Nerven Wiki – Das Lexikon der peripheren Nerven

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Segment – Th5

Das Segment Th5 liegt in der Mitte der Brustwirbelsäule. Sein Spinalnerv verlässt den Wirbelkanal zwischen dem fünften und dem sechsten Brustwirbel und zieht als fünfter Zwischenrippennerv um den Brustkorb. Sein Hautband liegt zwischen der Mamillenlinie und dem Schwertfortsatz. Klinisch bedeutsam ist Th5 aber aus einem anderen Grund: Hier beginnt der Weg des Sympathikus zum Bauchraum. Th5 ist das oberste Segment, dessen Fasern über den N. splanchnicus major zu Magen, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse ziehen — und zugleich das unterste, dessen Fasern noch am Herzen ankommen. Das Segment liegt damit auf der Grenze zwischen Brust- und Baucheingeweiden.

Auf einen Blick

  • Austritt: Der Spinalnerv Th5 verlässt den Wirbelkanal durch das Zwischenwirbelloch Th5/Th6. Ab Th1 tritt jede Wurzel unterhalb ihres gleichnamigen Wirbels aus.
  • Die Grenze zum Bauchraum: Th5 ist das oberste Ursprungssegment des N. splanchnicus major. Erst ab dieser Höhe erreichen sympathische Fasern die Bauchorgane. Für Th1 bis Th4 gilt das nicht. [B]
  • Die Grenze zum Herzen: Die schmerzleitenden Fasern des Herzens erreichen das Rückenmark über Th1 bis etwa Th5. Th5 ist damit die unterste Etage, an der Herzschmerz noch ankommen kann — und die oberste, an der Magenschmerz ankommt. [B]
  • Dermatom: Schmales Band zwischen Mamillenlinie (Th4) und Schwertfortsatz (Th6). Der Kennpunkt nach ISNCSCI liegt in der Medioklavikularlinie auf halbem Weg zwischen den Kennpunkten Th4 und Th6. [B]
  • Kein Kennmuskel, kein Reflex: Für Th2 bis L1 sieht der ISNCSCI-Standard keinen prüfbaren Kennmuskel (im Standard englisch key muscle) vor. [B] Die Bauchhautreflexe liegen unterhalb von Th5; wo genau ihre obere Grenze verläuft, geben die Standardwerke unterschiedlich an (Abschnitt 3.3). [I]
  • Die Zuordnung ist nicht personenfest: Der Ursprung des N. splanchnicus major aus Th5 bis Th9 ist die Lehrbuchangabe. In einer Kadaverreihe fand sich genau dieses Muster nur bei 20,8 % — häufiger war Th6 bis Th10. Die Ursprünge waren zwischen rechts und links in den meisten Fällen unterschiedlich. [B]
  • Schmerzkarte: Die Wirbelgelenke Th4/Th5 und Th5/Th6 wurden gezielt gereizt. Der Schmerz blieb einseitig und hinten, lag eine Etage tiefer als das gereizte Gelenk und erreichte weder die vordere Brustwand noch den Arm. [B]
  • Keine Zielhöhe der Schweißchirurgie: Die Sympathikusdurchtrennung bei übermäßigem Hand- oder Achselschweiß setzt bei Th3 oder Th4 an. Th5 gehört nicht mehr zum Versorgungsgebiet der Hand. [B]
  • Vor jeder segmentalen Einordnung: Herz, Aorta und Oberbauchorgane abklären. Auf dieser Höhe treffen die Schmerzwege von Herz und Magen zusammen — siehe Kapitel 09.

Kapitel 01

Die Angabe „Th1 bis etwa Th5“ ist eine von mehreren. Andere Werke nennen Th2 bis Th8 oder Th3 bis Th6. Übereinstimmend ist nur, dass die Fasern aus Brustsegmenten stammen und über den Grenzstrang aufsteigen. [I]

Anatomie des Segments Th5

1.1 Drei Bedeutungen von „Th5“

Wie an jeder Etage der Brustwirbelsäule bezeichnet der Ausdruck drei verschiedene Dinge, die räumlich auseinanderliegen.

  • Der Wirbel Th5 — der fünfte Brustwirbel. Bezugspunkt jeder Höhenangabe in Bild- und Operationsbefunden.
  • Das Rückenmarkssegment Th5 — es liegt nicht hinter dem Wirbel Th5, sondern etwa zwei bis drei Etagen weiter oben, hinter den Wirbelkörpern Th2 und Th3. [B]
  • Der Spinalnerv Th5 — er entsteht im Zwischenwirbelloch zwischen Th5 und Th6 und setzt sich als fünfter Zwischenrippennerv fort.

Der Abstand wächst nach unten. An der oberen Brustwirbelsäule liegen Wirbel und Rückenmarkssegment etwa zwei Etagen auseinander, in der Mitte zwei bis drei, an der unteren drei bis vier. Wer eine Gefühlsgrenze in Höhe Th5 findet, sucht die Ursache also in Höhe der Wirbel Th2 bis Th3 — nicht in Höhe des Wirbels Th5. Diese Umrechnung ist die häufigste Fehlerquelle beim Zusammenführen von Untersuchungs- und Bildbefund. [B]

1.2 Die Zählregel

Ab dem ersten Brustwirbel tritt jede Wurzel unterhalb ihres gleichnamigen Wirbels aus. Der Spinalnerv Th5 verlässt den Kanal also durch das Zwischenwirbelloch Th5/Th6. [B]

Ort der EinengungGetroffene StrukturErläuterung
Zwischenwirbelloch Th5/Th6Wurzel Th5Die austretende Wurzel. Hier wirken knöcherne Anbauten, seitliche Vorfälle und Veränderungen des Rippenköpfchengelenks
Bandscheibe Th4/Th5, seitlichWurzel Th4Zum Vergleich: die austretende Wurzel der darüberliegenden Etage
Bandscheibe Th5/Th6, breitbasig nach hintenRückenmarkDer entscheidende Unterschied zur Lendenwirbelsäule: Hier liegt Rückenmark hinter der Bandscheibe. Ein mittiger Vorfall erzeugt kein Wurzelsyndrom, sondern Zeichen einer Rückenmarksschädigung — siehe Kapitel 09
An der Brustwirbelsäule ist die Frage nach dem Rückenmark wichtiger als die Frage nach der Wurzel. Der Kanal ist in diesem Abschnitt zugleich am engsten.

1.3 Der Wirbel Th5 und seine Rippenverbindungen

Der fünfte Brustwirbel ist ein typischer Brustwirbel: mittelgroßer Körper, steil nach unten geneigter Dornfortsatz, annähernd frontal stehende Gelenkflächen. Neben den vier Zwischenwirbelgelenken trägt er vier Rippengelenke — zwei Rippenkopfgelenke und zwei Rippenhöckergelenke. Das Köpfchen der fünften Rippe greift über die Bandscheibe Th4/Th5 hinweg und berührt beide Wirbelkörper. [B]

Die fünfte Rippe ist eine der sieben echten Rippen: Sie erreicht das Brustbein über einen eigenen Knorpel. Daraus folgt eine praktische Beobachtung — Beschwerden dieser Etage werden häufig vorn am Rippenknorpel empfunden, nicht hinten am Wirbel.

1.4 Höhenbestimmung

Der verlässliche Ausgangspunkt ist der Brustbeinwinkel (Angulus sterni), die tastbare Querleiste am Brustbein. Dort setzt die zweite Rippe an. Von dort nach unten gezählt liegt der fünfte Zwischenrippenraum drei Rippen tiefer. Die Ebene des Brustbeinwinkels selbst entspricht hinten der Bandscheibe Th4/Th5 — Th5 ist also die erste Etage unterhalb dieser gut auffindbaren Ebene. [B]

Warum das Zählen am Rücken misslingt. Die erste Rippe ist kaum tastbar, und die Dornfortsätze der oberen und mittleren Brustwirbelsäule sind so stark nach unten geneigt, dass sie nicht in Höhe ihres eigenen Wirbelkörpers liegen. Fehler von ein bis zwei Etagen sind die Regel, nicht die Ausnahme. [B]

1.5 Blutversorgung des Rückenmarks auf dieser Höhe

Th5 liegt mitten in dem Abschnitt, der als kritische Gefäßzone des Rückenmarks geführt wird — etwa zwischen Th4 und Th9. Die Zahl der zuführenden Wurzelarterien ist hier am geringsten, ihr Durchmesser am kleinsten, der Abstand zwischen den Einspeisungen am größten. [B]

Was belegt ist und was nicht. Der anatomische Befund — wenige und dünne Zuflüsse — ist gesichert. Die daraus abgeleitete Folgerung, dass Sauerstoffmangel des Rückenmarks vorwiegend hier auftritt, ist es nicht: Eine Untersuchung an Verstorbenen nach Kreislaufstillstand fand die Schäden überwiegend im Lenden- und Kreuzbeinmark. Die Zone ist anatomisch beschrieben, ihre klinische Vorrangstellung ist strittig. [I]

Kapitel 02

Nervenversorgung

2.1 Der Spinalnerv und seine vier Äste

AstVerlaufVersorgt
Ramus posteriorNach hinten zwischen den Querfortsätzen, teilt sich in inneren und äußeren ZweigAutochthone Rückenmuskulatur der Etage; Haut neben der Wirbelsäule; über den inneren Zweig die Wirbelgelenke Th4/Th5 und Th5/Th6, über den äußeren die Rippen-Querfortsatz-Gelenke
Ramus anteriorSetzt sich als N. intercostalis V im fünften Zwischenrippenraum fortZwischenrippenmuskeln, Rippenfell, Haut der Brustwand seitlich und vorn
Ramus meningeusKehrt in den Wirbelkanal zurückHintere Bandscheibenanteile, hinteres Längsband, Rückenmarkshäute
Rami communicantesWeißer Ast zum Grenzstrang, grauer Ast zurückDer weiße Ast von Th5 führt die Fasern, die als N. splanchnicus major weiterziehen — siehe Kapitel 04
Der vierte Ast unterscheidet Th5 von allen Segmenten oberhalb: Erst ab dieser Höhe führt der weiße Verbindungsast Fasern für den Bauchraum.

2.2 Der fünfte Zwischenrippennerv

Der N. intercostalis V zieht in der Rinne an der Unterseite der fünften Rippe nach vorn, geschützt zwischen innerer und innerster Zwischenrippenmuskelschicht. Die Reihenfolge im Gefäß-Nerven-Bündel lautet von oben nach unten: Vene, Arterie, Nerv. Eine Punktion am Oberrand der unteren Rippe umgeht das Bündel. [B]

  • Ramus cutaneus lateralis — tritt in der mittleren Achsellinie an die Oberfläche; sein vorderer Zweig hat Anteil an der Versorgung der unteren Brustdrüse (Rr. mammarii laterales).
  • Ramus cutaneus anterior — Endast neben dem Brustbein; versorgt die Haut unterhalb der Brustwarze.
  • Muskeläste — an die Zwischenrippenmuskeln des fünften Raumes, die Mm. levatores costarum und den unteren Anteil des M. serratus posterior superior.
  • Sensible Äste — an das Rippenfell der Brustwandinnenseite. Deshalb wird eine Rippenfellreizung als scharfer, atemabhängiger Schmerz empfunden.

2.3 Was Th5 nicht versorgt

Häufige ZuordnungTatsächlich
N. intercostobrachialis (Achsel, Arminnenseite)Stammt aus Th2, seltener Th3. Th5 hat daran keinen Anteil
ZwerchfellMotorisch und überwiegend sensibel über den N. phrenicus aus C3 bis C5. Nur der äußere Rand erhält Fasern aus den unteren Zwischenrippennerven — nicht aus Th5
Bauchdeckenhaut und BauchhautreflexeLiegen unterhalb von Th5, das oberhalb des Schwertfortsatzes endet. Die Haut der Bauchwand wird aus Th7 bis Th12 versorgt; für den Reflexbogen nennen die Werke abweichende und untereinander uneinheitliche Grenzen [I]
Sympathische Versorgung der HandStammt überwiegend aus Th2 bis Th4. Deshalb setzt die Schweißchirurgie dort an und nicht bei Th5
Diese vier Abgrenzungen entscheiden, welche Beschwerden dem Segment Th5 zugeschrieben werden dürfen.

Kapitel 03

Muskeln

3.1 Kein Kennmuskel

Für die Segmente Th2 bis L1 sieht der internationale Standard zur Einstufung von Rückenmarksschädigungen (ISNCSCI) keinen Kennmuskel vor. Der Ausfall eines einzelnen Zwischenrippenraums bleibt ohne prüfbare Auswirkung, weil die Nachbarräume die Aufgabe übernehmen. Es gibt keine Bewegung, die nur mit Th5 gelingt. Die Höhenbestimmung am Rumpf erfolgt deshalb ausschließlich über die Sensibilität. [B]

3.2 Muskeln mit Anteil aus Th5

MuskelNervAufgabe
Mm. intercostales externi, interni und intimi des 5. RaumesN. intercostalis VHalten den Zwischenrippenraum unter Spannung, wirken an der Rippenbewegung mit
Mm. levatores costarumN. intercostalis V (Zuordnung des versorgenden Astes in der Literatur uneinheitlich)Heben die Rippe [I]
M. serratus posterior superior (unterster Anteil)Nn. intercostales II bis VHebt die oberen Rippen; seine Wirkung auf die Atmung ist umstritten
M. transversus thoracis (Anteil)N. intercostalis VWirkt bei der Ausatmung mit
Autochthone Rückenmuskulatur der EtageR. posterior des Spinalnervs Th5Aufrichtung und Feineinstellung; die Mm. rotatores sind im Brustabschnitt am kräftigsten ausgebildet
Kein Muskel dieser Liste lässt sich einzeln prüfen. Die Tabelle zeigt, welche Strukturen bei einer Reizung des Segments mitbetroffen sein können — sie begründet keine Kraftprüfung.

3.3 Reflexe

Das Segment Th5 hat keinen prüfbaren Eigenreflex. Die Bauchhautreflexe — Fremdreflexe — liegen unterhalb von Th5. Ihre obere Grenze wird uneinheitlich angegeben: deutschsprachige Werke setzen sie bei Th6 an, englischsprachige bei Th8 oder Th9. [I] Für Th5 sind sie nur als Kontrolle nach unten brauchbar: oben erhalten, unten erloschen spricht für eine Schädigung dazwischen. [B]

Abgrenzung. Fehlende Bauchhautreflexe allein belegen keine Rückenmarksschädigung. Sie fehlen auch bei kräftiger Bauchdecke, nach Bauchoperationen, bei Übergewicht und im höheren Lebensalter. Aussagekräftig wird der Befund erst im Seitenvergleich und zusammen mit den Zeichen der langen Bahnen. [B]

Kapitel 04

Vegetative Bezüge

4.1 Th5 ist die Grenzetage

Das Seitenhorn des Rückenmarks — der Zellhaufen, aus dem die vorgeschalteten sympathischen Fasern hervorgehen — reicht von Th1 bis etwa L2. Th5 liegt darin an einer besonderen Stelle: Es ist das oberste Segment, dessen Fasern den Bauchraum erreichen, und zugleich eines der untersten, dessen Fasern noch am Herzen ankommen. [B]

ZielgebietWegEinordnung
Magen, Zwölffingerdarm, Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse, MilzÜber den N. splanchnicus major zum Ganglion coeliacum— Th5 ist die oberste Ursprungsetage dieses Nervs [B]
HerzÜber die Nn. cardiaci thoracici aus den oberen Brustknoten zum Plexus cardiacus— Th5 ist die unterste Etage, über die Herzschmerz noch das Rückenmark erreicht [B]
Speiseröhre und AortaÄste zum Plexus oesophageus und aorticus thoracicus— anatomisch gesichert [B]
Haut und Gefäße der eigenen EtageGrauer Verbindungsast zurück zum Spinalnerv Th5— betrifft die Brustwand, kein Organ [B]
Schweißdrüsen und Gefäße der HandAufsteigend im Grenzstrang zu den HalsknotenStammt überwiegend aus Th2 bis Th4. Th5 trägt dazu nicht wesentlich bei
Becken- und BeckenorganeÜber die Nn. splanchnici lumbales aus L1 bis L2Nicht über Th5
Die erste Zeile ist der Grund, weshalb Th5 innerhalb dieser Reihe eine eigene Stellung hat: Erst ab dieser Höhe besteht überhaupt ein anatomischer Weg zum Bauchraum.

4.2 Der Nervus splanchnicus major

Der große Eingeweidenerv ist der einzige Nerv des Brustabschnitts, der den Brustraum verlässt. Sein Weg unterscheidet sich in einem Punkt von allen anderen sympathischen Bahnen: Die Fasern durchlaufen die Grenzstrangknoten, ohne dort umgeschaltet zu werden. Die Umschaltung erfolgt erst weit unten, im Ganglion coeliacum vor der Bauchschlagader. [B]

  • Ursprung: Lehrbuchangabe Th5 bis Th9. Die Fasern treten über die weißen Verbindungsäste dieser Segmente in den Grenzstrang ein.
  • Verlauf: Absteigend am Wirbelkörper entlang durch das hintere Mittelfell, dann durch einen Spalt im Zwerchfellschenkel in den Bauchraum.
  • Umschaltung: Im Ganglion coeliacum. Von dort ziehen die nachgeschalteten Fasern mit den Arterien zu den Organen.
  • Inhalt: Nicht nur wegführende, sondern auch schmerzleitende Fasern aus den Oberbauchorganen. Das ist der Weg, auf dem Oberbauchschmerz das Rückenmark erreicht — und der Grund, weshalb er im Rücken empfunden werden kann.

4.3 Wie fest ist diese Zuordnung?

Weniger fest, als die Lehrbuchangabe vermuten lässt. Anatomische Reihen an Verstorbenen zeigen erhebliche Streuung. Das ist für diese Seite bedeutsam, weil eine Segmentzuordnung nur so genau sein kann wie die Anatomie, auf der sie beruht.

BefundZahlHerkunft
Klassisches Muster Th5 bis Th9 tatsächlich angetroffenin 20,8 % der FälleKadaverreihe, 26 Körper, 52 Seiten
Häufigstes tatsächliches MusterTh6 bis Th10dieselbe Reihe
Ursprungsbereich Th6 bis Th9in 73 % der Seitenzweite Kadaverreihe, 38 Seiten
Zahl der beitragenden Wurzelnzwischen 3 und 10; weitester Bereich Th4 bis Th11, engster Th5 bis Th7zweite Kadaverreihe
SeitengleichheitDer Ursprung war in allen untersuchten Fällen zwischen rechts und links unterschiedlich; rechts liegt er in der Regel höherbeide Reihen übereinstimmend
Vorkommen des Nervs überhauptDer große Eingeweidenerv war immer vorhanden; der kleine fehlte in 35 bis 40 %, der kleinste in 45 bis 80 % der Seitenbeide Reihen
Der Nerv selbst ist beständig, seine Ursprungshöhe ist es nicht. Für den Einzelfall lässt sich daraus kein festes Segment ableiten.

Was daraus folgt. Die Angabe „Th5 bis Th9“ beschreibt einen Bereich, nicht eine Regel. Bei einer bestimmten Person kann der Ursprung höher oder tiefer liegen und auf beiden Seiten verschieden sein. Aussagen, die einem einzelnen Organ ein einzelnes Segment zuweisen, überschreiten damit die Genauigkeit der zugrunde liegenden Anatomie. Auf dieser Seite wird deshalb durchgehend von Segmentbereichen gesprochen. [I]

4.4 Richtung der Aussage

Belegt ist die Richtung vom Organ zur Körperwand. Schmerzfasern aus Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse laufen über den großen Eingeweidenerv zu den Segmenten Th5 bis Th9 und schalten dort im Hinterhorn gemeinsam mit den Hautfasern derselben Segmente um. Deshalb wird Oberbauchschmerz häufig im Rücken zwischen den Schulterblättern empfunden. Dieser Weg ist gesichert. [B]

Die Gegenrichtung ist eine Hypothese. Dass sich durch Behandlung der Brustwand oder des Wirbelgelenks Th5 die Tätigkeit von Magen, Galle oder Bauchspeicheldrüse beeinflussen ließe, folgt aus der Anatomie nicht. Vergleichende Untersuchungen, die eine solche Wirkung belegen, liegen für dieses Segment nicht vor. [H]

4.5 Warum Th5 keine Zielhöhe der Schweißchirurgie ist

Bei übermäßigem Hand- oder Achselschweiß wird der Grenzstrang endoskopisch durchtrennt. Die bevorzugte Höhe hat sich in Schritten nach unten verschoben — von Th2 über Th3 auf Th4 —, weil das belastende Ausgleichsschwitzen dann seltener auftritt. Bei Th4 endet diese Verschiebung. [B]

  • Handschweiß: Im randomisierten Vergleich an 141 Personen war das Ausgleichsschwitzen nach Th4 seltener als nach Th3 (56,5 gegenüber 77,4 %), übermäßig trockene Hände ebenfalls (1,4 gegenüber 12,9 %).
  • Achselschweiß: Im randomisierten Vergleich an 62 Personen war das Ausgleichsschwitzen nach alleiniger Durchtrennung bei Th4 seltener als nach Th3 und Th4 gemeinsam (nach einem Jahr 42,4 gegenüber 100 %). Die Beseitigung des Achselschweißes gelang in beiden Gruppen.
  • Th5 kommt nicht vor. Die sympathische Versorgung von Hand und Achsel stammt aus Th2 bis Th4. Ein Eingriff auf Höhe Th5 hätte auf das Schwitzen der Hand keine verlässliche Wirkung.

Der Eingriff, der Th5 betrifft, liegt woanders. Bei schwer beherrschbaren Oberbauchschmerzen — vor allem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs — kann der große Eingeweidenerv gezielt ausgeschaltet werden. Der Zugang erfolgt jedoch nicht in Höhe des Ursprungssegments, sondern weiter unten, wo die Nerven dem Wirbelkörper eng anliegen (in der Regel in Höhe Th11 bis Th12). Siehe Abschnitt 8.4. [B]

4.6 Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt

Die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis sind die letzte Umschaltstelle im Rückenmark, bevor ein sympathischer Befehl den Körper erreicht. Sie arbeiten nicht selbstständig. Was sie weitergeben, hängt von drei Zuflüssen ab.

Zufluss aus dem Gehirn. Fünf Zellgruppen versorgen die gesamte sympathische Ausfuhr: der Nucleus paraventricularis des Hypothalamus, die A5-Zellgruppe, die hintere Raphe sowie die vordere seitliche und die vordere mittige verlängerte Medulla. Sie gelten als der beherrschende Zufluss. [B]

Zufluss aus dem eigenen Segment. Schaltzellen in der Nähe der Ursprungszellen leiten Meldungen aus Organen, Haut und Muskeln weiter. Eingeweidefasern erreichen die Ursprungszellen in der Regel nicht unmittelbar, sondern über solche Zwischenzellen. Das ist der Weg, den Kapitel 05 für die Zonen beschreibt. [B]

Zufluss aus anderen Rückenmarkshöhen. Im Tierversuch stammen 8 bis 20 von 100 erregenden Kontakten an den Brust-Ursprungszellen von Schaltzellen des Lendenmarks, die zum Gehprogramm gehören. Der Zufluss ist nach Höhen geordnet. [B]

Was hinausgeht. Die Ursprungszellen des Segments Th5 geben ihre Erregung über die vordere Wurzel und den weißen Verbindungsast an den Grenzstrang ab. Sympathische Wirkungen sind unter anderem: Engstellung der Gefäße, Schweißbildung, Aufrichten der Haare, Wirkungen an inneren Organen und Ausschüttung aus dem Nebennierenmark. Welche davon auf Th5 entfallen, steht oben in diesem Kapitel. [B]

Aus der Verrechnung dieser Zuflüsse folgt zweierlei. Ein Reiz aus einem Organ ist nur ein Eingang unter mehreren und wird mit der Steuerung aus dem Gehirn verrechnet. Und aus einem Befund an der Körperoberfläche lässt sich nicht auf eine einzelne Etage zurückschließen. [I]

Wie stark der Zufluss aus dem Gehirn wiegt, zeigt sich nach einer Querschnittlähmung. Unterhalb der Verletzung gehen die Bahnen aus dem Gehirn zu den Ursprungszellen weitgehend verloren. Blutdruckregelung, Blasen- und Darmsteuerung sind danach gestört, während die Ursprungszellen selbst weiterarbeiten. [B]

Quellen zu diesem Abschnitt

  • Strack AM, Sawyer WB, Hughes JH, Platt KB, Loewy AD: A general pattern of CNS innervation of the sympathetic outflow demonstrated by transneuronal pseudorabies viral infections. Brain Res 1989;491:156–162. — Grundlage der fünf Zellgruppen in Hypothalamus und Hirnstamm.
  • Llewellyn-Smith IJ: Anatomy of synaptic circuits controlling the activity of sympathetic preganglionic neurons. J Chem Neuroanat 2009;38:231–239. — Grundlage der Zuflüsse aus Gehirn und Rückenmark.
  • Chacon C, Nwachukwu CV, Shahsavani N, Cowley KC, Chopek JW: Lumbar V3 interneurons provide direct excitatory synaptic input onto thoracic sympathetic preganglionic neurons. Front Neural Circuits 2023;17:1235181. — Grundlage des Zuflusses aus anderen Rückenmarkshöhen.
  • Llewellyn-Smith IJ: Effects of spinal cord injury on synaptic inputs to sympathetic preganglionic neurons. Prog Brain Res 2006;152:11–26. — Grundlage der Aussage zum Verlust der Bahnen aus dem Gehirn nach Querschnittlähmung.
  • Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aufzählung der sympathischen Wirkungen.

Offene Lücken

  • Die Befunde zu den Zuflüssen stammen aus Tierversuchen an Ratten und Mäusen. Zahlen zum Anteil der einzelnen Zuflüsse beim Menschen liegen nicht vor.
  • Von den fünf Arbeiten dieses Abschnitts wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.

Kapitel 05

Dermatom, Sklerotom, Reflexzonen

5.1 Das Dermatom Th5

Das Hautgebiet des Segments Th5 zieht als schmales Band gürtelförmig um den Brustkorb. Hinten liegt es neben der Wirbelsäule etwa in Höhe des Dornfortsatzes Th5, verläuft nach vorn leicht abfallend und erreicht die vordere Brustwand knapp unterhalb der Brustwarze. [B]

  • Kennpunkt nach ISNCSCI: in der Medioklavikularlinie auf halbem Weg zwischen den Kennpunkten Th4 (Mamillenlinie) und Th6 (Schwertfortsatz). Th5 ist damit das einzige Brustsegment, dessen Kennpunkt nicht an einer eigenen tastbaren Marke liegt, sondern zwischen zwei anderen bestimmt wird.
  • Nachbarschaft: Th4 auf der Mamillenlinie, Th6 in Höhe des Schwertfortsatzes, Th10 in Höhe des Nabels.
  • Überlappung: Benachbarte Dermatome greifen am Rumpf um ein bis zwei Segmente ineinander. Der Ausfall einer einzelnen Wurzel erzeugt deshalb meist kein vollständiges Gefühlsloch, sondern nur eine abgeschwächte Empfindung. [B]

Folge für die Untersuchung. Weil der Kennpunkt Th5 zwischen zwei Marken liegt, ist er ungenauer zu treffen als die Kennpunkte darüber und darunter. Wer eine Gefühlsgrenze bestimmen will, prüft deshalb besser die Reihe Th4 – Th5 – Th6 im Zusammenhang und nicht Th5 allein.

5.2 Gemessene Schmerzkarten der Gelenke dieser Etage

Für die Wirbelgelenke der mittleren Brustwirbelsäule liegen gemessene Karten aus Reizversuchen vor — die Gelenke wurden unter Durchleuchtung gezielt aufgefüllt. Th5 ist durch zwei dieser Reizungen unmittelbar abgedeckt.

UntersuchungUntersuchte EtagenErgebnis
Dreyfuss 1994, neun beschwerdefreie Freiwillige, 40 EinspritzungenWirbelgelenke Th5/Th6 rechts und Th4/Th5 links, dazu Th3/Th4 bis Th10/Th11In 72,5 % entstand eine vom Nadelweg unterscheidbare Empfindung. Der stärkste Schmerz lag jeweils eine Etage tiefer und leicht seitlich vom gereizten Gelenk und reichte nie mehr als zweieinhalb Etagen nach unten
Young 2008, acht beschwerdefreie FreiwilligeRippen-Querfortsatz-GelenkeDer Schmerz blieb oberflächlich über dem gereizten Gelenk, neben der Wirbelsäule. Keine Ausstrahlung zur Brustwand, zum Arm oder in ein Organgebiet
Fukui 1997, Personen mit BeschwerdenC7/Th1 bis Th2/Th3 sowie Th11/Th12Deckt die Etagen oberhalb ab; deutliche Überlappung benachbarter Etagen
Drei Reihen mit kleinen Teilnehmerzahlen. Sie stimmen im praktisch entscheidenden Punkt überein.

Der gemeinsame Befund. In allen drei Reihen blieb der ausgelöste Schmerz einseitig und hinten. Weder die vordere Brustwand noch der Arm wurde erreicht. Die Erklärung liegt in der Versorgung: Die Wirbelgelenke werden vom inneren Zweig des hinteren Astes versorgt, die Rippen-Querfortsatz-Gelenke vom äußeren Zweig — beide bleiben auf ihrer Seite und hinten. Ein Schmerz, der gürtelförmig nach vorn in den Oberbauch zieht, lässt sich mit diesen Gelenken nicht erklären. Gerade auf dieser Höhe ist das bedeutsam, weil dort der Oberbauchschmerz ankommt (Abschnitt 6.4). [B]

Zu bedenken bleibt die Einschränkung, die die Verfasser selbst nennen: Untersucht wurden überwiegend beschwerdefreie Freiwillige. Bei vorbestehenden Beschwerden könnte das Schmerzgebiet größer ausfallen. Geprüft ist das nicht. [I]

5.3 Sklerotom

Das Sklerotom Th5 umfasst die zugehörigen Anteile von Wirbelkörper, Wirbelbogen, Bandapparat, Gelenkkapseln und die fünfte Rippe mit ihrem Periost. Grundlage der Sklerotomkarten sind die Reizversuche von Kellgren (1939) sowie Inman und Saunders (1944). [H]

Diese Karten sind historisch bedeutsam, methodisch aber begrenzt: kleine Teilnehmerzahlen, keine verblindete Auswertung, deutliche Streuung zwischen den Verfassern. Verwertbar bleibt daraus die allgemeine Beobachtung, dass Schmerz aus tiefen Strukturen dumpf und schlecht zu orten ist, Schmerz aus der Haut dagegen scharf und gut zu orten.

5.4 Historische Zonenmodelle

ModellAussage zu dieser HöheEinordnung
Head-Zonen, Magenzone (Head 1893, 1900)Die Magenzone wird den Segmenten Th5 bis Th9 zugeordnetDer zugrunde liegende Weg — Organ- und Hautfasern schalten im selben Hinterhorn um — ist belegt und deckt sich mit dem Ursprungsbereich des großen Eingeweidenervs. Die Zonenkarte selbst beruht auf Beobachtungen ohne standardisierte Prüfung und streut erheblich [H]
Head-Zonen, HerzzoneTh1 bis Th5, teils mit Betonung linksTh5 liegt am unteren Rand dieser Zone. Auch hier gilt: Weg belegt, Kartengrenzen nicht [H]
Reflexzonen nach James Mackenzie (1900)Muskelverspannung und Druckempfindlichkeit neben der Wirbelsäule als OrganzeichenHistorisches Modell. Nicht zu verwechseln mit Robin McKenzie, dessen Bewegungstherapie aus den 1970er Jahren stammt und keine Organzuordnungen enthält [H]
Enterotome und ViszerotomeZuordnung einzelner Bauchorgane zu einzelnen SegmentenFür Th5 nicht in dieser Genauigkeit anwendbar. Der Ursprung des großen Eingeweidenervs streut zwischen den Personen und zwischen beiden Seiten (Abschnitt 4.3)
Alle vier Modelle sind genannt, weil sie in Literatur und Ausbildung fortwirken. Keines wird als Beleg verwendet. Die erste Zeile zeigt zugleich, warum sie sich so hartnäckig halten: Ihr anatomischer Kern ist richtig, ihre Kartengenauigkeit nicht.

5.5 Erklärungswege über das Rückenmark

Dieser Abschnitt ordnet ein, auf welchem Weg ein Organreiz Haut, Unterhaut und Muskeln verändern kann. Belegt ist nur ein Teil davon.

Reize aus einem Organ erreichen das Rückenmark über Eingeweidefasern. Diese enden im Hinterhorn, dem Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen. Im selben Segment können sie die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis erregen. Diese Zellsäule im Seitenhorn reicht von Th1 bis etwa L2; das Segment Th5 gehört dazu. Über den Grenzstrang steuern diese Zellen unter anderem Hautgefäße und Schweißdrüsen. [B]

Dass sich Unterhaut und Muskeln im Übertragungsgebiet eines Organs messbar verändern, ist beim Menschen gezeigt. Bei Gallensteinen mit Koliken war die Unterhaut im Übertragungsgebiet dicker und der Muskel dünner als auf der Gegenseite. Ohne Koliken fanden sich diese Unterschiede nicht. [B]

Die Autoren dieser Untersuchung vermuten, dass Überempfindlichkeit und Gewebeveränderung auf verschiedenen Wegen entstehen. [I]

Auf welchem Weg die Veränderungen entstehen, ist beim Menschen nicht geklärt. Tierversuche nennen drei Kandidaten: gegabelte Empfindungsfasern, Verschaltungen zwischen Empfindungsfasern im Rückenmark und den sympathischen Reflex über das Seitenhorn. [B]

Gegabelte Empfindungsfaser. Bei Ratten sind Schmerzfasern nachgewiesen, die sich teilen und mit einem Ast die Haut, mit dem anderen ein Organ versorgen. Bei Entzündungen von Dickdarm, Blase oder Magen trat in der Haut Flüssigkeit aus. Im Dickdarmmodell reagierten diese Fasern verstärkt auf Hautreize. [B]

Hinterwurzelreflex. Hier läuft eine Erregung vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser. An deren Ende setzt sie Botenstoffe frei, die eine vom Nerv ausgelöste Schwellung und Rötung hervorrufen, eine neurogene Entzündung. Im Tierversuch erklärt dieser Reflex einen erheblichen Teil der Gelenkschwellung bei Arthritis und der Hautrötung nach Einspritzen von Capsaicin. [B]

Dass einer dieser beiden Wege die Zonen bei Organleiden erzeugt, ist nicht gezeigt. Beide setzen kein Seitenhorn voraus und kämen deshalb in allen Segmenten in Frage. [I]

Konvergenz im Hinterhorn. Fast alle Schaltzellen der zweiten Stufe im Hinterhorn erhalten Eingänge aus den Eingeweiden und zugleich aus Haut und Muskeln. Dieses Zusammenlaufen gilt seit Langem als Grundlage dafür, dass Organschmerz an der Körperoberfläche gespürt wird. [B]

Die Konvergenz erklärt die Überempfindlichkeit einer Zone, für sich allein aber keine tastbare Gewebeveränderung. Welcher der genannten Wege beim Menschen überwiegt, ist offen. [I]

Die Bindegewebsmassage erklärt ihre Zonen mit einer Reflexwirkung über das vegetative Nervensystem, also mit dem Weg über das Seitenhorn. Nachgewiesen ist diese Erklärung nicht, und ob die Tastbefunde nach Dicke den gemessenen Veränderungen entsprechen, ist offen. [I]

Skelettmuskeln werden ausschließlich über die motorischen Vorderhornzellen erregt. Das vegetative Nervensystem, zu dem das Seitenhorn gehört, steuert Eingeweide, Gefäße und Drüsen, aber nicht die Skelettmuskeln. [B]

Ein zweites Modell führt Verspannungen der Körperwand bei Organreiz auf Reflexe über diese Vorderhornzellen zurück. Die Körperwand umfasst Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ. Tierversuche stützen das Modell; beim Menschen ist es nicht gesichert. [I]

Ob der Sympathikus die Muskelspannung beim Menschen unmittelbar verändert, ist ungeklärt. Im Tierversuch veränderte ein Sympathikusreiz die Empfindlichkeit der Muskelspindeln, der Längenfühler im Muskel. Beim Menschen blieb die Spindelentladung in einer Untersuchung unverändert; in einer anderen war der Dehnungsreflex verstärkt. Die Befunde widersprechen sich. [I]

Alle genannten Wege beschreiben die Richtung vom Organ zur Körperwand. Dass eine Behandlung von Haut oder Muskeln über diese Wege ein Organ beeinflusst, ist damit nicht belegt. [H]

Kapitel 06

Beschwerdebilder

6.1 Das Wurzelsyndrom Th5

Eine Reizung oder Schädigung der Wurzel Th5 äußert sich als einseitiger, gürtelförmiger Schmerz, der vom Rücken um den Brustkorb bis knapp unter die Brustwarze zieht, häufig brennend oder einschießend, beim Husten und Niesen verstärkt. Eine Kraftminderung ist nicht prüfbar, ein Reflexausfall gibt es nicht. Übrig bleiben Schmerzverlauf und abgeschwächte Empfindung im schmalen Hautband. [B]

AngabeZahlHerkunft
Anteil thorakaler Bandscheibenvorfälle an allen Vorfällen0,15 bis 4 % der operationsbedürftigen Vorfälle; nach anderen Reihen 0,1 bis 5 %Zusammenfassende Übersichtsarbeiten
Neu auftretende beschwerdeverursachende VorfälleGrößenordnung 1 Fall je 1 Million Personen und JahrMehrfach übereinstimmend berichtet
Anteil oberhalb der Etage Th3/Th4etwa 4 %Operationsreihen
Anteil unterhalb der Etage Th7/Th8rund 75 %, Häufungsgipfel bei Th11/Th12Operationsreihen
Zufallsbefunde ohne Beschwerden in der Kernspintomographie11 bis 37 %; in einer Reihe von 90 beschwerdefreien Personen 73 % mit Auffälligkeiten, davon 37 % Vorfälle und 29 % mit Verformung des RückenmarksBildgebungsreihen an Beschwerdefreien
Altersgipfelviertes bis sechstes LebensjahrzehntÜbereinstimmend berichtet
Th5 liegt zwischen den beiden gut belegten Randbereichen: oberhalb Th3/Th4 rund 4 %, unterhalb Th7/Th8 rund 75 %. Für die mittleren Etagen liegen keine etagenscharfen Zahlen vor — die Lücke ist in Abschnitt 11.4 benannt.

Was aus diesen Zahlen zusammen folgt. Wer bei Schmerzen in dieser Höhe eine Kernspintomographie veranlasst, findet mit einiger Wahrscheinlichkeit einen Bandscheibenbefund — und dieser Befund erklärt die Beschwerden mit gleicher Wahrscheinlichkeit nicht. Ein Bildbefund an der Brustwirbelsäule wird erst durch einen dazu passenden Untersuchungsbefund bedeutsam. [B]

6.2 Gürtelrose und Nervenschmerz danach

Die Reaktivierung des Windpockenvirus in einem Spinalganglion ist die häufigste Ursache eines echten, auf ein einzelnes Segment begrenzten Schmerzes an der Brustwand. Die Brustdermatome sind dabei am häufigsten betroffen — in den vorliegenden Reihen etwa die Hälfte bis knapp zwei Drittel aller Fälle, mit Streuung zwischen den Untersuchungen. [B]

  • Zeitlicher Ablauf: Der Schmerz geht dem Ausschlag häufig um Tage voraus. In dieser Zeit ist die Verwechslung mit einem Herz-, Lungen- oder Oberbauchleiden nahezu unvermeidlich.
  • Verteilung: streng einseitig, auf ein bis zwei benachbarte Dermatome begrenzt, nicht über die Mittellinie hinausgehend. Diese Begrenzung ist das stärkste Unterscheidungsmerkmal.
  • Nervenschmerz danach: Bleibt der Schmerz nach Abheilen des Ausschlags bestehen, spricht man von Postzosterneuralgie. Höheres Lebensalter und starker Schmerz in der Anfangsphase gelten als Umstände, unter denen sie häufiger auftritt.
  • Vorbeugung: Zur Impfung gegen Gürtelrose bestehen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission; maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung.

6.3 Gelenke und Rippen dieser Etage

Die häufigste Ursache umschriebener Beschwerden in dieser Höhe sind nicht Wurzel oder Bandscheibe, sondern die Gelenke — die beiden Wirbelgelenke und die vier Rippengelenke der Etage. Der Schmerz ist dann örtlich, seitengebunden, bewegungs- und atemabhängig und durch Druck auslösbar.

Die gemessenen Schmerzkarten aus Abschnitt 5.2 geben die Erwartung vor: einseitig, hinten, höchstens zweieinhalb Etagen nach unten reichend. Alles, was darüber hinausgeht — Ausstrahlung in die vordere Brustwand oder in den Oberbauch —, verlangt eine andere Erklärung. Auf dieser Höhe ist diese andere Erklärung besonders häufig ein Organ.

6.4 Oberbauchschmerz, der im Rücken ankommt

Das ist der klinisch wichtigste Abschnitt dieser Seite. Weil die Schmerzfasern der Oberbauchorgane über den großen Eingeweidenerv zu den Segmenten Th5 bis Th9 laufen, wird Oberbauchschmerz regelmäßig im Rücken empfunden — zwischen den Schulterblättern oder gürtelförmig. Der Schmerz kommt dort an, wo das Segment ihn abbildet, nicht dort, wo das Organ liegt. [B]

OrganWo der Schmerz empfunden wirdWas dazu passt
Bauchspeicheldrüse (Entzündung, Tumor)Oberbauch mit gürtelförmiger Ausstrahlung in den mittleren Rücken; oft im Liegen stärker, im Vornüberbeugen geringerÜbelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust, Fettstühle; anhaltender Schmerz ohne Bewegungsabhängigkeit
Gallenblase und GallenwegeRechter Oberbauch, Ausstrahlung in rechte Schulterblattgegend und rechte SchulterKolikartiger Verlauf, Bezug zu fettreichen Mahlzeiten, Gelbfärbung, Fieber
Magen und ZwölffingerdarmOberbauch mittig, gelegentlich in den mittleren Rücken durchschlagendBezug zu Mahlzeiten, nächtlicher Schmerz, schwarzer Stuhl
SpeiseröhreHinter dem Brustbein, teils in den RückenBrennen, Bezug zu Körperlage und Mahlzeiten, Schluckstörung
HerzHinter dem Brustbein, in Arm, Hals, Unterkiefer — bei Hinterwandbeteiligung auch im OberbauchBelastungsabhängigkeit, Luftnot, Übelkeit, kalter Schweiß
Alle fünf Organe bilden ihren Schmerz in Segmentbereiche ab, die Th5 einschließen. Das ist kein Zufall, sondern eine Folge der gemeinsamen Umschaltung im Hinterhorn — und der Grund, weshalb auf dieser Höhe die Abklärung vor der Einordnung steht.

Die Umkehrung gilt nicht. Aus „Oberbauchschmerz kann im Rücken ankommen“ folgt nicht „Rückenschmerz in dieser Höhe kommt vom Oberbauch“. Die meisten Beschwerden dieser Etage sind muskuloskelettal. Belegt ist allein, dass Organschmerz hier ankommen kann — weshalb er ausgeschlossen werden muss, bevor segmental eingeordnet wird. [I]

6.5 Weitere Ursachen auf dieser Höhe

UrsacheMerkmaleWarum sie hier verwechselt wird
Aortenerkrankung (Einriss der Gefäßwand, Aussackung)Plötzlicher, reißender Schmerz zwischen den Schulterblättern, wandernd, Blutdruck- oder Pulsunterschied zwischen beiden ArmenDie absteigende Aorta liegt unmittelbar vor den Wirbelkörpern dieser Höhe
Lungenembolie, Rippenfellentzündung, PneumothoraxAtemabhängiger stechender Schmerz, Luftnot, HustenDas Rippenfell wird von den Zwischenrippennerven versorgt; der Schmerz kommt an derselben Brustwand an
Wirbelbruch bei KnochenschwundPlötzlicher Schmerz ohne oder nach geringem Anlass, örtlicher Klopfschmerz, Größenverlust, RundrückenzunahmeDie mittlere Brustwirbelsäule ist ein bevorzugter Ort osteoporotischer Brüche
Absiedlung eines TumorsNachts zunehmender, lageunabhängiger Schmerz, Gewichtsverlust, Tumorleiden in der VorgeschichteDie Brustwirbelsäule ist der häufigste Ort von Absiedlungen an der Wirbelsäule
Entzündung von Bandscheibe und WirbelZunehmender Ruheschmerz, Fieber, erhöhte Entzündungswerte, vorausgegangener Eingriff oder InfektionDer Schmerz ist zunächst örtlich und wird als Blockierung gedeutet
Reizung der Rippenknorpel (Tietze-Syndrom, Costochondritis)Druckschmerz am Übergang von Rippe zu Brustbein, beim Tietze-Syndrom mit tastbarer SchwellungDie fünfte Rippe erreicht das Brustbein über einen eigenen Knorpel
Zwischenrippen-Nervenschmerz nach EingriffBrennender, einseitiger Schmerz entlang der Narbe nach Brustkorberöffnung, oft mit GefühlsminderungVerlauf und Verteilung entsprechen dem Zwischenrippennerv — die Ursache liegt im Nerv, nicht in der Wurzel
Zusammen mit der Tabelle in Abschnitt 6.4 ergibt sich die Abklärungsreihenfolge für diese Höhe: erst Herz und Aorta, dann Oberbauch und Lunge, dann Wirbelsäule.

Kapitel 07

Untersuchung

7.1 Reihenfolge

Weil weder Kennmuskel noch Reflex zur Verfügung stehen, beginnt die Untersuchung dieser Höhe nicht mit der Wurzel, sondern mit dem Ausschluss.

  • Erster Schritt — Ausschluss. Herz, Aorta, Lunge, dazu auf dieser Höhe ausdrücklich die Oberbauchorgane. Bei Warnzeichen (siehe Kapitel 09) endet die segmentale Untersuchung hier.
  • Zweiter Schritt — Höhe bestimmen. Über den Brustbeinwinkel, nicht durch Zählen am Rücken.
  • Dritter Schritt — Sensibilität. Seitenvergleich in der Reihe Th4 – Th5 – Th6, Suche nach einer Grenze nach unten.
  • Vierter Schritt — lange Bahnen. Beine, Gang, Reflexe, Babinski-Zeichen. An der Brustwirbelsäule der wichtigste Teil, weil hier Rückenmark hinter der Bandscheibe liegt.
  • Fünfter Schritt — örtlicher Befund. Wirbel- und Rippengelenke, Muskulatur, Rippenknorpel vorn.

7.2 Höhenbestimmung und Sensibilität

PrüfungVorgehenBewertung
Brustbeinwinkel tastenQuerleiste am Brustbein aufsuchen, dort setzt die zweite Rippe an; drei Zwischenrippenräume nach unten zählenErgibt den fünften Zwischenrippenraum. Verlässlicher als jedes Zählen am Rücken
Reihe Th4 – Th5 – Th6 prüfenBerührung und spitz/stumpf in der Medioklavikularlinie an drei Punkten, beidseits im VergleichDer Kennpunkt Th5 liegt zwischen zwei Marken und ist allein ungenauer zu treffen (Abschnitt 5.1)
Grenze suchenVon unten nach oben prüfen, bis die Empfindung wieder normal wirdVon unten nach oben ist empfindlicher, weil der Übergang zur normalen Empfindung deutlicher wahrgenommen wird
UmrechnenGefundene Segmenthöhe minus zwei bis drei Etagen ergibt die WirbelhöheVerhindert die häufigste Fehlzuordnung zwischen Untersuchungs- und Bildbefund
Vier Handgriffe, keine Geräte. Sie tragen an dieser Höhe die Hauptlast der Untersuchung.

7.3 Prüfung der langen Bahnen

  • Gangbild — unsicherer, breitbeiniger Gang; Seiltänzergang.
  • Muskeleigenreflexe an den Beinen — gesteigert, verbreiterte Auslösezone.
  • Babinski-Zeichen — Bestreichen der Fußsohle am äußeren Rand.
  • Bauchhautreflexe — im Seitenvergleich und in der Höhenstufung.
  • Blasen- und Mastdarmfunktion — gezielt erfragen. Eine Störung ist an dieser Höhe ein Notfallzeichen, kein Segmentzeichen.

7.4 Der Oberbauch gehört zur Untersuchung dieser Höhe

Auf keiner anderen Etage dieser Reihe ist die Untersuchung des Bauches so eng mit dem Segment verbunden. Geprüft werden Druckschmerz in den Oberbauchbereichen, Abwehrspannung, Lebergröße, Bezug des Schmerzes zu Mahlzeiten und Körperlage. Ein Rückenschmerz dieser Höhe, der sich im Vornüberbeugen bessert und im Liegen verstärkt, lenkt den Verdacht auf die Bauchspeicheldrüse und nicht auf das Wirbelgelenk. [B]

7.5 Örtlicher Befund und apparative Untersuchungen

Grenze der Aussagekraft. Die Übereinstimmung zwischen zwei Untersuchern ist bei der Beurteilung einzelner Bewegungssegmente der Brustwirbelsäule nur mäßig. Ein tastbarer Befund belegt weder eine bestimmte Etage noch eine Ursache — und er schließt eine Organerkrankung nicht aus. Er ist ein Hinweis, kein Beleg. [I]

VerfahrenNutzen an dieser HöheGrenze
KernspintomographieVerfahren der Wahl bei Verdacht auf Rückenmarksschädigung, Tumorabsiedlung oder EntzündungHohe Rate an Zufallsbefunden ohne Krankheitswert (Abschnitt 6.1)
ComputertomographieBeurteilung von Verkalkungen und knöchernen Veränderungen; thorakale Vorfälle sind häufig verkalktWeichteile und Rückenmark schlechter beurteilbar
Ultraschall des Oberbauchs, Laborwerte der Bauchspeicheldrüse und der LeberAuf dieser Höhe Teil der Abklärung, nicht eine ZusatzuntersuchungUnauffällige Werte schließen ein Frühstadium nicht aus
Elektromyographie und NervenleitungsmessungAn den Rumpfsegmenten nur eingeschränkt einsetzbarEs fehlt ein zugänglicher Kennmuskel
Röntgen im StehenÜbersicht über Form, Brüche und AchsenverhältnisseSagt nichts über Rückenmark und Wurzel aus
Die dritte Zeile ist die Besonderheit dieser Etage: Der Ultraschall des Oberbauchs gehört hier zur Grunduntersuchung.

Kapitel 08

Behandlungsansätze

Dieses Kapitel beschreibt, welche Wege bei Beschwerden dieser Höhe beschritten werden und wie belastbar der jeweilige Nachweis ist. Es enthält keine Empfehlung für den Einzelfall; die Entscheidung darüber trifft die behandelnde Fachperson.

8.1 Bewegung und manuelle Verfahren

Bei umschriebenen Beschwerden der mittleren Brustwirbelsäule ohne Warnzeichen kommen Bewegungsübung, Haltungsschulung, Atemübung und manuelle Verfahren zum Einsatz. Die Nachweislage ist dünn: Aussagekräftige vergleichende Untersuchungen, die Behandlungsformen für diesen Abschnitt gegeneinander prüfen, fehlen weitgehend. [I]

8.2 Gürtelrose und Nervenschmerz danach

Für Gürtelrose und Postzosterneuralgie besteht eine eigene Leitlinie mit Aussagen zur virushemmenden Behandlung, zur Schmerzbehandlung und zur örtlichen Behandlung. Ihre Gültigkeit ist abgelaufen; Einzelheiten im Quellenkapitel.

8.3 Zwischenrippen-Nervenschmerz

Beim anhaltenden Nervenschmerz entlang eines Zwischenrippennervs — nach Gürtelrose oder nach Brustkorberöffnung — kommen Medikamente gegen Nervenschmerz, örtliche Verfahren und die gezielte Blockade des Nervs in Betracht. Der Zugang liegt am Unterrand der Rippe, weil dort das Gefäß-Nerven-Bündel verläuft (Abschnitt 2.2).

8.4 Ausschaltung des großen Eingeweidenervs bei Oberbauchschmerz

Bei schwer beherrschbaren Oberbauchschmerzen durch einen Tumor — am häufigsten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs — kann der Schmerzweg unterbrochen werden, den Abschnitt 4.2 beschreibt. Zwei Zugänge sind gebräuchlich: die Ausschaltung des Ganglion coeliacum im Bauchraum und die Ausschaltung der Eingeweidenerven selbst, bevor sie das Zwerchfell durchtreten. [B]

  • Nachweislage: Für die Ausschaltung des Ganglion coeliacum liegen randomisierte Untersuchungen und zusammenfassende Auswertungen vor. Sie zeigen eine Verringerung des Schmerzes und des Verbrauchs an starken Schmerzmitteln gegenüber der alleinigen medikamentösen Behandlung. [B]
  • Grenzen: Die Wirkung auf die Lebensqualität ist uneinheitlich ausgewertet, die Wirkdauer begrenzt. Für die Ausschaltung der Eingeweidenerven selbst liegen überwiegend kleinere Reihen vor. [I]
  • Ort des Eingriffs: nicht in Höhe des Ursprungssegments Th5, sondern weiter unten, wo die Nerven dem Wirbelkörper eng anliegen (in der Regel Th11 bis Th12). Das Segment Th5 ist der Ursprung, nicht der Zugang.

8.5 Was auf dieser Höhe nicht zu erwarten ist

Eine Behandlung des Segments Th5 kann Beschwerden an Rücken und Brustwand günstig beeinflussen. Eine Wirkung auf Magen, Galle oder Bauchspeicheldrüse über eine segmentale Verbindung ist damit nicht belegt (Abschnitt 4.4). Beschwerden, die auf ein Organ hindeuten, gehören abgeklärt und nicht segmental eingeordnet.

Kapitel 09

Warnzeichen

Auf dieser Höhe treffen die Schmerzwege von Herz, Aorta, Speiseröhre und Oberbauchorganen zusammen. Die folgenden Zeichen verlangen eine unverzügliche ärztliche Abklärung — vor jeder segmentalen Einordnung und vor jeder manuellen Behandlung.

Sofortige ärztliche Abklärung bei:

  • Druck, Enge oder Brennen hinter dem Brustbein, besonders bei Belastung, mit Ausstrahlung in Arm, Hals oder Unterkiefer, mit Luftnot, Übelkeit oder kaltem Schweiß. Ein tastbarer Rippen- oder Wirbelbefund schließt eine Herzursache nicht aus. Bei Beteiligung der Herzhinterwand kann der Schmerz im Oberbauch ankommen.
  • Plötzlicher, reißender Schmerz zwischen den Schulterblättern, wandernd, mit Blutdruck- oder Pulsunterschied zwischen beiden Armen — Verdacht auf einen Einriss der Aortenwand.
  • Heftiger Oberbauchschmerz mit gürtelförmiger Ausstrahlung in den Rücken, mit Übelkeit und Erbrechen, im Liegen stärker — Verdacht auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse.
  • Brettharte Bauchdecke, Abwehrspannung, Kreislaufschwäche — Verdacht auf einen Durchbruch eines Hohlorgans.
  • Zeichen einer Rückenmarksschädigung: zunehmende Schwäche oder Steifigkeit beider Beine, unsicherer Gang, aufsteigendes Taubheitsgefühl mit waagerechter Grenze am Rumpf, gesteigerte Beinreflexe, Babinski-Zeichen.
  • Störung von Blase oder Mastdarm zusammen mit Rückenbeschwerden. Auf dieser Höhe kein vegetatives Segmentzeichen, sondern ein Zeichen der Rückenmarksschädigung.
  • Nachts zunehmender, lageunabhängiger Schmerz, ungewollter Gewichtsverlust, Tumorleiden in der Vorgeschichte — die Brustwirbelsäule ist der häufigste Ort von Wirbelsäulenabsiedlungen.
  • Fieber, zunehmender Ruheschmerz, erhöhte Entzündungswerte, vorausgegangener Eingriff oder Infektion — Verdacht auf eine Entzündung von Bandscheibe und Wirbel.
  • Plötzlicher Schmerz ohne oder nach geringem Anlass bei bekanntem Knochenschwund, Kortisonbehandlung oder höherem Lebensalter — Verdacht auf einen Wirbelbruch.
  • Einseitiger brennender Schmerz in einem Hautband, der dem Ausschlag vorausgeht — an Gürtelrose denken, bevor die Bläschen sichtbar sind.
  • Atemabhängiger stechender Schmerz mit Luftnot — Verdacht auf Lungenembolie, Rippenfellentzündung oder Pneumothorax.

Die Reihenfolge ist bewusst gewählt: Die ersten vier Punkte betreffen Erkrankungen, bei denen Zeitverlust unmittelbar schadet. Erst wenn sie ausgeschlossen sind, ist die Frage nach dem Segment sinnvoll.

Kapitel 10

Häufige Fragen

Wo liegt Th5 am Körper?

Vorn knapp unterhalb der Brustwarzen, hinten neben der Wirbelsäule etwa in Höhe des fünften Brustwirbels. Das Hautband verläuft von hinten oben nach vorn leicht abfallend.

Zum Auffinden tastet man den Brustbeinwinkel — die Querleiste im oberen Drittel des Brustbeins, an der die zweite Rippe ansetzt — und zählt drei Zwischenrippenräume nach unten. Der Prüfpunkt für Th5 liegt in der Linie durch die Mitte des Schlüsselbeins, auf halbem Weg zwischen dem Punkt an der Brustwarze (Th4) und dem Punkt am Schwertfortsatz (Th6).

Was ist an Th5 anders als an Th4?

Der Bauchraum. Th5 ist das oberste Segment, dessen sympathische Fasern über den großen Eingeweidenerv zu Magen, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse ziehen. Für Th1 bis Th4 besteht dieser Weg nicht.

Umgekehrt endet bei Th4 etwas: Die sympathische Versorgung der Hand stammt aus Th2 bis Th4, weshalb die Schweißchirurgie dort ansetzt und nicht bei Th5. Th5 ist damit die Grenzetage zwischen Brust- und Baucheingeweiden.

Kann Rückenschmerz in dieser Höhe vom Magen oder von der Bauchspeicheldrüse kommen?

Ja, und das ist auf dieser Höhe die wichtigste Frage. Die Schmerzfasern der Oberbauchorgane laufen über den großen Eingeweidenerv zu den Segmenten Th5 bis Th9 und schalten dort gemeinsam mit den Hautfasern derselben Segmente um. Deshalb wird Oberbauchschmerz häufig im Rücken empfunden — zwischen den Schulterblättern oder gürtelförmig.

Umgekehrt gilt das nicht: Die meisten Beschwerden dieser Etage stammen aus Muskeln, Gelenken und Rippen. Belegt ist nur, dass Organschmerz hier ankommen kann. Deshalb wird er ausgeschlossen, bevor segmental eingeordnet wird.

Kann man umgekehrt über das Segment Th5 auf die Verdauung einwirken?

Das ist nicht belegt. Der anatomische Weg führt vom Organ zur Körperwand — Schmerzfasern laufen vom Bauchraum zum Rückenmark. Dass sich durch Behandlung der Brustwand oder des Wirbelgelenks umgekehrt die Tätigkeit von Magen, Galle oder Bauchspeicheldrüse beeinflussen ließe, folgt daraus nicht.

Vergleichende Untersuchungen, die eine solche Wirkung zeigen, liegen für dieses Segment nicht vor. Auf dieser Seite ist die Gegenrichtung deshalb als Hypothese gekennzeichnet.

Stimmt die Angabe „Th5 bis Th9“ für den großen Eingeweidenerv?

Als Lehrbuchangabe ja, als Regel für die einzelne Person nein. In einer Reihe an 26 Verstorbenen fand sich genau dieses Muster nur in 20,8 Prozent der Fälle; häufiger war Th6 bis Th10. Eine zweite Reihe fand den Bereich Th6 bis Th9 in 73 Prozent der Seiten.

Hinzu kommt: Der Ursprung war zwischen rechts und links in allen untersuchten Fällen unterschiedlich, rechts in der Regel höher. Die Zahl der beitragenden Wurzeln schwankte zwischen drei und zehn. Aussagen, die einem Organ ein einzelnes Segment zuweisen, überschreiten deshalb die Genauigkeit der Anatomie.

Wird bei Handschweiß auch auf Höhe Th5 operiert?

Nein. Die sympathische Versorgung von Hand und Achsel stammt aus Th2 bis Th4. Die bevorzugte Höhe der Durchtrennung hat sich von Th2 über Th3 auf Th4 verschoben, weil das Ausgleichsschwitzen an Rumpf und Beinen dann seltener auftritt. Bei Th4 endet diese Verschiebung.

Ein Eingriff, der Th5 betrifft, ist ein anderer: die Ausschaltung des großen Eingeweidenervs bei schwer beherrschbarem Oberbauchschmerz. Auch dort liegt der Zugang aber nicht auf Höhe Th5, sondern weiter unten, wo die Nerven dem Wirbelkörper anliegen.

Mein Bildbefund nennt eine Veränderung „in Höhe Th5“. Betrifft das die Wurzel Th5?

Nicht ohne Weiteres. An der mittleren Brustwirbelsäule liegen Wirbel und Rückenmarksabschnitt zwei bis drei Etagen auseinander. Hinter dem Wirbel Th5 liegt das Rückenmark auf Höhe der Segmente Th7 bis Th8.

Die Wurzel Th5 selbst verlässt den Kanal zwischen den Wirbeln Th5 und Th6. Sie wird von seitlich gelegenen Veränderungen dieser Etage erreicht, nicht von mittig gelegenen — mittige Veränderungen treffen das Rückenmark.

Warum finde ich zu Th5 kaum Angaben über Muskelschwäche?

Weil es keine gibt, die sich prüfen ließe. Für die Segmente Th2 bis L1 sieht der internationale Standard keinen Kennmuskel vor. Jeder Zwischenrippenraum wird zwar von genau einem Nerv versorgt, aber der Ausfall eines einzelnen Raumes bleibt ohne prüfbare Folge, weil die Nachbarräume die Aufgabe übernehmen.

Die Untersuchung stützt sich deshalb auf die Sensibilität, den örtlichen Befund und die Prüfung der langen Bahnen. Die Kraftprüfung setzt erst wieder bei L2 ein.

Kapitel 11

Grundlage und Quellen

Grundlage dieser Seite sind belegte Fachwerke der Anatomie und Neurologie, gültige oder ausdrücklich als abgelaufen gekennzeichnete Leitlinien sowie benannte Originalarbeiten. Webportale, populäre Darstellungen und ungeprüfte Sekundärquellen sind nicht verwendet.

11.1 Anatomie und Biomechanik

  • Schünke M, Schulte E, Schumacher U: Prometheus. Lernatlas der Anatomie — Bände „Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem“ sowie „Innere Organe“, Thieme. — Grundlage der Angaben zu Wirbel, Rippengelenken, Verlauf des Zwischenrippennervs und Aufteilung des Spinalnervs (Kapitel 01 bis 03).
  • Standring S (Hrsg.): Gray’s Anatomy. The Anatomical Basis of Clinical Practice, Elsevier. — Grundlage der Angaben zum Grenzstrang, zum Verlauf des N. splanchnicus major und zur Umschaltung im Ganglion coeliacum (Kapitel 04).
  • Sobotta: Atlas der Anatomie des Menschen, Elsevier, sowie Netter FH: Atlas der Anatomie, Elsevier. — herangezogen zur Darstellung des Dermatomverlaufs und der Lagebeziehungen im hinteren Mittelfell.
  • Rohen JW, Yokochi C, Lütjen-Drecoll E: Anatomie des Menschen. Photographischer Atlas, Schattauer. — herangezogen zur Lage des Gefäß-Nerven-Bündels im Zwischenrippenraum (Abschnitt 2.2).
  • White AA, Panjabi MM: Clinical Biomechanics of the Spine, Lippincott. — Grundlage der Angaben zur eingeschränkten Beweglichkeit der Brustwirbelsäule und zur Kopplung von Wirbel- und Rippenbewegung (Abschnitt 1.3).

11.2 Klinik, Untersuchung, Leitlinien

  • Mumenthaler M, Stöhr M, Müller-Vahl H: Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome, Thieme. — Grundlage der Dermatomangaben, der Beschreibung des Wurzelsyndroms und der Abgrenzung Wurzel gegen peripheren Nerv (Kapitel 05 und 06).
  • Bähr M, Frotscher M: Duus’ Neurologisch-topische Diagnostik, Thieme. — Grundlage der Angaben zur Lage der Rückenmarkssegmente gegenüber den Wirbeln (Abschnitt 1.1), zur Höhenbestimmung und zur Prüfung der langen Bahnen (Kapitel 07).
  • Preston DC, Shapiro BE: Electromyography and Neuromuscular Disorders, Elsevier. — Grundlage der Einordnung der elektrophysiologischen Untersuchung an den Rumpfsegmenten (Abschnitt 7.5).
  • American Spinal Injury Association: International Standards for Neurological Classification of Spinal Cord Injury (ISNCSCI). — Grundlage der Lage des Kennpunkts Th5 zwischen den Kennpunkten Th4 und Th6 und der Feststellung, dass für Th2 bis L1 kein Kennmuskel vorgesehen ist (Abschnitte 3.1, 5.1 und 7.2).
  • Deutsche Dermatologische Gesellschaft: S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie, AWMF-Registernummer 013-023. — Grundlage der Aussagen zu Gürtelrose und Nervenschmerz danach (Abschnitte 6.2 und 8.2). Hinweis zur Gültigkeit: Die Fassung vom 24.05.2019 war bis zum 23.05.2024 gültig und ist abgelaufen. Vor Veröffentlichung ist auf eine Nachfolgefassung zu prüfen.
  • S1-Leitlinie Definition und Therapie der primären Hyperhidrose, AWMF-Registernummer 013-059, Version 4.0, Stand 19.03.2023. — herangezogen zur Einordnung der Stufenfolge bei übermäßigem Schwitzen (Abschnitt 4.5). Gültigkeit geprüft: gültig bis 18.03.2028.
  • Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut: Empfehlungen zur Impfung gegen Herpes zoster. — Grundlage des Hinweises zur Vorbeugung (Abschnitt 6.2). Die Empfehlungen werden jährlich fortgeschrieben; maßgeblich ist die jeweils gültige Fassung.

11.3 Originalarbeiten und zusammenfassende Auswertungen

  • Dreyfuss P, Tibiletti C, Dreyer SJ: Thoracic zygapophyseal joint pain patterns. A study in normal volunteers. Spine 1994;19(7):807–811. — Grundlage der Schmerzkarte für die Wirbelgelenke Th4/Th5 und Th5/Th6 (Abschnitt 5.2). Neun beschwerdefreie Freiwillige, 40 Einspritzungen, 72,5 % mit unterscheidbarer Empfindung.
  • Young BA, Gill HE, Wainner RS, Flynn TW: Thoracic costotransverse joint pain patterns: a study in normal volunteers. BMC Musculoskeletal Disorders 2008;9:140. — Grundlage der Aussage, dass Rippen-Querfortsatz-Gelenke keinen Schmerz zur Brustwand oder in den Arm senden (Abschnitt 5.2).
  • Fukui S, Ohseto K, Shiotani M: Patterns of pain induced by distending the thoracic zygapophyseal joints. Regional Anesthesia 1997. — Grundlage der Angaben zu den Etagen oberhalb; 21 untersuchte Gelenke.
  • Loukas M, Klaassen Z, Merbs W et al.: Thoracic splanchnic nerves: implications for splanchnic denervation. — Kadaverreihe mit 38 untersuchten Seiten; Grundlage der Angaben zur Streuung des Ursprungs (Th6 bis Th9 in 73 % der Seiten; drei bis zehn beitragende Wurzeln; durchgehend seitenungleicher Ursprung) in Abschnitt 4.3. Hinweis: Verfasserangaben und Erscheinungsjahr sind vor Veröffentlichung zu prüfen.
  • Kadaverreihe an 26 Körpern und 52 Seiten zu den thorakalen Eingeweidenerven, Journal of the Anatomical Society of India, 2019. — Grundlage der Angaben, dass das klassische Muster Th5 bis Th9 nur in 20,8 % angetroffen wurde und Th6 bis Th10 das häufigste Muster war (Abschnitt 4.3).
  • Liu Y, Yang J, Liu J et al.: Surgical treatment of primary palmar hyperhidrosis: a prospective randomized study comparing T3 and T4 sympathicotomy. European Journal of Cardio-Thoracic Surgery 2009;35(3):398–402. — 141 Personen; Grundlage der Zahlen zum Handschweiß in Abschnitt 4.5.
  • Munia MA, Wolosker N, Kauffman P et al.: randomisierter Vergleich Th3–Th4 gegen Th4 bei isoliertem Achselschweiß, 62 bzw. 64 Personen, Nachbeobachtung sechs Monate und ein Jahr (Journal of Vascular Surgery 2007; Clinics 2008). — Grundlage der Zahlen zum Achselschweiß in Abschnitt 4.5.
  • Zusammenfassende Auswertungen zur Ausschaltung des Ganglion coeliacum bei Schmerzen durch Oberbauchtumoren, einschließlich einer systematischen Übersicht mit Metaanalysen zu Schmerz, Opioidverbrauch und Nebenwirkungen. — Grundlage der Aussagen in Abschnitt 8.4. Hinweis: Die Einzelnachweise sind vor Veröffentlichung zu ergänzen.
  • Kellgren JH: On the distribution of pain arising from deep somatic structures. Clinical Science 1939, sowie Inman VT, Saunders JB: Referred pain from skeletal structures. Journal of Nervous and Mental Disease 1944. — historische Grundlage der Sklerotomkarten (Abschnitt 5.3), als [H] gekennzeichnet.

11.4 Kennzeichnung, geprüfte Angaben und benannte Lücken

KennzeichenBedeutung
[B]Belegte Beobachtung aus Fachliteratur oder benannter Originalarbeit
[I]Interpretation — aus belegten Angaben abgeleitet, nicht unmittelbar gemessen
[H]Historisches Modell oder Hypothese ohne tragfähigen Nachweis
Die Kennzeichnung steht an der einzelnen Aussage, nicht am Abschnitt.

Vor Veröffentlichung zu prüfen. Die Gültigkeit der Leitlinien 013-023 und 013-059 wurde für diese Fassung geprüft. Bei drei Einträgen in 11.3 sind die bibliografischen Angaben unvollständig und im Text ausdrücklich als prüfbedürftig gekennzeichnet. Die Häufigkeitszahlen zu thorakalen Bandscheibenvorfällen stammen aus mehreren übereinstimmenden Übersichten; die Erstquelle je Einzelzahl wurde nicht bis zur Originalarbeit zurückverfolgt.

  • Lücke 1: Für die mittleren Brustetagen liegen keine etagenscharfen Häufigkeitszahlen zum Wurzelsyndrom vor. Belegt sind nur die beiden Randbereiche (oberhalb Th3/Th4 rund 4 %, unterhalb Th7/Th8 rund 75 %).
  • Lücke 2: Die Schmerzkarten stammen aus kleinen Reihen (neun und acht Freiwillige). Für Personen mit vorbestehenden Beschwerden könnte das Schmerzgebiet größer ausfallen; geprüft ist das nicht.
  • Lücke 3: Zur manuellen und physiotherapeutischen Behandlung umschriebener Beschwerden der mittleren Brustwirbelsäule fehlen aussagekräftige vergleichende Untersuchungen.
  • Lücke 4: Die Streuung des Ursprungs des großen Eingeweidenervs ist beschrieben, aber nicht in ihren klinischen Folgen untersucht. Ob eine höhere oder tiefere Ursprungslage die Lage des empfundenen Schmerzes verschiebt, ist offen.
  • Lücke 5: Die klinische Bedeutung der kritischen Gefäßzone Th4 bis Th9 ist strittig (Abschnitt 1.5). Anatomischer Befund und klinische Folgerung gehen auseinander.

11.5 Fachbegriffe

BegriffBedeutung
Angulus sterni (Brustbeinwinkel)Tastbare Querleiste am Brustbein; Ansatz der zweiten Rippe; liegt hinten in Höhe der Bandscheibe Th4/Th5
DermatomHautgebiet, das von einem einzelnen Rückenmarkssegment versorgt wird
SklerotomGebiet aus Knochen, Knochenhaut, Bändern und Gelenkkapseln, das einem Segment zugeordnet wird
Grenzstrang (Truncus sympathicus)Kette von Nervenknoten beiderseits der Wirbelsäule; Umschaltstelle der sympathischen Fasern
Rami communicantesVerbindungsäste zwischen Spinalnerv und Grenzstrang; der weiße führt hin, der graue zurück
N. splanchnicus major (großer Eingeweidenerv)Nerv aus dem Bereich Th5 bis Th9; durchläuft den Grenzstrang ohne Umschaltung und endet im Ganglion coeliacum
Ganglion coeliacumNervenknoten vor der Bauchschlagader; Umschaltstelle für die Oberbauchorgane
Vorgeschaltete und nachgeschaltete FasernFaserabschnitte vor und nach der Umschaltung in einem vegetativen Nervenknoten
ISNCSCIInternationaler Standard zur Einstufung von Rückenmarksschädigungen; legt Kennpunkte und Kennmuskeln fest
MedioklavikularlinieSenkrechte Linie durch die Mitte des Schlüsselbeins; Bezugslinie der Kennpunkte an der Brustwand
AusgleichsschwitzenVermehrtes Schwitzen an Rumpf, Rücken oder Beinen nach Durchtrennung des Grenzstrangs
PostzosterneuralgieNervenschmerz, der nach Abheilen einer Gürtelrose bestehen bleibt
MyelopathieSchädigung des Rückenmarks selbst, im Unterschied zur Wurzelschädigung
Alle im Text verwendeten Fachbegriffe.

11.6 Änderungen gegenüber der bisherigen Seitenfassung

Bisherige AngabeBelegter Sachstand
Feste Zuordnung einzelner Bauchorgane zum Segment Th5Der Ursprung des großen Eingeweidenervs streut zwischen den Personen und zwischen beiden Seiten; das klassische Muster Th5 bis Th9 wurde nur in 20,8 % angetroffen (Abschnitt 4.3). Zulässig sind Segmentbereiche, keine Einzelzuordnungen
Behandlung des Segments Th5 zur Beeinflussung der VerdauungBelegt ist allein die Richtung vom Organ zur Körperwand; die Gegenrichtung ist als Hypothese gekennzeichnet [H] (Abschnitt 4.4)
Zählregel wie an der Halswirbelsäule (Wurzel tritt oberhalb aus)Ab Th1 tritt die Wurzel unterhalb ihres gleichnamigen Wirbels aus; Th5 durch das Loch Th5/Th6 (Abschnitt 1.2)
Wirbelhöhe mit Segmenthöhe gleichgesetztAn der mittleren Brustwirbelsäule liegen beide zwei bis drei Etagen auseinander (Abschnitte 1.1 und 5.1)
Kennmuskel und Reflex für Th5 angegebenFür Th2 bis L1 ist kein Kennmuskel vorgesehen; einen Eigenreflex hat Th5 nicht. Die Bauchhautreflexe liegen tiefer; ihre obere Grenze wird uneinheitlich angegeben (Abschnitt 3.3)
Sympathikusdurchtrennung bei Handschweiß auch auf Höhe Th5Die Versorgung von Hand und Achsel stammt aus Th2 bis Th4; die bevorzugte Höhe ist Th4 (Abschnitt 4.5)
Blasen- und Mastdarmstörung als vegetatives SegmentzeichenAuf dieser Höhe ein Zeichen der Rückenmarksschädigung und damit ein Notfallzeichen (Kapitel 09)
„Pseudoradikuläre Ausstrahlung“ der Wirbelgelenke in Brustwand oder OberbauchIn allen gemessenen Reihen blieb der Schmerz einseitig und hinten (Abschnitt 5.2)
Head-Zonen als Beleg für Organzuordnungen verwendetDer anatomische Kern ist belegt, die Kartengrenzen sind es nicht; als [H] gekennzeichnet (Abschnitt 5.4)
„McKenzie-Zonen“ als OrganzuordnungVerwechslung zweier Personen: James Mackenzie (Reflexzonen, 1900) ist nicht Robin McKenzie (Bewegungstherapie, 1970er Jahre)
N. intercostobrachialis dem Segment Th5 zugeordnetStammt aus Th2, seltener Th3 (Abschnitt 2.3)
Zwerchfell dem Segment Th5 zugeordnetMotorisch und überwiegend sensibel über den N. phrenicus aus C3 bis C5 (Abschnitt 2.3)
Diese Übersicht führt Aussagen auf, die in älteren Fassungen dieser Seitenreihe und in verbreiteten Sekundärquellen zum Segment Th5 vorkommen, und stellt ihnen den belegten Sachstand gegenüber. Hinweis: Der Text der bisherigen Seitenfassung lag bei dieser Überarbeitung nicht vor; die Tabelle ist vor Veröffentlichung mit der bisherigen Fassung abzugleichen.

11.7 Quellen und Änderungsvermerk zu den neuen Abschnitten

Quellen zu diesem Abschnitt

  • Jänig W: Spinal cord integration of visceral sensory systems and sympathetic nervous system reflexes. Prog Brain Res 1986;67:255–277. — Grundlage des Reflexwegs von den Eingeweidefasern zu den sympathischen Ursprungszellen.
  • Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aussage, dass das vegetative Nervensystem alle Körperteile außer der Skelettmuskulatur steuert.
  • Stifani N: Motor neurons and the generation of spinal motor neuron diversity. Front Cell Neurosci 2014;8:293. — Grundlage der Aufgabenteilung zwischen motorischen Vorderhornzellen (Skelettmuskel) und vegetativen Ursprungszellen (glatte Muskulatur, Drüsen).
  • Giamberardino MA, Affaitati G, Lerza R, Lapenna D, Costantini R, Vecchiet L: Relationship between pain symptoms and referred sensory and trophic changes in patients with gallbladder pathology. Pain 2005;114:239–249. — Messung von Unterhaut- und Muskeldicke im Übertragungsgebiet beim Menschen.
  • Wesselmann U, Lai J: Mechanisms of referred visceral pain: uterine inflammation in the adult virgin rat results in neurogenic plasma extravasation in the skin. Pain 1997;73:309–317. — Tierbefund zu Hautveränderungen im Übertragungsgebiet und den drei möglichen Entstehungswegen.
  • Fang Y, Han S, Li X, Xie Y, Zhu B, Gao X, Ma C: Cutaneous hypersensitivity as an indicator of visceral inflammation via C-nociceptor axon bifurcation. Neurosci Bull 2021;37:45–54. — Tierbefund zu gegabelten Schmerzfasern zwischen Organ und Haut sowie zur Konvergenz im Hinterhorn.
  • Willis WD Jr: Dorsal root potentials and dorsal root reflexes: a double-edged sword. Exp Brain Res 1999;124:395–421. — Übersicht zum Hinterwurzelreflex und zur neurogenen Entzündung.
  • Holey LA, Dixon J: Connective tissue manipulation: a review of theory and clinical evidence. J Bodyw Mov Ther 2014;18(1):112–118. — Grundlage der Einordnung der Bindegewebsmassage als Erklärungsmodell.
  • Giamberardino MA: Referred muscle pain/hyperalgesia and central sensitisation. J Rehabil Med 2003;Suppl 41:85–88. — Grundlage des Modells der Reflexe zur Muskulatur.
  • Roatta S, Windhorst U, Ljubisavljevic M, Johansson H, Passatore M: Sympathetic modulation of muscle spindle afferent sensitivity to stretch in rabbit jaw closing muscles. J Physiol 2002;540:237–248. — Tierbefund zur Muskelspindel.
  • Macefield VG, Sverrisdottir YB, Wallin BG: Resting discharge of human muscle spindles is not modulated by increases in sympathetic drive. J Physiol 2003;551:1005–1011. — Befund am Menschen ohne Spindelveränderung.
  • Hjortskov N, Skotte J, Hye-Knudsen C, Fallentin N: Sympathetic outflow enhances the stretch reflex response in the relaxed soleus muscle in humans. J Appl Physiol 2005;98:1366–1370. — Befund am Menschen mit verstärktem Dehnungsreflex.

Offene Lücken

  • Welche Ursprungssegmente die Haut von Arm und Bein sympathisch versorgen, geben Fachwerke unterschiedlich an. Die Seite nennt deshalb keinen Zahlenbereich. Gray’s Anatomy stand für diese Bearbeitung nicht zur Verfügung. Die Seite bleibt deshalb bei der zahlenfreien Angabe, bis das Werk eingesehen ist.
  • Von Fang et al. 2021 und Willis 1999 wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.
  • Eine Untersuchung, die beim Menschen den Entstehungsweg der Veränderungen im Übertragungsgebiet klärt, wurde nicht gefunden. Ebenso wurde keine Untersuchung gefunden, die Tastbefunde nach Dicke mit gemessenen Gewebedicken vergleicht.

Fachbegriffe

  • Hinterhorn — Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen.
  • Nucleus intermediolateralis — Zellsäule im Seitenhorn mit den sympathischen Ursprungszellen, Th1 bis etwa L2.
  • Gegabelte Empfindungsfaser — Nervenfaser, die mit zwei Ästen Organ und Haut zugleich versorgt.
  • Hinterwurzelreflex — Erregung, die vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser zur Haut läuft.
  • Neurogene Entzündung — Schwellung und Rötung durch Botenstoffe aus Nervenenden.
  • Konvergenz — Zusammenlaufen von Fasern aus Organ und Körperoberfläche auf dieselbe Schaltzelle.
  • Vorderhornzellen — Nervenzellen im Vorderhorn, die die Skelettmuskeln erregen.
  • Körperwand — Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ.
  • Muskelspindel — Fühler im Muskel, der die Muskellänge misst.
  • Dehnungsreflex — Muskelzuckung auf plötzliche Dehnung, etwa beim Sehnenklopfen.

Änderungsvermerk

  • Fassung V 0.5: Begriff „Schlüsselmuskel“ durchgehend durch „Kennmuskel“ ersetzt (6 Stellen).
  • Warum: Die Serie verwendet einen einzigen Begriff für die Muskeln, an denen die Kraft eines Segments geprüft wird. Die Mehrheit der Seiten sagte bereits Kennmuskel; die Entscheidung fiel für diesen Begriff.
  • Ersetzt: V 0.4.
  • Fassung V 0.4: Abschnitt 5.5 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu.
  • Fassung V 0.4: Abschnitt 4.6 „Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt“ neu.
  • Warum: Die Zonen- und Muskelbefunde des Segments sind jetzt nach Entstehungsweg getrennt und belegt; alternative Wege ohne Seitenhorn stehen gleichrangig daneben.
  • Ersetzt: V 0.3.

Verwandte Segmente

Segment Th3 · Segment Th4 · Segment Th6 · Nervus intercostalis · Truncus sympathicus

Hinweis. Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen. Bei Druck oder Enge hinter dem Brustbein, bei plötzlichem reißendem Schmerz zwischen den Schulterblättern, bei heftigem Oberbauchschmerz mit Ausstrahlung in den Rücken, bei zunehmender Schwäche der Beine oder bei Störungen von Blase und Mastdarm ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.

Segment Th5 · V 0.5 · Stand: September 2026. Geändert: Begriff „Schlüsselmuskel“ durchgehend durch „Kennmuskel“ ersetzt. Warum: ein einheitlicher Begriff in der ganzen Serie. Ersetzt: V 0.4 derselben Seite.