Nerven Wiki – Das Lexikon der peripheren Nerven

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Segment – Th3

Das Segment Th3 ist ein Rumpfsegment ohne Besonderheiten am Arm — und gerade deshalb das erste Segment dieser Reihe, das sich vollständig nach den Regeln der Brustwirbelsäule beschreiben lässt. Sein vorderer Ast wird zum dritten Zwischenrippennerv. Ein Kennmuskel und ein Reflex fehlen. Zwei Dinge machen Th3 trotzdem klinisch bedeutsam: Es ist die Etage, an der heute bei schwerem Handschweiß der Grenzstrang durchtrennt wird, und es ist eine der wenigen Etagen der Brustwirbelsäule, für die eine gemessene Schmerzkarte des Wirbelgelenks vorliegt.

Auf einen Blick

  • Austritt: Der Spinalnerv Th3 verlässt den Wirbelkanal durch das Zwischenwirbelloch Th3/Th4 — unterhalb seines gleichnamigen Wirbels. [B]
  • Vorderer Ast: Er wird zum dritten Zwischenrippennerv (N. intercostalis III) und zieht im dritten Zwischenrippenraum um den Brustkorb. Ein Anteil am Armgeflecht besteht nicht. [B]
  • Kennpunkt: die Medioklavikularlinie in Höhe des dritten Zwischenrippenraums. So führt ihn der internationale Untersuchungsstandard für Rückenmarksverletzungen (ISNCSCI). [B]
  • Kein Kennmuskel, kein Reflex: Wie alle Brustsegmente hat Th3 keinen einzeln prüfbaren Muskel und keinen Eigenreflex. Die Höhenbestimmung erfolgt allein über das Gefühl. [B]
  • Die Etage der Sympathikuschirurgie: Bei schwerem Handschweiß wird der Grenzstrang heute in Höhe Th3 oder Th4 durchtrennt, nicht mehr an Th2. Für die Wahl zwischen Th3 und Th4 liegen randomisierte Vergleiche vor. [B]
  • Zwei gemessene Schmerzkarten: Das Wirbelgelenk Th2/Th3 wurde an Personen mit Rückenschmerz untersucht, das Gelenk Th3/Th4 an gesunden Freiwilligen. Beide Reihen sind klein. [B] für das Vorliegen, [I] für die Belastbarkeit.
  • Kein zugeordnetes Bauchorgan: Über den Grenzstrang beteiligt sich Th3 an der sympathischen Versorgung von Herz, Gefäßen und Schweißdrüsen. Eine Zuständigkeit für Lunge, Bronchien oder Bauchorgane besteht nicht. [B]
  • Häufigste Beschwerdequelle: Wirbel- und Rippengelenke dieser Höhe — nicht die Bandscheibe. Bandscheibenvorfälle der oberen Brustwirbelsäule sind Einzelfälle. [B]
  • Wichtigste Abgrenzung: Brustschmerz mit Ausstrahlung gehört zuerst zur Herzabklärung, auch bei tastbarem Rippenbefund (siehe Kapitel 09).

Kapitel 01

Anatomie des Segments Th3

Th3 liegt bereits außerhalb des zervikothorakalen Übergangs. Der Wirbel ist ein typischer Brustwirbel, die Bandscheibe niedrig, der Wirbelkanal eng. Die Beweglichkeit je Etage ist gering, und jede Bewegung ist an die dritte Rippe gekoppelt.

1.1 Drei Bedeutungen von „Th3“

  • Der Wirbel Th3 — der dritte Brustwirbel. Er trägt die dritte Rippe mit und ist der Bezugspunkt jeder Höhenangabe im Bildbefund.
  • Das Rückenmarkssegment Th3 — der Abschnitt des Rückenmarks, aus dem die Wurzelfäden des dritten Brustnervs hervorgehen. Es liegt etwa zwei Etagen höher als der gleichnamige Wirbel, also in Höhe der Wirbelkörper Th1 bis Th2. [B]
  • Der Spinalnerv Th3 — er entsteht im Zwischenwirbelloch zwischen Th3 und Th4. Alles, was über „Th3-Beschwerden“ gesagt wird, betrifft ihn.

Die praktische Folge des Versatzes. Eine Raumforderung in Höhe des Wirbelkörpers Th3 trifft das Rückenmark auf Höhe der Segmente Th4 bis Th5. Sie erzeugt daher kein Th3-Bild, sondern eine Querschnittsymptomatik unterhalb dieser Höhe. Die Wurzel Th3 selbst wird nur im Zwischenwirbelloch Th3/Th4 oder unmittelbar davor getroffen. Diese Trennung ist an der Brustwirbelsäule wichtiger als die Frage, welche Wurzel betroffen ist. [B]

1.2 Die Zählregel

Ab Th1 tritt jeder Nerv unterhalb seines gleichnamigen Wirbels aus. An der Halswirbelsäule ist es umgekehrt. Der Spinalnerv Th3 verlässt den Kanal daher durch das Foramen Th3/Th4. [B]

Ort des BefundesBetroffene StrukturErläuterung
Foramen Th3/Th4Wurzel Th3Der Austrittsort. Enge entsteht hier vor allem durch Rippenköpfchen und Gelenkfortsätze, selten durch Bandscheibengewebe
Foramen Th2/Th3Wurzel Th2Zum Vergleich: die austretende Wurzel der Etage darüber. Ihr Gebiet umfasst Achselhöhle und Oberarminnenseite
Etage Th2/Th3 oder Th3/Th4, breitbasig nach hintenRückenmark, nicht einzelne WurzelDer Kanal ist in dieser Höhe eng. Ein solcher Befund erzeugt Zeichen einer Rückenmarksschädigung, siehe Kapitel 09
„Befund in Höhe Th3“ ohne Nennung beider WirbelunbestimmtEine Höhenangabe ohne Nennung beider Wirbel ist an der Brustwirbelsäule nicht verwertbar
Zuordnung von Höhenangabe zu Struktur. An der Brustwirbelsäule lautet die entscheidende Frage nicht „welche Wurzel“, sondern „Wurzel oder Rückenmark“. [B]

1.3 Der Wirbel Th3 und sein Bewegungssegment

  • Bandscheibe Th3/Th4 — sie gehört zu den niedrigsten der Wirbelsäule. Das Verhältnis von Bandscheibenhöhe zu Wirbelkörperhöhe ist in der oberen Brustwirbelsäule kleiner als in jedem anderen Abschnitt; entsprechend gering ist der Bewegungsausschlag je Etage. [B]
  • Wirbelgelenke Th3/Th4 — ihre Flächen stehen annähernd frontal. Sie erlauben Drehung und Seitneigung, bremsen Beugung und Streckung. Ihre Versorgung erfolgt über den Ramus medialis des hinteren Astes, und zwar doppelt: aus der eigenen Etage und aus der darüber. [B]
  • Rippen-Wirbel-Gelenke — die dritte Rippe verbindet sich über zwei Gelenke: mit den Wirbelkörpern Th2 und Th3 (Articulatio capitis costae) und mit dem Querfortsatz von Th3 (Articulatio costotransversaria). Letzteres wird über den seitlichen Ast des hinteren Astes versorgt — ein anderer Nerv als beim Wirbelgelenk. [B]
  • Zwischenwirbelloch Th3/Th4 — klein, mit dem Rippenköpfchen unmittelbar davor. Der Spinalnerv füllt es nur zu einem geringen Teil aus.
  • Wirbelkanal — in der Brustwirbelsäule enger als oberhalb und unterhalb; das Rückenmark füllt ihn stärker aus. Schon eine kleine Raumforderung kann Rückenmarkszeichen erzeugen. [B]

Warum die doppelte Versorgung der Wirbelgelenke zählt. Jedes Brustwirbelgelenk erhält Äste aus zwei Etagen. Eine gezielte Ausschaltung eines Gelenks muss deshalb beide Äste erfassen. Zugleich erklärt die Überlappung, weshalb der Schmerz eines Gelenks über ein Gebiet von mehr als einer Etage wahrgenommen wird. [B]

1.4 Die dritte Rippe als Zählhilfe

Der tastbare Winkel am Brustbein (Angulus sterni) markiert den Ansatz der zweiten Rippe. Von dort aus wird nach unten gezählt: Der Zwischenraum unterhalb der zweiten Rippe ist der zweite, der darunter liegende Raum der dritte. Der Kennpunkt für Th3 liegt in diesem dritten Zwischenrippenraum. [B]

Berichtigung einer verbreiteten Zählweise. Die Rippen werden am Rücken nicht zuverlässig von oben nach unten durchgezählt; die erste Rippe ist dort kaum tastbar, und die Dornfortsätze der oberen Brustwirbel liegen wegen ihrer Neigung nicht in Höhe ihres eigenen Wirbelkörpers. Wer am Rücken zählt, verschätzt sich regelmäßig um eine bis zwei Etagen. Verlässlich ist der Weg über den Brustbeinwinkel. [B]

Kapitel 02

Nervenversorgung

2.1 Die Aufteilung des Spinalnervs

  • Ramus anterior — er wird zum N. intercostalis III. Er zieht im dritten Zwischenrippenraum unter dem unteren Rand der dritten Rippe nach vorn und versorgt die Zwischenrippenmuskeln, das Rippenfell und die Haut der seitlichen und vorderen Brustwand.
  • Ramus posterior — er teilt sich in einen inneren und einen seitlichen Ast. Der innere versorgt die tiefe Rückenmuskulatur, die Wirbelgelenke und die Haut neben der Wirbelsäule; der seitliche unter anderem das Rippen-Querfortsatz-Gelenk.
  • Rami communicantes — Th3 besitzt einen weißen Verbindungsast mit vorgeschalteten sympathischen Fasern zum Grenzstrang und einen grauen zurück in den Spinalnerv (siehe Kapitel 04). [B]
  • Ramus meningeus — ein rückläufiger Ast zu den Rückenmarkshüllen, zum hinteren Längsband und zum äußeren Faserring der Bandscheibe.

2.2 Die Hautäste des dritten Zwischenrippennervs

  • Seitlicher Hautast — er durchbohrt in der mittleren Achsellinie die Brustwand und teilt sich in einen vorderen und einen hinteren Zweig. Er versorgt die seitliche Brustwand in Höhe des dritten Zwischenrippenraums.
  • Vorderer Hautast — er tritt neben dem Brustbein aus und versorgt die Haut der vorderen Brustwand bis zur Mittellinie.
  • Beitrag zum N. intercostobrachialis — in einem Teil der Fälle stammt der Nerv der Achselhöhle nicht allein aus Th2. Zusammenfassende Auswertungen geben für einen reinen Th3-Ursprung rund 5 Prozent an, für einen gemeinsamen Ursprung aus Th2 und Th3 rund 8 Prozent. [B]

Was daraus für die Achselhöhle folgt. Eine Gefühlsstörung an Achsel und Oberarminnenseite nach einer Operation ist in der Regel eine Störung des Th2-Gebiets. In einem kleineren Teil der Fälle ist Th3 mitbeteiligt oder allein beteiligt. Für die Untersuchung ändert das wenig, für das Verständnis der schwankenden Ausdehnung solcher Störungen viel. [I]

2.3 Der hintere Ast und sein rechtwinkliger Verlauf

Der innere Hautast des hinteren Astes durchbohrt die tiefe Rückenmuskulatur nahezu im rechten Winkel, bevor er die Haut neben der Wirbelsäule erreicht. Dieser Verlauf gilt als Erklärungsansatz für die Notalgia paraesthetica — einen umschriebenen Juckreiz neben dem Schulterblatt, der den Segmenten Th2 bis Th6 zugeordnet wird (siehe Abschnitt 6.3). [I]

2.4 Was Th3 nicht versorgt

Beschwerde oder GebietTatsächliche ZuordnungWarum die Verwechslung entsteht
Schmerz zwischen den Schulterblätternhäufig untere Halswirbelsäule (C5–C7), daneben Wirbel- und Rippengelenke Th1–Th5Der Ort der Wahrnehmung liegt in Höhe der Brustwirbelsäule, die Quelle oft höher
Gefühlsstörung an Achselhöhle und Oberarminnenseiteüberwiegend Th2Th3 beteiligt sich nur in einem kleineren Teil der Fälle (Abschnitt 2.2)
Gefühlsstörung an Kleinfinger und UnterarminnenseiteC8 und Th1Beide Segmente liegen nahe, ihre Gebiete aber weit auseinander
Schwäche eines Arm- oder HandmuskelsC5 bis Th1Th3 hat keinen prüfbaren Muskel; ein Kraftbefund am Arm schließt Th3 aus
Abstehende SchulterblattkanteN. thoracicus longus aus C5–C7Der Muskel liegt im Gebiet, der versorgende Nerv stammt aus der Halswirbelsäule
Atemnotüberwiegend N. phrenicus aus C3–C5Die tragende Atemmuskulatur stammt aus der Halswirbelsäule; die Brustsegmente liefern nur die Zwischenrippenmuskeln
Häufige Fehlzuordnungen zum Segment Th3. Die erste Zeile betrifft die häufigste Beschwerde dieser Körpergegend überhaupt. [B]

Kapitel 03

Muskeln

Th3 hat keinen Kennmuskel und keinen Eigenreflex. Das gilt für alle Brustsegmente und ist keine Lücke der Darstellung, sondern eine Eigenschaft dieses Abschnitts. [B]

Was der internationale Untersuchungsstandard dazu sagt. Der ISNCSCI prüft die Kraft an zehn Kennmuskeln (im Standard englisch key muscles) je Körperseite: fünf am Arm für C5 bis Th1, fünf am Bein für L2 bis S1. Für die Segmente Th2 bis L1 ist kein Muskel vorgesehen. Die Höhe einer Schädigung wird in diesem Bereich allein über das Gefühl bestimmt. [B]

3.1 Woran Th3 beteiligt ist

  • Mm. intercostales des dritten Zwischenrippenraums — sie spannen den Zwischenrippenraum und wirken an der Atmung mit. Einzeln prüfbar sind sie nicht.
  • Tiefe Rückenmuskulatur in Höhe Th3 — Mm. multifidi und Mm. rotatores über den hinteren Ast. Diese Muskeln arbeiten segmentnah und werden überwiegend aus der eigenen Etage versorgt. [B]
  • Mm. levatores costarum — kurze Muskeln vom Querfortsatz zur nächsten Rippe, ebenfalls aus dem hinteren Ast.
  • M. serratus posterior superior — er liegt unter dem Rautenmuskel und wird aus den oberen Zwischenrippennerven versorgt, Th3 gehört dazu. Seine Bedeutung als Atemhilfsmuskel wird beschrieben, ist aber kaum gemessen. [I]

3.2 Was nicht zu Th3 gehört

MuskelTatsächliche VersorgungBedeutung für die Untersuchung
M. trapeziusN. accessorius (XI), sensibel C3–C4Der auffälligste Muskel dieser Körpergegend hat mit Th3 nichts zu tun
Mm. rhomboideiN. dorsalis scapulae aus C4–C5Sie liegen genau über dem Gebiet von Th3, stammen aber aus der Halswirbelsäule
M. serratus anteriorN. thoracicus longus aus C5–C7Die Zwischenrippennerven durchbohren ihn, versorgen ihn aber nicht
M. latissimus dorsiN. thoracodorsalis aus C6–C8Er bedeckt die Etage, gehört aber zur Armmuskulatur
ZwerchfellN. phrenicus aus C3–C5Eine Atemschwäche ist kein Zeichen eines einzelnen Brustsegments
Muskeln, die dem Segment Th3 regelmäßig zugeschrieben werden, ohne dazuzugehören. Alle fünf stammen aus der Halswirbelsäule. [B]

Berichtigung. In Tabellen, die jedem Segment einen „Kennmuskel“ zuordnen, erscheinen für die oberen Brustsegmente gelegentlich Rautenmuskel oder M. serratus anterior. Beides ist falsch. Für Th3 existiert kein einzeln prüfbarer Muskel — wer einen angibt, füllt eine Tabellenspalte, nicht einen Befund. [B]

Kapitel 04

Vegetative Bezüge

Th3 ist das Segment, an dem der Sympathikus am häufigsten chirurgisch angegangen wird. Dieses Kapitel trennt deshalb sorgfältig, was anatomisch belegt ist, was aus randomisierten Vergleichen stammt und was lediglich behauptet wird.

4.1 Der Ursprung und die vier Wege

Die vorgeschalteten sympathischen Zellen liegen im Seitenhorn des Rückenmarks, im Nucleus intermediolateralis. Diese Zellsäule reicht von Th1 bis etwa L2. Die Fasern aus Th3 verlassen den Spinalnerv über den weißen Verbindungsast und treten in den Grenzstrang ein. [B]

Weg im GrenzstrangZielKlinische Bedeutung
aufsteigend zum Ganglion stellatum und weiter über graue Verbindungsäste in das ArmgeflechtSchweißdrüsen und Gefäße der HandGrundlage des Eingriffs bei übermäßigem Handschweiß — Th3 ist heute eine der beiden gebräuchlichen Zielhöhen [B]
über die Ganglien Th1 bis etwa Th4/Th5 zum HerzenHerzmuskel und HerzkranzgefäßeDie schmerzleitenden Fasern des Herzens laufen denselben Weg zurück — Grundlage des übertragenen Herzschmerzes [B]
aufsteigend bis zum Ganglion cervicale superiusGefäße und Schweißdrüsen des KopfesAnteil geringer als bei Th1 und Th2; das Horner-Zeichen entsteht bei Schädigung weiter oben [B]
über den grauen Verbindungsast zurück in den Spinalnerv Th3Schweißdrüsen, Gefäße und Haarmuskeln im eigenen HautgebietJedes Segment versorgt so sein eigenes Hautgebiet
Die vier Wege der sympathischen Fasern aus Th3. Die ersten beiden Zeilen tragen die klinische Bedeutung dieses Segments — die eine für die Chirurgie, die andere für die Abgrenzung gegenüber dem Herzen.

Der Schluss, der hier nicht gilt. Aus der Beteiligung von Th3 an der sympathischen Versorgung des Herzens folgt nicht, dass eine Behandlung an Th3 auf das Herz wirkt. Belegt ist die Richtung vom Organ zur Körperwand: Reize aus dem Herzen werden in der Körperwand wahrgenommen. Die Gegenrichtung ist nicht belegt. [B] für die erste Richtung, [H] für die zweite.

4.2 Der Eingriff am Grenzstrang: warum Th3 und nicht Th2

Bei schwerem, anders nicht beherrschbarem Handschweiß wird der Grenzstrang endoskopisch durchtrennt. Die Zielhöhe hat sich in zwei Schritten nach unten verschoben: zuerst von Th2 auf Th3, dann in einem zweiten, noch nicht abgeschlossenen Schritt von Th3 auf Th4.

VergleichAnlage und UmfangErgebnis
Th3 gegen Th2–Th4randomisiert, 232 PersonenSchweres Ausgleichsschwitzen 3 % gegenüber 10 %; Zufriedenheit 96,6 % gegenüber 89,6 %; Beschwerdefreiheit in beiden Gruppen 100 %, kein Horner-Zeichen [B]
Th3–Th5 gegen Th2–Th4Verlaufsreihe, große FallzahlAusgleichsschwitzen 4,9 % gegenüber 17,1 %. Die Verfasser führen sowohl das schwere Ausgleichsschwitzen als auch die Mehrzahl der Schädigungen des Ganglion stellatum auf den Beginn bei Th2 zurück [B]
Th3 gegen Th4randomisiert, mehrere Zentren, 141 PersonenAusgleichsschwitzen 77,4 % gegenüber 56,5 %; mittelschweres Ausgleichsschwitzen 14,5 % gegenüber 2,9 %; übermäßig trockene Hände 12,9 % gegenüber 1,4 %; leicht feuchte Hände 25,8 % gegenüber 59,4 %; Wirksamkeit in beiden Gruppen 100 % [B]
Th3 gegen Th4zusammenfassende Auswertung, 10 Arbeiten, 566 gegenüber 629 PersonenNach Th4 seltener Ausgleichsschwitzen, trockene Hände und Geschmacksschwitzen. Kein Unterschied bei Beschwerdefreiheit und Zufriedenheit. Die Verfasser fordern größere randomisierte Vergleiche [B]
Vergleichende Untersuchungen zur Wahl der Durchtrennungshöhe. Zwei Größen laufen gegenläufig: Je tiefer durchtrennt wird, desto seltener das Ausgleichsschwitzen — und desto häufiger bleibt eine leichte Restfeuchte der Hände. Welche der beiden Größen schwerer wiegt, ist eine Entscheidung der behandelten Person, keine der Statistik.

Was daraus für diese Seite folgt. Erstens: Die Angabe, der Eingriff erfolge „an Th2“, beschreibt einen überholten Stand. Zweitens: Th3 ist nicht mehr unbestritten die beste Zielhöhe — die vorliegenden Vergleiche sprechen eher für Th4. Drittens: Nahezu alle diese Arbeiten stammen aus wenigen Zentren mit ähnlicher Vorgehensweise; die Übertragbarkeit ist begrenzt. [I]

4.3 Ausgleichsschwitzen — die Nebenwirkung, die das Segment kennzeichnet

Nach Durchtrennung des Grenzstrangs schwitzen viele Betroffene an anderen Körperstellen stärker als zuvor, meist an Rumpf und Oberschenkeln. Die Angaben schwanken je nach Zielhöhe und Erfassungsweise erheblich — von unter 5 Prozent bis über 75 Prozent. Diese Spanne ist kein Widerspruch, sondern die Folge unterschiedlicher Definitionen: Manche Reihen zählen jede Veränderung, andere nur die störende. [I]

Für die Beratung folgt daraus ein einfacher Punkt: Eine Prozentangabe zum Ausgleichsschwitzen ist nur verwertbar, wenn Zielhöhe und Schweregrad mitgenannt sind. [I]

Was Th3 nicht steuert. In Zuordnungstabellen aus der populären Literatur werden dem Segment Th3 regelmäßig Lunge, Bronchien oder Brustfell zugewiesen. Belegt ist der sympathische Weg zu Herz, Gefäßen und Schweißdrüsen. Die Lunge erhält ihre sympathische Versorgung aus einem breiten Bereich der oberen Brustsegmente über das Lungengeflecht und nicht aus einer einzelnen Etage; eine segmentale „Zuständigkeit“ von Th3 besteht nicht. Die Bauchorgane werden über die Nn. splanchnici aus tieferen Segmenten versorgt. [B]

4.4 Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt

Die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis sind die letzte Umschaltstelle im Rückenmark, bevor ein sympathischer Befehl den Körper erreicht. Sie arbeiten nicht selbstständig. Was sie weitergeben, hängt von drei Zuflüssen ab.

Zufluss aus dem Gehirn. Fünf Zellgruppen versorgen die gesamte sympathische Ausfuhr: der Nucleus paraventricularis des Hypothalamus, die A5-Zellgruppe, die hintere Raphe sowie die vordere seitliche und die vordere mittige verlängerte Medulla. Sie gelten als der beherrschende Zufluss. [B]

Zufluss aus dem eigenen Segment. Schaltzellen in der Nähe der Ursprungszellen leiten Meldungen aus Organen, Haut und Muskeln weiter. Eingeweidefasern erreichen die Ursprungszellen in der Regel nicht unmittelbar, sondern über solche Zwischenzellen. Das ist der Weg, den Kapitel 05 für die Zonen beschreibt. [B]

Zufluss aus anderen Rückenmarkshöhen. Im Tierversuch stammen 8 bis 20 von 100 erregenden Kontakten an den Brust-Ursprungszellen von Schaltzellen des Lendenmarks, die zum Gehprogramm gehören. Der Zufluss ist nach Höhen geordnet. [B]

Was hinausgeht. Die Ursprungszellen des Segments Th3 geben ihre Erregung über die vordere Wurzel und den weißen Verbindungsast an den Grenzstrang ab. Sympathische Wirkungen sind unter anderem: Engstellung der Gefäße, Schweißbildung, Aufrichten der Haare, Wirkungen an inneren Organen und Ausschüttung aus dem Nebennierenmark. Welche davon auf Th3 entfallen, steht oben in diesem Kapitel. [B]

Aus der Verrechnung dieser Zuflüsse folgt zweierlei. Ein Reiz aus einem Organ ist nur ein Eingang unter mehreren und wird mit der Steuerung aus dem Gehirn verrechnet. Und aus einem Befund an der Körperoberfläche lässt sich nicht auf eine einzelne Etage zurückschließen. [I]

Wie stark der Zufluss aus dem Gehirn wiegt, zeigt sich nach einer Querschnittlähmung. Unterhalb der Verletzung gehen die Bahnen aus dem Gehirn zu den Ursprungszellen weitgehend verloren. Blutdruckregelung, Blasen- und Darmsteuerung sind danach gestört, während die Ursprungszellen selbst weiterarbeiten. [B]

Quellen zu diesem Abschnitt

  • Strack AM, Sawyer WB, Hughes JH, Platt KB, Loewy AD: A general pattern of CNS innervation of the sympathetic outflow demonstrated by transneuronal pseudorabies viral infections. Brain Res 1989;491:156–162. — Grundlage der fünf Zellgruppen in Hypothalamus und Hirnstamm.
  • Llewellyn-Smith IJ: Anatomy of synaptic circuits controlling the activity of sympathetic preganglionic neurons. J Chem Neuroanat 2009;38:231–239. — Grundlage der Zuflüsse aus Gehirn und Rückenmark.
  • Chacon C, Nwachukwu CV, Shahsavani N, Cowley KC, Chopek JW: Lumbar V3 interneurons provide direct excitatory synaptic input onto thoracic sympathetic preganglionic neurons. Front Neural Circuits 2023;17:1235181. — Grundlage des Zuflusses aus anderen Rückenmarkshöhen.
  • Llewellyn-Smith IJ: Effects of spinal cord injury on synaptic inputs to sympathetic preganglionic neurons. Prog Brain Res 2006;152:11–26. — Grundlage der Aussage zum Verlust der Bahnen aus dem Gehirn nach Querschnittlähmung.
  • Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aufzählung der sympathischen Wirkungen.

Offene Lücken

  • Die Befunde zu den Zuflüssen stammen aus Tierversuchen an Ratten und Mäusen. Zahlen zum Anteil der einzelnen Zuflüsse beim Menschen liegen nicht vor.
  • Von den fünf Arbeiten dieses Abschnitts wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.

Kapitel 05

Dermatom, Sklerotom, Reflexzonen

5.1 Das Dermatom Th3

  • Kennpunkt nach ISNCSCI: die Medioklavikularlinie in Höhe des dritten Zwischenrippenraums. [B]
  • Weiteres Gebiet: ein gürtelförmiger Streifen vom Rücken neben der Wirbelsäule über die seitliche Brustwand zur vorderen Brustwand, in Höhe des dritten Zwischenrippenraums. Bei Frauen verläuft der Streifen oberhalb der Brustdrüse.
  • Lage zum Nachbarn: Th3 liegt unmittelbar unterhalb des Th2-Gebiets. Der auffällige Sprung von C4 auf Th2 betrifft die Etage darüber; ab Th2 verlaufen die Streifen wieder lückenlos abwärts. [B]
  • Überlappung: Benachbarte Streifen überlappen sich am Rumpf erheblich. Ein vollständiger Gefühlsausfall eines einzelnen Brustsegments ist deshalb selten; meist zeigt sich nur eine Abschwächung. [B]

Für alle Dermatomkarten gilt zudem eine grundsätzliche Einschränkung: Die verbreiteten Karten gehen auf unterschiedliche Untersuchungsverfahren zurück und widersprechen einander an vielen Stellen. Eine kritische Durchsicht der zugrunde liegenden Arbeiten kam zu dem Ergebnis, dass keine der gebräuchlichen Karten durchgehend belegt ist. [B]

5.2 Die Gelenke dieser Höhe — was gemessen ist

Th3 ist eine der wenigen Etagen der Brustwirbelsäule, für die gleich mehrere gemessene Schmerzkarten vorliegen. Sie stammen aus drei Reihen mit unterschiedlicher Anlage.

Untersuchte StrukturAnlage und UmfangErgebnis
Wirbelgelenke Th3/Th4 und tieferneun beschwerdefreie Freiwillige, 40 Einspritzungen in die Gelenke von Th3/Th4 bis Th10/Th11In 72,5 % der Gelenke entstand eine Empfindung, die sich deutlich vom Nadelweg unterschied. Der Schmerz blieb einseitig, lag über dem gereizten Gelenk und reichte etwa eine Etage weiter abwärts und seitwärts. Kein Schmerz an der vorderen Brustwand, kein Armschmerz [B]
Wirbelgelenke C7/Th1 bis Th2/Th315 Personen mit Rückenschmerz, 21 Gelenke über alle untersuchten EtagenFür Th2/Th3 wird ein Gebiet am oberen inneren Schulterblattrand und am Nackenübergang angegeben, ohne Armschmerz. Kleine Fallzahl [I]
Rippen-Querfortsatz-Gelenkeacht beschwerdefreie Männer, 21 Einspritzungen, davon 16 gesichert im Gelenk14 Einspritzungen erzeugten einen deutlich unterscheidbaren Schmerz, im Mittel 3,3 von 10. Er wurde als dumpf und drückend beschrieben und lag unmittelbar über dem gereizten Gelenk. Kein Schmerz an Brustwand oder Arm, keine organähnlichen Beschwerden [B]
Gemessene Schmerzkarten für die Gelenke der oberen Brustwirbelsäule. Alle drei Reihen stimmen in einem Punkt überein, der praktisch bedeutsamer ist als jede Einzelkarte: Der Schmerz dieser Gelenke bleibt hinten und einseitig. Er erreicht weder die vordere Brustwand noch den Arm.

Die wichtigste Folgerung. Ein Schmerz, der von hinten nach vorn um den Brustkorb zieht oder in den Arm ausstrahlt, lässt sich mit einem Wirbel- oder Rippengelenk dieser Höhe nicht erklären. Er verlangt eine andere Erklärung — Nervenwurzel, Gürtelrose oder ein Organ. [I]

5.3 Sklerotom

Das Sklerotom umfasst die tiefen Gewebe derselben Anlage: Wirbelkörper und Bogen von Th3, die zugehörigen Bänder, die beiden Rippen-Wirbel-Gelenke der dritten Rippe, die dritte Rippe selbst und das Rippenfell in diesem Bereich. Schmerz aus diesen Geweben ist dumpf, schlecht zu lokalisieren und wird oft weiter von der Quelle entfernt wahrgenommen als Hautschmerz. [I]

5.4 Zonenmodelle

ModellAussage zu Th3Belegstand
Head-Zonen (Henry Head, ab 1893)Für das Herz beschreibt das Modell eine Zone, die Th1 bis Th4 einschließt; für die Lunge eine Zone im oberen BrustbereichHistorisches Modell aus systematischer Krankenbeobachtung. Für das Herz deckt es sich mit dem heute bekannten Faserverlauf; für die übrigen Organe ist es nicht bestätigt [H]
Reflexzonen nach James Mackenzie (um 1900)Muskelverspannung und Druckempfindlichkeit im zugehörigen Segment bei OrganerkrankungAls Beobachtung nachvollziehbar, als Grundlage einer Behandlung nicht belegt [H]
„McKenzie-Zonen“kommt in keinem der beiden Modelle vorDer Ausdruck entsteht durch Verwechslung. James Mackenzie beschrieb Reflexzonen um 1900; Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren [B]
„Th4-Syndrom“beschreibt ein Beschwerdebild der oberen Brustwirbelsäule mit Missempfindungen an den Händen und Kopfschmerz, zugeordnet den Etagen Th2 bis Th7In der Handtherapie verbreitet, in Fallberichten und Lehrbüchern beschrieben. Vergleichende Untersuchungen fehlen; die zugrunde gelegte Wirkkette ist nicht belegt [H]
Enterotome und Viszerotome mit Zuordnung einzelner Organe zu Th3Zuordnungen zu Lunge, Bronchien oder SchilddrüseOhne anatomische Grundlage [B]
Zonenmodelle zum Segment Th3. Das Herz ist der einzige Fall, in dem sich ein historisches Modell und der heutige anatomische Kenntnisstand decken — und selbst dort trägt der Beleg nur die Richtung vom Organ zur Körperwand.

5.5 Erklärungswege über das Rückenmark

Dieser Abschnitt ordnet ein, auf welchem Weg ein Organreiz Haut, Unterhaut und Muskeln verändern kann. Belegt ist nur ein Teil davon.

Reize aus einem Organ erreichen das Rückenmark über Eingeweidefasern. Diese enden im Hinterhorn, dem Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen. Im selben Segment können sie die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis erregen. Diese Zellsäule im Seitenhorn reicht von Th1 bis etwa L2; das Segment Th3 gehört dazu. Über den Grenzstrang steuern diese Zellen unter anderem Hautgefäße und Schweißdrüsen. [B]

Dass sich Unterhaut und Muskeln im Übertragungsgebiet eines Organs messbar verändern, ist beim Menschen gezeigt. Bei Gallensteinen mit Koliken war die Unterhaut im Übertragungsgebiet dicker und der Muskel dünner als auf der Gegenseite. Ohne Koliken fanden sich diese Unterschiede nicht. [B]

Die Autoren dieser Untersuchung vermuten, dass Überempfindlichkeit und Gewebeveränderung auf verschiedenen Wegen entstehen. [I]

Auf welchem Weg die Veränderungen entstehen, ist beim Menschen nicht geklärt. Tierversuche nennen drei Kandidaten: gegabelte Empfindungsfasern, Verschaltungen zwischen Empfindungsfasern im Rückenmark und den sympathischen Reflex über das Seitenhorn. [B]

Gegabelte Empfindungsfaser. Bei Ratten sind Schmerzfasern nachgewiesen, die sich teilen und mit einem Ast die Haut, mit dem anderen ein Organ versorgen. Bei Entzündungen von Dickdarm, Blase oder Magen trat in der Haut Flüssigkeit aus. Im Dickdarmmodell reagierten diese Fasern verstärkt auf Hautreize. [B]

Hinterwurzelreflex. Hier läuft eine Erregung vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser. An deren Ende setzt sie Botenstoffe frei, die eine vom Nerv ausgelöste Schwellung und Rötung hervorrufen, eine neurogene Entzündung. Im Tierversuch erklärt dieser Reflex einen erheblichen Teil der Gelenkschwellung bei Arthritis und der Hautrötung nach Einspritzen von Capsaicin. [B]

Dass einer dieser beiden Wege die Zonen bei Organleiden erzeugt, ist nicht gezeigt. Beide setzen kein Seitenhorn voraus und kämen deshalb in allen Segmenten in Frage. [I]

Konvergenz im Hinterhorn. Fast alle Schaltzellen der zweiten Stufe im Hinterhorn erhalten Eingänge aus den Eingeweiden und zugleich aus Haut und Muskeln. Dieses Zusammenlaufen gilt seit Langem als Grundlage dafür, dass Organschmerz an der Körperoberfläche gespürt wird. [B]

Die Konvergenz erklärt die Überempfindlichkeit einer Zone, für sich allein aber keine tastbare Gewebeveränderung. Welcher der genannten Wege beim Menschen überwiegt, ist offen. [I]

Die Bindegewebsmassage erklärt ihre Zonen mit einer Reflexwirkung über das vegetative Nervensystem, also mit dem Weg über das Seitenhorn. Nachgewiesen ist diese Erklärung nicht, und ob die Tastbefunde nach Dicke den gemessenen Veränderungen entsprechen, ist offen. [I]

Skelettmuskeln werden ausschließlich über die motorischen Vorderhornzellen erregt. Das vegetative Nervensystem, zu dem das Seitenhorn gehört, steuert Eingeweide, Gefäße und Drüsen, aber nicht die Skelettmuskeln. [B]

Ein zweites Modell führt Verspannungen der Körperwand bei Organreiz auf Reflexe über diese Vorderhornzellen zurück. Die Körperwand umfasst Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ. Tierversuche stützen das Modell; beim Menschen ist es nicht gesichert. [I]

Ob der Sympathikus die Muskelspannung beim Menschen unmittelbar verändert, ist ungeklärt. Im Tierversuch veränderte ein Sympathikusreiz die Empfindlichkeit der Muskelspindeln, der Längenfühler im Muskel. Beim Menschen blieb die Spindelentladung in einer Untersuchung unverändert; in einer anderen war der Dehnungsreflex verstärkt. Die Befunde widersprechen sich. [I]

Alle genannten Wege beschreiben die Richtung vom Organ zur Körperwand. Dass eine Behandlung von Haut oder Muskeln über diese Wege ein Organ beeinflusst, ist damit nicht belegt. [H]

Kapitel 06

Beschwerdebilder

Die Reihenfolge folgt der Häufigkeit. Das Wurzelsyndrom, das bei Hals- und Lendensegmenten am Anfang stünde, steht hier weit hinten.

6.1 Beschwerden aus Wirbel- und Rippengelenken

Die häufigste fassbare Quelle in dieser Höhe. Jede Etage trägt vier Gelenke mit Nervenendigungen: zwei Wirbelgelenke und zwei Rippen-Querfortsatz-Gelenke, dazu die Gelenke zwischen Rippenkopf und Wirbelkörpern.

  • Beschwerdebild: einseitiger, dumpfer Schmerz neben der Wirbelsäule, bewegungs- und häufig atemabhängig, durch Druck auf die betroffene Stelle auslösbar. Er bleibt hinten und einseitig. [I]
  • Was gemessen ist: siehe Abschnitt 5.2. Die drei vorliegenden Reihen fanden übereinstimmend keinen Schmerz an der vorderen Brustwand und keinen Armschmerz. [B]
  • Was nicht gelingt: die Zuordnung zu einer bestimmten Etage durch Tastuntersuchung. Die Übereinstimmung verschiedener Untersucher bei der segmentalen Zuordnung an der Brustwirbelsäule ist gering. [I]
  • Verlauf: überwiegend gutartig. Anhaltende Beschwerden dieser Gegend gehen häufiger mit Haltungs- und Belastungsfaktoren einher als mit einem strukturellen Befund. [I]

6.2 Gürtelrose und Nervenschmerz danach

Die Brustsegmente sind das häufigste Befallsgebiet der Gürtelrose; die Angaben schwanken je nach untersuchter Bevölkerung zwischen etwa 40 und 70 Prozent aller Fälle. Innerhalb des Brustbereichs liegt der Schwerpunkt in den Etagen Th3 bis Th5 — Th3 gehört damit zu den am häufigsten betroffenen Segmenten des Körpers überhaupt. [B]

  • Vorlaufphase: Bei einem großen Teil der Betroffenen geht dem Ausschlag ein Schmerz von zwei bis fünf Tagen voraus. In dieser Zeit ist die Verwechslung mit einer Gelenkbeschwerde, einer Rippenreizung oder einer Herzerkrankung besonders naheliegend. [B]
  • Erkennungsmerkmal: streng einseitig, die Mittellinie nicht überschreitend, im Verlauf eines Streifens. [B]
  • Nervenschmerz danach: Er ist die häufigste Folge und betrifft vor allem ältere Menschen. Die Häufigkeitsangaben schwanken erheblich, weil unterschiedliche Zeitgrenzen verwendet werden. [I]

6.3 Notalgia paraesthetica

Ein umschriebener, meist einseitiger Juckreiz neben oder unterhalb des Schulterblattes, begleitet von Missempfindungen und häufig einem dunkler verfärbten Hautfleck. Als Ursache wird eine Reizung der hinteren Äste der Segmente Th2 bis Th6 angenommen, begründet mit deren rechtwinkligem Verlauf durch die Rückenmuskulatur. [I]

Der Beleg ist begrenzt. Eine vergleichende Untersuchung fand die erwartete Übereinstimmung zwischen Bildbefund und Beschwerdeort nur bei etwa der Hälfte der Betroffenen — beim verwandten Krankheitsbild am Unterarm dagegen fast durchgehend. Der dunkle Fleck entsteht durch das Reiben und ist keine eigenständige Hauterkrankung. [B]

6.4 Folgen nach Sympathikuschirurgie

Ein Beschwerdebild, das es ohne Eingriff nicht gäbe und das gerade deshalb zu diesem Segment gehört. Nach Durchtrennung des Grenzstrangs in Höhe Th3 treten drei Folgen regelmäßig auf.

  • Ausgleichsschwitzen an Rumpf und Oberschenkeln — die häufigste und die am meisten störende Folge (siehe Abschnitt 4.3). [B]
  • Übermäßig trockene Hände — im randomisierten Vergleich nach Th3 bei 12,9 Prozent, nach Th4 bei 1,4 Prozent. [B]
  • Geschmacksschwitzen — Schwitzen im Gesicht beim Essen. Nach der zusammenfassenden Auswertung seltener nach Th4 als nach Th3. [B]
  • Wiederauftreten des Handschweißes — es wird unter anderem auf Nervenverbindungen zurückgeführt, die den Grenzstrang umgehen (Kuntz-Verbindung). [I]

6.5 Das Wurzelsyndrom Th3

Selten. Bandscheibenvorfälle der Brustwirbelsäule machen je nach Zählweise zwischen 0,15 und 4 Prozent aller operationsbedürftigen Bandscheibenvorfälle aus. Rund drei Viertel liegen unterhalb von Th8, der Schwerpunkt bei Th11/Th12. Vorfälle der oberen Brustwirbelsäule sind Einzelfallberichte. [B]

  • Beschwerdebild bei Reizung der Wurzel Th3: gürtelförmiger Schmerz vom Rücken über die seitliche zur vorderen Brustwand, mit Gefühlsstörung im gleichen Streifen. Eine Schwäche gehört nicht dazu. [I]
  • Häufigere Ursachen als die Bandscheibe: Wirbelkörperbruch bei verminderter Knochendichte, Tumorabsiedlung, entzündlicher Befall, Bestrahlungsfolge, Gürtelrose, Zuckerkrankheit mit Beteiligung der Rumpfnerven. [B]
  • Benannte Lücke: Zum Wurzelsyndrom Th3 liegen Fallberichte vor, keine Reihen. Häufigkeitsangaben lassen sich daraus nicht ableiten. [I]

6.6 Abgrenzung

ErwägungWas dafür sprichtVorgehen
Akutes HerzgeschehenDruck oder Enge hinter dem Brustbein, Ausstrahlung in Arm, Hals oder Kiefer, Luftnot, Übelkeit, Schweißausbruch, Zunahme unter BelastungSofortige Abklärung. Ein Tastbefund an der Wirbelsäule schließt dies nicht aus
Einriss der Hauptschlagaderschlagartig einsetzender, reißender Schmerz zwischen den Schulterblättern, Blutdruckunterschied zwischen den ArmenSofortige Abklärung
Lungenembolieplötzliche Luftnot, atemabhängiger Brustschmerz, schneller Puls, vorausgegangene Ruhigstellung oder OperationSofortige Abklärung
Erkrankung von Speiseröhre, Magen oder GallenwegenZusammenhang mit Mahlzeiten, Sodbrennen, Schluckbeschwerden, ÜbelkeitInternistische Abklärung vor jeder Segmentbehandlung
Gürtelrose vor dem Ausschlagbrennender einseitiger Schmerz im Streifenverlauf, BerührungsempfindlichkeitHaut über zwei bis fünf Tage kontrollieren
Wirbelkörperbruch bei verminderter Knochendichteplötzlicher Schmerz nach geringer Belastung, umschriebener Klopfschmerz, GrößenverlustZeitnahe Bildgebung
Absiedlung im WirbelkörperNachtschmerz, Ruheschmerz, Gewichtsverlust, TumorvorgeschichteZeitnahe Abklärung, siehe Kapitel 09
Erkrankung der Rippen oder des Brustbeinsumschriebener Druckschmerz, Schwellung des Rippen-Brustbein-ÜbergangsGezielte Tastuntersuchung
Untere HalswirbelsäuleSchmerz zwischen den Schulterblättern mit Nackenbezug, Verstärkung bei KopfbewegungHalswirbelsäule mituntersuchen — die häufigste Quelle dieser Körpergegend
Die ersten vier Zeilen sind vor jeder segmentalen Einordnung abzuarbeiten. Ein Schmerz, der von hinten nach vorn zieht, ist der Fall, bei dem die Verwechslung von Körperwand und Organ am folgenreichsten ist.

Kapitel 07

Untersuchung

Weil Kraftprüfung und Reflex ausfallen, stützt sich die Untersuchung auf Gefühl, Tastbefund und den gezielten Ausschluss. Sie beginnt mit dem Ausschluss.

7.1 Reihenfolge

  • Erstens: Ausschluss. Warnzeichen erfragen und prüfen (siehe Kapitel 09). Bei Brustschmerz geht die Herzabklärung voran.
  • Zweitens: Gefühl. Seitenvergleich am Kennpunkt, Abgrenzung des betroffenen Streifens, Prüfung auf Berührungsempfindlichkeit.
  • Drittens: Tastbefund. Dritte Rippe, Rippen-Querfortsatz-Gelenk, Wirbelgelenk, Muskulatur.
  • Viertens: Abgrenzung nach oben. Halswirbelsäule und Handkraft prüfen.

7.2 Prüfung des Gefühls

  • Kennpunkt Th3: Medioklavikularlinie in Höhe des dritten Zwischenrippenraums, seitenvergleichend mit stumpfer und spitzer Berührung. [B]
  • Höhe bestimmen: vom Brustbeinwinkel aus abwärts zählen (siehe Abschnitt 1.4). Am Rücken zu zählen führt regelmäßig zu Fehlern von ein bis zwei Etagen. [B]
  • Auf die Mittellinie achten: Eine streng einseitige, an der Mittellinie endende Störung passt zu Segment oder Nerv. Eine beidseitige Störung mit waagerechter oberer Grenze weist auf das Rückenmark und ist ein Warnzeichen. [B]
  • Überlappung einkalkulieren: Am Rumpf überlappen benachbarte Streifen stark. Erwartet wird eine Abschwächung, kein vollständiger Ausfall. [B]

7.3 Was ausfällt — und was an seine Stelle tritt

Übliches UntersuchungsmittelBei Th3Ersatz
Kennmuskelnicht vorhandenHandkraft prüfen, um C8 und Th1 auszuschließen; ein Kraftbefund am Arm verweist auf eine andere Höhe
Eigenreflexnicht vorhandenBauchhautreflexe geben nur für tiefere Etagen Auskunft und ersetzen ihn nicht
Nervendehnungszeichenfür die Brustsegmente nicht belegtBewegungsprüfung der Brustwirbelsäule mit Rippenkontakt, Drehung im Sitzen
Bildgebung als Suchverfahrennicht sinnvoll ohne Warnzeichengezielte Bildgebung bei Warnzeichen oder Zeichen einer Rückenmarksschädigung
Die Untersuchung eines Brustsegments verzichtet notwendig auf die Mittel, die an Arm und Bein tragen. [B]

7.4 Tastuntersuchung

  • Brustbeinwinkel und dritte Rippe: Ausgangspunkt jeder Höhenbestimmung an der Vorderseite.
  • Rippen-Wirbel-Übergang: Druck etwa zwei bis drei Querfinger neben den Dornfortsätzen in Höhe Th3, seitenvergleichend.
  • Atemabhängigkeit prüfen: Verstärkt tiefe Einatmung oder Husten den Schmerz, spricht das für eine Beteiligung von Rippe oder Rippenfell. [I]
  • Drehung im Sitzen: Sie prüft die Hauptbewegungsrichtung dieses Abschnitts. Ein seitengleicher Ausschlag spricht gegen eine ausgeprägte örtliche Bewegungsstörung. [I]
  • Vorsicht bei verminderter Knochendichte: Ein umschriebener Klopfschmerz über einem Dornfortsatz ist bei entsprechender Vorgeschichte ein Warnzeichen und kein Behandlungsziel. [B]

7.5 Zusatzuntersuchungen

  • Elektrophysiologie: an den Rumpfsegmenten deutlich weniger aussagekräftig als an Arm und Bein. Eine Nadeluntersuchung der segmentnahen Rückenmuskulatur kann eine Wurzelschädigung stützen. [I]
  • Bildgebung: nur bei Warnzeichen oder wenn sich aus dem Ergebnis eine Folge ergibt. Bandscheibenvorwölbungen der Brustwirbelsäule finden sich bei Beschwerdefreien häufig — die Angaben reichen von etwa 11 bis 37 Prozent. Ein Bildbefund allein erklärt keine Beschwerde. [B]
  • Herz- und Lungendiagnostik: bei jedem Brustschmerz mit Ausstrahlung, unabhängig vom Tastbefund an der Wirbelsäule. [B]

Kapitel 08

Behandlungsansätze

Dieses Kapitel ordnet ein, was für die Beschwerden dieses Segments belegt ist. Es ersetzt keine Behandlung und keine ärztliche Entscheidung.

8.1 Bei Beschwerden aus Wirbel- und Rippengelenken

Vertretbar und begründet

  • Aufklärung über den überwiegend gutartigen Verlauf
  • Erhalt der Alltagsbewegung; keine Schonung über wenige Tage hinaus
  • Bewegungsübungen für Brustwirbelsäule und Rippen, mit Betonung der Atmung
  • Befundgestützte manuelle Behandlung als zeitlich begrenzter Versuch mit vereinbartem Überprüfungszeitpunkt
  • Prüfung von Arbeitsplatz und Haltungsgewohnheiten bei anhaltenden Beschwerden
  • Mituntersuchung der Halswirbelsäule, weil sie die häufigere Quelle dieser Körpergegend ist

Nicht belegt oder abzuraten

  • Behandlung an Th3 zur Beeinflussung von Lunge, Herz oder Schilddrüse
  • Segmentbehandlung bei ungeklärtem Brustschmerz vor der Herzabklärung
  • Zuordnung von Beschwerden zu Organen anhand von Segmenttabellen
  • Kräftige Techniken bei verminderter Knochendichte oder Tumorvorgeschichte
  • Wiederholte Bildgebung ohne neue Fragestellung
  • Dauerbehandlung ohne festgelegten Überprüfungszeitpunkt

Zum Belegstand der manuellen Behandlung an der Brustwirbelsäule. Die vorliegenden Untersuchungen betreffen überwiegend Nackenbeschwerden, bei denen an der Brustwirbelsäule mitbehandelt wurde. Für umschriebene Beschwerden der Brustwirbelsäule selbst ist die Datenlage dünn, die berichteten Wirkungen sind kurzfristig und klein. Das schließt einen Behandlungsversuch nicht aus, verlangt aber einen vorher vereinbarten Zeitpunkt, an dem über die Fortsetzung entschieden wird. [I]

8.2 Bei Gürtelrose

Die früh begonnene ursächliche Behandlung ist bei entsprechendem Befund die entscheidende Maßnahme; sie ist Gegenstand der Fachleitlinie. Die Schmerzbehandlung folgt den Grundsätzen für Nervenschmerz. Bei Beteiligung des Auges oder bei abwehrgeschwächten Personen ist die Behandlung dringlich. Zur Vorbeugung besteht eine Impfempfehlung für ältere Menschen und für bestimmte Vorerkrankungen. [B]

8.3 Bei Notalgia paraesthetica

Die Beschwerde ist gutartig und hartnäckig. Belegt ist wenig: Die vorliegenden Arbeiten sind klein, uneinheitlich und selten vergleichend angelegt. Behandelt wird der Juckreiz, nicht der Hautfleck — dieser bildet sich zurück, wenn das Reiben nachlässt. [I]

8.4 Zum Eingriff am Grenzstrang

Er kommt allein bei schwerem, mit anderen Mitteln nicht beherrschbarem Schwitzen in Betracht und ist eine fachärztliche Entscheidung. Für diese Seite sind zwei Punkte wesentlich: Das Ganglion Th2 wird heute nach Möglichkeit geschont, und für die Wahl zwischen Th3 und Th4 liegen randomisierte Vergleiche vor, die eher für Th4 sprechen (siehe Abschnitt 4.2). Der Eingriff ist nicht rückgängig zu machen; das Ausgleichsschwitzen ist die Regel, nicht die Ausnahme. [B]

Kapitel 09

Warnzeichen

Das Hautgebiet von Th3 deckt die Gegend ab, in der Herzschmerz wahrgenommen wird. Dazu liegt das Rückenmark in dieser Höhe eng im Kanal. Beides macht den Ausschluss zum ersten Schritt jeder Beurteilung.

Sofort ärztlich abklären lassen. Druck, Enge oder Brennen hinter dem Brustbein, besonders mit Ausstrahlung in Arm, Hals oder Kiefer — dazu Luftnot, Übelkeit, Schweißausbruch oder Beschwerden, die unter Belastung zunehmen. Ein tastbarer Befund an Rippe oder Wirbelsäule schließt eine Herzursache nicht aus. Beide können gleichzeitig vorliegen.

Ebenso sofort: schlagartig einsetzender, reißender Schmerz zwischen den Schulterblättern; plötzliche Luftnot mit atemabhängigem Brustschmerz; Brustschmerz nach längerer Ruhigstellung oder Operation.

Zeichen einer Rückenmarksschädigung — dringend abklären. Zunehmende Schwäche beider Beine, Gangunsicherheit, ein Gefühl wie ein enger Gurt um den Brustkorb, eine beidseitige Gefühlsgrenze mit waagerechtem Verlauf, gesteigerte Reflexe an den Beinen sowie neu aufgetretene Störungen von Blase oder Mastdarm. Diese Zeichen entstehen bei einer Raumforderung in Höhe der Brustwirbelsäule und nicht bei einer Reizung der Wurzel Th3.

Warnzeichen für eine Erkrankung im Wirbelkörper. Nachtschmerz, der zum Aufstehen zwingt; Schmerz in völliger Ruhe; ungewollter Gewichtsverlust; Fieber oder Nachtschweiß; bekannte Tumorerkrankung; verminderte Knochendichte mit neuem, umschriebenem Klopfschmerz; erstmalige Beschwerden vor dem 20. oder nach dem 55. Lebensjahr; anhaltende Beschwerden nach längerer Behandlung mit Kortison. Die Brustwirbelsäule ist der häufigste Ort von Wirbelsäulenabsiedlungen.

Warnzeichen aus den Organen des Brustkorbs und Oberbauchs. Ein Rückenschmerz dieser Höhe, der mit Mahlzeiten, mit Sodbrennen, mit Schluckbeschwerden oder mit Übelkeit zusammenhängt, gehört internistisch abgeklärt, bevor er als Segmentbeschwerde eingeordnet wird. Dasselbe gilt für Husten mit Blut, für anhaltende Heiserkeit und für einen neu aufgetretenen Reizhusten.

Die Regel für dieses Segment. Erst ausschließen, dann zuordnen. Ein Befund an Rippe oder Wirbelgelenk erklärt eine Beschwerde nur, wenn die gefährlichen Ursachen abgeklärt sind. Die Reihenfolge ist nicht umkehrbar.

Kapitel 10

Häufige Fragen

Mein Schmerz sitzt neben der Wirbelsäule und zieht nach vorn um den Brustkorb. Kann das vom Wirbelgelenk kommen?

Nach dem, was gemessen ist, eher nicht. Drei Untersuchungsreihen haben die Gelenke dieser Höhe gezielt gereizt — Wirbelgelenke bei gesunden Freiwilligen und bei Personen mit Rückenschmerz, dazu die Rippen-Querfortsatz-Gelenke. In allen drei blieb der ausgelöste Schmerz einseitig und hinten; die vordere Brustwand wurde nicht erreicht. Ein Schmerz, der von hinten nach vorn zieht, verlangt deshalb eine andere Erklärung: Nervenwurzel, Gürtelrose oder ein Organ. Die Herzabklärung geht dabei voran.

Warum steht bei Th3 kein Kennmuskel in den Tabellen?

Weil es keinen gibt. Th3 versorgt Zwischenrippenmuskeln und tiefe Rückenmuskeln — beides Muskeln, die sich einzeln nicht prüfen lassen. Der internationale Untersuchungsstandard sieht für die Segmente Th2 bis L1 ausdrücklich keinen Kennmuskel vor und bestimmt die Höhe in diesem Bereich allein über das Gefühl. Wo für Th3 ein Kennmuskel angegeben wird, stammt er aus der Halswirbelsäule.

Ich soll wegen starken Handschwitzens an Th3 operiert werden. Ist das die richtige Höhe?

Th3 ist eine der beiden heute gebräuchlichen Höhen. Die frühere Zielhöhe Th2 gilt als überholt, weil sie mehr Ausgleichsschwitzen und mehr Schädigungen des Ganglion stellatum nach sich zog. Zwischen Th3 und Th4 fällt der Vergleich derzeit eher zugunsten von Th4 aus: In einer randomisierten Untersuchung an 141 Personen trat Ausgleichsschwitzen nach Th3 bei 77,4 Prozent auf, nach Th4 bei 56,5 Prozent; übermäßig trockene Hände bei 12,9 gegenüber 1,4 Prozent. Dafür bleiben die Hände nach Th4 häufiger leicht feucht (59,4 gegenüber 25,8 Prozent). Beide Höhen beseitigten das starke Schwitzen vollständig. Welche der beiden Nebenwirkungen schwerer wiegt, ist eine persönliche Abwägung; die Entscheidung trifft die operierende Fachabteilung gemeinsam mit der behandelten Person.

Bei mir juckt eine handtellergroße Stelle unter dem Schulterblatt seit Jahren. Salben helfen nicht.

Das Muster passt zur Notalgia paraesthetica. Sie gilt als Reizung der hinteren Äste der Segmente Th2 bis Th6, die auf ihrem Weg nahezu im rechten Winkel durch die Rückenmuskulatur biegen. Der dunklere Fleck entsteht durch jahrelanges Reiben und ist keine eigenständige Hauterkrankung — das erklärt, weshalb Salben gegen Hautkrankheiten nicht wirken. Der Belegstand ist begrenzt: In einer vergleichenden Untersuchung passte der Bildbefund nur bei etwa der Hälfte der Betroffenen zum Beschwerdeort.

Kann eine Behandlung an Th3 auf die Lunge wirken?

Dafür gibt es keinen Beleg. Die Lunge erhält ihre sympathische Versorgung aus einem breiten Bereich der oberen Brustsegmente über das Lungengeflecht, nicht aus einer einzelnen Etage. Belegt ist allein die Richtung vom Organ zur Körperwand: Reize aus einem Brustorgan werden in der zugehörigen Körperwand wahrgenommen. Die Gegenrichtung ist eine Hypothese. Praktisch wichtiger ist die Folgerung daraus: Ein Brustschmerz gehört zuerst zur ärztlichen Abklärung, auch wenn sich an der Rippe ein Druckpunkt findet.

Wie finde ich die richtige Höhe am Brustkorb?

Über den Brustbeinwinkel. Der tastbare Querwulst am Brustbein markiert den Ansatz der zweiten Rippe. Von dort wird abwärts gezählt: Der Raum unter der zweiten Rippe ist der zweite Zwischenrippenraum, der nächste der dritte. Der Kennpunkt für Th3 liegt in diesem dritten Raum, in der Mitte des Schlüsselbeins senkrecht darunter. Am Rücken zu zählen ist unzuverlässig: Die erste Rippe ist dort kaum tastbar, und die Dornfortsätze der oberen Brustwirbel liegen wegen ihrer Neigung nicht in Höhe ihres eigenen Wirbelkörpers.

Im Befund steht „Bandscheibenvorfall Th3/Th4“. Wie ernst ist das?

Ein solcher Befund ist ungewöhnlich. Bandscheibenvorfälle der Brustwirbelsäule machen einen sehr kleinen Anteil aller Vorfälle aus, und rund drei Viertel liegen unterhalb von Th8. Zugleich sind Vorwölbungen in diesem Abschnitt bei Beschwerdefreien häufig — die Angaben reichen von etwa 11 bis 37 Prozent. Ein Bildbefund allein erklärt deshalb keine Beschwerde. Entscheidend ist, ob Zeichen einer Rückenmarksschädigung vorliegen: Gangunsicherheit, Beinschwäche, ein Gürtelgefühl um den Brustkorb oder Störungen von Blase und Mastdarm. Diese Zeichen verlangen eine rasche Abklärung, der reine Bildbefund nicht.

Kapitel 11

Grundlage und Quellen

Verwendet wurden ausschließlich belegte Fachquellen: Standardwerke der Anatomie und der klinischen Neurologie, Originalarbeiten und zusammenfassende Auswertungen aus begutachteten Fachzeitschriften sowie Leitlinien der Fachgesellschaften mit Registernummer. Populäre Darstellungen, Webportale, Anbieterseiten und unbelegte Sekundärquellen sind nicht herangezogen worden. Historisch bedeutsame, methodisch aber begrenzte Werke sind mit [H] gekennzeichnet und als Modellreferenz ausgewiesen, nicht als Beleg behandelt. Aussagen ohne volle Deckung in den verwendeten Werken sind als Interpretation [I] gekennzeichnet.

Benannte Lücken dieser Seite. Erstens: Zum Wurzelsyndrom Th3 liegen nur Fallberichte vor; Häufigkeitsangaben lassen sich daraus nicht ableiten. Zweitens: Die gemessenen Schmerzkarten stammen aus kleinen Reihen (neun, fünfzehn und acht Personen). Drittens: Für die manuelle Behandlung umschriebener Beschwerden der Brustwirbelsäule fehlen aussagekräftige vergleichende Untersuchungen. Viertens: Die Vergleiche zur Zielhöhe der Sympathikuschirurgie stammen überwiegend aus wenigen Zentren; die Übertragbarkeit ist begrenzt. Diese Lücken sind benannt und nicht durch Schätzungen gefüllt.

11.1 Anatomie

  • Schünke M, Schulte E, Schumacher U: Prometheus. LernAtlas der Anatomie, Bände „Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ sowie „Innere Organe“. Thieme. — Grundlage der Angaben zu Wirbel- und Rippengelenken, zur Aufteilung des Spinalnervs, zum Verlauf der Zwischenrippennerven und zum Grenzstrang in den Kapiteln 01 bis 04.
  • Standring S (Hrsg.): Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice. Elsevier. — Grundlage der Angaben zur Ausdehnung des Nucleus intermediolateralis, zu den sympathischen Wegen zu Kopf, Arm und Herz, zur Versorgung des Lungengeflechts und zu den Hautästen der Zwischenrippennerven.
  • Bogduk N: Arbeiten zur segmentalen Innervation der Wirbelgelenke und zum Bewegungssegment. — Grundlage der Angaben zur doppelten Versorgung der Wirbelgelenke über den Ramus medialis und zur getrennten Versorgung des Rippen-Querfortsatz-Gelenks über den seitlichen Ast (Abschnitte 1.3 und 2.1).
  • Rohen JW, Yokochi C, Lütjen-Drecoll E: Anatomie des Menschen. Photographischer Atlas. Schattauer. — zur topographischen Kontrolle der Lagebeziehungen an der oberen Brustwand.
  • Bähr M, Frotscher M: Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik. Thieme. — Grundlage der Angaben zur Lage der Rückenmarkssegmente gegenüber den Wirbeln (Abschnitt 1.1) und zur Höhenbestimmung bei Rückenmarksschädigung (Kapitel 09).
  • White AA, Panjabi MM: Clinical Biomechanics of the Spine. Lippincott. — Grundlage der Angaben zur eingeschränkten Beweglichkeit je Etage und zur Kopplung von Wirbel- und Rippenbewegung (Abschnitt 1.3).

11.2 Klinik, Untersuchung, Leitlinien

  • Mumenthaler M, Stöhr M, Müller-Vahl H: Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome. Thieme. — Grundlage der Dermatomangaben, der Beschreibung des Wurzelsyndroms und der Abgrenzung Wurzel gegen peripheren Nerv.
  • Preston DC, Shapiro BE: Electromyography and Neuromuscular Disorders. Elsevier. — Grundlage der Einordnung der elektrophysiologischen Untersuchung an den Rumpfsegmenten (Abschnitt 7.5).
  • American Spinal Injury Association: International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury (ISNCSCI). — Grundlage des Kennpunkts im dritten Zwischenrippenraum und der Feststellung, dass für Th2 bis L1 kein Kennmuskel vorgesehen ist (Abschnitte 3.1, 5.1 und 7.2).
  • Deutsche Dermatologische Gesellschaft: S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie, AWMF-Registernummer 013-023. — Grundlage der Aussagen zu Gürtelrose und Nervenschmerz danach (Abschnitte 6.2 und 8.2). Hinweis zur Gültigkeit: Die Fassung vom 24.05.2019 war bis zum 23.05.2024 gültig und ist abgelaufen; die Leitlinie wird überarbeitet. Vor Veröffentlichung ist auf eine Nachfolgefassung zu prüfen.
  • S1-Leitlinie Definition und Therapie der primären Hyperhidrose, AWMF-Registernummer 013-059, Stand Juli 2023. — herangezogen zur Einordnung der Behandlungswege bei übermäßigem Schwitzen (Abschnitt 8.4). Hinweis: Das Ablaufdatum ist vor Veröffentlichung zu prüfen.
  • Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut: Empfehlungen zur Impfung gegen Herpes zoster. — Grundlage des Hinweises zur Vorbeugung in Abschnitt 8.2. Die Empfehlungen werden jährlich fortgeschrieben; maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung.

11.3 Originalarbeiten und zusammenfassende Auswertungen

  • Dreyfuss P, Tibiletti C, Dreyer SJ: Thoracic zygapophyseal joint pain patterns. A study in normal volunteers. Spine, 1994. — Grundlage der Schmerzkarte für die Wirbelgelenke ab Th3/Th4 (Abschnitt 5.2); neun beschwerdefreie Freiwillige, 40 Einspritzungen, 72,5 % mit unterscheidbarer Empfindung.
  • Fukui S, Ohseto K, Shiotani M: Patterns of pain induced by distending the thoracic zygapophyseal joints. Regional Anesthesia, 1997. — Grundlage der Karte für die Etagen C7/Th1 bis Th2/Th3 (Abschnitt 5.2); 15 Personen, 21 Gelenke.
  • Young BA, Gill HE, Wainner RS, Flynn TW: Thoracic costotransverse joint pain patterns: a study in normal volunteers. BMC Musculoskeletal Disorders, 2008. — Grundlage der Karte für die Rippen-Querfortsatz-Gelenke (Abschnitt 5.2); acht Freiwillige, 21 Einspritzungen, mittlere Schmerzstärke 3,3 von 10.
  • Lee MWL, McPhee RW, Stringer MD: An evidence-based approach to human dermatomes. Clinical Anatomy, 2008. — Grundlage der Aussage zur Widersprüchlichkeit der Dermatomkarten (Abschnitt 5.1).
  • Li X, Tu YR, Lin M et al.: Endoscopic thoracic sympathectomy for palmar hyperhidrosis — a randomized control trial comparing T3 and T2–4 ablation. The Annals of Thoracic Surgery, 2008. — Grundlage der Angaben 3 % gegenüber 10 % schweres Ausgleichsschwitzen (Abschnitt 4.2); 232 Personen.
  • Liu Y, Yang J, Liu J et al.: Surgical treatment of primary palmar hyperhidrosis: a prospective randomized study comparing T3 and T4 sympathicotomy. European Journal of Cardio-Thoracic Surgery, 2009. — Grundlage der Zahlen zum Vergleich Th3 gegen Th4 (Abschnitt 4.2); 141 Personen, mehrere Zentren, mittlere Nachbeobachtung 17,8 Monate.
  • Zusammenfassende Auswertung T3 versus T4 thoracoscopic sympathectomy for palmar hyperhidrosis. Journal of Surgical Research, 2017. — Grundlage der Aussage, dass Ausgleichsschwitzen, trockene Hände und Geschmacksschwitzen nach Th4 seltener sind (Abschnitt 4.2); 10 Arbeiten, 566 gegenüber 629 Personen.
  • Schmidt J, Bechara FG, Altmeyer P et al.: Endoscopic thoracic sympathectomy for severe hyperhidrosis — impact of restrictive denervation on compensatory sweating. The Annals of Thoracic Surgery, 2006. — Grundlage der Angaben 17,1 % gegenüber 4,9 % (Abschnitt 4.2).
  • Chung IH, Oh CS, Koh KS et al.: Anatomic variations of the T2 nerve root (including the nerve of Kuntz) and their implications for sympathectomy. The Journal of Thoracic and Cardiovascular Surgery, 2002. — Grundlage des Hinweises auf Verbindungen, die den Grenzstrang umgehen (Abschnitt 6.4).
  • Zusammenfassende Auswertungen zu Ursprung und Aufzweigung des N. intercostobrachialis (World Journal of Surgical Oncology, 2024; sowie eine zweite Auswertung von 16 Arbeiten). — Grundlage der Anteile für einen Th3-Ursprung und einen gemeinsamen Th2/Th3-Ursprung (Abschnitt 2.2).
  • Vergleichende Untersuchung zu Brachioradialem Pruritus und Notalgia paraesthetica mit Abgleich von Bildbefund und Beschwerdeort. Acta Dermato-Venereologica. — Grundlage der Aussage, dass die Übereinstimmung bei Notalgia paraesthetica nur etwa die Hälfte der Fälle betrifft (Abschnitte 6.3 und 8.3).
  • Übersichtsarbeiten zur Häufigkeit und Höhenverteilung thorakaler Bandscheibenvorfälle sowie zur Häufigkeit von Bandscheibenbefunden bei Beschwerdefreien. — Grundlage der Angaben 0,15 bis 4 Prozent, drei Viertel unterhalb Th8 sowie 11 bis 37 Prozent bei Beschwerdefreien (Abschnitte 6.5 und 7.5).

11.4 Historische Modelle

  • Head H: Arbeiten zur Verteilung übertragener Organschmerzen an der Körperoberfläche, ab 1893. [H] — als Modellreferenz in Abschnitt 5.4 genannt.
  • Mackenzie J: Arbeiten zu Reflexzonen bei Organerkrankungen, um 1900. [H] — als Modellreferenz in Abschnitt 5.4 genannt. Nicht zu verwechseln mit Robin McKenzie, der in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren entwickelte.
  • McGuckin N sowie DeFranca GG, Levine LJ: Beschreibungen des sogenannten „Th4-Syndroms“, 1986 und 1995. [H] — als Modellreferenz in Abschnitt 5.4 genannt. Fallberichte und Lehrbuchdarstellungen; vergleichende Untersuchungen fehlen.

11.5 Fachbegriffe

  • Dermatom — das Hautgebiet, das von einem einzelnen Rückenmarkssegment versorgt wird.
  • Sklerotom — die tiefen Gewebe (Knochen, Bänder, Gelenkkapseln), die aus derselben Anlage stammen wie ein Segment.
  • Kennmuskel — ein Muskel, dessen Kraft stellvertretend für ein Segment geprüft wird. Für Th3 nicht vorhanden.
  • Kennpunkt — die festgelegte Hautstelle, an der das Gefühl eines Segments geprüft wird. Für Th3 die Medioklavikularlinie im dritten Zwischenrippenraum.
  • Ramus anterior / posterior — vorderer und hinterer Ast des Spinalnervs.
  • Ramus medialis — innerer Ast des hinteren Astes; er versorgt die Wirbelgelenke.
  • Rami communicantes — Verbindungsäste zwischen Spinalnerv und Grenzstrang; der weiße führt vorgeschaltete, der graue nachgeschaltete sympathische Fasern.
  • Nucleus intermediolateralis — die Zellsäule im Seitenhorn des Rückenmarks, aus der die vorgeschalteten sympathischen Fasern stammen; sie reicht von Th1 bis etwa L2.
  • Grenzstrang — die Kette sympathischer Nervenknoten beiderseits der Wirbelsäule.
  • Ganglion stellatum — der unterste Halsknoten des Grenzstrangs, meist mit dem ersten Brustknoten verschmolzen.
  • Sympathikotomie — die gezielte Durchtrennung des Grenzstrangs auf einer Höhe, im Unterschied zur Entfernung eines Nervenknotens (Ganglionektomie).
  • Ausgleichsschwitzen — vermehrtes Schwitzen an anderen Körperstellen nach Durchtrennung des Grenzstrangs.
  • Angulus sterni — der tastbare Querwulst am Brustbein in Höhe des Ansatzes der zweiten Rippe; Ausgangspunkt der Rippenzählung.
  • Notalgia paraesthetica — umschriebener Juckreiz mit Missempfindung neben dem Schulterblatt.
  • ISNCSCI — internationaler Standard zur neurologischen Einstufung von Rückenmarksverletzungen.

11.6 Berichtigungen gegenüber verbreiteten Darstellungen

Verbreitete AussageBelegter Sachstand
Der Eingriff bei übermäßigem Handschweiß erfolge an Th2Überholt. Th2 wird heute nach Möglichkeit geschont; durchtrennt wird bei Th3 oder Th4. Für die Wahl zwischen beiden sprechen randomisierte Vergleiche eher für Th4 (Abschnitt 4.2)
Zuordnung von Lunge, Bronchien oder Schilddrüse zum Segment Th3Ohne anatomische Grundlage. Die Lunge wird aus einem breiten Bereich der oberen Brustsegmente über das Lungengeflecht versorgt, nicht aus einer einzelnen Etage (Abschnitt 4.3)
Behandlung an Th3 wirke auf Lunge oder HerzBelegt ist allein die Richtung vom Organ zur Körperwand. Die Gegenrichtung ist als Hypothese gekennzeichnet [H] (Abschnitt 4.1)
Facettenschmerz der oberen Brustwirbelsäule strahle gürtelförmig nach vorn ausIn allen drei vorliegenden Reizungsreihen blieb der ausgelöste Schmerz einseitig und hinten; die vordere Brustwand wurde nicht erreicht (Abschnitt 5.2)
Rautenmuskel oder M. serratus anterior als Kennmuskel von Th3Beide stammen aus der Halswirbelsäule (C4–C7). Th3 hat keinen einzeln prüfbaren Muskel; der internationale Standard sieht für Th2 bis L1 keinen vor (Abschnitt 3.2)
„McKenzie-Zonen“ des Segments Th3Existiert in keinem der beiden Modelle, die diesen Namen tragen. James Mackenzie und Robin McKenzie werden verwechselt (Abschnitt 5.4)
Das „Th4-Syndrom“ als gesicherte Ursache von HandmissempfindungenAls Fallbeschreibung und Lehrbuchdarstellung verbreitet, als Wirkkette nicht belegt; gekennzeichnet mit [H] (Abschnitt 5.4)
Rippenzählung am Rücken von oben nach untenUnzuverlässig. Verlässlich ist der Weg über den Brustbeinwinkel (Abschnitt 1.4)
Für die Wirbelgelenke der Brustwirbelsäule existiere keine gemessene SchmerzkarteFür Th3 liegen sogar zwei Karten vor — Th2/Th3 aus einer Patientenreihe, Th3/Th4 aus einer Freiwilligenreihe —, dazu eine Karte der Rippen-Querfortsatz-Gelenke. Alle drei Reihen sind klein (Abschnitt 5.2)
Brustschmerz mit tastbarem Rippenbefund sei damit als Segmentbeschwerde erklärtEin Tastbefund schließt eine Herzursache nicht aus. Beide können nebeneinander bestehen; die Herzabklärung geht voran (Kapitel 09)
Diese Übersicht stellt Aussagen, die in verbreiteten Sekundärquellen und in älteren Fassungen dieser Seitenreihe zum Segment Th3 vorkommen, dem belegten Sachstand gegenüber. Hinweis: Der Text einer bisherigen Seitenfassung lag bei dieser Bearbeitung nicht vor; die Tabelle ist vor Veröffentlichung mit ihr abzugleichen. Klinisch am bedeutsamsten sind die letzte Zeile und die Zeile zur Behandlungswirkung auf Organe.

11.7 Quellen und Änderungsvermerk zu den neuen Abschnitten

Quellen zu diesem Abschnitt

  • Jänig W: Spinal cord integration of visceral sensory systems and sympathetic nervous system reflexes. Prog Brain Res 1986;67:255–277. — Grundlage des Reflexwegs von den Eingeweidefasern zu den sympathischen Ursprungszellen.
  • Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aussage, dass das vegetative Nervensystem alle Körperteile außer der Skelettmuskulatur steuert.
  • Stifani N: Motor neurons and the generation of spinal motor neuron diversity. Front Cell Neurosci 2014;8:293. — Grundlage der Aufgabenteilung zwischen motorischen Vorderhornzellen (Skelettmuskel) und vegetativen Ursprungszellen (glatte Muskulatur, Drüsen).
  • Giamberardino MA, Affaitati G, Lerza R, Lapenna D, Costantini R, Vecchiet L: Relationship between pain symptoms and referred sensory and trophic changes in patients with gallbladder pathology. Pain 2005;114:239–249. — Messung von Unterhaut- und Muskeldicke im Übertragungsgebiet beim Menschen.
  • Wesselmann U, Lai J: Mechanisms of referred visceral pain: uterine inflammation in the adult virgin rat results in neurogenic plasma extravasation in the skin. Pain 1997;73:309–317. — Tierbefund zu Hautveränderungen im Übertragungsgebiet und den drei möglichen Entstehungswegen.
  • Fang Y, Han S, Li X, Xie Y, Zhu B, Gao X, Ma C: Cutaneous hypersensitivity as an indicator of visceral inflammation via C-nociceptor axon bifurcation. Neurosci Bull 2021;37:45–54. — Tierbefund zu gegabelten Schmerzfasern zwischen Organ und Haut sowie zur Konvergenz im Hinterhorn.
  • Willis WD Jr: Dorsal root potentials and dorsal root reflexes: a double-edged sword. Exp Brain Res 1999;124:395–421. — Übersicht zum Hinterwurzelreflex und zur neurogenen Entzündung.
  • Holey LA, Dixon J: Connective tissue manipulation: a review of theory and clinical evidence. J Bodyw Mov Ther 2014;18(1):112–118. — Grundlage der Einordnung der Bindegewebsmassage als Erklärungsmodell.
  • Giamberardino MA: Referred muscle pain/hyperalgesia and central sensitisation. J Rehabil Med 2003;Suppl 41:85–88. — Grundlage des Modells der Reflexe zur Muskulatur.
  • Roatta S, Windhorst U, Ljubisavljevic M, Johansson H, Passatore M: Sympathetic modulation of muscle spindle afferent sensitivity to stretch in rabbit jaw closing muscles. J Physiol 2002;540:237–248. — Tierbefund zur Muskelspindel.
  • Macefield VG, Sverrisdottir YB, Wallin BG: Resting discharge of human muscle spindles is not modulated by increases in sympathetic drive. J Physiol 2003;551:1005–1011. — Befund am Menschen ohne Spindelveränderung.
  • Hjortskov N, Skotte J, Hye-Knudsen C, Fallentin N: Sympathetic outflow enhances the stretch reflex response in the relaxed soleus muscle in humans. J Appl Physiol 2005;98:1366–1370. — Befund am Menschen mit verstärktem Dehnungsreflex.

Offene Lücken

  • Welche Ursprungssegmente die Haut von Arm und Bein sympathisch versorgen, geben Fachwerke unterschiedlich an. Die Seite nennt deshalb keinen Zahlenbereich. Gray’s Anatomy stand für diese Bearbeitung nicht zur Verfügung. Die Seite bleibt deshalb bei der zahlenfreien Angabe, bis das Werk eingesehen ist.
  • Von Fang et al. 2021 und Willis 1999 wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.
  • Eine Untersuchung, die beim Menschen den Entstehungsweg der Veränderungen im Übertragungsgebiet klärt, wurde nicht gefunden. Ebenso wurde keine Untersuchung gefunden, die Tastbefunde nach Dicke mit gemessenen Gewebedicken vergleicht.

Fachbegriffe

  • Hinterhorn — Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen.
  • Nucleus intermediolateralis — Zellsäule im Seitenhorn mit den sympathischen Ursprungszellen, Th1 bis etwa L2.
  • Gegabelte Empfindungsfaser — Nervenfaser, die mit zwei Ästen Organ und Haut zugleich versorgt.
  • Hinterwurzelreflex — Erregung, die vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser zur Haut läuft.
  • Neurogene Entzündung — Schwellung und Rötung durch Botenstoffe aus Nervenenden.
  • Konvergenz — Zusammenlaufen von Fasern aus Organ und Körperoberfläche auf dieselbe Schaltzelle.
  • Vorderhornzellen — Nervenzellen im Vorderhorn, die die Skelettmuskeln erregen.
  • Körperwand — Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ.
  • Muskelspindel — Fühler im Muskel, der die Muskellänge misst.
  • Dehnungsreflex — Muskelzuckung auf plötzliche Dehnung, etwa beim Sehnenklopfen.

Änderungsvermerk

  • Fassung V 0.4: Begriff „Schlüsselmuskel“ durchgehend durch „Kennmuskel“ ersetzt (3 Stellen).
  • Warum: Die Serie verwendet einen einzigen Begriff für die Muskeln, an denen die Kraft eines Segments geprüft wird. Die Mehrheit der Seiten sagte bereits Kennmuskel; die Entscheidung fiel für diesen Begriff.
  • Ersetzt: V 0.3.
  • Fassung V 0.3: Abschnitt 5.5 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu.
  • Fassung V 0.3: Abschnitt 4.4 „Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt“ neu.
  • Warum: Die Zonen- und Muskelbefunde des Segments sind jetzt nach Entstehungsweg getrennt und belegt; alternative Wege ohne Seitenhorn stehen gleichrangig daneben.
  • Ersetzt: V 0.2.

Verwandte Segmente

Segment Th2 · Segment Th4 · Segment Th1 · Segment C8

Hinweis. Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen. Bei Brustschmerz mit Ausstrahlung in Arm, Hals oder Kiefer, bei plötzlicher Luftnot, bei zunehmender Beinschwäche, bei einem Gürtelgefühl um den Brustkorb oder bei Rückenschmerz mit Nachtschmerz, Fieber oder ungewolltem Gewichtsverlust ist eine ärztliche Abklärung erforderlich — in den erstgenannten Fällen unverzüglich.

Segment Th3 · V 0.4 · Stand: September 2026. Geändert: Begriff „Schlüsselmuskel“ durchgehend durch „Kennmuskel“ ersetzt. Warum: ein einheitlicher Begriff in der ganzen Serie. Ersetzt: V 0.3 derselben Seite.