):439–442. — Hautast in 14,7 % der untersuchten Arme; Abschnitt 2.3.
  • Horiguchi M: The cutaneous branch of some human suprascapular nerves. J Anat 1980;130(1):191–195. — Hautast in 6 von 122 Armen; Abschnitt 2.3.
  • Elliott J, Jull G, Noteboom JT, Darnell R, Galloway G, Gibbon WW: Fatty infiltration in the cervical extensor muscles in persistent whiplash-associated disorders: a magnetic resonance imaging analysis. Spine 2006;31(22):E847–E855. — Fetteinlagerung der tiefen Nackenmuskeln; Abschnitt 3.4.
  • Falla DL, Jull GA, Hodges PW: Patients with neck pain demonstrate reduced electromyographic activity of the deep cervical flexor muscles during performance of the craniocervical flexion test. Spine 2004;29(19):2108–2114. — Verschobene Ansteuerung zu den oberflächlichen Muskeln; Abschnitt 3.4.
  • Lucas N, Macaskill P, Irwig L, Moran R, Bogduk N: Reliability of physical examination for diagnosis of myofascial trigger points: a systematic review of the literature. Clin J Pain 2009;25(1):80–89. — Geringe Übereinstimmung beim Tasten von Triggerpunkten; Abschnitt 3.5.
  • Schulz-Menger J, Collini V, Gröschel J et al.: 2025 ESC Guidelines for the management of myocarditis and pericarditis. Eur Heart J 2025;46(40):3952–4041. — Schmerzbild der Herzbeutelentzündung; Abschnitt 4.2. Ersetzt die zuvor zitierte ESC-Leitlinie 2015 zu Herzbeutelerkrankungen.
  • Byrne RA, Rossello X, Coughlan JJ et al.: 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes. Eur Heart J 2023;44(38):3720–3826. — Schmerzorte beim akuten Koronarsyndrom; Abschnitt 4.2, Kapitel 06 und 09.
  • Dasgupta B, Cimmino MA, Maradit-Kremers H et al.: 2012 provisional classification criteria for polymyalgia rheumatica. Ann Rheum Dis 2012;71(4):484–492. — Kapitel 06.
  • Hermans J, Luime JJ, Meuffels DE, Reijman M, Simel DL, Bierma-Zeinstra SMA: Does this patient with shoulder pain have rotator cuff disease? The Rational Clinical Examination systematic review. JAMA 2013;310(8):837–847. — Kapitel 06.
  • Kelley MJ, Shaffer MA, Kuhn JE et al.: Shoulder pain and mobility deficits: adhesive capsulitis. Clinical practice guidelines. J Orthop Sports Phys Ther 2013;43(5):A1–A31. — Schultersteife; Kapitel 06 und Abschnitt 7.2.
  • Fehlings MG, Tetreault LA, Riew KD et al.: A clinical practice guideline for the management of patients with degenerative cervical myelopathy. Global Spine J 2017;7(3 Suppl):70S–83S. — Leitzeichen der zervikalen Myelopathie; Kapitel 06 und 09.
  • Sakaura H, Hosono N, Mukai Y, Ishii T, Yoshikawa H: C5 palsy after decompression surgery for cervical myelopathy: review of the literature. Spine 2003;28(21):2447–2451. — C5-Parese nach Entlastungsoperation, etwa 5 %; Kapitel 06.
  • Davidson RI, Dunn EJ, Metzmaker JN: The shoulder abduction test in the diagnosis of radicular pain in cervical extradural compressive monoradiculopathies. Spine 1981;6(5):441–446. — Erleichterung durch Armheben über den Kopf; Abschnitt 7.3.
  • Kuijper B, Tans JTJ, Beelen A, Nollet F, de Visser M: Cervical collar or physiotherapy versus wait and see policy for recent onset cervical radiculopathy: randomised trial. BMJ 2009;339:b3883. — Halskrause und Physiotherapie in der Frühphase; Kapitel 08.
  • Blanpied PR, Gross AR, Elliott JM et al.: Neck pain: revision 2017. Clinical practice guidelines. J Orthop Sports Phys Ther 2017;47(7):A1–A83. — Übungstherapie, Mobilisation und Traktion bei Nackenschmerz mit Armschmerz; Kapitel 08.

Offene Lücken

  • Die Bewegungsumfänge in Abschnitt 1.4 sind als [I] gekennzeichnet. Die Einzelwerte ließen sich in dieser Bearbeitung keiner Messreihe sicher zuordnen.
  • Für den beidseitigen Schulterschmerz nach Bauchspiegelung wurde keine Originalarbeit eingesehen. Die Tabellenzeile trägt deshalb [I].
  • Die Aussagen zu Deltamuskel ab etwa 15° und Supraspinatus als Starter des Abspreizens folgen der Lehrbuchtradition. Neuere Muskelstrommessungen wurden nicht eingesehen; beide Zeilen tragen [I].
  • Die Warnzeichen in Kapitel 09 beruhen überwiegend auf klinischer Übereinkunft und tragen [I]. Belegt [B] sind Rückenmarksbeteiligung, atemabhängiger Schulterschmerz, akutes Koronarsyndrom und neuralgische Schulteramyotrophie.
  • Die Leitlinie AWMF 030/082 ist abgelaufen. Eine Nachfolgefassung wurde im Register nicht gefunden.
  • Die Autorenangabe „Pohl M et al.“ zur AWMF-Leitlinie wurde in dieser Bearbeitung nicht nachgeprüft.
  • Tabelle 6.2 ist aus den Faseranteilen abgeleitet. Die Seitenzahlen der Grundlagenwerke wurden nicht eingesehen.

Inhaltliche Korrekturen

  • „Auf einen Blick“ und Abschnitt 3.1: Kennmuskel nach ISNCSCI (Ellenbogenbeuger) neben den Deltamuskel gestellt. Vorher fehlte diese abweichende Zuordnung.
  • Abschnitt 1.4: Verschleiß am häufigsten bei C5/C6, gefolgt von C6/C7. Vorher hieß es, C4/C5 und C5/C6 seien am häufigsten betroffen.
  • Abschnitt 2.3: N. suprascapularis führt in der Regel, nicht ausnahmslos, keine Hautfasern. Vorher hieß es, er führe keine.
  • Abschnitt 4.2: Herzschmerz läuft über Empfindungsfasern, die mit den sympathischen Nerven ziehen; die Innenseite des Arms ist typisch, nicht zwingend. Vorher hieß es, die Innenseite sei betroffen.
  • Abschnitt 5.1 und 7.2: Das Feld über dem Deltamuskel ist nicht eindeutig C5, weil es zugleich zum N. axillaris gehört; der Kennpunkt nach ISNCSCI ist ergänzt.
  • Kapitel 08: Die Aussage, über drei Wochen hinaus drohten Kraftverlust und Muskelschwund, ist gestrichen. Für sie fand sich keine Quelle. Ergänzt ist der Befund der randomisierten Studie von Kuijper 2009.

Änderungsvermerk

  • Fassung V 0.8: Arbeitsvermerke in Kapitel 11 als Feststellungen für Lesende gefasst: „Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus“ und ähnliche Sätze gestrichen oder umformuliert; was nicht am Volltext geprüft ist, steht jetzt als Befund da.
  • Warum: Interne Arbeitsvermerke schwächen die Glaubwürdigkeit einer öffentlichen Seite (Liste vom 8. Oktober 2026).
  • Ersetzt: V 0.7. V 0.7 wurde nicht eingespielt; online steht V 0.6.
  • Fassung V 0.7: Abschnitt 2.2: Erb-Punkt wie auf Segment C3 und C4 als Reizstelle für das Armgeflecht oberhalb des Schlüsselbeins beschrieben, „von außen tastbar“ gestrichen; Abschnitt 2.3: Wurzeln des N. suprascapularis wie auf Segment C6 mit „C5–C6, gelegentlich C4“.
  • Warum: Widersprüche zwischen den Seiten (Liste vom 8. Oktober 2026).
  • Ersetzt: V 0.6.
  • Fassung V 0.6: Abschnitt „Lesart dieser Seite“ am Seitenende und Hinweis darauf am Seitenanfang neu; Legende in Kapitel 05 an die Serie angeglichen (Kennzeichen am Zeilenende, nicht fett).
  • Warum: Reihenregel „Lesart am Seitenende“; Korrekturliste, Prüfung vom 8. Oktober 2026.
  • Ersetzt: V 0.5. V 0.5 wurde nicht eingespielt; online stand bis dahin V 0.4.
  • Fassung V 0.5: Konvergenzsatz in 5.5 berichtigt; Erb-Punkt gegen das Punctum nervosum abgegrenzt; Mackenzie-Ausgabe berichtigt; ESC-Leitlinie 2015 durch die Fassung 2025 ersetzt; Ablaufdatum der AWMF-Leitlinie präzisiert; Kapitel 06 um Schultersteife, Polymyalgia rheumatica, akutes Koronarsyndrom und Tabelle 6.2 zum Ort des Ausfalls erweitert; Abschnitt 7.5 neu; Kapitel 11 auf die Serienbezeichnung „Grundlage und Quellen“ umbenannt.
  • Warum: Korrekturliste vom 3. Oktober 2026; Leitziel Differenzialdiagnostik.
  • Ersetzt: V 0.4.
  • Fassung V 0.4: Alle Aussagen der Kapitel 01 bis 10 mit [B], [I] oder [H] gekennzeichnet; sechs inhaltliche Korrekturen; Abschnitt 11.5 neu. Ersetzt: V 0.3.
  • Fassung V 0.3: Abschnitt 5.5 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu. Ersetzt: V 0.2.

Verwandte Segmente

Segment C4 · Segment C6 · Segment C7 · Nervus axillaris · Nervus suprascapularis

Hinweis. Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen. Bei zunehmender Schwäche am Arm, bei Zeichen einer Rückenmarksbeteiligung oder bei atemabhängigem Schulterschmerz ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.

Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Eine gekennzeichnete Aussage trägt ihr Kennzeichen am Ende. [B] steht für eine Beobachtung, die anatomisch oder durch Studien gesichert ist. [I] steht für eine Interpretation, die klinisch plausibel und teilweise belegt ist. [H] steht für eine Hypothese oder ein geschichtliches Modell ohne belastbaren Nachweis.

In Tabellen steht das Kennzeichen in der letzten Zelle einer Zeile und gilt für die ganze Zeile. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung oder zum Vorgehen, keine Sachaussage.

Auf dieser Seite tragen alle Aussagen der Kapitel 01 bis 10 ein Kennzeichen. Wo ein Absatz Aussagen verschiedener Art enthält, steht das Kennzeichen hinter jedem Satz.

Segment C5 · V 0.8 · Stand: Oktober 2026. Geändert: interne Arbeitsvermerke in Kapitel 11 als Feststellungen gefasst. Warum: Glaubwürdigkeit der öffentlichen Seite. Ersetzt: V 0.7 derselben Seite (nicht eingespielt; online steht V 0.6).