Nerven Wiki – Das Lexikon der peripheren Nerven

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Segment – C7

Das Segment C7 umfasst den siebten Halswirbel, die Bandscheibe C6/C7 und den Spinalnerv C7. Der Nerv verlässt den Wirbelkanal oberhalb seines Wirbels — durch das Zwischenwirbelloch zwischen C6 und C7. Die Wurzel C7 ist die am häufigsten betroffene Nervenwurzel der Halswirbelsäule. Ihre Leitbeschwerden sind Nackenschmerz mit Ausstrahlung über die Rückseite des Arms bis in den Mittelfinger, Kraftverlust bei der Ellenbogenstreckung und ein abgeschwächter Trizepssehnenreflex.

Diese Seite ist ein Fachtext. Wie Kennzeichen, Tabellen und Absätze zu lesen sind, steht am Seitenende unter Lesart dieser Seite.

Inhalt

Auf einen Blick

  • Austritt: Die Wurzel C7 tritt durch das Foramen intervertebrale zwischen C6 und C7 aus. In der Halswirbelsäule gibt es acht Nervenpaare bei sieben Wirbeln — die Zählung ist um eins versetzt.
  • Kennmuskel: M. triceps brachii (Ellenbogenstreckung), dazu Handgelenkbeuger, Fingerstrecker und M. pronator teres.
  • Reflex: Trizepssehnenreflex. Ein seitenungleich abgeschwächter Trizepsreflex ist der aussagekräftigste Reflexbefund dieses Segments.
  • Dermatom: Rückseite von Ober- und Unterarm, Mittelfinger. Die verlässlichste Zone ist der Mittelfinger.
  • Häufigkeit: C7 ist die am häufigsten betroffene Wurzel bei zervikaler Radikulopathie.
  • Vertebra prominens: Der Dornfortsatz von C7 ist der längste der Halswirbelsäule und dient als äußerer Zählpunkt.
  • Kein Durchtritt der Wirbelarterie: Das Querfortsatzloch von C7 führt in der Regel keine A. vertebralis. Diese tritt meist erst bei C6 in den Kanal ein.
  • Kein Sympathikus-Ursprung: Sympathische Fasern entspringen erst ab Th1. Ein „Nervus splanchnicus C7“ existiert nicht.
  • Kein zugeordnetes Organ: Für C7 ist keine Head-Zone definiert. Aussagen über eine Steuerung von Herz, Lunge, Schilddrüse, Augen oder Ohren durch C7 sind nicht belegt.

Kapitel 01

Anatomie des Segments C7

1.1 Der siebte Halswirbel

C7 ist der Übergangswirbel der Halswirbelsäule. Er trägt noch die Merkmale eines Halswirbels, nähert sich in der Form aber bereits dem ersten Brustwirbel an. Vier Einzelheiten machen ihn klinisch bedeutsam.

  • Vertebra prominens: Der Dornfortsatz ist lang, kräftig und in der Regel nicht gespalten. Er steht am Nackenübergang sichtbar hervor und ist der wichtigste äußere Zählpunkt der Wirbelsäule.
  • Foramen transversarium ohne Arterie: Der Querfortsatz trägt zwar ein Loch, doch die A. vertebralis zieht in der Regel nicht hindurch. Sie tritt meist erst eine Etage höher, bei C6, in den knöchernen Kanal ein. Durch das Loch von C7 laufen üblicherweise nur die Wirbelvene und ein feines Nervengeflecht.
  • Ansatz des Nackenbandes: Das Ligamentum nuchae spannt sich vom Hinterhaupt bis zum Dornfortsatz von C7. Dort endet es. Von hier abwärts übernehmen die Dorn- und Zwischendornbänder.
  • Processus costalis: Der vordere Anteil des Querfortsatzes entspricht anlagemäßig einer Rippe. Bleibt er zu groß, entsteht eine Halsrippe (Abschnitt 1.6).

Zum Tasten. Der hervorstehende Wirbel am Nackenübergang ist nicht immer C7. Bei einem Teil der Menschen steht der Dornfortsatz von Th1 weiter vor. Die sichere Unterscheidung gelingt in Bewegung: Beim Zurückneigen des Kopfes weicht der Dornfortsatz von C6 nach vorn aus, C7 bewegt sich wenig, Th1 bleibt stehen. Wer nur den größten Höcker tastet, verzählt sich regelmäßig um eine Etage.

1.2 Die Zählung der Segmente — Quelle vieler Missverständnisse

Die Halswirbelsäule besitzt sieben Wirbel, aber acht Spinalnervenpaare. Der erste Nerv tritt zwischen Schädel und Atlas aus. Dadurch verlässt jeder Halsnerv den Kanal oberhalb des gleichnamigen Wirbels. C7 ist der letzte Nerv, für den das gilt. Der Nerv C8 tritt zwischen C7 und Th1 aus; ab Th1 tritt jeder Nerv unterhalb seines Wirbels aus.

Praktische Folge: Ein Bandscheibenvorfall im Segment C6/C7 trifft die Wurzel C7. Das darunterliegende Segment C7/Th1 trifft dagegen die Wurzel C8. Wer die Höhenangabe des Befundes für die Wurzelangabe hält, ordnet die Beschwerden eine Etage falsch zu.

Das Spinalganglion der Wurzel C7 liegt daher im Zwischenwirbelloch zwischen C6 und C7 — nicht, wie gelegentlich zu lesen, zwischen C7 und Th1. Diese Angabe beschreibt das Ganglion von C8.

1.3 Das Zwischenwirbelloch C6/C7 — vier Wände, wenig Platz

Das Zwischenwirbelloch der Halswirbelsäule ist kein Loch, sondern ein kurzer Kanal. Er ist von vier Strukturen begrenzt, und jede kann ihn verengen.

BegrenzungStrukturMögliche Einengung
vorn-innenBandscheibe C6/C7 und Processus uncinatusVorwölbung der Bandscheibe, Randzacken der Unkovertebralgelenke
hinten-außenWirbelgelenk C6/C7Arthrose mit Kapselverdickung und Randanbauten
oben und untenBogenwurzeln von C6 und C7Höhenverlust der Bandscheibe verkleinert den Kanal
InhaltWurzel C7, Spinalganglion, Gefäße, FettgewebeSchwellung und Stauung wirken wie eine Raumforderung
Der Kanal ist im Alter typischerweise knöchern eingeengt, in jüngeren Jahren eher durch weiches Bandscheibengewebe. Beide Wege führen zum gleichen Beschwerdebild.

Das Spinalganglion liegt im Kanal selbst. Es ist besonders empfindlich gegenüber Druck und Entzündungsstoffen. Das erklärt, warum eine Wurzelreizung häufig mehr Schmerz als Ausfall erzeugt.

1.4 Bewegungsumfänge

Die Angaben schwanken je nach Messverfahren. Die Rangfolge ist jedoch stabil: Das Segment C6/C7 gehört mit C5/C6 zu den beweglichsten Abschnitten in Beugung und Streckung. Nach unten hin fällt die Beweglichkeit dann steil ab.

BewegungSegment C6/C7Segment C7/Th1
Beugen und Streckenetwa 15–19° gesamtetwa 8–10° gesamt
Seitneigenetwa 5–7° je Seiteetwa 4–5° je Seite
Drehenetwa 5–7° je Seiteetwa 2–4° je Seite
Der Sprung zwischen den beiden Spalten ist der eigentliche Befund: Unterhalb von C7 endet die freie Beweglichkeit des Halses. Seitneigung und Drehung sind in der unteren Halswirbelsäule durch die Stellung der Gelenkflächen mechanisch gekoppelt; eine reine Seitneigung ist dort nicht möglich.

1.5 Der zervikothorakale Übergang

C7 markiert die Grenze zwischen einem beweglichen und einem festen Abschnitt. Oberhalb liegt eine Wirbelsäule ohne Rippen, die sich in alle Richtungen bewegen lässt. Unterhalb beginnt der Brustkorb, dessen Rippen jede Bewegung begrenzen.

Solche Übergangszonen tragen Belastungsspitzen, weil sich an ihnen die Bewegung staut. Das erklärt die Häufigkeit von Beschwerden in diesem Bereich. Es erklärt nicht, was in populären Darstellungen daraus gemacht wird: Der sogenannte „Witwenbuckel“ am Nackenübergang ist in der Mehrzahl der Fälle eine Fettpolsterung und eine verstärkte Krümmung der oberen Brustwirbelsäule, kein Zeichen einer Schädigung des Segments C7. [I]

Praktisch bedeutsam ist die Nachbarschaft nach unten: Die erste Rippe, der Schlüsselbeinbereich und die Skalenuslücke liegen unmittelbar vor und unter dem Segment. Durch diese Enge ziehen die Fasern des Armgeflechts, denen die Wurzel C7 einen erheblichen Anteil beisteuert.

1.6 Halsrippe und verlängerter Querfortsatz

Bei einem kleinen Teil der Menschen bleibt der Rippenanteil des Querfortsatzes von C7 zu groß. Es entstehen zwei Formen: ein verlängerter Querfortsatz oder eine eigenständige Halsrippe, die knöchern oder bindegewebig mit der ersten Rippe verbunden sein kann.

  • Häufigkeit: Der Befund ist selten und wird oft zufällig im Röntgenbild entdeckt. Er tritt häufig beidseits auf.
  • Bedeutung: Die große Mehrheit der Betroffenen hat keinerlei Beschwerden. Eine Halsrippe allein ist keine Diagnose.
  • Wenn Beschwerden auftreten: Betroffen sind meist die tiefen Anteile des Armgeflechts (C8 und Th1) mit Missempfindungen an Klein- und Ringfinger, seltener die Arterie mit Kälte- und Schweregefühl der Hand.

Die Zuordnung ist hier wichtig: Die Halsrippe geht vom Wirbel C7 aus, drückt aber typischerweise auf tiefer gelegene Faseranteile. Ein Beschwerdebild am Kleinfinger ist deshalb kein Argument für eine Wurzelreizung C7.

1.7 Hypermobilität und Hypomobilität

Beide Begriffe beschreiben ein Bewegungsverhalten, keine Krankheit. Sie werden im Seitenvergleich und im Vergleich zu den Nachbarsegmenten beurteilt, nicht an einem absoluten Normwert.

Vermehrte BeweglichkeitVerminderte Beweglichkeit
Typischer Befundweicher Endanschlag, Bewegung über die Nachbarsegmente hinaus, Muskelschutz nach Belastungfester, frühzeitiger Endanschlag, seitenungleiche Bewegung
BeschwerdenBelastungsabhängiger Nackenschmerz, Zunahme im Tagesverlauf, Bedürfnis nach HaltSteifigkeit nach Ruhe, Bewegungsschmerz am Endpunkt
Häufiger ZusammenhangNachbarsegment eines versteiften Abschnitts, etwa oberhalb einer Versteifung von C7/Th1; nach VerletzungArthrose der Wirbelgelenke, Bandscheibenhöhenverlust
EinordnungBefund, kein Krankheitsbild. Eine Instabilität im engeren Sinn wird erst bei Nachweis in der Bildgebung so genanntBefund, kein Krankheitsbild. Verschleißzeichen kommen auch bei Beschwerdefreien vor

Die im älteren Schrifttum verbreitete Vorstellung, eine verminderte Beweglichkeit führe über eine „verminderte Durchblutung“ zu Taubheitsgefühlen im Arm, ist nicht belegt. Missempfindungen im Arm entstehen über die Nervenwurzel oder über einen peripheren Engpass — nicht über die Gelenkbeweglichkeit selbst.

Kapitel 02

Nervenversorgung des Segments C7

2.1 Aufbau der Wurzel

Aus dem Rückenmark treten zwei Wurzeln aus. Die vordere führt Bewegungsbefehle nach außen, die hintere führt Empfindungen nach innen. Beide vereinigen sich im Zwischenwirbelloch zum Spinalnerv C7. Unmittelbar danach teilt sich dieser wieder in zwei Äste.

  • Ramus dorsalis — zieht nach hinten. Er versorgt die tiefen Nackenmuskeln, die Wirbelgelenke und ein schmales Hautfeld über dem Nacken.
  • Ramus ventralis — zieht nach vorn und seitlich. Er tritt in den Plexus brachialis ein und ist der weitaus kräftigere der beiden.

Häufig zu lesen ist, „die ventralen Wurzeln von C7“ gingen in das Armgeflecht über. Das trifft nicht zu. In das Geflecht tritt der vordere Ast des Spinalnervs ein — also ein Bündel, das bereits Bewegungs- und Empfindungsfasern enthält. Die vordere Wurzel führt ausschließlich Bewegungsfasern und endet lange vorher.

2.2 Der Weg durch den Plexus brachialis

Hier liegt der häufigste Denkfehler in Darstellungen zu diesem Segment: C7 gibt keine peripheren Nerven ab. Die Wurzel liefert Fasern in ein Geflecht. Erst dieses Geflecht ordnet die Fasern neu und bildet daraus die Armnerven. Jeder Armnerv enthält Fasern aus mehreren Wurzeln, und jede Wurzel verteilt sich auf mehrere Armnerven.

C7 nimmt dabei eine Sonderstellung ein:

  1. Während sich C5 mit C6 und C8 mit Th1 zusammenschließen, bildet C7 allein den Truncus medius. Es ist die einzige Wurzel des Armgeflechts ohne Partner.
  2. Jeder Truncus teilt sich in einen vorderen und einen hinteren Anteil.
  3. Der hintere Anteil des Truncus medius geht in den Fasciculus posterior — den Faszikel der Streckmuskulatur. Der vordere Anteil zieht in den Fasciculus lateralis.
  4. Der Schwerpunkt der C7-Fasern liegt damit auf der Streckseite des Arms. Ein kleinerer Teil erreicht über den lateralen Faszikel auch Beugemuskeln.
NervFaseranteileWas davon auf C7 zurückgeht
N. radialisC5–Th1M. triceps brachii, M. anconeus, Fingerstrecker, M. extensor carpi ulnaris; Hautgefühl an der Rückseite von Ober- und Unterarm
N. medianusC6–Th1M. pronator teres, M. flexor carpi radialis, M. palmaris longus; Hautgefühl am Mittelfinger
N. thoracodorsalisC6–C8M. latissimus dorsi
N. thoracicus longusC5–C7M. serratus anterior (unterer Anteil)
Nn. pectoralesC5–Th1Anteile des M. pectoralis major
N. cutaneus brachii posterior und N. cutaneus antebrachii posteriorÄste des N. radialisHautgefühl auf der Rückseite von Ober- und Unterarm
Die Aufstellung zeigt Faseranteile, keine Zuständigkeiten. Fällt die Wurzel C7 aus, fällt kein einzelner Armnerv aus — es entsteht ein Muster über mehrere Nervengebiete hinweg.

Drei Zuordnungen, die regelmäßig falsch stehen.

  • Der N. axillaris stammt aus C5 und C6. Er hat mit dem Segment C7 nichts zu tun. Schulterabspreizung und Hautgefühl über dem Deltamuskel sind keine C7-Prüfungen.
  • Der N. medianus führt Fasern aus C6 bis Th1 — nicht „aus C6 und C8“.
  • Das Sulcus-nervi-ulnaris-Syndrom betrifft den N. ulnaris mit Fasern aus C8 und Th1. Eine Reizung der Wurzel C7 löst es nicht aus.

2.3 Der hintere Ast und die Wirbelgelenke

Der Ramus dorsalis gibt einen inneren Ast ab, den Ramus medialis. Dieser versorgt die Gelenkkapseln der Wirbelgelenke. Jedes Gelenk erhält Fasern aus zwei benachbarten Segmenten — von oberhalb und von unterhalb.

Diese doppelte Versorgung ist gut belegt und praktisch bedeutsam. Sie erklärt, warum sich der Ursprungsort eines Gelenkschmerzes durch Tasten allein nicht sicher bestimmen lässt. Sie ist zugleich die anatomische Grundlage der gezielten Betäubung dieser Äste in der Schmerzdiagnostik.

2.4 Engstellen im Verlauf

Beschwerden an der Streckseite des Arms können an verschiedenen Orten entstehen. Die Unterscheidung entscheidet über die weitere Abklärung.

OrtBezeichnungLeitmerkmal
Zwischenwirbelloch C6/C7Radikulopathie C7Schmerz beginnt am Nacken, folgt einem Streifen über die Armrückseite zum Mittelfinger; Trizepsreflex abgeschwächt; Zunahme bei Kopfneigung zur betroffenen Seite
Schultergürtel, SkalenuslückeThoracic-Outlet-SyndromBelastungsabhängig bei erhobenem Arm; meist Missempfindungen an Klein- und Ringfinger (C8/Th1), nicht am Mittelfinger; Reflexe erhalten
Oberarm, RadialisrinneDruckschädigung des N. radialisFallhand mit Schwäche der Hand- und Fingerstreckung, Taubheit am Handrücken; die Ellenbogenstreckung bleibt erhalten — der Trizepsast zweigt weiter oben ab
Ellenbogen, SupinatorlogeSupinatorlogensyndrom (Kompression des tiefen Radialisastes)Reine Schwäche der Fingerstreckung ohne Taubheit — dieser Ast führt keine Hautfasern
Ellenbogen, äußerer UnterarmRadialistunnelsyndromBelastungsschmerz am äußeren Unterarm ohne Kraftverlust. Die Abgrenzung zum Tennisellenbogen ist strittig, das Krankheitsbild selbst umstritten
HandgelenkKarpaltunnelsyndromNächtliches Einschlafen der Hand, Besserung durch Schütteln; Missempfindung endet an der Hand und zieht nicht über den Ellenbogen hinauf
Häufig vermischt: Das Supinatorlogensyndrom erzeugt Schwäche ohne Taubheit, das Radialistunnelsyndrom Schmerz ohne Schwäche. Ältere Darstellungen führen beides unter einem Namen und schreiben dem Bild sowohl Schmerz als auch Kraftverlust zu.

Die Vorstellung, eine Wurzelreizung mache den peripheren Nerven anfälliger für einen zweiten Engpass („Double-Crush-Phänomen“), ist seit Jahrzehnten in Diskussion. Sie ist plausibel, tierexperimentell gestützt und beim Menschen nicht abschließend geklärt. Sie eignet sich als Denkanstoß, nicht als Begründung einer Diagnose. [I]

Kapitel 03

Muskeln des Segments C7

3.1 Kennmuskeln

Ein Kennmuskel ist kein Muskel, der nur von einem Segment versorgt würde. Er ist der Muskel, dessen Schwäche bei Ausfall dieses Segments am ehesten auffällt. Fast jeder Muskel des Arms erhält Fasern aus zwei bis drei Wurzeln. Deshalb ist eine vollständige Lähmung bei einer einzelnen Wurzelschädigung selten; typisch ist eine deutliche, aber unvollständige Schwäche.

MuskelNervSegmentePrüfung
M. triceps brachiiN. radialisC6–C8, Schwerpunkt C7Ellenbogenstreckung gegen Widerstand, Oberarm angelegt
M. pronator teresN. medianusC6–C7Einwärtsdrehen des Unterarms gegen Widerstand bei gebeugtem Ellenbogen
M. flexor carpi radialisN. medianusC6–C7Beugen des Handgelenks zur Daumenseite gegen Widerstand
M. extensor digitorumN. radialis, tiefer AstC7–C8Fingergrundgelenke strecken und gegen Druck halten
M. latissimus dorsiN. thoracodorsalisC6–C8Den erhobenen Arm gegen Widerstand zum Körper heranziehen
Zugehöriger Reflex: der Trizepssehnenreflex. Er wird C7 zugeordnet, erhält Anteile aus C6 und C8 und ist bei seitenungleicher Abschwächung der aussagekräftigste Reflexbefund dieses Segments.

Zur Abgrenzung: Die Wurzel C6 zeigt sich an der Ellenbogenbeugung und am Radiusperiostreflex, die Wurzel C8 am Faustschluss und an der Fingerspreizung. Wer Beugung und Streckung des Ellenbogens getrennt prüft, trennt damit C6 von C7.

Eine Besonderheit betrifft den Trizeps im Alltag: Die Ellenbogenstreckung wird gegen die Schwerkraft selten voll gefordert. Eine leichte Schwäche fällt deshalb oft erst beim Abstützen, beim Aufstehen aus dem Sessel oder beim Tragen über Kopf auf — nicht bei alltäglichen Greifbewegungen.

3.2 Weitere mitversorgte Muskeln

C7-Fasern erreichen zahlreiche weitere Muskeln, ohne dort führend zu sein.

Schulter und Rumpf

  • M. serratus anterior (C5–C7)
  • M. subscapularis, M. teres major (C5–C7)
  • M. pectoralis major, sternokostaler Anteil (C6–Th1)
  • M. latissimus dorsi (C6–C8)

Unterarm und Hand

  • M. anconeus (C7–C8)
  • M. extensor carpi radialis brevis (C6–C7)
  • M. extensor carpi ulnaris (C7–C8)
  • M. extensor indicis, M. extensor digiti minimi (C7–C8)
  • M. palmaris longus (C7–Th1)
  • M. flexor digitorum superficialis (C7–Th1)

Zwei häufige Fehlzuordnungen. Der M. trapezius wird vom elften Hirnnerv gesteuert, mit Empfindungsfasern aus C3 und C4 — nicht aus C7, obwohl er am Dornfortsatz von C7 entspringt. Herkunft und Versorgung eines Muskels sind zwei verschiedene Angaben. Der M. rhomboideus wird vom N. dorsalis scapulae aus C5 versorgt. Beide Muskeln sind bei Nackenbeschwerden regelmäßig verspannt, gehören aber nicht zum Segment C7.

3.3 Autochthone Rückenmuskeln

Die eigene Muskulatur des Rückens wird ausschließlich über die hinteren Äste versorgt. Auf Höhe C7 sind das vor allem:

  • Mm. multifidi und rotatores — kurze, schräg verlaufende Muskeln zwischen benachbarten Wirbeln. Sie sichern das einzelne Segment und melden dessen Stellung.
  • M. semispinalis cervicis und capitis — überspringen mehrere Wirbel und richten die Halswirbelsäule auf.
  • M. splenius cervicis — entspringt an den Dornfortsätzen der oberen Brustwirbelsäule, dreht und streckt den Hals.
  • M. longissimus und M. iliocostalis cervicis — seitliche Aufrichter, verbinden Brust- und Halswirbelsäule.

Diese Muskeln arbeiten in kurzen Hebeln. Ihre Aufgabe ist Halten und Melden, nicht Kraftentfaltung. Bei anhaltendem Nackenschmerz sind Veränderungen der tiefen Segmentmuskulatur in bildgebenden Untersuchungen beschrieben — als Begleitbefund, nicht als nachgewiesene Ursache. Für die Abgrenzung sind sie wichtig: Ihre Nervenäste zweigen vor dem Armgeflecht ab (siehe Tabelle 6.2).

3.4 Triggerpunkte — was gesichert ist und was nicht

Umschriebene, druckschmerzhafte Verhärtungen im Muskel sind tastbar und werden von Betroffenen zuverlässig wiedererkannt. Die zugehörigen Ausstrahlungskarten stammen überwiegend aus dem Standardwerk von Travell und Simons.

  • M. triceps brachii: Ausstrahlung zur Armrückseite, zum äußeren Ellenbogen und gelegentlich bis in den Ring- und Mittelfinger.
  • M. latissimus dorsi: Ausstrahlung unter das Schulterblatt und an der Armrückseite abwärts — ein Muster, das einer Wurzelreizung C7 ähnelt.
  • M. serratus posterior superior: tiefer Schmerz unter dem Schulterblatt mit Ausstrahlung zur Armrückseite.
  • M. scalenus: Ausstrahlung über Brustkorb, Schulterblattrand und Arm — dem radikulären Muster täuschend ähnlich.

Einordnung. Die Ausstrahlungsmuster sind klinisch brauchbar. Die Übereinstimmung verschiedener Untersucher beim Auffinden einzelner Punkte ist jedoch nur mäßig, und die zugrunde gelegte Entstehungstheorie ist nicht abschließend belegt. [H] Ein Triggerpunktbefund ersetzt deshalb die neurologische Untersuchung nicht — er ergänzt sie. Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal bleibt: Muskelschmerz verändert Reflexe und Kraft nicht.

Kapitel 04

Vegetative Bezüge

4.1 Wo der Sympathikus entspringt

Die Zellkörper des Sympathikus liegen im Seitenhorn des Rückenmarks — und dieses Seitenhorn beginnt erst bei Th1. Im Halsmark gibt es keine sympathischen Ursprungszellen. Die Fasern für Kopf, Hals und Arm steigen aus den Segmenten Th1 bis etwa Th5 im Grenzstrang aufwärts und werden erst in den Halsganglien umgeschaltet.

Die Angabe „Th1 bis etwa Th5“ ist eine von mehreren. Andere Werke nennen Th2 bis Th8 oder Th3 bis Th6. Übereinstimmend ist nur, dass die Fasern aus Brustsegmenten stammen und über den Grenzstrang aufsteigen. [I]

Korrektur eines verbreiteten Fehlers. In vielen Segmenttabellen erscheint bei C7 ein Abschnitt „Nervi splanchnici“. Das ist anatomisch nicht möglich. Die Eingeweidenerven entspringen aus dem Brust-, Lenden- und Kreuzbeinmark. Ein Eingeweidenerv aus einem Halssegment existiert nicht — weder bei C7 noch bei einem anderen Halssegment. Damit entfällt auch die daraus abgeleitete Vorstellung, die Wurzel C7 steuere Durchblutung, Schweißbildung oder Hauttemperatur des Arms.

4.2 Das Ganglion cervicothoracicum

Auf Höhe C7 bis Th1 liegt, vor dem Querfortsatz von C7 und dem Hals der ersten Rippe, das untere Halsganglion. Es ist bei der Mehrzahl der Menschen mit dem obersten Brustganglion verschmolzen und heißt dann Ganglion stellatum. Von ihm ziehen Fasern zum Kopf, zum Arm und zum Herzen.

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Nachbarschaft und Zugehörigkeit. Das Ganglion liegt auf Höhe des Segments C7. Es gehört nicht zu ihm. Seine vorgeschalteten Fasern stammen aus dem oberen Brustmark, sein Weg führt am Grenzstrang entlang, nicht durch die Wurzel C7.

Klinische Bedeutung. Wird dieses Ganglion oder die zu ihm führende Faserbahn geschädigt, entsteht ein Horner-Syndrom: hängendes Oberlid, enge Pupille, verminderte Schweißbildung der betroffenen Gesichtshälfte. Ursachen sind unter anderem Verletzungen des unteren Armgeflechts, Eingriffe im Halsbereich und Tumoren der Lungenspitze. Ein neu aufgetretenes Horner-Syndrom ist kein Befund für die manuelle Behandlung, sondern ein Grund für rasche ärztliche Abklärung.

4.3 Was nicht belegt ist

Angaben, wonach eine Störung im Segment C7 Herzfrequenz, Atmung, Schilddrüsenfunktion, Sehkraft oder Hörvermögen beeinflusse, finden in der anatomischen und klinischen Fachliteratur keine Stütze. Für die Nervenversorgung dieser Organe sind andere Bahnen zuständig: Herz und Lunge über den Vagusnerv und die Brustsegmente Th1 bis Th5, die Schilddrüse über den Vagusnerv und den Halsgrenzstrang, das Zwerchfell über C3 bis C5, Auge und Ohr über Hirnnerven.

Ein beschriebenes Phänomen bleibt davon unberührt: Ein Wurzelschmerz aus der unteren Halswirbelsäule kann in den Brustkorb ausstrahlen und einer Herzenge ähneln. Die Denkrichtung ist dabei umgekehrt und für die Sicherheit entscheidend — Brustschmerz wird zuerst kardiologisch abgeklärt, erst danach kommt eine Wirbelsäulenursache in Betracht. [I]

Kapitel 05

Dermatom, Sklerotom und Reflexzonen

Dieser Abschnitt wird häufig unsauber dargestellt. Deshalb ist jede Aussage nach ihrer Belegdichte gekennzeichnet.

Beobachtung — anatomisch gesichert. [B]
Interpretation — klinisch plausibel, teilweise belegt. [I]
Hypothese — Modellannahme ohne belastbaren Nachweis. [H]

5.1 Dermatom

Das Hautgebiet der Wurzel C7 zieht als Band über die Rückseite von Oberarm und Unterarm bis zum Mittelfinger. Es liegt damit auf der Streckseite des Arms, zwischen dem daumenseitigen Gebiet von C6 und dem kleinfingerseitigen Gebiet von C8. [B]

Benachbarte Dermatome überlappen sich erheblich. Systematische Auswertungen der Originalarbeiten zeigen, dass die verbreiteten Dermatomkarten untereinander deutlich abweichen. Verlässlich ist nur der Kern des Gebiets, nicht die Grenze. Für C7 ist dieser Kern der Mittelfinger. [B]

WurzelKernzone der EmpfindungKennmuskelZugehöriger Reflex
C5äußere Schulter über dem DeltamuskelM. deltoideusBizepssehnenreflex
C6Daumen, angrenzend ZeigefingerM. biceps, M. brachioradialisRadiusperiostreflex
C7MittelfingerM. triceps brachiiTrizepssehnenreflex
C8Kleinfinger und ellenseitiger HandrandFingerbeuger, kleine Handmuskelnkein verwertbarer Eigenreflex
Die Kernzonen sind für die Untersuchung brauchbar. Angaben zu Grenzverläufen am Ober- und Unterarm sind es nicht.

Betroffene beschreiben die Missempfindung meist als Streifen und können ihn mit dem Finger nachziehen. Weicht die Angabe davon ab — etwa eine handschuhförmige Taubheit der ganzen Hand — spricht das gegen eine einzelne Wurzel. [I]

5.2 Sklerotom

Das Sklerotom umfasst die tiefen Gewebe eines Segments: Knochen, Knochenhaut, Bänder und Gelenkkapseln. Für C7 sind das die Kapseln der Wirbelgelenke C6/C7 und C7/Th1, der zugehörige Bandapparat und — über das Armgeflecht — die Knochenhaut an Schulterblatt, Oberarm und Elle. [B]

Der Schmerz aus diesen Geweben unterscheidet sich vom Hautschmerz. Er ist tief, dumpf, schlecht abgrenzbar. Betroffene zeigen ihn mit der ganzen Hand statt mit einem Finger. Er folgt keinem Streifen und endet meist am Ellenbogen. [I]

Für die Wirbelgelenke der Halswirbelsäule liegen experimentell gewonnene Schmerzkarten vor. Reizung des Gelenks C6/C7 erzeugt bei Gesunden Schmerz über dem Schulterblatt, unterhalb der Schulterblattgräte und in Richtung des oberen Schulterblattwinkels. Diese Karten folgen dem Dermatom nicht. Wer Gelenkschmerz nach der Dermatomkarte deutet, ordnet ihn falsch zu. [B]

Praktische Folge: Ein tiefer, dumpfer Schmerz zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule ist ein häufiges und gut erklärbares Zeichen einer Störung im Segment C6/C7 — er beweist aber keine Wurzelbeteiligung. Diese zeigt sich erst am Streifen zum Mittelfinger, am Reflex und an der Kraft. [I]

5.3 Reflexzonenmodelle im Vergleich

ModellGrundgedankeBezug zu C7Einordnung
Head-Zonen (Henry Head)Erkrankte innere Organe erzeugen Überempfindlichkeit in zugeordneten HautfeldernKein Organ ist C7 zugeordnet. Die Herz-Zonen liegen bei Th1–Th5, die Lungen-Zonen bei Th2–Th4Für C7 nicht definiert. Aussagen über eine „C7-Head-Zone“ sind Übertragungen ohne Grundlage [H]
Mackenzie-Zonen (James Mackenzie)Dasselbe Prinzip, jedoch auf die Muskulatur bezogen: reflektorische Anspannung bei OrganreizEbenfalls kein zugeordnetes Organ; die beschriebenen Zonen liegen im RumpfHistorisches Modell, für den Armbereich nicht ausgearbeitet [H]
Bindegewebszonen (Elisabeth Dicke)Tastbare Spannungs- und Einziehungszonen der UnterhautEine „Armzone“ über Schulterblatt und Oberarm wird beschriebenTraditionelles Befundmodell. Übereinstimmung verschiedener Untersucher gering [H]
McKenzie / MDT (Robin McKenzie)Einteilung nach Bewegungsrichtung; gesucht wird die Richtung, die den Schmerz aus dem Arm zur Mitte zurückholtRetraktion und Extension der unteren Halswirbelsäule als Testrichtungen bei ArmschmerzAnerkanntes Verfahren — arbeitet mit Richtungspräferenz, nicht mit „Zonen“ [I]
ZentralisierungWandert der Schmerz unter einer Bewegungsrichtung vom Arm zum Nacken zurück, gilt das als günstiges ZeichenBei zervikaler Wurzelreizung regelmäßig prüfbarAls Verlaufszeichen mehrfach untersucht und brauchbar [I]
Häufige Verwechslung: James Mackenzie (1853–1925) beschrieb reflektorische Muskelzonen bei Organerkrankungen. Robin McKenzie (1931–2013) entwickelte ein Untersuchungssystem nach Bewegungsrichtung. Beide Namen werden regelmäßig vermischt; sie haben inhaltlich nichts miteinander zu tun. Einen Begriff „McKenzie-Zonen“ gibt es in keinem der beiden Modelle.

Aussagen früherer Fassungen dieser Seite, wonach das Segment C7 über „Enterotome“, „Viszerotome“ oder „McKenzie-Zonen“ auf Herz, Lunge oder Speiseröhre wirke, sind ersatzlos entfallen. Für sie fehlt eine anatomische Grundlage. [H]

5.4 Erklärungswege über das Rückenmark

Dieser Abschnitt ordnet ein, auf welchem Weg ein Organreiz Haut, Unterhaut und Muskeln verändern kann. Belegt ist nur ein Teil davon.

Reize aus einem Organ können im Rückenmark sympathische Ursprungszellen erregen. Diese Zellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer Zellsäule im Seitenhorn, und nur in den Segmenten Th1 bis etwa L2. Das Segment C7 besitzt in der Regel keine. Die sympathischen Fasern für seine Haut stammen aus Brustsegmenten und erreichen den Spinalnerv über den Grenzstrang. [B]

Beim Menschen lässt sich das an der Hand zeigen: Wird der Grenzstrang im oberen Brustbereich in Höhe der dritten oder vierten Rippe unterbrochen, geht das übermäßige Schwitzen der Handflächen zurück. [B]

Dass sich Unterhaut und Muskeln im Übertragungsgebiet eines Organs messbar verändern, ist beim Menschen gezeigt. Bei Gallensteinen mit Koliken war die Unterhaut im Übertragungsgebiet dicker und der Muskel dünner als auf der Gegenseite. Ohne Koliken fanden sich diese Unterschiede nicht. [B]

Die Autoren dieser Untersuchung vermuten, dass Überempfindlichkeit und Gewebeveränderung auf verschiedenen Wegen entstehen. [I]

Auf welchem Weg die Veränderungen entstehen, ist beim Menschen nicht geklärt. Tierversuche nennen drei Kandidaten: gegabelte Empfindungsfasern, Verschaltungen zwischen Empfindungsfasern im Rückenmark und den sympathischen Reflex über das Seitenhorn. [B]

Gegabelte Empfindungsfaser. Bei Ratten sind Schmerzfasern nachgewiesen, die sich teilen und mit einem Ast die Haut, mit dem anderen ein Organ versorgen. Bei Entzündungen von Dickdarm, Blase oder Magen trat in der Haut Flüssigkeit aus. Im Dickdarmmodell reagierten diese Fasern verstärkt auf Hautreize. [B]

Hinterwurzelreflex. Hier läuft eine Erregung vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser. An deren Ende setzt sie Botenstoffe frei, die eine vom Nerv ausgelöste Schwellung und Rötung hervorrufen, eine neurogene Entzündung. Im Tierversuch erklärt dieser Reflex einen erheblichen Teil der Gelenkschwellung bei Arthritis und der Hautrötung nach Einspritzen von Capsaicin. [B]

Dass einer dieser beiden Wege die Zonen bei Organleiden erzeugt, ist nicht gezeigt. Beide setzen kein Seitenhorn voraus und kämen deshalb auch für C7 in Frage. [I]

Konvergenz im Hinterhorn. Fast alle Schaltzellen im Hinterhorn, die Eingänge aus den Eingeweiden erhalten, bekommen zugleich Eingänge aus Haut oder Muskeln. Eine Zellgruppe, die nur Eingeweidesignale verarbeitet, ist nicht nachgewiesen. Dieses Zusammenlaufen gilt seit Langem als Grundlage dafür, dass Organschmerz an der Körperoberfläche gespürt wird. [B]

Die Konvergenz erklärt die Überempfindlichkeit einer Zone, für sich allein aber keine tastbare Gewebeveränderung. Welcher der genannten Wege beim Menschen überwiegt, ist offen. [I]

Die Bindegewebsmassage erklärt ihre Zonen mit einer Reflexwirkung über das vegetative Nervensystem, also mit dem Weg über das Seitenhorn. Nachgewiesen ist diese Erklärung nicht, und ob die Tastbefunde nach Dicke den gemessenen Veränderungen entsprechen, ist offen. Für eine Zone im Bereich von C7 könnte der Weg über das Seitenhorn ohnehin nur über andere Segmente führen. [I]

Skelettmuskeln werden ausschließlich über die motorischen Vorderhornzellen erregt. Das vegetative Nervensystem, zu dem das Seitenhorn gehört, steuert Eingeweide, Gefäße und Drüsen, aber nicht die Skelettmuskeln. [B]

Ein zweites Modell führt Verspannungen der Körperwand bei Organreiz auf Reflexe über diese Vorderhornzellen zurück. Die Körperwand umfasst Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ. Tierversuche stützen das Modell; beim Menschen ist es nicht gesichert. [I]

Ob der Sympathikus die Muskelspannung beim Menschen unmittelbar verändert, ist ungeklärt. Im Tierversuch veränderte ein Sympathikusreiz die Empfindlichkeit der Muskelspindeln, der Längenfühler im Muskel. Beim Menschen blieb die Spindelentladung in einer Untersuchung unverändert; in einer anderen war der Dehnungsreflex verstärkt. Die Befunde widersprechen sich. [I]

Alle genannten Wege beschreiben die Richtung vom Organ zur Körperwand. Dass eine Behandlung von Haut oder Muskeln über diese Wege ein Organ beeinflusst, ist damit nicht belegt. [H]

Kapitel 06

Beschwerdebilder mit Bezug zu C7 und ihre Abgrenzung

6.1 Beschwerdebilder

BeschwerdebildLeitmerkmalAbzugrenzen von
Radikulopathie C7Nackenschmerz mit Ausstrahlung über die Armrückseite zum Mittelfinger; Schwäche der Ellenbogenstreckung; Trizepsreflex abgeschwächt; Entlastung, wenn der Arm über den Kopf gelegt wird [B]Radikulopathie C6 (Daumen, Beugeschwäche) und C8 (Kleinfinger, Handmuskeln) [B]
Gelenkbedingter Nacken-Arm-SchmerzTiefer Schmerz über und unter der Schulterblattgräte, endet meist am Ellenbogen; keine Reflex- oder Kraftminderung [B]Wurzelreizung (Streifen bis zur Hand, neurologische Zeichen)
Zervikale MyelopathieUngeschickte Hände, Knöpfen fällt schwer, unsicherer Gang, gesteigerte Reflexe an Armen und Beinen [B]Wurzelreizung (Reflexe abgeschwächt statt gesteigert) — siehe Kapitel 09
Neuralgische SchulteramyotrophiePlötzlicher, sehr heftiger Schulterschmerz über Tage, danach rasch eintretende Lähmung und Muskelschwund; keine Beziehung zur Kopfhaltung [B]Radikulopathie — hier ist die Reihenfolge Schmerz, dann Lähmung kennzeichnend
Druckschädigung des N. radialis am OberarmFallhand mit Taubheit am Handrücken, Ellenbogenstreckung und Trizepsreflex jedoch erhalten; Einwärtsdrehen des Unterarms kräftig [I]Radikulopathie C7, bei der Ellenbogenstreckung und oft auch das Einwärtsdrehen mitbetroffen sind
SupinatorlogensyndromSchwäche der Fingerstreckung ohne Taubheit; beim Strecken weicht das Handgelenk zur Speichenseite ab [I]Radikulopathie C7 (Gefühlsstörung, Reflexbefund)
Thoracic-Outlet-SyndromBelastungsabhängige Beschwerden bei erhobenem Arm, meist an Klein- und Ringfinger; ggf. Halsrippe im RöntgenbildRadikulopathie C7 (Mittelfinger, Trizepsreflex)
Akutes KoronarsyndromDruck oder Schmerz in Brust, Arm, Hals oder Kiefer, in Ruhe oder bei Belastung, unabhängig von Kopf- und Armhaltung; oft mit Luftnot, Übelkeit oder Schweiß [B]Ausstrahlender Wurzelschmerz — die Abklärung beginnt immer beim Herzen

Häufigkeit. In der am besten untersuchten Bevölkerungsstudie zur zervikalen Radikulopathie war die Wurzel C7 am häufigsten betroffen, gefolgt von C6. [B] Sekundärquellen geben für C7 knapp die Hälfte, für C6 etwa ein Fünftel der Fälle an; am Volltext sind die Zahlen nicht geprüft. [I] Der Verlauf war bei der Mehrzahl der Betroffenen ohne Operation günstig. [B] Die häufige Beteiligung von C7 passt zur mechanischen Belastung des Segments C6/C7, das gemeinsam mit C5/C6 die stärksten Verschleißzeichen zeigt. [I]

6.2 Streckschwäche oder tauber Mittelfinger — wo liegt der Ort?

Die Tabelle leitet aus den Faseranteilen in Kapitel 02 ab, welches Muster zu welchem Ort passt. Sie folgt der Regel: Eine Wurzel betrifft alle Gebiete mit ihrem Anteil, ein Nerv nur seine eigenen. Der Schlüssel ist das Einwärtsdrehen des Unterarms: Es gehört zum N. medianus, erhält aber Fasern aus C7. [I]

BefundWurzel C7N. radialis am OberarmTiefer Radialisast (Supinatorloge)Karpaltunnel
Ellenbogenstreckung (Trizeps)schwacherhaltenerhaltenerhalten
Trizepssehnenreflexabgeschwächterhaltenerhaltenerhalten
Einwärtsdrehen (M. pronator teres, N. medianus)oft schwacherhaltenerhaltenerhalten
Hand- und Fingerstreckungleicht schwach möglichdeutlich schwach (Fallhand)Fingerstreckung schwach, Handgelenk weicht zur Speichenseite aberhalten
GefühlMittelfinger, ArmrückseiteHandrücken speichenseitigkeine StörungDaumen bis halber Ringfinger, handflächenseitig
Nackenschmerz, Spurling-Testhäufigneinneinnein
Sensibles NervenaktionspotenzialerhaltenR. superficialis verminderterhaltenN. medianus verzögert oder vermindert
Denervierung der Nackenmuskeln in der Nadelmessungmöglichfehltfehltfehlt
Der Ast zum Trizeps verlässt den N. radialis oberhalb der Radialisrinne; deshalb bleibt die Ellenbogenstreckung bei einer Druckschädigung am Oberarm erhalten. Grundlage: Mumenthaler/Stöhr/Müller-Vahl; Preston/Shapiro [B].

Kapitel 07

Untersuchung

7.1 Sehen und Tasten

  • Höhenbestimmung: Der hervorstehende Dornfortsatz am Nackenübergang wird in Bewegung geprüft — C6 weicht beim Zurückneigen des Kopfes nach vorn aus, C7 kaum, Th1 gar nicht.
  • Wirbelgelenke: Etwa zwei Querfinger seitlich der Dornfortsatzreihe tastbar. Der Seitenvergleich ist aussagekräftiger als der Einzelbefund. [I]
  • Muskelrelief: Ein Seitenunterschied am Trizeps ist bei längerem Ausfall sichtbar. Er fällt weniger auf als eine Bizepsminderung und wird deshalb leicht übersehen. [I]
  • Schulterblattstand: Ein abstehender Innenrand kann auf eine Schwäche des M. serratus anterior hinweisen. Bei isolierter Wurzelschädigung C7 ist das selten, weil dieser Muskel auch aus C5 und C6 versorgt wird. [I]

7.2 Funktionsprüfungen

  • Kraftprüfung: Ellenbogenstreckung gegen Widerstand, dazu Einwärtsdrehen des Unterarms, Handgelenkbeugung und Fingerstreckung, jeweils im Seitenvergleich. Die Trennung von Beugung und Streckung des Ellenbogens trennt C6 von C7; das Einwärtsdrehen trennt C7 von einer Schädigung des N. radialis. [I]
  • Reflexe: Trizepssehnenreflex im Vergleich zu Bizeps- und Radiusperiostreflex. Beurteilt wird der Seitenunterschied, nicht die absolute Stärke. Gesteigerte statt abgeschwächte Reflexe weisen auf eine Rückenmarksbeteiligung hin.
  • Sensibilität: Berührung am Mittelfinger gegen Berührung am Daumen und am Kleinfinger. Der Vergleich innerhalb derselben Hand ist unempfindlicher gegenüber Störgrößen als der Seitenvergleich. [I]
  • Spurling-Test: Kopf zur betroffenen Seite geneigt, leicht gestreckt, vorsichtiger axialer Druck. Als auffällig gilt nur die Auslösung des bekannten Armschmerzes, nicht ein örtlicher Nackenschmerz. [B]
  • Entlastungszeichen: Legt die betroffene Person den Arm auf den Kopf und lässt der Schmerz nach, spricht das für einen Wurzelursprung. [B]
  • Nervendehnung: Aufbauende Spannungsprüfung des Arms mit Betonung des N. medianus. Der Test schließt eine Wurzelreizung bei unauffälligem Ergebnis weitgehend aus, beweist sie bei auffälligem Ergebnis aber nicht. [B]
  • Drehung im Sitzen: Ist die Kopfdrehung zur betroffenen Seite deutlich unter 60° eingeschränkt, erhöht das in der Zusammenschau die Wahrscheinlichkeit einer Wurzelbeteiligung. [B]

7.3 Aussagekraft der Befunde

Einzelne Tests sind schwach. Der Spurling-Test spricht bei positivem Ausfall stark für eine Wurzelreizung, schließt sie bei negativem Ausfall aber nicht aus. Erst die Kombination mehrerer Prüfungen — Nervendehnung, Spurling-Test, Zugentlastung und eingeschränkte Drehung — erreicht eine brauchbare Treffsicherheit. Diese Kombination ist in einer viel beachteten Arbeit untersucht worden und hat Eingang in die Untersuchungslehre gefunden. [B]

Zur Bildgebung. Bandscheibenvorwölbungen und Verschleißzeichen der Halswirbelsäule finden sich bei einem großen Teil beschwerdefreier Menschen, und ihr Anteil steigt mit dem Lebensalter. Ein Bildbefund allein erklärt deshalb keine Beschwerden. Er wird mit dem klinischen Muster abgeglichen — oder er bleibt ohne Folgen. [B]

Zur Elektrophysiologie. Bleibt offen, ob Wurzel oder N. radialis betroffen ist, trennt die Messung die Orte sicherer als jeder Handgriff (Tabelle 6.2). [B]

Kapitel 08

Behandlungsansätze

Der folgende Überblick beschreibt den Stand der Fachliteratur. Er ersetzt keine Untersuchung und keine ärztliche oder therapeutische Entscheidung im Einzelfall.

Gut belegt

  • Günstiger Spontanverlauf der zervikalen Radikulopathie bei der Mehrzahl der Betroffenen [B]
  • Aufklärung über Verlauf und Belastbarkeit; Vermeiden längerer Ruhigstellung [B]
  • Übungsbehandlung in Verbindung mit manueller Therapie bei Nacken-Arm-Beschwerden [B]
  • Kräftigung der tiefen Halsbeuger und der Schulterblattmuskulatur, über Wochen aufgebaut [B]
  • Suche nach einer entlastenden Bewegungsrichtung; Zugbehandlung als Ergänzung [B]
  • Regelmäßige Verlaufskontrolle von Kraft und Reflex, solange eine Schwäche besteht [I]

Umstritten oder unbelegt

  • Behauptete Fernwirkungen einer C7-Behandlung auf Herz, Lunge, Schilddrüse, Augen oder Ohren [H]
  • Behandlung des „Witwenbuckels“ als vermeintliche Segmentstörung [I]
  • Einmaliges „Einrenken“ mit dauerhafter Wirkung [I]
  • Bildgebung zur Vermessung einer „Fehlstellung“ ohne klinischen Anlass [I]
  • Zugbehandlung als alleinige Maßnahme [I]
  • Dauerhaftes Tragen einer Halskrause [I]

Wann eine Operation erwogen wird. Als Gründe für eine zeitnahe Vorstellung gelten in der Fachliteratur übereinstimmend eine zunehmende Lähmung, Zeichen einer Rückenmarksbeteiligung und ein trotz ausgeschöpfter nicht-operativer Behandlung über Monate bestehender, stark einschränkender Wurzelschmerz. Die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit der betroffenen Person.

Kapitel 09

Warnzeichen — wann Behandlung unterbleibt

Sofortige ärztliche Abklärung, keine manuelle Behandlung:

  • Zunehmende Lähmung oder rasch fortschreitender Kraftverlust am Arm
  • Zeichen einer Rückenmarksbeteiligung: unsicherer Gang, ungeschickte Hände, gesteigerte Reflexe, Störung der Blasenfunktion
  • Beschwerden an beiden Armen oder zusätzlich an den Beinen
  • Druck oder Schmerz in Brust, Arm, Hals oder Kiefer mit Luftnot, Übelkeit oder Schweiß — Notruf 112
  • Neu aufgetretenes Horner-Syndrom: hängendes Lid mit enger Pupille
  • Plötzlicher, ungewohnt heftiger Nacken- oder Kopfschmerz, besonders mit Sprech-, Schluck- oder Sehstörung
  • Fieber, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust, Tumorerkrankung in der Vorgeschichte
  • Nackenschmerz nach Unfall oder Sturz
  • Ruhe- und Nachtschmerz, der sich durch keine Lagerung beeinflussen lässt

Erhöhte Vorsicht ist geboten bei: Osteoporose, rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew, bekannter Bindegewebserkrankung, Zustand nach Halswirbelsäulenverletzung, Blutgerinnungsstörung oder gerinnungshemmender Behandlung sowie bei bekannter Gefäßerkrankung. Brustschmerz mit Ausstrahlung in den Arm wird zuerst kardiologisch abgeklärt, auch wenn ein Wirbelsäulenbefund vorliegt.

Kapitel 10

Häufige Fragen

Warum betrifft ein Bandscheibenvorfall C6/C7 die Wurzel C7?

Weil die Halswirbelsäule acht Nervenpaare bei sieben Wirbeln besitzt. Jeder Halsnerv tritt oberhalb des gleichnamigen Wirbels aus. Die Bandscheibe zwischen C6 und C7 liegt damit unmittelbar vor der Wurzel C7. Die Höhenangabe des Bildbefundes und die Wurzelbezeichnung sind zwei verschiedene Angaben.

Mein Mittelfinger ist taub — Wurzel oder Karpaltunnel?

Beide sind möglich, denn die Fasern für den Mittelfinger stammen überwiegend aus C7 und laufen später im Mittelarmnerv. Drei Merkmale helfen: Beginnt der Schmerz am Nacken und zieht als Streifen über die Armrückseite abwärts, spricht das für die Wurzel. Treten die Beschwerden nachts auf und bessern sich durch Schütteln der Hand, spricht das für den Karpaltunnel. Ist der Trizepsreflex seitenungleich abgeschwächt oder die Ellenbogenstreckung schwächer, spricht das für die Wurzel — der Karpaltunnel beeinflusst weder das eine noch das andere. Die Unterscheidung gehört in eine Untersuchung, nicht in eine Selbsteinschätzung.

Die Hand hängt herab — Wurzel C7 oder Speichennerv?

Entscheidend sind Ellenbogenstreckung und Einwärtsdrehen des Unterarms. Bei einer Druckschädigung des Speichennervs am Oberarm bleiben beide kräftig, und der Trizepsreflex ist erhalten. Bei einer Wurzelschädigung C7 sind sie häufig mitbetroffen. Eine ausgeprägte Fallhand spricht eher für den Nerv, weil eine einzelne Wurzel selten einen Muskel vollständig lähmt. Siehe Tabelle 6.2.

Was bedeutet ein fehlender Trizepsreflex?

Für sich genommen wenig. Beurteilt wird immer der Seitenunterschied, nicht die absolute Stärke; bei manchen Menschen sind Reflexe grundsätzlich schwach auslösbar. Aussagekräftig wird der Befund erst im Zusammenhang: seitenungleich abgeschwächter Trizepsreflex, schwächere Ellenbogenstreckung und Missempfindung am Mittelfinger ergeben zusammen ein Muster. Umgekehrt gilt: Gesteigerte Reflexe an Armen und Beinen weisen nicht auf die Wurzel, sondern auf eine Beteiligung des Rückenmarks und gehören zeitnah abgeklärt.

Im Röntgenbild wurde eine Halsrippe gefunden. Muss die entfernt werden?

In aller Regel nicht. Die große Mehrheit der Menschen mit einer Halsrippe hat keinerlei Beschwerden; der Befund wird meist zufällig entdeckt. Erst wenn belastungsabhängige Beschwerden bestehen, die zum betroffenen Bereich passen — meist Klein- und Ringfinger — und andere Ursachen ausgeschlossen sind, wird über eine Behandlung nachgedacht. Diese beginnt nicht mit einem Eingriff. Die Entscheidung gehört in fachärztliche Hand.

Ist der hervorstehende Wirbel am Nacken ein schlechtes Zeichen?

Nein. Der Dornfortsatz von C7 ist der längste der Halswirbelsäule und steht bei den meisten Menschen sichtbar hervor — daher der Name Vertebra prominens. Das ist normale Anatomie. Ein Buckel am Nackenübergang beruht meist auf einer Fettpolsterung und einer verstärkten Krümmung der oberen Brustwirbelsäule. Beides ist kein Zeichen einer Schädigung des Segments C7 und keine Begründung für eine Behandlung dieses Segments.

Kann das Segment C7 Herzbeschwerden oder Schilddrüsenprobleme auslösen?

Eine Steuerung von Herz oder Schilddrüse durch C7 gibt es nicht; zuständig sind der Vagusnerv und der Halsgrenzstrang mit Fasern aus dem oberen Brustmark. Beschrieben ist allerdings, dass ein Wurzelschmerz der unteren Halswirbelsäule in den Brustkorb ausstrahlen und einer Herzenge ähneln kann. Deshalb gilt die feste Reihenfolge: Brustschmerz wird zuerst kardiologisch abgeklärt. Erst wenn das Herz ausgeschlossen ist, kommt die Wirbelsäule als Erklärung in Betracht.

Wie lange dauert eine Wurzelreizung C7?

Der Verlauf ist bei der Mehrzahl der Betroffenen ohne Operation günstig; die Besserung erstreckt sich typischerweise über Wochen bis Monate. Eine Restmissempfindung am Mittelfinger kann länger bestehen bleiben, auch wenn Schmerz und Kraft sich bereits erholt haben. Eine zunehmende Schwäche ist die Ausnahme von der abwartenden Haltung — sie gehört umgehend abgeklärt.

Was ist der Unterschied zwischen Kennmuskel, Dermatom und Sklerotom?

Drei Zugänge zum selben Segment. Der Kennmuskel prüft die Bewegungsfasern, das Dermatom die Hautfasern, das Sklerotom die Fasern aus Knochen, Bändern und Gelenkkapseln. Ihre Gebiete decken sich nicht: Der Kennmuskel liegt am Oberarm, das Dermatom endet am Mittelfinger, der Sklerotomschmerz sitzt tief unter dem Schulterblatt. Wer nur eines davon prüft, sieht ein Drittel des Segments.

Kapitel 11

Grundlage und Quellen

Verwendet wurden ausschließlich belegte Fachquellen: Standardwerke der Anatomie und der klinischen Neurologie, Originalarbeiten aus begutachteten Fachzeitschriften und Leitlinien der Fachgesellschaften. Populäre Darstellungen, Webportale, Anbieterseiten und unbelegte Sekundärquellen sind nicht herangezogen worden. Aussagen, die in den verwendeten Werken keine Deckung finden, sind im Text als Interpretation [I] oder als Hypothese [H] gekennzeichnet.

11.1 Anatomie und Biomechanik

  • Schünke M, Schulte E, Schumacher U: Prometheus. LernAtlas der Anatomie — Bände „Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ sowie „Kopf, Hals und Neuroanatomie“. Thieme.
  • Bogduk N, Mercer S: Biomechanics of the cervical spine. I: Normal kinematics. Clinical Biomechanics, 2000. — Grundlage der Bewegungsumfänge in Abschnitt 1.4.
  • Bogduk N: The anatomy and pathophysiology of neck pain. Physical Medicine and Rehabilitation Clinics of North America, 2011.

Nicht eingesehen: Standring S (Hrsg.): Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevier. Frühere Fassungen dieser Seite führten das Werk als Grundlage. Für die Bearbeitung lag es nicht vor (siehe Abschnitt 11.5). Keine Aussage dieser Seite stützt sich deshalb darauf.

11.2 Klinik, Untersuchung, Häufigkeit

  • Mumenthaler M, Stöhr M, Müller-Vahl H: Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome. Thieme.
  • Preston DC, Shapiro BE: Electromyography and Neuromuscular Disorders. Clinical–Electrophysiologic Correlations. Elsevier. — Grundlage der Messbefunde in Tabelle 6.2.
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: S2k-Leitlinie Zervikale Radikulopathie, AWMF-Registernummer 030/082, Fassung 2017. Nach Verlängerung gültig bis 5. November 2022, seither abgelaufen. Eine Neufassung wurde im Register nicht gefunden.
  • Radhakrishnan K, Litchy WJ, O’Fallon WM, Kurland LT: Epidemiology of cervical radiculopathy. Brain 1994;117(Pt 2):325–335. — Grundlage der Rangfolge und des Verlaufs in Kapitel 06.
  • Wainner RS et al.: Reliability and diagnostic accuracy of the clinical examination and patient self-report measures for cervical radiculopathy. Spine 2003;28(1):52–62. — Grundlage der Testkombination in Abschnitt 7.2 und 7.3.
  • Davidson RI, Dunn EJ, Metzmaker JN: The shoulder abduction test in the diagnosis of radicular pain in cervical extradural compressive monoradiculopathies. Spine 1981;6(5):441–446. — Grundlage des Entlastungszeichens.
  • Byrne RA, Rossello X, Coughlan JJ et al.: 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes. Eur Heart J 2023;44(38):3720–3826. — Grundlage der Zeile zum akuten Koronarsyndrom.
  • van Alfen N, van Engelen BGM: The clinical spectrum of neuralgic amyotrophy in 246 cases. Brain 2006;129(2):438–450.
  • Fehlings MG, Tetreault LA, Riew KD et al.: A clinical practice guideline for the management of patients with degenerative cervical myelopathy. Global Spine J 2017;7(3 Suppl):70S–83S. — Leitzeichen der Myelopathie.
  • Blanpied PR, Gross AR, Elliott JM et al.: Neck Pain: Revision 2017. Clinical Practice Guidelines. J Orthop Sports Phys Ther 2017;47(7):A1–A83. — Grundlage der Angaben in Kapitel 08.

11.3 Dermatom- und Schmerzkarten, Bildgebung

  • Lee MWL, McPhee RW, Stringer MD: An evidence-based approach to human dermatomes. Clinical Anatomy, 2008. — Grundlage der Aussage zur Unschärfe der Dermatomgrenzen.
  • Dwyer A, Aprill C, Bogduk N: Cervical zygapophyseal joint pain patterns. Spine, 1990 (Teil I und II). — Grundlage der Gelenkschmerzkarten in Abschnitt 5.2.
  • Boden SD et al.: Abnormal magnetic-resonance scans of the cervical spine in asymptomatic subjects. Journal of Bone and Joint Surgery, 1990.
  • Nakashima H et al.: Abnormal findings on magnetic resonance images of the cervical spines in 1211 asymptomatic subjects. Spine, 2015.

11.4 Eingeschränkt verwendete und nicht verwendete Quellen

  • Eingeschränkt: Simons DG, Travell JG, Simons LS: Myofascial Pain and Dysfunction. The Trigger Point Manual. — als Herkunft der Ausstrahlungskarten in Abschnitt 3.4 genannt, mit dem Vermerk zur begrenzten Untersucherübereinstimmung.
  • Eingeschränkt: Historische Zonenmodelle nach Head, Mackenzie und Dicke — ausschließlich als [H] gekennzeichnet und ohne Ableitung von Aussagen.
  • Nicht verwendet: Segmenttabellen ohne Belegangabe, Organzuordnungskarten aus dem populären Schrifttum, Anbieter- und Forenseiten. Die Angaben der Vorfassung zu Organwirkungen, Eingeweidenerven, Enterotomen und „McKenzie-Zonen“ des Segments C7 stammen aus dieser Gruppe und sind entfallen.

11.5 Quellen und Änderungsvermerk zu den neuen Abschnitten

Quellen zu Abschnitt 5.4

  • Jänig W: Spinal cord integration of visceral sensory systems and sympathetic nervous system reflexes. Prog Brain Res 1986;67:255–277. — Grundlage des Reflexwegs von den Eingeweidefasern zu den sympathischen Ursprungszellen.
  • Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aussage, dass das vegetative Nervensystem alle Körperteile außer der Skelettmuskulatur steuert.
  • Stifani N: Motor neurons and the generation of spinal motor neuron diversity. Front Cell Neurosci 2014;8:293. — Grundlage der Aufgabenteilung zwischen motorischen Vorderhornzellen (Skelettmuskel) und vegetativen Ursprungszellen (glatte Muskulatur, Drüsen).
  • Cerfolio RJ, De Campos JRM, Bryant AS, Connery CP, Miller DL, DeCamp MM, McKenna RJ, Krasna MJ: The Society of Thoracic Surgeons expert consensus for the surgical treatment of hyperhidrosis. Ann Thorac Surg 2011;91:1642–1648. — Grundlage der Angabe zur Unterbrechung des Grenzstrangs bei Handschweiß.
  • Giamberardino MA, Affaitati G, Lerza R, Lapenna D, Costantini R, Vecchiet L: Relationship between pain symptoms and referred sensory and trophic changes in patients with gallbladder pathology. Pain 2005;114:239–249. — Messung von Unterhaut- und Muskeldicke im Übertragungsgebiet beim Menschen.
  • Wesselmann U, Lai J: Mechanisms of referred visceral pain: uterine inflammation in the adult virgin rat results in neurogenic plasma extravasation in the skin. Pain 1997;73:309–317. — Tierbefund zu Hautveränderungen im Übertragungsgebiet und den drei möglichen Entstehungswegen.
  • Fang Y, Han S, Li X, Xie Y, Zhu B, Gao X, Ma C: Cutaneous hypersensitivity as an indicator of visceral inflammation via C-nociceptor axon bifurcation. Neurosci Bull 2021;37:45–54. — Tierbefund zu gegabelten Schmerzfasern zwischen Organ und Haut sowie zur Konvergenz im Hinterhorn.
  • Willis WD Jr: Dorsal root potentials and dorsal root reflexes: a double-edged sword. Exp Brain Res 1999;124:395–421. — Übersicht zum Hinterwurzelreflex und zur neurogenen Entzündung.
  • Holey LA, Dixon J: Connective tissue manipulation: a review of theory and clinical evidence. J Bodyw Mov Ther 2014;18(1):112–118. — Grundlage der Einordnung der Bindegewebsmassage als Erklärungsmodell.
  • Giamberardino MA: Referred muscle pain/hyperalgesia and central sensitisation. J Rehabil Med 2003;Suppl 41:85–88. — Grundlage des Modells der Reflexe zur Muskulatur.
  • Roatta S, Windhorst U, Ljubisavljevic M, Johansson H, Passatore M: Sympathetic modulation of muscle spindle afferent sensitivity to stretch in rabbit jaw closing muscles. J Physiol 2002;540:237–248. — Tierbefund zur Muskelspindel.
  • Macefield VG, Sverrisdottir YB, Wallin BG: Resting discharge of human muscle spindles is not modulated by increases in sympathetic drive. J Physiol 2003;551:1005–1011. — Befund am Menschen ohne Spindelveränderung.
  • Hjortskov N, Skotte J, Hye-Knudsen C, Fallentin N: Sympathetic outflow enhances the stretch reflex response in the relaxed soleus muscle in humans. J Appl Physiol 2005;98:1366–1370. — Befund am Menschen mit verstärktem Dehnungsreflex.

Offene Lücken

  • Welche Ursprungssegmente die Haut von Arm und Bein sympathisch versorgen, geben Fachwerke unterschiedlich an. Die Seite nennt deshalb keinen Zahlenbereich. Gray’s Anatomy stand für diese Bearbeitung nicht zur Verfügung. Die Seite bleibt deshalb bei der zahlenfreien Angabe, bis das Werk eingesehen ist.
  • Von Fang et al. 2021 und Willis 1999 wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen.
  • Eine Untersuchung, die beim Menschen den Entstehungsweg der Veränderungen im Übertragungsgebiet klärt, wurde nicht gefunden. Ebenso wurde keine Untersuchung gefunden, die Tastbefunde nach Dicke mit gemessenen Gewebedicken vergleicht.
  • Die Kapitel 01 bis 04 tragen bisher nur vereinzelt Belegkennzeichen. Den Werken aus 11.1 bis 11.3 sind sie noch nicht einzeln zugeordnet.
  • Die Prozentangaben zur Häufigkeit in Kapitel 06 stammen aus Sekundärangaben; am Volltext von Radhakrishnan 1994 sind sie nicht geprüft.
  • Tabelle 6.2 ist aus den Faseranteilen abgeleitet. Die Seitenzahlen der Grundlagenwerke wurden nicht eingesehen.

Fachbegriffe

  • Hinterhorn — Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen.
  • Nucleus intermediolateralis — Zellsäule im Seitenhorn mit den sympathischen Ursprungszellen, Th1 bis etwa L2.
  • Gegabelte Empfindungsfaser — Nervenfaser, die mit zwei Ästen Organ und Haut zugleich versorgt.
  • Hinterwurzelreflex — Erregung, die vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser zur Haut läuft.
  • Neurogene Entzündung — Schwellung und Rötung durch Botenstoffe aus Nervenenden.
  • Konvergenz — Zusammenlaufen von Fasern aus Organ und Körperoberfläche auf dieselbe Schaltzelle.
  • Vorderhornzellen — Nervenzellen im Vorderhorn, die die Skelettmuskeln erregen.
  • Körperwand — Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ.
  • Muskelspindel — Fühler im Muskel, der die Muskellänge misst.
  • Dehnungsreflex — Muskelzuckung auf plötzliche Dehnung, etwa beim Sehnenklopfen.
  • Sensibles Nervenaktionspotenzial — messbare Antwort eines Empfindungsnervs auf einen elektrischen Reiz.
  • Denervierung — Zeichen eines Muskels, der seine Nervenversorgung verloren hat, in der Nadelmessung sichtbar.
  • Fallhand — herabhängende Hand bei Schwäche der Hand- und Fingerstrecker.
  • Akutes Koronarsyndrom — akute Durchblutungsstörung des Herzmuskels, etwa ein Herzinfarkt.

Änderungsvermerk

  • Fassung V 0.7: Arbeitsvermerke in Kapitel 11 als Feststellungen für Lesende gefasst: „Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus“ und ähnliche Sätze gestrichen oder umformuliert; was nicht am Volltext geprüft ist, steht jetzt als Befund da.
  • Warum: Interne Arbeitsvermerke schwächen die Glaubwürdigkeit einer öffentlichen Seite (Liste vom 8. Oktober 2026).
  • Ersetzt: V 0.6.
  • Fassung V 0.6: Abschnitt „Lesart dieser Seite“ am Seitenende und Hinweis darauf am Seitenanfang neu.
  • Warum: Reihenregel „Lesart am Seitenende“; Korrekturliste, Prüfung vom 8. Oktober 2026.
  • Ersetzt: V 0.5. V 0.5 wurde nicht eingespielt; online stand bis dahin V 0.4.
  • Fassung V 0.5: Konvergenzsatz in 5.4 berichtigt; Gray’s Anatomy als nicht eingesehen ausgewiesen; AWMF-Leitlinie mit Ablaufdatum; Häufigkeitszahlen als Sekundärangabe gekennzeichnet; Kapitel 06 um Supinatorlogensyndrom, akutes Koronarsyndrom und Tabelle 6.2 erweitert; Einwärtsdrehen als Unterscheidungsprüfung in 7.2 ergänzt; Belegkennzeichen in Kapitel 06 bis 08 ergänzt.
  • Warum: Korrekturliste vom 3. Oktober 2026; Leitziel Differenzialdiagnostik.
  • Ersetzt: V 0.4.
  • Fassung V 0.4: Abschnitt 5.4 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu. Ersetzt: V 0.3.

Verwandte Segmente

Segment C5 · Segment C6 · Segment C8 · Nervus radialis · Nervus medianus

Hinweis. Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen. Bei zunehmender Schwäche, Gefühlsstörungen an beiden Armen oder Zeichen einer Rückenmarksbeteiligung ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.

Lesart dieser Seite

Diese Seite ist ein Fachtext: mit Kürzeln, mit Messwerten und mit benannter Quelle je Aussage. Eine gekennzeichnete Aussage trägt ihr Kennzeichen am Ende. [B] steht für eine Beobachtung, die anatomisch oder durch Studien gesichert ist. [I] steht für eine Interpretation, die klinisch plausibel und teilweise belegt ist. [H] steht für eine Hypothese oder ein geschichtliches Modell ohne belastbaren Nachweis.

In Tabellen steht das Kennzeichen in der letzten Zelle einer Zeile und gilt für die ganze Zeile. Rohwert und Deutung stehen getrennt: Messwerte in den Tabellen, die Einordnung im Fließtext. Ein Absatz ohne Kennzeichen ist ein Hinweis zur Darstellung oder zum Vorgehen, keine Sachaussage.

Ausnahme: Vollständig gekennzeichnet sind die Kapitel 05 bis 08. In den Kapiteln 01 bis 04 sind bisher nur einzelne Aussagen gekennzeichnet, in den Kapiteln 09 und 10 noch keine. Dort ist ein Absatz ohne Kennzeichen noch nicht eingeordnet.

Segment C7 · V 0.7 · Stand: Oktober 2026. Geändert: interne Arbeitsvermerke in Kapitel 11 als Feststellungen gefasst. Warum: Glaubwürdigkeit der öffentlichen Seite. Ersetzt: V 0.6 derselben Seite.