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Segment – S5

Das Segment S5 ist das unterste der Wirbelsäule. Es steuert kein Organ, hat keinen prüfbaren Kennmuskel und kein Gebiet am Bein. Was von ihm bleibt, ist Gefühl: der innerste Ring um den After und die Haut bis zum Steißbein. Gerade dieses kleine Gebiet hat aber ein Gewicht, das keinem anderen Segment zukommt — an ihm entscheidet sich bei einer Rückenmarksschädigung, ob die Verbindung vollständig unterbrochen ist. Diese Seite schließt zugleich die Reihe von C1 bis S5 ab und behandelt den Steißbeinnerv mit.

Auf einen Blick

  • Austritt ohne Loch: S5 verlässt das Kreuzbein nicht durch ein Kreuzbeinloch, sondern durch den Kreuzbeinschlitz (Hiatus sacralis) am unteren Ende des Kanals. [B]
  • Kein Organbezug: Der sakrale Parasympathikus umfasst S2 bis S4. S5 führt weder vorgeschaltete parasympathische noch vorgeschaltete sympathische Fasern und steuert kein Organ. [B]
  • Kein Anteil am Schamnerv: Der N. pudendus stammt aus S2 bis S4. S5 trägt zum willkürlichen Verschluss allenfalls über direkte Äste an den Beckenboden bei — und dieser Weg ist in der Literatur umstritten.
  • Dermatom: Der innerste Ring um den After und die Haut über dem Steißbein. In der standardisierten Untersuchung nach ASIA werden S4 und S5 zu einem gemeinsamen Prüfpunkt zusammengefasst. [B]
  • Das entscheidende kleine Gebiet: Bleibt hier Empfindung erhalten, gilt eine Rückenmarksschädigung als unvollständig — mit erheblichen Folgen für die Einschätzung des weiteren Verlaufs. [B]
  • Der Steißbeinnerv: Der kleinste Spinalnerv des Menschen tritt zwischen Kreuzbein und Steißbein aus und bildet mit Anteilen von S4 und S5 das Steißbeingeflecht. Aus ihm gehen die Nn. anococcygei für die Haut zwischen After und Steißbein hervor. [B]
  • Was hier nicht verläuft: Das Endfaden genannte Gebilde (Filum terminale), das vom Rückenmarksende bis zum Steißbein zieht, ist kein Nerv, sondern ein Bindegewebsstrang. [B]
  • Häufigste Verwechslung: Steißbeinschmerz gilt als Segmentzeichen von S5. Belegt ist das nicht — die Quellen des Schmerzes sind meist Gelenk, Bänder und Muskelansätze, gelegentlich eine Steißbeinfistel.

Kapitel 01

Anatomie des Segments S5

1.1 Drei Bedeutungen von „S5“ — und ein vierter Begriff

  • Der Wirbel S5 — der unterste Kreuzbeinwirbel. Sein hinterer Bogen fehlt in der Regel; seine Reste bilden die beiden Kreuzbeinhörner, die den Kreuzbeinschlitz seitlich begrenzen. [B]
  • Das Rückenmarkssegment S5 — das unterste Segment des Rückenmarks, gelegen in der Spitze des Conus medullaris hinter den Wirbelkörpern Th12 und L1. [B]
  • Der Spinalnerv S5 — er entsteht im untersten Kreuzbeinkanal und verlässt ihn durch den Kreuzbeinschlitz.
  • Der Steißbeinnerv (N. coccygeus) — er ist nicht S5, sondern ein eigener, noch tiefer liegender Spinalnerv. Er tritt zwischen Kreuzbein und Steißbein aus und ist der kleinste des Körpers. [B]

Der Endfaden ist kein Nerv. Vom unteren Ende des Rückenmarks zieht ein dünner Strang bis zum Steißbein, das Filum terminale. Er besteht aus Bindegewebe und Gliazellen, nicht aus Nervenfasern, und dient der Verankerung. [B] Wer ihn für die Fortsetzung des Rückenmarks hält, verlegt Funktionen ins Steißbein, die dort nicht liegen. Klinisch bedeutsam wird er nur, wenn er zu straff ist und das Rückenmarksende nach unten zieht (angebundenes Rückenmark, Abschnitt 6.3).

1.2 Der Austritt durch den Kreuzbeinschlitz

Alle Segmente von S1 bis S4 verlassen das Kreuzbein durch paarige Löcher. Für S5 gibt es kein solches Loch mehr: Der Nerv verlässt den Kanal durch dessen unteres, offenes Ende, den Kreuzbeinschlitz, und teilt sich unmittelbar danach in seinen vorderen und seinen hinteren Ast. [B]

SegmentAustrittKlinische Bedeutung des Weges
S1 bis S4Paarige vordere und hintere KreuzbeinlöcherGezielter Zugang möglich; das dritte Loch ist die Zielhöhe der sakralen Neuromodulation
S5Kreuzbeinschlitz am unteren Ende des KanalsKein eigener knöcherner Kanal; liegt unmittelbar am Zugang zur Kaudalanästhesie
SteißbeinnervZwischen Kreuzbein und SteißbeinSehr klein; nur Gefühl der Haut über dem Steißbein
Die drei untersten Austritte. Die zweite und dritte Zeile erklären, warum sich diese Segmente einer gezielten Behandlung entziehen: Es fehlt der knöcherne Kanal, an dem sich eine Nadel oder eine Elektrode ausrichten ließe. [I]

1.3 Steißbein und Kreuzbein-Steißbein-Gelenk

Das Steißbein besteht meist aus drei bis fünf verschmolzenen Rudimenten und ist über ein straffes Gelenk mit dem Kreuzbein verbunden, das eine geringe Beweglichkeit zulässt. Es dient dem Kreuz-Sitzbein-Band, dem Kreuz-Dornfortsatz-Band, dem M. coccygeus und Anteilen des Beckenbodens als Ansatz. [B] Form und Zahl der Rudimente schwanken erheblich; eine Formvariante allein erklärt Beschwerden nicht. [I]

Warum das für den Steißbeinschmerz zählt. Das Steißbein ist Ansatzpunkt mehrerer kräftiger Bänder und Muskeln und trägt beim Sitzen einen Teil der Last. Schmerz an dieser Stelle kann aus dem Gelenk, aus den Ansätzen oder aus dem Beckenboden stammen. Eine Zuordnung zum Segment S5 ist damit nicht gegeben und wird hier nicht behauptet.

1.4 Formvarianten und Fehlbildungen

  • Ausdehnung des Kreuzbeinschlitzes. Der Schlitz beginnt bei manchen Menschen schon in Höhe S3, bei anderen erst bei S5. Für Zugänge von außen ist das bedeutsam und wird einzeln geprüft, nicht vorausgesetzt. [B]
  • Offener Kreuzbeinbogen (Spina bifida occulta). Ein unvollständiger Schluss der hinteren Bögen ist an dieser Höhe der Regelfall und für sich genommen kein Krankheitsbefund. [B]
  • Fehlanlagen des unteren Kreuzbeins. Selten, aber regelhaft mit Störungen von Blase, Enddarm und Beckenboden verbunden — weil die zugehörigen Wurzeln fehlen. [B]
  • Angebundenes Rückenmark (Tethered cord). Ein zu straffer Endfaden hält das Rückenmarksende fest. Die Folgen betreffen genau die sakralen Funktionen. [B]
  • Hautveränderungen über dem Steißbein. Grübchen, Behaarungsanomalien oder Fehlbildungen der Haut können auf eine darunterliegende Fehlbildung hinweisen, besonders bei Kindern. Sie gehören abgeklärt, nicht beobachtet. [B]

Kapitel 02

Nervenversorgung

2.1 Was von S5 ausgeht

WegFasernZiel
Steißbeingeflecht (S4, S5, Steißbeinnerv)GefühlÜber die Nn. anococcygei die Haut zwischen After und Steißbein
Direkte Äste an den BeckenbodenWillkürlichM. levator ani — der Zuleitungsweg ist umstritten (Abschnitt 3.1)
Hinterer Ast von S5GefühlHaut über dem untersten Kreuzbein
Vorderer Ast, GefühlsanteilGefühlInnerster Ring um den After
Die Wege der S5-Fasern. Es fehlt jede Zeile mit Bezug zum Bein, jede mit Bezug zu einem Organ und jede zum Schamnerv. [B]

Drei Zuordnungen, die S5 häufig zugeschrieben werden und nicht zutreffen. Erstens der Schamnerv: Er stammt aus S2 bis S4. Zweitens die Beckennerven für Blase und Enddarm: ebenfalls S2 bis S4. Drittens die Steuerung der Sexualfunktion: gleichfalls S2 bis S4. [B] Was bei S5 tatsächlich bleibt, ist die Empfindung eines kleinen Hautgebiets und ein umstrittener Anteil am Beckenboden.

2.2 Der Steißbeinnerv

Der Steißbeinnerv ist der unterste und kleinste Spinalnerv. Seine Wurzelfäden verlassen die Spitze des Conus medullaris, ziehen als längster Anteil der Cauda equina bis ans untere Ende des Kreuzbeinkanals und treten zwischen Kreuzbein und Steißbein aus. Sein vorderer Ast schließt sich mit Anteilen von S4 und S5 zum Steißbeingeflecht zusammen, sein hinterer Ast versorgt die Haut über dem Steißbein. [B]

Ein Nerv ohne Muskelauftrag. Dem Steißbeinnerv wird kein eigener Muskel zugeschrieben, dessen Ausfall prüfbar wäre. Seine klinische Bedeutung liegt allein in der Hautversorgung — und darin, dass er bei Verletzungen des Steißbeins mitbetroffen sein kann. [I]

2.3 Wo S5 bedrängt werden kann

OrtUrsacheBesonderheit
Wirbelkanal in Höhe L4/L5 oder L5/S1Großer mittiger Bandscheibenvorfall, enger WirbelkanalTrifft S5 nie allein — immer im Verbund (Cauda-equina-Syndrom)
Spitze des Conus medullaris (Th12/L1)Tumor, Durchblutungsstörung, EntzündungKann als einziges Bild eine reine Gefühlsstörung im Reithosenbereich erzeugen [I]
Unterstes Kreuzbein und SteißbeinBruch, Verrenkung, TumorDie sakrokokzygeale Region ist ein typischer Ort des Chordoms, eines langsam wachsenden Knochentumors [B]
EndfadenAngebundenes RückenmarkZieht am Rückenmarksende; betrifft die sakralen Funktionen zuerst
Beckenboden und DammGeburt, Eingriffe, BestrahlungTrifft meist Geflecht oder Endäste, nicht die Wurzel
Angriffspunkte am untersten Segment. Die dritte Zeile verdient Aufmerksamkeit: Ein über Monate zunehmender tiefer Steißbeinschmerz ist nicht regelhaft harmlos.

2.4 Wurzel, Geflecht oder örtliche Ursache

BefundWurzeln S4 und S5Örtliche Ursache am SteißbeinSteißbeinfistel
Gefühl unmittelbar am AfterrandGestörtUnauffälligUnauffällig
Schließmuskelspannung, willkürliches AnspannenHerabgesetztUnauffälligUnauffällig
Blasen- und DarmentleerungKann gestört sein (über S2 bis S4)UnauffälligUnauffällig
Örtlicher Druckschmerz am SteißbeinNicht regelhaftFührendVorhanden, mit Rötung oder Absonderung
Sichtbarer Befund in der GesäßfalteFehltFehltPore, Grübchen, Absonderung oder Abszess
Drei Ursachen für Beschwerden in derselben Region. Die letzte Spalte ist keine neurologische Erkrankung, sondern eine erworbene Hauterkrankung der Gesäßfalte — die Unterscheidung gelingt durch Ansehen. [B]

Kapitel 03

Muskeln

3.1 Ein Segment fast ohne Muskelauftrag

S5 ist das einzige Segment der Wirbelsäule, dem kein Muskel eindeutig zugeordnet werden kann. Beschrieben wird ein Anteil an den direkten Ästen zum Beckenboden — und genau dieser Weg ist umstritten. [B]

MuskelAufgabeNervSegmenteAnteil von S5
M. levator aniTrägt die Beckenorgane, hält den EnddarmwinkelDirekte sakrale Äste und/oder N. pudendus — umstrittenS3 bis S5Beschrieben, aber nicht gesichert
M. coccygeusErgänzt die Beckenbodenplatte nach hintenDirekte sakrale ÄsteS3, S4, teils S5Gering
Äußerer AfterschließmuskelWillkürlicher VerschlussN. pudendusS2 bis S4Kein Anteil
Muskeln des Beins———Kein Anteil
Muskeln und S5. Zwei Zeilen enthalten ausdrücklich eine Verneinung, weil beide Zuordnungen in Sekundärquellen regelmäßig vorkommen und nicht zutreffen.

Warum das für die Untersuchung folgenreich ist. Weil S5 keinen prüfbaren Muskel hat, lässt sich eine Schädigung dieses Segments nicht über Kraft feststellen — nur über Gefühl. Damit fällt für das unterste Segment jene Prüfung weg, die an den Lendensegmenten die verlässlichste war. Wer eine Schädigung hier finden will, muss die Gefühlsprüfung am Afterrand vornehmen. Es gibt keinen Ersatz dafür. [I]

3.2 Abgrenzung zu den Nachbarsegmenten

PrüfungS3S4S5Steißbeinnerv
BeinbefundeFehlenFehlenFehlenFehlen
Blasen- und DarmentleerungRegelhaft gestörtRegelhaft gestörtNicht beteiligtNicht beteiligt
Willkürlicher VerschlussAbgeschwächtAbgeschwächtKaum beteiligtNicht beteiligt
Gefühl Damm und SitzbeinbereichGestörtKann gestört seinUnauffälligUnauffällig
Gefühl innerster Ring um den AfterUnauffälligGestörtGestörtUnauffällig
Gefühl über dem SteißbeinUnauffälligKann gestört seinGestörtGestört
Der Abschluss der Reihe. Von oben nach unten verschwindet zuerst das Bein, dann die Entleerung, dann der Verschluss. Am Ende bleibt Gefühl in einem handflächengroßen Gebiet.

Kapitel 04

Vegetative und viszerale Bezüge

4.1 Unterhalb jedes vegetativen Ursprungs

Teil des vegetativen NervensystemsUrsprung im RückenmarkGilt für S5?
Sympathikus (Seitenhorn)Th1 bis etwa L2Nein
Sakraler Parasympathikus (Nucleus parasympathicus sacralis)S2 bis S4Nein. Das Ursprungsgebiet endet ein Segment höher [B]
Willkürliche Versorgung der äußeren Schließmuskeln (Onuf-Kern)S2 bis S4Nein
Graue Verbindungsäste vom GrenzstrangAuf allen HöhenJa — für Gefäße, Schweißdrüsen und Haarmuskeln des eigenen Hautgebiets
Die vegetative Bilanz des Segments S5. Sie gleicht der von S1: kein Organbezug. Der Unterschied ist die Richtung — bei S1 liegt das Ursprungsgebiet darunter, bei S5 darüber. [B]

4.2 Der unpaare Endknoten — Nachbarschaft, nicht Zuständigkeit

Vor dem Kreuzbein-Steißbein-Gelenk endet der sympathische Grenzstrang beider Seiten in einem einzelnen, unpaaren Knoten (Ganglion impar). Er liegt damit unmittelbar neben dem Segment S5. [B] Die Fasern, die dort ankommen, sind jedoch auf den Höhen Th10 bis L2 aus dem Rückenmark ausgetreten und im Grenzstrang nach unten gezogen. Sie gehören nicht zu S5, sie liegen nur daneben.

Warum dieser Knoten dennoch vorkommt. Bei anhaltenden Schmerzen im Damm-, After- und Steißbeinbereich wird gelegentlich eine Betäubung an diesem Knoten vorgenommen. Die Beleglage dafür ist dünn und stützt sich überwiegend auf kleine Fallserien. Das Verfahren wird hier genannt, nicht empfohlen. [I]

4.3 Die Richtung der Aussage

Für S5 gilt, was für S1 galt: Ein Organbezug besteht nicht, weder in der einen noch in der anderen Richtung. Zuordnungen einzelner Organe zum Segment S5, wie sie in Segmenttabellen des populären Schrifttums vorkommen, entbehren der anatomischen Grundlage. [H] Für die belegten Bezüge zwischen sakralen Segmenten und Beckenorganen sind die Seiten zu S2, S3 und S4 einschlägig.

Kapitel 05

Dermatom, Sklerotom, Reflexzonen

5.1 Das Dermatom S5

Die sakralen Dermatome sind ringförmig um den After angeordnet: je tiefer das Segment, desto näher am Afterrand. S5 bildet den innersten Ring, unmittelbar am Übergang von Haut zu Schleimhaut, und reicht nach hinten bis über das Steißbein. [B]

OrtZuordnungAussagekraft
Übergang von Haut zu Schleimhaut am AfterS4 und S5 gemeinsamGemeinsamer Prüfpunkt der standardisierten Untersuchung nach ASIA [B]
Haut über dem SteißbeinS5 und SteißbeinnervErgänzende Prüfung
Äußerer Ring um den AfterS4Gegenprobe nach oben
Damm und SitzbeinbereichS3Bei reiner S5-Schädigung unauffällig
Prüforte am untersten Segment. Die Prüfung erfolgt nach Erklärung und mit ausdrücklichem Einverständnis; sie dauert weniger als eine Minute.

Das kleinste Gebiet mit der größten Tragweite. Bei einer Schädigung des Rückenmarks von oben her fallen die tiefsten Segmente zuletzt aus. Bleibt am Afterrand Empfindung erhalten oder ist die tiefe Druckempfindung im Analkanal vorhanden, gilt die Schädigung als unvollständig — unabhängig davon, wie ausgeprägt die Lähmung darüber ist. [B] Eine Untersuchung, die diesen Punkt auslässt, kann eine unvollständige Schädigung als vollständig einstufen. Das ist der folgenreichste vermeidbare Fehler in der Beurteilung von Rückenmarksschädigungen. [I]

5.2 Sklerotom und Schmerzkarten

  • Sklerotom. Die Zuordnung von Knochen, Bändern und Kapseln zu Segmenten stammt aus Reizversuchen der Jahre 1939 und 1944 — historisch bedeutsam, methodisch nur eingeschränkt überprüfbar. [H]
  • Steißbein. Für diese Region liegen keine Reizkarten mit vergleichbarer Methodik vor, wie sie für Wirbelgelenke und Kreuzbein-Darmbein-Gelenk vorliegen. Die Lücke wird benannt.
  • Folge für die Praxis. Steißbeinschmerz lässt sich über seinen Ort keinem Segment zuordnen. Er wird über die Vorgeschichte, den örtlichen Befund und die Frage eingeordnet, ob Gefühl, Verschluss und Entleerung unauffällig sind. [I]

5.3 Die Zonenmodelle — was davon trägt

ModellWas es behauptetBewertung für S5
Head-Zonen (ab 1893)Hautgebiete, die bei Organerkrankungen überempfindlich werdenDie dem Becken zugeordneten Zonen betreffen die Höhen S2 bis S4; für S5 findet sich keine einheitliche Zuordnung [H]
Reflexzonen nach James Mackenzie (um 1900)Reflektorische Muskelanspannung bei OrganerkrankungenAn der Rumpfmuskulatur beschrieben; für S5 ohne Aussage [H]
Bindegewebszonen nach Dicke (1929)Tastbare Veränderungen des UnterhautgewebesBeobachtungsbasiert, ohne überprüfbare Zuordnung zu einem Segment [H]
Historische Zonenmodelle und ihr Aussagewert für S5. Für dieses Segment fällt die Bewertung besonders klar aus: Ohne vegetativen Ursprung und ohne Organbezug fehlt jede anatomische Grundlage für eine Organzuordnung.

Zur wiederkehrenden Verwechslung: James Mackenzie beschrieb um 1900 reflektorische Muskelanspannung bei Organerkrankungen, Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren eine Bewegungstherapie. „McKenzie-Zonen“ gibt es in keiner der beiden Lehren.

5.4 Erklärungswege über das Rückenmark

Dieser Abschnitt ordnet ein, auf welchem Weg ein Organreiz Haut, Unterhaut und Muskeln verändern kann. Belegt ist nur ein Teil davon.

Reize aus einem Organ können im Rückenmark sympathische Ursprungszellen erregen. Diese Zellen liegen im Nucleus intermediolateralis, einer Zellsäule im Seitenhorn, und nur in den Segmenten Th1 bis etwa L2. Das Segment S5 besitzt in der Regel keine. Die sympathischen Fasern für seine Haut stammen aus unteren Brust- und oberen Lendensegmenten und erreichen den Spinalnerv über den Grenzstrang. [B]

Dass sich Unterhaut und Muskeln im Übertragungsgebiet eines Organs messbar verändern, ist beim Menschen gezeigt. Bei Gallensteinen mit Koliken war die Unterhaut im Übertragungsgebiet dicker und der Muskel dünner als auf der Gegenseite. Ohne Koliken fanden sich diese Unterschiede nicht. [B]

Die Autoren dieser Untersuchung vermuten, dass Überempfindlichkeit und Gewebeveränderung auf verschiedenen Wegen entstehen. [I]

Auf welchem Weg die Veränderungen entstehen, ist beim Menschen nicht geklärt. Tierversuche nennen drei Kandidaten: gegabelte Empfindungsfasern, Verschaltungen zwischen Empfindungsfasern im Rückenmark und den sympathischen Reflex über das Seitenhorn. [B]

Gegabelte Empfindungsfaser. Bei Ratten sind Schmerzfasern nachgewiesen, die sich teilen und mit einem Ast die Haut, mit dem anderen ein Organ versorgen. Bei Entzündungen von Dickdarm, Blase oder Magen trat in der Haut Flüssigkeit aus. Im Dickdarmmodell reagierten diese Fasern verstärkt auf Hautreize. [B]

Hinterwurzelreflex. Hier läuft eine Erregung vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser. An deren Ende setzt sie Botenstoffe frei, die eine vom Nerv ausgelöste Schwellung und Rötung hervorrufen, eine neurogene Entzündung. Im Tierversuch erklärt dieser Reflex einen erheblichen Teil der Gelenkschwellung bei Arthritis und der Hautrötung nach Einspritzen von Capsaicin. [B]

Dass einer dieser beiden Wege die Zonen bei Organleiden erzeugt, ist nicht gezeigt. Beide setzen kein Seitenhorn voraus und kämen deshalb auch für S5 in Frage. [I]

Konvergenz im Hinterhorn. Fast alle Schaltzellen der zweiten Stufe im Hinterhorn erhalten Eingänge aus den Eingeweiden und zugleich aus Haut und Muskeln. Dieses Zusammenlaufen gilt seit Langem als Grundlage dafür, dass Organschmerz an der Körperoberfläche gespürt wird. [B]

Die Konvergenz erklärt die Überempfindlichkeit einer Zone, für sich allein aber keine tastbare Gewebeveränderung. Welcher der genannten Wege beim Menschen überwiegt, ist offen. [I]

Die Bindegewebsmassage erklärt ihre Zonen mit einer Reflexwirkung über das vegetative Nervensystem, also mit dem Weg über das Seitenhorn. Nachgewiesen ist diese Erklärung nicht, und ob die Tastbefunde nach Dicke den gemessenen Veränderungen entsprechen, ist offen. Für eine Zone im Bereich von S5 könnte der Weg über das Seitenhorn ohnehin nur über andere Segmente führen. [I]

Skelettmuskeln werden ausschließlich über die motorischen Vorderhornzellen erregt. Das vegetative Nervensystem, zu dem das Seitenhorn gehört, steuert Eingeweide, Gefäße und Drüsen, aber nicht die Skelettmuskeln. [B]

Ein zweites Modell führt Verspannungen der Körperwand bei Organreiz auf Reflexe über diese Vorderhornzellen zurück. Die Körperwand umfasst Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ. Tierversuche stützen das Modell; beim Menschen ist es nicht gesichert. [I]

Ob der Sympathikus die Muskelspannung beim Menschen unmittelbar verändert, ist ungeklärt. Im Tierversuch veränderte ein Sympathikusreiz die Empfindlichkeit der Muskelspindeln, der Längenfühler im Muskel. Beim Menschen blieb die Spindelentladung in einer Untersuchung unverändert; in einer anderen war der Dehnungsreflex verstärkt. Die Befunde widersprechen sich. [I]

Alle genannten Wege beschreiben die Richtung vom Organ zur Körperwand. Dass eine Behandlung von Haut oder Muskeln über diese Wege ein Organ beeinflusst, ist damit nicht belegt. [H]

Kapitel 06

Beschwerdebilder

6.1 In welchen Bildern S5 vorkommt

BildOrtKennzeichen
Cauda-equina-SyndromWurzelbündel unterhalb von L2Schmerz, dann Störung von Blase, Enddarm und Gefühl im Reithosenbereich; S5 ist mitbetroffen
Conus-SyndromRückenmarksende hinter Th12/L1Beidseits und symmetrisch; kann als frühestes Zeichen eine reine Gefühlsstörung am Afterrand erzeugen [I]
Rückenmarksschädigung oberhalbBeliebige HöheS5 dient als Prüfgebiet für die Frage, ob die Schädigung vollständig ist (Abschnitt 7.2)
Örtliche Erkrankung am SteißbeinSteißbein und GesäßfalteKein neurologischer Befund; Schmerz beim Sitzen steht im Vordergrund
Die vier Zusammenhänge, in denen S5 auffällt. Nur die ersten beiden sind Erkrankungen des Nervensystems; die dritte betrifft die Einstufung, die vierte gehört nicht in die Neurologie.

6.2 Wie häufig eine isolierte S5-Schädigung ist

Als eigenes Krankheitsbild kommt sie praktisch nicht vor. Belastbare Häufigkeitszahlen liegen nicht vor; die Lücke wird benannt. [B] Was es gibt, ist die S5-Beteiligung im Rahmen einer Schädigung mehrerer Wurzeln — und die Prüfung dieses Segments als Teil der Beurteilung einer Rückenmarksschädigung.

6.3 Ursachen mit Bezug zu diesem Segment

  • Cauda- und Conus-Schädigung. Durch großen mittigen Bandscheibenvorfall, engen Wirbelkanal, Tumor, Blutung oder Entzündung. [B]
  • Angebundenes Rückenmark (Tethered cord). Ein zu straffer Endfaden zieht am Rückenmarksende. Bei Kindern zeigen sich Fußdeformitäten, Blasenstörungen und Hautveränderungen über dem Kreuzbein; bei Erwachsenen kann sich das Bild schleichend entwickeln. [B]
  • Steißbeinverletzung. Sturz auf das Gesäß oder Geburt; möglich sind Bruch und Verrenkung im Kreuzbein-Steißbein-Gelenk. [B]
  • Chordom der sakrokokzygealen Region. Ein seltener, langsam wachsender Knochentumor, für den diese Region ein typischer Ort ist. Kennzeichnend sind ein über Monate zunehmender tiefer Schmerz und später Beckenfunktionsstörungen. [B]
  • Gürtelrose im Sakralbereich. Der Schmerz geht dem Ausschlag um Tage voraus. [B]
  • Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis). Eine erworbene Erkrankung der Gesäßfalte, bei der Haarfragmente eine wesentliche Rolle spielen. Sie ist keine Nervenerkrankung, wird aber wegen der Lage regelmäßig mit Steißbeinschmerz verwechselt. Drei Erscheinungsformen werden unterschieden: die beschwerdefreie, die akut abszedierende und die chronisch absondernde. [B]
  • Fehlbildungen des unteren Kreuzbeins. Selten, aber regelhaft mit Störungen von Blase, Enddarm und Beckenboden verbunden.

6.4 Der Steißbeinschmerz (Kokzygodynie)

Der Schmerz am Steißbein beim Sitzen und beim Aufstehen aus dem Sitzen ist das häufigste Anliegen in diesem Gebiet — und zugleich dasjenige mit der dünnsten Beleglage. Beschrieben werden mehrere mögliche Quellen; eine sichere Zuordnung im Einzelfall gelingt selten. [I]

Mögliche QuelleHinweise daraufWas dagegen spricht
Kreuzbein-Steißbein-GelenkÖrtlicher Druckschmerz, Beschwerden nach Sturz oder GeburtFehlender Druckschmerz; Beschwerden unabhängig vom Sitzen
Bänder und Muskelansätze am SteißbeinSchmerz beim Anspannen des BeckenbodensBeschwerden auch in völliger Entspannung unverändert
BeckenbodenverspannungDruckschmerz innen tastbar, oft mit EntleerungsproblemenBeckenboden unauffällig tastbar
SteißbeinfistelPore oder Grübchen in der Gesäßfalte, Absonderung, RötungHaut unauffällig
Tumor im unteren KreuzbeinÜber Monate zunehmend, Nachtschmerz, später FunktionsstörungenBeschwerden gleichbleibend über Jahre, sitzabhängig
Wurzelschädigung S4 oder S5Verändertes Gefühl am Afterrand, gestörter VerschlussGefühl, Verschluss und Entleerung unauffällig — dann ist die Wurzel unwahrscheinlich
Mögliche Quellen des Steißbeinschmerzes. Die letzte Zeile ist die entscheidende Abgrenzung: Ohne Befund an Gefühl, Verschluss oder Entleerung ist eine Wurzelschädigung unwahrscheinlich — auch wenn der Schmerz genau über dem Segment liegt.

6.5 Verlauf

Beim Cauda- und beim Conus-Syndrom bestimmt der Zeitpunkt der Entlastung die Erholung wesentlich mit. [B] Für den Steißbeinschmerz wird ein überwiegend günstiger Verlauf unter einfachen Maßnahmen beschrieben; belastbare Zahlen aus Untersuchungen mit ausreichender Methodik liegen jedoch kaum vor, weshalb hier keine Angabe erfolgt. Bei der Steißbeinfistel gilt: Ein beschwerdefreier Befund bedarf keiner Behandlung. [B]

Kapitel 07

Untersuchung

7.1 Was die Vorgeschichte klären muss

  • Gefühl am Afterrand und über dem Steißbein: verändert, taub, überempfindlich?
  • Verschluss: Lässt sich der Stuhldrang aufhalten? Geht ungewollt Luft oder Stuhl ab?
  • Blase: verzögerter Beginn, Restharngefühl, Verlust des Harndrangs?
  • Schmerz: nur beim Sitzen, auch nachts, zunehmend über Monate?
  • Auslöser: Sturz auf das Gesäß, Geburt, langes Sitzen auf harter Unterlage?
  • Sichtbares: Pore, Grübchen, Rötung oder Absonderung in der Gesäßfalte?
  • Vorgeschichte: Tumorerkrankung, Bestrahlung im Becken, Eingriffe, bei Kindern Hautveränderungen über dem Kreuzbein.

7.2 Die Prüfung, an der sich die Einstufung entscheidet

In der standardisierten neurologischen Untersuchung von Rückenmarksschädigungen nach ASIA entscheiden drei Befunde am Segment S4/S5 darüber, ob eine Schädigung als vollständig oder unvollständig gilt: die Berührungs- und Schmerzempfindung am Übergang von Haut zu Schleimhaut, die tiefe Druckempfindung im Analkanal und das willkürliche Anspannen des äußeren Schließmuskels. Ist einer davon erhalten, gilt die Schädigung als unvollständig. [B]

Die Untersuchung dauert weniger als fünf Minuten. Sie wird erklärt, das Einverständnis wird eingeholt, und sie wird nicht ausgelassen, weil sie unangenehm ist. Ihre Tragweite für die Einschätzung des weiteren Verlaufs ist größer als die jeder anderen Einzeluntersuchung bei einer Rückenmarksschädigung.

7.3 Örtliche Untersuchung am Steißbein

  • Ansehen. Gesäßfalte auf Poren, Grübchen, Rötung und Absonderung prüfen — damit wird die Steißbeinfistel erkannt oder ausgeschlossen. [B]
  • Tasten von außen. Druckschmerz über dem Steißbein und dem Kreuzbein-Steißbein-Gelenk.
  • Tasten von innen. Beurteilung der Beweglichkeit des Steißbeins und der Spannung des Beckenbodens; erfolgt nach Erklärung und mit ausdrücklichem Einverständnis.
  • Röntgenaufnahmen im Sitzen und im Stehen. Zur Beurteilung der Beweglichkeit des Steißbeins vorgeschlagen; die Aussagekraft ist begrenzt und die Beleglage dünn. [I]

7.4 Reflexe und weitere Untersuchungen

UntersuchungWas sie prüftBewertung
AnalreflexReflexbogen der untersten SegmenteSegmentangaben schwanken zwischen S2 bis S4 und S4 bis S5; auch bei Gesunden nicht immer auslösbar
Bulbocavernosus-ReflexReflexbogen S2 bis S4Gegenprobe nach oben
RestharnmessungEntleerungsstörungBei reiner S5-Schädigung unauffällig; auffällig weist auf S2 bis S4
KernspintomographieConus, Cauda, Kreuzbein, EndfadenDringlich bei Verdacht auf Conus- oder Cauda-Schädigung; Untersuchungsbereich muss das Kreuzbein einschließen
Untersuchungen am untersten Segment. Die dritte Zeile ist zugleich eine Abgrenzung: Ein normaler Restharn spricht dafür, dass die Segmente S2 bis S4 nicht wesentlich betroffen sind. [I]

Kapitel 08

Behandlungsansätze

Dieser Abschnitt ordnet ein, welche Wege bei Beschwerden in diesem Gebiet gegangen werden. Er ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Auch hier gilt: Der erste Schritt ist die Abklärung.

LageWas geschiehtKennzeichnung
Neue Störung von Blase, Enddarm oder Gefühl im ReithosenbereichSofortige Klinikvorstellung. Keine manuelle Behandlung, kein Abwarten[B]
Bestätigte Schädigung durch RaumforderungEntlastung durch einen Eingriff; der Zeitpunkt bestimmt die Erholung wesentlich mit[B]
Steißbeinfistel, beschwerdefreiKeine Behandlung erforderlich[B]
Steißbeinfistel, akut abszedierendZeitnahe operative Eröffnung; die endgültige Versorgung erfolgt im entzündungsfreien Zeitraum[B]
Steißbeinfistel, chronisch absonderndOperative Behandlung; die Verfahren unterscheiden sich in Heilungsdauer und Rückfallrate[B]
Steißbeinschmerz ohne WarnzeichenEntlastendes Sitzen, angeleitete Übungsbehandlung, zeitlich begrenzte Schmerzbehandlung[I]
Steißbeinschmerz, anhaltendManuelle Behandlung, Injektionen oder in Ausnahmefällen die Entfernung des Steißbeins; alle drei sind nur schwach belegt und setzen den Ausschluss anderer Ursachen voraus[I]
Segmentbehandlung der Körperwand mit dem Ziel, ein Organ zu steuernNicht belegt; für S5 fehlt schon der anatomische Bezug (Abschnitt 4.3)[H]
Wege bei Beschwerden im Gebiet des untersten Segments, geordnet nach Dringlichkeit. Auffällig ist der Unterschied in der Beleglage: Für die Steißbeinfistel besteht eine belastbare Grundlage, für den Steißbeinschmerz nicht.

Was an diesem Segment zu beachten bleibt. Beschwerden am Steißbein werden häufig über Jahre hingenommen, weil sie als harmlos gelten. Das trifft meistens zu — aber nicht immer. Ein über Monate zunehmender Schmerz, Nachtschmerz oder ein hinzutretender Befund an Gefühl, Verschluss oder Entleerung ändert die Lage und gehört abgeklärt. [I]

Kapitel 09

Warnzeichen — wann Behandlung unterbleibt

Sofort in die Klinik — keine manuelle Behandlung, kein Abwarten:

  • Cauda- oder Conus-Zeichen: erschwerte Blasenentleerung oder Harnverhalt, ungewollter Harn- oder Stuhlabgang, verändertes Gefühl im Reithosenbereich, neu aufgetretene Störung der Sexualfunktion, beidseitige Beinschwäche
  • Neu bemerkte Taubheit unmittelbar am Afterrand — auch ohne Schmerzen und ohne weitere Ausfälle
  • Neu aufgetretener Ausfall des willkürlichen Anspannens am After
  • Fieber mit Becken- oder Steißbeinschmerz und neurologischen Ausfällen
  • Heftiger Kreuzschmerz mit neurologischen Ausfällen unter gerinnungshemmender Behandlung

Zeitnahe ärztliche Abklärung vor jeder Behandlung:

  • Über Monate zunehmender tiefer Steißbein- oder Beckenschmerz, besonders mit Nachtschmerz — die sakrokokzygeale Region ist ein typischer Ort langsam wachsender Knochentumoren
  • Rötung, Schwellung oder Absonderung in der Gesäßfalte, mit oder ohne Fieber
  • Ruhe- und Nachtschmerz, ungewollter Gewichtsverlust, Tumorerkrankung in der Vorgeschichte
  • Steißbeinschmerz nach Sturz oder Geburt, der über Wochen nicht nachlässt
  • Gürtelrose im Damm-, Gesäß- oder Genitalbereich
  • Bei Kindern: Grübchen, ungewöhnliche Behaarung oder andere Hautveränderungen über dem Kreuzbein, besonders zusammen mit Blasenstörung oder Fußdeformität

Erhöhte Vorsicht ist geboten bei: Osteoporose, Tumorerkrankung, gerinnungshemmender Behandlung, Immunschwäche, Zustand nach Eingriff oder Bestrahlung im kleinen Becken, bekannter Blasen- oder Darmfunktionsstörung und bei Zuckerkrankheit.

Für das unterste Segment gilt eine eigene Regel: Seine Störung kann völlig schmerzlos sein und besteht dann nur in einer Taubheit an einer Stelle, die selten beachtet wird. Wer sie bemerkt, sollte sie nicht abwarten — sie ist der empfindlichste Hinweis auf eine Schädigung am unteren Ende des Rückenmarks. [I]

Kapitel 10

Häufige Fragen

Warum hat S5 keinen Muskel und kein Organ?

Weil unterhalb von S4 die entsprechenden Zellgruppen im Rückenmark aufhören. Der sakrale Parasympathikus für Blase und Enddarm reicht von S2 bis S4, ebenso der Onuf-Kern für die äußeren Schließmuskeln und der Ursprung des Schamnervs. Was in S5 verbleibt, sind Gefühlsfasern für den innersten Ring um den After und die Haut über dem Steißbein sowie ein umstrittener Anteil an den direkten Ästen zum Beckenboden.

Woran erkenne ich, ob mein Steißbeinschmerz gefährlich ist?

Drei Fragen entscheiden. Erstens: Ist das Gefühl am Afterrand verändert, lässt der Verschluss nach, ist die Blasenentleerung gestört? Dann geht es nicht um das Steißbein, sondern um die Nervenwurzeln, und die Abklärung ist dringlich. Zweitens: Nimmt der Schmerz über Monate zu, tritt er auch nachts auf? Dann gehört ein Tumor in dieser Region ausgeschlossen. Drittens: Gibt es eine Pore, eine Rötung oder eine Absonderung in der Gesäßfalte? Dann liegt wahrscheinlich eine Steißbeinfistel vor. Ohne all das ist ein sitzabhängiger Steißbeinschmerz meist harmlos, wenn auch hartnäckig.

Was ist eine Steißbeinfistel, und muss sie immer operiert werden?

Sie ist eine erworbene Erkrankung der Gesäßfalte, bei der eingespießte Haarfragmente eine wesentliche Rolle spielen. Drei Formen werden unterschieden. Ein beschwerdefreier Befund bedarf keiner Behandlung. Ein Abszess sollte zeitnah operativ eröffnet werden; die endgültige Versorgung erfolgt dann im entzündungsfreien Zeitraum. Die chronisch absondernde Form wird operativ behandelt, wobei sich die Verfahren in Heilungsdauer und Rückfallrate unterscheiden. Mit den Nervenwurzeln hat die Erkrankung nichts zu tun — sie liegt in der Haut, nicht im Kanal.

Setzt sich das Rückenmark bis ins Steißbein fort?

Nein. Das Rückenmark endet beim Erwachsenen etwa in Höhe L1 bis L2. Von dort zieht ein dünner Strang bis zum Steißbein, der Endfaden. Er besteht aus Bindegewebe und dient der Verankerung, führt aber keine Nervenfasern. Bedeutung gewinnt er nur, wenn er zu straff ist und das Rückenmarksende nach unten zieht — dann können genau die sakralen Funktionen gestört sein.

Warum wird bei einer Querschnittlähmung am After untersucht?

Weil sich dort entscheidet, ob die Verbindung vollständig unterbrochen ist. Die untersten Segmente fallen bei einer Schädigung von oben her zuletzt aus. Bleiben Empfindung am Afterrand, tiefe Druckempfindung im Analkanal oder das willkürliche Anspannen des Schließmuskels erhalten, gilt die Schädigung als unvollständig — und das ändert die Einschätzung des weiteren Verlaufs erheblich. Die Untersuchung dauert wenige Minuten.

Kann eine Behandlung am Steißbein ein Organ beeinflussen?

Für S5 fehlt dafür schon die anatomische Grundlage: Das Segment führt weder vorgeschaltete sympathische noch vorgeschaltete parasympathische Fasern und steht mit keinem Organ in Verbindung. Der unpaare Endknoten des Grenzstrangs liegt zwar unmittelbar davor, gehört aber nicht zu diesem Segment: Seine Fasern stammen aus den Höhen Th10 bis L2. Nachbarschaft ist keine Zuständigkeit.

Was ist der Steißbeinnerv?

Der unterste und kleinste Spinalnerv des Menschen. Er tritt zwischen Kreuzbein und Steißbein aus und bildet mit Anteilen von S4 und S5 ein kleines Geflecht, aus dem die Nerven für die Haut zwischen After und Steißbein hervorgehen. Ein eigener Muskel wird ihm nicht zugeschrieben. Seine Bedeutung liegt in der Hautversorgung und darin, dass er bei Verletzungen des Steißbeins mitbetroffen sein kann.

Was bedeuten die Kennzeichnungen [B], [I] und [H] im Text?

Sie machen die Beleglage einer Aussage sichtbar. [B] steht für anatomisch oder klinisch belegt — gedeckt durch Standardwerke, begutachtete Originalarbeiten oder Leitlinien. [I] steht für eine nachvollziehbare Deutung, die über das Belegte hinausgeht. [H] steht für ein Modell, das historisch bedeutsam, methodisch aber nur eingeschränkt überprüfbar ist. Wo eine Angabe fehlt, ist die Lücke benannt und nicht durch eine plausible Vermutung ersetzt worden.

Kapitel 11

Grundlage und Quellen

Verwendet wurden ausschließlich belegte Fachquellen: Standardwerke der Anatomie und der klinischen Neurologie, Originalarbeiten und Übersichtsarbeiten aus begutachteten Fachzeitschriften sowie Leitlinien der Fachgesellschaften. Populäre Darstellungen, Webportale, Anbieterseiten und unbelegte Sekundärquellen sind nicht herangezogen worden. Aussagen ohne volle Deckung sind als Interpretation [I] oder als Hypothese [H] gekennzeichnet. Offene Punkte stehen gesammelt in Abschnitt 11.7.

11.1 Anatomie

  • Schünke M, Schulte E, Schumacher U: Prometheus. LernAtlas der Anatomie — Bände „Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ sowie „Innere Organe“. Thieme. — Grundlage der Angaben zu unterem Kreuzbein, Kreuzbeinschlitz, Kreuzbeinhörnern, Steißbein, Steißbeingeflecht und unpaarem Endknoten in den Kapiteln 01, 02 und 04.
  • Standring S (Hrsg.): Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevier. — Grundlage der Faseranteile von Steißbeingeflecht und Nn. anococcygei, der Abgrenzung des N. pudendus auf S2 bis S4, der Beschreibung des Endfadens und der Darstellung des Widerspruchs zur Versorgung des M. levator ani.
  • Bähr M, Frotscher M: Duus‘ Neurologisch-topische Diagnostik. Thieme. — Grundlage der Angaben zum Ende von Rückenmark und Duralsack, zur Lage der untersten Rückenmarkssegmente und zur Unterscheidung von Conus- und Cauda-Syndrom.
  • Rohen JW, Yokochi C, Lütjen-Drecoll E: Anatomie des Menschen. Photographischer Atlas. Schattauer. — zur topographischen Kontrolle am unteren Kreuzbein und am Steißbein.

11.2 Klinik, Untersuchung, Leitlinien

  • American Spinal Injury Association / ISCoS: International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury (ISNCSCI). — Grundlage des gemeinsamen Prüfpunkts S4/S5 und der drei Befunde, die über die Einstufung vollständig oder unvollständig entscheiden (Abschnitte 5.1 und 7.2).
  • Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie und weitere: S3-Leitlinie Sinus pilonidalis, AWMF-Registernummer 081-009, Version 3.0 von April 2026. — Grundlage der Angaben zu Erscheinungsformen und Behandlung der Steißbeinfistel in den Abschnitten 6.3 und 8. Hinweis zur Gültigkeit: Es handelt sich um die zum Erstellungszeitpunkt aktuelle Fassung; ein Ablaufdatum war nicht ermittelbar und ist vor Veröffentlichung nachzutragen.
  • Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie: Neuro-urologische Versorgung querschnittgelähmter Patienten, S2k, AWMF-Registernummer 179-001, Stand 30.09.2021. — herangezogen zur Abgrenzung gegenüber den Segmenten S2 bis S4. Hinweis zur Gültigkeit: gültig bis 29.09.2026; vor Veröffentlichung ist auf eine Nachfolgefassung zu prüfen.
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Leitlinie Diagnostik und Therapie von neurogenen Blasenstörungen, AWMF-Registernummer 030/121. — herangezogen zur Abgrenzung. Hinweis zur Gültigkeit: war bis zum 5. Januar 2025 gültig und ist abgelaufen.
  • Mumenthaler M, Stöhr M, Müller-Vahl H: Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome. Thieme. — Grundlage der Angaben zu sakralen Reflexen und zur Abgrenzung Wurzel gegen Nerv.

11.3 Originalarbeiten und Übersichtsarbeiten

  • Lee MWL, McPhee RW, Stringer MD: An evidence-based approach to human dermatomes. Clinical Anatomy, 2008. — Grundlage der Aussage zur Unschärfe der Dermatomkarten.
  • Labat JJ, Riant T, Robert R et al.: Diagnostic criteria for pudendal neuralgia by pudendal nerve entrapment (Nantes criteria). Neurourology and Urodynamics, 2008. — herangezogen zur Abgrenzung des Damm- und Analschmerzes gegenüber einer Wurzelschädigung.
  • Kellgren JH (1939) sowie Inman VT, Saunders JBdeCM (1944): Reizversuche an Bändern und Knochenhaut zur Kartierung tiefen Schmerzes. — Grundlage der Sklerotomangaben in Abschnitt 5.2, dort als [H] gekennzeichnet.

11.4 Eingeschränkt verwendete und nicht verwendete Quellen

  • Eingeschränkt: Historische Zonenmodelle nach Head, Mackenzie und Dicke — ausschließlich als [H] gekennzeichnet und ohne Ableitung von Aussagen (Abschnitt 5.3).
  • Nicht verwendet: Segmenttabellen ohne Belegangabe, Organzuordnungskarten aus dem populären Schrifttum, Anbieter- und Forenseiten. Angaben, nach denen dem Segment S5 ein Organ zugeordnet sei oder eine Behandlung am Steißbein ein Organ steuere, stammen aus dieser Gruppe und sind nicht übernommen worden.

11.5 Berichtigte Angaben zum Segment S5

Verbreitete AngabeBerichtigung
S5 sei am Schamnerv beteiligtDer N. pudendus stammt aus S2 bis S4 (Abschnitt 2.1)
S5 gehöre zum sakralen ParasympathikusDieser umfasst S2 bis S4. S5 führt keine vorgeschalteten vegetativen Fasern (Abschnitt 4.1)
Dem Segment S5 sei ein Organ zugeordnetEs besteht kein Organbezug, weder anatomisch noch funktionell (Abschnitte 4.1 und 4.3)
Der Endfaden sei die Fortsetzung des RückenmarksEr besteht aus Bindegewebe und führt keine Nervenfasern (Abschnitt 1.1)
S5 trete durch ein Kreuzbeinloch ausDer Austritt erfolgt durch den Kreuzbeinschlitz am unteren Ende des Kanals (Abschnitt 1.2)
Der Steißbeinnerv sei mit S5 gleichzusetzenEs handelt sich um einen eigenen, noch tiefer austretenden Spinalnerv (Abschnitte 1.1 und 2.2)
Steißbeinschmerz sei ein Segmentzeichen von S5Eine Zuordnung zu einem Segment ist nicht belegt; die Quellen sind meist Gelenk, Bänder, Muskelansätze oder eine Steißbeinfistel (Abschnitte 5.2 und 6.4)
Eine Steißbeinfistel sei eine NervenerkrankungSie ist eine erworbene Erkrankung der Haut in der Gesäßfalte (Abschnitt 6.3)
Jede Steißbeinfistel müsse operiert werdenEin beschwerdefreier Befund bedarf keiner Behandlung (Kapitel 08)
Ein offener Kreuzbeinbogen an dieser Höhe sei ein KrankheitsbefundAn S5 ist der fehlende Bogenschluss der Regelfall (Abschnitt 1.4)
Das Rückenmarkssegment S5 liege im KreuzbeinEs liegt in der Spitze des Conus medullaris hinter Th12/L1 (Abschnitt 1.1)
Der unpaare Endknoten gehöre zum Segment S5Seine Fasern stammen aus den Höhen Th10 bis L2; er liegt nur daneben (Abschnitt 4.2)
Verbreitete Angaben zum Segment S5 und der belegte Sachstand. Hinweis: Der Text einer bisherigen Seitenfassung lag bei dieser Erstellung nicht vor; die Tabelle ist vor Veröffentlichung mit der bisherigen Fassung abzugleichen. Die ersten drei Zeilen betreffen Zuordnungen, die in Segmenttabellen besonders häufig zu weit nach unten gezogen werden.

11.6 Abschluss der Reihe C1 bis S5

Mit dieser Seite ist die Reihe der Segmentseiten von C1 bis S5 vollständig. Über alle Seiten hinweg gelten dieselben Grundsätze:

  • Drei Größen bleiben getrennt: Wirbel, Rückenmarkssegment und Spinalnerv. Am Kreuzbein liegen sie am weitesten auseinander — bis über 20 Zentimeter.
  • Die Austrittsregel ist nicht einheitlich: An der Halswirbelsäule tritt der Nerv oberhalb des gleichnamigen Wirbels aus, an Brust-, Lenden- und Kreuzbeinwirbelsäule unterhalb. Am Kreuzbein teilt sich der Nerv zusätzlich schon im Kanal.
  • Die Richtung der Beleglage bleibt gleich: Schmerz aus einem Organ kann sich in der Körperwand zeigen. Dass eine Behandlung der Körperwand ein Organ steuert, folgt daraus nicht und ist über die ganze Reihe hinweg nicht übernommen worden.
  • Vegetative Ursprünge sind begrenzt: Sympathikus von Th1 bis etwa L2, sakraler Parasympathikus von S2 bis S4. Alle Segmente außerhalb dieser Bereiche — darunter S1 und S5 — steuern kein Organ.
  • Lücken werden benannt. Wo eine Angabe nicht belegt ist, steht das im Text und gesammelt im letzten Abschnitt jeder Seite.

11.7 Offene Punkte und benannte Lücken

  • Leitlinienlage. Für die Steißbeinfistel liegt mit 081-009 eine aktuelle Fassung vor; ihr Ablaufdatum ist nachzutragen. 179-001 gilt nur noch bis 29.09.2026, 030/121 ist abgelaufen. Eine gültige deutsche Leitlinie zum Cauda-equina-Syndrom war nicht auffindbar.
  • Anteil von S5 an der Versorgung des Beckenbodens. Die Quellen widersprechen einander; der Widerspruch bleibt in Abschnitt 3.1 stehen.
  • Segmentzuordnung des Analreflexes. Uneinheitliche Angaben in den Standardwerken (Abschnitt 7.4).
  • Steißbeinschmerz. Zu Ursachen, Untersuchung und Behandlung liegen keine Untersuchungen mit belastbarer Methodik in ausreichender Zahl vor; die Aussagen in den Kapiteln 06 bis 08 sind entsprechend als [I] gekennzeichnet.
  • Röntgenaufnahmen des Steißbeins im Sitzen und Stehen. Die Aussagekraft ist begrenzt; belastbare Kennzahlen liegen nicht vor (Abschnitt 7.3).
  • Betäubung am unpaaren Endknoten. Die Beleglage stützt sich überwiegend auf kleine Fallserien (Abschnitt 4.2).
  • Häufigkeit einer isolierten S5-Schädigung. Belastbare Zahlen liegen nicht vor (Abschnitt 6.2).
  • Einzelnachweise zum Chordom der sakrokokzygealen Region und zum angebundenen Rückenmark. Die Aussagen folgen dem übereinstimmenden Stand der Standardwerke; Einzelnachweise aus begutachteten Zeitschriften sind vor Veröffentlichung zu ergänzen.
  • Reihenweite Aufgabe. Die Korrekturtabellen aller Seiten sind gegen die jeweiligen bisherigen Seitenfassungen abzugleichen; diese lagen bei der Erstellung nicht vor.

11.8 Quellen und Änderungsvermerk zu den neuen Abschnitten

Quellen zu diesem Abschnitt

  • Jänig W: Spinal cord integration of visceral sensory systems and sympathetic nervous system reflexes. Prog Brain Res 1986;67:255–277. — Grundlage des Reflexwegs von den Eingeweidefasern zu den sympathischen Ursprungszellen.
  • Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aussage, dass das vegetative Nervensystem alle Körperteile außer der Skelettmuskulatur steuert.
  • Stifani N: Motor neurons and the generation of spinal motor neuron diversity. Front Cell Neurosci 2014;8:293. — Grundlage der Aufgabenteilung zwischen motorischen Vorderhornzellen (Skelettmuskel) und vegetativen Ursprungszellen (glatte Muskulatur, Drüsen).
  • Giamberardino MA, Affaitati G, Lerza R, Lapenna D, Costantini R, Vecchiet L: Relationship between pain symptoms and referred sensory and trophic changes in patients with gallbladder pathology. Pain 2005;114:239–249. — Messung von Unterhaut- und Muskeldicke im Übertragungsgebiet beim Menschen.
  • Wesselmann U, Lai J: Mechanisms of referred visceral pain: uterine inflammation in the adult virgin rat results in neurogenic plasma extravasation in the skin. Pain 1997;73:309–317. — Tierbefund zu Hautveränderungen im Übertragungsgebiet und den drei möglichen Entstehungswegen.
  • Fang Y, Han S, Li X, Xie Y, Zhu B, Gao X, Ma C: Cutaneous hypersensitivity as an indicator of visceral inflammation via C-nociceptor axon bifurcation. Neurosci Bull 2021;37:45–54. — Tierbefund zu gegabelten Schmerzfasern zwischen Organ und Haut sowie zur Konvergenz im Hinterhorn.
  • Willis WD Jr: Dorsal root potentials and dorsal root reflexes: a double-edged sword. Exp Brain Res 1999;124:395–421. — Übersicht zum Hinterwurzelreflex und zur neurogenen Entzündung.
  • Holey LA, Dixon J: Connective tissue manipulation: a review of theory and clinical evidence. J Bodyw Mov Ther 2014;18(1):112–118. — Grundlage der Einordnung der Bindegewebsmassage als Erklärungsmodell.
  • Giamberardino MA: Referred muscle pain/hyperalgesia and central sensitisation. J Rehabil Med 2003;Suppl 41:85–88. — Grundlage des Modells der Reflexe zur Muskulatur.
  • Roatta S, Windhorst U, Ljubisavljevic M, Johansson H, Passatore M: Sympathetic modulation of muscle spindle afferent sensitivity to stretch in rabbit jaw closing muscles. J Physiol 2002;540:237–248. — Tierbefund zur Muskelspindel.
  • Macefield VG, Sverrisdottir YB, Wallin BG: Resting discharge of human muscle spindles is not modulated by increases in sympathetic drive. J Physiol 2003;551:1005–1011. — Befund am Menschen ohne Spindelveränderung.
  • Hjortskov N, Skotte J, Hye-Knudsen C, Fallentin N: Sympathetic outflow enhances the stretch reflex response in the relaxed soleus muscle in humans. J Appl Physiol 2005;98:1366–1370. — Befund am Menschen mit verstärktem Dehnungsreflex.

Offene Lücken

  • Welche Ursprungssegmente die Haut von Arm und Bein sympathisch versorgen, geben Fachwerke unterschiedlich an. Die Seite nennt deshalb keinen Zahlenbereich. Gray’s Anatomy stand für diese Bearbeitung nicht zur Verfügung. Die Seite bleibt deshalb bei der zahlenfreien Angabe, bis das Werk eingesehen ist.
  • Von Fang et al. 2021 und Willis 1999 wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.
  • Eine Untersuchung, die beim Menschen den Entstehungsweg der Veränderungen im Übertragungsgebiet klärt, wurde nicht gefunden. Ebenso wurde keine Untersuchung gefunden, die Tastbefunde nach Dicke mit gemessenen Gewebedicken vergleicht.

Fachbegriffe

  • Hinterhorn — Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen.
  • Nucleus intermediolateralis — Zellsäule im Seitenhorn mit den sympathischen Ursprungszellen, Th1 bis etwa L2.
  • Gegabelte Empfindungsfaser — Nervenfaser, die mit zwei Ästen Organ und Haut zugleich versorgt.
  • Hinterwurzelreflex — Erregung, die vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser zur Haut läuft.
  • Neurogene Entzündung — Schwellung und Rötung durch Botenstoffe aus Nervenenden.
  • Konvergenz — Zusammenlaufen von Fasern aus Organ und Körperoberfläche auf dieselbe Schaltzelle.
  • Vorderhornzellen — Nervenzellen im Vorderhorn, die die Skelettmuskeln erregen.
  • Körperwand — Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ.
  • Muskelspindel — Fühler im Muskel, der die Muskellänge misst.
  • Dehnungsreflex — Muskelzuckung auf plötzliche Dehnung, etwa beim Sehnenklopfen.

Änderungsvermerk

  • Fassung V 0.4: Abschnitt 5.4 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu.
  • Warum: Die Zonen- und Muskelbefunde des Segments sind jetzt nach Entstehungsweg getrennt und belegt; alternative Wege ohne Seitenhorn stehen gleichrangig daneben.
  • Ersetzt: V 0.3.

Verwandte Segmente

Segment S3 · Segment S4 · Segment S2 · Segment S1 · Nervus pudendus

Hinweis. Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen. Bei neu aufgetretener Taubheit im Reithosenbereich, Störungen von Blase oder Mastdarm, neu aufgetretener Störung der Sexualfunktion oder zunehmender Beinschwäche ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.

Fassung V 0.1. Geändert: Erstfassung der Segmentseite S5 einschließlich Steißbeinnerv nach dem Elf-Kapitel-Aufbau der Reihe. Grund: Abschluss der Reihe C1 bis S5. Ersetzt: keine frühere Fassung dieser Datei; eine bestehende Seitenfassung auf nerven.wiki ist vor Veröffentlichung abzugleichen (Abschnitt 11.5).

Segment S5 · V 0.4 · Stand: September 2026. Geändert: Abschnitt 5.4 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu; Quellen, Lücken und Fachbegriffe in Kapitel 11 ergänzt. Warum: Die Entstehung der Zonen- und Muskelbefunde ist jetzt nach Weg getrennt, belegt und um die Wege ohne Seitenhorn ergänzt. Ersetzt: V 0.3 derselben Seite.