Das Segment L3 liegt in der Mitte der Lendenwirbelsäule. Sein Spinalnerv verlässt den Wirbelkanal zwischen dem dritten und dem vierten Lendenwirbel. Die Leitbeschwerden der Wurzel L3 sind Rückenschmerz mit Ausstrahlung über die Vorderseite des Oberschenkels bis zum Knie, Schwäche beim Kniestrecken, beim Hüftbeugen und beim Zusammenführen der Beine sowie ein abgeschwächter Kniesehnenreflex. Nicht selten steht der Knieschmerz so im Vordergrund, dass zuerst an das Kniegelenk gedacht wird.
Inhalt
Auf einen Blick
- Austritt: Der Spinalnerv L3 verlässt den Wirbelkanal durch das Zwischenwirbelloch L3/L4 — an der Lendenwirbelsäule tritt jeder Nerv unterhalb seines gleichnamigen Wirbels aus. Das ist die Umkehrung der Halswirbelsäulenregel.
- Kein Rückenmark auf dieser Höhe: Das Rückenmark endet beim Erwachsenen etwa in Höhe L1/L2. Hinter dem Wirbel L3 liegt nur noch die Cauda equina. Das Rückenmarkssegment L3 liegt weit höher, hinter den Wirbeln Th11 und Th12.
- Kennmuskeln: Kniestrecker (M. quadriceps femoris), Hüftbeuger (M. iliopsoas) und die Adduktorengruppe. Die Kombination aus allen dreien ist das, was L3 von den Nachbarsegmenten unterscheidet.
- Reflexe: Der Kniesehnenreflex (PSR) ist abgeschwächt, wird aber überwiegend von L4 getragen. Näher an L3 liegt der Adduktorenreflex. Beide sind nur im Seitenvergleich verwertbar.
- Dermatom: Vorderseite des Oberschenkels, schräg nach innen unten ziehend, bis zur Innenseite des Knies. Verlässlich ist der knienahe innere Anteil.
- Dehnungstest: Nicht der Lasègue-Test, sondern der Femoralis-Dehnungstest in Bauchlage („umgekehrter Lasègue“). Der klassische Lasègue prüft L5 und S1 und ist bei L3 meist unauffällig.
- Nicht „Lumboischialgie“: L3 hat keinen Anteil am Ischiasnerv. Der Schmerz zieht nach vorn, nicht nach hinten. Der zutreffende Begriff ist Lumbofemoralgie.
- Häufigkeit: Selten. Bandscheibenvorfälle der oberen Lendenwirbelsäule machen nur einen kleinen Teil aller lumbalen Vorfälle aus, treffen aber überdurchschnittlich häufig ältere Menschen.
- Kein zugeordnetes Organ: Aussagen, das Segment L3 steuere Niere, Blase, Darm oder Geschlechtsorgane, sind nicht belegt. Blasen- und Mastdarmstörungen sind kein L3-Zeichen, sondern ein Warnzeichen für eine Cauda-equina-Schädigung.
Kapitel 01
Anatomie des Segments L3
1.1 Drei Bedeutungen von „L3″
Der Ausdruck „L3″ steht für drei verschiedene Dinge, die an der Lendenwirbelsäule weiter auseinanderliegen als an der Halswirbelsäule. Wer sie verwechselt, sucht den Befund an der falschen Stelle.
- Der Wirbel L3 — der dritte Lendenwirbel. Er ist tastbar, in der Bildgebung eindeutig zu benennen und der Bezugspunkt jeder Höhenangabe.
- Das Rückenmarkssegment L3 — der Abschnitt des Rückenmarks, aus dem die Wurzelfäden des dritten Lendennervs hervorgehen. Es liegt nicht in Höhe des Wirbels L3, sondern etwa vier Etagen höher, hinter den Wirbelkörpern Th11 und Th12. [B]
- Der Spinalnerv L3 — er entsteht im Zwischenwirbelloch zwischen L3 und L4 und ist die klinisch entscheidende Größe. Alles, was über „L3-Beschwerden“ gesagt wird, betrifft ihn.
Warum das hier stärker auseinanderfällt als am Hals. Das Rückenmark wächst in der Kindheit langsamer in die Länge als die Wirbelsäule. Es endet beim Erwachsenen mit dem Conus medullaris in Höhe der Bandscheibe L1/L2, bei manchen Menschen etwas höher oder tiefer. Unterhalb davon füllt nur noch die Cauda equina den Wirbelkanal — ein Bündel absteigender Wurzeln. Hinter dem Wirbel L3 gibt es kein Rückenmark mehr. Aus demselben Grund wird die Lumbalpunktion in der Regel im Zwischenraum L3/L4 oder L4/L5 gesetzt.
Praktisch folgt daraus: Eine Aussage über „das Seitenhorn des Rückenmarks im Segment L3″ beschreibt einen Ort im unteren Brustmark, nicht im Lendenwirbelbereich. Und eine Raumforderung hinter dem Wirbel L3 trifft nicht das Rückenmark, sondern mehrere Wurzeln der Cauda equina gleichzeitig — mit einem entsprechend anderen Beschwerdebild (siehe Kapitel 09).
1.2 Die Zählregel — an der Lendenwirbelsäule andersherum
An der Halswirbelsäule verlässt jeder Nerv den Kanal oberhalb des gleichnamigen Wirbels. Ab Th1 kehrt sich das um: Jeder Nerv tritt unterhalb seines gleichnamigen Wirbels aus. Der Spinalnerv L3 verlässt den Kanal daher durch das Foramen L3/L4.
Die zweite, wichtigere Regel: An der Lendenwirbelsäule lässt sich von der Etage nicht unmittelbar auf die Wurzel schließen. Denn im Wirbelkanal laufen auf jeder Höhe zwei Wurzeln nebeneinander: die austretende Wurzel, die gerade das Foramen erreicht, und die durchziehende Wurzel, die eine Etage tiefer austreten wird. Welche von beiden getroffen wird, hängt davon ab, wo im Querschnitt die Bandscheibe vorfällt.
| Ort des Vorfalls | Getroffene Wurzel | Erläuterung |
|---|---|---|
| Etage L2/L3, hinten-seitlich (paramedian) | L3 | Der häufigere Weg zu einem L3-Syndrom: getroffen wird die durchziehende Wurzel |
| Etage L3/L4, im Foramen oder außerhalb davon (foraminal, extraforaminal) | L3 | Der zweite Weg: getroffen wird die austretende Wurzel unmittelbar am Austritt |
| Etage L3/L4, hinten-seitlich (paramedian) | L4 | Der häufigste Vorfall dieser Etage — er trifft nicht L3 |
| Etage L4/L5, hinten-seitlich | L5 | Zum Vergleich: mit Abstand häufigste Etage |
| Etage L3/L4, breitbasig nach hinten (medial) | mehrere Wurzeln | Kann die Cauda equina bedrängen — siehe Kapitel 09 |
1.3 Der Wirbel L3 und sein Bewegungssegment
L3 ist der mittlere der fünf Lendenwirbel und liegt meist auf der Höhe des Bauchnabels. Sein Körper ist kräftig und quer-oval; nach kaudal nehmen Höhe und Fläche der Wirbelkörper noch zu, weil die Last zunimmt. Der Wirbelkanal hat auf dieser Höhe im Querschnitt eine dreieckige Form.
- Bandscheibe L3/L4 — Faserring aus schräg gekreuzten Kollagenlamellen, innen der Gallertkern. Der Faserring ist hinten-seitlich am dünnsten; dorthin gehen die meisten Vorfälle.
- Wirbelgelenke (Facettengelenke) — an der Lendenwirbelsäule stehen die Gelenkflächen weitgehend sagittal, also längs. Das erlaubt viel Beugen und Strecken, aber sehr wenig Drehung. Nach kaudal werden sie zunehmend schräger gestellt.
- Zwischenwirbelloch L3/L4 — begrenzt von den Bogenwurzeln oben und unten, der Bandscheibe vorn und dem Wirbelgelenk hinten. Die Wurzel L3 nimmt darin nur einen kleinen Teil des Querschnitts ein; der Rest ist Fett und Venengeflecht.
- Bänder — vorderes und hinteres Längsband, Ligamenta flava zwischen den Wirbelbögen, dazu die Bänder zwischen Quer- und Dornfortsätzen. Das Lig. flavum kann im Alter verdicken und den Kanal von hinten einengen.
1.4 Beweglichkeit des Segments L3/L4
Messungen mit biplanarer Röntgentechnik an gesunden Erwachsenen ergaben für die Etage L3/L4 Größenordnungen von etwa 15° Beugen und Strecken zusammengenommen, rund 8° Seitneigung zu jeder Seite und etwa 2° Drehung. [B] Die Drehung ist damit der bei weitem kleinste Anteil — die sagittal stehenden Wirbelgelenke verriegeln sie.
Die Streuung zwischen einzelnen Menschen ist erheblich. Einzelwerte aus solchen Untersuchungen taugen deshalb als Größenordnung, nicht als Sollwert für eine Person. Aus einer gemessenen Abweichung allein lässt sich keine Behandlungsbedürftigkeit ableiten.
| Bewegungsrichtung | Größenordnung L3/L4 | Bemerkung |
|---|---|---|
| Beugen und Strecken (Sagittalebene) | etwa 15° | größter Anteil; nimmt nach kaudal weiter zu |
| Seitneigung (Frontalebene) | etwa 8° je Seite | im mittleren Lendenbereich am größten |
| Drehung (Transversalebene) | etwa 2° je Seite | durch die Gelenkstellung stark begrenzt |
1.5 Zu viel und zu wenig Bewegung
Die Begriffe Hypermobilität und Hypomobilität beschreiben Befunde der manuellen Untersuchung, keine gesicherten Krankheitseinheiten. Sie sind hier als Deutung gekennzeichnet, weil die Übereinstimmung verschiedener Untersucher bei der segmentalen Bewegungsprüfung in Studien gering ausfällt. [I]
Vermehrte Beweglichkeit
- Belastungsabhängiger, tief sitzender Rückenschmerz, der beim längeren Stehen zunimmt und im Liegen nachlässt
- Erschwertes Aufrichten aus der Vorbeuge, oft mit Abstützen an den Oberschenkeln
- Erhöhte Anspannung der rückennahen Muskulatur als Ausgleich [I]
- Radiologisch fassbar wird sie erst als Wirbelgleiten in Funktionsaufnahmen — der Tastbefund allein genügt dafür nicht
Verminderte Beweglichkeit
- Steifigkeitsgefühl, besonders morgens und nach längerem Sitzen
- Endgradig schmerzhaftes Strecken; Nachlassen der Beschwerden bei leichter Vorneigung
- Örtlicher Druckschmerz über dem Wirbelgelenk L3/L4
- Mehrbelastung der Nachbaretagen wird häufig angenommen, ist als Ursache von Beschwerden aber nicht belegt [H]
Entscheidend ist in beiden Fällen: Ein auffälliger Bewegungsbefund erklärt für sich genommen keine Ausstrahlung ins Bein. Sobald Kraft, Reflex oder Gefühl verändert sind, gehört die Wurzel untersucht (Kapitel 07).
Kapitel 02
Nervenversorgung
2.1 Vom Rückenmark zum Spinalnerv
Aus dem Rückenmarkssegment L3 gehen vorn die Bewegungsfasern und hinten die Empfindungsfasern hervor. Beide Wurzeln ziehen als Teil der Cauda equina mehrere Etagen weit nach unten, bevor sie sich im Zwischenwirbelloch L3/L4 zum Spinalnerv L3 vereinigen. Im Bereich der hinteren Wurzel liegt das Spinalganglion mit den Zellkörpern der Empfindungsneurone; es sitzt in der Regel im Foramen selbst und ist gegen Druck besonders empfindlich.
Unmittelbar nach dem Austritt teilt sich der Spinalnerv in zwei sehr ungleiche Äste:
- Ramus dorsalis (hinterer Ast) — der kleinere. Er versorgt die tiefe Rückenmuskulatur auf seiner Etage, die Haut über dem unteren Rücken und, über seinen mittleren Zweig (Ramus medialis), die Kapsel des Wirbelgelenks. Jedes Wirbelgelenk erhält Fasern aus zwei Etagen — deshalb reicht das Ausschalten eines einzelnen Zweiges nicht aus, um ein Gelenk schmerzfrei zu stellen. [B]
- Ramus ventralis (vorderer Ast) — der große. Er tritt in den Plexus lumbalis ein und bildet dort gemeinsam mit den Nachbaretagen die Nerven für Hüfte, Oberschenkel und Innenseite des Unterschenkels.
2.2 Der Plexus lumbalis
Der Plexus lumbalis wird aus den vorderen Ästen von Th12 bis L4 gebildet und liegt eingebettet im M. psoas major. L3 beteiligt sich an drei Nerven — und an keinem weiteren. [B]
| Nerv | Wurzeln | Bewegung | Gefühl |
|---|---|---|---|
| N. femoralis | L2–L4 | M. quadriceps femoris (Kniestrecken), M. sartorius, M. pectineus, Anteile des M. iliopsoas | Vorderseite des Oberschenkels; über den N. saphenus Innenseite von Knie und Unterschenkel bis zum Innenknöchel |
| N. obturatorius | L2–L4 | Adduktorengruppe (Beine zusammenführen), M. gracilis, M. obturatorius externus | kleines Feld an der Innenseite des Oberschenkels; Äste zur Hüftgelenkkapsel |
| N. cutaneus femoris lateralis | L2–L3 | keine — rein sensibel | Außenseite des Oberschenkels |
Was nicht zu L3 gehört. Der N. ischiadicus stammt aus L4 bis S3 und enthält keine Fasern aus L3. Das ist der Grund, weshalb der Begriff „Lumboischialgie“ für ein L3-Syndrom nicht passt: Der Schmerz zieht nach vorn über den Oberschenkel, nicht hinten über das Gesäß in die Wade. Die zutreffende Bezeichnung ist Lumbofemoralgie. Ebenso wenig beteiligt ist L3 am Truncus lumbosacralis (L4–L5), der die Verbindung zum Kreuzbeingeflecht herstellt.
2.3 Engstellen im Verlauf
Beschwerden im L3-Gebiet können an drei sehr verschiedenen Orten entstehen. Die Unterscheidung entscheidet über die Behandlung.
| Ort | Ursache | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Zwischenwirbelloch L3/L4 und Recessus lateralis | Bandscheibenvorfall, knöcherne Einengung, Wirbelgleiten, Gelenkzyste | Rückenschmerz gehört meist dazu; Ausstrahlung folgt dem Wurzelgebiet; Beschwerden nehmen beim Strecken und Rückneigen zu |
| M. psoas major und Retroperitonealraum | Einblutung (besonders unter gerinnungshemmender Behandlung), Abszess, Tumor, Druck bei langer Rückenlage in Steinschnittlage | Schmerz in Leiste und Flanke, Schonhaltung mit gebeugter Hüfte, rasch fortschreitende Kniestreckerschwäche — dringlich, siehe Kapitel 09 |
| Leistenband und Femoralisloge | Druck nach Operationen an Hüfte, Becken oder Gefäßen, Lagerungsschäden, Leistenhernienchirurgie | Kein Rückenschmerz; Adduktoren erhalten (sie gehören zum N. obturatorius); Gefühlsstörung folgt dem Nerven-, nicht dem Wurzelgebiet |
| Durchtritt des N. cutaneus femoris lateralis am vorderen oberen Darmbeinstachel | enge Kleidung, Gurte, Übergewicht, Schwangerschaft | Meralgia paraesthetica: brennende Missempfindung an der Außenseite des Oberschenkels, keine Schwäche, kein Reflexausfall |
2.4 Wurzel oder Nerv — die Unterscheidung
Weil die Kniestreckerschwäche sowohl bei einer Wurzelschädigung L3 als auch bei einer Schädigung des N. femoralis auftritt, braucht es Merkmale, die beides trennen. Drei sind praktisch brauchbar. [B]
- Die Adduktoren. Sie gehören zum N. obturatorius, führen aber ebenfalls Fasern aus L3. Sind sie mit geschwächt, spricht das für die Wurzel; sind sie erhalten, spricht das für den N. femoralis.
- Der Rückenschmerz. Ein Wurzelsyndrom beginnt in aller Regel im Rücken und wandert dann ins Bein. Eine Nervenschädigung in der Leiste tut das nicht.
- Die tiefe Rückenmuskulatur. Sie wird vom hinteren Ast versorgt, der den Spinalnerv unmittelbar nach dem Austritt verlässt. Zeigt sie in der elektrischen Messung Veränderungen, liegt die Schädigung an oder vor der Wurzel — nicht im Geflecht und nicht im peripheren Nerv.
Kapitel 03
Muskeln
3.1 Die Kennmuskeln von L3
Ein Kennmuskel ist kein Muskel, der ausschließlich von einer Wurzel versorgt würde — den gibt es praktisch nicht. Er ist ein Muskel, dessen Schwäche bei Ausfall dieser Wurzel am ehesten auffällt. Für L3 nennt die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie eine Trias: Kniestrecker, Hüftbeuger und Adduktoren. [B]
Die Kombination trägt die Aussage, nicht der Einzelmuskel. Eine Kniestreckerschwäche allein kommt bei L3 und bei L4 vor. Erst die zusätzliche Adduktorenschwäche macht L3 wahrscheinlich — bei L4 ist eine Adduktorenschwäche praktisch nie zu finden, dafür aber eine Schwäche der Fußhebung. Wer nur das Kniestrecken prüft, kann die beiden Wurzeln nicht auseinanderhalten.
| Muskel | Nerv | Wurzeln | Prüfung |
|---|---|---|---|
| M. quadriceps femoris | N. femoralis | L2–L4, Schwerpunkt L3 und L4 | Knie gegen Widerstand strecken; im Alltag: Aufstehen vom Stuhl ohne Armhilfe, Treppe abwärts |
| M. iliopsoas | direkte Äste aus dem Plexus (M. psoas) und N. femoralis (M. iliacus) | L1–L3, teils L4 | Im Sitzen den Oberschenkel gegen Widerstand anheben |
| Adduktorengruppe (M. adductor longus, brevis, magnus, M. gracilis) | N. obturatorius | L2–L4, Schwerpunkt L3 | Die Beine gegen Widerstand zusammenführen, im Liegen oder Sitzen |
| M. sartorius | N. femoralis | L2–L3 | Kaum isoliert prüfbar; als Einzelbefund ohne Aussagekraft |
| M. pectineus | N. femoralis, gelegentlich zusätzlich N. obturatorius | L2–L3 | Nicht isoliert prüfbar |
3.2 Abgrenzung zu den Nachbarsegmenten
| Wurzel | Geschwächt | Reflex | Gefühl |
|---|---|---|---|
| L2 | Hüftbeugung, beginnend Adduktion; Kniestreckung meist erhalten | Adduktorenreflex kann verändert sein | schräges Band über dem oberen Oberschenkel, unterhalb der Leiste |
| L3 | Kniestreckung, Hüftbeugung und Adduktion zusammen | PSR abgeschwächt; Adduktorenreflex abgeschwächt | Vorderseite des Oberschenkels bis zur Knieinnenseite |
| L4 | Kniestreckung und Fußhebung mit Anheben des Innenrandes; Adduktion praktisch nie | PSR abgeschwächt oder ausgefallen | Innenseite des Unterschenkels bis zum Innenknöchel |
| L5 | Großzehenhebung, Fußhebung, Hüftabspreizung | kein verwertbarer Eigenreflex | Außenseite des Unterschenkels, Fußrücken, Großzehe |
3.3 Die tiefe Rückenmuskulatur der Etage
Über den hinteren Ast erreicht L3 die autochthone Rückenmuskulatur seiner Etage. Diese Muskeln arbeiten kurzstreckig und stellen die einzelnen Wirbel gegeneinander ein. Ihre Versorgung ist streng segmental — deshalb sind sie in der elektrischen Messung so aussagekräftig (Abschnitt 2.4).
- M. multifidus — der im Lendenbereich kräftigste Vertreter. Er zieht von den Warzenfortsätzen zu den Dornfortsätzen der zwei bis vier darüberliegenden Wirbel und stellt das Segment ein. Nach Bandscheibenoperationen und bei anhaltendem Rückenschmerz ist auf der betroffenen Seite häufig eine Verschmächtigung und ein Fetteinbau beschrieben. [B] Ob das Ursache oder Folge des Schmerzes ist, ist nicht geklärt. [I]
- Mm. rotatores und interspinales — sehr kurze Muskeln mit hoher Spindeldichte. Ihnen wird vor allem eine Rolle als Lagemelder zugeschrieben, weniger als Krafterzeuger. [I]
- M. longissimus und M. iliocostalis — die langen Strecker. Sie überspannen viele Etagen und lassen sich einer einzelnen Wurzel nicht zuordnen.
Nicht zu L3 gehört der M. gluteus medius. Er wird vom N. gluteus superior aus L4 bis S1 versorgt und ist kein Strecker, sondern der wichtigste Abspreizer und Beckenstabilisator beim Gehen. Seine Schwäche zeigt sich als Absinken des Beckens auf der Spielbeinseite, nicht als L3-Zeichen. Auch der M. gluteus maximus — der eigentliche Hüftstrecker — gehört nicht hierher; er stammt aus L5 bis S2.
3.4 Muskuläre Schmerzquellen im selben Gebiet
Nicht jeder Schmerz an der Vorderseite des Oberschenkels stammt von der Wurzel. Zwei Muskeln erzeugen regelmäßig ähnliche Bilder.
- M. iliopsoas — bei verkürztem oder gereiztem Muskel Schmerz in Leiste und tiefem Rücken, Zunahme beim Strecken der Hüfte, Schonhaltung mit leicht gebeugtem Bein. Kraft und Reflexe bleiben unauffällig; das trennt ihn von der Wurzel.
- M. quadriceps femoris und Adduktoren — örtlicher Druckschmerz mit Ausstrahlung, häufig nach ungewohnter Belastung. Die von Simons und Travell beschriebenen Ausstrahlungskarten liegen für beide Muskelgruppen vor; ihre Zuverlässigkeit hängt stark vom Untersucher ab, und die Übereinstimmung zwischen verschiedenen Untersuchern ist in Studien nur mäßig ausgefallen. Sie sind hier als Orientierung genannt, nicht als Beleg. [H]
Die Unterscheidung ist einfacher, als sie klingt: Muskuläre Schmerzquellen verändern weder Reflexe noch Gefühl noch die Kraft in einem Wurzelmuster. Sobald einer dieser drei Befunde auftritt, ist die Muskelerklärung nicht mehr ausreichend.
Kapitel 04
Vegetative Bezüge
Dieses Kapitel weicht am stärksten von der Vorfassung ab. Die dort getroffenen Aussagen zu Organsteuerung durch das Segment L3 lassen sich in den anatomischen Standardwerken nicht wiederfinden. Der folgende Abschnitt trennt deshalb sauber: was L3 vegetativ tatsächlich führt, und was ihm zu Unrecht zugeschrieben wird.
4.1 Wo der Sympathikus entspringt
Die vorgeschalteten Zellkörper des Sympathikus liegen im Nucleus intermediolateralis, dem Seitenhorn des Rückenmarks. Dieses Seitenhorn ist nicht über die ganze Länge des Rückenmarks vorhanden, sondern reicht von Th1 bis etwa L2, bei einem Teil der Menschen bis L3. [B] Entsprechend verlassen Rami communicantes albi — die Bahn der vorgeschalteten Fasern in den Grenzstrang — das Rückenmark ausschließlich in diesem Abschnitt.
Was der Spinalnerv L3 vegetativ führt. Er erhält einen Ramus communicans griseus aus dem lumbalen Grenzstrang — also nachgeschaltete Fasern, die mit ihm ins Bein ziehen. Sie versorgen Blutgefäße, Schweißdrüsen und Haarmuskeln in seinem eigenen Hautgebiet, dem vorderen Oberschenkel. Mehr nicht. Ein weißer Verbindungsast — die Bahn zu inneren Organen — geht vom Spinalnerv L3 in der Regel nicht ab.
Praktische Folge: Eine Wurzelschädigung L3 kann örtlich zu veränderter Hauttemperatur oder verändertem Schwitzen am vorderen Oberschenkel führen. [I] Sie kann keine Organfunktion verändern.
4.2 Grenzstrang und Nervi splanchnici lumbales
Anders als am Hals ist der Begriff Nervi splanchnici lumbales anatomisch gültig. Diese Eingeweidenerven gehen aus den lumbalen Grenzstrangganglien hervor und ziehen zum Plexus aorticus abdominalis und zum Plexus hypogastricus superior. Der lumbale Grenzstrang selbst liegt beidseits vorn-seitlich auf den Lendenwirbelkörpern und enthält meist drei bis fünf Ganglien.
Höhe ist nicht Segment. Dass ein Grenzstrangganglion in Höhe des Wirbels L3 liegt, sagt nichts darüber, aus welchem Rückenmarkssegment seine Fasern stammen. Die vorgeschalteten Fasern für die Bauch- und Beckenorgane steigen aus den Segmenten Th10 bis L2 im Grenzstrang abwärts und werden erst dort umgeschaltet. Die Formulierung „das Segment L3 versorgt die Nervi splanchnici lumbales“ verwechselt eine topographische Nachbarschaft mit einer nervalen Verbindung.
Der parasympathische Gegenspieler stammt an keiner Stelle aus dem Lendenmark. Für den Bauchraum kommt er über den N. vagus, für Enddarm, Blase und Geschlechtsorgane über die Nn. splanchnici pelvici aus S2 bis S4. [B]
4.3 Woher die Organe tatsächlich versorgt werden
| Organ | Sympathisch aus | Parasympathisch aus | Anteil von L3 |
|---|---|---|---|
| Niere und Harnleiter | etwa Th10–L1 | N. vagus (oberer Harnleiter), S2–S4 (unterer) | keiner |
| Harnblase, Schließmuskel | etwa Th11–L2 | S2–S4 | keiner |
| Absteigender Dickdarm, Sigma, Enddarm | L1–L2 über die Nn. splanchnici lumbales | S2–S4 | keiner |
| Innere Geschlechtsorgane | etwa Th11–L2 | S2–S4 | keiner |
| Beckenboden, willkürlicher Schließmuskel | — | somatisch: N. pudendus, S2–S4 | keiner |
| Gefäße und Schweißdrüsen des vorderen Oberschenkels | Umschaltung im lumbalen Grenzstrang, Zulauf aus Th11–L2 | — | Wegstrecke: die nachgeschalteten Fasern laufen mit dem Spinalnerv L3 ins Zielgebiet |
4.4 Warum das klinisch wichtig ist
Blasen- und Mastdarmstörungen sind kein L3-Zeichen — sie sind ein Notfallzeichen.
Wenn bei Rückenbeschwerden das Wasserlassen gestört ist, der Stuhl nicht gehalten werden kann oder das Gefühl im Reithosenbereich verändert ist, dann sind die Wurzeln S2 bis S4 betroffen. Im Lendenbereich laufen diese Wurzeln als Teil der Cauda equina — eine Bedrängung dort ist ein Cauda-equina-Syndrom und ein Fall für die sofortige Klinikvorstellung. Wer solche Beschwerden als „vegetative Begleiterscheinung des Segments L3″ einordnet und manuell behandelt, verliert Zeit, die über bleibende Schäden entscheidet.
Die zweite Folge betrifft die Erwartungshaltung: Eine manuelle oder physiotherapeutische Behandlung des Segments L3 kann Beschwerden am Rücken und am Bein günstig beeinflussen. Eine Wirkung auf Verdauung, Blasenfunktion oder Sexualfunktion über eine segmentale Verbindung lässt sich anatomisch nicht begründen und sollte nicht in Aussicht gestellt werden.
Kapitel 05
Dermatom, Sklerotom, Reflexzonen
Drei Zugänge zum selben Segment, mit drei verschiedenen Landkarten. Das Dermatom beschreibt die Haut, das Sklerotom den tiefen Schmerz aus Knochen, Bändern und Gelenkkapseln, die Zonenmodelle einen historischen Versuch, Organe auf die Körperoberfläche abzubilden. Die drei decken sich nicht — und sie sind unterschiedlich gut belegt.
5.1 Das Dermatom L3
Das Hautgebiet der Wurzel L3 zieht als schräges Band über die Vorderseite des Oberschenkels, von außen oben nach innen unten, und endet an der Innenseite des Knies. Nach oben schließt L2 an, nach unten und innen L4. [B]
- Verlässlichster Punkt: die Haut über dem inneren Kniegelenkspalt und knapp oberhalb davon. Dort ist die Überlappung mit den Nachbarn am geringsten.
- Nicht dazu gehört: die Außenseite des Oberschenkels (Gebiet des N. cutaneus femoris lateralis), die Innenseite des Unterschenkels unterhalb des Knies (L4) und die Leistenregion selbst (L1).
- Prüfung: Seitenvergleich mit leichter Berührung und mit einem spitzen Reiz, immer von der vermutlich gestörten zur gesunden Seite hin.
Zur Genauigkeit der Dermatomkarten. Eine systematische Durchsicht der Grundlagenarbeiten hat gezeigt, dass die verbreiteten Dermatomtafeln untereinander erheblich abweichen und teilweise auf Datenquellen zurückgehen, die diesen Anspruch nicht tragen. Die Gebiete überlappen sich stark; scharfe Grenzlinien existieren am lebenden Menschen nicht. Ein Dermatombefund ist deshalb ein Hinweis unter mehreren — er ersetzt weder die Kraftprüfung noch die Reflexprüfung. [B]
5.2 Sklerotom und Gelenkschmerz
Der Schmerz aus tiefen Strukturen folgt anderen Karten als der Hautschmerz. Er ist dumpf, schlecht abzugrenzen und wird häufig weiter proximal empfunden, als der Ort der Reizung liegt. Für den Lendenbereich gibt es dazu — anders als für viele andere Regionen — belastbare experimentelle Daten.
Das Wirbelgelenk L3/L4. In einer Untersuchung an Menschen mit anhaltendem Rückenschmerz wurden die Lendenwirbelgelenke unter Röntgenkontrolle gereizt und die ausgelösten Schmerzgebiete kartiert. Für die Etage L3/L4 ergab sich: Der Schmerz lag stets im Lendenbereich selbst und strahlte darüber hinaus — in dieser Reihenfolge der Häufigkeit — ins Gesäß, an die Außenseite des Oberschenkels, an die Rückseite des Oberschenkels, in die Region des großen Rollhügels und in die Leiste. [B] Die Überlappung zwischen den Etagen war beträchtlich; aus dem Schmerzbild allein lässt sich die Etage nicht bestimmen.
Der aufschlussreiche Widerspruch. Das Wirbelgelenk L3/L4 strahlt nach hinten und außen aus — Gesäß, äußerer und hinterer Oberschenkel. Die Wurzel L3 strahlt nach vorn aus. Zwei Strukturen derselben Etage erzeugen also fast gegensätzliche Schmerzbilder. Wer beides gleichsetzt, ordnet einen Gesäßschmerz fälschlich der Wurzel zu oder einen vorderen Oberschenkelschmerz fälschlich dem Gelenk.
Knochen und Bänder. Die klassischen Sklerotomkarten stammen aus Versuchen, bei denen Bänder und Knochenhaut mit Kochsalzlösung gereizt wurden. Sie ordnen dem Bereich L3 vor allem den vorderen Oberschenkel, das Hüftgelenk und die Region um das Knie zu. Diese Arbeiten sind methodisch sorgfältig, aber alt, an kleinen Gruppen durchgeführt und in ihrer Auflösung begrenzt. Sie werden hier als Orientierung genannt und nicht als Grundlage einzelner Zuordnungen verwendet. [H]
| Struktur | Schmerzgebiet | Beleglage |
|---|---|---|
| Nervenwurzel L3 | Rücken, vorderer Oberschenkel, Knieinnenseite; scharf, ziehend, oft mit Missempfindung | [B] Leitlinie und Standardwerke |
| Wirbelgelenk L3/L4 | Lendenbereich, Gesäß, äußerer und hinterer Oberschenkel, Rollhügel, Leiste; dumpf, ohne Missempfindung | [B] experimentelle Reizung am Menschen |
| Bandscheibe L3/L4 selbst | tief in der Mitte des unteren Rückens, oft beidseits | [I] aus Diskographiestudien abgeleitet, für diese Etage nur spärlich untersucht |
| Knochenhaut und Bänder (Sklerotom) | vorderer Oberschenkel, Hüfte, Knie | [H] historische Reizversuche, geringe Auflösung |
5.3 Die Zonenmodelle — was davon trägt
Drei Modellfamilien werden in diesem Zusammenhang regelmäßig genannt. Sie sind historisch bedeutsam, aber unterschiedlich belastbar, und sie werden häufig verwechselt.
- Head-Zonen. Der Neurologe Henry Head beschrieb um 1893 Hautfelder mit erhöhter Empfindlichkeit bei Erkrankungen innerer Organe. Die Karte reicht im Wesentlichen von Th1 bis L2 und im Sakralbereich. Für L3 ist in diesem Modell kein Organ zugeordnet — die Zonen für Niere und Harnleiter liegen bei Th10 bis L1, die für die Blase bei Th11 bis L2 und sakral. Eine „Head-Zone des Segments L3″ gibt es nicht. [H]
- Bindegewebszonen nach Elisabeth Dicke. Tastbare Einziehungen und Spannungsunterschiede der Unterhaut, die einer Bindegewebsmassage zugänglich sein sollen. Die Zuordnung zu Organen beruht auf Beobachtung, nicht auf kontrollierten Untersuchungen; die Übereinstimmung verschiedener Untersucher ist nicht belegt. [H]
- Zonen nach James Mackenzie. Der schottische Arzt beschrieb um 1900 reflektorische Muskelanspannung bei Organerkrankungen. Sein Modell betrifft Rumpfmuskeln in Höhe der jeweiligen Organsegmente — nicht die Oberschenkelmuskulatur. [H]
Zwei Namen, die ständig vertauscht werden.
- James Mackenzie (1853–1925), schottischer Internist — historische Lehre von der Organprojektion auf Muskeln.
- Robin McKenzie (1931–2013), neuseeländischer Physiotherapeut — Untersuchungs- und Behandlungsmethode für Rücken und Bein, die nach wiederholten Bewegungen und der Zentralisierung des Schmerzes fragt. Sie hat mit Organzonen nichts zu tun.
„McKenzie-Zonen“ existieren in keinem der beiden Modelle. Der Begriff ist eine Vermischung. Die Angaben der Vorfassung zu „MacKenzie-Zonen des Segments L3″ mit einer Verbindung zum absteigenden Dickdarm haben in keiner der beiden Lehren eine Entsprechung und sind entfallen.
Zusammengefasst: Für das Segment L3 sind Dermatom und Gelenkschmerzkarte brauchbar belegt, das Sklerotom nur grob, und ein Organbezug ist in keinem der Zonenmodelle vorgesehen. Ein tastbarer Gewebebefund über dem unteren Rücken bleibt ein Befund — er wird nicht dadurch zu einem Organhinweis, dass man ihm einen Segmentnamen gibt.
Kapitel 06
Beschwerdebilder
6.1 Die Radikulopathie L3
Die deutsche Leitlinie beschreibt das Syndrom knapp und deckungsgleich mit den Standardwerken: Schwäche des Kniestreckers, des Hüftbeugers und der Adduktoren des betroffenen Beines, ein abgeschwächter Kniesehnenreflex und eine Schmerzausstrahlung, die bis zum Kniegelenk reicht. Ausdrücklich erwähnt wird, dass der Knieschmerz gelegentlich so im Vordergrund steht, dass zunächst der Eindruck einer Kniegelenkserkrankung entsteht. [B]
| Merkmal | Befund bei L3 |
|---|---|
| Schmerz | Beginn im unteren Rücken, Ausstrahlung über die Vorderseite des Oberschenkels bis zur Knieinnenseite; endet in aller Regel am Knie |
| Missempfindung | Kribbeln, Taubheit oder Brennen im selben Band; am ehesten knienah fassbar |
| Kraft | Kniestrecken, Hüftbeugen und Adduktion gemeinsam vermindert; Fußhebung erhalten |
| Reflexe | Kniesehnenreflex abgeschwächt, Adduktorenreflex abgeschwächt; Achillessehnenreflex unauffällig |
| Dehnungszeichen | Femoralis-Dehnungstest in Bauchlage schmerzhaft; Lasègue meist negativ |
| Haltung | Entlastung durch leichte Hüftbeugung; Zunahme beim Rückwärtsneigen und beim langen Stehen |
| Alltag | Unsicherheit beim Treppabgehen, Einknicken des Knies, Mühe beim Aufstehen vom Stuhl |
6.2 Wie häufig das ist
Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule betreffen ganz überwiegend die beiden untersten Etagen. Aus einer Auswertung im Rahmen japanischer Leitlinienarbeit ergab sich für eine große Gruppe folgende Verteilung: L4/L5 rund 51 %, L5/S1 rund 41 %, L3/L4 rund 6 %, L2/L3 rund 2 %, L1/L2 unter 1 %. [B] Übersichtsarbeiten geben für die oberen Lendenetagen zusammengenommen etwa 5 % an, mit einer erheblichen Spannweite von unter 1 % bis rund 10 % — je nachdem, ob die Etage L3/L4 mitgezählt wird oder nicht.
- Altersverteilung. Vorfälle der oberen Lendenetagen treten im Mittel deutlich später auf als die der unteren. In der genannten Auswertung lag das Durchschnittsalter bei L2/L3 und L3/L4 um etwa zehn Jahre höher als bei L5/S1. Bei Menschen über 65 Jahren betrifft mehr als die Hälfte der Vorfälle die Etagen oberhalb von L4/L5. [B]
- Folge für die Praxis. Ein L3-Syndrom bei einer jüngeren Person ist ungewöhnlich genug, um nach einer anderen Ursache zu suchen als nach dem Verschleiß — Entzündung, Blutung, Raumforderung.
- Einschränkung der Zahlen. Die Verteilungsangaben stammen aus operierten oder bildgebend untersuchten Gruppen. Sie beschreiben nicht die Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung, sondern die Zusammensetzung derer, die untersucht wurden.
6.3 Andere Ursachen einer L3-Reizung
- Knöcherne Einengung des Zwischenwirbellochs — mit dem Alter zunehmend; typischerweise belastungsabhängig, mit Zunahme beim Gehen und beim Rückwärtsneigen, Besserung beim Vorbeugen und im Sitzen.
- Wirbelgleiten — verengt das Foramen von unten; oft langsam über Jahre.
- Gelenkzyste des Wirbelgelenks L3/L4 — drückt von hinten in den Recessus lateralis.
- Wirbelbruch — bei Osteoporose auch ohne erinnerlichen Unfall. Die mittlere Lendenwirbelsäule ist ein häufiger Ort.
- Entzündung — Spondylodiszitis, Gürtelrose vor Ausbruch des Ausschlags, Borreliose.
- Raumforderung — Knochenmetastase, Nervenscheidentumor, seltener eine Absiedlung in den Hirnhäuten.
6.4 Was sonst so aussieht
Schmerz an der Vorderseite des Oberschenkels mit Kniestreckerschwäche ist keine seltene Kombination — aber selten radikulär bedingt. Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Alternativen.
| Beschwerdebild | Leitmerkmal | Abzugrenzen von |
|---|---|---|
| Radikulopathie L3 | Rückenschmerz mit Ausstrahlung über den vorderen Oberschenkel zur Knieinnenseite; Kniestrecken, Hüftbeugen und Adduktion geschwächt; PSR abgeschwächt; Femoralis-Dehnungstest positiv | siehe alle folgenden Zeilen |
| Radikulopathie L4 | Ausstrahlung reicht über das Knie hinaus an die Innenseite des Unterschenkels; zusätzlich Fußhebung geschwächt; Adduktoren praktisch immer erhalten | L3 — die Adduktoren und die Fußhebung entscheiden |
| Femoralisneuropathie (Leiste, Becken) | Kniestreckerschwäche ohne Rückenschmerz; Adduktoren erhalten; oft nach Operation an Hüfte, Becken oder Leiste, nach Lagerung oder Punktion der Leistenarterie | L3 — die erhaltenen Adduktoren sind das Schlüsselmerkmal |
| Einblutung in den M. psoas / retroperitoneales Hämatom | Rasch zunehmender Schmerz in Flanke und Leiste, Schonhaltung mit gebeugter Hüfte, fortschreitende Kniestreckerschwäche; meist unter gerinnungshemmender Behandlung | L3 — dringlich, siehe Kapitel 09 |
| Diabetische lumbosakrale Radikuloplexusneuropathie (Bruns-Garland-Syndrom) | Heftiger, oft nächtlicher Schmerz an Oberschenkel und Hüfte, dann rasch fortschreitende Schwäche und Muskelschwund am Oberschenkel; deutlicher Gewichtsverlust; meist bei Typ-2-Diabetes; häufig einseitig beginnend, später beidseits | L3 — hier ist der Muskelschwund stärker und breiter als eine einzelne Wurzel erklärt |
| Meralgia paraesthetica | Brennen und Taubheit an der Außenseite des Oberschenkels; keine Schwäche, Reflexe unauffällig | L3 — anderes Hautgebiet, kein motorischer Befund |
| Coxarthrose | Leisten- und Oberschenkelschmerz, Anlaufschmerz, eingeschränkte Innendrehung der Hüfte; keine Missempfindung, Reflexe unauffällig | L3 — die Hüftdrehung ist das entscheidende Zeichen |
| Gonarthrose oder Kniebinnenschaden | Schmerz am Knie selbst, druckschmerzhafter Gelenkspalt, Erguss; kein Rückenschmerz | L3 — bei knieführender L3-Symptomatik der häufigste Irrweg |
| Facettensyndrom L3/L4 | Dumpfer Rückenschmerz mit Ausstrahlung nach hinten und außen — Gesäß, äußerer Oberschenkel; keine Missempfindung, keine Schwäche | L3 — die Ausstrahlungsrichtung ist gegenläufig (Abschnitt 5.2) |
| Enger Wirbelkanal (Claudicatio spinalis) | Beschwerden beim Gehen und Stehen, Besserung beim Vorbeugen und Sitzen; oft beidseits und in mehreren Wurzelgebieten | L3 — mehrere Wurzeln, gehstreckenabhängig |
| Insuffizienzfraktur von Schenkelhals oder Becken | Belastungsschmerz in Leiste oder Gesäß, Zunahme bei jedem Schritt; Osteoporose, Kortisonbehandlung, ungewohnte Belastung | L3 — kein neurologischer Befund, Bildgebung entscheidet |
| Bauchaortenaneurysma | Tiefer Rücken- oder Bauchschmerz, unabhängig von Haltung und Bewegung; pulsierender Tastbefund; Risikofaktoren Rauchen, Alter, Bluthochdruck | L3 — Warnzeichen, siehe Kapitel 09 |
6.5 Verlauf
Für die lumbale Radikulopathie insgesamt gilt ein überwiegend günstiger Spontanverlauf: Bei der Mehrzahl der Betroffenen bilden sich Schmerz und Funktionsstörung innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten weitgehend zurück, auch ohne Operation. [B] Vorgefallenes Bandscheibengewebe kann sich im Verlauf verkleinern; das ist bildgebend vielfach beschrieben.
Für die oberen Lendenetagen ist die Datenlage dünner, und die veröffentlichten Verläufe sind uneinheitlicher als bei L4/L5 und L5/S1. Die Übertragung der günstigen Prognose auf L3 ist deshalb plausibel, aber nicht in gleicher Stärke belegt. [I] Eine bestehende Kraftminderung wird in jedem Fall in kurzen Abständen kontrolliert — bei L3 vor allem das Kniestrecken, weil davon die Gehsicherheit abhängt.
Kapitel 07
Untersuchung
Die Untersuchung des Segments L3 folgt derselben Ordnung wie an jeder anderen Etage — mit einer Besonderheit: Der bekannteste Dehnungstest der Lendenwirbelsäule, das Lasègue-Zeichen, ist hier nicht der richtige. Er prüft L5 und S1.
7.1 Was die Vorgeschichte klären muss
- Verlaufsrichtung des Schmerzes. Vom Rücken ins Bein oder umgekehrt? Wandert er nach vorn oder nach hinten? Endet er am Knie oder geht er darüber hinaus?
- Haltungsabhängigkeit. Besserung beim Vorbeugen und im Sitzen spricht für eine Einengung, Zunahme beim Sitzen eher für die Bandscheibe.
- Einknicken und Stürze. Ein weggeknicktes Knie ist ein Kraftbefund, kein Gefühlsbefund — und ein Grund für zügige Abklärung.
- Gerinnungshemmende Medikamente, Diabetes, Gewichtsverlust, Tumorerkrankung, Fieber, Osteoporose. Diese fünf Punkte entscheiden über die Dringlichkeit, nicht über die Diagnose.
- Blase, Mastdarm, Reithosengebiet. Immer aktiv erfragen. Eine Auffälligkeit hier ändert alles Weitere (Kapitel 09).
7.2 Kraft
| Prüfung | Vorgehen | Aussage |
|---|---|---|
| Kniestrecken | Im Sitzen den Unterschenkel gegen Widerstand strecken lassen; zusätzlich funktionell: Aufstehen vom Stuhl ohne Armhilfe, Treppe abwärts | Kernbefund bei L3 und L4 |
| Hüftbeugen | Im Sitzen den Oberschenkel gegen Widerstand anheben | bei L3 mitbetroffen, bei L4 meist frei |
| Adduktion | Die Beine gegen Widerstand zusammenführen | der wichtigste Trennbefund gegenüber L4 |
| Fußhebung mit Anheben des Innenrandes | Fuß gegen Widerstand nach oben-innen ziehen | Kontrollprüfung: auffällig spricht für L4, unauffällig für L3 |
| Großzehenhebung | Großzehe gegen Widerstand anheben | Kontrollprüfung für L5 |
| Zehenstand | Einbeinig auf die Zehen gehen, mehrfach | Kontrollprüfung für S1 |
7.3 Reflexe
- Kniesehnenreflex (PSR). Bahn L2 bis L4, mit Schwerpunkt auf L4. Bei L3 ist er häufig abgeschwächt, aber selten ausgefallen. Verwertbar ist der Seitenvergleich, nicht die absolute Stärke.
- Adduktorenreflex. Bahn L2 bis L4, mit Schwerpunkt näher an L3. Er wird über dem inneren Oberschenkelknorren ausgelöst und ist der am ehesten L3-nahe Eigenreflex. Er ist bei Gesunden unterschiedlich gut auslösbar und deshalb ebenfalls nur im Seitenvergleich brauchbar. [I]
- Achillessehnenreflex. Bahn S1. Bei einer reinen L3-Schädigung unauffällig — als Kontrolle unverzichtbar.
Die Gegenrichtung beachten. Eine Wurzelschädigung schwächt Reflexe ab. Sind sie am Bein gesteigert, kommen zusätzlich Reflexe hinzu, die normalerweise nicht auslösbar sind, oder ist die Fußsohlenreaktion verändert, dann liegt die Ursache oberhalb — im Rückenmark oder darüber. Das ist kein Segmentbefund und keine Indikation für eine manuelle Behandlung, sondern ein Grund für zeitnahe neurologische Abklärung.
7.4 Dehnungstests
Femoralis-Dehnungstest
Auch „umgekehrter Lasègue“. In Bauchlage wird das Knie gebeugt, bei Bedarf zusätzlich die Hüfte gestreckt. Der Test setzt die Wurzeln L2 bis L4 unter Zug.
Positiv, wenn der bekannte Schmerz an der Vorderseite des Oberschenkels ausgelöst wird — nicht, wenn nur ein Spannungsgefühl im Muskel entsteht. Diese Unterscheidung entscheidet über die Aussagekraft.
Lasègue-Zeichen
In Rückenlage wird das gestreckte Bein angehoben. Der Test setzt den N. ischiadicus und damit die Wurzeln L5 und S1 unter Zug.
Bei einer L3-Schädigung ist er in der Regel negativ. Ein negativer Lasègue schließt ein Wurzelsyndrom der oberen Lendenetagen also nicht aus — ein häufiger Grund, weshalb diese Syndrome spät erkannt werden.
7.5 Bildgebung
Die Kernspintomographie ist das Verfahren der Wahl, wenn ein Befund Folgen hat: bei fortschreitender Lähmung, bei Warnzeichen und vor einem geplanten Eingriff. Bei unkomplizierten, sich bessernden Beschwerden bringt eine frühe Bildgebung keinen Nutzen und führt regelmäßig zu Befunden ohne Krankheitswert.
Wie häufig auffällige Bilder bei Beschwerdefreien sind. Eine systematische Auswertung von Kernspinuntersuchungen an Menschen ohne Rückenschmerzen fand Bandscheibenveränderungen bei etwa einem Drittel der 20-Jährigen und bei nahezu allen 80-Jährigen; Vorwölbungen der Bandscheibe stiegen von etwa 30 % im dritten Lebensjahrzehnt auf über 80 % im neunten. [B]
Daraus folgt die Reihenfolge: zuerst der Untersuchungsbefund, dann das Bild. Ein Bandscheibenvorfall L3/L4 im Bild erklärt die Beschwerden nur dann, wenn Kraft, Reflex und Gefühl zu dieser Wurzel passen — und wenn die Lage des Vorfalls im Querschnitt dazu passt (Abschnitt 1.2).
7.6 Elektrophysiologie und Labor
- Elektromyographie. Die aussagekräftigste Einzelfrage bei L3 lautet: Sind die tiefen Rückenmuskeln der Etage mitbetroffen? Wenn ja, liegt die Schädigung an der Wurzel; wenn nein, kommt eine Schädigung im Plexus oder im N. femoralis in Betracht. Veränderungen brauchen typischerweise zwei bis drei Wochen, bis sie messbar sind — eine zu frühe Untersuchung kann falsch beruhigen.
- Nervenleitungsmessung. Bei einer Wurzelschädigung bleibt die sensible Leitung im Bein in der Regel normal, weil die Schädigung vor dem Spinalganglion liegt. Ein auffälliger sensibler Befund lenkt den Verdacht vom Rücken weg.
- Labor. Blutzucker und Langzeitzucker bei schmerzhafter Oberschenkelschwäche mit Gewichtsverlust; Entzündungswerte bei Fieber oder Nachtschmerz; Blutbild und Gerinnung bei Verdacht auf eine Einblutung.
Kapitel 08
Behandlungsansätze
Die folgende Gegenüberstellung ordnet nach Beleglage, nicht nach Verbreitung. Sie ersetzt keine ärztliche Entscheidung. Für die oberen Lendenetagen liegen weniger eigene Studien vor als für L4/L5 und L5/S1; das meiste ist von dort übertragen. [I]
Gut belegt
- Aufklärung über den überwiegend günstigen Verlauf; Vermeiden von Bettruhe und längerer Schonung
- Aktiv bleiben im Rahmen der Beschwerden; frühe Rückkehr zu Alltag und Arbeit
- Bewegungstherapie, über Wochen aufgebaut; die Auswahl des Verfahrens ist weniger entscheidend als die Regelmäßigkeit
- Gezielter Aufbau der Kniestrecker, sobald der Schmerz es zulässt — bei L3 der Punkt, an dem Gehsicherheit und Sturzrisiko hängen
- Suche nach einer entlastenden Haltung und Bewegungsrichtung; bei Einengung häufig die leichte Vorneigung
- Schmerzbehandlung nach Stufenschema, zeitlich begrenzt und mit klarem Ziel
- Regelmäßige Kontrolle der Kraft, solange eine Schwäche besteht — engmaschiger als die Kontrolle des Schmerzes
- Erfassen von Faktoren, die eine Chronifizierung begünstigen (Angst vor Bewegung, Katastrophisieren, ungünstige Arbeitssituation)
Nicht belegt oder abzuraten
- Bettruhe über wenige Tage hinaus
- Bildgebung ohne Konsequenz, allein zur Beruhigung
- Behandlung eines Bildbefundes, der nicht zum Untersuchungsbefund passt
- Manipulation bei fortschreitender Lähmung, Verdacht auf Einblutung, Osteoporose mit frischem Bruch oder ungeklärtem Nachtschmerz
- Behandlung mit dem Ziel, über das Segment L3 Verdauung, Blase oder Sexualfunktion zu beeinflussen — anatomisch nicht begründbar (Kapitel 04)
- Dauerhafte Ruhigstellung durch Mieder oder Bandage ohne begleitendes Übungsprogramm
- Wiederholte Injektionsserien ohne überprüftes Ziel und ohne Zeitgrenze
- Deutung tastbarer Gewebeveränderungen am Rücken als Organbefund
Wann eine Operation erwogen wird. Übereinstimmend gelten als Gründe für eine zeitnahe fachärztliche Vorstellung: eine zunehmende oder erhebliche Lähmung, Zeichen einer Cauda-equina-Schädigung und ein trotz ausgeschöpfter nicht-operativer Behandlung über Monate bestehender, stark einschränkender Wurzelschmerz. Bei L3 kommt ein eigener Gesichtspunkt hinzu: Eine Kniestreckerschwäche bedeutet Sturzgefahr. Sie wird deshalb früher abgeklärt als ein reiner Schmerz — besonders bei älteren Menschen, bei denen ein Sturz eigene Folgen hat. Die Entscheidung trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit der betroffenen Person.
Kapitel 09
Warnzeichen — wann Behandlung unterbleibt
Sofort in die Klinik — keine manuelle Behandlung, kein Abwarten:
- Cauda-equina-Zeichen: gestörte Blasenentleerung oder Harnverhalt, Stuhlinkontinenz, Gefühlsstörung im Reithosenbereich, beidseitige Beinschwäche
- Rasch zunehmende Lähmung eines Beines, besonders ein wiederholt wegknickendes Knie
- Zunehmender Schmerz in Flanke und Leiste mit Schonhaltung bei gebeugter Hüfte unter gerinnungshemmender Behandlung — Verdacht auf Einblutung in den M. psoas
- Tiefer Rücken- oder Bauchschmerz, der von Haltung und Bewegung völlig unabhängig ist, mit Kreislaufschwäche — Verdacht auf ein Bauchaortenaneurysma
Zeitnahe ärztliche Abklärung vor jeder Behandlung:
- Fieber, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust, Tumorerkrankung in der Vorgeschichte
- Ruhe- und Nachtschmerz, der sich durch keine Lagerung beeinflussen lässt
- Rückenbeschwerden nach Sturz, Unfall oder bei bekannter Osteoporose — auch ohne erinnerliches Ereignis
- Heftiger Oberschenkelschmerz mit rasch fortschreitendem Muskelschwund und Gewichtsverlust, besonders bei Diabetes
- Gesteigerte Reflexe an den Beinen, veränderte Fußsohlenreaktion, unsicherer Gang
- Beschwerden an beiden Beinen oder in mehreren Wurzelgebieten gleichzeitig
- Erstmalige Beschwerden vor dem 20. oder nach dem 50. Lebensjahr ohne erkennbaren Anlass
Erhöhte Vorsicht ist geboten bei: Osteoporose, langfristiger Kortisonbehandlung, gerinnungshemmender Behandlung, entzündlich-rheumatischer Erkrankung, bekannter Bindegewebserkrankung, Zustand nach Wirbelsäulenoperation, Immunschwäche und bekanntem Bauchaortenaneurysma.
Der erste Punkt verdient eine eigene Bemerkung. Blasen- und Mastdarmstörungen werden gelegentlich als „vegetative Begleiterscheinung“ eines Lendensegments gedeutet. Das ist anatomisch falsch (Kapitel 04) und praktisch gefährlich: Beim Cauda-equina-Syndrom entscheidet die Zeit bis zur Entlastung über bleibende Schäden.
Kapitel 10
Häufige Fragen
Im Befund steht „Bandscheibenvorfall L3/L4″. Ist damit die Wurzel L3 betroffen?
Nicht zwangsläufig. In jeder Etage laufen zwei Wurzeln nebeneinander. Ein Vorfall, der nach hinten-seitlich austritt — der häufigste — trifft in der Etage L3/L4 die durchziehende Wurzel L4. Nur wenn der Vorfall im Zwischenwirbelloch selbst oder außerhalb davon liegt, trifft er die austretende Wurzel L3. Die Wurzel L3 wird häufiger von einem Vorfall der Etage L2/L3 getroffen. Entscheidend ist deshalb nicht die Höhenangabe allein, sondern die Lage im Querschnitt zusammen mit dem Untersuchungsbefund.
Warum ist der Lasègue-Test bei mir negativ, obwohl der Rücken ins Bein ausstrahlt?
Weil er die falsche Wurzel prüft. Das Anheben des gestreckten Beines setzt den Ischiasnerv unter Zug und damit die Wurzeln L5 und S1. Die Wurzel L3 hat am Ischiasnerv keinen Anteil. Für sie ist der Femoralis-Dehnungstest zuständig: Bauchlage, Beugen des Knies, bei Bedarf zusätzliches Strecken der Hüfte. Ein negativer Lasègue schließt ein Wurzelsyndrom der oberen Lendenetagen nicht aus — er ist einer der Gründe, weshalb diese Syndrome oft spät erkannt werden.
Mein Knie tut weh und knickt weg. Kann das vom Rücken kommen?
Ja, und das wird regelmäßig übersehen. Die Leitlinie weist ausdrücklich darauf hin, dass bei einer L3-Schädigung der Knieschmerz so im Vordergrund stehen kann, dass zunächst der Eindruck einer Kniegelenkserkrankung entsteht. Zwei Unterscheidungshilfen: Bei einem Kniebinnenschaden ist der Gelenkspalt druckschmerzhaft und es besteht oft ein Erguss, aber es gibt keine Missempfindung am Oberschenkel. Bei einer Wurzelschädigung sind zusätzlich Hüftbeugung und das Zusammenführen der Beine schwächer und der Kniesehnenreflex ist seitendifferent. Ein wiederholt wegknickendes Knie gehört in jedem Fall zeitnah untersucht.
Was unterscheidet L3 von L4? Beide betreffen doch den Kniestrecker.
Zwei Prüfungen genügen meist. Das Zusammenführen der Beine ist bei L3 mitbetroffen und bei L4 praktisch nie. Die Fußhebung mit Anheben des Fußinnenrandes ist bei L4 betroffen und bei L3 frei. Dazu kommt die Reichweite des Schmerzes: L3 endet in aller Regel am Knie, L4 zieht darüber hinaus an die Innenseite des Unterschenkels bis zum Innenknöchel. Der Kniesehnenreflex hilft bei dieser Frage nicht, weil er von beiden Wurzeln gespeist wird.
Kann das Segment L3 Blase, Darm oder Sexualfunktion beeinflussen?
Nein. Die Steuerung dieser Funktionen läuft sympathisch etwa über Th11 bis L2 und parasympathisch über S2 bis S4; der willkürliche Schließmuskel gehört ebenfalls zu S2 bis S4. Das Segment L3 hat daran keinen Anteil. Wichtiger als die anatomische Feststellung ist die praktische: Treten bei Rückenbeschwerden Störungen von Blase, Mastdarm oder Gefühl im Reithosenbereich auf, sind die sakralen Wurzeln bedrängt. Das ist ein Cauda-equina-Syndrom und ein Notfall — nicht ein „vegetatives Begleitzeichen“ des Segments L3.
Sitzt das Rückenmark hinter dem Wirbel L3?
Nein. Beim Erwachsenen endet das Rückenmark in Höhe der Bandscheibe L1/L2. Unterhalb davon liegt nur noch die Cauda equina, ein Bündel absteigender Nervenwurzeln. Deshalb kann eine Lumbalpunktion im Zwischenraum L3/L4 gefahrlos gesetzt werden. Das Rückenmarkssegment L3 — also der Ort, an dem die Wurzelfäden entspringen — liegt weit höher, hinter den Wirbeln Th11 und Th12. Aussagen über ein „Seitenhorn im Segment L3″ beschreiben deshalb keinen Ort im Lendenwirbelbereich.
Ist „Lumboischialgie L3″ die richtige Bezeichnung?
Nein. Ischialgie bezeichnet Schmerz im Gebiet des Ischiasnervs, der aus L4 bis S3 stammt. Die Wurzel L3 ist daran nicht beteiligt; ihr Schmerz zieht nach vorn über den Oberschenkel. Der zutreffende Begriff lautet Lumbofemoralgie. Das ist keine Wortklauberei: Wer einen vorderen Oberschenkelschmerz als Ischialgie führt, sucht anschließend mit den falschen Tests und an der falschen Etage.
Was hat es mit den „McKenzie-Zonen“ auf sich?
Der Begriff vermischt zwei Personen. James Mackenzie war ein schottischer Internist, der um 1900 reflektorische Muskelanspannung bei Organerkrankungen beschrieb — an Rumpfmuskeln, nicht am Oberschenkel. Robin McKenzie war ein neuseeländischer Physiotherapeut, dessen Methode nach wiederholten Bewegungen und der Zentralisierung des Schmerzes fragt; mit Organzonen hat sie nichts zu tun. „McKenzie-Zonen“ gibt es in keiner der beiden Lehren. Die Angabe der Vorfassung, das Segment L3 stehe über solche Zonen mit dem absteigenden Dickdarm in Verbindung, ist entfallen.
Ich habe brennende Missempfindungen an der Außenseite des Oberschenkels. Ist das L3?
Wahrscheinlich nicht. Die Außenseite des Oberschenkels gehört zum N. cutaneus femoris lateralis. Wird er am vorderen oberen Darmbeinstachel eingeengt — durch enge Kleidung, Gurte, Gewichtszunahme oder eine Schwangerschaft —, entsteht eine Meralgia paraesthetica: Brennen und Taubheit ohne jede Schwäche und ohne Reflexveränderung. Der Nerv führt zwar Fasern aus L2 und L3, sein Hautgebiet liegt aber außerhalb des L3-Dermatoms. Ein Wurzelsyndrom ist es nicht, und es wird auch nicht wie eines behandelt.
Mein Oberschenkel schmerzt heftig und wird sichtbar dünner. Ich habe Diabetes.
Diese Kombination gehört zeitnah neurologisch abgeklärt und passt schlecht zu einer einzelnen Wurzel. Beschrieben ist ein eigenes Krankheitsbild — die diabetische lumbosakrale Radikuloplexusneuropathie, auch Bruns-Garland-Syndrom genannt: heftiger, oft nächtlicher Schmerz an Hüfte und Oberschenkel, dann rasch fortschreitende Schwäche und Muskelschwund, häufig mit deutlichem Gewichtsverlust, meist bei Typ-2-Diabetes und oft zunächst einseitig. Der Muskelschwund reicht dabei über das Gebiet einer Wurzel hinaus. Das ist hier keine Diagnose, sondern der Hinweis, dass dieses Muster nicht zum Segment passt und deshalb nicht als Segmentbeschwerde behandelt werden sollte.
Was bedeuten die Kennzeichnungen [B], [I] und [H] im Text?
Sie machen die Beleglage einer Aussage sichtbar. [B] steht für anatomisch oder klinisch belegt — gedeckt durch Standardwerke, begutachtete Originalarbeiten oder Leitlinien. [I] steht für eine nachvollziehbare Deutung, die über das Belegte hinausgeht. [H] steht für ein Modell, das historisch bedeutsam, methodisch aber nur eingeschränkt überprüfbar ist. Aussagen ohne Kennzeichnung folgen dem Text davor. Wo eine Angabe fehlt, ist die Lücke benannt und nicht durch eine plausible Vermutung ersetzt worden.
Kapitel 11
Grundlage und Quellen
Verwendet wurden ausschließlich belegte Fachquellen: Standardwerke der Anatomie und der klinischen Neurologie, Originalarbeiten aus begutachteten Fachzeitschriften und Leitlinien der Fachgesellschaften. Populäre Darstellungen, Webportale, Anbieterseiten und unbelegte Sekundärquellen sind nicht herangezogen worden. Aussagen, die in den verwendeten Werken keine volle Deckung finden, sind im Text als Interpretation [I] oder als Hypothese [H] gekennzeichnet. Wo eine Angabe fehlt, ist die Lücke benannt — das betrifft in diesem Beitrag vor allem die Schmerzkarte der Bandscheibe L3/L4 und die Verlaufsdaten der oberen Lendenetagen.
11.1 Anatomie und Biomechanik
- Schünke M, Schulte E, Schumacher U: Prometheus. LernAtlas der Anatomie — Bände „Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ sowie „Innere Organe“. Thieme. — Grundlage der Angaben zu Wirbelbau, Plexus lumbalis und Grenzstrang in den Kapiteln 01 bis 04.
- Standring S (Hrsg.): Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevier. — Grundlage der Angaben zu den Faseranteilen von N. femoralis, N. obturatorius und N. cutaneus femoris lateralis sowie zur Ausdehnung des Nucleus intermediolateralis.
- Bogduk N: Clinical Anatomy of the Lumbar Spine and Sacrum. Churchill Livingstone / Elsevier. — Grundlage der Angaben zu Bewegungssegment, Wirbelgelenkinnervation über den Ramus medialis und zum Verlauf der Wurzeln im Recessus lateralis.
- Pearcy MJ, Tibrewal SB und Pearcy MJ, Portek I, Shepherd J: Untersuchungen zur dreidimensionalen Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule mittels biplanarer Röntgentechnik, Spine 1984. — Grundlage der Bewegungsumfänge in Abschnitt 1.4.
- Rohen JW, Yokochi C, Lütjen-Drecoll E: Anatomie des Menschen. Photographischer Atlas. Schattauer. — zur topographischen Kontrolle der Lagebeziehungen von Grenzstrang und Psoas.
11.2 Klinik, Untersuchung, Leitlinien
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinie Lumbale Radikulopathie, S2k, AWMF-Registernummer 030/058, federführend F. X. Glocker. — Grundlage der Beschreibung des L3-Syndroms in Kapitel 06 und der Abgrenzung zu L4. Hinweis zur Gültigkeit: Die Fassung von 2018 war bis zum 10. Januar 2023 gültig und ist abgelaufen. Maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung; die hier verwendeten Aussagen betreffen die klinische Beschreibung der Wurzelsyndrome, die zwischen den Fassungen unverändert geblieben ist.
- Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, AWMF-Registernummer nvl-007. — Grundlage der Aussagen zu Aktivität, Bettruhe und zurückhaltender Bildgebung in den Kapiteln 07 und 08. Hinweis zur Gültigkeit: Die Leitlinie ist derzeit nicht gültig und wird überarbeitet; die genannten Grundsätze werden von der internationalen Literatur übereinstimmend getragen.
- Mumenthaler M, Stöhr M, Müller-Vahl H: Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome. Thieme. — Grundlage der Kennmuskel- und Dermatomangaben, der Reflexzuordnungen und der Abgrenzung Wurzel gegen peripheren Nerv.
- Bähr M, Frotscher M: Duus‘ Neurologisch-topische Diagnostik. Thieme. — Grundlage der Angaben zur Lage der Rückenmarkssegmente gegenüber den Wirbeln und zum Ende des Conus medullaris.
- Preston DC, Shapiro BE: Electromyography and Neuromuscular Disorders. Clinical–Electrophysiologic Correlations. Elsevier. — Grundlage der elektrophysiologischen Unterscheidung von Wurzel, Plexus und N. femoralis in Abschnitt 7.6.
11.3 Schmerzkarten, Dermatome, Bildgebung
- Fukui S, Ohseto K, Shiotani M, Ohno K, Karasawa H, Naganuma Y: Distribution of referred pain from the lumbar zygapophyseal joints and dorsal rami. The Clinical Journal of Pain, 1997. — Grundlage der Schmerzkarte des Wirbelgelenks L3/L4 in Abschnitt 5.2, einschließlich des Hinweises auf die erhebliche Überlappung zwischen den Etagen.
- Lee MWL, McPhee RW, Stringer MD: An evidence-based approach to human dermatomes. Clinical Anatomy, 2008. — Grundlage der Aussage zur Unschärfe und Widersprüchlichkeit der Dermatomkarten in Abschnitt 5.1.
- Brinjikji W et al.: Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. American Journal of Neuroradiology, 2015. — Grundlage der Häufigkeitsangaben zu Bildbefunden bei Beschwerdefreien in Abschnitt 7.5.
- Boden SD, Davis DO, Dina TS, Patronas NJ, Wiesel SW: Abnormal magnetic-resonance scans of the lumbar spine in asymptomatic subjects. Journal of Bone and Joint Surgery, 1990. — historische Ausgangsarbeit zum selben Sachverhalt.
- Kellgren JH (1939) sowie Inman VT, Saunders JBdeCM (1944): Reizversuche an Bändern und Knochenhaut zur Kartierung tiefen Schmerzes. — Grundlage der Sklerotomangaben in Abschnitt 5.2, dort ausdrücklich als [H] gekennzeichnet.
11.4 Häufigkeit und Verlauf der oberen Lendenetagen
- Clinical Practice Guidelines for Lumbar Disc Herniation der japanischen orthopädischen Fachgesellschaften, Teil „Epidemiology and Natural Course“, 2021. — Grundlage der Etagenverteilung und der Altersangaben in Abschnitt 6.2.
- Sanderson SP et al.: Upper lumbar disc herniations. Journal of Spinal Disorders, 1993. — Grundlage der Angabe zur Spannweite der Häufigkeit oberer lumbaler Vorfälle und zur eingeschränkten Aussagekraft der Einzelbefunde bei diesen Etagen.
- Dyck PJB, Windebank AJ: Diabetic and nondiabetic lumbosacral radiculoplexus neuropathies. Muscle & Nerve, 2002. — Grundlage der Beschreibung des Bruns-Garland-Syndroms in Kapitel 06 und in den Häufigen Fragen.
11.5 Eingeschränkt verwendete und nicht verwendete Quellen
- Eingeschränkt: Simons DG, Travell JG, Simons LS: Myofascial Pain and Dysfunction. The Trigger Point Manual. — ausschließlich als Herkunft der Ausstrahlungskarten in Abschnitt 3.4 genannt, mit dem Vermerk zur begrenzten Untersucherübereinstimmung.
- Eingeschränkt: Historische Zonenmodelle nach Head, Mackenzie und Dicke — ausschließlich als [H] gekennzeichnet und ohne Ableitung von Aussagen (Abschnitt 5.3).
- Nicht verwendet: Segmenttabellen ohne Belegangabe, Organzuordnungskarten aus dem populären Schrifttum, Anbieter- und Forenseiten. Die Angaben der Vorfassung zu Organversorgung, Enterotomen, Viszerotomen und „McKenzie-Zonen“ des Segments L3 stammen aus dieser Gruppe und sind entfallen.
11.6 Was gegenüber der Vorfassung geändert wurde
| Angabe der Vorfassung | Berichtigung |
|---|---|
| Präganglionäre Zellkörper im Seitenhorn „des Segments L3″ | Das Seitenhorn reicht von Th1 bis etwa L2. Der Spinalnerv L3 erhält nur einen grauen Verbindungsast (Abschnitt 4.1) |
| Das Segment L3 versorge die Nervi splanchnici lumbales und beeinflusse dadurch die Bauchorgane | Die Eingeweidenerven gibt es, ihre vorgeschalteten Fasern stammen aber aus Th10 bis L2. Die Lage eines Ganglions in Höhe L3 ist eine topographische, keine nervale Beziehung (Abschnitt 4.2) |
| Organversorgung durch L3: Nieren, Harnleiter, Blase, Genitalorgane, absteigender Dickdarm | Kein Anteil von L3. Sympathisch Th10 bis L2, parasympathisch S2 bis S4 (Abschnitt 4.3) |
| Blasenfunktionsstörung, rektale Dysfunktion und sexuelle Dysfunktion als Folge einer L3-Kompression | Diese Zeichen weisen auf die sakralen Wurzeln und damit auf ein Cauda-equina-Syndrom hin — ein Notfall, kein Segmentzeichen (Kapitel 04 und 09) |
| Rückenmark und Seitenhorn auf Höhe des Wirbels L3 | Das Rückenmark endet bei L1/L2. Hinter dem Wirbel L3 liegt nur die Cauda equina; das Rückenmarkssegment L3 liegt hinter Th11/Th12 (Abschnitt 1.1) |
| Ein Bandscheibenvorfall L3/L4 reize die Wurzel L3 | Der häufige hinten-seitliche Vorfall dieser Etage trifft L4. Zu L3 führt ein Vorfall bei L2/L3 oder ein foraminaler Vorfall bei L3/L4 (Abschnitt 1.2) |
| M. gluteus medius als von L3 innervierter Hüftstrecker | N. gluteus superior, L4 bis S1 — und ein Abspreizer, kein Strecker (Abschnitt 3.3) |
| „Lumboischialgie-Syndrom“ als L3-Beschwerdebild | L3 hat keinen Anteil am N. ischiadicus. Zutreffend ist Lumbofemoralgie (Abschnitt 2.2) |
| Adduktoren und Hüftbeuger als Nebenbefund; Kennmuskel allein der M. quadriceps femoris | Kennzeichnend für L3 ist die Trias aus Kniestreckung, Hüftbeugung und Adduktion. Die Adduktion trennt L3 von L4 (Abschnitt 3.1 und 3.2) |
| Dermatom L3 „vom Leistenbereich über den inneren Oberschenkel“ | Schräges Band über die Vorderseite des Oberschenkels bis zur Knieinnenseite. Die Leiste gehört zu L1, die Außenseite zum N. cutaneus femoris lateralis (Abschnitt 5.1) |
| Head-Zonen des Segments L3 mit Bezug zum unteren Bauchraum | Im Head-Modell ist L3 kein Organ zugeordnet. Die Zonen für Niere und Blase liegen bei Th10 bis L2 (Abschnitt 5.3) |
| „MacKenzie-Zonen“ des Segments L3 mit Projektion des Colon descendens auf die Oberschenkelmuskulatur | Existiert in keinem der beiden Modelle, die diesen Namen tragen. Robin McKenzie und James Mackenzie werden hier verwechselt (Abschnitt 5.3) |
| Enterotome und Viszerotome des Segments L3 | Ohne Grundlage in den verwendeten Werken; entfallen |
| Meralgia paraesthetica als L3-Dermatomstörung geführt | Betrifft die Außenseite des Oberschenkels, außerhalb des L3-Dermatoms, ohne motorischen Befund (Abschnitt 2.3) |
| Hyper- und Hypomobilität als gesicherte Ursachen mit definierter Symptomatik | Als Untersuchungsbefunde mit geringer Untersucherübereinstimmung gekennzeichnet [I] (Abschnitt 1.5) |
Verwandte Segmente
Segment L2 · Segment L4 · Segment L5 · Nervus femoralis · Nervus obturatorius
Hinweis. Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen. Bei zunehmender Beinschwäche, wiederholt wegknickendem Knie, Störungen von Blase oder Mastdarm oder verändertem Gefühl im Reithosenbereich ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.