Das Segment Th7 liegt in der Mitte der Brustwirbelsäule und markiert eine Grenze: Sein Zwischenrippennerv ist der erste, der den Rippenbogen überquert und die Bauchwand erreicht. Damit endet die Reihe der reinen Brustwandnerven. Die Leitbeschwerden des Segments Th7 sind ein einseitiger, gürtelförmiger Schmerz vom mittleren Rücken über die untere Brustwand bis in die Magengrube, häufig atem- und bewegungsabhängig. Kennmuskel und Muskeleigenreflex fehlen — wie bei allen Brustsegmenten. Die entscheidende Aufgabe der Untersuchung ist deshalb nicht die Höhenbestimmung, sondern die Abgrenzung gegen Erkrankungen des Oberbauchs.
Inhalt
Auf einen Blick
- Austritt: Der Spinalnerv Th7 verlässt den Wirbelkanal durch das Zwischenwirbelloch Th7/Th8. Ab Th1 tritt jede Wurzel unterhalb ihres gleichnamigen Wirbels aus — anders als an der Halswirbelsäule.
- Grenzsegment: Der siebte Zwischenrippennerv ist der erste, der den Zwischenrippenraum verlässt, den Rippenbogen überquert und zwischen den Bauchmuskeln weiterzieht. Th1 bis Th6 enden an der Brustwand. [B]
- Hautgebiet: Der Kennpunkt nach dem internationalen Prüfstandard liegt in der Schlüsselbeinmittellinie im siebten Zwischenrippenraum, auf halber Höhe zwischen dem Punkt für Th6 (Schwertfortsatz) und dem für Th8. [B]
- Kein Kennmuskel, kein Eigenreflex: Der internationale Prüfstandard führt für die Brustsegmente keine Kennmuskeln. Ein Muskeleigenreflex für Th7 existiert nicht. Prüfbar ist allein der obere Bauchhautreflex — ein Fremdreflex über mehrere Segmente. [B]
- Vegetativer Anschluss: Th7 gehört zum Ursprungsgebiet des großen Eingeweidenervs (N. splanchnicus major, Th5 bis Th9). Dessen Fasern werden nicht im Grenzstrangknoten Th7 umgeschaltet, sondern erst im Bauchraum im Ganglion coeliacum. [B]
- Der häufigste Fehler: die Gleichung „Th7 = Magen“. Der große Eingeweidenerv bündelt fünf Etagen, bevor er ein Organ erreicht. Aus dem Bündel lässt sich keine einzelne Etage zurückrechnen. [I]
- Tastpunkt: Der Dornfortsatz Th7 liegt in einer Ebene mit dem unteren Schulterblattwinkel — bei hängendem Arm und aufrechtem Sitz. [B]
Kapitel 01
Anatomie des Segments Th7
1.1 Drei Bedeutungen von „Th7“
Der Ausdruck „Th7″ bezeichnet drei verschiedene Dinge, die an unterschiedlichen Orten liegen. Wer sie gleichsetzt, ordnet Befunde falsch zu.
- Der Wirbel Th7 — der siebte Brustwirbel. Er ist der Bezugspunkt jeder Höhenangabe im Bildbefund und der einzige der drei, der tastbar ist.
- Das Rückenmarkssegment Th7 — der Abschnitt des Rückenmarks, aus dem die Wurzelfäden des siebten Brustnervs hervorgehen. Es liegt nicht in Höhe des Wirbels Th7, sondern etwa zwei Wirbelhöhen weiter oben, hinter den Wirbelkörpern Th5 und Th6. [B] Die genaue Verschiebung schwankt zwischen den Lehrwerken und zwischen einzelnen Menschen. [I]
- Der Spinalnerv Th7 — er entsteht im Zwischenwirbelloch zwischen Th7 und Th8 und ist die klinisch entscheidende Größe. Alles, was über „Th7-Beschwerden“ gesagt wird, betrifft ihn.
Warum die Verschiebung hier wichtiger ist als an der Lendenwirbelsäule. Im Brustbereich ist der Wirbelkanal eng und das Rückenmark füllt ihn weitgehend aus. Eine Enge in Höhe des Wirbelkörpers Th7 trifft deshalb nicht nur die Wurzel Th7, sondern kann unmittelbar das Rückenmark bedrängen — und dieses gehört an dieser Stelle bereits zu den Segmenten Th9 oder Th10. Ein Befund „Höhe Th7″ und ein Ausfall „ab Nabelhöhe“ schließen einander deshalb nicht aus, sondern passen zusammen. [B]
1.2 Die Zählregel der Brustwirbelsäule
An der Halswirbelsäule tritt jede Wurzel oberhalb ihres gleichnamigen Wirbels aus. Ab Th1 kehrt sich das um: Jede Wurzel tritt unterhalb ihres gleichnamigen Wirbels aus. Die Wurzel Th7 verlässt den Kanal also durch das Zwischenwirbelloch Th7/Th8. [B]
| Ort der Veränderung | Getroffene Wurzel | Erläuterung |
|---|---|---|
| Zwischenwirbelloch Th7/Th8 | Th7 | Der Regelfall. Hier verlässt die Wurzel Th7 den Wirbelkanal |
| Bandscheibe Th7/Th8, seitlich (foraminal) | Th7 | Trifft die austretende Wurzel. An der Brustwirbelsäule selten, weil die Bandscheiben niedrig sind und die Rippen die Bewegung begrenzen |
| Bandscheibe Th7/Th8, breit nach hinten (median) | Rückenmark, nicht die Wurzel | Der gefährlichere Fall: Bedrängung des Rückenmarks mit Zeichen unterhalb der Läsion. Siehe Kapitel 09 |
| Rippenwirbelgelenk der 7. Rippe | keine Wurzel | Gelenkschmerz, kein Wurzelschmerz — die Unterscheidung entscheidet über die Behandlung |
1.3 Der Wirbel Th7 und seine Gelenke
Th7 gehört zu den mittleren Brustwirbeln (Th5 bis Th8) und ist damit ein typischer Brustwirbel ohne Übergangsmerkmale zur Hals- oder Lendenwirbelsäule. [B]
- Der Dornfortsatz ist lang, steil nach unten gerichtet und überlagert den Bogen des darunterliegenden Wirbels. Beim Tasten liegt die Spitze des Th7-Dornfortsatzes deshalb bereits auf Höhe des Zwischenraums Th7/Th8.
- Zwei Rippenwirbelgelenke je Seite — das Gelenk zwischen Rippenköpfchen und Wirbelkörper (Articulatio capitis costae) und das Gelenk zwischen Rippenhöcker und Querfortsatz (Articulatio costotransversaria). Beide sind echte Gelenke mit Kapsel und eigener Nervenversorgung und damit eigenständige Schmerzquellen. [B]
- Die Wirbelgelenke stehen nahezu in der Frontalebene. Das lässt Drehung und Seitneigung zu und begrenzt Beugung und Streckung. Der Brustkorb begrenzt zusätzlich.
- Die Bandscheibe Th7/Th8 ist im Verhältnis zur Wirbelkörperhöhe die niedrigste der Wirbelsäule. Das ist der wesentliche Grund für die Seltenheit von Bandscheibenvorfällen in dieser Höhe. [B]
1.4 Tastpunkte
| Landmarke | Höhe | Verlässlichkeit |
|---|---|---|
| Unterer Schulterblattwinkel | Dornfortsatz Th7 | Nur bei aufrechtem Sitz und hängendem Arm gültig. Das Schulterblatt gleitet auf dem Brustkorb — jede Armstellung verschiebt den Bezug [I] |
| Schwertfortsatz des Brustbeins | Hautgebiet Th6 | Vorderer Bezugspunkt. Das Hautgebiet Th7 liegt unmittelbar darunter [B] |
| Rippenbogen in der Schlüsselbeinmittellinie | Übergang Brustwand → Bauchwand | Hier überquert der siebte Zwischenrippennerv die Grenze [B] |
| Nabel | Hautgebiet Th10 | Häufig verwechselt: Der Nabel gehört nicht zu Th7, sondern liegt drei Segmente tiefer [B] |
Kapitel 02
Nervenversorgung
2.1 Die Aufteilung des Spinalnervs
Unmittelbar nach dem Austritt aus dem Zwischenwirbelloch teilt sich der Spinalnerv Th7 in drei Anteile. Jeder hat ein eigenes Zielgebiet — und jeder erklärt eine andere Art von Beschwerden.
| Ast | Zielgebiet | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Ramus dorsalis (hinterer Ast) | Tiefe Rückenmuskulatur, Wirbelgelenkkapseln, Haut über dem Rücken in Höhe Th7 bis Th8 | Trägt den paravertebralen Rückenschmerz. Der mediale Zweig versorgt die Wirbelgelenke — Ziel der Facetteninfiltration |
| Ramus ventralis (vorderer Ast) = N. intercostalis VII | Zwischenrippenmuskeln, Rippenfell, Haut der seitlichen und vorderen unteren Brustwand, obere Bauchwand | Trägt den gürtelförmigen Schmerz und die Beschwerden der Bauchdecke |
| Rami communicantes | Verbindung zum Grenzstrangknoten Th7 | Weiße Verbindung: vorgeschaltete Fasern zum Grenzstrang. Graue Verbindung: nachgeschaltete Fasern zurück zum Spinalnerv, für Gefäße und Schweißdrüsen des eigenen Hautgebiets. Siehe Kapitel 04 |
2.2 Der Weg des siebten Zwischenrippennervs
Der siebte Zwischenrippennerv ist der einzige Ast, dessen Verlauf für Th7 eine Besonderheit bedeutet. Er ist der erste, der die Brustwand verlässt.
- Im Zwischenrippenraum zieht er zunächst am unteren Rand der siebten Rippe in der Rippenfurche, zwischen dem inneren und dem innersten Zwischenrippenmuskel. Reihenfolge von oben nach unten: Vene, Arterie, Nerv. [B]
- Am Rippenbogen verlässt er den Zwischenrippenraum und tritt hinter dem Rippenknorpel in die Bauchwand über. [B]
- In der Bauchwand läuft er in der Schicht zwischen dem inneren schrägen Bauchmuskel und dem queren Bauchmuskel weiter nach vorn — derselben Schicht, in die Bauchwandblockaden gesetzt werden. [B]
- Am Ende durchbohrt er die hintere Wand der Rektusscheide, versorgt den obersten Anteil des geraden Bauchmuskels und tritt als Ramus cutaneus anterior durch die vordere Wand der Rektusscheide zur Haut der Magengrube. [B]
- Auf halbem Weg gibt er in der mittleren Achsellinie den Ramus cutaneus lateralis ab, der die Haut der seitlichen Brust- und oberen Bauchwand versorgt.
Die Durchtrittsstelle ist die Schwachstelle. Dort, wo der Endast die vordere Rektusscheide durchbohrt, läuft er durch einen engen Kanal zusammen mit Gefäßen. Genau an dieser Stelle entsteht das Einklemmungssyndrom der vorderen Hautäste (ACNES), das die Nerven Th7 bis Th12 betrifft und in Kapitel 06 beschrieben wird. [B]
2.3 Die Grenze zwischen Th6 und Th7
Th1 bis Th6
- Bleiben im Zwischenrippenraum
- Enden an der vorderen Brustwand
- Versorgen nur Brustwandmuskeln und Rippenfell
- Kein Anteil an der Bauchwand
Th7 bis Th11
- Verlassen den Zwischenrippenraum
- Überqueren den Rippenbogen
- Ziehen zwischen den Bauchmuskeln weiter
- Versorgen Bauchwandmuskeln und Bauchhaut
Die Grenze ist keine scharfe Linie. Die Lehrwerke setzen sie übereinstimmend zwischen Th6 und Th7. [B] Einzelne Darstellungen lassen jedoch bereits Endäste aus Th6 die oberste Bauchhaut erreichen, und die Ausdehnung der Hautgebiete überlappt ohnehin um ein bis zwei Segmente. Für die Untersuchung heißt das: Ein Befund an der Magengrube schließt Th6 nicht aus und beweist Th7 nicht. [I]
2.4 Was Th7 nicht versorgt
Vier Zuordnungen begegnen in Sekundärquellen regelmäßig und treffen für Th7 nicht zu:
| Häufige Zuordnung | Tatsächlich |
|---|---|
| Haut um den Nabel | Gehört zum Hautgebiet Th10 — drei Segmente tiefer. Der Nabel ist der verlässlichste Bezugspunkt der Bauchwand und gehört keinesfalls zu Th7 |
| Brustwarze und Warzenhof | Werden überwiegend aus Th4, teils Th5 versorgt. Th7 liegt deutlich darunter |
| Zwerchfell | Motorisch und überwiegend sensibel über den N. phrenicus aus C3 bis C5. Nur der äußere Rand erhält sensible Fasern aus den unteren Zwischenrippennerven — ein Anteil aus Th7 ist möglich, aber nicht die Hauptversorgung [I] |
| Haut der Achsel und der Arminnenseite | N. intercostobrachialis aus Th2, seltener Th3. Th7 hat daran keinen Anteil |
Kapitel 03
Muskeln
3.1 Warum es für Th7 keinen Kennmuskel gibt
Der internationale Prüfstandard für Rückenmarksschädigungen führt Kennmuskeln nur für die Segmente C5 bis T1 und L2 bis S1. Für die Brustsegmente Th2 bis Th12 ist kein Kennmuskel vorgesehen. [B] Das ist keine Lücke des Standards, sondern eine Folge der Anatomie: Jeder Muskel der Brust- und Bauchwand wird von mehreren benachbarten Segmenten versorgt. Fällt ein einzelnes aus, übernehmen die Nachbarn.
Zwei Folgerungen für die Praxis. Erstens: Eine Kraftprüfung kann eine Schädigung der Wurzel Th7 weder beweisen noch ausschließen. Zweitens: Wo dennoch eine sichtbare Bauchwandschwäche auftritt, sind in aller Regel mehrere benachbarte Wurzeln betroffen — das ist ein Hinweis auf eine ausgedehntere Ursache und kein Zeichen einer einzelnen Segmentstörung. [I]
3.2 Muskeln mit Anteil aus Th7
| Muskelgruppe | Segmente | Anteil von Th7 |
|---|---|---|
| Zwischenrippenmuskeln des 7. Raumes (Mm. intercostales externi, interni, intimi) | jeweils der zugehörige Nerv | Alleinige Versorgung des 7. Raumes [B] |
| M. subcostalis, Mm. levatores costarum in Höhe Th7 | segmental | Anteil [B] |
| M. transversus thoracis | Th2 bis Th6, unterer Anteil bis Th7 | Randbeteiligung [I] |
| M. serratus posterior inferior | Th9 bis Th12 | kein Anteil von Th7 [B] |
| M. rectus abdominis, oberster Anteil | Th7 bis Th12 | Th7 versorgt den obersten Abschnitt oberhalb der ersten Zwischensehne [B] |
| Mm. obliquus externus, obliquus internus, transversus abdominis | Th7 bis Th12, teils L1 | Anteil an der oberen Bauchwand [B] |
| Tiefe Rückenmuskulatur in Höhe Th7 (Mm. multifidi, rotatores, longissimus, iliocostalis) | über den Ramus dorsalis, mehrsegmental | Anteil, nicht isoliert prüfbar [B] |
3.3 Das Beevor-Zeichen gehört nicht zu Th7
Was das Zeichen prüft. Beim Anheben des Kopfes aus der Rückenlage wandert der Nabel nach oben, wenn die unteren Anteile der geraden Bauchmuskulatur geschwächt sind und die oberen dagegenziehen. Das Zeichen zeigt damit eine Schädigung unterhalb von etwa Th10 an. [B]
Warum es bei Th7 nichts beweist. Ist allein Th7 betroffen, bleiben die unteren Anteile kräftig; ein Zug nach oben entsteht nicht. Ein fehlendes Beevor-Zeichen schließt eine Th7-Schädigung deshalb nicht aus, und ein vorhandenes spricht gegen Th7 als alleinige Höhe. [I]
Kapitel 04
Vegetative Bezüge
4.1 Der Anschluss von Th7 an den Bauchraum
Th7 gehört zu den Segmenten, aus denen der N. splanchnicus major, der große Eingeweidenerv, hervorgeht. Sein Ursprungsgebiet wird in den Lehrwerken übereinstimmend mit Th5 bis Th9 angegeben. [B] Anatomische Untersuchungen fanden Beiträge in einem weiteren Bereich, etwa von Th4 bis Th11; eine belastbare Häufigkeitsverteilung dieser Varianten liegt nicht vor. [I]
Zwei Korrekturen, die dieses Segment eigens braucht.
Erstens: Die vorgeschalteten Fasern aus Th7 werden nicht im Grenzstrangknoten Th7 umgeschaltet. Sie durchlaufen ihn, bilden mit den Fasern der Nachbaretagen den großen Eingeweidenerv, durchbohren das Zwerchfell und werden erst im Bauchraum im Ganglion coeliacum umgeschaltet. [B]
Zweitens: „Th5 bis Th9″ ist eine Lehrbuchangabe, keine feste Grenze. Wer aus ihr eine Etagenzuordnung einzelner Organe ableitet, überschreitet, was die Anatomie hergibt. [I]
4.2 Was der große Eingeweidenerv erreicht
| Zielgebiet | Weg | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Magen, Zwölffingerdarm | Th5–Th9 → N. splanchnicus major → Ganglion coeliacum | Schmerz dieser Organe wird in die Körperwand der Segmente Th6 bis Th9 projiziert [B] |
| Leber, Gallenblase, Gallenwege | wie oben | Projektion überwiegend rechts, in Magengrube und rechten Oberbauch, teils zur rechten Schulterblattspitze [B] |
| Bauchspeicheldrüse | wie oben | Projektion gürtelförmig in den Rücken. Ansatzpunkt der Splanchnikusblockade — siehe Segment Th5 [B] |
| Milz, oberer Dünndarm, Nieren | wie oben, teils über weitere Geflechte | Beteiligung belegt, Etagenzuordnung nicht auflösbar [I] |
| Gefäße und Schweißdrüsen des eigenen Hautgebiets | Umschaltung im Grenzstrangknoten Th7 → grauer Verbindungsast → Spinalnerv Th7 | Der einzige vegetative Bezug, der tatsächlich einer einzelnen Etage zugeordnet werden kann [B] |
4.3 Warum „Th7 = Magen“ nicht trägt
Fünf Etagen laufen im großen Eingeweidenerv zusammen, bevor er ein einziges Organ erreicht. Aus einem Bündel lässt sich keine einzelne Faserherkunft zurückrechnen. Wer dem Segment Th7 ein bestimmtes Organ zuordnet, tut genau das. [I] Das bestreitet den belegten Schmerzweg nicht — es bestreitet die Zuordnung einer Etage zu einem Organ.
4.4 Die Richtung des Weges
Belegt: Organ → Körperwand
- Reizung eines Oberbauchorgans erzeugt Schmerz in der Körperwand der Segmente Th6 bis Th9
- Grundlage sind Beobachtung am Menschen und Reizversuche
- Erklärt die Magengrubenbeschwerden bei Magen-, Gallen- und Bauchspeicheldrüsenleiden
- Kennzeichnung [B]
Nicht belegt: Körperwand → Organ
- Die Annahme, eine Behandlung an der Körperwand in Höhe Th7 wirke auf ein Oberbauchorgan
- Vergleichende Untersuchungen zu dieser Gegenrichtung fehlen
- Aus dem einen Weg folgt der andere nicht — Nervenbahnen sind gerichtet
- Kennzeichnung [H]
Was daraus für die Behandlung folgt. Eine Behandlung an der Brustwand in Höhe Th7 kann Beschwerden der Körperwand lindern — dafür gibt es einen nachvollziehbaren Weg. Eine Wirkung auf Magen, Galle oder Bauchspeicheldrüse ist damit nicht belegt und darf nicht in Aussicht gestellt werden. Umgekehrt gilt: Wer anhaltende Oberbauchbeschwerden als „Segmentstörung Th7″ behandelt, kann eine Organerkrankung übersehen. Siehe Kapitel 09.
4.5 Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt
Die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis sind die letzte Umschaltstelle im Rückenmark, bevor ein sympathischer Befehl den Körper erreicht. Sie arbeiten nicht selbstständig. Was sie weitergeben, hängt von drei Zuflüssen ab.
Zufluss aus dem Gehirn. Fünf Zellgruppen versorgen die gesamte sympathische Ausfuhr: der Nucleus paraventricularis des Hypothalamus, die A5-Zellgruppe, die hintere Raphe sowie die vordere seitliche und die vordere mittige verlängerte Medulla. Sie gelten als der beherrschende Zufluss. [B]
Zufluss aus dem eigenen Segment. Schaltzellen in der Nähe der Ursprungszellen leiten Meldungen aus Organen, Haut und Muskeln weiter. Eingeweidefasern erreichen die Ursprungszellen in der Regel nicht unmittelbar, sondern über solche Zwischenzellen. Das ist der Weg, den Kapitel 05 für die Zonen beschreibt. [B]
Zufluss aus anderen Rückenmarkshöhen. Im Tierversuch stammen 8 bis 20 von 100 erregenden Kontakten an den Brust-Ursprungszellen von Schaltzellen des Lendenmarks, die zum Gehprogramm gehören. Der Zufluss ist nach Höhen geordnet. [B]
Was hinausgeht. Die Ursprungszellen des Segments Th7 geben ihre Erregung über die vordere Wurzel und den weißen Verbindungsast an den Grenzstrang ab. Sympathische Wirkungen sind unter anderem: Engstellung der Gefäße, Schweißbildung, Aufrichten der Haare, Wirkungen an inneren Organen und Ausschüttung aus dem Nebennierenmark. Welche davon auf Th7 entfallen, steht oben in diesem Kapitel. [B]
Aus der Verrechnung dieser Zuflüsse folgt zweierlei. Ein Reiz aus einem Organ ist nur ein Eingang unter mehreren und wird mit der Steuerung aus dem Gehirn verrechnet. Und aus einem Befund an der Körperoberfläche lässt sich nicht auf eine einzelne Etage zurückschließen. [I]
Wie stark der Zufluss aus dem Gehirn wiegt, zeigt sich nach einer Querschnittlähmung. Unterhalb der Verletzung gehen die Bahnen aus dem Gehirn zu den Ursprungszellen weitgehend verloren. Blutdruckregelung, Blasen- und Darmsteuerung sind danach gestört, während die Ursprungszellen selbst weiterarbeiten. [B]
Quellen zu diesem Abschnitt
- Strack AM, Sawyer WB, Hughes JH, Platt KB, Loewy AD: A general pattern of CNS innervation of the sympathetic outflow demonstrated by transneuronal pseudorabies viral infections. Brain Res 1989;491:156–162. — Grundlage der fünf Zellgruppen in Hypothalamus und Hirnstamm.
- Llewellyn-Smith IJ: Anatomy of synaptic circuits controlling the activity of sympathetic preganglionic neurons. J Chem Neuroanat 2009;38:231–239. — Grundlage der Zuflüsse aus Gehirn und Rückenmark.
- Chacon C, Nwachukwu CV, Shahsavani N, Cowley KC, Chopek JW: Lumbar V3 interneurons provide direct excitatory synaptic input onto thoracic sympathetic preganglionic neurons. Front Neural Circuits 2023;17:1235181. — Grundlage des Zuflusses aus anderen Rückenmarkshöhen.
- Llewellyn-Smith IJ: Effects of spinal cord injury on synaptic inputs to sympathetic preganglionic neurons. Prog Brain Res 2006;152:11–26. — Grundlage der Aussage zum Verlust der Bahnen aus dem Gehirn nach Querschnittlähmung.
- Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aufzählung der sympathischen Wirkungen.
Offene Lücken
- Die Befunde zu den Zuflüssen stammen aus Tierversuchen an Ratten und Mäusen. Zahlen zum Anteil der einzelnen Zuflüsse beim Menschen liegen nicht vor.
- Von den fünf Arbeiten dieses Abschnitts wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.
Kapitel 05
Dermatom, Sklerotom, Reflexzonen
5.1 Das Hautgebiet Th7
Das Hautgebiet der Wurzel Th7 zieht als schmales, schräg nach vorn und unten absteigendes Band vom Dornfortsatz Th7 um die untere Brustwand bis in die Magengrube. Der Prüfpunkt des internationalen Standards liegt in der Schlüsselbeinmittellinie im siebten Zwischenrippenraum, auf halber Höhe zwischen dem Punkt für Th6 und dem für Th8. [B]
| Segment | Vorderer Bezugspunkt | Merkhilfe |
|---|---|---|
| Th4 | Brustwarzenlinie | oberer Anker |
| Th6 | Schwertfortsatz des Brustbeins | Beginn der Magengrube |
| Th7 | auf halber Höhe zwischen Th6 und Th8 | Magengrube, oberer Anteil |
| Th8 | auf halber Höhe zwischen Th6 und Th10 | Mitte zwischen Schwertfortsatz und Nabel |
| Th10 | Nabel | unterer Anker |
| Th12 | Mitte des Leistenbandes | unterste Bauchwand |
Die Überlappung macht den Einzelausfall unsichtbar. Benachbarte Hautgebiete überlappen einander um ein bis zwei Segmente. Fällt allein die Wurzel Th7 aus, bleibt die Empfindung in ihrem Gebiet deshalb meist erhalten oder nur wenig vermindert. Ein unauffälliger Sensibilitätsbefund schließt eine Schädigung der Wurzel Th7 nicht aus. [B] Umgekehrt ist ein Schmerz im Hautgebiet oft deutlich wahrnehmbar, obwohl kein Ausfall messbar ist.
5.2 Die Schmerzkarte des Wirbelgelenks Th7/Th8
Für die Wirbelgelenke der Brustwirbelsäule liegt eine gemessene Schmerzkarte vor. Dreyfuss, Tibiletti und Dreyer setzten 1994 bei neun beschwerdefreien Freiwilligen unter Röntgendurchleuchtung 40 Gelenkfüllungen, darunter das Gelenk Th7/Th8. In 72,5 Prozent der gefüllten Gelenke entstand eine Empfindung, die sich vom Nadelweg unterschied. [B]
- Der ausgelöste Schmerz blieb einseitig und überschritt die Mittellinie nicht. Das entspricht der einseitigen Versorgung durch den medialen Zweig des hinteren Astes. [B]
- Er lag rückennah und reichte etwa ein bis zwei Segmente nach unten und seitlich über das gefüllte Gelenk hinaus. [B]
- Ein Schmerz an der vorderen oder seitlichen Brustwand trat nicht auf. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ausbreitung bei tatsächlich Erkrankten größer sein könnte als bei Gesunden. [I]
Was diese Karte leistet und was nicht. Sie zeigt, dass das Wirbelgelenk Th7/Th8 überhaupt Schmerz erzeugen kann und wohin dieser ausstrahlt. Sie ist kein Prüfverfahren: Aus einem Schmerzmuster lässt sich nicht rückschließen, dass das Gelenk die Quelle ist. Neun Personen sind zudem eine kleine Zahl. Für die mittlere Brustwirbelsäule fehlt eine entsprechende Untersuchung an Erkrankten — die Arbeit von Fukui und Mitarbeitern (1997) erfasste nur den Übergang C7/Th1 bis Th2/Th3 sowie Th11/Th12. [I]
Für die Rippenwirbelgelenke liegt eine eigene Karte vor (Young und Mitarbeiter, 2008, beschwerdefreie Freiwillige). Der ausgelöste Schmerz blieb dort gleichseitig und eng um das gereizte Gelenk herum. Das unterscheidet ihn vom Wirbelgelenkschmerz, der weiter nach unten zieht. [B]
5.3 Sklerotom und historische Zonenmodelle
Neben Haut und Muskeln werden auch Knochen, Knochenhaut, Bänder und Gelenkkapseln segmental zugeordnet. Die Grundlage dieser Sklerotomkarten sind Reizversuche von Kellgren (1939) sowie Inman und Saunders (1944). Beide Arbeiten wurden an wenigen Personen durchgeführt, und die Karten der Autoren weichen voneinander ab. [I]
| Modell | Herkunft | Belastbarkeit |
|---|---|---|
| Dermatom | Reizversuche, Wurzelblockaden, Prüfstandard | Belegt, mit erheblicher Überlappung [B] |
| Sklerotom | Kellgren 1939; Inman und Saunders 1944 | Experimentell begründet, Karten streuen zwischen den Autoren [I] |
| Head-Zonen | Head, ab 1893 | Historisch bedeutsam, methodisch nicht nach heutigem Maßstab überprüfbar [H] |
| Mackenzie-Zonen | James Mackenzie, um 1900 | Historisches Modell der Muskelreflexzonen. Nicht zu verwechseln mit Robin McKenzie, der in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren entwickelte [H] |
| Viszerotom, Enterotom | Sekundärliteratur, ohne Ursprungsuntersuchung | Keine belastbare Grundlage. Auf dieser Seite nicht verwendet |
Die historischen Zonenmodelle werden hier genannt, weil sie in der Fachsprache fortleben und in älteren Quellen begegnen. Sie tragen keine Aussage über das Segment Th7, die über die belegte Projektionsrichtung aus Kapitel 04 hinausginge. [H]
5.4 Erklärungswege über das Rückenmark
Dieser Abschnitt ordnet ein, auf welchem Weg ein Organreiz Haut, Unterhaut und Muskeln verändern kann. Belegt ist nur ein Teil davon.
Reize aus einem Organ erreichen das Rückenmark über Eingeweidefasern. Diese enden im Hinterhorn, dem Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen. Im selben Segment können sie die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis erregen. Diese Zellsäule im Seitenhorn reicht von Th1 bis etwa L2; das Segment Th7 gehört dazu. Über den Grenzstrang steuern diese Zellen unter anderem Hautgefäße und Schweißdrüsen. [B]
Dass sich Unterhaut und Muskeln im Übertragungsgebiet eines Organs messbar verändern, ist beim Menschen gezeigt. Bei Gallensteinen mit Koliken war die Unterhaut im Übertragungsgebiet dicker und der Muskel dünner als auf der Gegenseite. Ohne Koliken fanden sich diese Unterschiede nicht. [B]
Die Autoren dieser Untersuchung vermuten, dass Überempfindlichkeit und Gewebeveränderung auf verschiedenen Wegen entstehen. [I]
Auf welchem Weg die Veränderungen entstehen, ist beim Menschen nicht geklärt. Tierversuche nennen drei Kandidaten: gegabelte Empfindungsfasern, Verschaltungen zwischen Empfindungsfasern im Rückenmark und den sympathischen Reflex über das Seitenhorn. [B]
Gegabelte Empfindungsfaser. Bei Ratten sind Schmerzfasern nachgewiesen, die sich teilen und mit einem Ast die Haut, mit dem anderen ein Organ versorgen. Bei Entzündungen von Dickdarm, Blase oder Magen trat in der Haut Flüssigkeit aus. Im Dickdarmmodell reagierten diese Fasern verstärkt auf Hautreize. [B]
Hinterwurzelreflex. Hier läuft eine Erregung vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser. An deren Ende setzt sie Botenstoffe frei, die eine vom Nerv ausgelöste Schwellung und Rötung hervorrufen, eine neurogene Entzündung. Im Tierversuch erklärt dieser Reflex einen erheblichen Teil der Gelenkschwellung bei Arthritis und der Hautrötung nach Einspritzen von Capsaicin. [B]
Dass einer dieser beiden Wege die Zonen bei Organleiden erzeugt, ist nicht gezeigt. Beide setzen kein Seitenhorn voraus und kämen deshalb in allen Segmenten in Frage. [I]
Konvergenz im Hinterhorn. Fast alle Schaltzellen der zweiten Stufe im Hinterhorn erhalten Eingänge aus den Eingeweiden und zugleich aus Haut und Muskeln. Dieses Zusammenlaufen gilt seit Langem als Grundlage dafür, dass Organschmerz an der Körperoberfläche gespürt wird. [B]
Die Konvergenz erklärt die Überempfindlichkeit einer Zone, für sich allein aber keine tastbare Gewebeveränderung. Welcher der genannten Wege beim Menschen überwiegt, ist offen. [I]
Die Bindegewebsmassage erklärt ihre Zonen mit einer Reflexwirkung über das vegetative Nervensystem, also mit dem Weg über das Seitenhorn. Nachgewiesen ist diese Erklärung nicht, und ob die Tastbefunde nach Dicke den gemessenen Veränderungen entsprechen, ist offen. [I]
Skelettmuskeln werden ausschließlich über die motorischen Vorderhornzellen erregt. Das vegetative Nervensystem, zu dem das Seitenhorn gehört, steuert Eingeweide, Gefäße und Drüsen, aber nicht die Skelettmuskeln. [B]
Ein zweites Modell führt Verspannungen der Körperwand bei Organreiz auf Reflexe über diese Vorderhornzellen zurück. Die Körperwand umfasst Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ. Tierversuche stützen das Modell; beim Menschen ist es nicht gesichert. [I]
Ob der Sympathikus die Muskelspannung beim Menschen unmittelbar verändert, ist ungeklärt. Im Tierversuch veränderte ein Sympathikusreiz die Empfindlichkeit der Muskelspindeln, der Längenfühler im Muskel. Beim Menschen blieb die Spindelentladung in einer Untersuchung unverändert; in einer anderen war der Dehnungsreflex verstärkt. Die Befunde widersprechen sich. [I]
Alle genannten Wege beschreiben die Richtung vom Organ zur Körperwand. Dass eine Behandlung von Haut oder Muskeln über diese Wege ein Organ beeinflusst, ist damit nicht belegt. [H]
Kapitel 06
Beschwerdebilder
Beschwerden im Gebiet des Segments Th7 haben vier verschiedene Herkünfte: den Nerv selbst, die Gelenke des Bewegungssegments, die Bauchdecke — und Organe des Oberbauchs, deren Schmerz in dieses Gebiet projiziert wird. Die vierte Gruppe ist die häufigste und zugleich die gefährlichste, wenn sie übersehen wird.
6.1 Interkostalneuralgie im Segment Th7
Der gürtelförmige, einseitige Schmerz entlang des siebten Zwischenrippenraums ist das Leitbeschwerdebild. Er nimmt bei tiefer Einatmung, Husten, Niesen und Rumpfdrehung zu und ist oft auf Druck über dem Zwischenrippenraum auslösbar.
| Ursache | Kennzeichen | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Gürtelrose (Herpes zoster) | Brennender Schmerz, oft Tage vor dem Bläschenausschlag. Streng auf ein Hautgebiet begrenzt | Häufigste eindeutig zuzuordnende Ursache; die Brustsegmente sind der häufigste Ort [B] |
| Rippenbruch, Rippenprellung | Punktförmiger Druckschmerz über der Rippe, Schmerz beim Zusammendrücken des Brustkorbs | Häufig, meist durch die Vorgeschichte geklärt |
| Nach Brustkorb- oder Oberbaucheingriff | Schmerz im Narbengebiet, oft mit verändertem Gefühl | Häufig [B] |
| Gelenkbedingt (Wirbelgelenk, Rippenwirbelgelenk) | Bewegungs- und lageabhängig, rückennah beginnend | Häufig, aber ohne Prüfverfahren nicht zu sichern [I] |
| Einklemmung des vorderen Hautastes (ACNES) | Punktförmiger Schmerz am Rand des geraden Bauchmuskels, Carnett-Zeichen positiv | Unterschätzt, siehe 6.3 [B] |
| Zuckerbedingte Nervenschädigung des Rumpfes | Starker Schmerz, oft mit Bauchwandvorwölbung, siehe 6.4 | Selten [B] |
| Bandscheibenvorfall Th7/Th8 | Selten Wurzelschmerz allein, häufiger Rückenschmerz oder Rückenmarkszeichen | Sehr selten, siehe 6.5 [B] |
| Wirbelkörperbruch bei Knochenschwund | Plötzlicher, atemabhängiger Rückenschmerz, oft ohne Sturz | Häufig im höheren Lebensalter — die mittlere Brustwirbelsäule ist ein bevorzugter Ort [B] |
6.2 Gürtelrose und Nervenschmerz danach
- Die Brustsegmente sind der häufigste Ort der Gürtelrose. [B] Der Ausschlag bleibt in der Regel auf ein Hautgebiet und eine Körperseite begrenzt.
- Ein Befall motorischer Fasern ist selten. Kommt er vor, kann die Bauchwand auf der betroffenen Seite erschlaffen und sich vorwölben — ohne Bruchpforte. Siehe 6.6. [B]
- Der Nervenschmerz nach abgeheiltem Ausschlag (postzosterische Neuralgie) ist die häufigste bleibende Folge. Er nimmt mit dem Lebensalter deutlich zu. [B]
- Die Behandlung richtet sich nach der Leitlinie der Fachgesellschaften. Deren Gültigkeit ist abgelaufen — siehe Kapitel 11.
6.3 Einklemmung des vorderen Hautastes (ACNES)
Das anterior cutaneous nerve entrapment syndrome ist die Einklemmung des vorderen Hautastes eines Zwischenrippennervs an seiner Durchtrittsstelle durch die Rektusscheide. Betroffen sind die Nerven Th7 bis Th12 — Th7 ist der oberste. [B]
| Merkmal | Befund |
|---|---|
| Schmerzort | Punktförmig, meist unter einem Fingerkuppendurchmesser, am seitlichen Rand des geraden Bauchmuskels |
| Schmerzart | Anhaltend, stechend oder brennend, zunimmt bei Anspannung der Bauchdecke |
| Carnett-Zeichen | Positiv: Der Druckschmerz nimmt zu, wenn die Bauchdecke angespannt wird — bei Organursachen nimmt er ab [B] |
| Begleitbefund | Häufig verändertes Gefühl im umgebenden Hautbezirk |
| Betroffene | Überwiegend junge und mittlere Erwachsene, häufiger Frauen [B] |
| Auslöser | Voroperation, Narbe, Verletzung, rasche Gewichtsänderung, Schwangerschaft, erhöhter Bauchinnendruck — oft ohne erkennbaren Anlass [I] |
Warum das gerade auf dieser Seite steht. Th7 ist der erste Nerv, der überhaupt in die Bauchwand gelangt — und damit der oberste, bei dem dieses Beschwerdebild möglich ist. Ein Schmerzpunkt in der Magengrube am Rand des geraden Bauchmuskels ist deshalb ein Th7-Befund, kein Magenbefund. Die Unterscheidung gelingt am Untersuchungstisch, nicht im Ultraschall.
6.4 Zuckerbedingte Nervenschädigung des Rumpfes
Die thorakale diabetische Radikulopathie ist selten, aber für dieses Segment kennzeichnend. Sie betrifft überwiegend Männer mittleren Alters, meist die rechte Seite, und erfasst in der Regel drei bis fünf benachbarte Wurzeln zwischen Th6 und Th12. Begleitend tritt häufig ein erheblicher Gewichtsverlust auf, der nicht auf eine schlechte Blutzuckereinstellung zurückgeht. Die Beschwerden bilden sich in der Regel innerhalb von drei bis zwölf Monaten vollständig zurück. [B]
Die Zahlengrundlage ist schmal. Die genannten Angaben stammen aus einer Fallreihe von sechs Personen und aus Einzelfallberichten. Eine Häufigkeitsangabe für die Allgemeinbevölkerung liegt nicht vor. Die Angaben beschreiben also, wie das Beschwerdebild aussieht, nicht wie oft es vorkommt. [I]
6.5 Bandscheibenvorfall in Höhe Th7/Th8
| Angabe | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Häufigkeit eines beschwerdeverursachenden Brustbandscheibenvorfalls | etwa 1 Fall je 1 Million Menschen und Jahr | Entspricht 0,25 bis 0,75 Prozent aller beschwerdeverursachenden Bandscheibenvorfälle [B] |
| Verteilung über die Etagen | rund 75 Prozent unterhalb von Th8, Gipfel bei Th11/Th12 | Th7/Th8 liegt am oberen Rand des Hauptbereichs [B] |
| Zufallsbefunde in der Kernspintomografie | bei 90 beschwerdefreien Personen 73 bis 74 Prozent mit Bandscheibenveränderungen, 37 Prozent mit Vorfall, 29 Prozent mit Verformung des Rückenmarks | Der Bildbefund allein sagt nichts über die Ursache der Beschwerden [B] |
| Lebensalter | Gipfel zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahrzehnt | [B] |
Zwei Angaben in der Literatur weichen leicht voneinander ab: Manche Arbeiten geben „75 Prozent unterhalb Th8″ an, andere „75 Prozent unterhalb der Etage Th7/Th8″. Der Unterschied ist für die Einordnung ohne Bedeutung, wird hier aber genannt, statt geglättet zu werden. [I]
6.6 Vorwölbung der Bauchwand ohne Bruchpforte
Eine sichtbare, einseitige Vorwölbung der Bauchwand, die im Stehen zunimmt und im Liegen verschwindet, aber keine Lücke in der Bauchwandfaszie aufweist, heißt Pseudohernie. Sie entsteht durch den Ausfall motorischer Fasern der Bauchwandmuskeln. [B]
- Ursachen: Gürtelrose mit motorischer Beteiligung, zuckerbedingte Nervenschädigung des Rumpfes, Bandscheibenvorfall der unteren Brust- oder oberen Lendenwirbelsäule, Verletzung bei einem Eingriff, Rippenbruch. [B]
- Abgrenzung zum echten Bruch: Beim Bruch besteht eine Lücke in der Faszie, durch die Bauchinhalt austritt. Bei der Pseudohernie ist die Faszie durchgehend — die Schicht ist nur zu schwach, um dem Bauchinnendruck standzuhalten. Die Unterscheidung gelingt in der Schnittbildgebung. [B]
- Verlauf: In den beschriebenen Fällen bildete sich die Vorwölbung mit der zugrundeliegenden Nervenschädigung über Monate zurück. Die Fallzahlen sind klein. [I]
6.7 Was oft fälschlich dem Segment Th7 zugeschrieben wird
| Zuschreibung | Tatsächlich |
|---|---|
| „Magenbeschwerden durch Blockierung Th7“ | Der Schmerzweg verläuft in der Gegenrichtung: vom Organ zur Körperwand. Eine Wirkung der Behandlung an der Körperwand auf den Magen ist nicht belegt [H] |
| Beschwerden am Nabel | Hautgebiet Th10 |
| Rippengleiten (slipping rib) | Betrifft die falschen Rippen 8 bis 10, deren Knorpel nicht unmittelbar am Brustbein ansetzen. Die 7. Rippe ist die unterste mit eigener Verbindung zum Brustbein [B] |
| Beevor-Zeichen als Th7-Zeichen | Zeigt eine Schädigung unterhalb von etwa Th10 an, siehe Kapitel 03 |
| Atemnot durch „Th7-Blockierung“ | Das Zwerchfell wird über den N. phrenicus aus C3 bis C5 gesteuert. Atemnot ist kein Th7-Zeichen und immer abklärungsbedürftig |
| „Th7-Syndrom“ als eigenständige Diagnose | Für die Syndrombegriffe der Brustwirbelsäule fand eine Übersichtsarbeit (Karas und Pannone, 2017) kein gültiges Prüfverfahren. Der Begriff beschreibt eine Vermutung, keine gesicherte Einheit [H] |
Kapitel 07
Untersuchung
7.1 Die Reihenfolge entscheidet
Bei Beschwerden im Gebiet des Segments Th7 steht die Abklärung des Oberbauchs vor der Untersuchung der Wirbelsäule. Der Grund liegt in Kapitel 04: Magen, Zwölffingerdarm, Gallenwege und Bauchspeicheldrüse projizieren ihren Schmerz genau in dieses Gebiet. Eine Wirbelsäulenbehandlung, die vor dieser Abklärung beginnt, kann eine Organerkrankung verdecken.
| Schritt | Inhalt | Warum an dieser Stelle |
|---|---|---|
| 1. Vorgeschichte | Beginn, Verlauf, Abhängigkeit von Nahrungsaufnahme, Atmung, Bewegung und Körperlage; Zuckerkrankheit; frühere Eingriffe; Gewichtsverlauf | Trennt Organ, Nerv und Gelenk besser als jeder Tastbefund |
| 2. Warnzeichen | Vollständig abfragen, siehe Kapitel 09 | Entscheidet, ob überhaupt weiter untersucht oder sofort überwiesen wird |
| 3. Oberbauch | Untersuchung des Bauches, Carnett-Zeichen, gegebenenfalls Labor und Ultraschall | Klärt die häufigste Herkunft und zugleich die gefährlichste |
| 4. Haut | Prüfpunkt Th7 im Seitenvergleich, Suche nach Bläschen oder Narben | Schmerz ist aussagekräftiger als Ausfall — die Überlappung verdeckt Einzelausfälle |
| 5. Bewegungssegment | Beweglichkeit in Drehung und Seitneigung, Druck über Dornfortsatz, Quer- und Rippenwirbelgelenken, Rippenfederung | Erfasst gelenkbedingte Ursachen — ohne beweisenden Wert |
| 6. Rückenmarkszeichen | Gangbild, Reflexe an den Beinen, Bauchhautreflex im Seitenvergleich | Der enge Brustkanal macht diesen Schritt hier wichtiger als an der Lendenwirbelsäule |
7.2 Was bei Th7 prüfbar ist und was nicht
Prüfbar
- Empfindung am Prüfpunkt Th7 im Seitenvergleich, für Berührung und für spitz/stumpf
- Der obere Bauchhautreflex als Fremdreflex — er erfasst mehrere Segmente, nicht Th7 allein
- Carnett-Zeichen zur Trennung von Bauchwand und Bauchinhalt
- Druck- und Federungsschmerz über Rippe, Rippenwirbel- und Wirbelgelenk
- Sichtbare Bauchwandvorwölbung im Stehen und im Liegen
Nicht prüfbar
- Ein Kennmuskel — der Prüfstandard führt für die Brustsegmente keinen
- Ein Muskeleigenreflex — für Th7 existiert keiner
- Eine isolierte Kraft der Bauchwand für Th7 allein
- Die Segmenthöhe durch Tasten mit ausreichender Genauigkeit [I]
- Ein Organbezug durch Tastbefund an der Körperwand [H]
Der Bauchhautreflex: verlässlich in der Seite, unscharf in der Höhe. Die Lehrwerke geben die Segmentgrenzen unterschiedlich an — für den oberen Bauchhautreflex findet sich Th6 bis Th9, Th7 bis Th9, Th8 bis Th9 und Th9 bis Th10. Die Abweichung verläuft nicht zufällig zwischen einzelnen Büchern, sondern zwischen der deutschsprachigen und der englischsprachigen Lehrtradition. [I] Aussagekräftig ist deshalb nicht die Höhenzuordnung, sondern der Seitenvergleich: Ein einseitig fehlender Reflex ist ein Befund, eine Höhenbestimmung daraus ist es nicht. Zu beachten ist außerdem, dass der Reflex bei Erkrankungen der Pyramidenbahn abgeschwächt ist oder fehlt und bei Übergewicht, nach Bauchoperationen und im höheren Alter auch ohne Krankheitswert ausbleiben kann. [B]
7.3 Das Carnett-Zeichen
Der Untersuchte liegt auf dem Rücken. Die Untersucherin sucht die schmerzhafteste Stelle der Bauchdecke und hält den Finger dort. Dann hebt der Untersuchte Kopf und Schultern oder die gestreckten Beine an, wodurch sich die Bauchdecke anspannt.
- Zunahme des Schmerzes spricht für eine Ursache in der Bauchwand — die angespannte Muskulatur verengt den Kanal, in dem der Hautast läuft.
- Abnahme des Schmerzes spricht für eine Ursache im Bauchinneren — die angespannte Bauchdecke schirmt die Organe ab.
- Auch andere Bauchwandursachen erzeugen ein positives Zeichen: echter Bruch, Bluterguss der Bauchwand, Reizung der Rippenspitze. Das Zeichen trennt Wand von Inhalt, nicht ACNES von anderen Wandursachen. [B]
7.4 Weiterführende Untersuchungen
| Verfahren | Wann sinnvoll | Aussagekraft |
|---|---|---|
| Probeweise Betäubung am Schmerzpunkt | Bei Verdacht auf Einklemmung des vorderen Hautastes | In einer randomisierten Untersuchung war Lidokain der Kochsalzlösung überlegen. Das Verfahren dient zugleich der Einordnung und der Behandlung [B] |
| Elektromyografie der Bauchwandmuskeln | Bei Verdacht auf zuckerbedingte Nervenschädigung des Rumpfes | In einer Reihe von acht Betroffenen zwischen Th7 und Th12 war der Befund durchweg auffällig, in den Vergleichsgruppen unauffällig. Sehr kleine Fallzahl [B] |
| Kernspintomografie der Brustwirbelsäule | Bei Warnzeichen, bei Rückenmarkszeichen, bei anhaltenden Beschwerden ohne geklärte Ursache | Hohe Rate an Zufallsbefunden, siehe 6.5. Ohne passenden Untersuchungsbefund nicht verwertbar [B] |
| Röntgen der Brustwirbelsäule | Bei Verdacht auf Wirbelkörperbruch, insbesondere bei Knochenschwund | Beantwortet die Bruchfrage, nicht die Weichteilfrage |
| Ultraschall und Labor des Oberbauchs | Bei jedem Verdacht auf eine Organherkunft | Klärt die vorrangige Frage zuerst |
Kapitel 08
Behandlungsansätze
Es gibt keine Behandlung „des Segments Th7″. Es gibt Behandlungen der Ursache, die im Gebiet dieses Segments Beschwerden erzeugt. Die folgende Übersicht ordnet nach Ursache und nennt bei jedem Punkt, worauf er sich stützt.
8.1 Nach Ursache geordnet
| Ursache | Vorgehen | Grundlage |
|---|---|---|
| Gürtelrose | Frühe virushemmende Behandlung, Schmerzbehandlung; bei Nervenschmerz danach die dafür vorgesehenen Wirkstoffgruppen | Leitlinie der Fachgesellschaften, AWMF 013-023 — Gültigkeit abgelaufen, siehe Kapitel 11 [B] |
| Einklemmung des vorderen Hautastes (ACNES) | Zuerst Betäubung am Schmerzpunkt, gegebenenfalls wiederholt; bei anhaltenden Beschwerden Durchtrennung des Endastes | Randomisierte Untersuchungen: Lidokain besser als Kochsalzlösung; kein Zusatznutzen durch Beigabe von Kortison; in der Operationsgruppe blieben 13 von 21 Personen (61,9 Prozent) ohne weitere Behandlung schmerzfrei [B] |
| Zuckerbedingte Nervenschädigung des Rumpfes | Blutzuckereinstellung, Schmerzbehandlung mit den bei Nervenschmerz üblichen Wirkstoffen, Abwarten | Fallreihen; Rückbildung in drei bis zwölf Monaten beschrieben [B] |
| Rippenbruch, Rippenprellung | Ausreichende Schmerzbehandlung, damit tief geatmet werden kann; Atemübungen | Ziel ist die Vermeidung einer Lungenentzündung durch Schonatmung [B] |
| Gelenkbedingte Beschwerden | Bewegung, gezielte Übungen, gegebenenfalls manuelle Behandlung | Kein Prüfverfahren sichert die Gelenkherkunft; die Zuordnung bleibt eine Annahme [I] |
| Bandscheibenvorfall Th7/Th8 ohne Rückenmarkszeichen | Abwartendes Vorgehen mit Schmerzbehandlung und Bewegung | Rückbildung von Vorfällen ist auch an der Brustwirbelsäule beschrieben [B] |
| Bandscheibenvorfall mit Rückenmarkszeichen | Fachärztliche Vorstellung ohne Verzug | Der enge Brustkanal lässt wenig Spielraum, siehe Kapitel 09 |
| Wirbelkörperbruch bei Knochenschwund | Schmerzbehandlung, frühe Mobilisierung, Behandlung des Knochenschwunds | Die Behandlung des Knochenschwunds ist der Teil, der am häufigsten unterbleibt [B] |
8.2 Was die Behandlung an der Körperwand leisten kann
Belegt oder plausibel
- Linderung von Schmerzen, die aus Haut, Muskel, Rippe oder Gelenk dieses Segments stammen
- Verbesserung der Beweglichkeit des Bewegungssegments
- Erleichterung der Atmung durch Schmerzlinderung nach Rippenverletzung
- Unterbrechung des Schmerzes durch gezielte Betäubung [B]
Nicht belegt
- Eine Wirkung auf Magen, Gallenwege oder Bauchspeicheldrüse [H]
- Eine Beeinflussung der Verdauung über „Segmentbehandlung“ [H]
- Die Sicherung der Gelenkherkunft durch Ansprechen auf die Behandlung [I]
- Eine über die Segmenthöhe begründete Auswahl des Behandlungsorts [H]
Der Unterschied zwischen Linderung und Ursache. Dass eine Behandlung Beschwerden lindert, zeigt nicht, dass die vermutete Ursache die tatsächliche war. Gerade bei Beschwerden, die von selbst schwanken, ist dieser Rückschluss unzulässig. Er ist der häufigste Weg, auf dem sich Zuordnungen wie „Th7 und der Magen“ über Jahrzehnte halten. [I]
Kapitel 09
Warnzeichen
Das Gebiet des Segments Th7 ist dasjenige, in dem sich Beschwerden der Körperwand und Beschwerden lebenswichtiger Organe am stärksten überlagern. Die folgenden Zeichen erfordern eine ärztliche Abklärung, bevor irgendeine Behandlung an der Wirbelsäule beginnt.
Sofort — ohne Aufschub in eine Klinik:
- Zunehmende Schwäche oder Gefühlsstörung beider Beine, Gangunsicherheit, gesteigerte Reflexe an den Beinen. Das sind Zeichen einer Bedrängung des Rückenmarks. Der Wirbelkanal ist im Brustbereich eng — hier bleibt wenig Zeit.
- Neu aufgetretene Störung von Blase oder Mastdarm zusammen mit Rückenbeschwerden.
- Gürtelförmiger Schmerz mit einem Sensibilitätsniveau — also einer waagerechten Grenze, unterhalb derer das Gefühl verändert ist.
- Vernichtender, reißender Brust- oder Rückenschmerz mit Blutdruckunterschied zwischen den Armen oder Kreislaufzeichen. Verdacht auf eine Aufspaltung der Hauptschlagader.
- Akuter, harter Oberbauch mit Abwehrspannung, Fieber oder Kreislaufzeichen.
Bei jedem dieser Zeichen ist die Frage nach dem Segment nachrangig. Sie wird geklärt, nachdem die Gefahr ausgeschlossen ist.
9.1 Zeichen, die eine zeitnahe Abklärung erfordern
| Zeichen | Woran zu denken ist |
|---|---|
| Nächtlicher Ruheschmerz, der sich in keiner Lage bessert | Tumor, Absiedlung, Entzündung der Wirbelsäule |
| Fieber, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust | Entzündung von Bandscheibe und Wirbelkörper, Tumor, Tuberkulose |
| Krebserkrankung in der Vorgeschichte | Die Brustwirbelsäule ist der häufigste Ort von Wirbelsäulenabsiedlungen [B] |
| Plötzlicher Rückenschmerz ohne Sturz bei Knochenschwund oder Kortisonbehandlung | Wirbelkörperbruch — die mittlere Brustwirbelsäule ist ein bevorzugter Ort |
| Schmerz, der von der Nahrungsaufnahme abhängt, mit Übelkeit oder Erbrechen | Magen, Zwölffingerdarm, Gallenwege, Bauchspeicheldrüse |
| Gelbfärbung der Haut, entfärbter Stuhl, dunkler Urin | Gallenwege, Bauchspeicheldrüse |
| Einseitiger Bläschenausschlag im Hautgebiet | Gürtelrose — die frühe Behandlung entscheidet über den Verlauf |
| Neu aufgetretene einseitige Vorwölbung der Bauchwand | Ausfall motorischer Fasern: Gürtelrose, Zuckerkrankheit, Bandscheibenvorfall, siehe 6.6 |
| Atemnot, Husten mit Blut, atemabhängiger Schmerz mit Herzrasen | Lungenembolie, Rippenfellentzündung, Lungenerkrankung |
9.2 Warum diese Vorsicht gerade hier gilt
An der Lendenwirbelsäule ist die häufigste Fehlerquelle, eine Wurzelbedrängung zu übersehen. Im Segment Th7 ist die häufigste Fehlerquelle eine andere: eine Organerkrankung als „Segmentstörung“ einzuordnen. Der Grund liegt in Kapitel 04 — die Oberbauchorgane projizieren ihren Schmerz genau in dieses Gebiet, und sie tun es lange bevor ein Tastbefund am Bauch entsteht. [B]
Kapitel 10
Häufige Fragen
Wo genau liegt das Hautgebiet Th7?
Als schmales Band vom Dornfortsatz Th7 schräg nach vorn und unten um die untere Brustwand bis in die Magengrube. Der Prüfpunkt liegt in der Schlüsselbeinmittellinie im siebten Zwischenrippenraum, ungefähr auf halber Höhe zwischen dem Schwertfortsatz des Brustbeins und der Mitte zwischen Schwertfortsatz und Nabel. Der Nabel selbst gehört bereits zu Th10.
Warum gibt es für Th7 keinen Reflex und keinen Kennmuskel?
Weil jeder Muskel der Brust- und Bauchwand von mehreren benachbarten Segmenten versorgt wird. Fällt eines aus, gleichen die Nachbarn es aus, und eine Schwäche wird nicht sichtbar. Aus demselben Grund führt der internationale Prüfstandard für sämtliche Brustsegmente keine Kennmuskeln. Der einzige prüfbare Reflex ist der Bauchhautreflex, und auch er erfasst mehrere Segmente zugleich.
Kann eine Blockierung bei Th7 Magenbeschwerden verursachen?
Dafür gibt es keinen Beleg. Belegt ist der umgekehrte Weg: Ein gereizter Magen erzeugt Schmerz in der Körperwand der Segmente Th6 bis Th9, weil beide Bahnen im Rückenmark zusammenlaufen. Aus diesem Weg folgt der Gegenweg nicht — Nervenbahnen sind gerichtet. Wer anhaltende Magenbeschwerden als Segmentstörung behandelt, riskiert, eine Organerkrankung zu übersehen.
Ich habe einen punktförmigen Schmerz am Rand der Bauchmuskeln. Was kann das sein?
Wenn der Punkt sehr klein ist, der Schmerz bei angespannter Bauchdecke zunimmt und die Umgebung sich anders anfühlt, spricht das für eine Einklemmung des vorderen Hautastes eines Zwischenrippennervs. Th7 ist der oberste der dabei betroffenen Nerven. Diese Einordnung gehört in ärztliche Hand, weil sie eine Untersuchung des Bauches voraussetzt — der Befund ähnelt dem eines Organleidens.
Mein Befund lautet „Bandscheibenvorfall Th7/Th8“. Wie ernst ist das?
Das hängt vom Untersuchungsbefund ab, nicht vom Bild. Bei beschwerdefreien Menschen finden sich in der Kernspintomografie sehr häufig Bandscheibenveränderungen der Brustwirbelsäule; in einer Untersuchung von 90 solchen Personen bei rund drei Vierteln, bei gut einem Drittel sogar ein Vorfall. Entscheidend ist deshalb, ob Zeichen einer Rückenmarksbedrängung bestehen — Gangunsicherheit, Beinschwäche, eine waagerechte Gefühlsgrenze. Bestehen sie, ist der Befund dringlich. Bestehen sie nicht, ist er zunächst ein Bildbefund.
Der Dornfortsatz Th7 soll auf Höhe des Schulterblattwinkels liegen. Stimmt das?
Als Faustregel ja, bei aufrechtem Sitz und locker hängendem Arm. Das Schulterblatt gleitet aber auf dem Brustkorb: Jede Armhaltung verschiebt den Winkel. Für eine grobe Orientierung reicht die Regel, für eine gezielte Behandlung an einer bestimmten Höhe reicht sie nicht.
Was ist der Unterschied zwischen einem echten Bruch und einer Vorwölbung nach Gürtelrose?
Beim echten Bruch besteht eine Lücke in der Bauchwandfaszie, durch die Bauchinhalt austritt. Nach einer Gürtelrose mit Beteiligung motorischer Fasern kann die Bauchwand dagegen erschlaffen, ohne dass eine Lücke entsteht — die Muskelschicht ist nur zu schwach für den Bauchinnendruck. Das heißt Pseudohernie. Sichtbar wird der Unterschied in der Schnittbildgebung. Die Vorwölbung bildet sich in den beschriebenen Fällen über Monate zurück.
Warum steht auf dieser Seite so oft, dass etwas nicht belegt ist?
Weil zum Segment Th7 mehr behauptet als untersucht wurde. Diese Seite kennzeichnet jede Aussage: für eine belegte Beobachtung, [I] für eine Ableitung daraus, [H] für eine Vermutung oder ein historisches Modell. Lücken werden benannt statt gefüllt — eine erfundene Angabe sieht später aus wie eine Auskunft. [B]
Kapitel 11
Grundlage und Quellen
11.1 Wie diese Seite gebaut ist
| Kennzeichen | Bedeutung | Beispiel auf dieser Seite |
|---|---|---|
| [B] | Belegte Beobachtung aus Anatomie, Messung oder Untersuchung | Ursprung des großen Eingeweidenervs aus Th5 bis Th9 |
| [I] | Interpretation oder Ableitung aus belegten Angaben | Dass sich aus dem Faserbündel keine Etagenzuordnung zurückrechnen lässt |
| [H] | Hypothese oder historisches Modell ohne heutige Prüfung | Head-Zonen, Mackenzie-Zonen, „Th7-Syndrom“, therapeutische Gegenrichtung |
11.2 Anatomische Standardwerke
- Schünke, Schulte, Schumacher: Prometheus. LernAtlas der Anatomie — Verlauf der Zwischenrippennerven, Übertritt in die Bauchwand, Rippenwirbelgelenke
- Standring (Hrsg.): Gray’s Anatomy — Ursprungsbereich der Eingeweidenerven, Bauchwandschichten
- Bähr, Frotscher: Neurologisch-topische Diagnostik — Segmentzuordnung, Bauchhautreflex, Rückenmarkssyndrome
- Mumenthaler, Mattle: Neurologie — Interkostalneuralgie, Gürtelrose, Radikulopathien
- Preston, Shapiro: Electromyography and Neuromuscular Disorders — Elektromyografie der Rumpfmuskulatur
- Bogduk: Clinical Anatomy of the Lumbar Spine and Sacrum — Versorgung der Wirbelgelenke durch die medialen Zweige
11.3 Untersuchungen und Übersichtsarbeiten
| Quelle | Gegenstand | Verwendet in |
|---|---|---|
| Dreyfuss, Tibiletti, Dreyer 1994 (Spine), 9 Freiwillige, 40 Gelenkfüllungen | Schmerzkarte der Brustwirbelgelenke, darunter Th7/Th8 | 5.2 |
| Fukui, Ohseto, Shiotani 1997 (Reg Anesth) | Schmerzkarte der Brustwirbelgelenke bei Erkrankten — nur C7/Th1 bis Th2/Th3 und Th11/Th12 | 5.2, als Lücke |
| Young und Mitarbeiter 2008 (BMC Musculoskelet Disord) | Schmerzkarte der Rippenwirbelgelenke | 5.2 |
| Boelens und Mitarbeiter, randomisierte Untersuchungen 2011 bis 2013 | Betäubung am Schmerzpunkt gegen Kochsalzlösung; Durchtrennung des Endastes gegen Scheineingriff | 7.4, 8.1 |
| Fallreihe zur zuckerbedingten Rumpfnervenschädigung, 6 Betroffene | Verteilung Th6 bis Th12, Seitenbetonung, Rückbildung in 3 bis 12 Monaten | 6.4 |
| Reihe mit 8 Betroffenen, Elektromyografie der Bauchwandmuskeln | Auffälliger Befund bei thorakaler Radikulopathie Th7 bis Th12 | 7.4 |
| Kernspinuntersuchung an 90 beschwerdefreien Personen | 73 bis 74 Prozent Bandscheibenveränderungen, 37 Prozent Vorfall, 29 Prozent Verformung des Rückenmarks | 6.5, 10 |
| Karas, Pannone 2017, Übersichtsarbeit | Kein gültiges Prüfverfahren für die Syndrombegriffe der Brustwirbelsäule | 6.7 |
| Kellgren 1939; Inman, Saunders 1944 | Reizversuche zur Sklerotomzuordnung [H] | 5.3 |
| Internationaler Prüfstandard für Rückenmarksschädigungen (ISNCSCI), 8. Auflage | Prüfpunkte der Hautgebiete, Fehlen von Kennmuskeln in den Brustsegmenten | 3.1, 5.1 |
11.4 Leitlinien und ihre Gültigkeit
| Leitlinie | Registernummer | Stand |
|---|---|---|
| Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie | AWMF 013-023 | Abgelaufen seit 05/2024. Eine Neufassung ist angemeldet; der Veröffentlichungsstand ist vor Freigabe dieser Seite zu prüfen |
| Prävention, Diagnostik und Behandlung von Gallensteinen | AWMF 021-008 | Abgelaufen. Fassung von 2018 mit fünfjähriger Gültigkeit; im Register als abgelaufen geführt |
| Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms | AWMF 145-004 | Nur als Abgrenzung erwähnt; Stand vor Verwendung prüfen |
11.5 Benannte Lücken
- Schmerzkarte der mittleren Brustwirbelgelenke bei Erkrankten. Die vorliegende Karte stammt von neun Gesunden. Eine Untersuchung an Erkrankten fehlt für diese Höhe.
- Häufigkeitsverteilung der Ursprungsvarianten des großen Eingeweidenervs. Dass Beiträge außerhalb von Th5 bis Th9 vorkommen, ist beschrieben; wie oft, ist nicht bekannt.
- Genaue Segmentgrenzen des oberen Bauchhautreflexes. Die Lehrwerke weichen systematisch voneinander ab: deutschsprachig Th6, englischsprachig Th8 oder Th9 als oberste Höhe. Eine Untersuchung, die diese Grenzen misst, ist nicht bekannt.
- Häufigkeit der zuckerbedingten Rumpfnervenschädigung. Es liegen Fallreihen vor, keine Häufigkeitsangabe für die Bevölkerung.
- Fallzahlen der randomisierten Untersuchung zur Betäubung am Schmerzpunkt. Die Überlegenheit gegenüber Kochsalzlösung ist belegt; die genauen Gruppengrößen wurden bei dieser Bearbeitung nicht am Volltext geprüft und sind vor Veröffentlichung nachzutragen.
- Vergleichende Untersuchungen zur Gegenrichtung des Schmerzwegs. Zur Frage, ob eine Behandlung an der Körperwand auf ein Oberbauchorgan wirkt, liegt keine vergleichende Untersuchung vor.
11.6 Begriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Dermatom | Hautgebiet, das von einer Nervenwurzel versorgt wird |
| Sklerotom | Bereich aus Knochen, Knochenhaut und Bändern, der einer Wurzel zugeordnet wird |
| Ramus dorsalis / ventralis | Hinterer beziehungsweise vorderer Ast des Spinalnervs |
| N. intercostalis | Zwischenrippennerv — der vordere Ast eines Brustspinalnervs |
| N. splanchnicus major | Großer Eingeweidenerv, aus Th5 bis Th9, endet im Ganglion coeliacum |
| Ganglion coeliacum | Nervenknoten im Oberbauch, in dem die Eingeweidefasern umgeschaltet werden |
| Rami communicantes | Verbindungsäste zwischen Spinalnerv und Grenzstrang |
| Fremdreflex | Reflex, dessen Antwort nicht im gereizten Organ erfolgt — etwa der Bauchhautreflex |
| Eigenreflex | Reflex, dessen Antwort im gereizten Muskel selbst erfolgt — für Th7 nicht vorhanden |
| Carnett-Zeichen | Prüfung zur Trennung von Bauchwand- und Bauchinhaltsschmerz |
| ACNES | Einklemmung des vorderen Hautastes eines Zwischenrippennervs (Th7 bis Th12) |
| Pseudohernie | Vorwölbung der Bauchwand durch Muskelschwäche ohne Lücke in der Faszie |
| ISNCSCI | Internationaler Prüfstandard für Rückenmarksschädigungen |
| Beevor-Zeichen | Wandern des Nabels beim Aufrichten — Hinweis auf eine Schädigung unterhalb Th10 |
| Radikulopathie | Schädigung einer Nervenwurzel |
11.7 Korrekturen gegenüber verbreiteten Darstellungen
| Verbreitete Angabe | Belegter Sachstand | Grundlage |
|---|---|---|
| „Th7 versorgt den Magen“ | Th7 gehört zum Ursprungsgebiet des großen Eingeweidenervs (Th5–Th9). Eine Zuordnung einzelner Etagen zu einzelnen Organen ist daraus nicht ableitbar | Standring; Schünke [B] |
| „Die Fasern werden im Grenzstrangknoten Th7 umgeschaltet“ | Sie durchlaufen ihn und werden erst im Ganglion coeliacum umgeschaltet | Standring [B] |
| „Kennmuskel des Segments Th7 ist der gerade Bauchmuskel“ | Der Prüfstandard führt für die Brustsegmente keine Kennmuskeln; der gerade Bauchmuskel wird aus Th7 bis Th12 versorgt | ISNCSCI [B] |
| „Reflex des Segments Th7: oberer Bauchhautreflex“ | Der Bauchhautreflex ist ein Fremdreflex über mehrere Segmente. Ein Eigenreflex für Th7 existiert nicht | Bähr/Frotscher [B] |
| „Th7 versorgt die Haut um den Nabel“ | Der Nabel gehört zu Th10 | ISNCSCI [B] |
| „Th7 hat Anteil am N. intercostobrachialis“ | Dieser stammt aus Th2, seltener Th3 | Schünke [B] |
| „Das Beevor-Zeichen prüft Th7“ | Es zeigt eine Schädigung unterhalb von etwa Th10 an | Bähr/Frotscher [B] |
| „Rippengleiten betrifft die 7. Rippe“ | Betroffen sind die falschen Rippen 8 bis 10. Die 7. Rippe ist die unterste mit eigener Verbindung zum Brustbein | Standring [B] |
| „Bandscheibenvorfälle sind an der Brustwirbelsäule häufig“ | Beschwerdeverursachende Vorfälle sind sehr selten; Bildbefunde bei Beschwerdefreien sind dagegen häufig | siehe 6.5 [B] |
| „McKenzie-Zonen des Segments Th7“ | Verwechslung zweier Personen: James Mackenzie beschrieb um 1900 Reflexzonen, Robin McKenzie entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungsverfahren. Zonen für Th7 sind keiner der beiden Arbeiten zu entnehmen | [H] |
| „Viszerotom Th7“ / „Enterotom Th7“ | Für diese Begriffe existiert keine Ursprungsuntersuchung. Auf dieser Seite nicht verwendet | [H] |
| „Th7-Blockierung verursacht Atemnot“ | Das Zwerchfell wird über den N. phrenicus aus C3 bis C5 gesteuert | Schünke [B] |
11.8 Quellen und Änderungsvermerk zu den neuen Abschnitten
Quellen zu diesem Abschnitt
- Jänig W: Spinal cord integration of visceral sensory systems and sympathetic nervous system reflexes. Prog Brain Res 1986;67:255–277. — Grundlage des Reflexwegs von den Eingeweidefasern zu den sympathischen Ursprungszellen.
- Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aussage, dass das vegetative Nervensystem alle Körperteile außer der Skelettmuskulatur steuert.
- Stifani N: Motor neurons and the generation of spinal motor neuron diversity. Front Cell Neurosci 2014;8:293. — Grundlage der Aufgabenteilung zwischen motorischen Vorderhornzellen (Skelettmuskel) und vegetativen Ursprungszellen (glatte Muskulatur, Drüsen).
- Giamberardino MA, Affaitati G, Lerza R, Lapenna D, Costantini R, Vecchiet L: Relationship between pain symptoms and referred sensory and trophic changes in patients with gallbladder pathology. Pain 2005;114:239–249. — Messung von Unterhaut- und Muskeldicke im Übertragungsgebiet beim Menschen.
- Wesselmann U, Lai J: Mechanisms of referred visceral pain: uterine inflammation in the adult virgin rat results in neurogenic plasma extravasation in the skin. Pain 1997;73:309–317. — Tierbefund zu Hautveränderungen im Übertragungsgebiet und den drei möglichen Entstehungswegen.
- Fang Y, Han S, Li X, Xie Y, Zhu B, Gao X, Ma C: Cutaneous hypersensitivity as an indicator of visceral inflammation via C-nociceptor axon bifurcation. Neurosci Bull 2021;37:45–54. — Tierbefund zu gegabelten Schmerzfasern zwischen Organ und Haut sowie zur Konvergenz im Hinterhorn.
- Willis WD Jr: Dorsal root potentials and dorsal root reflexes: a double-edged sword. Exp Brain Res 1999;124:395–421. — Übersicht zum Hinterwurzelreflex und zur neurogenen Entzündung.
- Holey LA, Dixon J: Connective tissue manipulation: a review of theory and clinical evidence. J Bodyw Mov Ther 2014;18(1):112–118. — Grundlage der Einordnung der Bindegewebsmassage als Erklärungsmodell.
- Giamberardino MA: Referred muscle pain/hyperalgesia and central sensitisation. J Rehabil Med 2003;Suppl 41:85–88. — Grundlage des Modells der Reflexe zur Muskulatur.
- Roatta S, Windhorst U, Ljubisavljevic M, Johansson H, Passatore M: Sympathetic modulation of muscle spindle afferent sensitivity to stretch in rabbit jaw closing muscles. J Physiol 2002;540:237–248. — Tierbefund zur Muskelspindel.
- Macefield VG, Sverrisdottir YB, Wallin BG: Resting discharge of human muscle spindles is not modulated by increases in sympathetic drive. J Physiol 2003;551:1005–1011. — Befund am Menschen ohne Spindelveränderung.
- Hjortskov N, Skotte J, Hye-Knudsen C, Fallentin N: Sympathetic outflow enhances the stretch reflex response in the relaxed soleus muscle in humans. J Appl Physiol 2005;98:1366–1370. — Befund am Menschen mit verstärktem Dehnungsreflex.
Offene Lücken
- Welche Ursprungssegmente die Haut von Arm und Bein sympathisch versorgen, geben Fachwerke unterschiedlich an. Die Seite nennt deshalb keinen Zahlenbereich. Gray’s Anatomy stand für diese Bearbeitung nicht zur Verfügung. Die Seite bleibt deshalb bei der zahlenfreien Angabe, bis das Werk eingesehen ist.
- Von Fang et al. 2021 und Willis 1999 wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.
- Eine Untersuchung, die beim Menschen den Entstehungsweg der Veränderungen im Übertragungsgebiet klärt, wurde nicht gefunden. Ebenso wurde keine Untersuchung gefunden, die Tastbefunde nach Dicke mit gemessenen Gewebedicken vergleicht.
Fachbegriffe
- Hinterhorn — Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen.
- Nucleus intermediolateralis — Zellsäule im Seitenhorn mit den sympathischen Ursprungszellen, Th1 bis etwa L2.
- Gegabelte Empfindungsfaser — Nervenfaser, die mit zwei Ästen Organ und Haut zugleich versorgt.
- Hinterwurzelreflex — Erregung, die vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser zur Haut läuft.
- Neurogene Entzündung — Schwellung und Rötung durch Botenstoffe aus Nervenenden.
- Konvergenz — Zusammenlaufen von Fasern aus Organ und Körperoberfläche auf dieselbe Schaltzelle.
- Vorderhornzellen — Nervenzellen im Vorderhorn, die die Skelettmuskeln erregen.
- Körperwand — Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ.
- Muskelspindel — Fühler im Muskel, der die Muskellänge misst.
- Dehnungsreflex — Muskelzuckung auf plötzliche Dehnung, etwa beim Sehnenklopfen.
Änderungsvermerk
- Fassung V 0.5: Begriff „Schlüsselpunkt“ durch „Kennpunkt“ ersetzt (1 Stellen).
- Warum: Die Serie verwendet einen einzigen Begriff für die Muskeln, an denen die Kraft eines Segments geprüft wird. Die Mehrheit der Seiten sagte bereits Kennmuskel; die Entscheidung fiel für diesen Begriff.
- Ersetzt: V 0.4.
- Fassung V 0.4: Abschnitt 5.4 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu.
- Fassung V 0.4: Abschnitt 4.5 „Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt“ neu.
- Warum: Die Zonen- und Muskelbefunde des Segments sind jetzt nach Entstehungsweg getrennt und belegt; alternative Wege ohne Seitenhorn stehen gleichrangig daneben.
- Ersetzt: V 0.3.
Verwandte Segmente
Segment Th5 · Segment Th6 · Segment Th8 · Segment Th10 · Nervi intercostales
Hinweis. Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen. Bei zunehmender Beinschwäche, Gangunsicherheit, einer waagerechten Gefühlsgrenze am Rumpf, Störungen von Blase oder Mastdarm, akutem Oberbauchschmerz mit Abwehrspannung oder vernichtendem Brust- und Rückenschmerz ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.
Segment Th7 · V 0.5 · Stand: September 2026. Geändert: Begriff „Schlüsselpunkt“ durch „Kennpunkt“ ersetzt. Warum: ein einheitlicher Begriff in der ganzen Serie. Ersetzt: V 0.4 derselben Seite.