Nerven Wiki – Das Lexikon der peripheren Nerven

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Segment – Th9

Das Segment Th9 liegt dort, wo der Brustkorb in die Bauchwand übergeht. Sein vorderer Ast läuft nicht mehr nur zwischen zwei Rippen, sondern zieht als thorakoabdominaler Nerv weiter in die Bauchdecke — sein Hautgebiet endet kurz oberhalb des Nabels. Zwei Eigenheiten heben Th9 von den Nachbarsegmenten ab: Es ist die unterste Höhe, die regelhaft zum N. splanchnicus major beiträgt, und es gehört zu den häufigsten Ursprungshöhen der großen Rückenmarksarterie. Kennmuskel und Eigenreflex fehlen — wie in der gesamten Brustwirbelsäule.

Auf einen Blick

  • Austritt: Der Spinalnerv Th9 verlässt den Wirbelkanal durch das Zwischenwirbelloch Th9/Th10. Ab Th1 tritt jeder Nerv unterhalb seines gleichnamigen Wirbels aus — umgekehrt zur Halswirbelsäule. [B]
  • Höhenversatz: Das Rückenmarkssegment Th9 liegt nicht hinter dem Wirbel Th9, sondern etwa zwei bis drei Höhen weiter oben, ungefähr hinter den Wirbelkörpern Th6 und Th7. Tastbefund und sensibles Niveau können deshalb auseinanderfallen, ohne dass einer von beiden falsch wäre. [B]
  • Kein Kennmuskel, kein Eigenreflex: Der internationale Standard zur Untersuchung nach Rückenmarkschädigung führt für Th2 bis L1 keinen Kennmuskel. Die motorische Höhe wird dort aus der sensiblen abgeleitet, nicht gemessen. [B]
  • Dermatom: ein schräg verlaufendes Band zwischen Schwertfortsatz (Th6) und Nabel (Th10). Der Prüfpunkt liegt in der Schlüsselbeinmittellinie auf halber Strecke zwischen den Punkten Th8 und Th10. [B]
  • Vegetativ: Th9 ist die unterste Höhe, die regelhaft zum N. splanchnicus major gehört (Th5 bis Th9) und damit zum Einzugsbereich des Ganglion coeliacum. Diese Spanne ist eine Lehrbuchkonvention: In einer Präparationsreihe fand sich genau dieses Muster nur bei rund einem Fünftel der Fälle. [B]
  • Gefäßversorgung: Die A. radicularis magna (Adamkiewicz-Arterie) entspringt am häufigsten zwischen den Höhen Th9 und Th12. Th9 ist eines der häufigsten Einzelniveaus überhaupt. Das macht diese Etage zu einer Schlüsselhöhe der Rückenmarksdurchblutung. [B]
  • Beevor-Zeichen: Wandert der Nabel beim Aufrichten nach oben, liegt die Störung bei Th10 und tiefer. Bei einer reinen Th9-Schädigung bleibt das Zeichen negativ — es grenzt Th9 nach unten ab. [B]
  • Bauchdeckenreflexe: Th9 wird von mehreren Etagen zugleich miterfasst — nach deutschsprachiger Zuordnung vom oberen und vom mittleren Reflex, nach englischsprachiger nur vom oberen. [I] Nie allein, und in jedem Fall als Fremdreflex, nicht als Eigenreflex. [B]
  • Neunte Rippe: eine falsche Rippe. Ihr Knorpel erreicht das Brustbein nicht, sondern hängt am Knorpel darüber. Daraus entsteht das Slipping-Rib-Syndrom der Rippen 8 bis 10. [B]
  • Häufigster Ernstfall dieser Höhe: nicht der Bandscheibenvorfall, sondern die osteoporotische Wirbelkörperfraktur. Th9 gehört zum mittleren der beiden Häufigkeitsgipfel der Wirbelsäule. [B]
  • Richtung der Schmerzübertragung: Belegt ist der Weg vom Organ zur Körperwand. Die Umkehrung — Behandlung der Wand zur Beeinflussung des Organs — folgt daraus nicht. [H]

Kapitel 01

Anatomie des Segments Th9

1.1 Drei Bedeutungen von „Th9“

Der Ausdruck „Th9“ bezeichnet drei verschiedene Dinge. Wer sie vermischt, rechnet Höhen falsch — und im Brustbereich ist der Abstand zwischen ihnen am größten.

  • Der Wirbel Th9 — der neunte Brustwirbel. Er ist der Bezugspunkt jeder Höhenangabe in Befund und Bildgebung.
  • Das Rückenmarkssegment Th9 — der Abschnitt des Rückenmarks, aus dem die Wurzelfäden des neunten Brustnervs hervorgehen. Es liegt nicht hinter dem Wirbel Th9, sondern etwa zwei bis drei Wirbelhöhen weiter oben, ungefähr hinter den Wirbelkörpern Th6 und Th7. [B]
  • Der Spinalnerv Th9 — er entsteht im Zwischenwirbelloch zwischen Th9 und Th10 und teilt sich sofort in einen hinteren und einen vorderen Ast. Der vordere Ast ist der neunte Interkostalnerv.

Warum der Versatz gerade hier zählt. Das Rückenmark ist kürzer als der Wirbelkanal und endet beim Erwachsenen in Höhe L1/L2. Nach unten hin wächst deshalb der Abstand zwischen Wirbelnummer und Segmentnummer: In der oberen Brustwirbelsäule beträgt er etwa zwei Höhen, in der unteren etwa drei. Th9 liegt im Übergang zwischen beiden Größenordnungen. [B]

Praktisch heißt das: Eine Raumforderung, die das Rückenmarkssegment Th9 trifft, liegt in Höhe der Wirbel Th6 bis Th7. Umgekehrt schädigt eine Raumforderung in Höhe des Wirbels Th9 ein Rückenmarkssegment um Th11 bis Th12 — und erzeugt ein sensibles Niveau unterhalb des Nabels statt oberhalb.

Diese Verschiebung ist der häufigste Grund dafür, dass ein tastbarer Befund und ein sensibles Niveau nicht zusammenpassen. Beide Angaben können richtig sein; sie messen verschiedene Dinge.

1.2 Der neunte Brustwirbel

Th9 ist ein typischer Brustwirbel mit einer Besonderheit am Übergang. Sein Körper trägt Gelenkflächen für die Rippenköpfe, sein Querfortsatz eine Gelenkfläche für den Rippenhöcker. Nach unten hin ändert sich diese Ausstattung: Die Gelenkflächen am Querfortsatz verschwinden ab etwa Th11, und die untere Halbgelenkfläche am Wirbelkörper kann bereits bei Th9 fehlen. [B]

MerkmalBefund bei Th9Bedeutung
Rippengelenke am Wirbelkörperobere und meist auch untere Halbgelenkfläche vorhanden; die untere kann fehlenTh9 ist der Übergangswirbel dieser Bauform
Gelenkfläche am Querfortsatzvorhandendie Rippe ist zweifach am Wirbel verankert, das begrenzt die Beweglichkeit
Stellung der kleinen Wirbelgelenkeannähernd in der Frontalebene, nach unten zunehmend steilererlaubt Drehung, begrenzt Beugung — umgekehrt zur Lendenwirbelsäule
Weite des Wirbelkanalsim mittleren Brustbereich am engstenwenig Ausweichraum; eine Raumforderung trifft das Rückenmark früh
Dornfortsatzlang, steil nach unten geneigtdie Dornfortsatzspitze Th9 liegt tastbar etwa in Höhe des Wirbelkörpers Th10
Die letzte Zeile ist eine häufige Fehlerquelle beim Abzählen am liegenden Menschen: Der tastbare Dornfortsatz und der zugehörige Wirbelkörper liegen in der mittleren Brustwirbelsäule rund eine Höhe auseinander.

1.3 Die neunte Rippe

Die neunte Rippe ist eine falsche Rippe (Costa spuria). Ihr Knorpel erreicht das Brustbein nicht unmittelbar, sondern setzt am Knorpel der achten Rippe an. Die Rippen 8, 9 und 10 hängen so in einer Kette, die vorn nur durch Bindegewebe zusammengehalten wird. [B]

Warum diese Bauform ein eigenes Beschwerdebild erzeugt. Löst sich die knorpelige Verbindung zwischen zwei dieser Rippen, kann die Rippenspitze bei Bewegung über die benachbarte gleiten. Das ist das Slipping-Rib-Syndrom — ein Schmerz am unteren Rippenbogen, der stechend einschießt und in die Bauchwand zieht. Es betrifft fast ausschließlich die Rippen 8 bis 10. Röntgen- und Schnittbilder sind dabei regelhaft unauffällig; das Bild ist kein Ausschlusskriterium. [B]

1.4 Beweglichkeit der Etage

Die Brustwirbelsäule ist kein starrer Block, aber ihre Bewegung verteilt sich anders als in Hals- und Lendenwirbelsäule. Die folgenden Werte stammen aus einer Präparatestudie, die alle Bewegungssegmente der Brustwirbelsäule einzeln unter gleichen Bedingungen geprüft hat, jeweils mit erhaltenen Rippenwirbelgelenken.

BewegungsrichtungGrößenordnung im Bereich Th8 bis Th10Einordnung
Beugen und Streckenetwa 6 bis 8°über die ganze Brustwirbelsäule annähernd gleich, außer Th1/Th2
Seitneigungetwa 8 bis 9°in der unteren Brustwirbelsäule geringer als in der oberen (dort 10 bis 12°)
Drehungetwa 10 bis 12°die größte Einzelbewegung der Brustwirbelsäule; sie nimmt erst ab Th10 deutlich ab
Werte als Größenordnung nach einer In-vitro-Untersuchung an 68 Bewegungssegmenten unter reinen Momenten von ±7,5 Nm (Wilke u. a. 2017). Sie beschreiben einzelne Bewegungssegmente im Versuch, nicht die Beweglichkeit eines lebenden Menschen unter Muskelzug. [B] für die Messwerte, [I] für jede Übertragung auf den Einzelfall.

Die Drehung ist damit die Leitbewegung dieser Höhe. Das erklärt, warum Drehbewegungen des Rumpfes Beschwerden dieser Etage eher auslösen als reines Vorbeugen. [I]

1.5 Blutversorgung — die Schlüsselhöhe der Wirbelsäule

Das Rückenmark wird vorn von einer einzigen Arterie versorgt, der A. spinalis anterior. Sie erhält auf ihrem Weg nach unten Zuflüsse aus Segmentarterien. Der stärkste dieser Zuflüsse heißt A. radicularis magna oder Adamkiewicz-Arterie.

AngabeBefundQuelle
Vorhandenseinbei rund 85 % der Untersuchten nachweisbarMetaanalyse anatomischer Reihen
Zahlmeist einzeln (rund 87 %), doppelt bei rund 11 %dieselbe Metaanalyse
Seitelinks bei rund 77 %dieselbe Metaanalyse
Ursprungshöhezwischen Th8 und L1 bei rund 89 %; Th9 ist mit rund 22 % das häufigste Einzelniveaudieselbe Metaanalyse
Verteilung im EinzelnenTh9 rund 19 %, Th10 rund 23 %, Th11 rund 25 %Präparationsreihe an 120 Gefäßen
Th9 gehört damit zum engsten Bereich, in dem die Hauptzuflussarterie des unteren Rückenmarks entspringt. [B]

Was daraus folgt — und was nicht. Belegt ist: Der Abschnitt zwischen mittlerer Brustwirbelsäule und Zwerchfellhöhe ist ein Gebiet mit knapper Reserve, weil hier wenige große Zuflüsse ein langes Stück Rückenmark versorgen. Wird die Arterie bei einem Eingriff an der Hauptschlagader oder an der Wirbelsäule unterbrochen, kann daraus ein Querschnittsbild entstehen. [B]

Nicht belegt ist jede Übertragung dieses Gefäßbefundes auf alltägliche Rückenbeschwerden in Höhe Th9. Die Lage der Arterie erklärt ein seltenes, schweres Ereignis — sie erklärt keinen bewegungsabhängigen Schmerz. [I]

Kapitel 02

Nervenversorgung

2.1 Der Spinalnerv Th9 und seine beiden Äste

Im Zwischenwirbelloch Th9/Th10 vereinigen sich die vordere und die hintere Wurzel zum Spinalnerv Th9. Er ist nur wenige Millimeter lang und teilt sich sofort.

AstVerlaufVersorgt
R. dorsalis (hinterer Ast)zieht nach hinten zwischen den Querfortsätzen hindurch, teilt sich in einen inneren und einen äußeren Asttiefe Rückenmuskeln der Etage, kleine Wirbelgelenke, Haut neben der Wirbelsäule
R. ventralis (vorderer Ast) = 9. Interkostalnervläuft am Unterrand der neunten Rippe in der Gefäß-Nerven-Rinne nach vorn und verlässt den Zwischenrippenraum, um in die Bauchwand einzutretenZwischenrippenmuskeln, Bauchwandmuskeln, Haut der seitlichen und vorderen Bauchwand, Bauchfell der Wand
R. meningeus (Sinuvertebralnerv)kehrt in den Wirbelkanal zurückhinteres Längsband, äußere Bandscheibenschichten, Rückenmarkshäute
R. communicans albus und griseusVerbindung zum Grenzstrangvegetative Fasern — siehe Kapitel 04
Die dritte Zeile wird häufig übergangen. Der Sinuvertebralnerv erklärt, warum Bandscheibe und hinteres Längsband schmerzempfindlich sind, ohne dass eine Nervenwurzel bedrängt sein muss.

2.2 Der neunte Interkostalnerv wird zum Bauchwandnerv

Ab Th7 verlassen die vorderen Äste den Zwischenrippenraum und ziehen in die Bauchwand weiter. Sie heißen deshalb thorakoabdominale Nerven. Th9 gehört zu dieser Gruppe. [B]

  • Der Nerv verlässt den Zwischenrippenraum hinter dem Rippenknorpel und tritt in die Schicht zwischen dem M. transversus abdominis und dem M. obliquus internus abdominis ein.
  • In dieser Schicht läuft er schräg nach vorn unten bis zum seitlichen Rand der Rektusscheide.
  • Dort durchbohrt er die hintere Wand der Rektusscheide, versorgt den geraden Bauchmuskel und tritt als R. cutaneus anterior durch die vordere Wand an die Haut.
  • Auf halbem Weg gibt er den R. cutaneus lateralis ab, der die seitliche Bauchwand versorgt und sich in einen vorderen und einen hinteren Zweig teilt.

Die Engstelle am Rand der Rektusscheide. Der vordere Hautast tritt in einem engen Faserkanal durch die Rektusscheide und macht dabei eine annähernd rechtwinklige Wendung. Wird er dort eingeklemmt, entsteht ein umschriebener, brennender Bauchdeckenschmerz — das ACNES (Anterior Cutaneous Nerve Entrapment Syndrome). Es betrifft die Höhen Th7 bis Th12 und ist eine der am häufigsten übersehenen Ursachen chronischer Bauchschmerzen. [B]

2.3 Was der Nerv außerdem führt

Der neunte Interkostalnerv ist ein gemischter Nerv. Neben Bewegungs- und Hautfasern führt er sensible Fasern zum Bauchfell der Wand (Peritoneum parietale) und zum äußeren Rand des Zwerchfells. Diese Doppelrolle erklärt, warum eine Reizung des Wandbauchfells als Schmerz im Hautgebiet desselben Segments empfunden werden kann. [B]

ZielgebietFasertypKlinische Folge
Haut zwischen Rippenbogen und NabelsensibelGürtelband des Dermatoms Th9, Ort von Zoster und Wurzelreizung
Zwischenrippen- und BauchwandmuskelnmotorischBeitrag zur Bauchpresse und zur Ausatmung; einzeln nicht prüfbar
Bauchfell der Wand im eigenen Streifensensibelscharf lokalisierbarer Schmerz bei Reizung — anders als beim Organbauchfell
Äußerer Rand des ZwerchfellssensibelReizung wird in die untere Brustwand projiziert, nicht in die Schulter
Rippenwirbel- und kleine Wirbelgelenkesensibel über den R. dorsalisdumpfer, tiefer Rückenschmerz ohne Missempfindung
Die vorletzte Zeile trennt Th9 vom N. phrenicus: Die Mitte des Zwerchfells gehört zu C3 bis C5 und meldet sich in der Schulter, der äußere Rand gehört zu den unteren Interkostalnerven und meldet sich an der Brustwand.

Kapitel 03

Muskeln und Reflexe

3.1 Warum es keinen Kennmuskel Th9 gibt

Kein Kennmuskel, keine Kraftgradzahl. Der internationale Standard zur neurologischen Untersuchung nach Rückenmarkschädigung führt Kennmuskeln nur für C5 bis Th1 und für L2 bis S1. Für Th2 bis L1 — und damit für Th9 — ist keiner vorgesehen. Die motorische Höhe wird in diesem Bereich aus der sensiblen abgeleitet, nicht gemessen. [B]

Der Grund ist anatomisch: Die Muskeln der Brust- und Bauchwand werden von mehreren benachbarten Segmenten gemeinsam versorgt und lassen sich nicht einzeln gegen Widerstand prüfen. Ein „Kraftgrad Th9“ ist deshalb keine Größe, die es gibt.

3.2 Was das Segment Th9 tatsächlich versorgt

MuskelAufgabeVersorgung
Mm. intercostales externi, interni, intimi des 9. ZwischenrippenraumsBewegung der Rippen bei der Atmung, Stabilisierung der BrustwandR. ventralis Th9 (9. Interkostalnerv)
Mm. subcostalesüberspringen an der hinteren Brustwand einen oder zwei Zwischenrippenräumebenachbarte Interkostalnerven, darunter Th9
Mm. levatores costarumheben die Rippe vom Querfortsatz ausRr. dorsales der benachbarten Brustnerven
M. serratus posterior inferiorzieht die unteren Rippen nach hinten untenInterkostalnerven Th9 bis Th12 — hier gehört Th9 zur obersten Wurzel
Bauchwandmuskeln: Mm. obliquus externus, obliquus internus, transversus abdominis, rectus abdominisBauchpresse, Rumpfstabilisierung, Ausatmungsegmentaler Anteil aus Th9, gemeinsam mit Th7 bis L1
Tiefe Rückenmuskulatur der Etage (Mm. multifidi, rotatores, Longissimus-Anteile)Feineinstellung und Sicherung des BewegungssegmentsR. dorsalis Th9
Der Anteil von Th9 an der Bauchwand ist real, aber nicht isoliert prüfbar. Kein Bauchmuskel wird von einem einzigen Segment versorgt. [B]

3.3 Die Bauchdeckenreflexe

Th9 hat keinen Eigenreflex. Es gibt aber einen Fremdreflex, der diese Höhe abdeckt: den Bauchdeckenreflex. Bestrichen wird die Bauchhaut von seitlich zur Mittellinie hin; die Bauchdecke zuckt zur gereizten Seite.

EtageOrt der ReizungAngabe deutschsprachiger WerkeAngabe englischsprachiger Werke
Oberedicht unterhalb des RippenbogensTh6 bis Th9Th8 bis Th9; nach anderer Angabe Th9 bis Th10
Mittlerein NabelhöheTh9 bis Th11meist keine eigene Etage geführt
Untereoberhalb des LeistenbandesTh11 bis Th12; einzelne Darstellungen bis L1Th11 bis Th12
AussagekraftVerwertbar sind allein der Seitenvergleich und die Höhenstufung. Das Fehlen an sich ist kein Segmentbefund: Der Reflex fehlt auch bei Gesunden häufig und erlischt zudem bei Schädigungen oberhalb der geprüften Höhe. [B]
Th9 liegt nach der deutschsprachigen Zuordnung an der Grenze zweier Etagen zugleich. Auch danach trennt kein einzelner Reflexbefund Th9 von seinen Nachbarn. Die Segmentgrenzen der Etagen sind in der Literatur nicht einheitlich: Deutschsprachige und englischsprachige Standardwerke setzen die obere Grenze systematisch verschieden an. Eine Untersuchung, die diese Grenze misst statt sie zu setzen, liegt nicht vor. Die Angaben stehen deshalb als Interpretation, nicht als gesicherter Wert. [I]

Was der Reflexbefund nicht kann. Bauchdeckenreflexe fehlen auch bei Gesunden häufig — mit zunehmendem Alter, nach Schwangerschaften, nach Bauchoperationen und bei kräftigem Fettpolster. Ein fehlender Reflex belegt für sich genommen nichts. Verwertbar sind allein Seitenunterschiede und der Wechsel zwischen den drei Höhen. [B]

Hinzu kommt eine Richtungsfalle: Bauchdeckenreflexe erlöschen auch bei Schädigungen oberhalb der geprüften Höhe, weil sie über eine Schleife durch das Gehirn laufen. Ihr Ausfall zeigt eine Bahnstörung an, nicht zwingend eine Störung des geprüften Segments. [B]

3.4 Das Beevor-Zeichen — die Grenze nach unten

Ein Befund grenzt Th9 präziser ab als jeder Reflex: das Beevor-Zeichen. Der Mensch liegt auf dem Rücken und hebt den Kopf oder richtet sich ohne Zuhilfenahme der Arme auf. Beobachtet wird der Nabel.

BefundBedeutungBeleglage
Nabel bleibt stehenkein Hinweis auf ein Ungleichgewicht der Bauchmuskulatur[B]
Nabel wandert nach oben (mehr als etwa 1 cm)der untere Anteil des geraden Bauchmuskels ist schwach, der obere zieht ihn nach oben — Störung ab Th10 abwärts[B]
Nabel wandert nach unten (umgekehrtes Zeichen)der obere Anteil ist schwach — Störung oberhalb der Nabelhöhe, seltener beschrieben [I]
Klassisch wird das nach oben gerichtete Beevor-Zeichen einer Rückenmarksstörung zwischen Th10 und Th12 zugeordnet. Für Th9 heißt das: Bei einer reinen Th9-Schädigung ist das Zeichen negativ. Es ist damit ein Ausschlusskriterium nach unten, kein Nachweis von Th9.

Das Zeichen ist nicht auf Rückenmarksschädigungen beschränkt. Es kommt auch bei Muskelerkrankungen vor, die die Bauchmuskeln ungleich betreffen — am bekanntesten bei der fazioskapulohumeralen Muskeldystrophie. Ein positives Beevor-Zeichen ist deshalb ein Hinweis auf ein Ungleichgewicht, keine Höhenangabe für sich allein. [B]

3.5 Zwerchfell — was aus Th9 stammt und was nicht

Th9 bewegt das Zwerchfell nicht. Die Bewegung des Zwerchfells kommt über den N. phrenicus aus C3 bis C5. Aus Th9 stammen ausschließlich sensible Fasern für den äußeren Rand des Zwerchfells und für das angrenzende Rippenfell. Eine Atemschwäche ist deshalb nie Folge einer Th9-Schädigung. [B]

3.6 Ausstrahlungskarten der Muskulatur

Für die Rücken- und Bauchwandmuskulatur dieser Höhe bestehen Karten, die Ausstrahlungsgebiete von Muskelverhärtungen beschreiben. Sie stammen aus der Triggerpunkt-Literatur und beruhen auf Beobachtungsreihen einzelner Untersucher.

Diese Karten werden hier genannt, weil sie verbreitet sind, und ausdrücklich als [H] gekennzeichnet. Die Übereinstimmung verschiedener Untersucher beim Auffinden von Triggerpunkten ist gering; eine von der Segmentzuordnung unabhängige Prüfung liegt nicht vor. Aus ihnen wird auf dieser Seite keine Aussage abgeleitet.

Kapitel 04

Vegetative Bezüge

4.1 Der Weg der sympathischen Fasern

Th9 gehört zu den Segmenten mit einem eigenen vegetativen Anschluss. Die vorgeschalteten sympathischen Zellen liegen im Seitenhorn des Rückenmarks, das von Th1 bis etwa L2 reicht. Ihre Fasern verlassen das Rückenmark mit der vorderen Wurzel und erreichen über den weißen Verbindungsast den Grenzstrang. [B]

  • Im Grenzstrang umgeschaltet: Fasern für Gefäße, Schweißdrüsen und Haaraufrichter der eigenen Körperwand. Sie kehren über den grauen Verbindungsast zum Spinalnerv Th9 zurück und ziehen mit ihm ins Hautgebiet. [B]
  • Ohne Umschaltung durchgezogen: Fasern, die als N. splanchnicus major weiterlaufen und erst im Ganglion coeliacum umgeschaltet werden. Dies ist der Weg zu den Oberbauchorganen. [B]

4.2 Th9 und der große Eingeweidenerv

Nach den Standardwerken wird der N. splanchnicus major aus den Höhen Th5 bis Th9 gebildet. Th9 ist damit die unterste regelhaft beteiligte Höhe; darunter beginnt mit Th10 und Th11 der N. splanchnicus minor, aus Th12 kommt der N. splanchnicus imus. [B]

NervHöhen nach LehrbuchUmschaltungAnteil von Th9
N. splanchnicus majorTh5 bis Th9Ganglion coeliacumunterste beteiligte Höhe
N. splanchnicus minorTh10 bis Th11Ganglion aorticorenale, teils Ganglion coeliacumkeiner
N. splanchnicus imusTh12Ganglion aorticorenale, Nierengeflechtkeiner
Nn. splanchnici lumbalesL1 bis L2Ganglion mesentericum inferius, Beckengeflechtekeiner
Die Tabelle zeigt eine Ordnung, keine Zuständigkeit. Th9 ist ein Zufluss unter fünf zum großen Eingeweidenerv — daraus folgt keine Verantwortung für ein einzelnes Organ.

Die Lehrbuchspanne ist eine Konvention, kein Messwert. Eine Präparationsreihe an menschlichen Grenzsträngen fand das Muster Th5 bis Th9 nur bei rund 21 % der untersuchten Seiten. Häufiger war das Muster Th6 bis Th10 mit rund 36 %; weitere Muster kamen hinzu. Der oberste Zufluss ist mit Th4 oder Th5 beschrieben, der unterste kann bis Th12 reichen. [B]

Praktische Folge: Die Angabe „Th5 bis Th9“ beschreibt den häufigsten Bereich, nicht die Anatomie eines einzelnen Menschen. Eine Aussage der Form „bei dieser Person gehört Th9 zum großen Eingeweidenerv“ lässt sich am Lebenden nicht prüfen. [I]

4.3 Welche Organe über diesen Weg erreicht werden

OrganSympathischer ZuflussParasympathischBeitrag von Th9
MagenTh5 bis Th9 über den N. splanchnicus majorN. vagusZufluss unter mehreren
Zwölffingerdarm, BauchspeicheldrüseTh5 bis Th9N. vagusZufluss unter mehreren
Leber, Gallenblase, GallenwegeTh5 bis Th9N. vagusZufluss unter mehreren
MilzTh5 bis Th9—Zufluss unter mehreren
Nieren, Harnleiter obenüberwiegend Th10 bis L1—kein regelhafter
Dünndarm bis zur rechten DickdarmbiegungTh9 bis Th11 über beide EingeweidenervenN. vagusRandbeteiligung an der oberen Grenze
Haut, Gefäße und Schweißdrüsen des eigenen GürtelsUmschaltung im Grenzstrang Th9—vollständig — der einzige Bereich, für den Th9 allein zuständig ist
Die letzte Zeile ist der belegte vegetative Eigenbereich von Th9: die eigene Körperwand. Alle übrigen Zeilen beschreiben Beteiligungen, keine Zuordnungen.

4.4 Die Richtung der Übertragung

Aus dem gemeinsamen Weg von Organ- und Wandfasern folgt eine belegte Erscheinung: Schmerz aus einem Oberbauchorgan kann in der Körperwand desselben Segmentbereichs empfunden werden. Dieser Weg ist anatomisch nachvollziehbar und klinisch täglich zu beobachten. [B]

Die Umkehrung folgt daraus nicht. Aus der Tatsache, dass ein erkranktes Organ Schmerz in die Bauchwand sendet, folgt nicht, dass eine Behandlung der Bauchwand oder der Wirbelsäule in Höhe Th9 die Funktion von Magen, Leber oder Gallenblase verändert. Für diese Richtung liegt kein tragfähiger Beleg vor; sie wird auf dieser Seite durchgehend mit [H] gekennzeichnet.

Der Unterschied ist nicht sprachlich, sondern anatomisch: Die Übertragung geschieht über sensible Fasern, die zum Rückenmark laufen. Eine Beeinflussung des Organs müsste dagegen über steuernde Fasern erfolgen, die vom Rückenmark weglaufen. Ein Reiz an der Körperwand erreicht diese Fasern nicht.

4.5 Was Th9 vegetativ nicht leistet

  • Keine Steuerung von Blase, Enddarm oder Geschlechtsorganen. Der sympathische Anteil stammt aus Th11 bis L2, der parasympathische aus S2 bis S4. [B]
  • Keine Steuerung von Herz oder Lunge. Diese wird über die oberen Brustsegmente vermittelt, im Wesentlichen Th1 bis Th5. [B]
  • Keine Schweißsteuerung der Hände. Sie gehört zu Th2 bis Th4. Eingriffe am Grenzstrang wegen übermäßigen Handschwitzens betreffen diese Höhen, nicht Th9. [B]

4.6 Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt

Die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis sind die letzte Umschaltstelle im Rückenmark, bevor ein sympathischer Befehl den Körper erreicht. Sie arbeiten nicht selbstständig. Was sie weitergeben, hängt von drei Zuflüssen ab.

Zufluss aus dem Gehirn. Fünf Zellgruppen versorgen die gesamte sympathische Ausfuhr: der Nucleus paraventricularis des Hypothalamus, die A5-Zellgruppe, die hintere Raphe sowie die vordere seitliche und die vordere mittige verlängerte Medulla. Sie gelten als der beherrschende Zufluss. [B]

Zufluss aus dem eigenen Segment. Schaltzellen in der Nähe der Ursprungszellen leiten Meldungen aus Organen, Haut und Muskeln weiter. Eingeweidefasern erreichen die Ursprungszellen in der Regel nicht unmittelbar, sondern über solche Zwischenzellen. Das ist der Weg, den Kapitel 05 für die Zonen beschreibt. [B]

Zufluss aus anderen Rückenmarkshöhen. Im Tierversuch stammen 8 bis 20 von 100 erregenden Kontakten an den Brust-Ursprungszellen von Schaltzellen des Lendenmarks, die zum Gehprogramm gehören. Der Zufluss ist nach Höhen geordnet. [B]

Was hinausgeht. Die Ursprungszellen des Segments Th9 geben ihre Erregung über die vordere Wurzel und den weißen Verbindungsast an den Grenzstrang ab. Sympathische Wirkungen sind unter anderem: Engstellung der Gefäße, Schweißbildung, Aufrichten der Haare, Wirkungen an inneren Organen und Ausschüttung aus dem Nebennierenmark. Welche davon auf Th9 entfallen, steht oben in diesem Kapitel. [B]

Aus der Verrechnung dieser Zuflüsse folgt zweierlei. Ein Reiz aus einem Organ ist nur ein Eingang unter mehreren und wird mit der Steuerung aus dem Gehirn verrechnet. Und aus einem Befund an der Körperoberfläche lässt sich nicht auf eine einzelne Etage zurückschließen. [I]

Wie stark der Zufluss aus dem Gehirn wiegt, zeigt sich nach einer Querschnittlähmung. Unterhalb der Verletzung gehen die Bahnen aus dem Gehirn zu den Ursprungszellen weitgehend verloren. Blutdruckregelung, Blasen- und Darmsteuerung sind danach gestört, während die Ursprungszellen selbst weiterarbeiten. [B]

Quellen zu diesem Abschnitt

  • Strack AM, Sawyer WB, Hughes JH, Platt KB, Loewy AD: A general pattern of CNS innervation of the sympathetic outflow demonstrated by transneuronal pseudorabies viral infections. Brain Res 1989;491:156–162. — Grundlage der fünf Zellgruppen in Hypothalamus und Hirnstamm.
  • Llewellyn-Smith IJ: Anatomy of synaptic circuits controlling the activity of sympathetic preganglionic neurons. J Chem Neuroanat 2009;38:231–239. — Grundlage der Zuflüsse aus Gehirn und Rückenmark.
  • Chacon C, Nwachukwu CV, Shahsavani N, Cowley KC, Chopek JW: Lumbar V3 interneurons provide direct excitatory synaptic input onto thoracic sympathetic preganglionic neurons. Front Neural Circuits 2023;17:1235181. — Grundlage des Zuflusses aus anderen Rückenmarkshöhen.
  • Llewellyn-Smith IJ: Effects of spinal cord injury on synaptic inputs to sympathetic preganglionic neurons. Prog Brain Res 2006;152:11–26. — Grundlage der Aussage zum Verlust der Bahnen aus dem Gehirn nach Querschnittlähmung.
  • Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aufzählung der sympathischen Wirkungen.

Offene Lücken

  • Die Befunde zu den Zuflüssen stammen aus Tierversuchen an Ratten und Mäusen. Zahlen zum Anteil der einzelnen Zuflüsse beim Menschen liegen nicht vor.
  • Von den fünf Arbeiten dieses Abschnitts wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.

Kapitel 05

Dermatom, Sklerotom, Reflexzonen

5.1 Das Hautgebiet von Th9

Das Dermatom Th9 ist ein Band, das von der Wirbelsäule aus schräg nach vorn und unten zieht. Hinten liegt es etwa in Höhe des Dornfortsatzes Th9, vorne oberhalb des Nabels. [B]

HöhenmarkeSegmentBemerkung
SchlüsselbeinC4 / Th2-Grenzezwischen C4 und Th2 besteht vorne eine Lücke, weil die dazwischenliegenden Segmente in den Arm ziehen
BrustwarzeTh4verlässlichste Marke des oberen Brustbereichs
SchwertfortsatzTh6Übergang zur unteren Brustwand
Halbe Strecke Schwertfortsatz–NabelTh8Bezugspunkt für die Zählung nach unten
Zwischen Th8-Punkt und NabelTh9der Prüfpunkt dieses Segments — er hat keine eigene tastbare Marke und wird durch Abzählen bestimmt
NabelTh10die zweite verlässliche Marke der Bauchwand
LeistenbandTh12 / L1untere Grenze der Bauchwandsegmente
Th9 ist eines der Segmente ohne eigene tastbare Marke. Es wird zwischen zwei Marken eingeordnet — Schwertfortsatz und Nabel — und deshalb in der Praxis häufiger falsch gezählt als Th4, Th6 oder Th10.

Nach dem internationalen Standard zur Untersuchung nach Rückenmarksschädigung wird der Prüfpunkt Th9 in der Schlüsselbeinmittellinie gesetzt, auf halbem Weg zwischen den Punkten Th8 und Th10. Geprüft werden Berührungsempfinden und Spitz-stumpf-Unterscheidung im Seitenvergleich. [B]

Die Bänder überlappen. Jedes Hautgebiet wird von zwei bis drei benachbarten Wurzeln mitversorgt. Fällt eine einzelne Wurzel aus, entsteht deshalb meist keine vollständige Gefühllosigkeit, sondern ein schmaler Streifen verminderter Empfindung — oder gar kein messbarer Ausfall. [B]

Umgekehrt gilt: Ein deutlich abgrenzbares sensibles Niveau spricht nicht für eine einzelne Wurzel, sondern für eine Schädigung des Rückenmarks selbst. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen einem harmlosen und einem dringlichen Befund dieser Höhe (Kapitel 09).

5.2 Tiefe Gewebe: das Sklerotom

Neben der Haut versorgt jedes Segment auch tiefe Gewebe — Knochenhaut, Bänder, Gelenkkapseln. Die Schmerzgebiete dieser Strukturen decken sich nicht mit dem Hautgebiet. Sie sind unschärfer, tiefer empfunden und schlechter zu lokalisieren.

StrukturSchmerzgebietBeleglage
Nervenwurzel Th9gürtelförmiges Band von der Wirbelsäule bis oberhalb des Nabels; scharf, oft mit MissempfindungStandardwerke, klinische Beobachtung [B]
Wirbelgelenke Th8/Th9 und Th9/Th10tief neben der Wirbelsäule, wenige Etagen nach unten und zur Seite ausstrahlend; dumpf, ohne Missempfindungexperimentelle Reizung der Brustwirbelgelenke am Menschen [B]
Bandscheibe Th8/Th9 oder Th9/Th10tief in der Mitte des Rückens, gelegentlich zur Seiteaus Untersuchungsreihen mit Kontrastmitteleinbringung abgeleitet, erhebliche Streuung [I]
Rippengelenke der neunten Rippestreng an den Verlauf der Rippe gebundenüberwiegend Fallserien [I]
Knochenhaut und Bänder (Sklerotom)Rücken und seitliche Brustwand, unscharf begrenzthistorische Reizversuche, geringe Auflösung [H]
Nur die erste Zeile berechtigt zur Bezeichnung „radikulär“. Die zweite Zeile ist die häufigste Ursache eines segmentnahen Rückenschmerzes ohne neurologischen Befund.

5.3 Historische Zonenmodelle

Zum Segment Th9 kursieren Zuordnungen zu einzelnen Organen, die auf Zonenmodelle des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurückgehen. Sie werden hier genannt, weil sie verbreitet sind — und eingeordnet, weil sie regelmäßig als gesichert ausgegeben werden.

ModellUrheberEinordnung
Head-ZonenHenry Head, um 1893Beobachtungen an Kranken mit Organerkrankungen; die Kartengrenzen sind nicht nach heutigen Maßstäben überprüfbar. Belegt ist der Übertragungsweg, nicht die Grenze der Zone. [H]
Reflexzonen nach MackenzieJames Mackenzie, um 1900Modell einer Rückkopplung zwischen Organ und Körperwand. Historisch bedeutsam, methodisch nicht überprüfbar. [H]
BindegewebszonenElisabeth Dicke, 1920er Jahreaus der Behandlungspraxis abgeleitet, ohne unabhängige Prüfung. [H]
Alle drei Modelle sind als [H] gekennzeichnet. Auf dieser Seite wird aus ihnen keine Aussage abgeleitet.

Mackenzie ist nicht McKenzie. Zwei verschiedene Personen werden regelmäßig verwechselt. James Mackenzie (1853–1925) beschrieb die Reflexzonen. Robin McKenzie (1931–2013) entwickelte in den 1970er Jahren ein Bewegungskonzept für die Wirbelsäule. „McKenzie-Zonen“ eines Segments existieren in keinem der beiden Modelle.

5.4 Erklärungswege über das Rückenmark

Dieser Abschnitt ordnet ein, auf welchem Weg ein Organreiz Haut, Unterhaut und Muskeln verändern kann. Belegt ist nur ein Teil davon.

Reize aus einem Organ erreichen das Rückenmark über Eingeweidefasern. Diese enden im Hinterhorn, dem Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen. Im selben Segment können sie die sympathischen Ursprungszellen im Nucleus intermediolateralis erregen. Diese Zellsäule im Seitenhorn reicht von Th1 bis etwa L2; das Segment Th9 gehört dazu. Über den Grenzstrang steuern diese Zellen unter anderem Hautgefäße und Schweißdrüsen. [B]

Dass sich Unterhaut und Muskeln im Übertragungsgebiet eines Organs messbar verändern, ist beim Menschen gezeigt. Bei Gallensteinen mit Koliken war die Unterhaut im Übertragungsgebiet dicker und der Muskel dünner als auf der Gegenseite. Ohne Koliken fanden sich diese Unterschiede nicht. [B]

Die Autoren dieser Untersuchung vermuten, dass Überempfindlichkeit und Gewebeveränderung auf verschiedenen Wegen entstehen. [I]

Auf welchem Weg die Veränderungen entstehen, ist beim Menschen nicht geklärt. Tierversuche nennen drei Kandidaten: gegabelte Empfindungsfasern, Verschaltungen zwischen Empfindungsfasern im Rückenmark und den sympathischen Reflex über das Seitenhorn. [B]

Gegabelte Empfindungsfaser. Bei Ratten sind Schmerzfasern nachgewiesen, die sich teilen und mit einem Ast die Haut, mit dem anderen ein Organ versorgen. Bei Entzündungen von Dickdarm, Blase oder Magen trat in der Haut Flüssigkeit aus. Im Dickdarmmodell reagierten diese Fasern verstärkt auf Hautreize. [B]

Hinterwurzelreflex. Hier läuft eine Erregung vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser. An deren Ende setzt sie Botenstoffe frei, die eine vom Nerv ausgelöste Schwellung und Rötung hervorrufen, eine neurogene Entzündung. Im Tierversuch erklärt dieser Reflex einen erheblichen Teil der Gelenkschwellung bei Arthritis und der Hautrötung nach Einspritzen von Capsaicin. [B]

Dass einer dieser beiden Wege die Zonen bei Organleiden erzeugt, ist nicht gezeigt. Beide setzen kein Seitenhorn voraus und kämen deshalb in allen Segmenten in Frage. [I]

Konvergenz im Hinterhorn. Fast alle Schaltzellen der zweiten Stufe im Hinterhorn erhalten Eingänge aus den Eingeweiden und zugleich aus Haut und Muskeln. Dieses Zusammenlaufen gilt seit Langem als Grundlage dafür, dass Organschmerz an der Körperoberfläche gespürt wird. [B]

Die Konvergenz erklärt die Überempfindlichkeit einer Zone, für sich allein aber keine tastbare Gewebeveränderung. Welcher der genannten Wege beim Menschen überwiegt, ist offen. [I]

Die Bindegewebsmassage erklärt ihre Zonen mit einer Reflexwirkung über das vegetative Nervensystem, also mit dem Weg über das Seitenhorn. Nachgewiesen ist diese Erklärung nicht, und ob die Tastbefunde nach Dicke den gemessenen Veränderungen entsprechen, ist offen. [I]

Skelettmuskeln werden ausschließlich über die motorischen Vorderhornzellen erregt. Das vegetative Nervensystem, zu dem das Seitenhorn gehört, steuert Eingeweide, Gefäße und Drüsen, aber nicht die Skelettmuskeln. [B]

Ein zweites Modell führt Verspannungen der Körperwand bei Organreiz auf Reflexe über diese Vorderhornzellen zurück. Die Körperwand umfasst Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ. Tierversuche stützen das Modell; beim Menschen ist es nicht gesichert. [I]

Ob der Sympathikus die Muskelspannung beim Menschen unmittelbar verändert, ist ungeklärt. Im Tierversuch veränderte ein Sympathikusreiz die Empfindlichkeit der Muskelspindeln, der Längenfühler im Muskel. Beim Menschen blieb die Spindelentladung in einer Untersuchung unverändert; in einer anderen war der Dehnungsreflex verstärkt. Die Befunde widersprechen sich. [I]

Alle genannten Wege beschreiben die Richtung vom Organ zur Körperwand. Dass eine Behandlung von Haut oder Muskeln über diese Wege ein Organ beeinflusst, ist damit nicht belegt. [H]

Kapitel 06

Beschwerdebilder

6.1 Die Wurzelstörung Th9

Eine isolierte Schädigung der Wurzel Th9 ist selten. Wenn sie auftritt, zeigt sie ein gleichbleibendes Muster: Schmerz in einem Band, Missempfindung im selben Band, kein prüfbarer Kraftverlust, kein Reflexausfall. [B]

MerkmalBefund bei Th9
Schmerzgürtelförmig von der Wirbelsäule zur vorderen Bauchwand oberhalb des Nabels; einseitig; oft brennend
MissempfindungKribbeln, Taubheit oder Überempfindlichkeit im selben Band
Kraftkein isoliert prüfbarer Ausfall — kein Kennmuskel vorhanden
Reflexekein Eigenreflex. Bauchdeckenreflexe können seitenungleich sein, fehlen aber auch bei Gesunden häufig
Beevor-Zeichennegativ — es wird erst ab Th10 abwärts positiv (Abschnitt 3.4)
AuslöserBewegung, Husten, Pressen; nachts oft stärker
Was fehltSchwäche der Beine, Gangunsicherheit, Blasenstörung. Treten sie auf, liegt keine Wurzelstörung vor, sondern eine Rückenmarksschädigung (Kapitel 09)
Die vorletzte Zeile ist der nützlichste Einzelbefund: Ein negatives Beevor-Zeichen bei gürtelförmigem Schmerz oberhalb des Nabels passt zu Th9 und spricht gegen eine tiefere Höhe.

6.2 Bandscheibenvorfall im unteren Brustbereich

Bandscheibenvorfälle der Brustwirbelsäule sind selten — sie machen deutlich unter einem Prozent aller Vorfälle aus. Ihre Verteilung ist aber ungleich: Rund drei Viertel liegen unterhalb der Höhe Th8, mit dem Gipfel bei Th11/Th12. Th9 liegt damit am oberen Rand des häufigen Bereichs. [B]

Bildbefund und Beschwerden sind zweierlei. Kernspinuntersuchungen bei Menschen mit Rückenbeschwerden finden Vorwölbungen und Vorfälle im unteren Brustbereich weit häufiger, als es symptomatische Fälle gibt — in einer Reihe war die Etage Th7/Th8 am häufigsten betroffen, gefolgt von Th8/Th9 und Th11/Th12. Der überwiegende Teil dieser Befunde verursacht keine Beschwerden. [B]

Ein Bildbefund in Höhe Th9 ist deshalb allein kein Grund für eine Behandlung. Er wird erst bedeutsam, wenn Untersuchungsbefund und Bild zusammenpassen.

Anders als an der Lendenwirbelsäule ist der thorakale Vorfall überwiegend mittig gerichtet. Er trifft dann nicht eine Wurzel, sondern das Rückenmark in einem engen Kanal. Führend sind dann Zeichen unterhalb der Läsionshöhe: Gangunsicherheit, Steifigkeit der Beine, gesteigerte Reflexe, später Blasenstörungen. [B]

6.3 Die osteoporotische Wirbelkörperfraktur

Der häufigste ernsthafte Befund dieser Höhe ist kein Nervenproblem, sondern ein Knochenproblem. Wirbelkörperbrüche bei verminderter Knochendichte häufen sich an zwei Stellen der Wirbelsäule: im mittleren Brustbereich und am Übergang zur Lendenwirbelsäule. [B]

  • Eine bevölkerungsbezogene Untersuchung fand bei Frauen Häufungen an den Wirbeln Th7, Th9, Th12 und L1; bei Männern lag statt Th9 der Wirbel Th8 vorn. [B]
  • Der mechanische Grund liegt in der Krümmung: Im Scheitel der Brustkyphose wirkt bei Vorneigung die größte Druckbelastung auf die Vorderkante der Wirbelkörper. [I]
  • Typisch ist ein plötzlicher, bewegungsabhängiger Rückenschmerz nach geringer Belastung — Heben, Husten, Stolpern ohne Sturz. Ein Trauma fehlt oft ganz. [B]
  • Die Leitlinie zur Osteoporose (AWMF-Registernummer 183-001) ordnet die Wirbelkörperfraktur als eigenständigen Risikofaktor für weitere Brüche ein. Die Gültigkeitsangabe der Fassung von 2023 war zum Zeitpunkt dieser Bearbeitung nicht abrufbar; siehe Abschnitt 11.4. [B]

6.4 Slipping-Rib-Syndrom der Rippen 8 bis 10

Die neunte Rippe ist eine falsche Rippe: Ihr Knorpel erreicht das Brustbein nicht, sondern ist über Bindegewebe am Knorpel der achten Rippe befestigt. Gibt diese Verbindung nach, kann das Knorpelende beim Bewegen über die Nachbarrippe gleiten. [B]

MerkmalBefund
Schmerzstechend am unteren Rippenbogen, oft plötzlich einschießend, danach dumpf nachhallend
AuslöserDrehen, Bücken, Aufrichten aus dem Liegen, tiefes Einatmen, Husten
Tastbefundumschriebener Druckschmerz am Rippenknorpel; gelegentlich ein hör- oder fühlbares Schnappen
UntersuchungAnhaken des Rippenbogens von unten mit den Fingern und Zug nach vorn löst den bekannten Schmerz aus
Bildgebungregelhaft unauffällig — das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme
VerwechslungGallenblase, Magen, Rippenbruch, Wurzelstörung Th9
Der wichtigste Punkt steht in der vorletzten Zeile: Ein unauffälliges Röntgen- oder Schnittbild schließt dieses Beschwerdebild nicht aus, sondern gehört zu ihm.

6.5 Einklemmung des vorderen Hautasts

Der Endast des neunten Interkostalnervs durchbohrt die Rektusscheide am seitlichen Rand des geraden Bauchmuskels. An dieser Stelle kann er eingeklemmt werden. Das Bild wird als Einklemmungssyndrom des vorderen Hautasts bezeichnet (englisch abgekürzt ACNES). [B]

  • Kennzeichnend ist ein münzgroßer, mit einem Finger genau zeigbarer Druckpunkt am seitlichen Rand des geraden Bauchmuskels — nicht ein flächiger Bauchschmerz.
  • Das Carnett-Zeichen ist positiv: Der Druckschmerz bleibt beim Anspannen der Bauchdecke gleich oder nimmt zu (Abschnitt 7.4). [B]
  • Im betroffenen Hautbezirk finden sich häufig eine veränderte Empfindung und ein verändertes Hautfaltengefühl im Seitenvergleich.
  • Das Bild wird regelmäßig als „unklarer Bauchschmerz“ oder „funktionelle Beschwerde“ geführt, weil die Untersuchung des Bauchraums unauffällig bleibt. [I]

6.6 Gürtelrose und ihre Folgen

Das Varizella-Zoster-Virus verbleibt nach einer Windpockenerkrankung in den Spinalganglien und kann Jahrzehnte später wieder aktiv werden. Die Brustsegmente sind dabei am häufigsten betroffen. [B]

  • Der Ausschlag hält sich streng an ein Segmentband und überschreitet die Mittellinie nicht. Bei Th9 verläuft er als Gürtel oberhalb des Nabels.
  • Dem Ausschlag gehen häufig einige Tage Schmerz voraus. In dieser Zeit wird das Bild regelmäßig für ein Bauch- oder Wirbelsäulenproblem gehalten. [B]
  • Segmentale Bauchwandlähmung: Als Komplikation kann eine vorübergehende Lähmung der Bauchwandmuskeln desselben Segments auftreten. Es entsteht eine Vorwölbung der Bauchdecke ohne Bruchpforte — eine Pseudohernie. Sie bildet sich meist über Monate zurück. [B]
  • Die deutsche Leitlinie zu Zoster und Postzosterneuralgie trägt die AWMF-Registernummer 013-023. Ihre Gültigkeit ist seit Mai 2024 abgelaufen; eine Überarbeitung war zum Zeitpunkt dieser Bearbeitung angekündigt, aber nicht veröffentlicht. Angaben aus dieser Leitlinie sind entsprechend zu prüfen.

6.7 Der Verschluss der vorderen Rückenmarksarterie

Die Besonderheit der Gefäßversorgung dieser Höhe (Abschnitt 1.5) hat ein eigenes Beschwerdebild zur Folge. Wird der Zufluss zur vorderen Rückenmarksarterie unterbrochen, entsteht ein Schaden im vorderen Anteil des Rückenmarks. [B]

MerkmalBefundWarum
Beginnplötzlich, oft mit heftigem Rücken- oder Bauchschmerzakuter Gefäßverschluss
Kraftbeidseitige Lähmung unterhalb der Höhedie vorderen zwei Drittel des Rückenmarks enthalten die Bewegungsbahnen
GefühlSchmerz- und Temperaturempfinden gestört, Berührungs- und Lagesinn erhaltendie hinteren Stränge werden aus anderen Gefäßen versorgt
Blase und Enddarmfrüh gestörtdie steuernden Bahnen verlaufen vorn
AnlässeEingriffe an der Aorta, Aortendissektion, schwerer Blutdruckabfall, WirbelsäuleneingriffeUnterbrechung oder Minderdurchblutung der zuführenden Arterie
Die dritte Zeile ist das entscheidende Erkennungsmerkmal: die Trennung von Schmerz- und Temperaturempfinden einerseits, Berührungs- und Lagesinn andererseits. Dieses Bild ist ein Notfall.

6.8 Ursachen aus dem Bauchraum

Der Segmentbefund ersetzt die Abklärung der Organe nicht. Mehrere Erkrankungen des Oberbauchs erzeugen Beschwerden, die in den Bereich Th8 bis Th10 übertragen werden. [B]

UrsacheTypischer Ort des übertragenen SchmerzesHinweis
Magengeschwür, ZwölffingerdarmgeschwürOberbauch mittig, Rücken zwischen den SchulterblätternBezug zu Mahlzeiten, nächtlicher Schmerz
Gallenkolik, Gallenblasenentzündungrechter Oberbauch, rechte Schulter und rechter RückenWellenförmigkeit, Übelkeit, Fettunverträglichkeit
BauchspeicheldrüsenentzündungOberbauch gürtelförmig, RückenBesserung beim Vornüberbeugen, schwer krankes Erscheinungsbild
Nierenbeckenentzündung, HarnleitersteinFlanke, Rücken, Ausstrahlung nach untenKlopfschmerz im Nierenlager, Beschwerden beim Wasserlassen
Herzinfarkt der HinterwandOberbauch, RückenKaltschweißigkeit, Enge, Luftnot — jederzeit Notfall
Aortenaneurysma, AortendissektionRücken, Bauch, wanderndreißender Vernichtungsschmerz, Seitenunterschied der Pulse — Notfall
Die beiden letzten Zeilen stehen hier, weil beide anfangs wie ein Rückenproblem aussehen können und beide keinen Aufschub dulden (Kapitel 09).

6.9 Abgrenzung auf einen Blick

BeschwerdebildLeitmerkmalAbzugrenzen von
Wurzelstörung Th9gürtelförmiger Schmerz mit Missempfindung in einem Band, oberhalb des Nabels; keine Beinsymptomesiehe alle folgenden Zeilen
Rückenmarksschädigung Höhe Th8 bis Th10Zeichen unterhalb der Höhe: Gangunsicherheit, gesteigerte Reflexe an den Beinen, sensibles Niveau, BlasenstörungWurzelstörung — der Befund liegt unterhalb, nicht im Band
Wirbelkörperfraktur Th9plötzlicher, bewegungsabhängiger Schmerz, Klopfschmerz über dem Dornfortsatz, geringes oder fehlendes TraumaWurzelstörung — keine Missempfindung, kein Band
Wirbelgelenkschmerz Th8/Th9 oder Th9/Th10dumpfer, tiefer Schmerz neben der Wirbelsäule, keine MissempfindungWurzelstörung — kein neurologischer Befund
Slipping-Rib-Syndromstechender Schmerz am Rippenbogen, Schnappen, positives AnhakmanöverGallenblase, Magen, Wurzelstörung
Einklemmung des vorderen Hautastsmünzgroßer Druckpunkt am Rektusrand, Carnett-Zeichen positivErkrankungen des Bauchraums
Gürtelroseeinseitiger Schmerz, nach Tagen Bläschen im selben Band, Mittellinie wird nicht überschrittenWurzelstörung — vor dem Ausschlag nicht sicher trennbar
Verschluss der vorderen Rückenmarksarterieplötzliche beidseitige Lähmung, gestörtes Schmerz- und Temperaturempfinden bei erhaltenem Lagesinnalle übrigen — Notfall
OberbauchorganeBezug zu Mahlzeiten, Übelkeit, Fieber, Verfärbung, KreislaufzeichenWandbeschwerden — das Carnett-Zeichen trennt beides
Die zweite und die vorletzte Zeile bestimmen das Vorgehen: Beide erfordern eine sofortige Abklärung, beide beginnen gelegentlich mit Rückenschmerz.

Kapitel 07

Untersuchung

7.1 Die Höhe bestimmen

Vor jeder Beurteilung steht die Frage, welche Höhe überhaupt gemeint ist. Im Brustbereich ist das fehleranfälliger als anderswo, weil Wirbel, Rückenmarkssegment und Hautgebiet auseinanderfallen (Abschnitt 1.1).

SchrittVorgehenWas er beantwortet
Dornfortsätze abzählenvon einer festen Marke aus zählen — etwa vom untersten tastbaren Halswirbel oder von der Verbindungslinie der Beckenkämme aufwärtsdie Wirbelhöhe
Hautmarken abzählenSchwertfortsatz (Th6) und Nabel (Th10) als Anker, Th9 dazwischen einordnendie Segmenthöhe der Haut
Beide vergleichender Abstand beträgt im unteren Brustbereich zwei bis drei Höhenob Befund und Bild zusammenpassen
Wer nur eine der beiden Zählungen vornimmt, erhält eine Zahl ohne Bezug. Der Vergleich beider ist der eigentliche Befund.

7.2 Gefühl prüfen

  • Geprüft werden Berührung und Spitz-stumpf-Unterscheidung, jeweils im Seitenvergleich auf gleicher Höhe und im Höhenvergleich von oben nach unten.
  • Die Prüfung läuft vom vermuteten Ausfallgebiet zum gesunden Gebiet hin, nicht umgekehrt — der Übergang wird so schärfer bemerkt. [I]
  • Gesucht wird nicht ein Ausfall, sondern eine Grenze. Ein waagerecht umlaufendes Niveau spricht für das Rückenmark, ein einseitiges Band für die Wurzel. [B]
  • Wegen der Überlappung der Bänder kann bei einer einzelnen Wurzelstörung die Prüfung unauffällig bleiben. Ein normaler Befund schließt eine Wurzelstörung nicht aus. [B]

7.3 Bauchdeckenreflexe und Beevor-Zeichen

Th9 hat keinen Eigenreflex. Prüfbar sind zwei Fremdbefunde, die beide nur im Vergleich aussagekräftig sind.

PrüfungVorgehenAussagekraft
Oberer BauchdeckenreflexBestreichen der Bauchhaut unterhalb des Rippenbogens von außen zur Mitteerfasst mehrere Segmente gemeinsam — deutschsprachig Th6 bis Th9, englischsprachig Th8 bis Th9 oder Th9 bis Th10; Th9 nie allein [I]
Mittlerer BauchdeckenreflexBestreichen auf Nabelhöheerfasst Th9 bis Th11 gemeinsam; englischsprachige Werke führen meist keine eigene mittlere Etage [I]
Unterer BauchdeckenreflexBestreichen oberhalb der Leisteerfasst Th11 bis Th12, einzelne Darstellungen bis L1 [I]
Beevor-ZeichenKopfheben oder Aufrichten im Liegen, Beobachtung des NabelsWandern nach oben spricht für eine Störung ab Th10 abwärts — bei Th9 negativ
Bauchdeckenreflexe fehlen auch bei Gesunden häufig, besonders bei Übergewicht, nach Bauchoperationen und nach Schwangerschaften. Verwertbar sind allein Seiten- und Höhenunterschiede, nicht das Fehlen an sich.

Ein fehlender Bauchdeckenreflex ist kein Segmentbefund. Er erlischt auch bei Schädigungen oberhalb der geprüften Höhe, weil die absteigende Bahn unterbrochen ist. Das Fehlen sagt daher nichts über den Ort aus — nur der Seitenunterschied und die Höhengrenze tun das. [B]

7.4 Das Carnett-Zeichen — Wand oder Bauchraum

Der wichtigste Einzelgriff dieser Höhe braucht kein Gerät. Der Untersucher findet den Punkt größten Druckschmerzes und hält den Finger dort. Dann spannt der Mensch die Bauchdecke an — durch Kopfheben oder Anheben der gestreckten Beine. [B]

BeobachtungAuslegung
Schmerz bleibt gleich oder nimmt zuCarnett-Zeichen positiv — die Quelle liegt in der Bauchwand: Nerv, Muskel, Rippenknorpel
Schmerz nimmt deutlich abCarnett-Zeichen negativ — die angespannte Wand schirmt die Quelle ab; sie liegt im Bauchraum
Der Griff ersetzt keine Abklärung der Organe. Er ordnet nur die Richtung der weiteren Untersuchung — und verhindert, dass eine Wandursache monatelang im Bauchraum gesucht wird.

7.5 Weitere gezielte Handgriffe

  • Klopfschmerz über den Dornfortsätzen: umschriebener Klopfschmerz über Th9 lenkt auf Knochen und Bandapparat — vor allem auf eine Wirbelkörperfraktur.
  • Anhakmanöver am Rippenbogen: Die Finger greifen den unteren Rippenbogen von innen und ziehen ihn nach vorn. Löst das den bekannten Schmerz aus, spricht das für ein Slipping-Rib-Syndrom (Abschnitt 6.4). [B]
  • Bewegungsprüfung der Brustwirbelsäule: Drehung im Sitzen, Seitneigung, Atemtiefe. Segmentale Beweglichkeitsbefunde von Hand haben eine geringe Übereinstimmung zwischen verschiedenen Untersuchern und tragen für sich allein keine Diagnose. [I]
  • Haut ansehen. Bei einseitigem, brennendem Bandschmerz ohne Erklärung: die Haut des gesamten Bandes entkleidet betrachten, auch die Rückseite. Bläschen können wenige und unscheinbar sein. [B]

7.6 Bildgebung und Zusatzuntersuchungen

VerfahrenWann es weiterführtGrenzen
Röntgen der Brustwirbelsäule in zwei EbenenVerdacht auf Wirbelkörperfraktur, Verlaufskontrolle bekannter Sinterungenfrische Brüche sind anfangs nicht immer sichtbar
KernspintomographieVerdacht auf Rückenmarksbeteiligung, Entzündung, Tumor, frische Frakturfindet häufig Vorwölbungen ohne Krankheitswert — der Befund braucht einen passenden Untersuchungsbefund
Computertomographieknöcherne Verhältnisse, verknöcherte Bandscheibenvorfälle, BruchgeometrieStrahlenbelastung; Weichteile schlechter beurteilbar
Ultraschall der BauchwandVerdacht auf Slipping-Rib-Syndrom oder Bauchwandveränderung, dynamisch prüfbarstark untersucherabhängig
Elektromyographie und NervenleitmessungAbgrenzung gegen Nervengeflecht- und Nervenerkrankungenfür die Bauchwandsegmente wenig gebräuchlich und schwer standardisiert; eine Wurzelstörung Th9 wird damit in der Regel nicht bewiesen [I]
LaboruntersuchungVerdacht auf Entzündung, Organerkrankung, Knochenstoffwechselstörungordnet ein, ersetzt die Untersuchung nicht
Die zweite Zeile enthält die häufigste Fehlerquelle dieser Höhe: Ein auffälliges Schnittbild belegt für sich allein nichts, solange der Untersuchungsbefund nicht dazu passt.

Kapitel 08

Behandlungsansätze

8.1 Was die Behandlung bestimmt

Nicht die Segmenthöhe bestimmt das Vorgehen, sondern die Ursache. Dieselbe Zahl „Th9“ steht für Beschwerdebilder mit völlig unterschiedlicher Dringlichkeit — vom Rippenknorpel bis zum Gefäßverschluss.

UrsacheAusrichtung der Behandlung
Wirbelgelenk- oder RippengelenkbeschwerdenBewegung, Wärme, gezielte Übungen, zeitlich begrenzte Schmerzmittel
Slipping-Rib-SyndromAufklärung, Vermeiden auslösender Bewegungen, örtliche Betäubung als Prüfverfahren; in hartnäckigen Fällen operative Verfahren
Einklemmung des vorderen Hautastsgezielte Einspritzung am Druckpunkt, sowohl zur Prüfung als auch zur Behandlung
Wurzelstörung Th9Schmerzbehandlung, Bewegung im schmerzfreien Rahmen, Ursachenklärung
Gürtelrosefrühe antivirale Behandlung und ausreichende Schmerzbehandlung — je früher, desto besser
WirbelkörperfrakturSchmerzbehandlung, frühe Mobilisierung, Abklärung und Behandlung der Knochendichte
Rückenmarksbeteiligung, Gefäßverschluss, Tumor, Infektionsofortige Abklärung in einer Klinik — keine ambulante Behandlungsserie (Kapitel 09)
Die letzte Zeile ist die einzige, bei der ein Zuwarten schadet. Alle übrigen erlauben ein abgestuftes Vorgehen.

8.2 Was belegt ist

  • Bewegung und Aktivität statt Schonung: für Rückenbeschwerden ohne Warnzeichen ist das der am besten gestützte Grundsatz. [B]
  • Frühe antivirale Behandlung bei Gürtelrose senkt Dauer und Schwere der Beschwerden; die Behandlung des Nervenschmerzes gehört von Anfang an dazu. [B]
  • Örtliche Betäubung am Druckpunkt bei Einklemmung des vorderen Hautasts wirkt zugleich als Prüfverfahren: Verschwindet der Schmerz, ist die Wandursache bestätigt. [B]
  • Behandlung der Knochendichte nach einer Wirbelkörperfraktur senkt das Risiko weiterer Brüche. [B]

8.3 Was nicht belegt ist

Segmentbehandlung zur Beeinflussung von Organen. Die Vorstellung, eine Behandlung an der Wirbelsäule in Höhe Th9 verändere die Funktion von Magen, Leber, Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse, folgt aus der Anatomie nicht (Abschnitt 4.4). Sie wird auf dieser Seite als [H] geführt.

„Blockierungslösung“ als Ursachenbehandlung. Manuelle Verfahren können Beschwerden vorübergehend lindern. Der Nachweis, dass dabei eine Fehlstellung behoben wird, fehlt; die Befunderhebung von Hand hat eine geringe Übereinstimmung zwischen Untersuchern. [I]

Zonenmassage nach Organzuordnung. Die zugrunde liegenden Karten sind historische Modelle ohne überprüfbare Grenzen (Abschnitt 5.3). [H]

Diese Seite gibt keine Behandlungsempfehlung für den Einzelfall. Welches Verfahren wann angezeigt ist, entscheidet die behandelnde Fachperson anhand des Befundes.

Kapitel 09

Warnzeichen

Die folgenden Zeichen sprechen gegen eine harmlose Ursache. Sie erfordern eine zügige, teils sofortige Abklärung — unabhängig davon, wie gut der übrige Befund zu einem Segmentproblem passt.

Sofort in die Klinik

Zeichen unterhalb der Höhe: zunehmende Schwäche oder Steifigkeit der Beine, Gangunsicherheit, ein waagerecht umlaufendes Gefühlsniveau am Rumpf, gesteigerte Reflexe an den Beinen. Das ist kein Wurzelbild, sondern ein Rückenmarksbild.

Störung von Blase oder Enddarm zusammen mit Rückenbeschwerden — Harnverhalt, unbemerkter Urin- oder Stuhlabgang, verändertes Gefühl im Reithosenbereich.

Plötzliche beidseitige Lähmung mit gestörtem Schmerz- und Temperaturempfinden bei erhaltenem Berührungs- und Lagesinn — Verdacht auf einen Verschluss der vorderen Rückenmarksarterie (Abschnitt 6.7).

Reißender Vernichtungsschmerz in Brust, Rücken oder Bauch, wandernd, mit Kreislaufzeichen oder Seitenunterschied der Pulse — Verdacht auf eine Aortendissektion.

Enge, Luftnot, Kaltschweißigkeit mit Oberbauch- oder Rückenschmerz — ein Herzinfarkt der Hinterwand kann so beginnen.

Zügig ärztlich abklären

Plötzlicher Rückenschmerz ohne oder nach geringem Anlass bei verminderter Knochendichte, hohem Lebensalter oder längerer Behandlung mit Kortison — Verdacht auf Wirbelkörperfraktur.

Fieber, Nachtschweiß, ungewollter Gewichtsverlust, durchgemachte Krebserkrankung, geschwächte Abwehr, Drogengebrauch über die Vene — Verdacht auf Entzündung oder Tumorabsiedlung.

Nachtschmerz, der zum Aufstehen zwingt und sich durch Lagewechsel nicht bessert.

Einseitiger brennender Bandschmerz ohne Erklärung — auf Bläschen achten; eine Gürtelrose beginnt oft Tage vor dem Ausschlag.

Neu aufgetretene Vorwölbung der Bauchwand ohne tastbare Bruchpforte, gegebenenfalls mit Gefühlsstörung im selben Band.

Beschwerden mit Bezug zu Mahlzeiten, Übelkeit, Erbrechen, Gelbfärbung, veränderter Stuhl — Verdacht auf eine Ursache im Bauchraum.

Ein tastbarer Befund an Wirbel oder Rippe schließt eine Organursache nicht aus. Beides kann nebeneinander bestehen. Ein Druckschmerz in Höhe Th9 ist kein Beleg dafür, dass Herz, Aorta und Oberbauchorgane in Ordnung sind. [B]

Kapitel 10

Häufige Fragen

Im Befund steht „Bandscheibenvorfall Th8/Th9“. Ist damit die Wurzel Th9 betroffen?

Nicht zwangsläufig. Im Brustbereich ist der Wirbelkanal eng, und die meisten Vorfälle dieser Höhe sind mittig gerichtet. Sie treffen dann nicht eine Wurzel, sondern das Rückenmark — und das erzeugt ein anderes Bild: Zeichen unterhalb der Höhe statt eines Schmerzbandes. Zu einer reinen Wurzelstörung Th9 führt am ehesten ein seitlich gelegener Vorfall der Etage Th9/Th10. Entscheidend ist deshalb nicht die Höhenangabe allein, sondern die Lage im Querschnitt zusammen mit dem Untersuchungsbefund.

Warum gibt es für Th9 keinen Kennmuskel?

Weil kein Muskel dieser Höhe einzeln geprüft werden kann. Die Muskeln der Brust- und Bauchwand werden von mehreren benachbarten Segmenten gemeinsam versorgt; sie lassen sich nicht gegen Widerstand isolieren. Der internationale Standard zur Untersuchung nach Rückenmarksschädigung führt deshalb für Th2 bis L1 keinen Kennmuskel und leitet die motorische Höhe aus der sensiblen ab. Ein „Kraftgrad Th9“ ist keine Größe, die es gibt.

Mein Nabel wandert beim Aufrichten nach oben. Spricht das für Th9?

Eher dagegen. Dieses Beevor-Zeichen entsteht, wenn der untere Anteil des geraden Bauchmuskels schwächer ist als der obere. Klassisch wird es einer Störung zwischen Th10 und Th12 zugeordnet — also unterhalb von Th9. Bei einer reinen Th9-Schädigung bleibt es negativ. Das Zeichen kommt außerdem bei Muskelerkrankungen vor, die die Bauchmuskeln ungleich betreffen. Es gehört deshalb ärztlich eingeordnet und nicht für sich allein gedeutet.

Gehört der Nabel zu Th9?

Nein, der Nabel ist die Marke für Th10. Th9 liegt darüber, ohne eigene tastbare Marke — sein Prüfpunkt wird zwischen dem Punkt Th8 und dem Nabel eingeordnet. Genau deshalb wird diese Höhe häufiger falsch gezählt als die Nachbarn: Th4 hat die Brustwarze, Th6 den Schwertfortsatz, Th10 den Nabel — Th9 hat nichts dergleichen.

Steuert Th9 den Magen oder die Leber?

Es beteiligt sich, es steuert nicht. Th9 ist nach den Standardwerken die unterste Höhe, die zum großen Eingeweidenerv beiträgt; dieser wird im Ganglion coeliacum umgeschaltet und erreicht von dort die Oberbauchorgane. Aus einem Zufluss unter mehreren folgt aber keine Zuständigkeit für ein bestimmtes Organ. Hinzu kommt, dass die Lehrbuchspanne Th5 bis Th9 in Präparationsreihen nur bei einer Minderheit tatsächlich so gefunden wird. Belegt ist die Richtung vom Organ zur Körperwand: Eine Erkrankung im Oberbauch kann Schmerz in diesem Gürtel erzeugen. Die Umkehrung — Behandlung der Wand zur Beeinflussung des Organs — folgt daraus nicht.

Was hat es mit der „Adamkiewicz-Arterie“ auf sich, die bei Th9 genannt wird?

Das Rückenmark wird vorne von einer einzigen Längsschlagader versorgt. Sie erhält im unteren Brustbereich Zufluss aus einem großen Einzelgefäß, der A. radicularis magna. Dieses Gefäß entspringt am häufigsten zwischen den Höhen Th9 und Th12, und Th9 ist eines der häufigsten Einzelniveaus. Bedeutung hat das vor allem bei Eingriffen an der Aorta und an der Wirbelsäule sowie bei einer Aortendissektion. Für alltägliche Rückenbeschwerden hat diese Besonderheit keine Bedeutung — die gelegentlich behauptete allgemeine „Minderdurchblutung des Segments Th9“ gibt es nicht.

Ich habe einen punktgenauen Schmerzpunkt an der Bauchdecke. Kommt das vom Rücken?

Möglicherweise — aber nicht aus dem Wirbelkanal, sondern vom Endast des Nervs. Der vordere Hautast des neunten Interkostalnervs durchbohrt die Rektusscheide am seitlichen Rand des geraden Bauchmuskels und kann dort eingeklemmt werden. Kennzeichnend sind ein münzgroßer, mit einem Finger zeigbarer Druckpunkt und ein positives Carnett-Zeichen: Der Schmerz bleibt beim Anspannen der Bauchdecke gleich oder nimmt zu. Bei einer Ursache im Bauchraum nimmt er dagegen ab. Dieser einfache Griff ordnet die Richtung der weiteren Abklärung.

Kann eine Gürtelrose eine Vorwölbung der Bauchwand verursachen?

Ja, das ist eine bekannte, aber selten erkannte Komplikation. Neben dem Ausschlag kann das Virus die Bewegungsfasern desselben Segments betreffen. Die Bauchwand des betroffenen Bandes erschlafft, und es entsteht eine Vorwölbung ohne Bruchpforte — eine Pseudohernie. Sie wird häufig für einen Bauchwandbruch gehalten. In der Regel bildet sie sich über Monate zurück.

Ich habe seit Wochen Schmerzen in Höhe Th9. Was sollte abgeklärt sein, bevor manuell behandelt wird?

Drei Fragen sollten beantwortet sein. Erstens: Gibt es Zeichen unterhalb der Höhe — unsichere Gangbild, Schwäche der Beine, ein umlaufendes Gefühlsniveau, Blasenstörung? Zweitens: Gibt es Hinweise auf Knochen oder Allgemeinerkrankung — plötzlicher Beginn ohne Anlass, Klopfschmerz über dem Dornfortsatz, Fieber, Gewichtsverlust, durchgemachte Krebserkrankung? Drittens: Kommt der Schmerz aus der Wand oder aus dem Bauchraum — geprüft mit dem Carnett-Zeichen und der Frage nach Bezug zu Mahlzeiten. Erst wenn diese drei Punkte geklärt sind, ist eine übungs- oder behandlungsorientierte Serie sinnvoll.

Kapitel 11

Grundlage und Quellen

11.1 Wie Aussagen gekennzeichnet sind

ZeichenBedeutungWoran erkennbar
[B]belegtin anatomischen Standardwerken, Leitlinien oder begutachteten Arbeiten übereinstimmend dargestellt
[I]Interpretationaus belegten Angaben abgeleitet, aber nicht unmittelbar so beschrieben
[H]Hypothese oder historisches Modellnicht überprüfbar oder nach heutigen Maßstäben nicht bestätigt
Die Kennzeichnung steht an der einzelnen Aussage, nicht am Abschnitt. Wo sie fehlt, handelt es sich um beschreibende Überleitungen ohne eigenen Aussagegehalt.

11.2 Verwendete Werke

  • Anatomie: Schünke, Schulte, Schumacher: Prometheus. LernAtlas der Anatomie. — Standring (Hrsg.): Gray’s Anatomy. — Sobotta: Atlas der Anatomie des Menschen. Grundlage für Segmentaufbau, Nervenverlauf, Rippen- und Gefäßverhältnisse.
  • Neurologie: Mumenthaler, Mattle: Neurologie. — Bähr, Frotscher: Duus‘ Neurologisch-topische Diagnostik. Grundlage für Segmentzuordnung, Reflexe, Höhenbestimmung und die Abgrenzung Wurzel gegen Rückenmark.
  • Wirbelsäule: Bogduk: Clinical Anatomy of the Lumbar Spine and Sacrum sowie Arbeiten desselben Autors zur segmentalen Innervation. Grundlage für die Innervation der Wirbelgelenke und die Trennung radikulärer von nicht radikulären Schmerzbildern.
  • Untersuchungsstandard: Internationale Standards zur neurologischen Klassifikation von Rückenmarksschädigungen (ISNCSCI). Grundlage für Prüfpunkte, das Fehlen von Kennmuskeln zwischen Th2 und L1 und die Ableitung der motorischen Höhe.
  • Begutachtete Einzelarbeiten: Metaanalyse und anatomische Serien zur A. radicularis magna; Präparationsreihe zu den Ursprungshöhen der Eingeweidenerven; Untersuchungsreihen zur Häufigkeit thorakaler Bandscheibenbefunde; bevölkerungsbezogene Untersuchung zur Höhenverteilung osteoporotischer Wirbelkörperfrakturen; Arbeiten zum Beevor-Zeichen.
  • Leitlinien: AWMF-Registernummer 183-001 (Osteoporose, Fassung 2023). — AWMF-Registernummer 013-023 (Zoster und Postzosterneuralgie); Gültigkeit seit 05/2024 abgelaufen, Überarbeitung angekündigt.

11.3 Eingeschränkt verwendete und nicht verwendete Quellen

  • Eingeschränkt: Head, Mackenzie und Dicke — ausschließlich als historische Zonenmodelle benannt, durchgehend mit [H] gekennzeichnet und ohne Ableitung von Aussagen (Abschnitt 5.3).
  • Eingeschränkt: Karten von Ausstrahlungsgebieten aus der Triggerpunkt-Literatur — nur als Herkunftsangabe in Abschnitt 3.6, mit dem Vermerk zur geringen Übereinstimmung zwischen Untersuchern und der Kennzeichnung [H].
  • Nicht verwendet: Segmenttabellen ohne Belegangabe, Organzuordnungskarten aus dem populären Schrifttum, Anbieter- und Forenseiten. Alle Angaben, die Th9 einem einzelnen Organ zuordnen, stammen aus dieser Gruppe und sind nicht übernommen worden.

11.4 Benannte Lücken

  • Gültigkeit AWMF 013-023 (Zoster): abgelaufen seit 05/2024. Eine gültige Nachfolgefassung war zum Zeitpunkt dieser Bearbeitung nicht auffindbar. Die betreffenden Angaben sind vor Veröffentlichung erneut zu prüfen.
  • Gültigkeitsdatum AWMF 183-001 (Osteoporose, 2023): aus dem Register nicht abrufbar. Die Registernummer und das Erscheinungsjahr sind gesichert, das Ablaufdatum nicht. Als Lücke ausgewiesen, nicht geschätzt.
  • Segmentale Beweglichkeit Th9/Th10: Eine für diese Etage gesondert ausgewiesene Messreihe mit belastbaren Zahlen liegt nicht vor. Abschnitt 1.4 nennt deshalb Größenordnungen statt Gradzahlen.
  • Obere Grenze der Bauchdeckenreflexe: Die Angaben zur Segmentspanne des oberen Bauchdeckenreflexes schwanken zwischen Th6, Th7, Th8 und Th9 als oberster Höhe. Die Abweichung verläuft zwischen der deutschsprachigen und der englischsprachigen Lehrtradition und ist damit nicht durch die Wahl eines einzelnen Werkes auflösbar. Die Seiten dieser Reihe führen deshalb beide Angaben nebeneinander und setzen keine Grenze.
  • Häufigkeit der Wurzelstörung Th9: Belastbare Zahlen zur Häufigkeit einer isolierten thorakalen Radikulopathie je Segment liegen nicht vor. Die Aussage „selten“ beruht auf der Zusammenschau der Standardwerke, nicht auf einer Erhebung. [I]
  • Frühere Fassung dieser Seite: Der Text der bisherigen Seitenfassung lag bei dieser Bearbeitung nicht vor. Die Berichtigungstabelle in Abschnitt 11.6 ist deshalb vor Veröffentlichung mit der bisherigen Fassung abzugleichen.

11.5 Fachbegriffe

BegriffBedeutung
DermatomHautgebiet, das von einer einzelnen Nervenwurzel versorgt wird
Sklerotomtiefes Gewebegebiet — Knochenhaut, Bänder, Gelenkkapseln — einer Nervenwurzel
RadikulopathieStörung einer Nervenwurzel
MyelopathieStörung des Rückenmarks selbst
R. dorsalis / R. ventralishinterer beziehungsweise vorderer Ast eines Spinalnervs
Interkostalnervvorderer Ast eines Brustnervs im Zwischenrippenraum
thorakoabdominaler NervInterkostalnerv, der über den Rippenbogen hinaus in die Bauchwand zieht (Th7 bis Th11)
N. splanchnicus majorgroßer Eingeweidenerv; Bündel vorgeschalteter sympathischer Fasern aus Th5 bis Th9
Ganglion coeliacumNervenknoten vor der Bauchschlagader, Umschaltstelle für die Oberbauchorgane
Rr. communicantesVerbindungsäste zwischen Spinalnerv und Grenzstrang
A. radicularis magnagroße Rückenmarksarterie, auch Adamkiewicz-Arterie; Hauptzufluss zur vorderen Rückenmarksarterie im unteren Brustbereich
A. spinalis anteriorvordere Rückenmarksarterie; versorgt die vorderen zwei Drittel des Rückenmarks
EigenreflexReflex, bei dem Reiz und Antwort denselben Muskel betreffen (z. B. Kniesehnenreflex)
FremdreflexReflex, bei dem Reizort und antwortender Muskel auseinanderliegen (z. B. Bauchdeckenreflex)
Beevor-ZeichenWandern des Nabels beim Aufrichten als Zeichen ungleicher Bauchmuskelkraft
Carnett-ZeichenPrüfgriff zur Trennung von Bauchwand- und Bauchraumursachen
ACNESEinklemmungssyndrom des vorderen Hautasts eines Bauchwandnervs
PseudohernieVorwölbung der Bauchwand durch Muskellähmung, ohne Bruchpforte
Costa spuriafalsche Rippe; ihr Knorpel erreicht das Brustbein nicht
ISNCSCIinternationaler Standard zur neurologischen Klassifikation von Rückenmarksschädigungen
Die Begriffe sind im Text jeweils beim ersten Auftreten erklärt; diese Übersicht fasst sie zusammen.

11.6 Berichtigte Angaben zum Segment Th9

Verbreitete AngabeBerichtigung
Der Spinalnerv Th9 trete oberhalb des Wirbels Th9 ausAb Th1 tritt jeder Nerv unterhalb seines gleichnamigen Wirbels aus. Th9 verlässt den Kanal durch das Zwischenwirbelloch Th9/Th10 (Abschnitt 1.2)
Das Rückenmarkssegment Th9 liege hinter dem Wirbel Th9Es liegt etwa zwei bis drei Wirbelhöhen weiter oben, ungefähr hinter den Wirbelkörpern Th6 bis Th7. Läsionshöhe und sensibles Niveau stimmen deshalb nicht überein (Abschnitt 1.1)
Ein Kennmuskel für Th9, meist ein BauchmuskelFür Th2 bis L1 führt der internationale Standard keinen Kennmuskel. Kein Bauchmuskel wird von einem einzigen Segment versorgt (Abschnitte 3.1 und 3.2)
Der Nabel entspreche Th9Der Nabel entspricht Th10, der Schwertfortsatz Th6. Der Prüfpunkt Th9 liegt dazwischen und hat keine eigene tastbare Marke (Abschnitt 5.1)
Ein positives Beevor-Zeichen belege eine Störung des Segments Th9Es spricht für eine Störung ab Th10 abwärts. Bei einer reinen Th9-Schädigung bleibt es negativ (Abschnitt 3.4)
Der Bauchdeckenreflex sei ein Eigenreflex des SegmentsEr ist ein Fremdreflex und erfasst Th9 gemeinsam mit mehreren Nachbarsegmenten; die Grenzen der Etagen werden uneinheitlich angegeben. Er erlischt außerdem bei Schädigungen oberhalb der geprüften Höhe (Abschnitte 3.3 und 7.3)
Fehlende Bauchdeckenreflexe belegten eine SegmentstörungSie fehlen auch bei Gesunden häufig. Verwertbar sind nur Seiten- und Höhenunterschiede (Abschnitt 7.3)
Th9 versorge die Leber, den Magen oder die GallenblaseTh9 beteiligt sich am N. splanchnicus major, der nach Lehrbuch die Höhen Th5 bis Th9 bündelt und im Ganglion coeliacum umgeschaltet wird. Aus einem Beitrag unter mehreren folgt keine Zuständigkeit für ein Organ (Abschnitt 4.2)
Die Spanne Th5 bis Th9 sei eine gemessene anatomische TatsacheSie ist die häufigste Lehrbuchangabe. In einer Präparationsreihe fand sich genau dieses Muster nur bei rund einem Fünftel der Seiten; häufiger war Th6 bis Th10 (Abschnitt 4.2)
Behandlung der Wand in Höhe Th9 beeinflusse die OberbauchorganeBelegt ist nur die Richtung Organ zur Körperwand. Die Umkehrung folgt aus der Anatomie nicht und ist mit [H] gekennzeichnet (Abschnitte 4.4 und 8.3)
Th9 sei wegen der Adamkiewicz-Arterie allgemein minderdurchblutet und deshalb besonders störanfälligBelegt ist die Häufigkeitsverteilung der Gefäßursprünge und das Risiko bei Eingriffen an Aorta und Wirbelsäule. Eine Übertragung auf alltägliche Rückenbeschwerden ist nicht gestützt (Abschnitt 1.5)
Th9 beteilige sich an der ZwerchfellbewegungDie Bewegung des Zwerchfells kommt aus C3 bis C5 über den N. phrenicus. Aus Th9 stammt nur ein sensibler Anteil des äußeren Zwerchfellrandes (Abschnitt 3.5)
Der thorakale Bandscheibenvorfall erzeuge typischerweise einen GürtelschmerzEr liegt überwiegend mittig und trifft in einem engen Kanal das Rückenmark. Führend ist eine Störung unterhalb der Läsionshöhe (Abschnitte 6.2 und 6.9)
Ein auffälliger Bandscheibenbefund in Höhe Th9 erkläre die BeschwerdenVorwölbungen und Vorfälle sind im unteren Brustbereich im Schnittbild häufig und überwiegend ohne Krankheitswert. Der Bildbefund braucht einen passenden Untersuchungsbefund (Abschnitt 6.2)
Ein unauffälliges Röntgen- oder Schnittbild schließe eine Wandursache ausBeim Slipping-Rib-Syndrom ist eine unauffällige Bildgebung der Regelfall, nicht die Ausnahme (Abschnitt 6.4)
Oberbauchschmerz mit unauffälligem Bauchbefund sei funktionellZwei belegte Wandursachen bleiben zu prüfen: das Slipping-Rib-Syndrom der Rippen 8 bis 10 und die Einklemmung des vorderen Hautasts am Rand der Rektusscheide (Abschnitte 6.4 und 6.5)
Ein tastbarer Druckschmerz an Rippe oder Wirbel schließe eine Organursache ausEr tut es nicht. Der Segmentbefund ersetzt die Abklärung von Herz, Aorta und Oberbauchorganen nicht (Kapitel 06 und 09)
Head-Zonen des Segments Th9 als gesicherte OrganzuordnungDas Modell ist historisch bedeutsam, seine Beobachtungsgrundlage aber nicht nach heutigen Maßstäben überprüfbar. Belegt ist allein der Übertragungsweg, nicht die Kartengrenze (Abschnitte 4.4 und 5.3)
„McKenzie-Zonen“ des Segments Th9Existiert in keinem der beiden Modelle, die diesen Namen tragen. James Mackenzie (Reflexzonen, um 1900) und Robin McKenzie (Bewegungstherapie, 1970er Jahre) werden verwechselt (Abschnitt 5.3)
Diese Übersicht stellt verbreiteten Angaben zum Segment Th9 den belegten Sachstand gegenüber. Hinweis: Der Text der bisherigen Seitenfassung lag bei dieser Bearbeitung nicht vor; die Tabelle ist vor Veröffentlichung mit der bisherigen Fassung abzugleichen und auf die dort tatsächlich enthaltenen Angaben zu kürzen oder zu ergänzen.

11.7 Fassung und Änderungsvermerk

AngabeInhalt
FassungV 0.1
GeändertErstfassung der Seite zum Segment Th9 nach dem elfteiligen Kapitelaufbau der Reihe
WarumFortsetzung der Brustreihe nach Th8; Aufnahme der beiden Eigenheiten dieser Höhe — unterste Wurzel des großen Eingeweidenervs und häufige Ursprungshöhe der großen Rückenmarksarterie
Ersetztkeine vorliegende Fassung; die bisherige Seitenfassung lag nicht vor (Abschnitt 11.4)
Kleine Korrekturen erhöhen die zweite Stelle, Änderungen an Aufbau oder Regelwerk die erste.

11.8 Quellen und Änderungsvermerk zu den neuen Abschnitten

Quellen zu diesem Abschnitt

  • Jänig W: Spinal cord integration of visceral sensory systems and sympathetic nervous system reflexes. Prog Brain Res 1986;67:255–277. — Grundlage des Reflexwegs von den Eingeweidefasern zu den sympathischen Ursprungszellen.
  • Wehrwein EA, Orer HS, Barman SM: Overview of the anatomy, physiology, and pharmacology of the autonomic nervous system. Compr Physiol 2016;6:1239–1278. — Grundlage der Aussage, dass das vegetative Nervensystem alle Körperteile außer der Skelettmuskulatur steuert.
  • Stifani N: Motor neurons and the generation of spinal motor neuron diversity. Front Cell Neurosci 2014;8:293. — Grundlage der Aufgabenteilung zwischen motorischen Vorderhornzellen (Skelettmuskel) und vegetativen Ursprungszellen (glatte Muskulatur, Drüsen).
  • Giamberardino MA, Affaitati G, Lerza R, Lapenna D, Costantini R, Vecchiet L: Relationship between pain symptoms and referred sensory and trophic changes in patients with gallbladder pathology. Pain 2005;114:239–249. — Messung von Unterhaut- und Muskeldicke im Übertragungsgebiet beim Menschen.
  • Wesselmann U, Lai J: Mechanisms of referred visceral pain: uterine inflammation in the adult virgin rat results in neurogenic plasma extravasation in the skin. Pain 1997;73:309–317. — Tierbefund zu Hautveränderungen im Übertragungsgebiet und den drei möglichen Entstehungswegen.
  • Fang Y, Han S, Li X, Xie Y, Zhu B, Gao X, Ma C: Cutaneous hypersensitivity as an indicator of visceral inflammation via C-nociceptor axon bifurcation. Neurosci Bull 2021;37:45–54. — Tierbefund zu gegabelten Schmerzfasern zwischen Organ und Haut sowie zur Konvergenz im Hinterhorn.
  • Willis WD Jr: Dorsal root potentials and dorsal root reflexes: a double-edged sword. Exp Brain Res 1999;124:395–421. — Übersicht zum Hinterwurzelreflex und zur neurogenen Entzündung.
  • Holey LA, Dixon J: Connective tissue manipulation: a review of theory and clinical evidence. J Bodyw Mov Ther 2014;18(1):112–118. — Grundlage der Einordnung der Bindegewebsmassage als Erklärungsmodell.
  • Giamberardino MA: Referred muscle pain/hyperalgesia and central sensitisation. J Rehabil Med 2003;Suppl 41:85–88. — Grundlage des Modells der Reflexe zur Muskulatur.
  • Roatta S, Windhorst U, Ljubisavljevic M, Johansson H, Passatore M: Sympathetic modulation of muscle spindle afferent sensitivity to stretch in rabbit jaw closing muscles. J Physiol 2002;540:237–248. — Tierbefund zur Muskelspindel.
  • Macefield VG, Sverrisdottir YB, Wallin BG: Resting discharge of human muscle spindles is not modulated by increases in sympathetic drive. J Physiol 2003;551:1005–1011. — Befund am Menschen ohne Spindelveränderung.
  • Hjortskov N, Skotte J, Hye-Knudsen C, Fallentin N: Sympathetic outflow enhances the stretch reflex response in the relaxed soleus muscle in humans. J Appl Physiol 2005;98:1366–1370. — Befund am Menschen mit verstärktem Dehnungsreflex.

Offene Lücken

  • Welche Ursprungssegmente die Haut von Arm und Bein sympathisch versorgen, geben Fachwerke unterschiedlich an. Die Seite nennt deshalb keinen Zahlenbereich. Gray’s Anatomy stand für diese Bearbeitung nicht zur Verfügung. Die Seite bleibt deshalb bei der zahlenfreien Angabe, bis das Werk eingesehen ist.
  • Von Fang et al. 2021 und Willis 1999 wurden nur die Zusammenfassungen eingesehen. Der Abgleich mit den Volltexten steht vor Veröffentlichung aus.
  • Eine Untersuchung, die beim Menschen den Entstehungsweg der Veränderungen im Übertragungsgebiet klärt, wurde nicht gefunden. Ebenso wurde keine Untersuchung gefunden, die Tastbefunde nach Dicke mit gemessenen Gewebedicken vergleicht.

Fachbegriffe

  • Hinterhorn — Eingangsbereich des Rückenmarks für Empfindungen.
  • Nucleus intermediolateralis — Zellsäule im Seitenhorn mit den sympathischen Ursprungszellen, Th1 bis etwa L2.
  • Gegabelte Empfindungsfaser — Nervenfaser, die mit zwei Ästen Organ und Haut zugleich versorgt.
  • Hinterwurzelreflex — Erregung, die vom Rückenmark rückwärts in eine Empfindungsfaser zur Haut läuft.
  • Neurogene Entzündung — Schwellung und Rötung durch Botenstoffe aus Nervenenden.
  • Konvergenz — Zusammenlaufen von Fasern aus Organ und Körperoberfläche auf dieselbe Schaltzelle.
  • Vorderhornzellen — Nervenzellen im Vorderhorn, die die Skelettmuskeln erregen.
  • Körperwand — Haut, Unterhaut und Muskeln über einem Organ.
  • Muskelspindel — Fühler im Muskel, der die Muskellänge misst.
  • Dehnungsreflex — Muskelzuckung auf plötzliche Dehnung, etwa beim Sehnenklopfen.

Änderungsvermerk

  • Fassung V 0.5: Abschnitt 5.4 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu.
  • Fassung V 0.5: Abschnitt 4.6 „Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt“ neu.
  • Warum: Die Zonen- und Muskelbefunde des Segments sind jetzt nach Entstehungsweg getrennt und belegt; alternative Wege ohne Seitenhorn stehen gleichrangig daneben.
  • Ersetzt: V 0.4.

Verwandte Segmente

Segment Th7 · Segment Th8 · Segment Th10 · Segment Th11

Hinweis. Dieser Beitrag dient der fachlichen Information. Er ersetzt keine Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifizierte Fachpersonen. Bei zunehmender Schwäche oder Steifigkeit der Beine, Gangunsicherheit, einem umlaufenden Gefühlsniveau am Rumpf, Störungen von Blase oder Mastdarm, plötzlichem Vernichtungsschmerz in Brust, Rücken oder Bauch oder Kreislaufzeichen ist eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.

Segment Th9 · V 0.5 · Stand: September 2026. Geändert: Abschnitt 5.4 „Erklärungswege über das Rückenmark“ neu; Abschnitt 4.6 „Zuflüsse zum Seitenhorn und was daraus folgt“ neu; Quellen, Lücken und Fachbegriffe in Kapitel 11 ergänzt. Warum: Die Entstehung der Zonen- und Muskelbefunde ist jetzt nach Weg getrennt, belegt und um die Wege ohne Seitenhorn ergänzt. Ersetzt: V 0.4 derselben Seite.