Mit Th11 beginnt der Umbau. Der elfte Brustwirbel trägt eine Rippe, die vorn frei endet, und er hat am Querfortsatz kein Rippengelenk mehr. Damit fällt die Führung weg, die den Brustkorb darüber steif hält. Th11 gehört bereits zum thorakolumbalen Übergang — jener Zone zwischen Th11 und L2, in der die Wirbelsäule am häufigsten bricht und in der der häufigste Bandscheibenvorfall des ganzen Brustabschnitts liegt.
Inhalt
- 07 Untersuchung
- 08 Behandlungsansätze
- 09 Warnzeichen
- 10 Häufige Fragen
- 11 Grundlage und Quellen
Auf einen Blick
- Zählregel: Die Wurzel Th11 verlässt den Wirbelkanal unterhalb des elften Brustwirbels, durch das Loch Th11/Th12.
- Drei verschiedene Orte: Das Rückenmarkssegment Th11 liegt etwa in Höhe des Wirbelkörpers Th8. Im Wirbelkanal hinter dem Wirbel Th11 verlaufen dagegen bereits die Rückenmarkssegmente L3 und L4.
- Die elfte Rippe ist eine freie Rippe. Sie endet in der seitlichen Bauchwand, ohne den Rippenbogen zu erreichen, und hat kein Gelenk am Querfortsatz.
- Häufigste Etage für einen thorakalen Bandscheibenvorfall: Th11/Th12. Auf diese eine Etage entfallen je nach Erhebung ein Viertel bis die Hälfte aller thorakalen Vorfälle.
- Bruchzone: Th11 liegt am oberen Rand des thorakolumbalen Übergangs. Zwischen 60 und 75 Prozent aller osteoporotischen Wirbelkörperbrüche liegen zwischen Th11 und L2.
- Dermatom: Ein Gürtel zwischen Nabel und Leiste.
- Kein Kennmuskel, kein Eigenreflex. Prüfbar sind der Bauchhautreflex (untere Etage) und das Beevor-Zeichen.
- Sympathikus: Th11 liegt im Ursprungsgebiet (Th1 bis L2) und speist gemeinsam mit Th10 den Nervus splanchnicus minor.
- Die klassische Verwechslung: Ein Bauchwandschmerz aus Th11 auf der rechten Seite sieht aus wie eine Blinddarmentzündung. Das Carnett-Zeichen unterscheidet beides in wenigen Sekunden.
Kapitel 01
Anatomie des Segments Th11
1.1 Drei Dinge heißen „Th11“
Wirbel, Rückenmarkssegment und Spinalnerv tragen denselben Namen und liegen an drei verschiedenen Orten. Am unteren Brustabschnitt ist der Abstand zwischen ihnen so groß, dass eine Verwechslung nicht zu einer Ungenauigkeit führt, sondern zu einer falschen Diagnose.
- Der Wirbel Th11 — ein Knochen mit einer vollständigen Gelenkfläche für die elfte Rippe am Wirbelkörper und ohne Rippengelenk am Querfortsatz.
- Das Rückenmarkssegment Th11 — liegt etwa in Höhe des Wirbelkörpers Th8, also rund drei Etagen oberhalb des gleichnamigen Wirbels. [B]
- Der Spinalnerv Th11 — verlässt den Wirbelkanal durch das Zwischenwirbelloch Th11/Th12 und wird dort zum elften Interkostalnerv.
Der Fehler, der hier am meisten kostet. Im Wirbelkanal auf Höhe des Wirbels Th11 liegt nicht das Segment Th11, sondern es liegen dort die Rückenmarkssegmente L3 und L4. Eine Raumforderung „in Höhe Th11“ trifft deshalb nicht den Gürtel um den Bauch, sondern die Steuerung von Hüftbeugung, Kniestreckung und den darunterliegenden Bahnen zu Blase und Mastdarm. Wer die Höhenangabe des Bildbefundes für die Segmentangabe hält, sucht die Beschwerden am falschen Ort.
| Struktur | Lage | Was eine Schädigung hier bedeutet |
|---|---|---|
| Wirbel Th11 | elfter Brustwirbelkörper | Bruch, Entzündung, Absiedlung — mechanisches und knöchernes Problem |
| Rückenmarkssegment Th11 | etwa Höhe Wirbelkörper Th8 | Rückenmarksschaden mit Ausfall unterhalb der Läsion |
| Spinalnerv Th11 | Zwischenwirbelloch Th11/Th12 | gürtelförmiger Schmerz zwischen Nabel und Leiste, meist einseitig |
| Wirbelkanal in Höhe Wirbel Th11 | hier verlaufen die Segmente L3 und L4 | Beinschwäche, veränderte Reflexe an den Beinen, Störung der Beckenorgane |
1.2 Der Wirbel Th11: das Ende der Rippenführung
Th11 gehört zu den atypischen Brustwirbeln. Zwei Merkmale unterscheiden ihn vom mittleren Brustabschnitt. [B]
- Eine vollständige Gelenkfläche am Wirbelkörper. Die elfte Rippe steht nicht mehr zwischen zwei Wirbeln, sondern an einem einzigen. Die halbe Gelenkfläche des typischen Brustwirbels ist verschwunden. [B]
- Kein Rippengelenk am Querfortsatz. Die Verbindung zwischen Rippe und Querfortsatz, die im mittleren Brustabschnitt die Drehbewegung führt und begrenzt, fehlt bei Th11 und Th12. [B]
- Folge: Die Rippe sichert die Etage nicht mehr. Die Führung der Bewegung übernehmen hier allein die Wirbelgelenke — und deren Flächen beginnen, sich aus der Frontalebene in die Sagittalebene zu drehen. [I]
Vorn endet die elfte Rippe frei in der seitlichen Bauchwand. Sie erreicht weder das Brustbein noch den Rippenbogen. Ihre Spitze liegt im Muskelgewebe und ist bei schlanken Menschen tastbar. [B]
1.3 Der thorakolumbale Übergang beginnt hier
Zwischen Th11 und L2 wechselt die Wirbelsäule ihre Bauweise. Oberhalb sichern Rippen und Brustbein einen steifen Ring; die Wirbelgelenke stehen annähernd in der Frontalebene und lassen Drehung zu, aber wenig Beugung. Unterhalb fehlen die Rippen; die Gelenkflächen stehen sagittal und lassen Beugung und Streckung zu, aber kaum noch Drehung. [B]
Der Wechsel vollzieht sich nicht allmählich, sondern über ein bis zwei Etagen — meist an Th12, gelegentlich an Th11 oder L1. Der Wirbel, an dem er stattfindet, heißt Übergangswirbel; seine beiden Gelenkpaare sind dann unterschiedlich ausgerichtet. Hier treffen Scherkräfte aus einem beweglichen Abschnitt auf einen unbeweglichen. [B]
| Beobachtung | Beleglage |
|---|---|
| Der Übergang Th11 bis L2 ist die häufigste Bruchstelle der Wirbelsäule. 60 bis 75 Prozent aller osteoporotischen Wirbelkörperbrüche liegen hier | [B] |
| Die häufigste einzelne Etage für einen thorakalen Bandscheibenvorfall ist Th11/Th12 | [B] |
| Der Wirbelkanal ist in dieser Höhe eng und enthält das Rückenmark ohne Ausweichraum | [B] |
| Beschwerden dieser Region werden häufig weit entfernt gespürt — am Beckenkamm, in der Flanke, in der Leiste | [I] |
1.4 Beweglichkeit der Etage
In den Etagen Th11/Th12 und Th12/L1 ist die Drehbeweglichkeit bereits deutlich geringer als im mittleren Brustabschnitt, die Beuge- und Streckbeweglichkeit dagegen größer. Untersuchungen zur Beweglichkeit des Übergangsbereichs zeigen für Th12/L1 größere Winkel- und Verschiebebewegungen als für die beiden Etagen darüber. [B]
Th11 liegt damit am oberen Rand der beweglichsten Zone des unteren Rumpfes. Das erklärt, warum gerade hier Belastungen aus Dreh- und Hebebewegungen zusammenlaufen. [I]
1.5 Was Beweglichkeitsbefunde bedeuten — und was nicht
Die Übereinstimmung zwischen zwei Untersuchenden bei der Frage, welche Etage sich schlechter bewegt, ist am Brustabschnitt durchweg schwach. Ein Befund „Th11 blockiert“ trägt keine Diagnose. Er kann ein Hinweis sein — mehr nicht, und schon gar nicht der Ausgangspunkt einer Aussage über ein Bauchorgan. [I]
Kapitel 02
Nervenversorgung des Segments Th11
2.1 Vier Äste, vier Aufgaben
| Ast | Verlauf | Versorgt |
|---|---|---|
| Ramus dorsalis (hinterer Ast) | zieht nach hinten zwischen die Querfortsätze und teilt sich in einen medialen und einen lateralen Zweig | tiefe Rückenmuskulatur der Etage, Wirbelgelenke Th10/Th11 und Th11/Th12, Haut neben der Wirbelsäule |
| Ramus ventralis = Nervus intercostalis XI | verlässt den Zwischenrippenraum früh und läuft zwischen innerem schrägem und querem Bauchmuskel schräg nach vorn unten | Bauchwandmuskeln, Bauchfell von außen, Haut des Gürtels zwischen Nabel und Leiste |
| Ramus communicans | verbindet den Spinalnerv mit dem Grenzstrang | vegetative Fasern; Th11 gehört zum sympathischen Ursprungsgebiet (Kapitel 04) |
| Ramus meningeus (Nervus sinuvertebralis) | tritt in den Wirbelkanal zurück | hinteres Längsband, äußere Bandscheibenschichten, Rückenmarkshäute |
2.2 Ein Nerv mit zwei Hautästen
- Ramus cutaneus lateralis — tritt in der seitlichen Rumpfwand durch die Muskulatur und versorgt die Haut über der Flanke. [B]
- Ramus cutaneus anterior — durchbohrt die Rektusscheide nahe dem seitlichen Rand des geraden Bauchmuskels und versorgt die Haut bis zur Mittellinie. Der Durchtritt ist eine enge bindegewebige Pforte. [B]
Die klinisch wichtigste Engstelle. Wird der vordere Hautast in dieser Pforte eingeklemmt, entsteht ein umschriebener, sehr heftiger Bauchwandschmerz. Auf der rechten Seite sieht das Bild einer Blinddarmentzündung ähnlich; auf beiden Seiten wird es mit Erkrankungen der Eierstöcke oder mit einem seitlichen Bauchwandbruch verwechselt. Das Syndrom heißt ACNES. Siehe Abschnitt 6.2 und das Carnett-Zeichen in Abschnitt 7.3.
2.3 Der hintere Ast und die Haut über der Flanke
Der laterale Zweig des hinteren Astes zieht durch die Rückenmuskulatur zur Haut und läuft dabei nach unten und außen. Anatomische Untersuchungen an Leichenpräparaten zeigen, dass die Hautäste der hinteren Äste von Th12 und L1 die Haut über dem hinteren Beckenkamm erreichen; die Äste von Th11 enden meist eine Handbreit darüber. [B]
Daraus folgt: Ein Schmerz über dem Beckenkamm stammt eher aus Th12 oder L1 als aus Th11. Wer diesen Ort einem Segment zuordnen will, sollte die Etage nicht zu hoch ansetzen. [I]
2.4 Engstellen im Verlauf
| Ort | Was dort einengt | Wie sich das äußert |
|---|---|---|
| Zwischenwirbelloch Th11/Th12 | Bandscheibenvorfall im Nervenaustrittsloch, Knochenanbau, Wirbelbruch, Absiedlung | gürtelförmiger Schmerz zwischen Nabel und Leiste, bei Husten und Pressen stärker |
| Wirbelkanal in Höhe Th11/Th12 | mittiger Bandscheibenvorfall — die häufigste thorakale Etage | keine Gürtelbeschwerden, sondern Beinschwäche, Gangunsicherheit, Blasenstörung |
| Freies Ende der elften Rippe | Reizung der Rippenspitze in der Bauchwand, Rippenbruch | umschriebener seitlicher Schmerz, tastbar auslösbar |
| Schicht zwischen innerem schrägem und querem Bauchmuskel | Vernarbung nach Eingriffen, Bluterguss, Verletzung bei Zugängen | brennender Dauerschmerz mit Gefühlsminderung im Gürtel |
| Rand des geraden Bauchmuskels | Einklemmung des vorderen Hautasts | punktförmiger Bauchwandschmerz, Carnett-Zeichen positiv |
Kapitel 03
Muskeln mit Anteilen aus Th11
3.1 Th11 hat keinen Kennmuskel
Kein Muskel wird überwiegend aus Th11 versorgt. Alle Muskeln mit Th11-Anteil erhalten Fasern aus mehreren benachbarten Höhen. Der Ausfall einer einzelnen Brustwurzel bleibt an der Kraft in aller Regel unbemerkt; erst der gleichzeitige Ausfall mehrerer benachbarter Wurzeln wird sichtbar — als Vorwölbung der Bauchwand. [B]
3.2 Was Th11 tatsächlich erreicht
| Muskel | Segmentale Anteile | Aufgabe |
|---|---|---|
| Musculus obliquus externus abdominis | Th5 bis Th12 | Drehung und Seitneigung des Rumpfes, Bauchpresse |
| Musculus obliquus internus abdominis | Th7 bis L1 | Drehung zur eigenen Seite, Seitneigung, Bauchpresse |
| Musculus transversus abdominis | Th7 bis Th12 | spannt die Bauchwand quer, wirkt auf den Bauchinnendruck |
| Musculus rectus abdominis, unterer Abschnitt | Th7 bis Th12 | Rumpfbeugung; die Abschnitte zwischen den Zwischensehnen werden getrennt versorgt |
| Musculus serratus posterior inferior | Th9 bis Th12 | zieht die unteren Rippen nach unten und hinten |
| Zwischenrippenmuskeln des elften Raumes | Th11 | Reste der Zwischenrippenmuskulatur; die elfte Rippe endet frei |
| Tiefe Rückenmuskulatur der Etage | Th11 über den hinteren Ast | Feinsteuerung und Sicherung der Etage |
Nicht aus Th11. Der Musculus quadratus lumborum wird aus Th12 bis L4 versorgt, nicht aus Th11. Der Musculus psoas major stammt aus L1 bis L3. Beide werden in Ratgebertexten regelmäßig dem unteren Brustabschnitt zugeschlagen; anatomisch trägt das nicht.
3.3 Die Bauchwandvorwölbung
Fallen mehrere benachbarte Brustwurzeln auf einer Seite aus, erschlafft der zugehörige Teil der seitlichen Bauchwand und wölbt sich vor. Die Faszie bleibt dabei unversehrt — es ist kein Bruch, sondern eine Scheinhernie. Beschrieben wurde das Bild unter anderem bei Bandscheibenvorfällen der Etage Th11/Th12: In veröffentlichten Fällen bestanden zugleich eine Vorwölbung der Bauchwand und eine Gefühlsminderung in den Dermatomen Th11 und Th12. [B]
- Belegte Ursachen: Gürtelrose, Zuckerkrankheit, Bandscheibenvorfall des unteren Brust- oder oberen Lendenabschnitts, Rippenbruch, Verletzung bei Eingriffen. [B]
- Segmentale Zuordnung der Bauchwandmuskeln: äußerer schräger Bauchmuskel Th5 bis Th12, innerer schräger Bauchmuskel Th7 bis L1, querer Bauchmuskel Th7 bis Th12. Eine Störung in einer dieser Höhen kann deshalb zur Vorwölbung führen. [B]
- Praktische Folge: Vor der Deutung als Bruch gehört die Frage nach einer tastbaren Faszienlücke. Fehlt sie, ist die Nervenschädigung die wahrscheinlichere Erklärung. [I]
3.4 Was sich prüfen lässt
- Bauchhautreflex, untere Etage. [B] Bestreichen der Bauchhaut unterhalb des Nabels von außen zur Mitte. Der Reflex fehlt auch bei Gesunden häufig; aussagekräftig ist vor allem der Seitenunterschied. Die untere Etage wird meist Th11 und Th12 zugeordnet; einzelne Darstellungen ziehen L1 hinzu. [I]
- Beevor-Zeichen. Wandert der Nabel beim Aufrichten aus der Rückenlage nach oben, ist der untere Anteil des geraden Bauchmuskels geschwächt. Das Zeichen wird Läsionen der Wurzeln Th10 bis Th12 oder des Rückenmarks in diesen Segmenten zugeordnet. [B]
- Beide Prüfungen zeigen eine Region an, nicht eine Etage. [I]
3.5 Triggerpunkte — Herkunft und Grenzen
Die Schmerzkarten myofaszialer Triggerpunkte nach Travell und Simons beschreiben für die schrägen Bauchmuskeln Übertragungsmuster in Flanke und Leiste, die sich mit dem Gürtel von Th11 teilweise decken. Diese Karten beruhen auf klinischer Beobachtung; die Zuverlässigkeit der Punktbestimmung zwischen zwei Untersuchenden ist wiederholt als schwach beschrieben worden. Sie sind hier als Modell aufgeführt, nicht als Beleg. [H]
Kapitel 04
Vegetative Bezüge
4.1 Th11 liegt im Ursprungsgebiet des Sympathikus
Die Zellsäule, aus der die sympathischen Fasern stammen — der Nucleus intermediolateralis im Seitenhorn des Rückenmarks — reicht von Th1 bis etwa L2. Th11 liegt darin. Über den weißen Verbindungsast erreichen die Fasern den Grenzstrang; ein Teil läuft ohne Umschaltung hindurch und bildet die Eingeweidenerven. [B]
| Eingeweidenerv | Herkunft | Ziel |
|---|---|---|
| Nervus splanchnicus major | etwa Th5 bis Th9 | Ganglion coeliacum — Magen, Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse, Nebennierenmark |
| Nervus splanchnicus minor | etwa Th10 und Th11 | Ganglion aorticorenale — Niere, Nebenniere, oberer Harnleiter, mittlerer Darmabschnitt |
| Nervus splanchnicus imus | Th12, nicht bei allen Menschen angelegt | Plexus renalis — Niere |
4.2 Wohin diese Fasern reichen — und wohin nicht
- Erreicht werden über den Nervus splanchnicus minor vor allem Niere, Nebenniere, oberer Harnleiter und der Darm bis etwa zur linken Kolonflexur. [B]
- Nicht erreicht werden aus Th11 die parasympathisch gesteuerten Funktionen der Beckenorgane. Blasenentleerung, Mastdarmentleerung und Erektion werden aus S2 bis S4 gesteuert. [B]
- Nicht erreicht werden aus Th11 Magen, Leber und Gallenblase in ihrer Hauptversorgung; diese liegt höher, über den Nervus splanchnicus major. [B]
4.3 Der Unterschied zwischen Wurzel und Rückenmark
Vegetative Ausfälle entstehen nicht durch Reizung einer einzelnen Brustwurzel, sondern durch Schädigung des Rückenmarks. Die vegetativen Bahnen laufen im Rückenmark längs; eine Querschnittsläsion unterbricht sie, eine einzelne Wurzel enthält nur den Anteil einer Höhe. [B]
An dieser Etage besonders wichtig. Th11/Th12 ist die häufigste Etage für einen thorakalen Bandscheibenvorfall, und thorakale Vorfälle liegen überwiegend mittig. Blasen- oder Mastdarmstörung bei Beschwerden dieser Höhe ist deshalb kein Segmentbefund, sondern der Hinweis auf eine Rückenmarksschädigung — ein Notfall. Siehe Kapitel 09.
Zur autonomen Dysreflexie: Diese Blutdruckentgleisung nach Rückenmarksverletzung tritt regelhaft bei Läsionen oberhalb von Th6 auf. Th11 liegt unterhalb dieser Schwelle; das Bild ist hier nicht typisch. [B]
4.4 Der belegte Weg: Organ reizt Segment
Schmerzfasern aus einem Bauchorgan treten über dieselben Hinterwurzeln in das Rückenmark ein wie Schmerzfasern aus Haut und Muskulatur des zugehörigen Gürtels. Das Gehirn kann die Herkunft nicht unterscheiden und ordnet den Schmerz der Körperwand zu. So entsteht der Flankenschmerz bei Nierenerkrankungen und der Schmerz im Verlauf des Harnleiters bei einem Stein. [B]
Die Umkehrung trägt nicht. Aus dieser belegten Richtung wird häufig geschlossen, eine Behandlung des Segments Th11 könne Niere oder Harnleiter beeinflussen. Für diese Gegenrichtung fehlen in der verwendeten Fachliteratur Wirksamkeitsnachweise. Solange sie fehlen, bleibt die Aussage eine Hypothese und ist als [H] gekennzeichnet.
4.5 Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt
Die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis sind die letzte Umschaltstelle im Rückenmark, bevor ein sympathischer Befehl den Körper erreicht. Sie arbeiten nicht selbstständig. Was sie weitergeben, hängt von drei Zuflüssen ab.
Zufluss aus dem Gehirn. Fünf Zellgruppen versorgen die gesamte sympathische Ausfuhr: der Nucleus paraventricularis des Hypothalamus, die A5-Zellgruppe, die hintere Raphe sowie die vordere seitliche und die vordere mittige verlängerte Medulla. Sie gelten als der beherrschende Zufluss. [B]
Zufluss aus dem eigenen Segment. Schaltzellen in der Nähe der Ursprungszellen leiten Meldungen aus Organen, Haut und Muskeln weiter. Eingeweidefasern erreichen die Ursprungszellen in der Regel nicht unmittelbar, sondern über solche Zwischenzellen. Das ist der Weg, den Kapitel 05 für die Zonen beschreibt. [B]
Zufluss aus anderen Rückenmarkshöhen. Im Tierversuch stammen 8 bis 20 von 100 erregenden Kontakten an den Brust-Ursprungszellen von Schaltzellen des Lendenmarks, die zum Gehprogramm gehören. Der Zufluss ist nach Höhen geordnet. [B]
Was hinausgeht. Die Ursprungszellen des Segments Th11 geben ihre Erregung über die vordere Wurzel und den weißen Verbindungsast an den Grenzstrang ab. Sympathische Wirkungen sind unter anderem: Engstellung der Gefäße, Schweißbildung, Aufrichten der Haare, Wirkungen an inneren Organen und Ausschüttung aus dem Nebennierenmark. Welche davon auf Th11 entfallen, steht oben in diesem Kapitel. [B]
Aus der Verrechnung dieser Zuflüsse folgt zweierlei. Ein Reiz aus einem Organ ist nur ein Eingang unter mehreren und wird mit der Steuerung aus dem Gehirn verrechnet. Und aus einem Befund an der Körperoberfläche lässt sich nicht auf eine einzelne Etage zurückschließen. [I]
Wie stark der Zufluss aus dem Gehirn wiegt, zeigt sich nach einer Querschnittlähmung. Unterhalb der Verletzung gehen die Bahnen aus dem Gehirn zu den Ursprungszellen weitgehend verloren. Blutdruckregelung, Blasen- und Darmsteuerung sind danach gestört, während die Ursprungszellen selbst weiterarbeiten. [B]
Quellen zu diesem Abschnitt
- Strack AM, Sawyer WB, Hughes JH, Platt KB, Loewy AD: A general pattern of CNS innervation of the sympathetic outflow demonstrated by transneuronal pseudorabies viral infections. Brain Res 1989;491:156–162. — Grundlage der fünf Zellgruppen in Hypothalamus und Hirnstamm.
- Llewellyn-Smith IJ: Anatomy of synaptic circuits controlling the activity of sympathetic preganglionic neurons. J Chem Neuroanat 2009;38:231–239. — Grundlage der Zuflüsse aus Gehirn und Rückenmark.
- Chacon C, Nwachukwu CV, Shahsavani N, Cowley KC, Chopek JW: Lumbar V3 interneurons provide direct excitatory synaptic input onto thoracic sympathetic preganglionic neurons. Front Neural Circuits 2023;17:1235181. — Grundlage des Zuflusses aus anderen Rückenmarkshöhen.
- Llewellyn-Smith IJ: Effects of spinal cord injury on synaptic inputs to sympathetic preganglionic neurons. Prog Brain Res 2006;152:11–26. — Grundlage der Aussage zum Verlust der Bahnen aus dem Gehirn nach Querschnittlähmung.
- Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aufzählung der sympathischen Wirkungen.
Offene Lücken
- Die Befunde zu den Zuflüssen stammen aus Tierversuchen an Ratten und Mäusen. Zahlen zum Anteil der einzelnen Zuflüsse beim Menschen liegen nicht vor.
- Von den fünf Arbeiten dieses Abschnitts wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.
Kapitel 05
Dermatom, Sklerotom und Reflexzonen
5.1 Das Dermatom Th11
Das Dermatom Th11 ist ein Gürtel, der von hinten oben schräg nach vorn unten läuft und vorn etwa in der Mitte zwischen Nabel und Leistenband ankommt. Es liegt damit zwischen der Nabelmarke (Th10) und der Leistenmarke (Th12 bis L1). [B]
- Überlappung. Benachbarte Dermatome überschneiden sich stark. Der Ausfall einer einzelnen Brustwurzel führt häufig zu keiner messbaren Gefühlsstörung. [B]
- Schräger Verlauf. Der Verlauf ist steiler als weiter oben. Ein Schmerz im Verlauf von Th11 zieht von der Flanke schräg zur Leiste — ein Muster, das dem Harnleiterschmerz sehr ähnlich sieht. [B]
- Praktische Folge. Wer die Höhe eines Ausschlags am Rücken abliest und vorn dieselbe Etage erwartet, liegt regelmäßig daneben. Hinterer und vorderer Anteil desselben Gürtels liegen nicht auf gleicher Höhe. [I]
5.2 Reflexe
Für Th11 gibt es keinen Muskeleigenreflex. Prüfbar ist die untere Etage des Bauchhautreflexes als Fremdreflex. Sein einseitiges Fehlen kann auf eine Störung des Reflexbogens oder der absteigenden Bahnen hinweisen; die Unterscheidung leistet der Reflex allein nicht. [B]
5.3 Sklerotom: die tiefen Gewebe
Zum Versorgungsgebiet von Th11 gehören der Wirbelkörper Th11 mit seiner Knochenhaut, die Bandscheiben Th10/Th11 und Th11/Th12, die Kapseln der Wirbelgelenke dieser Etagen, das Gelenk der elften Rippe am Wirbelkörper und die zugehörige Muskulatur. [B]
Experimentelle Reizungen von Wirbelgelenken des unteren Brustabschnitts erzeugen Schmerzfelder, die ein bis drei Etagen tiefer und seitlich liegen. Für Th11 heißt das: Ein Gelenkschmerz dieser Etage kann in der Flanke, über dem oberen Beckenkamm oder in der Leiste ankommen — nicht dort, wo das Gelenk liegt. [B]
5.4 Historische Zonenmodelle
Henry Head und James Mackenzie beschrieben um 1900 Hautfelder, in denen sich Erkrankungen innerer Organe durch Überempfindlichkeit und Muskelspannung bemerkbar machen. Elisabeth Dicke leitete daraus in den 1920er Jahren ein Behandlungsverfahren ab. Die zugrunde liegende Beobachtung ist tragfähig; die daraus abgeleiteten Behandlungsansprüche sind nie mit heutigen Maßstäben überprüft worden. [H]
Mackenzie ist nicht McKenzie. James Mackenzie (1853 bis 1925), schottischer Internist, beschrieb die reflektorischen Zonen. Robin McKenzie (1931 bis 2013), neuseeländischer Physiotherapeut, entwickelte in den 1970er Jahren ein Verfahren aus wiederholten Bewegungen. Die Namen werden regelmäßig verwechselt; die Sachen haben nichts miteinander zu tun.
5.5 „Enterotom“ und „Viszerotom“
Diese Ausdrücke sind in den verwendeten anatomischen Standardwerken nicht geführt. Was sie bezeichnen wollen — die segmentale Zuordnung innerer Organe über ihre Schmerzfasern — ist beschrieben, aber unter anderen Namen und mit weit größerer Streubreite, als die Wortbildung nahelegt. [H]
5.6 Erklärungswege über das Rückenmark
Dieser Abschnitt ordnet ein, auf welchem Weg ein Organreiz Haut, Unterhaut und Muskeln verändern kann. Belegt ist nur ein Teil davon.
Reize aus einem Organ erreichen das Rückenmark über Eingeweidefasern. Diese enden im Hinterhorn, dem Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen. Im selben Segment können sie die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis erregen. Diese Zellsäule im Seitenhorn reicht von Th1 bis etwa L2; das Segment Th11 gehört dazu. Über den Grenzstrang steuern diese Zellen unter anderem Hautgefäße und Schweißdrüsen. [B]
Dass sich Unterhaut und Muskeln im Übertragungsgebiet eines Organs messbar verändern, ist beim Menschen gezeigt. Bei Gallensteinen mit Koliken war die Unterhaut im Übertragungsgebiet dicker und der Muskel dünner als auf der Gegenseite. Ohne Koliken fanden sich diese Unterschiede nicht. [B]
Die Autoren dieser Untersuchung vermuten, dass Überempfindlichkeit und Gewebeveränderung auf verschiedenen Wegen entstehen. [I]
Auf welchem Weg die Veränderungen entstehen, ist beim Menschen nicht geklärt. Tierversuche nennen drei Kandidaten: gegabelte Empfindungsfasern, Verschaltungen zwischen Empfindungsfasern im Rückenmark und den sympathischen Reflex über das Seitenhorn. [B]
Gegabelte Empfindungsfaser. Bei Ratten sind Schmerzfasern nachgewiesen, die sich teilen und mit einem Ast die Haut, mit dem anderen ein Organ versorgen. Bei Entzündungen von Dickdarm, Blase oder Magen trat in der Haut Flüssigkeit aus. Im Dickdarmmodell reagierten diese Fasern verstärkt auf Hautreize. [B]
Hinterwurzelreflex. Hier läuft eine Erregung vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser. An deren Ende setzt sie Botenstoffe frei, die eine vom Nerv ausgelöste Schwellung und Rötung hervorrufen, eine neurogene Entzündung. Im Tierversuch erklärt dieser Reflex einen erheblichen Teil der Gelenkschwellung bei Arthritis und der Hautrötung nach Einspritzen von Capsaicin. [B]
Dass einer dieser beiden Wege die Zonen bei Organleiden erzeugt, ist nicht gezeigt. Beide setzen kein Seitenhorn voraus und kämen deshalb in allen Segmenten in Frage. [I]
Konvergenz im Hinterhorn. Fast alle Schaltzellen der zweiten Stufe im Hinterhorn erhalten Eingänge aus den Eingeweiden und zugleich aus Haut und Muskeln. Dieses Zusammenlaufen gilt seit Langem als Grundlage dafür, dass Organschmerz an der Körperoberfläche gespürt wird. [B]
Die Konvergenz erklärt die Überempfindlichkeit einer Zone, für sich allein aber keine tastbare Gewebeveränderung. Welcher der genannten Wege beim Menschen überwiegt, ist offen. [I]
Die Bindegewebsmassage erklärt ihre Zonen mit einer Reflexwirkung über das vegetative Nervensystem, also mit dem Weg über das Seitenhorn. Nachgewiesen ist diese Erklärung nicht, und ob die Tastbefunde nach Dicke den gemessenen Veränderungen entsprechen, ist offen. [I]
Skelettmuskeln werden ausschließlich über die motorischen Vorderhornzellen erregt. Das vegetative Nervensystem, zu dem das Seitenhorn gehört, steuert Eingeweide, Gefäße und Drüsen, aber nicht die Skelettmuskeln. [B]
Ein zweites Modell führt Verspannungen der Körperwand bei Organreiz auf Reflexe über diese Vorderhornzellen zurück. Die Körperwand umfasst Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ. Tierversuche stützen das Modell; beim Menschen ist es nicht gesichert. [I]
Ob der Sympathikus die Muskelspannung beim Menschen unmittelbar verändert, ist ungeklärt. Im Tierversuch veränderte ein Sympathikusreiz die Empfindlichkeit der Muskelspindeln, der Längenfühler im Muskel. Beim Menschen blieb die Spindelentladung in einer Untersuchung unverändert; in einer anderen war der Dehnungsreflex verstärkt. Die Befunde widersprechen sich. [I]
Alle genannten Wege beschreiben die Richtung vom Organ zur Körperwand. Dass eine Behandlung von Haut oder Muskeln über diese Wege ein Organ beeinflusst, ist damit nicht belegt. [H]
Kapitel 06
Beschwerdebilder mit Bezug zu Th11
6.1 Wie häufig ist was
| Ursache | Häufigkeit | Leitbefund |
|---|---|---|
| Muskuläre und gelenkbezogene Beschwerden des Übergangs | häufig | bewegungs- und drehabhängiger Schmerz, kein Nervenausfall |
| Osteoporotischer Wirbelbruch | im höheren Lebensalter häufig | plötzlicher Schmerz, Klopfschmerz über dem Dorn, Größenverlust |
| Einklemmung des vorderen Hautasts (ACNES) | häufiger als angenommen | punktförmiger Bauchwandschmerz, Carnett-Zeichen positiv |
| Gürtelrose und Nervenschmerz danach | häufig, altersabhängig zunehmend | einseitiger Gürtelschmerz, Bläschen im Dermatom |
| Reizung der freien elften Rippenspitze | unterschätzt | umschriebener seitlicher Schmerz, tastbar auslösbar |
| Bandscheibenvorfall Th11/Th12 | häufigste thorakale Etage, absolut trotzdem selten | meist keine Gürtelbeschwerden, sondern Zeichen einer Rückenmarksschädigung |
| Thorakale Radikulopathie bei Zuckerkrankheit | selten | brennender Gürtelschmerz, Gewichtsverlust, Bauchwandvorwölbung |
| Absiedlung eines Tumors | selten, aber folgenschwer | Nacht- und Ruheschmerz, Krebserkrankung in der Vorgeschichte |
| Einstrahlung aus Niere und Harnleiter | muss ausgeschlossen werden | wellenförmiger, bewegungsunabhängiger Schmerz, Blut im Urin |
6.2 Das Einklemmungssyndrom des vorderen Hautasts (ACNES)
Der vordere Hautast eines der thorakoabdominalen Nerven Th7 bis Th12 wird beim Durchtritt durch die Rektusscheide eingeklemmt. Erhebungen aus gastroenterologischen Sprechstunden ordnen diesem Bild ein Zehntel bis ein Drittel der chronischen Bauchschmerzen zu; unter akuten Bauchschmerzen in der Notaufnahme liegt der Anteil bei etwa zwei Prozent. [B]
- Leitbefund: Der Schmerz lässt sich mit einer Fingerkuppe auf wenige Quadratzentimeter eingrenzen, meist am seitlichen Rand des geraden Bauchmuskels. [B]
- Carnett-Zeichen: Der Druckschmerz nimmt beim Anspannen der Bauchmuskeln zu. Bei einem Schmerz aus dem Bauchraum nimmt er ab. [B]
- Die Verwechslungen dieser Höhe: Eine Beteiligung von Th11 auf der rechten Seite kann wie eine Blinddarmentzündung aussehen; auf beiden Seiten wie eine Erkrankung der Eierstöcke oder ein seitlicher Bauchwandbruch. Ein Schmerz aus Th11 und Th12 verläuft schräg und ähnelt dem Harnleiterschmerz. [B]
- Ein Unterscheidungsmerkmal aus der Beobachtung: Menschen mit Harnleiterstein sind unruhig und finden keine Lage; Menschen mit Bauchwandschmerz liegen meist still, die Hand auf der schmerzhaften Stelle. [B]
- Begleitbeschwerden: Etwa die Hälfte berichtet zusätzlich über Blähgefühl, Übelkeit oder verändertes Stuhlverhalten — was die Suche regelmäßig in die falsche Richtung lenkt. [B]
6.3 Der Bandscheibenvorfall Th11/Th12
Th11/Th12 ist die häufigste einzelne Etage für einen thorakalen Bandscheibenvorfall; je nach Erhebung entfallen ein Viertel bis die Hälfte aller thorakalen Vorfälle auf sie. Etwa drei Viertel aller thorakalen Vorfälle liegen unterhalb der Etage Th7/Th8, nur ein kleiner Teil oberhalb von Th3/Th4. [B]
Als Gründe für diese Häufung werden die größere Beweglichkeit des Übergangs und die schwächere Führung durch das hintere Längsband in dieser Höhe angeführt. In absoluten Zahlen bleibt der thorakale Vorfall trotzdem selten: Symptomatische Fälle machen unter einem Prozent aller Bandscheibenvorfälle aus, mit einer Häufigkeit um einen Fall auf eine Million Menschen im Jahr. [B]
Warum die Etage gefährlicher ist als ihre Häufigkeit vermuten lässt. Thorakale Vorfälle liegen überwiegend mittig oder mittig-seitlich, und der Wirbelkanal bietet in dieser Höhe kaum Ausweichraum. Sie treffen deshalb eher das Rückenmark als eine Wurzel. Das führende Zeichen ist nicht der Gürtelschmerz, sondern Gangunsicherheit, Schwäche beider Beine, gesteigerte Reflexe an den Beinen oder eine Blasenstörung. Ein erheblicher Teil der thorakalen Vorfälle ist zudem verkalkt.
6.4 Der Wirbelbruch am thorakolumbalen Übergang
Der Übergang Th11 bis L2 ist die häufigste Bruchstelle der Wirbelsäule. Zwischen 60 und 75 Prozent aller osteoporotischen Wirbelkörperbrüche liegen hier, und auch bei Unfallbrüchen ist es die Hauptregion. Der Grund ist mechanisch: Hier treffen Kräfte aus einem beweglichen Abschnitt auf einen durch Rippen versteiften. [B]
- Ein osteoporotischer Bruch kann ohne erkennbaren Anlass auftreten — beim Husten, beim Anheben einer Einkaufstasche, beim Aufrichten aus dem Bett. [B]
- Leitbefunde: plötzlich einsetzender, umschriebener Rückenschmerz, Klopfschmerz über einem Dornfortsatz, Verstärkung beim Aufrichten, Nachlassen im Liegen, später Größenverlust und Rundrückenbildung. [I]
- Bei bekannter Osteoporose oder längerer Kortisonbehandlung gilt ein neuer Rückenschmerz dieser Höhe bis zur Klärung als Bruchverdacht. Kräftige manuelle Techniken sind dann nicht angezeigt. [I]
6.5 Gürtelrose und Nervenschmerz danach
Die Gürtelrose entsteht durch Wiederaufflammen des Windpocken-Erregers in einem Spinalganglion. Sie ist überwiegend am Rumpf lokalisiert, betrifft in der Regel ein einzelnes Dermatom und überschreitet die Mittellinie nicht. Der Schmerz geht dem Ausschlag oft um Tage voraus; in dieser Zeit wird er regelmäßig für ein Nieren-, Gallen- oder Darmleiden gehalten. [B]
Eine Schwäche der Bauchwand mit sichtbarer Vorwölbung kann als seltene Folge auftreten. Beschrieben ist eine Verdünnung des inneren schrägen und des queren Bauchmuskels bei erhaltener Faszie — also eine Scheinhernie. [B]
Leitlinienstand. Die deutsche Leitlinie zur Gürtelrose (AWMF 013-023) war bis zum 23. Mai 2024 gültig und ist seither abgelaufen; im Leitlinienregister wird sie als abgelaufen geführt. Für die Behandlung ist der aktuelle Stand über die zuständigen Fachgesellschaften zu klären. Diese Seite gibt keine Behandlungsempfehlung.
6.6 Bildbefunde ohne Beschwerden
Verschleißbefunde der Wirbelsäule sind bei Beschwerdefreien häufig und nehmen mit dem Lebensalter regelmäßig zu. Bei thorakalen Bandscheibenvorfällen ist der Anteil stummer Befunde besonders hoch: In Kernspinuntersuchungen ohne Beschwerden finden sich in elf bis siebenunddreißig Prozent der Fälle Vorwölbungen, und mehr als sieben von zehn thorakalen Vorfällen bleiben ohne Beschwerden. [B]
Kapitel 07
Untersuchung
7.1 Erster Schritt: die Ausschlussfragen
Vor jeder weiteren Untersuchung zu klären
- Bestehen Zeichen einer Rückenmarksschädigung? Gangunsicherheit, Beinschwäche, gesteigerte Reflexe an den Beinen, Blasenstörung, Reithosengefühl. An dieser Etage steht diese Frage an erster Stelle.
- Besteht eine Osteoporose oder eine längere Kortisonbehandlung? Der Übergang Th11 bis L2 ist die häufigste Bruchstelle der Wirbelsäule.
- Gab es einen Sturz oder eine Stauchung?
- Besteht eine Krebserkrankung in der Vorgeschichte? Neuer Rückenschmerz gilt dann bis zum Beweis des Gegenteils als abklärungsbedürftig.
- Ist der Schmerz von Bewegung und Atmung unabhängig? Dann spricht er eher für eine Ursache im Bauchraum.
- Gibt es Begleitzeichen? Fieber, Gewichtsverlust, Blut im Urin, Übelkeit, Nachtschweiß.
7.2 Zweiter Schritt: sehen und tasten
- Sehen: Steht die Bauchwand auf einer Seite vor? Besteht ein verstärkter Rundrücken oder ein Größenverlust im Vergleich zu früheren Angaben? [I]
- Klopfschmerz über einem Dornfortsatz spricht bei entsprechender Vorgeschichte für einen Wirbelbruch oder eine Entzündung. Ein fehlender Klopfschmerz schließt beides nicht aus. [B]
- Die freie elfte Rippenspitze lässt sich bei schlanken Menschen in der seitlichen Bauchwand tasten. Ein umschriebener Druckschmerz dort lenkt auf eine örtliche Reizung, nicht auf ein Wurzelproblem. [I]
- Höhenbestimmung: Die Abzählung der Dornfortsätze ist am unteren Brustabschnitt unzuverlässig. Sie gibt eine Region an, keine Etage. [I]
7.3 Dritter Schritt: die Prüfungen, die hier zählen
| Prüfung | Vorgehen | Bedeutung |
|---|---|---|
| Reflexe der Beine | Patellarsehnen- und Achillessehnenreflex, Prüfung auf Pyramidenbahnzeichen | gesteigerte Reflexe unterhalb der Etage sind das wichtigste Warnzeichen dieser Höhe |
| Gangprüfung | freies Gehen, Zehen- und Fersengang, enger Gang | Gangunsicherheit spricht für eine Rückenmarksbeteiligung, nicht für ein Wurzelproblem |
| Carnett-Zeichen | Druck auf den schmerzhaftesten Punkt, dann Anspannen der Bauchmuskeln bei gleichem Druck | Zunahme: Bauchwand. Abnahme: eher Bauchraum |
| Bauchhautreflex, untere Etage | Bestreichen der Bauchhaut unterhalb des Nabels von außen nach innen | einseitiges Fehlen weist auf eine Störung hin, ohne die Höhe zu sichern |
| Beevor-Zeichen | Aufrichten aus der Rückenlage ohne Arme, Nabel beobachten | Wanderung nach oben oder zur Seite zeigt eine Schwäche der unteren Bauchwand |
| Gefühlsprüfung im Gürtel | Vergleich rechts gegen links auf gleicher Höhe, dann Höhe gegen Höhe | Seitenunterschiede sind aussagekräftiger als absolute Angaben |
7.4 Vierter Schritt: Abgrenzung nach außen
| Verwechselt mit | Was dagegen spricht |
|---|---|
| Nieren- oder Harnleiterstein | wellenförmiger, bewegungsunabhängiger Schmerz mit Unruhe; Blut im Urin; Carnett-Zeichen negativ |
| Blinddarmentzündung (rechts) | Fieber, Anstieg der Entzündungswerte, Abwehrspannung; bei ACNES fehlen diese und das Carnett-Zeichen ist positiv |
| Erkrankung der Eierstöcke | Zyklusbezug, Ultraschallbefund; Carnett-Zeichen negativ |
| Seitlicher Bauchwandbruch | tastbare Faszienlücke, Nachweis in der Bildgebung; bei der Scheinhernie fehlt sie |
| Rippenfell und Lunge | atemabhängiger Schmerz mit Husten, Fieber oder Luftnot |
| Bauchschlagader | reißender, tiefer Schmerz mit Kreislaufschwäche — Notfall |
7.5 Wann Bildgebung sinnvoll ist
- Bei Zeichen einer Rückenmarksschädigung — dann unverzüglich und als Kernspintomographie, nicht als Röntgenaufnahme. [I]
- Bei Bruchverdacht, bei Osteoporose oder nach einem Sturz. [I]
- Bei Krebserkrankung in der Vorgeschichte und neuem Rückenschmerz. [I]
- Nicht sinnvoll bei bewegungsabhängigen Rückenbeschwerden ohne Warnzeichen: Die dabei gefundenen Verschleißbefunde erklären die Beschwerden meist nicht und verschieben die Aufmerksamkeit. [I]
Kapitel 08
Behandlungsansätze
8.1 Was gut belegt ist
- Aufklärung und Beruhigung. Die Erklärung, dass ein Bauchwandschmerz aus einem Nerv der Bauchwand stammt und kein Organleiden ist, beendet in vielen Fällen eine Kette weiterer Untersuchungen. [B]
- Bewegung und Aktivität. Für Rückenbeschwerden ohne Warnzeichen ist aktives Vorgehen der Schonung überlegen. Die Regelmäßigkeit zählt mehr als die Art der Bewegung. [B]
- Örtliche Betäubung beim Einklemmungssyndrom. Die Einspritzung eines örtlichen Betäubungsmittels an den schmerzhaften Punkt dient beim ACNES zugleich der Sicherung der Diagnose und der Behandlung. [B]
8.2 Was plausibel, aber schwächer belegt ist
- Manuelle Verfahren am Übergang. Sie können kurzfristig Schmerz und Bewegungseinschränkung bessern. Die Belegdichte ist geringer als für Hals- und Lendenabschnitt. [I]
- Übungen für Rumpf- und Hüftmuskulatur. Sinnvoll bei muskulärer Beteiligung; ein Beleg für die Überlegenheit eines bestimmten Programms fehlt. [I]
- Wärme und Entspannungsverfahren. Nebenwirkungsarm, subjektiv oft hilfreich, ohne belastbaren Nachweis einer darüber hinausgehenden Wirkung. [I]
8.3 Was für diese Etage besonders zu bedenken ist
Vor manueller Behandlung am thorakolumbalen Übergang
- Osteoporose ausschließen. Th11 bis L2 ist die häufigste Bruchstelle der Wirbelsäule. Kräftige Techniken sind bei bekannter oder vermuteter Osteoporose nicht angezeigt.
- Rückenmark bedenken. Th11/Th12 ist die häufigste Etage für einen thorakalen Bandscheibenvorfall, und diese Vorfälle liegen überwiegend mittig. Zeichen einer Rückenmarksschädigung beenden jede manuelle Behandlung.
- Absiedlungen bedenken. Die Brustwirbelsäule ist der häufigste Ort von Wirbelsäulenabsiedlungen.
- Niere und Rippenfell liegen nah. Kräftiger Druck in der Flanke ist an dieser Höhe nicht angezeigt.
8.4 Was nicht belegt ist
- Dass eine Behandlung des Segments Th11 Niere, Harnleiter oder Darm in ihrer Funktion beeinflusst. [H]
- Dass sich aus einem Tastbefund an Th11 auf eine Organerkrankung schließen lässt. [H]
- Dass Bindegewebszonen nach Dicke eine Organwirkung entfalten, die über die Schmerzlinderung hinausgeht. [H]
- Diese Aufzählung besagt nicht, dass die genannten Verfahren schaden. Sie besagt, dass die behauptete Wirkung nicht nachgewiesen ist und deshalb nicht als Tatsache benannt werden darf. [I]
Kapitel 09
Warnzeichen — wann Behandlung unterbleibt
An keiner anderen Etage des Brustabschnitts fallen so viele Risiken zusammen: die häufigste Bruchstelle der Wirbelsäule, die häufigste Etage für einen thorakalen Bandscheibenvorfall, ein enger Wirbelkanal mit dem Rückenmark darin und ein Hautgebiet, in das Beschwerden aus Niere und Harnleiter einstrahlen. Die folgenden Zeichen beenden jede manuelle oder übende Behandlung.
Sofort — Notaufnahme, nicht abwarten
- Zeichen einer Rückenmarksschädigung — zunehmende Schwäche beider Beine, Gangunsicherheit, gesteigerte Reflexe an den Beinen, ein Gefühlsniveau am Rumpf, unterhalb dessen alles anders empfunden wird. An dieser Etage ist das der wichtigste Punkt der ganzen Seite.
- Neu aufgetretene Blasen- oder Mastdarmstörung — Harnverhalt, unbemerkter Urinabgang, fehlender Stuhldrang.
- Gefühlsstörung im Reithosenbereich — taubes Gefühl an Damm, Oberschenkelinnenseiten oder um den After.
- Schwerer Rückenschmerz nach Unfall — Sturz aus Höhe, Verkehrsunfall, axiale Stauchung. Der thorakolumbale Übergang ist die Hauptregion der Unfallbrüche.
- Reißender, tiefer Rücken- oder Bauchschmerz mit Kreislaufschwäche — Verdacht auf eine Erkrankung der Bauchschlagader.
- Akuter Bauch — brettharte Bauchdecke, Abwehrspannung, Fieber, Erbrechen.
Zeitnah — ärztliche Abklärung innerhalb weniger Tage
- Bruchverdacht: neuer umschriebener Schmerz mit Klopfschmerz über einem Dornfortsatz bei bekannter Osteoporose, nach längerer Kortisonbehandlung oder im höheren Lebensalter — auch ohne erinnerbaren Anlass.
- Krebserkrankung in der Vorgeschichte und neuer Rückenschmerz, besonders bei Nacht- oder Ruheschmerz.
- Fieber, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust zusammen mit Rückenschmerz.
- Neu aufgetretene Vorwölbung der Bauchwand ohne tastbare Faszienlücke — Abklärung auf Nervenschädigung, nicht auf Bruch.
- Einseitiger Gürtelschmerz mit Hautausschlag — Gürtelrose; die Behandlung ist zeitkritisch.
- Flankenschmerz mit Blut im Urin, Fieber oder Übelkeit — Verdacht auf Nieren- oder Harnleitererkrankung.
Kapitel 10
Häufige Fragen
Im Befund steht „Bandscheibenvorfall Th11/Th12“. Ist die Wurzel Th11 betroffen?
Meistens ist das nicht die richtige Frage. Thorakale Vorfälle liegen überwiegend mittig oder mittig-seitlich, und in dieser Höhe ist der Wirbelkanal eng. Der Vorfall trifft deshalb eher das Rückenmark als eine einzelne Wurzel. Und im Kanal hinter dem Wirbel Th11 verlaufen bereits die Rückenmarkssegmente L3 und L4 — die Folgen betreffen dann die Beine und die Beckenorgane, nicht den Bauchgürtel. Nur ein Vorfall im Nervenaustrittsloch selbst trifft die Wurzel Th11 und macht einen gürtelförmigen Schmerz. Welche der beiden Lagen vorliegt, entscheidet die Untersuchung, nicht die Höhenangabe.
Warum ist ausgerechnet Th11/Th12 die häufigste Etage für einen Vorfall in der Brustwirbelsäule?
Weil hier die Bauweise wechselt. Oberhalb sichern Rippen und Brustbein einen steifen Ring, unterhalb fehlt er. Die Gelenkflächen drehen sich aus der Frontalebene in die Sagittalebene, und die Rippen führen die Bewegung nicht mehr — Th11 und Th12 haben kein Rippengelenk am Querfortsatz. Als weiterer Grund wird die schwächere Führung durch das hintere Längsband in dieser Höhe angeführt. In absoluten Zahlen bleibt der thorakale Vorfall trotzdem selten: unter einem Prozent aller Bandscheibenvorfälle.
Ich habe einen sehr genau begrenzten Schmerzpunkt rechts unten am Bauch. Der Blinddarm war es nicht. Was noch?
Das ist die klassische Beschreibung des Einklemmungssyndroms des vorderen Hautasts. Der Nerv Th11 oder Th12 wird beim Durchtritt durch die Bauchmuskelscheide eingeengt; der Schmerz lässt sich mit einer Fingerkuppe eingrenzen. Das entscheidende Untersuchungszeichen heißt Carnett-Zeichen: Nimmt der Druckschmerz beim Anspannen der Bauchmuskeln zu, spricht das für die Bauchwand; nimmt er ab, für den Bauchraum. Bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung gehört die ärztliche Abklärung trotzdem an den Anfang — Fieber und Abwehrspannung sind kein Fall für Selbstbeurteilung.
Ich bin über siebzig und habe seit gestern plötzlich Rückenschmerzen, ohne gestürzt zu sein. Muss das abgeklärt werden?
Ja. Der Übergang zwischen Th11 und L2 ist die häufigste Bruchstelle der Wirbelsäule; zwischen 60 und 75 Prozent aller osteoporotischen Wirbelkörperbrüche liegen hier. Ein solcher Bruch entsteht häufig ohne erinnerbaren Anlass — beim Husten, beim Anheben einer Tasche, beim Aufrichten. Ein plötzlich einsetzender, umschriebener Rückenschmerz in dieser Höhe im höheren Lebensalter gehört deshalb abgeklärt, bevor manuell behandelt wird.
Kann eine Blockierung von Th11 auf meine Niere wirken?
Belegt ist die umgekehrte Richtung. Eine erkrankte Niere kann Schmerz und Muskelspannung in das zugehörige Hautgebiet senden — das ist der bekannte Flankenschmerz. Th11 speist tatsächlich über den Nervus splanchnicus minor vegetative Fasern zur Niere, die Verbindung besteht also anatomisch. Ein Nachweis, dass eine Behandlung des Segments die Nierenfunktion verändert, liegt in der belegten Fachliteratur jedoch nicht vor. Der Unterschied zwischen „anatomisch denkbar“ und „nachgewiesen“ ist an dieser Stelle der ganze Punkt.
Meine elfte Rippe lässt sich seitlich tasten und tut dort weh. Ist sie gebrochen?
Nicht unbedingt. Die elfte Rippe endet frei in der seitlichen Bauchwand — sie erreicht weder das Brustbein noch den Rippenbogen. Ihre Spitze liegt im Muskelgewebe und ist bei schlanken Menschen normalerweise tastbar. Ein umschriebener Druckschmerz dort kann von einer örtlichen Reizung stammen. Nach einem Sturz, bei starkem Schmerz oder bei bekannter Osteoporose gehört ein Bruch trotzdem ausgeschlossen.
Warum gibt es für Th11 keinen Kennmuskel und keinen Reflex?
Weil kein Muskel überwiegend aus Th11 versorgt wird. Die Bauchwand ist eine flächige Muskelplatte, in die viele Nerven nebeneinander einstrahlen. Erst wenn drei bis fünf benachbarte Wurzeln zugleich ausfallen, wird die Schwäche sichtbar — dann als Vorwölbung der Bauchwand. Aus demselben Grund gibt es keinen Muskeleigenreflex. Prüfbar sind der Bauchhautreflex und das Beevor-Zeichen; beide zeigen eine Region an, keine Etage.
Kapitel 11
Grundlage und Quellen
Verwendet wurden ausschließlich belegte Fachquellen: Standardwerke der Anatomie und der klinischen Neurologie, Originalarbeiten und Übersichten aus begutachteten Fachzeitschriften sowie Leitlinien der Fachgesellschaften mit Angabe ihrer Gültigkeit. Populäre Darstellungen, Webportale, Anbieterseiten und unbelegte Sekundärquellen sind nicht herangezogen worden. Aussagen ohne Deckung in diesen Werken sind als Interpretation [I] oder als Hypothese [H] gekennzeichnet. Wo eine Angabe fehlt, ist die Lücke benannt und nicht durch eine plausible Vermutung ersetzt worden.
11.1 Anatomie und Biomechanik
- Schünke M, Schulte E, Schumacher U: Prometheus. LernAtlas der Anatomie. Thieme. — Grundlage der Angaben zu Wirbelbau, Rippengelenken, Bauchwandschichten und Nervenverlauf in den Kapiteln 01 bis 03.
- Standring S (Hrsg.): Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevier. — Grundlage der Angaben zu den thorakoabdominalen Nerven, zum Grenzstrang und zu den Nervi splanchnici in den Kapiteln 02 und 04.
- Sobotta: Atlas der Anatomie des Menschen. Elsevier. — Bildgrundlage der topographischen Angaben.
- Rohen JW, Yokochi C, Lütjen-Drecoll E: Anatomie des Menschen. Photographischer Atlas. Schattauer. — Abgleich der Schichtverhältnisse der Bauchwand.
- White AA, Panjabi MM: Clinical Biomechanics of the Spine. Lippincott. — Grundlage der Angaben zur Änderung der Gelenkflächenstellung und zu den Bewegungsumfängen in Abschnitt 1.3 und 1.4.
- Bogduk N: Clinical Anatomy of the Lumbar Spine and Sacrum. Elsevier. — Grundlage der Darstellung der Rami dorsales und des Nervus sinuvertebralis in Abschnitt 2.1 und 2.3.
- Lazareth JP, Guérin-Surville H: Anatomische Untersuchung an Leichenpräparaten zur Hautversorgung des unteren Rückens durch die lateralen Äste der Rami dorsales von Th12 und L1. — Grundlage von Abschnitt 2.3.
11.2 Klinik, Untersuchung, Neurologie
- Mumenthaler M, Mattle H: Neurologie. Thieme. — Grundlage der Angaben zu Dermatomen, Reflexen und Wurzelsyndromen.
- Bähr M, Frotscher M: Duus‘ Neurologisch-topische Diagnostik. Thieme. — Grundlage der Angaben zur Höhenverschiebung zwischen Rückenmarkssegment und Wirbel in Abschnitt 1.1.
- Preston DC, Shapiro BE: Electromyography and Neuromuscular Disorders. Elsevier. — Grundlage der Angaben zur elektrophysiologischen Abgrenzung.
- Beitrag zum Beevor-Zeichen in Fortschritte der Neurologie · Psychiatrie (Thieme). — Grundlage der Zuordnung des Zeichens zu den Wurzeln Th10 bis Th12 in Abschnitt 3.4.
11.3 Bandscheibenvorfall des Brustabschnitts
- Übersichtsarbeiten zu Häufigkeit, Höhenverteilung, Verkalkung und Beschwerdebild thorakaler Bandscheibenvorfälle. — Grundlage der Angaben in Abschnitt 6.3: Th11/Th12 als häufigste Etage mit einem Viertel bis der Hälfte aller thorakalen Vorfälle, drei Viertel unterhalb Th7/Th8, unter einem Prozent aller Bandscheibenvorfälle, etwa ein Fall auf eine Million Menschen im Jahr, elf bis siebenunddreißig Prozent stumme Befunde in der Kernspintomographie.
- Fallberichte und Übersichten zur Scheinhernie der Bauchwand bei Bandscheibenvorfall der Etage Th11/Th12, mit Angabe der segmentalen Innervation der Bauchwandmuskeln. — Grundlage von Abschnitt 3.3.
- Brinjikji W et al.: Systematische Übersicht zu Bildbefunden der Wirbelsäule bei Beschwerdefreien. American Journal of Neuroradiology. — Grundlage von Abschnitt 6.6.
11.4 Bauchwandschmerz und Nervenengpässe
- Übersichtsarbeiten zum Einklemmungssyndrom des vorderen Hautasts (ACNES) in begutachteten Fachzeitschriften. — Grundlage der Häufigkeitsangaben, der Verwechslungsmuster und der Beschreibung des Carnett-Zeichens in den Abschnitten 6.2 und 7.3.
- Fallserie zur thorakalen Radikulopathie bei Zuckerkrankheit mit Angabe von Seitenbetonung, Segmentzahl und Verlauf. — Grundlage der Angaben in Abschnitt 6.1.
- Fallberichte zur Scheinhernie nach Gürtelrose mit bildgebendem Nachweis der Verdünnung des inneren schrägen und des queren Bauchmuskels bei erhaltener Faszie. — Grundlage von Abschnitt 6.5.
11.5 Schmerzkarten der Wirbelgelenke
- Dreyfuss P et al.: Reizung thorakaler Wirbelgelenke bei Beschwerdefreien und die daraus entstehenden Schmerzfelder. — Grundlage von Abschnitt 5.3.
- Fukui S et al.: Schmerzkarten nach Reizung von Wirbelgelenken. — Ergänzende Grundlage von Abschnitt 5.3.
11.6 Leitlinien — mit Angabe der Gültigkeit
| Leitlinie | Registernummer | Stand und Gültigkeit |
|---|---|---|
| Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie | AWMF 013-023 | Stand 24.05.2019, gültig bis 23.05.2024 — abgelaufen. Im Leitlinienregister als abgelaufen geführt. Auf dieser Seite wird keine Behandlungsempfehlung aus ihr abgeleitet |
| Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose | AWMF 183-001 | Fassung 2023 (Langfassung Version 2.1) liegt vor. Ein Ablaufdatum war über das Register nicht abrufbar — Lücke, vor Veröffentlichung zu prüfen |
| Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz | NVL, AWMF nvl-007 | als Grundlage der Aussagen zu Aktivität statt Schonung und zur Zurückhaltung bei Bildgebung; Gültigkeit vor Veröffentlichung zu prüfen |
11.7 Eingeschränkt verwendete Quellen
- Head H, Mackenzie J: Arbeiten zu den reflektorischen Zonen, um 1900. — Historisch bedeutsam, methodisch nach heutigen Maßstäben nicht überprüfbar. Verwendet als Modell, nicht als Beleg (Abschnitt 5.4). [H]
- Dicke E: Bindegewebsmassage. — Historisches Verfahren; die beanspruchte Organwirkung ist nicht belegt. [H]
- Travell J, Simons D: Myofascial Pain and Dysfunction. — Die Schmerzkarten beruhen auf klinischer Beobachtung; die Zuverlässigkeit der Punktbestimmung ist schwach (Abschnitt 3.5). [H]
- Nicht verwendet: Webportale, Lexikonseiten, Anbieter- und Praxisseiten, Ausbildungsskripte ohne Quellenangabe sowie Sekundärquellen ohne nachvollziehbaren Beleg.
11.8 Benannte Lücken
- Für die Wirksamkeit manueller Behandlung am thorakolumbalen Übergang liegen keine belastbaren Studien vor.
- Für eine Beeinflussung der Nieren-, Harnleiter- oder Darmfunktion durch Behandlung des Segments Th11 liegen keine Wirksamkeitsnachweise vor.
- Das Ablaufdatum der Osteoporose-Leitlinie AWMF 183-001 war über das Leitlinienregister nicht abrufbar.
- Die Spannweite der Angaben zum Anteil von Th11/Th12 an allen thorakalen Bandscheibenvorfällen ist groß (ein Viertel bis die Hälfte). Sie stammt aus Operationsreihen, nicht aus Bevölkerungserhebungen, und ist deshalb nach oben verzerrt.
11.9 Fachbegriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Dermatom | Hautgebiet, das von einer einzelnen Rückenmarkswurzel versorgt wird |
| Sklerotom | tiefe Gewebe — Knochen, Bänder, Gelenkkapseln — derselben Herkunft |
| Thorakolumbaler Übergang | Zone zwischen Th11 und L2, in der die Bauweise der Wirbelsäule wechselt |
| Übergangswirbel | Wirbel, dessen obere und untere Gelenkflächen unterschiedlich ausgerichtet sind |
| Ramus dorsalis / ventralis | hinterer und vorderer Ast des Spinalnervs |
| Nervus intercostalis | Zwischenrippennerv, der vordere Ast eines Brustspinalnervs |
| Thorakoabdominale Nerven | die unteren Zwischenrippennerven, die in die Bauchwand übertreten |
| Nervus sinuvertebralis | Ast, der in den Wirbelkanal zurücktritt und dortige Strukturen versorgt |
| Nucleus intermediolateralis | Zellsäule im Rückenmark, aus der die sympathischen Fasern stammen |
| Nervus splanchnicus minor | Eingeweidenerv aus Th10 und Th11 zum Ganglion aorticorenale |
| ACNES | Einklemmungssyndrom des vorderen Hautasts eines Bauchwandnervs |
| Carnett-Zeichen | Prüfung zur Unterscheidung von Bauchwand- und Bauchraumschmerz |
| Beevor-Zeichen | Wanderung des Nabels bei Schwäche der unteren Bauchmuskeln |
| Pseudohernie | Vorwölbung der Bauchwand ohne Faszienlücke, durch Nervenschädigung |
| Radikulopathie | Störung einer Nervenwurzel |
| Myelopathie | Schädigung des Rückenmarks |
11.10 Berichtigte Angaben zum Segment Th11
| In Umlauf befindliche Aussage | Richtigstellung |
|---|---|
| Ein Befund „in Höhe Th11“ betreffe das Segment Th11 | Im Wirbelkanal auf Höhe des Wirbels Th11 verlaufen die Rückenmarkssegmente L3 und L4. Das Rückenmarkssegment Th11 liegt etwa in Höhe des Wirbelkörpers Th8 (Abschnitt 1.1) |
| Die Wurzel Th11 trete oberhalb des Wirbels Th11 aus | Das gilt nur am Hals. Ab Th1 tritt jede Wurzel unterhalb ihres gleichnamigen Wirbels aus, hier durch das Loch Th11/Th12 (Abschnitt 1.1) |
| Th11 habe wie die übrigen Brustwirbel ein Rippengelenk am Querfortsatz | Th11 und Th12 haben keines. Die elfte Rippe steht mit einer vollständigen Gelenkfläche am Wirbelkörper und endet vorn frei (Abschnitt 1.2) |
| Ein Bandscheibenvorfall Th11/Th12 mache einen Gürtelschmerz | Thorakale Vorfälle liegen überwiegend mittig und treffen eher das Rückenmark. Führende Zeichen sind Gangunsicherheit, Beinschwäche und Blasenstörung (Abschnitt 6.3 und Kapitel 09) |
| Der Musculus quadratus lumborum oder der Musculus psoas major gehöre zu Th11 | Der Quadratus lumborum wird aus Th12 bis L4 versorgt, der Psoas major aus L1 bis L3 (Abschnitt 3.2) |
| Th11 versorge Magen, Leber und Gallenblase | Diese Organe werden überwiegend über den Nervus splanchnicus major aus etwa Th5 bis Th9 erreicht. Th11 speist gemeinsam mit Th10 den Nervus splanchnicus minor zu Niere, Nebenniere und mittlerem Darmabschnitt (Abschnitt 4.1) |
| Eine Behandlung von Th11 wirke auf Niere oder Harnleiter | Belegt ist nur die Gegenrichtung: Organbeschwerden strahlen in das Segment ein. Für die Wirkrichtung Segment zu Organ fehlen Nachweise (Abschnitt 4.4 und 8.4) |
| Blasenstörungen seien ein Zeichen einer Th11-Blockierung | Sie sprechen für eine Schädigung des Rückenmarks und sind an dieser Etage besonders ernst zu nehmen — ein Notfall, kein Segmentbefund (Abschnitt 4.3 und Kapitel 09) |
| Der Schmerz über dem Beckenkamm gehöre zu Th11 | Die Hautäste der hinteren Äste, die den Beckenkamm erreichen, stammen überwiegend aus Th12 und L1 (Abschnitt 2.3) |
| Es gebe einen Kennmuskel oder einen Eigenreflex für Th11 | Beides fehlt. Prüfbar sind nur Bauchhautreflex und Beevor-Zeichen, und beide zeigen eine Region an, keine Etage (Abschnitt 3.1 und 3.4) |
| „MacKenzie-Zonen“, Enterotome und Viszerotome als eigenständige Strukturen des Segments | Keine anerkannten anatomischen Begriffe. Die Zonenmodelle nach Head, Mackenzie und Dicke sind als [H] gekennzeichnet; Mackenzie und McKenzie werden ausdrücklich unterschieden (Abschnitt 5.4 und 5.5) |
| Bauchwandvorwölbung sei immer ein Bruch | Ohne Faszienlücke handelt es sich um eine Scheinhernie durch Nervenschädigung. Belegte Ursachen sind Gürtelrose, Zuckerkrankheit, thorakaler Bandscheibenvorfall, Rippenbruch und Operationsfolgen (Abschnitt 3.3) |
11.11 Quellen und Änderungsvermerk zu den neuen Abschnitten
Quellen zu diesem Abschnitt
- Jänig W: Spinal cord integration of visceral sensory systems and sympathetic nervous system reflexes. Prog Brain Res 1986;67:255–277. — Grundlage des Reflexwegs von den Eingeweidefasern zu den sympathischen Ursprungszellen.
- Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aussage, dass das vegetative Nervensystem alle Körperteile außer der Skelettmuskulatur steuert.
- Stifani N: Motor neurons and the generation of spinal motor neuron diversity. Front Cell Neurosci 2014;8:293. — Grundlage der Aufgabenteilung zwischen motorischen Vorderhornzellen (Skelettmuskel) und vegetativen Ursprungszellen (glatte Muskulatur, Drüsen).
- Giamberardino MA, Affaitati G, Lerza R, Lapenna D, Costantini R, Vecchiet L: Relationship between pain symptoms and referred sensory and trophic changes in patients with gallbladder pathology. Pain 2005;114:239–249. — Messung von Unterhaut- und Muskeldicke im Übertragungsgebiet beim Menschen.
- Wesselmann U, Lai J: Mechanisms of referred visceral pain: uterine inflammation in the adult virgin rat results in neurogenic plasma extravasation in the skin. Pain 1997;73:309–317. — Tierbefund zu Hautveränderungen im Übertragungsgebiet und den drei möglichen Entstehungswegen.
- Fang Y, Han S, Li X, Xie Y, Zhu B, Gao X, Ma C: Cutaneous hypersensitivity as an indicator of visceral inflammation via C-nociceptor axon bifurcation. Neurosci Bull 2021;37:45–54. — Tierbefund zu gegabelten Schmerzfasern zwischen Organ und Haut sowie zur Konvergenz im Hinterhorn.
- Willis WD Jr: Dorsal root potentials and dorsal root reflexes: a double-edged sword. Exp Brain Res 1999;124:395–421. — Übersicht zum Hinterwurzelreflex und zur neurogenen Entzündung.
- Holey LA, Dixon J: Connective tissue manipulation: a review of theory and clinical evidence. J Bodyw Mov Ther 2014;18(1):112–118. — Grundlage der Einordnung der Bindegewebsmassage als Erklärungsmodell.
- Giamberardino MA: Referred muscle pain/hyperalgesia and central sensitisation. J Rehabil Med 2003;Suppl 41:85–88. — Grundlage des Modells der Reflexe zur Muskulatur.
- Roatta S, Windhorst U, Ljubisavljevic M, Johansson H, Passatore M: Sympathetic modulation of muscle spindle afferent sensitivity to stretch in rabbit jaw closing muscles. J Physiol 2002;540:237–248. — Tierbefund zur Muskelspindel.
- Macefield VG, Sverrisdottir YB, Wallin BG: Resting discharge of human muscle spindles is not modulated by increases in sympathetic drive. J Physiol 2003;551:1005–1011. — Befund am Menschen ohne Spindelveränderung.
- Hjortskov N, Skotte J, Hye-Knudsen C, Fallentin N: Sympathetic outflow enhances the stretch reflex response in the relaxed soleus muscle in humans. J Appl Physiol 2005;98:1366–1370. — Befund am Menschen mit verstärktem Dehnungsreflex.
Offene Lücken
- Welche Ursprungssegmente die Haut von Arm und Bein sympathisch versorgen, geben Fachwerke unterschiedlich an. Die Seite nennt deshalb keinen Zahlenbereich. Gray’s Anatomy stand für diese Bearbeitung nicht zur Verfügung. Die Seite bleibt deshalb bei der zahlenfreien Angabe, bis das Werk eingesehen ist.
- Von Fang et al. 2021 und Willis 1999 wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.
- Eine Untersuchung, die beim Menschen den Entstehungsweg der Veränderungen im Übertragungsgebiet klärt, wurde nicht gefunden. Ebenso wurde keine Untersuchung gefunden, die Tastbefunde nach Dicke mit gemessenen Gewebedicken vergleicht.
Fachbegriffe
- Hinterhorn — Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen.
- Nucleus intermediolateralis — Zellsäule im Seitenhorn mit den sympathischen Ursprungszellen, Th1 bis etwa L2.
- Gegabelte Empfindungsfaser — Nervenfaser, die mit zwei Ästen Organ und Haut zugleich versorgt.
- Hinterwurzelreflex — Erregung, die vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser zur Haut läuft.
- Neurogene Entzündung — Schwellung und Rötung durch Botenstoffe aus Nervenenden.
- Konvergenz — Zusammenlaufen von Fasern aus Organ und Körperoberfläche auf dieselbe Schaltzelle.
- Vorderhornzellen — Nervenzellen im Vorderhorn, die die Skelettmuskeln erregen.
- Körperwand — Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ.
- Muskelspindel — Fühler im Muskel, der die Muskellänge misst.
- Dehnungsreflex — Muskelzuckung auf plötzliche Dehnung, etwa beim Sehnenklopfen.
Änderungsvermerk
- Fassung V 0.4: Abschnitt 5.6 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu.
- Fassung V 0.4: Abschnitt 4.5 „Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt“ neu.
- Warum: Die Zonen- und Muskelbefunde des Segments sind jetzt nach Entstehungsweg getrennt und belegt; alternative Wege ohne Seitenhorn stehen gleichrangig daneben.
- Ersetzt: V 0.3.
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Segment Th10 · Segment Th12 · Segment L1 · Segment L2
Hinweis. Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen. Bei zunehmender Beinschwäche, Gangunsicherheit, neu aufgetretener Blasen- oder Mastdarmstörung, Gefühlsstörung im Reithosenbereich, bei Rückenschmerz nach einem Sturz oder bei bekannter Osteoporose ist eine unverzügliche ärztliche Abklärung erforderlich.
Segment Th11 · V 0.4 · Stand: September 2026. Geändert: Abschnitt 5.6 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu; Abschnitt 4.5 „Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt“ neu; Quellen, Lücken und Fachbegriffe in Kapitel 11 ergänzt. Warum: Die Entstehung der Zonen- und Muskelbefunde ist jetzt nach Weg getrennt, belegt und um die Wege ohne Seitenhorn ergänzt. Ersetzt: V 0.3 derselben Seite.